Nur 40 Prozent der Studenten aufs Lehramt fühlen sich fit für die Digitalisierung – Uni-Präsidentin: Studium verlängern!

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KÖLN. Wer wissen will, wie gut Deutschland auf das Thema Digitalisierung vorbereitet ist, fragt am besten den akademischen Nachwuchs. Fühlt sich der durch sein Studium gut auf die digitalen Anforderungen der Arbeit vorbereitet? Eine Studie ist dieser Frage nun auf den Grund gegangen. Ergebnis: Ausgerechnet Studierende mit Ziel Lehramt bejahen das nur zu 40 Prozent (eher). Die Präsidentin der Augsburger Universität, Sabine Doering-Manteuffel, macht tatsächlich gravierende Defizite in der Lehrerausbildung aus.

Ausgerechnet Studenten, die Lehrer werden möchten, fühlen sich in Sachen Digitalsierung oft unsicher. Foto: Shutterstock

Die Ergebnisse einer groß angelegten Studie der Maastricht University und des Personaldienstleister “Studitemps” unter22.000 Studierenden in Deutschland lassen Ungutes erahnen: Eine Auswertung von Bewertungen der Aussage, „ich fühle mich durch mein Studium auf die digitalen Anforderungen meiner zukünftigen beruflichen Tätigkeit gut vorbereitet“, nach Studienfach zeigt: Nur rund 40 Prozent der Studierenden mit Ziel Lehramt und lediglich 33,4 Prozent der Studierenden der Erziehungswissenschaften stimmen (eher) zu, dass sie sich durch das Studium gut auf die digitalen Anforderungen ihres Berufs vorbereitet fühlen. Zum Vergleich: Bei den Studierenden der Medienwissenschaften sind das 74 Prozent.

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„Dieses Ergebnis ist fatal, wenn man sich die späteren praktischen Aspekte im Job ansieht: Die angehenden Lehrer und Erziehungswissenschaftler werden mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, die größtenteils in der digitalen Welt unterwegs sind. Wie wollen sie ihnen hier auf Augenhöhe begegnen? Der DigitalPakt von Bund und Ländern läuft ins Leere, wenn selbst junge Lehrer nicht auf die digitalen Anforderungen vorbereitet sind. Da hilft auch kein schnelleres WLAN und digitale Whiteboards”, so meint „Studitemps“-Geschäftsführer Eckhard Köhn.

Angehende Lehrer nicht genügend in Schlüsselthemen vorgebildet

Ins gleiche Horn stößt heute – unabhängig von den Ergebnissen der Studie – die Präsidentin der Augsburger Universität, Sabine Doering-Manteuffel. Sie beschreibt grundsätzliche Defizite in der Lehrerausbildung. „Die Welt dreht sich immer schneller und die Politik kann häufig nur reagieren“, sagt sie in einem Interview mit der Tageszeitung „Augsburger Allgemeine“. „Es dauert meist Jahre, bis die Prüfungsordnungen für das Lehramtsstudium angepasst werden. Man muss befürchten, dass die Lehrer bei Themen wie Digitalisierung, Heterogenität oder Klimawandel bisweilen nicht genügend vorgebildet sind, um die Inhalte den Schülern zu vermitteln.“

Die Politik setze sehr viel an der technischen Ausstattung der Schulen mit Tablets, Smartboards und Laptops an. „Das Problem liegt aber gleichermaßen in der Professionalisierung der Lehrkräfte. Man kann Kinder nicht einfach vor den Laptop setzen und sie damit spielen lassen“, meint die Uni-Präsidentin. „Lehrer müssen vielmehr in die Lage gebracht werden, den Schülern digitale Kompetenzen vermitteln zu können.“

Ein Problem sei dabei, dass den angehenden Lehrern in ihrem Studium weiterhin auch alle fachlichen Inhalte vermittelt werden müssten. Es sei deshalb schwer, alle Zusatzaufgaben unterzubringen, die durch den gesellschaftlichen Wandel auf sie zukommen. „Hier müsste man auch über eine Ausweitung der Studienzeiten nachdenken.“ Die Universitäten seien 2017 mit einem Konzept zur Weiterentwicklung der Lehrerbildung auf die bayerische Staatsregierung zugegangen. „Leider wurde aber keiner unserer Vorschläge berücksichtigt“, sagte Doering-Manteuffel. „Unsere Experten wären sofort bereit, an einer Reform des Lehramtsstudiums mitzuwirken.“

Mehr Lehrer? Dadurch ist nicht jedes Problem lösbar

Grundschullehrer müssten nach Auffassung der Uni-Präsidentin etwa besser darauf vorbereitet werden, dass ihre Schüler – Stichwort Heterogenität – unterschiedliche Sprachen sprechen und unterschiedliche kulturelle Hintergründe haben. „Das kann man nicht allein durch mehr Lehrer lösen. Vielmehr muss der einzelne Lehrer durch sein Studium und Fortbildungen in die Lage versetzt werden, darauf reagieren zu können.“ News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

“Wir prüfen einfach zu viel”: Lehramtsstudium soll leichter werden

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1 KOMMENTAR

  1. Der Artikel schreibt es doch selbst: Effekte von angepassten Prüfungsordnungen werden erst Jahre später sichtbar. Universitäten können das also nicht leisten. Darüber hinaus sind diese digitalen Hilfsmittel ein ideales Thema für Fachseminare während des Referendariats. Das setzt natürlich Fachleiter voraus, die selbst viel damit arbeiten. Besonders erfahrene Fachleiter haben an der eigenen Schule kaum noch eigenen Unterricht und sind in einem Alter, in dem sie ihr Stil so gefestigt ist, dass neue Apps oder Apparaturen nicht mehr angenommen werden.

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