Inklusion? Ja, aber… Giffey zeigt sich skeptisch, Förderschulen zu schließen

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NEUKLOSTER. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat sich kritisch zur Schließung von Förderschulen geäußert. Sie finde die Idee der Inklusion grundsätzlich gut, sagte Giffey am Dienstag beim Besuch einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen in Mecklenburg-Vorpommern. «Und dann kommt das wahre Leben. Und man sieht eben, dass Förderschulen an ganz vielen Stellen etwas ermöglichen, das an der normalen Schule nicht möglich ist.» Tatsächlich scheint Giffeys Haltung in der deutschen Politik mittlerweile vorzuherrschen: Die Zahl der Förderschüler steigt sogar wieder. Ist der Schwung bei der Inklusion endgültig dahin?

Tritt für den Erhalt der Förderschule ein – trotz Inklusion: Bundesfamilienministerin Franziska Giffey. Foto: SPD Schleswig-Holstein / flickr (CC BY 2.0)

Giffey besuchte die Förderschule in Neukloster, weil sie am Patenschaftsprogramm «Menschen stärken Menschen» teilnimmt, das vom Bundesfamilienministerium gefördert wird. Zu den Bedingungen, die Regelschulen eben nicht bieten können, gehörten Klassen mit im Schnitt zehn Kindern, wie in Neukloster, wo besonders auf die Kinder eingegangen werden könne, meinte die Bundesfamilienministerin. «Wo verhaltensauffällige Kinder wieder plötzlich Spaß an der Schule haben, weil anders gelernt wird.» Die reine Lehre der Inklusion sei manchmal schön, aber die Wirklichkeit sei eben doch oft eine andere. Als Schuldezernentin im Berliner Bezirk Neukölln habe sie das fünf Jahre lang erlebt. «Wir haben nicht die Entscheidung getroffen, alle Schulen, die eine besondere Förderung ermöglichen, dicht zu machen.»

Land will Förderschulen schließen

Das Land Mecklenburg-Vorpommern will seine 38 Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen schrittweise bis 2027 auslaufen lassen. Betroffene Kinder sollen in herkömmlichen Schulen im gemeinsamen Unterricht oder in eigenen Lerngruppen unterrichtet werden. Pikant: Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern ist Schwesigs Parteifreundin und Vorgängerin im Amt der Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig.

Hintergrund des Schließungsbeschlusses: Der Bundestag hat 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert und damit in Deutschland verbindlich gemacht. „Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung“, so heißt es in Artikel 24. „Um dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, gewährleisten die Vertragsstaaten ein integratives Bildungssystem auf allen Ebenen (…)“. Menschen dürfen nicht aufgrund ihrer Behinderung „vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden“. Sie müssen „Zugang zu einem integrativen, hochwertigen und unentgeltlichen Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen haben“.

Seit 2009 ist die Zahl der Förderschulen in Deutschland gesunken. Allerdings nicht so drastisch, wie man von einem „integrativen Bildungssystem“ vielleicht erwarten könnte: von 3.337 auf 2.835 (2018), wie das Statistische Bundesamt meldet. Die meisten Bundesländer wollen Förderschulen mittlerweile auch langfristig erhalten – um Eltern ein Wahlrecht einzuräumen. Aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerks widerspricht das der Behindertenrechtskonvention. Das Menschenrecht auf inklusive Bildung „steht den Kindern höchstpersönlich zu und entzieht sich damit der Verantwortung anderer; es steht auch nicht zur Disposition der Eltern“, so heißt es im „Kinderrechte-Index“ des Kinderhilfswerks.

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Zahl der Förderschüler wächst sogar wieder

Tatsächlich scheint die Inklusion weitgehend ins Stocken geraten zu sein. Dies legt eine im Bundesdurchschnitt steigende Exklusionsquote nahe – heißt: Die Zahl der Schüler an Förderschulen wächst seit Kurzem wieder. Dabei loben sich die meisten Bundesländer dafür, immer mehr Förderschüler an Regelschulen zu unterrichten. Wie geht das zusammen?

„In einigen Bundesländern sind die Inklusionsquoten in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Allerdings lässt sich gleichzeitig feststellen, dass die Zahl an Diagnosen für sonderpädagogischen Förderbedarf ebenfalls angestiegen ist, sodass mit einer steigenden Inklusionsquote nicht zwangsläufig ein Rückgang der Schüler/innenzahlen an Förderschulen einhergeht. In den meisten Bundesländern ist die Ressourcenverteilung an die Zahl der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf gekoppelt, was den zahlenmäßigen Anstieg erklären könnte“, so erklärt der „Kinderrechte-Index“ das Phänomen.

Im Klartext: Vermeintliche Erfolge bei der Inklusion existieren zu einem Gutteil nur auf dem Papier. Die Zahl der Schüler an Förderschulen war in Deutschland laut Statistischem Bundesamt zwischen 2013 und 2018 lediglich von 343.000 auf 321.000 gesunken – also nur um 6,5 Prozent. Seitdem steigt sie wieder. Wie Franziska Giffey heute eben feststellte: Die reine Lehre der Inklusion sei vielleicht schön. Aber die Wirklichkeit ist eben doch oft eine andere. News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Auch der Bundesvorsitzende des Verbands Deutscher Realschullehrer (VDR) beteiligt sich an der Debatte auf der Facebook-Seite von News4teachers.

