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Lehrermangel: Meidinger warnt vor Niveauverlust – und kritisiert Qualifizierung von Seiteneinsteigern “mit Alibicharakter”

BERLIN. Vor einem Qualitätsverlust in Schule und Unterricht sowie vor einer Nivellierung der Lehrerbildung hat angesichts eines dramatischen Lehrermangels der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, gewarnt. Für den massiven Lehrermangel insbesondere an Grundschulen machte der Dachverbandsvorsitzende, der auch Chef des Deutschen Philologenverbands ist, vor allem die verfehlte Personalplanung verschiedener Bundesländer verantwortlich, die in der Vergangenheit Lehrerausbildungskapazitäten abgebaut und nicht rechtzeitig auf den Geburtenanstieg und den wachsenden Zustrom von Flüchtlingskindern reagiert hätten.

Zeigt sich besorgt angesichts des Lehrermangels: Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Foto: Deutscher Philologenverband

Zeigt sich besorgt angesichts des Lehrermangels: Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Foto: Deutscher Philologenverband

Meidinger räumte ein, dass derzeit an der verstärkten Einstellung von Seiten- und Quereinsteigern in einigen Bundesländern kein Weg vorbeiführe, kritisierte aber die völlig unzureichenden Nachqualifizierungsmaßnahmen, die oft nur Alibicharakter hätten. Meidinger wörtlich: „Wer Seiteneinsteiger einstellt, muss gleichzeitig auch die notwendigen personellen und finanziellen Ressourcen bereitstellen, um diese berufsvorbereitend und berufsbegleitend umfassend pädagogisch und fachlich nachzuqualifizieren. Daran hapert es aber gewaltig. Manche Landesregierungen vermitteln derzeit nach außen den Eindruck, unterrichten könne ohne große Vorbereitung jeder, der ein Abitur oder Studium habe.“ Der DL-Präsident befürchtet einen weiteren Absturz bei künftigen schulischen Vergleichsstudien, wenn es nicht gelinge, trotz verstärkter Einstellung von Seiteneinsteigern die Qualitätsansprüche an den Lehrerberuf hochzuhalten.

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Ebenso wandte sich der Lehrerverbands-Präsident gegen Vorschläge, das Lehramtsstudium für die verschiedenen Lehrämter zu vereinheitlichen bzw. die Entscheidung für eine Schulart in die Endphase des Studiums zu legen, um Lehrkräfte flexibler einsetzen zu können. Er betonte: „Dies würde zu einer Entpädagogisierung und fachwissenschaftlichen Verkopfung des Grundschullehramts führen und gleichzeitig zu einer Entfachlichung und Entkernung des Realschul- und Gymnasiallehramts. Ich warne außerdem davor, einen polyvalenten Lehramtsbachelor zu schaffen, wie dies einige Verbände und Bildungspolitiker jetzt fordern. Das ist der direkte Weg zur vermeintlich überall einsetzbaren Billiglehrkraft und zur Entprofessionalisierung der schulartbezogenen Lehrerbildung.“

Die GEW Bayern hatte unlängst eine Reform der Ausbildung gefordert – in Richtung von Stufenlehrkräften, die flexibel in mehreren Schularten einsetzbar wären. Das Studium soll sich dabei nicht nach Schularten richten, sondern nach dem Alter der Schüler. N4t

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29 Kommentare

  1. ZITAT 1: “Für den massiven Lehrermangel insbesondere an Grundschulen machte der Dachverbandsvorsitzende, der auch Chef des Deutschen Philologenverbands ist, vor allem die verfehlte Personalplanung verschiedener Bundesländer verantwortlich, die in der Vergangenheit Lehrerausbildungskapazitäten abgebaut und nicht rechtzeitig auf den Geburtenanstieg und den wachsenden Zustrom von Flüchtlingskindern reagiert hätten.”

    Das finde ich auch + Arbeitsbedingungen.

  2. ZITAT 2: “Meidinger räumte ein, dass derzeit an der verstärkten Einstellung von Seiten- und Quereinsteigern in einigen Bundesländern kein Weg vorbeiführe, kritisierte aber die völlig unzureichenden Nachqualifizierungsmaßnahmen, die oft nur Alibicharakter hätten.”

    Kann ich nicht beurteilen, aber nach einer ausreichenden Qualifizierung sollte man die Seiteneinsteiger wie “echte Lehrer” betrachten.

