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Schlechtere Noten für Migrantenkinder: Forscher finden Hinweise auf „systematische Benachteiligungsprozesse“ im deutschen Bildungssystem

MANNHEIM. Für Kinder mit Migrationshintergrund liegt die Latte im deutschen Schulsystem oft höher als für Schüler mit inländischen Wurzeln. Deutlich seltener schaffen sie es etwa von der Grundschule aufs Gymnasium. Doch auch wenn sie erst einmal dort sind, hört die Benachteiligung nicht auf. So werden sie in Klassenarbeiten und Zeugnissen von ihren Lehrern strenger bewertet als ihre Mitschüler, ermittelten jetzt Psychologen der Universität Mannheim. Nun wollen sie untersuchen, wie diese Beurteilungen zu Stande kommen.

Bildungsforscher der Universität Mannheim haben untersucht, wie sich der Migrationshintergrund von Schülern auf ihre Noten auswirkt. Dafür haben sie 1.500 Gymnasiasten im Verlauf von zwei Schuljahren regelmäßig auf ihre Mathekenntnisse geprüft.

Resultat: Im Vergleich zu ihren Mitschülern ohne Migrationshintergrund wurden Migrantenkinder im Fach Mathematik bei gleicher Sprachfertigkeit und sozialer Herkunft schlechter bewertet – und das obwohl die Kinder in Tests gleich gut abgeschnitten haben.

Für Schüler mit Migrationshintergrund hängen die Trauben in Deutschland immer noch höher. Foto: fsHH / pixabay (CC0 Public Domain)

Für Schüler mit Migrationshintergrund hängen die Trauben in Deutschland immer noch höher. Foto: fsHH / pixabay (CC0 Public Domain)

Für ihrer Studie verwendeten die Wissenschaftler standardisierte Tests, die sie insgesamt drei Mal im Verlauf der 5. und 6. Gymnasialklasse unter den Schülern durchgeführt haben. Die Ergebnisse verglichen sie anschließend mit den Noten in Klassenarbeiten und Zeugnissen.

„Dass Schüler und Schülerinnen mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Kindern ohne Migrationshintergrund deutlich seltener eine Gymnasialempfehlung erhalten, war bekannt“, sagt Meike Bonefeld von der Universität Mannheim, die die Auswertungen geleitet hat. „Dass aber solche Unterschiede auch noch auf dem Gymnasium weiter existieren, haben wir so nicht erwartet. Wir deuten diese als einen Hinweist auf systematische Benachteiligungsprozesse im deutschen Bildungssystem auch nach dem bedeutsamen Übergang in die Sekundarstufe.“

Im weiteren Verlauf ihrer Studien wollen die Forscher herausfinden wie die Urteilsprozesse der Lehrerinnen und Lehrer bei Notenvergabe ablaufen und was die Gründe für die festgestellten Unterschiede sind. Diese Mechanismen zu verstehen und zu durchbrechen sei eine wichtige Herausforderung für zukünftige Forschung, so Bonefeld. (zab, pm)

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