Ein körperbehinderter Junge darf nicht zur Schulfeier – zurecht, sagt das Schulamt! Wie Bayern bei der Inklusion hinterherhinkt

 

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75 KOMMENTARE

  1. Zitat: „Die reine Lehre der Inklusion sei vielleicht schön. Aber die Wirklichkeit ist eben doch oft eine andere.“

    Die Eltern und die Inklusionskritiker hatten vielleicht doch nicht so unrecht mit ihren Einwänden und Sorgen.

    An die Inklusionsbefürworter: Wie stehen Sie eigentlich dazu, dass die Eltern die Menschenrechte ihrer Kinder missachten? Bei den Kritikern unter den Lehrkräften haben Sie immer laut gepoltert.

  2. Die Zahl der Schüler an Förderschulen ist mit Vorsicht zu genießen: Es war jahrelang schlicht nicht möglich, Förderbedarfe beantragen zu können, weil alle Plätze an den Förderschulen besetzt waren. Wichtig wäre, wie es in der Schweiz der Fall ist, dass Förderbedarfe, Förderressourcen und Förderort von einer unabhängigen Stelle geprüft werden.
    Sonst wird es auch weiterhin den Vorwurf geben, die Förderschulen würden sich selbst mit Schülern versorgen, die Regelschulen stellen sich nur an usw.
    In Hessen hat man die Checkliste für Inklusion aus dem Kanton Aargau „geklaut“. Dabei ist nur der Punkt gestrichen worden, dass die Regelschule nachweislich die Ressource haben muss um zu Fördern.
    Die neue , überarbeitete Checkliste ist noch peinlicher, weil fachlich eher eine Lachnummer.

  3. Ob Frau Giffey beim Besuch dieser Förderschule mal gesehen hat, wie solche Schulen funktionieren und was sie leisten?
    Ich würde mich freuen, wenn solche Artikel die verschiedenen Sichtweisen auf Inklusion darstellen würden und sich nicht ausschließlich zum Sprachrohr der einen Seite machten, welche alle Förderschulen abschaffen will. Hm, alle? Ich habe nie etwas klares zu der Sichtweise auf Blinden- und Hörbehindertenschulen gelesen. Vielleicht wäre hier eine Gelegenheit, das einmal darzustellen.

    • Sehr geehrte Pälzer,

      im Artikel kommen zwei Positionen zur Förderschule zu Wort: Erhalten vs. abschaffen.

      Mehr Positionen dazu kennen wir nicht.

      Herzliche Grüße
      Die Redaktion

      • Sehr geehrte Redaktion,

        die Position „erhalten“ wird überwiegend durch den statitisch erwiesenen Elternwillen und die (für die Befürworter unerwartet) geringe Quote auslaufender oder geschlossener Förderschulen dargestellt. Ausgewogen ist das nicht, zumal wie Pälzer zurecht schrieb, die Sichtweise von Seh- oder Hörbehindertenschulen fehlt. Diese beiden Typen gehören ohnehin eher zu den unproblematischen, weil fehlendes sehen und/oder hören nicht automatisch auch eine kognitive Beeinträchtigung darstellt und das Auslaufen dieser Schulformen für die Schulträger massive Investitionen in Barrierefreiheit bedeuten würde.

        • Sehr geehrter Georg,

          die Position „erhalten“ wird von Frau Giffey vertreten – und macht einen Gutteil des Beitrags aus. Demgegenüber steht die Position des Deutschen Kinderhilfswerks.

          Ob „erhalten“ tatsächlich für den Elternwillen steht – oder für die sinkende Bereitschaft der Länder, Inklusion an Regelschulen zu ermöglichen -, sei mal dahingestellt. Wir empfehlen Ihnen dazu die Lektüre unseres folgenden Beitrags: https://www.news4teachers.de/2020/01/ein-koerperbehinderter-junge-darf-nicht-zur-schulfeier-kommen-zurecht-sagt-das-schulamt-wie-bayern-bei-der-inklusion-hinterherhinkt/

          Mit freundlichem Gruß

          Die Redaktion

          • Sehr geehrte Redaktion,

            vielen Dank für die schnelle Antwort, die mich jedoch nicht zufriedenstellt. Den gerade durch „Sie finde die Idee der Inklusion grundsätzlich gut, sagte Giffey […] «Und dann kommt das wahre Leben. Und man sieht eben, dass Förderschulen an ganz vielen Stellen etwas ermöglichen, das an der normalen Schule nicht möglich ist.»“ ist das keine Gegenposition. Was soll Frau Giffey beim Besuch einer Förderschule auch anderes sagen außer, dass sie den Erhalt erst einmal nicht schlecht findet?

          • Dann vielleicht so: Wir diskutieren in unseren Beiträgen gerne und oft, wie sich Inklusion gestalten lässt (zum Beispiel ob mit oder ohne Förderschulen) – wir diskutieren hier aber nicht darüber, ob Inklusion überhaupt stattfinden soll oder nicht. Inklusion ist ein Menschenrecht, das von der Bundesrepublik anerkannt wurde und nicht mal eben wieder abgeschafft werden kann. Das ist erst einmal die Grundlage jeder seriösen Debatte zum Thema.

            Wir diskutieren hier ja auch nicht darüber, ob die Gleichberechtigung der Geschlechter sinnvoll ist oder ob Artikel 1 des Grundgesetzes vielleicht gestrichen gehört.