    • Wer legt denn fest , wie die Quereinsteiger nachqualifiziert werden und geschieht das mit praktischen und theoretischen Inhalten?
      Worauf wird denn da bei Grundschullehrern wert gelegt.Welche Methoden werden vermittelt, variiert das von Uni zu Uni,hängt die Weiterbildung von den Vorstellungen der Professoren ab, oder erfolgt eine standartisierte Vermittlung an Methodenvielfalt ?

      • Wieso Uni?
        Die Quereinsteiger haben ein Studium absolviert, z.B. in Kirchengeschichte, einen Master/Diplom in Biologie oder ähnliches.
        Sie werden dann entweder ins Referendariat geschickt oder aber berufsbegleitend qualifiziert. Das bedeutet, dass sie ca. 20 Std. Unterricht an 4 Tagen erteilen und am 5. Tag in ein Ausbildungsseminar gehen, gemeinsam mit “gewöhnlichen” Referendaren.
        Bestimmt gibt es auch andere Modelle in anderen Bundesländern.

        • Lernen die denn die Methoden des Unterrichtens in der Theorie undin der praktischen Anwendung , oder unterrichten diese dann direkt in der realenSituation mit den Schülern ?

          • Auch Referendare unterrichten direkt, je nach Bundesland unterschiedlich viele Stunden, hier sind es zunächst 6, eigenverantwortlich – sprich allein, den anderen Teil als Ausbildungsunterricht – sprich mit einer anderen Lehrkraft gemeinsam. Eine Lehrkraft der Schule wird als Mentor bestimmt und steht für Fragen zur Verfügung, mit etwas Glück hat man zumindest 1 Stunde, in der man den Referendar im Unterricht besuchen kann. In NRW gibt es da eine besondere Regelung, die die Kollegen aus NRW besser erklären können.
            Vorher gab es, zumindest in meinem BL, eine 3 monatige Phase, in der man mit den Lehrkräften mitlief und nach und nach mehr Unterricht übernahm, diese wurde – m.M.n. aus Kostengründen – gestrichen.
            Bei den Seiten- und Quereinsteigern gibt es Unterschiede, die einen werden wie Referendare ausgebildet, s.o., die anderen gehen direkt mit ca. 20 Stunden in den Unterricht und haben das Seminar nebenher.
            Als Referendar hat man Seminare zu seinen Fächern, dort geht es um Didaktik und Methodik der Fächer, sowie in Pädagogik mit u.a. Themen wie Zensurengebung, Rechtliches etc.

            Die “Beratung” durch die Seminarleiterinnen im Zuge etlicher Unterrichtsbesuche (bis zu 20 in 18 Monaten) empfinden viele Referendare als anhaltenden Prüfungszeitraum, es ist sehr von den Personen abhängig, ob man es als Hilfe oder starke Belastung empfindet. Die SeminarleiterInnen meiner letzten Referendarin waren alle fair und umgänglich und auch fachlich versiert.
            In Nds. ist inzwischen im Studium eine verpflichtende, verlängerte Praxisphase enthalten, sodass man bereits während des Studiums mehr unterrichtet. Das gab es zuvor nur an einzelnen Unis. Diese Studierenden gelangen also mit mehr Praxis ins Referendariat.

          • Referendare und Lehramtsanwärter absolvieren in nRW einen 18-monatigen Vorbereitungsdienst. Die Einstellungstermine liegen im Mai und November. Das Wochenstudnendeputat für Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst beträgt 12 Stunden. In den ersten drei Monaten besteht der Vorbereitungsdienst aus 12 WS Unterichtshospitationen und angeleitetem Unterricht (Doppelsteckung). Ab dem vierten Monat – mit Beginn des Schuljahres bzw. des Schulhalbjahres – beginnt die 12-monatige Phase, in der die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst neun Wochenstunden eigenverantwortlichen Unterricht erteilen. Daneben haben sie noch drei weitere Stunden angeleiteten Unterricht.

            Die Verkürzung auf 18 Monate ist der tatsache geschuldet, dass die Lehramtsstudenten während ihres Masterstudiums ein Praktikumssemester absolvieren. In dieser zeit werden sie von der Universität und Mentoren an den Praktikumsschulen betreut. Deweiteren gibt es Praktika vor Beginn des Sudiums und während des Bachelorstudiums. Während dieser Praktika können die Praktikanten unter Anleitung der Mentoren angeleiteten Unterricht geben. Das können ganze Stunden, meist aber allenfalls Unterrichtssequenzen, die mit dem Mentor vorbereitet werden, abhalten.

