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Umfrage: Lehrer für Kunst und Co. beklagen geringe Motivation der Schüler – Fleischmann fordert Aufwertung der sogenannten Nebenfächer

MÜNCHEN. Nicht in jedem Fach genießt der Unterricht den Stellenwert, den er verdient. Fächer wie Ernährung und Soziales, Werken und Gestalten, Musik, Sport, Kunst, Technik oder Informationstechnik fristen im schulischen Alltag, bei dem es um Noten und Berechtigungen geht, ein Schattendasein – beklagt der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV). „Dass das so ist, heißt noch lange nicht, dass es gut ist“, erklärte dessen Präsidentin, Simone Fleischmann. Anlass: eine Befragung unter Lehrkräften, die die Probleme wie eine geringe Motivation der Schüler offenlegt.

Der Kunstunterricht - hier von Schülern gegossene Gips-Masken - fristet häufig ein Schattendasein. Foto: Wolfgang Franz / flickr (CC BY-NC 2.0)

Der Kunstunterricht – hier von Schülern gegossene Gips-Masken – fristet häufig ein Schattendasein. Foto:
Wolfgang Franz / flickr (CC BY-NC 2.0)

Ziel des Schulbesuchs müsse die ganzheitliche Bildung sein, betont Fleischmann. Die sogenannten Nebenfächer trügen viel dazu bei, jungen Menschen die Kompetenzen zu vermitteln, auf die es später ankomme – und von der die Gesellschaft von morgen profitiere. Es sei ihr ein großes Anliegen, diesen Fachunterricht aufzuwerten. Ergebnisse einer Befragung, die der BLLV Ende 2016 unter 1100 Fachlehrkräften im Freistaat durchgeführt hat, zeigten jedoch ein anders Bild. Zwar sind fast 83 Prozent mit ihrem Beruf zufrieden und über 72 Prozent fühlt sich auch von der Schulleitung und der Schulaufsicht unterstützt – dennoch: Die Lehrkräfte fühlen sich sehr belastet. Vier von fünf Befragten geben an, bei der Berufsausübung massiv gestresst zu sein.

Verhaltensauffälligkeiten der Schüler machten ihnen zu schaffen (94 Prozent), geringe Lernmotivation (80 Prozent), aber auch die Beschaffung des Unterrichtsmaterials: Über 70 Prozent fühlen sich dadurch sehr strapaziert, für 84 Prozent stellt der damit verbundene hohe Aufwand eine enorme Anstrengung dar. Fleischmann stellte einen ganzen Katalog an Forderungen vor, darunter auch die, Teamstunden einzuführen. Das gängige Stundenmaß von derzeit 29 Wochenstunden pro Lehrerin sei nicht mehr zeitgemäß.

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Eine ganze Reihe weiterer Umstände machten den Berufsalltag der Fachlehrkräfte unnötig schwer: Zum Beispiel der Mangel an Arbeitsplätzen für den Unterricht. Er stresst 87 Prozent aller Befragten. „Da es an vielen Schulen die für den Unterricht erforderlichen Räume nicht gibt, müssen die Lehrerinnen auf die Suche gehen. Das kann zermürbend sein“, so Fleischmann. Vor allem binde es Zeit, die anderswo dringend gebraucht würde.

Räume müssen häufig gewechselt werden

Über 72 Prozent beklagen fehlende Fach- und Vorbereitungsräume an den Schulen. Die zur Verfügung stehenden Räume wiederum verhindern aus Sicht von über 70% der Befragten kommunikative oder eigenständige Sitzformen. Die Hälfte der Befragten klagt über ein schlechtes Raumklima und/oder eine schlechte Belüftung. Knapp 70 Prozent fühlt sich aufgrund schlechter Raumakustik von Lärm belästigt. Die Räume müssten zudem häufig gewechselt werden (für 72 Prozent belastend). Auch der durch Schulwechsel bedingte zeitliche Aufwand ist für über 66 Prozent ein Belastungsfaktor. Wie oft es Fachlehrern darüber hinaus mit veralteten oder defekten Geräten zu tun haben, lässt sich nur ahnen: 67 Prozent aller Befragten nennen dies jedenfalls als einen Aspekt, der den Unterrichtsalltag beschwerlich macht.

Rund 80 Prozent geben zudem an, Schüler in den Abschlussklassen ohne Vorkenntnisse als besonders belastend zu erleben, über 70 Prozent empfinden Schüler mit Inklusionsbedarf als große Anstrengung, da sie sich der Kinder annehmen und gerade im sicher relevanten Bereich große Bedenken und Sorgen haben. Über 66 Prozent leiden darunter, aus dienstlichen Gründen immer wieder die Schule wechseln zu müssen.