            Frau Giffey hätte übrigens die Förderschule ja gar nicht besuchen müssen. Schon der Besuch ist ein Statement.

            Mit freundlichen Grüßen
            Die Redaktion

          • An die Redaktion

            Der Artikel 1 des Grundgesetzes kann nicht Gegenstand einer Diskussion sein, die diesen in Frage stellt oder eine Streichung in Aussicht stellt.
            Die Würde des Menschen ist ein höheres Grundrecht als die bereits durch eine bestehende Schulpflicht mit einem differenzierten Schulsystem erzielte Inklusion aller Schulpflichtigen in das Schulsystem.
            Die UNO-Konvention zielt darauf ab, dass alle schulpflichtigen Kinder einen Zugang zum Schulsystem erhalten.
            Bezogen auf diese Forderung erreichen die noch bestehenden Förderschulen eine intensivere, bessere und spezifischere Förderung der Schüler mit Sonderförderbedarf, als dies durch die Bildung stark heterogener Klassen möglich ist.
            Die bestehenden Förderschulen sind ein fest integrierter Bestandteil des bestehenden allgemeinbildenden Schulsystems, in dem gerade in kleineren Klassenverbänden eine angemessene Förderung möglich ist.

          • … behaupten Sie.

            „Ich kritisiere die sonderpädagogische Diagnostik, weil sie zu einem sehr frühen Zeitpunkt greift, weil sie einmalig stattfindet und regelmäßig zur Sonderschulüberweisung führt“, so sagt hingegen Prof. Lisa Pfahl, Erziehungswissenschaftlerin von der Uni Innsbruck. „Damit entscheidet sie über die gesamte Bildungskarriere und steht dem Prinzip der Entwicklungsoffenheit entgegen. Es ist zwar vorgesehen, dass Lehrkräfte an Sonderschulen die Kinder weiterhin beobachten und sie wieder an eine Regelschule zurückführen, wenn sich ihre Leistung bessert. Aber das passiert quasi nie. Für gewöhnlich verbleiben die Kinder an den Sonderschulen und anschließend in Sonderarbeitswelten.“

            Weiter sagt sie: „Die Sonderpädagogik ist auf die Existenz von separaten Sonderschulen ausgerichtet. Es fängt damit an, dass zwischen den beiden Systemen kaum kommuniziert wird. Ein weiteres Problem ist, wenn Kinder an Sonderschulen nicht auf allgemein qualifizierende Abschlüsse vorbereitet werden – wie sollten sie da jederzeit die Schule wechseln können? Regelschullehrkräfte fühlen sich schnell überfordert, wenn sie diese Schüler aufnehmen. Noch dazu ist es ja so: Sonderschulen brauchen Schüler, damit sie nicht geschlossen werden. Jeder Schüler, der einmal da ist, wird in der Regel auch gehalten.“

            Drittens: „Wir wissen aus international vergleichender Forschung, dass Kinder mit Lernschwächen und niedrigem IQ sehr viel häufiger allgemein qualifizierende Zertifikate erreichen, wenn sie in einem gemeinsamen System unterrichtet werden.“

            Viertens: „An Förderschulen sind Kinder und Jugendliche nicht deutscher Herkunft deutlich überrepräsentiert. Mit einer natürlichen Verteilung von Intelligenz lässt sich das nicht erklären, eher mit institutioneller Diskriminierung.“

            Quelle: https://www.sueddeutsche.de/bildung/diagnose-lernbehinderung-sonderschulen-brauchen-schueler-damit-sie-nicht-geschlossen-werden-1.4057639

          • Ich reflektiere einmal über die reale Situation der betroffenen Inklusionsschüler an einem örtlichen Gymnasium, die in ihren Inklusionsklassen auf Grund ihrer kognitiven Beeinträchtigungen mit der nachfolgend verminderten Leistungsfähigkeit von ihren Mitschülern unbewusst oder bewusst isoliert werden oder sich selbst zurückziehen, da sie bemerken, dass sie im Unterricht nicht mithalten können und sich schlichtweg überfordert und minderwertig vorkommen.
            Inzwischen ist der Großteil der Inklusionsschüler wieder auf eine Förderschule gewechselt, wo diese Kinder in kleineren Gruppen entsprechend ihrer Lernfähigkeit gezielt gefördert werden.
            Es geht darum ihnen die Basisfähigkeiten zu vermitteln, um in der realen Welt bestehen zu können und sich zu selbst bestimmten Mitgliedern innerhalb unserer Gesellschaft zu entwickeln.

        • Anna, zu Ihrem dritten Punkt: Wie viel ist „mehr“, welche Art von Abschluss erreichen diese Schüler und wie gut ist der im Vergleich zum restlihen Jahrgang? Gerade so Hauptschule Klasse 9 nach 11 Jahren, aber dennoch kaum Vorbereitung auf ein eigenständiges Leben bringt auch nicht viel.

          Zu Ihrem vierten Punkt: Woher wissen Sie das mit der natürlichen Intelligenzverteilung? Haben Sie die Anteile mit denen der Hauptschulen und den Abschlüssen der Herkunftsländer zumindest korreliert?

          • Wie wäre es, wenn die, die Kinder aussondern, mal begründen, auf welcher empirischer Grundlage sie dies tun?