            Seiteneinsteiger gem. OBAS (Ordnung für die berufsbegleitende Ausbildung von Seiteneinsteigern) sind mit voller Stelle an einer Schule angestellt und unterrichten mit 75% der Sunden des Vollzeitdeputates. Die restlichen 25% sind für die Ausbildung an den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung vorgesehen.

            Die OBAS schließt genauso wie der reguläre Vorbereitungsdienst von Referendaren und Anwärtern mit den gelichen Prüfungsleistungen ab. Dazu gehören am Prüfungstag die UPP (Unterrichtspraktischen Prüfungen) in den Fächern, für die sie Facultas erhalten wollen, und ein Colloquium.

          • Man beachte aber, dass das Praktikumssemester im Gegensatz zum Referendariat unbezahlt ist und während des Referendariats dieselbe Anzahl Lehrproben abgehalten werden muss. Die zweite Staatsarbeit wurde allerdings gestrichen.

          • Die schriftliche Hausareneit (Staatsarbeit) wurde gestrichen, dafür werden die schriftlichen Unterrichtsentwürfe für die UPP bewertet.

            Die schriftliche Hausarbeit hatte an der Gesamtprüfungsnote ohnehin nur einen Anteil von 10%

          • In Niedersachsen wurde auch einiges verändert, die Hausarbeit erheblich gekürzt.
            Einstellungstermine von Mai/November wurden verlegt, nun beginnt man mit dem Halbjahr und die 3monatige Begleitung (Doppelbesetzung) fiel weg.
            Die Frage zielte ja aber auf die Vorbereitung der Seiten/Quereinsteiger ab. Letztlich gibt es weder bei Referendaren noch bei Seiten/Quereinsteigern für Lehrkräfte die Möglichkeit, diese wirklich im Unterricht zu begleiten, Hilfe oder Anleitung erstreckt sich auf den außerunterrichtlichen Teil der Arbeit und ist unbezahlte Mehrarbeit ohne Entlastungsstunden. Weder ist es möglich, den Anwärter im Unterricht zu beobachten und dies auszuwerten, noch hat man den Vorteil einer Doppelsteckung, dass Anwärter etwas beobachten können oder dass man mit zwei Lehrkräften im Unterricht ist und diesen Bonus für Differenzierung nutzen könnte.

            Ich persönlich finde die Aufgabe wichtig, hatte auch selbst damals eine hervorragende Mentorin (DANKE!), würde mit aber zur _Ausbildung_ ebenfalls andere Bedingungen wünschen.

          • Richtig, @palim. Die Studienseminare/ZfsL sollten abgeschafft werden. Die Schulen bilden ihren Nachwuchs nach dem Studium selbst aus. Die Ausbildungslehrer erhalten entsprechende Ermäßigungsstunden, um den Anchwuchs im Unterricht begleiten zu können. Die facjleiter derzeitiger Prägung erhalten ja auch Entlastungsstunden neben dem Beförderungsamt.

            Für übergeordnete Inhalte (Schulrecht etc.) gibt es ja noch die Ausbildungskoordinatoren an den Schulen, die ohnehin zusätzliche Unterweisungen für die Refis und LAA schon jetzt durchführen.

          • Sehe ich auch so, weil sich viele Seminarleiter dort einen ziemlich schlanken Fuß machen. Aber so lange es genügend Posten zu verteilen gibt und ggf. nur darüber der Weg in die Dezernate geebnet wird, wird das nicht passieren.

          • Palim schrieb: “Letztlich gibt es weder bei Referendaren noch bei Seiten/Quereinsteigern für Lehrkräfte die Möglichkeit, diese wirklich im Unterricht zu begleiten, Hilfe oder Anleitung erstreckt sich auf den außerunterrichtlichen Teil der Arbeit und ist unbezahlte Mehrarbeit ohne Entlastungsstunden.”

            So ist es! Und das dann seitens der Politik als “Lehrer-Ausbildung” zu verkaufen, ist an sich schon ein Witz für Doofe.

            Gerade deshalb ist es so wichtig, auch gegenüber anderen Berufsgruppen darauf hinzuweisen, dass es ein wirkliches Mentorensystem in Niedersachsen nicht gibt!