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„Fachlehrerinnen und -lehrer wissen ganz genau, was sie brauchen, damit sich ihre Situation verbessert“, sagte Fleischmann. Ihr Forderungskatalog  falle entsprechend lang aus: So verlangen 60 Prozent Ruhe- und feste Arbeitsräume. Bessere Lagermöglichkeiten für Materialen wollen knapp 63 Prozent und über 61 Prozent möchten eine bessere Ausstattung ihres Fachraumes. Er sollte zudem nicht zusätzlich belegt werden. Ganz oben stehen mehr Poolstunden – diese wünschen sich über 92 Prozent. Knapp 70 Prozent fordert eine Dezimierung der umfangreichen Organisations- und Verwaltungsaufgaben und einen deutlichen Ausbau von Supervisions- und Coaching-Angeboten (knapp 73 Prozent).  Nach Ansicht Fleischmann müssten darüber hinaus auch die Gruppenstärken begrenzt werden. „Es kann nicht sein, dass so viele Schülerinnen und Schüler im Fachunterricht beschult werden, wie in den Raum passen – eine Höchstgrenze von zwölf Schülerinnen und Schülern erscheint sinnvoll.“ Erleichterung würde es auch bringen, wenn Fachlehrkräfte künftig an einer Schule unterrichten könnten.

Es gehe auch nicht an, dass Fachlehrkräfte immer wieder dazu angehalten werden, Klassen mitzuführen, Vertretungen oder zusätzliche Aufsichten zu übernehmen. „Das stellt für den überwiegenden Teil der von uns befragten Personen eine enorme zusätzliche Belastung dar und dient doch nur dem einen Zweck,  Unterrichtsausfälle zu kaschieren. Auch damit muss endlich Schluss sein.“  Die BLLV-Befragung lege offen, dass es brennt, fasste Fleischmann zusammen. Fleischmann: „Wir wissen um die Notwendigkeit ganzheitlicher Bildung – wir wissen aber auch, dass guter Unterricht nur dann umzusetzen ist, wenn es die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen gibt.“ Das gelte auch und besonders für Fachlehrkräfte. Agentur für Bildungsjournalismus

 

5 Kommentare

  1. Was hier geschildert wird, betrifft doch nicht nur die in der Überschrift genannten Fächer, das betrifft doch alle Fächer.

  2. Zitat: „… Die Lehrkräfte fühlen sich sehr belastet. Vier von fünf Befragten geben an, bei der Berufsausübung massiv gestresst zu sein. […] Verhaltensauffälligkeiten der Schüler machten ihnen zu schaffen (94 Prozent), geringe Lernmotivation (80 Prozent), aber auch die Beschaffung des Unterrichtsmaterials: Über 70 Prozent fühlen sich dadurch sehr strapaziert, für 84 Prozent stellt der damit verbundene hohe Aufwand eine enorme Anstrengung dar. …“

    Ist das nicht alles das, was ich ständig schreibe?

    Und die Antwort der Politiker und Gewerkschaftsfunktionäre? Gehaltserhöhung. Und alles ist wieder gut. Ein Deutschlehrer würde dazu wohl sagen: „Thema verfehlt – 4.“

    🙁

    • Thema verfehlt ist eher ungenügend als ausreichend. In der Sache haben sie aber natürlich recht.

      • @ xxx,

        ich kenne es so: Wenn alles super ist, aber nicht zum Thema passt (weil das z.B. nicht gefragt war), gibt es „wenigstens“ eine 4.

        So war es gemeint.

        In unserem Falle: Eine Gehaltserhöhung ist zwar schön (wer freut sich nicht darüber), aber sie löst keines unserer Probleme im Schulalltag.

        Passt doch, oder?

        • oh schön, dass es auch Lehrer selber mal sagen, dass es nicht die Bezahlung ist, die schief läuft (und ganz ehrlich selbst eine schlechte Bezahlung wäre kein Grund für schlechte Leistung, denn das können andere Berufe wie Krankenschwester und Co auch nicht als Begründung vorschieben)
          ich denke eine der wichtigsten Dinge wäre Lehrer anders auszusuchen – viele die ich so kenne waren Leute die nicht wussten, was sie sonst machen sollen und dachten es gibt viel Urlaub und einen sicheren Arbeitsplatz – solche Kandidaten sind die, welche es den anderen unglaublich schwer machen
          fängt aber bei den KITA-Erziehern an – (mache selber MINT-Freizeitkurse) und wenn dann Kinder nicht mehr gelernt haben in der KITA sich die Hände nach dem Klo zu waschen, dann läuft da gründlich was schief und das wird dann in höheren Klassen ausgebadet

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