          • Wieso akzeptieren Sie die Argumente „voraussichtlicher Schulabschluss“ und „funktionieren in einer großen Gruppe“ nicht? Noch haben wir ein gegliedertes Schulsystem, was bei zieldifferenter Ausrichtung entscheidend ist

            Die Beweislast tragen übrigens Sie, Anna. Sie müssen nachweisen, dass das inklusive System losgelöst moralischen Wunschdenkens, für alle Schülerinnen, Schüler, Lehrer, Eltern zu signifikant besseren Ergebnissen führen würde als das selektive System.

          • Danke für den Link. Ich habe mir daraufhin mal den Artikel und die Kommentare durchgelesen.

            Kurzes Fazit: Man muss schon sehr viel guten Willen und noch mehr Geld in die Hand nehmen, um mit dörflicher Klientel ein inklusives System aufzubauen, das vergleichbare Ergebnisse zum selektiven System erwarten lässt. Bei Großstadtklientel im chronisch klammen Ruhrgebiet haben Sie keine Chance.

  4. Die Frage der Inklusion haben wir hier ja schon in allen Facetten hin und her diskutiert. Selbst ein Staatsrechtler aus Greifswald wurde von der Redaktion befragt, danke noch einmal dafür.
    Das Kinderhilfswerk hat nicht gänzlich Unrecht, aber auch nicht gänzlich Recht.
    Es ist davon auszugehen, dass eine individuelle Klagemöglichkeit besteht. Ja.
    Es ist aber auch laut dem ständigen Fachausschuss der UN individuell zu prüfen, ob der Wunsch der Eltern dem Kindswohl entspricht. Ist dem nicht so, ist dem Elternwunsch zu widersprechen (Hinweis des Ausschusses 2016). Der absolute Anspruch wurde auch von dem Staatsrechtler verneint, WOcken selbst sieht als Ziel ca. 80% von IB Kindern in der Regelschule, also 20 % auch in Zukunft an Förderschulen.

    Klar ist: Gerade die Förderschulen für Kinder mit Beeinträchtigungen des Gehörs oder des Sehsinnes machen deutlich, wie wichtig solche Förderorte sind. Zurecht wird darauf verwiesen, dass an diesen Schulen niemand zweifelt.
    Klar ist aber auch, Wocken selbst schreibt das ja der Sonderpädagogik bitter zu, dass zum einen die Sonderpädagogen der Kultusverwaltung die „Deutsche Antwort“ verfasst haben, welche die Kritik der UN an den mangelnden Inklusionsfortschritten zurückweist. Und zum anderen die Sonderschulen sehr wohl den Verdacht nicht ausräumen konnten, sich im Überprüfungsverfahren selbst die Schüler zu akquirieren.

  5. Inklussion..wird meines Erachtens falsch interpretiert.Ich bin seit 1968 im Schuldienst ,ohne Pause.Ich unterrichtete bis 1979 in POS. Danach bis 2013 in Föderschulen oder Förderzentren.Seit 2013 bin ich in verschiedenen Grundschulen Rostocks tätig .Es ist mir ein Bedürfnis,mich unbedingt einzugeben in das Thema Inklusion.
    In einer Gesellschaft,in der das Leistungsprinzip entscheidet,kann Inklusion nur gegen den Baum gefahren werden. Ich bin total wütend über die Oberflächlichkeit im Umgang mit den uns anvertrauten Kindern.Warum das alles? Förderzentren haben ihre Berechtigung!
    Wir wissen,dass psychische Stabilität unserer Kinder eine Grundvoraussetzung für die Entwicklung bestimmter Kompetenzen ist.Wir wissen wie schwierig es ist,soziale Kompetenzen zu fördern,herauszubilden.
    Diese Entwicklung ist aus oben genannten Gründen zum Scheitern zu verurteilt.
    Unsere ,,besonderen,, Kinder werden generell die Verlierer in diesem inklusiven System sein,es sei denn………und jetzt kommt es: die äußere Organisation stimmt( sämtliche Bedingungen,die Inklussion möglich machen) Und..die stimmt nicht,absolut nirgendwo.Vielleicht an den Vorzeigeeinrichtungen,das kann sein.Ich kann nicht verstehen,warum man ohne Menschen von unten zu hören,da oben einfach so entschieden wird!!WENN IHR MICH FRAGT: LASST DIESE KINDER IN IHREN SCHONRÄUMEN! LASST SIE DORT ZU SELBBEWUSSTEN MENSCHEN GEBILDET UND ERZOGEN WERDEN!

    • WENN IHR MICH FRAGT: LASST DIESE KINDER IN IHREN SCHONRÄUMEN! LASST SIE DORT ZU SELBBEWUSSTEN MENSCHEN GEBILDET UND ERZOGEN WERDEN!
      Warum wird hier geschrien? (Großbuchstaben = Schreien) Wer hat sich denn je in einem Schonraum zu einem selbstbewussten Menschen entwickelt? Wie soll das überhaupt funktionieren? In der Regel sind die Sonderschüler sich ihrer Stigmatisierung durchaus bewusst und haben ein eher schwaches Selbstbewusstsein. Und wie sollen sie sich auch etwas zutrauen, wenn sie immer von Spezialisten in Schonräumen umgeben waren, die ihnen nie etwas zugetraut haben, aber ja immer so genau gewusst haben, was für diese Kinder gut ist?