            Wie immer im System Schule laufen die entscheidenden Dinge (Lehrerausbildung, Klassenfahrten, Musikpraktisches Arbeiten, Exkursionen und tausend andere Dinge) nur dann, wenn Lehrerinnen und Lehrer sich freiwillig und unentgeltlich über alle Maßen engagieren.

            Der “normale” Unterricht (inkl. Abi, Sozialtraining, Schüler- und Elternberatung, Dokumentationspflichten, Praktikantenbetreuung, Klassenleitergeschäften, Schulfesten, Weihnachtsfeiern, Zeitungsprojekten, Präventionsveranstaltungen [Alkohol-, Mobbing- etc.], Medienerziehung, Elternsprechtagen/-sprechstunden, Integration von Schülern, die kaum ein Wort Deutsch sprechen, Integration von Schülern, die vor den Ferien noch Grundschüler mit “Problemen” waren, und nach den Ferien plötzlich “echte Gymnasiasten” sind, Inklusion [ja, auch bei uns am Gymnasium!]) und tausend anderen Dingen läuft ja eh “so nebenbei”…

          • Ein Beförderungsamt gibt es hier nicht dafür, gerade mal eine Zulage für SeminarleiterInnen und immerhin auch Entlastungsstunden,
            nicht aber eine Anerkennung oder Entlastung für die Lehrkräfte an den Schulen und durch den Wegfall der Doppelbesetzung eben auch keinen sonstigen “Nutzen”, sondern nur noch die Mehrarbeit.

            Ach doch, der “Nutzen” fürs Kollegium besteht darin, dass die Schulen, die Lehrermangel haben, Refs bekommen, damit die Unterrichtsversorgung verbessert wird.

            Die “Ausbildungskoordinatoren” gibt es, glaube ich, nur in NRW, ich habe das nicht so ganz verstanden, was das sein soll und welche Aufgaben sie zusätzlich übernehmen.
            Auch halte ich die Ausbildung im Seminar für gelungen, da die Berufsanfänger sich dort treffen und eben auch miteinander sprechen, Lösungen suchen, gemeinsam mit Seminarleitern die Inhalte überdenken, die im schulischen Alltag zu meistern sind.

          • @palim – der AKO – also Ausbildungskoordinator – ist die Person, die sich um die Zusammenarbeit der ZfsL und der Schule bei der Ausbildung und Betreuung der Referendare und Anwärter an der Ausbildungsschule kümmert. Er vermittelt auch bei Problemen zwischen der Auszubildenden und schulischen Ausbildern. Er organisiert den schulischen Ausbildungsbetrieb. Er ist nicht für die Betreuung von universitären Praktikanten zuständig

            Näheres siehe BASS 20 – 03 Nr. 11
            Ordnung des Vorbereitungsdienstes und der Zweiten Staatsprüfung
            für Lehrämter an Schulen
            (Ordnung des Vorbereitungsdienstes und der Zweiten Staatsprüfung – OVP)

            § 13
            Ausbildungskoordinatorinnen
            und Ausbildungskoordinatoren
            (1) Schulleiterinnen und Schulleiter bestellen im Benehmen mit der
            Lehrerkonferenz Ausbildungskoordinatorinnen und Ausbildungskoordinatoren.
            Es kann auch eine Ausbildungskoordinatorin oder ein
            Ausbildungskoordinator für mehrere Schulen bestellt werden.
            (2) Zu den Aufgaben der Ausbildungskoordinatorin oder des Ausbildungskoordinators
            gehört insbesondere die organisatorische Unterstützung
            der Kooperation zwischen Studienseminar und Schule sowie
            die ergänzende Beratung und Unterstützung der Lehramtsanwärterinnen
            und Lehramtsanwärter.

      • Die Landesministerien.

        Zunächst einmal entscheidet das Prüfungsamt I für Lehrämter über die Anerkennung der vorgelegten hochschulabschlüsse. Werden diese für Lehramt anerkannt, kann der Seieteneinsteiegr sich dirkt bei einer Schule, die eine Stelle für den Seiteneinstieg geöffnet hat, bewreben. Im Zuge der OBAS ist für NRW geregelt, wie die Ausbildung und die Prüfung im Seiteneinstieg geregelt ist.

  3. ZITAT 3: “Ebenso wandte sich der Lehrerverbands-Präsident gegen Vorschläge, das Lehramtsstudium für die verschiedenen Lehrämter zu vereinheitlichen bzw. die Entscheidung für eine Schulart in die Endphase des Studiums zu legen, um Lehrkräfte flexibler einsetzen zu können.”

