GEW: Ohne Gehaltsplus wird es kaum gelingen, Grundschullehrer zu gewinnen

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MAGDEBURG. Das Schuljahr in Sachsen-Anhalt ist fast vorüber – in der kommenden Woche gibt es Zeugnisse für die Schüler. Die GEW schaut mit Sorge auf die Zeit nach den Ferien.

In Berlin wurde gerade "A13" für alle beschlossen - in Thüringen müssen sich Grundschullehrer mit einem geringeren Aufschlag begnügen.
Gegenüber den Kollegen mit „A13“ fehlt Grundchullehrern ein ordentlicher Betrag  – nicht nur Kleingeld. Foto:
Christoph Scholz / flickr / CC BY-SA 2.0

Bessere Bezahlung, Aus- und Weiterbildung: Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat vom Land Sachsen-Anhalt noch mehr Anstrengungen gefordert, um Lehrerinnen und Lehrer zu gewinnen. «Es bedarf einer konzertierten Aktion zur Verbesserung der Unterrichtsversorgung. Die Situation ist so ernst, weil nach jetzigem Stand in den nächsten fünf Jahren kaum Änderungen eintreten werden», erklärte die GEW-Landesvorsitzende Eva Gerth am Dienstag in Magdeburg. Sie brachte den Landtagsfraktionen einen entsprechenden Gesetzentwurf mit.

Seiteneinsteiger – an Schulen verheizt?

Gerth wiederholte die Forderung, Grundschullehrerinnen und -lehrer besser zu bezahlen und zumindest Sekundarschullehrern gleichzustellen. Laut GEW besteht ein großer Konkurrenzdruck mit den anderen Bundesländern, weil viele schon mit einer besseren Bezahlung lockten, unter anderem Brandenburg. Dort erhalte eine fertig ausgebildete Grundschullehrerin 500 Euro brutto mehr als hierzulande. Zudem fordert die Gewerkschaft motivierende Maßnahmen wie Arbeitszeitkonten, damit die Pädagogen gegebenenfalls früher in Ruhestand gehen könnten.

Gerth forderte auch eine bessere Ausbildung und Begleitung von Seiteneinsteigern. Viele fühlten sich überfordert, sie hätten ein ähnliches Unterrichtspensum wie voll ausgebildete Lehrkräfte. Seiteneinsteiger wendeten sich immer wieder an die GEW, teils würden sie in 3, 4, 5 Fächern eingesetzt, weil die Schulen Not hätten. Rund 30 Prozent verließen die Schulen wieder.

GEW fordert: Schluss mit dem Numerus Clausus

Die Gewerkschaftschefin erkannte an, dass Sachsen-Anhalt schon eine Menge tue mit dem Ziel, die Unterrichtsversorgung zu verbessern. Es gebe Zuschläge für Lehrer, die über die Altersgrenze hinaus arbeiten oder solche, die in entlegenen Regionen Dienst tun. Es gebe aber keine Zuschläge für Anwärter und Referendare so wie in Sachsen. Es müssten die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass es in den naturwissenschaftlich-technischen Fächern keinen Numerus Clausus mehr gebe.

Und manchmal scheitert es laut der Gewerkschafterin an ganz praktischen Dingen: «An der Universität Halle sind am letzten Immatrikulationstermin circa 41 Bewerberinnen und Bewerber für das Fach Chemie wieder nach Hause geschickt worden. Zehn wurden genommen. 41 wurden nach Hause geschickt – einfach, weil Laborplätze fehlen.» Da seien dringend Investitionen nötig. Man dürfe Bewerber nicht einfach ziehen lassen. Sachsen-Anhalt hatte zuletzt 900 Lehrerstellen ausgeschrieben. Wie viele besetzt werden konnten, ist noch nicht bekannt.

Für das kommende Jahr erwartet die GEW eine Unterrichtsversorgung von 95 Prozent. Das heißt, es bleibt keine Reserve für Krankheitsfälle, Elternzeiten oder Weiterbildungen. Unterrichtsausfälle sind somit unvermeidlich. Die Entwicklung an unterschiedlichen Schulformen variiere aber. dpa

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4 KOMMENTARE

  1. In dem geringen Gehalt der Grundschullehrer/innen zeigt sich auch die geringe Wertschätzung, die ihnen entgegengebracht wird. Was selbstverständlich auch damit zu erklären ist, dass der Beruf fast ausschließlich von Frauen ausgeübt wird. Solange sich die Wertschätzung – auch finanzieller Art – nicht zum besseren ändert, wird man auch kaum Männer in diesen Beruf locken können. Es wird Zeit, dass auch das Bildungsministerium zu dieser Erkenntnis gelangt!

    • Es geht allenfalls sekundär um die gehaltssteigerung, die ist auch auf anderen Wegen erreichbar. Primär geht es um die tarifliche und beamtenrechtliche Gleichstellung von Lehrkräften aller Lehrämter, die vergleichbare Regelstudienzeiten haben, im Rahmen der Eingangsbesoldung. Dies schließt ja eine Ratszulage, wie sie z.B. in NRW Lehrkräfte angefangen mit der Amtsbezeichnung StR (m/w/d) erhalten, nicht aus.
      Ob dann zu einem späteren Zeitpunkt eine Höhergruppierung der „Altfälle“ erreicht werden kann, ist eine andere Sache.

    • Lehrer wird man nicht des Geldes wegen. Das geringe Gehaltsplus beim Sprung von A12 zu A13 (10% oder so) wird keinen angehenden Lehrer, der keine große Lust auf Arbeit mit kleinen Kindern hat, zum Lehrerberuf an der Grundschule überreden überreden. Bei besseren Arbeitsbedingungen (Entlastung von Verwaltung, gelungene Inklusion, vernünftige Erziehungsarbeit seitens der Eltern im Voraus usw.) sähe das anders aus.

      • Es geht nicht um das Besoldungs-Plus, es geht um die Anerkennung der zu leistenden Arbeit und der formalen Kriterien bei der Eingruppierung. Der gehobene Dienst im Lehrberuf ist ein Anachronismus. Lehrkräfte – egal welches Lehramt sie an der Hochschule studiert haben – mit Master-Abschluss erfüllen die Voraussetzung zum Ableisten des Vorbereitungsdienstes als Referendare und somit einer Eingruppierung in den höheren Dienst – sowohl während des Referendariats als auch im Eingangsamt.

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