  6. „In den meisten Bundesländern ist die Ressourcenverteilung an die Zahl der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf gekoppelt, was den zahlenmäßigen Anstieg erklären könnte“, so erklärt der „Kinderrechte-Index“ das Phänomen.“

    Das ist eine Unterstellung, die dort widerlegt wird, wo die Ressourcenverteilung eben nicht an die Zahl der Kinder gekoppelt ist!

    Wie viele Kinder mit Förderbedarf (Lernen, Sprache, ESE) ich auch in der Klasse habe, es bleibt bei max. 2 Std. pro Woche pro Klasse, die die Klasse allgemein an sonderpädagogischer Grundversorgung durch eine FöS-Lehrkraft erhält.
    Da die FöS Lernen in Nds. bereits seit etlichen Jahren ausgelaufen ist, wechselt kein Kind mit Unterstützungsbedarf auf eine andere Schule, häufig gilt gleiches für den Förderschwerpunkt ESE, oft für Sprache.

    Da es aber kaum zusätzliche Ressourcen gibt, ist eine Förderung von Beginn an nur unterrichtsimmanent durch die einzige Lehrkraft im Unterricht zu ermöglichen, zielgleich und auch zieldifferent.
    Die Lehrpläne und Aufgaben der Schulen steigen, die Lernzeiten für einzelne Inhalte verkürzen sich.

    Kinder anderer Unterstützungsbedarfe werden im Rahmen der Inklusion ebenfalls in Grundschulen beschult. Bei festgestelltem Bedarf kann es dazu kommen, dass zusätzliche Förderstunden gewährt werden (3-5 pro Kind pro Woche), dies fängt aber die notwendige Förderung nicht auf, erst recht nicht, wenn sie druchgängig zieldifferent erfolgen muss.

    Die Zuschreibung eines Unterstützungsbedarfes erfolgt übrigens nicht durch die Lehrkräfte selbst, es ist ein zeitintensives Verfahren vorgegeben mit immensem bürokratischem Aufwand für die Lehrkräfte, die keinerlei Ausgleich dafür erhalten, aber immer detailliertere Angaben zur Vorarbeit innerhalb der Schule leisten müssen, die Arbeit selbst natürlich auch. Der Landesrechnungshof Nds. ermittelte 2018, dass pro Verfahren 43 h Aufwand allein durch die Lehrkräfte geleistet werden müssen. Das ist übrigens Arbeitszeit, die einer Förderung NICHT zugutekommt!
    Eine Vereinfachung wurde damals in Aussicht gestellt, ist aber noch immer nicht erfolgt.
    Am Ende entscheidet die Landesschulbehörde, nicht die Lehrkraft selbst.
    Die beteiligten Förderschullehrkräfte sind häufig an verschiedenen Regelschul-Standorten eingesetzt und erhalten keine Stunde mehr, wenn an einem Standort vermehrt Kinder mit Unterstützungsbedarf beschult werden, s.o. (Grundversorgung).

    Beachtlich finde ich da eher, dass trotz des Aufwandes und keinerlei Aussicht auf Verbesserung der Ressourcen so viele Kinder überprüft werden und so vielen der Unterstützungsbedarf zugesprochen wird.
    Der Aufwand ist so immens, dass keine Lehrkraft dies auf die leichte Schulter nimmt, schließlich muss sie selbst die Arbeit leisten. Erfolgt diese nicht absolut gewissenhaft, wird die Akte direkt zurückgeschickt und es wird kein Bescheid erstellt.

    Vielleicht sollte man die gestiegenen Zahlen auch in Verbindung mit anderen Angaben sehen, in denen externe Behörden Aussagen zu Eingangsvoraussetzungen oder zum Gesundheitsstand der SchülerInnen treffen, z.B. den Angaben der Gesundheitsämter zur Sprachfähigkeit von angehenden ErstklässlerInnen/ Notwendigkeit logopädischer Therapie.

    • Das Problem ist, dass Inklusion an allgemeinbildenden Schulen so, wie sie im Augenblick stattfindet, nur unbefriedigend funktioniert. Die Kinder werden zwar sozial inkludiert, können aber aus Personalmangel und wegen zu großer Klassen wesentlich schlechter schulisch bzw. mit ihren spezifischen Problemen, gefördert werden. Außerdem ist es logisch, dass in einer heterogenen, großen Klasse für den einzelnen wenig Zeit bleibt. Im Augenblick stellt sich für viele Eltern betroffener Kinder die Frage, was ihnen wichtiger ist: die soziale Inklusion oder die optimierte Förderung in Spezialschulen.
      Es gibt ganz viele Arten von Beeinträchtigungen, das muss man sich genau ansehen. Nicht alle brauchen eine Spezialförderung, manchmal reicht eine Schulbegleitung oder eine barrierefreie Schule.

      • Ich teile Ihre Meinung, ysnp. Allerdings finde ich, dass die Inklusion auch nicht sozial ist. Das wäre sie meiner Meinung nach nur, wenn die Kinder sich in die Regelschule nicht nur äußerlich integriert fühlten und nicht täglich erleben müssten, dass sie anders sind, in Vielem nicht mithalten können, im Gegensatz zu den anderen Kindern oftmals einen Lernbegleiter brauchen und letztlich Außenseiter sind.
        Da kann noch so viel Süßholz geraspelt werden im Sinne von „du gehörst zu uns“ und „wir helfen dir gern“, die Kinder fühlen sich nun mal anders.
        Dass Eltern die Inklusion gut finden, steht auf einem anderen Blatt. Viele sehen im Besuch einer Förderschule eine äußere Schande. Dass ihre Kinder in Spezialschulen besser gefördert werden können, machen sich etliche nicht klar, zumal ihnen von offizieller Seite häufig Sand in die Augen gestreut wird. Da wird der Zwiespalt verleugnet, den Sie ganz richtig so beschreiben:
        „Im Augenblick stellt sich für viele Eltern betroffener Kinder die Frage, was ihnen wichtiger ist: die soziale Inklusion oder die optimierte Förderung in Spezialschulen.