    Ich bin dafür, nur noch zwischen Grundschullehramt und weiterführendem Schullehramt zu unterscheiden. Grundschullehramt womöglich ohne Hochschulstudium; Abiturstufe womöglich mit obligatorischer Zusatzqualifikation.

    Die Begründungen dagegen kann ich nicht nachvollziehen.

    • Die Zusatzqualifikation aber bitte innerhalb des Studiums auf fachwissenschaftlicher Basis. Ersatzweise kann man das weiterführende Lehramtsstudium (also nicht Grundschullehramt) fachlich irgendwo zwischen dem jetzigen Niveaus ansiedeln. Allerdings sage ich dadurch einen Studierendeneinbruch in den Naturwissenschaften vorher, weil im aktuellen Sek I-Studiengang lediglich besseres Abiturniveau gelehrt wird. Der Sek II-Studiengang ist aktuell fachlich extrem überzogen, aber trotzdem sollten die Sek II-Lehrer ihren Schülern fundiert andeuten können, was die Schüler in einem Studium des Faches _als_ _Hauptfach_ so alles erwartet. Bei der didaktischen Ausbildung muss Sek II aber extrem nachlegen, bei Pädagogik müssen meiner Meinung nach praxisbezogene Veranstaltung speziell für Lehramtsstudenten gehalten werden, die aber auch Dozenten, die Ahnung von der Materie haben und nicht nur aus Veröffentlichungen, die sie als Erst-, Zweit-, sonst-was-Autor geschrieben haben.

      • “…, weil im aktuellen Sek I-Studiengang lediglich besseres Abiturniveau gelehrt wird.”
        Das erzählen Sie mal den Fachdidaktikern an Pädagogischen Hochschulen in BW und in den entsprechenden Instituten der Universitäten. Sie werden gesteinigt werden! Man betreibt doch eine “fachlich exzellente, kompetenzorientierte und forschungsbasierte Professionalisierung der Lehrerausbildung”.

    • Und wie weit reicht die Primarstufe – 4 Jahre oder 6 Jahre?

      So wie es derzeit in NRW ist, ist es nicht verkehrt. Das Lehramt SekI+II ist überflüssig. Drei Schuljahre an einem BK oder einer GOSt brrauchen kein eigenständiges Lehramt. Den Unterricht in der SekI an GY können die Kollegen und Kolleginnen mit Lehramt SekI, die für Haupt- und Realschulen ausgebildet worden sind, abhalten – und das auch nicht besser oder schlechter als dei StR. Der Unterricht von Lehrkräften der unterschiedlichen Laufbahngruppen und Lehrämter mit gleichen Fächern an Gesamtschulen unterscheidet sich weder inhaltlich noch qualitativ.

      Für den Unterricht in einer GOSt reicht eine Zusatzqualifikation.

      • Bei der Grundschule bin ich für mindestens sechs Jahre, also wie in Berlin, weil danach eine verlässlichere Schulformprognose getroffen werden kann. Noch besser fände ich aber eine achtjährige Grundschule wie in den Niederlanden, wo auf Deutschland übersetzt die beiden letzten Kindergartenjahre in die Grundschule verlagert werden. Der Lehrberuf ist dort ein Studienfach, wobei es Lehrer gibt, denen die Klassen 1-4 lieber sind als den Klassen 5-8 (Klasse 8 NL = Klasse 6 Deutschland). Letzteres gilt besonders für die sehr erfahrenen Lehrer, die schon vor der Eingliederung des Kindergartens im damals sechsjährigen Grundschuldienst tätig waren.

        • “Bei der Grundschule bin ich für mindestens sechs Jahre, also wie in Berlin, weil danach eine verlässlichere Schulformprognose getroffen werden kann.”

          Das mit der Prognose wird schon stimmen. Aber zwei Dinge machen mich skeptisch:

          1. Wo bleibt ein empirischer Nachweis, dass sich die 6-jährige GS in Berlin in über 60 Jahren bewährt hat in dem Sinne, dass insgesamt auch mehr geleistet wird als etwa in Hamburg mit der 4-jährigen GS ? Angeblich führt ja das “längere gemeinsame Lernen” zu besseren Leistungen rundherum.
          2. Die besonders eifrigen Verfechter der 6-jährigen GS sind meist auch diejenigen, die den Übergang auf verschiedene Oberschulen ganz abschaffen wollen. Bei einer einheitlichen Schule dürfte es wohl egal sein, welche Jahre wie heißen.
          Die niederländische Regelung mit zwei Vorjahren finde ich nicht schlecht. Aber wer soll das bezahlen? Wir haben doch gerade das Gymnasium um ein Jahr gekürzt, und Lehrer(-stellen) sind trotzdem knapp.