          • Sind Sie selbst eigentlich in irgendeiner Form betroffen oder haben Sie beruflich mit Inklusion (und nicht deren politischer Vertretung) zu tun?

          • Ich habe ein Kind, das nach der ersten Klasse auf die Förderschule sollte – die damalige Grundschule machte entsprechenden Druck wegen einer angeblichen „Lernbehinderung“. Mein Kind hat die Grundschule gewechselt, hin zu einer inklusiv arbeitenden Regelgrundschule – und hat dort jetzt gerade (Mitte 4. Schuljahr) eine solide Realschulempfehlung bekommen. Eine Dyskalkulie war an der ersten Schule schlicht nicht erkannt worden.

            Es gibt tatsächlich viele Lehrkräfte, die nicht über Inklusion jammern, sondern die Kinder annehmen, wie sie sind und ihnen Entwicklungschancen zugestehen. Gottseidank. In diesem Forum kann schon mal ein anderer Eindruck entstehen.

            Insofern: Ja, ich bin von der Inklusion betroffen – positiv. Ohne die Inklusion würde mein Kind jetzt an einer Sonderschule versauern.

          • Danke für die Aufklärung. Das mit der nicht erkannten Dyskalkulie ist natürlich sehr bitter, wurde aber glücklicherweise später erkannt und ich hoffe, dass die Therapie erfolgreich verläuft.

          • Sie wurde erkannt, weil wir uns als Eltern gegen die Schule gewehrt und die Institutionen gesucht und gefunden haben, die die Dyskalkulie schließlich diagnostizierten. Die Schule wollte lediglich den sonderpädagogischen Förderbedarf feststellen lassen und das möglichst schnell, um ein Kind, das nicht so funktioniert, wie es soll, entsprechend schnell loszuwerden. Ohne Inklusion wäre ihr das auch zweifellos gelungen.

            Die Therapie verläuft überaus erfolgreich – jetzt in einer Inklusionsklasse, deren Lehrkräfte mit viel Engagement und Einfühlungsvermögen sich auf unterschiedliche Lernwege einstellen. Mein Kind benötigt auch in Mathematik mittlerweile kein differenziertes Material mehr; es hat gerade heute die Note für eine reguläre Mathe-Arbeit zurückbekommen: eine Zwei.

            Das beweist mir, dass Inklusion funktioniert. Selbst unter den – zugegeben – meist sehr schwierigen Rahmenbedingungen.

            Was passiert denn mit den Kindern, deren Eltern sich nicht gegen die sonderpädagogischen Feststellungsverfahren wehren können, weil sie z. B. eingewandert sind und überhaupt nicht verstehen, worum es hier geht? Es ist kein Zufall, dass an Sonderschulen nicht-deutsche und sozial schwache Schülerinnen und Schüler deutlich überrepräsentiert sind.

            Hier hat sich ein System jahrzehntelang selbst bedient.

  7. Die Aussagen von Frau Giffey zeigen sehr deutlich, dass die UN-Behindertenrechtskonvention Artikel 24 (inklusive Schulbildung) entweder nicht angemessen gelesen und verstanden wurde oder in Deutschland politisch nicht gewollt ist. Dann fordern wir ein freies Wahlrecht auf Bildung mit neuen Bildungsformen, wenn das Schulsystem es nicht leisten kann/will! Unsere Kinder scheinen in dieser Gesellschaft und im Regelschulsystem nicht erwünscht zu sein. Die Aussagen vieler Lehrkräfte und Politiker lassen keinen anderen Schluss zu. Somit müssen wir die Bildung unserer Kinder mit Behinderungen selbst in die Hand nehmen.

    Die UN-BRK verpflichtet den Gesetzgeber im Bildungsrecht sowohl unmittelbar Individualrechte auf Zugang zu Schulen der Regelform und Bereitstellung „angemessener Vorkehrungen“ zu schaffen als auch in angemessener Zeit schrittweise die Staatenverpflichtung zum Aufbau eines vollständig inklusiven Bildungssystems umzusetzen. 10 Jahre darf man wohl als angemessene Zeit konstatieren.

    Art. 24 der UN-BRK enthält Menschenrechte, die nicht nur reine Staatenverpflichtungen enthalten, sondern Individuen gegenüber Staaten auch einklagbare Rechtsansprüche im Verwaltungs-Rechtsweg vermitteln. Eine Regelschule kann sich nicht mehr auf den sogenannten „Ressourcenvorbehalt“ aus dem Jahr 1997 berufen und darauf verweisen, angemessene Vorkehrungen aus schulischer Sicht einfach nicht leisten zu können. Die Aufrechterhaltung eines Ressourcenvorbehalts für die Umsetzung inklusiver Beschulung ist gleichheitswidrig. Art. 3 Abs. 3 Satz 2 GG ist so bereits heute unter Bezugnahme auf die mit der Unterzeichnung der UN-BRK eingegangenen völkerrechtlichen Verpflichtungen auszulegen. Dies verändert nach übereinstimmender Rechtsauffassung die verfassungsrechtliche Situation, in der das Bundesverfassungs-gericht im Jahr 1997, also lange bevor Deutschland der UN-BRK beigetreten ist, den gemeinsamen Unterricht von nichtbehinderten und behinderten Kindern für „verfassungsrechtlich geboten“ angesehen hat, „wenn die örtlichen Gegebenheiten es ergeben“. Die UN-BRK verlangt, abweichend von dieser gravierenden Einschränkung, auch die Änderung der örtlichen Gegebenheiten, Veränderungen der Schulorganisation und der pädagogischen Praxis. Das ist auch nicht zu diskutieren. Die Vorgaben sind eindeutig und geben keinen Ermessensspielraum für eine Umsetzung.

    Wenn die angemessene Vorkehrungen an den Regelschulen nicht geschaffen werden können, ist die Lösung nicht darin zu suchen, den Eltern nahe zu legen, auf geltende Rechte für ihre Kinder zu verzichten. Vielmehr müssen die Schulen ihre Dienstherren explizit auffordern, dass diese ihren Verpflichtungen nachkommen.

    Art. 24 Abs. 1 der UN-BRK verpflichtet ein inklusives Bildungssystem „auf allen Ebenen“ zu gewährleisten. Das Recht auf diskriminierungsfreien Zugang zu öffentlichen Bildungseinrichtungen und auf „das Ergreifen von angemessenen Vorkehrungen zur Unterstützung des Schulbesuchs“ gilt auf allen Ebenen des Bildungssystems. Das in Art. 24 Abs. 1 und 2 der UN-BRK enthaltene Menschenrecht auf inklusive Bildung enthält eine grundlegende Wertent-scheidung zugunsten eines inklusiven Schulsystems. Nur ein inklusives Schulsystem entspricht dem völkerrechtlichen Verbot, Menschen mit Behinderung zu diskriminieren. Es gehört sogar zu den Staatenverpflichtungen, die Förderschule in ihrer separierenden Form abzuschaffen. Die dauerhafte Aufrechterhaltung von Förderschulen als separierende Schulform, die zudem meist nicht wohnortnah ist, wiederspricht den völkerrechtlichen Verpflichtungen aus der UN-BRK. Die Kompetenz der derzeit überwiegend in Förderschulen angesiedelten sonderpädagogischen Fachkräfte wird durch die UN-BRK nicht in Frage gestellt, vielmehr zielt die UN-BRK auf eine Umverteilung bestehender Ressourcen in den Regelschulen.
    Der individualrechtsschützende Charakter des „Konzepts der angemessenen Vorkehrungen“ ergibt sich bereits aus der Definition der angemessenen Vorkehrungen in Art. 2 Abs. 4 der UN-BRK. Bereits nach der Definition von „Diskriminierung aufgrund von Behinderung“ in Art. 2 der UN-BRK muss das Versagen von angemessenen Vorkehrungen außerdem als eine Form der Diskriminierung gewertet werden, die nach Art. 5 Abs. 2 (und Art. 4 Abs. 1) der UN-BRK verboten ist! Auch Art. 24 Abs. 2 lit. c) der UN-BRK betont, dass die Gewährung angemessener Vorkehrungen Teil des Diskriminierungsschutzes im Bereich der Bildung ist.

    Der UN-Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen hat 2016 in seiner Allgemeinen Bemerkung zum Recht auf inklusive Bildung erläutert, was die Verpflichtung zur Schaffung eines inklusiven Systems konkret bedeutet. Dabei hat er erneut hervorgehoben, dass Staaten, die neben dem regulären Schulsystem ein Sonderschulsystem aufrechterhalten, ihre Verpflichtung nicht erfüllen. Dass die trennende Doppelstruktur von allgemeiner Schule und Förderschule in Deutschland nicht UN-Behindertenrechtskonventionskonform ist, hatte der UN-Ausschuss bereits 2015 anlässlich der 1. Staatenprüfung Deutschlands deutlich gemacht. Um einen Schulabschluss für den 1. Arbeitsmarkt erreichen zu können, benötigen Schüler und Schülerinnen mit Behinderungen eine hochwertige, individuelle und inklusive Schulbildung.

    Menschen mit und ohne Behinderungen hatten deshalb mit Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009 einen menschenrechtlichen Anspruch auf einen diskriminierungsfreien Zugang zur allgemeinen Schule – schon vor der vollständigen Schaffung eines inklusiven Bildungssystems.

    Die Verweigerung von „angemessenen Vorkehrungen“ stellt somit eine Form der Diskriminierung dar und könnte von den Betroffenen eingeklagt werden.

    https://www.interessengemeinschaft-bildungsrecht-inklusion.com/

  8. Inklusion kann funktionieren! Wie man international an zahlreichen Beispielen belegen kann. Aber Nur, wenn es auch konsequent genug umgesetzt wird. Artikel 24 fordert ausdrücklich zuerst das Recht auf ein inklusives Bildungssystem. Nur dann kann auch eine inklusive Beschulung funktionieren. Stattdessen hat man in D. den Schulen (Lehrkräften. Schülern und Eltern) Inklusion Hals über Kopf verordnet, das SchulSystem aber bleibt weiter hochselektiv bestehen. Noch immer ist ein erfolgreicher Abschluss zu oft an Leistung, statt an Bildung und individuellem Lernfortschritt orientiert. Inklusive Schule in einem selektiven SchulSystem kann nicht funktionieren. Stattdessen hat man das Pferd von hinten aufgezäumt und wundert sich nun, dass es den Weg nicht findet…

  9. „Funktionieren “ ist realtiv. Selsbt in der Schweiz, in der mit viel Eifer, Mitteln und dem entspr. Konkortat schon sehr früh wichtige Schritte in Richtung Inklusion unternommen worden sind, findet gerade die Diskussion statt, die die Ministerin hier angesprochen hat – ehrlich über die Grenzen der Inklusion zu reden.