          • erzieher an den Kindergärten gibt es genug. die qualifizieren sich nach oder können nur in den ersten beiden Jahren eingesetzt werden. bei Nachbildung muss aber ein sattes Gehaltsplus winken.

          • xxx: “Erzieher an den Kindergärten gibt es genug.”
            Flächendeckend für ganz Deutschland? Dazu lese ich aber anderes. Man hat auch nicht genügend viele Räumlichkeiten dafür. Kindergartenplätze sind Mangelware.
            Und “Nachqualifizierung” im Durchlauferhitzer-verfahren mit “sattem Gehaltsplus” ?
            In Berlin ist es schon ein Problem geworden, dass Grundschullehrer bis Klasse 6 unterrichten, die die Matheaufgaben dann selber nicht mehr richtig können. Deswegen hat man schon die Ausbildung reformiert: Mathe ist jetzt verpflichtend, mit dem Erfolg, dass es hohe Durchfallquoten gibt.

            Deutschland ist offenbar nicht nur ein Land von 10 Millionen Fußball-Bundestrainern, sondern auch ein Land von Millionen von Schulreformern. Das will alles wohlüberlegt sein. Reform-Murks hatten wir genug.

          • Wenn flächendeckend eine Vorschule eingeführt wird, werden genauso flächendeckend weniger Erzieher gebraucht. An der Vorschule soll dann auch vernünftig gearbeitet werden (Erziehung, Stift halten, mündliche deutsche Sprache usw.). Das macht niemand für 30000€ brutto im Jahr, erst recht nicht, wenn dieses Personal auch noch die (ehemaligen) Klassen 1 und 2 unterrichten soll.

        • D’accord; das ist nach meinem Geschmack. Verpflichtende Vorschule ab dem 4. Lebensjahr plus sechsjährige Grundschule – also 4 Jahre plus zweijährige Erprobungsstufe. Danach vier Jahre Mittelschule.

          Meinerwegen dürfen am Ende des vierten Grundschuljahres, die Zehnjährigen mit entsprechenden Notenstufen an die Erprobungsstufe der unausrottbaren GY wechseln, während alle anderen die Erprobungsstufe an der GS durchleben.

          Am Ende des 10 Schuljahres wird dann der MSA vergeben, und zwar wahlweise mit der Empfehlung für eine gymnasiale Oberstufe mit zwei Zweigen, wobei der eine auf die AHR oder der andere auf die FHR vorbereitet. Der erste Zweig dann an klassischen GY und der zweite an Berufkollegs oder Gesamtschulen.

          • Bei Ihrem Modell müsste man aber die Lehrpläne so gestalten, dass nach GS 6 auf GY 7 gewechselt werden kann. Das stelle ich mir aber schwierig vor, weil es ab Klasse GS 5 kaum noch Gymnasiasten an der Grundschule gibt. Alternativ könnte man ab Klasse GS 4 zweigleisig fahren, ähnlich wie die G- und E-Kurse an den Gesamtschulen. Zugangsvoraussetzung für das Gymnasium ab Klasse 7 sind im Regelfall erfolgreich besuchte E-Kurse in Deutsch, Mathematik und Englisch. In der E-Schiene gibt es Englisch ab Klasse GS 4, in der G-Schiene Englisch ab Klasse GS 5, in GS 4 statt dessen zusätzlich Deutsch und Mathematik.

            Den MSA kann man wegen mir an allen Schulformen am Ende von Klasse 10 mit einer bestandenen ZAP vergeben werden. Ihr Vorschlag mit der reformierten Oberstufe gefällt mir. Nach der FHR sollte aber in die Q2 des AHR-Zweigs gewechselt werden können und damit das Abitur nach 13 Schuljahren bzw. 15 Schuljahren inkl. Vorschule erreicht werden können.

            Ziemlich leistungsorientierte Vorschläge, die — so lange der Gender Mainstream noch vorherrscht — kaum Chancen auf Umsetzung haben.

          • Klasse 5+6 mit Kursen? Das nannte sich “Orientierungsstufe”, wurde in Nds. kaputtgespart und dann abgeschafft.

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