  10. Ich würde sagen ,das die Förderschulen geschlossen ,werden ,diese Kinder werden zum Teil gemobbt, und das finde ich nicht in Ordnung

  11. Bin anderer Meinung.
    ICH war selber auf einer Förderschule.
    Wo ich nicht mal den Förderschulabschluss geschafft habe, weil der Unterricht zu langsam war. Bin ohne Abschluss auf eine weiterführende Schule gegangen.

    Förderschulen gehören abgeschafft, weil diese Kinder und Jugendliche es nur noch schwerer haben. Nur sehr wenige Betriebe nehmen einen Förderschüler/in.. Allein schon ein Praktikum zu finden ist eine schwere Herausforderung.

    Manche Förderschüler/innen möchten einen einen anspruchsvolleren Job haben, was nur mit dem Realschulabschluss,Abitur zu erreichen ist und nicht mit Hauptschulabschluss, nur mal so zu Info

    • Es ist aber auch eine Frage der kognitiven Leistungsfähigkeit. Dass Kinder mit körperlichen Behinderungen inkludiert werden müssen, steht, denke ich, bei allen hier, außer Frage. Aber nicht für jedes Kind ist es sinnvoll, eine Regelschule zu besuchen, so dass der Förderschulbesuch gerade solche Kinder auch psychisch entlasten kann.
      Zu denken, dass jemand mit einer geistigen Behinderung Abitur machen kann oder den Realschulabschluss, ist schlichtweg irreal und Wunschdenken von Eltern, die mit geistigen Beeinträchtigungen ihres Kindes nicht umzugehen wissen. An (guten) Förderschulen hingegen werden die SuS Stück für Stück auf ein Berufsleben vorbereitet und in Zusammenarbeit zwischen Schule und Betrieben in dortige Strukturen integriert.
      Meine feste Überzeugung ist daher: Einige Schüler gehören auf die Regelschulem, einige auf Förderschulen, weil sie dort viel besser betreut werden können.
      Es geht daher nicht ohne Förderschulen… und es gibt erst Recht kein Menschenrecht auf Abschaffung der Förderschulen.

      • Nein, es ist eher eine Frage der Motivation.
        Wenn man 10 Jahre lang auf Grundschulniveau unterrichtet wird und die ganze Zeit eingeredet bekommt, dass aus einem sowieso nichts wird, man die Schule am Ende ohne Abschluss und damit ohne Perspektiven auf einen vernünftigen Beruf verlässt, dann verläuft auch der Lebensweg dementsprechend.
        Ich als ehemaliger Förderschüler habe jedenfalls nicht von den Lehrkräften erfahren, dass es auch die Möglichkeit gibt, Schulabschlüsse nachzuholen. Im Gegenteil stand für die Schule fest, dass die Option für mich erst gar nicht in Frage kommt, da ein Förderschüler sowas ja eh nicht schafft. Zurzeit hole ich übrigens mein Abitur nach. Gestartet bin ich ohne Abschluss.

        Schulen sollten das Maximum aus einem Schüler herausholen, ohne ihn dabei zu überfordern. Das kann an Förderschulen gar nicht funktionieren, da die überhaupt nicht darauf ausgerichtet sind. Da wird eher an das Minimum appelliert. Natürlich schafft nicht jeder das Abitur oder den Realschulabschluss, das ist auch nicht schlimm. Aber dagegen es zu probieren spricht auch nichts. Das Streben nach dem höchstmöglichen Abschluss sollte ausdrücklich unterstützt und nicht behindert werden, denn das Ziel sollte am Ende sein, dass ein Schüler möglichst selbstständig und vor allem selbstbestimmt ins Berufsleben startet, und nicht sein ganzes Leben lang auf Hartz IV angewiesen ist.

  12. @Lehrer 002:
    Ihre Aussage ist unpräzise, wenn nicht sogar falsch! Die „kognitive Leistungsfähigkeit“ von der Sie schreiben suggeriert, dass es den Weg gibt – sofern Sie wirklich Lehrer sein sollten, werden Sie mir sicherlich zustimmen, dass das selten so ist…

    Vielmehr sind doch unterschiedliche Notwendigkeiten und Möglichkeiten zur Förderung von Menschen mit Neurodiversität noch zu wenig bekannt. Hier wäre eine finanzielle Ausstattung sowohl für die Forschung als auch für die (personelle) Ausstattung der Schulen essenziell, um inklusive Arbeit zu fördern.

    Dies wird u. a. gerade in der Universität Hamburg erforscht. (vgl. https://www.ew.uni-hamburg.de/ueber-die-fakultaet/personen/zimpel.html oder auch https://www.ew.uni-hamburg.de/ueber-die-fakultaet/personen/rieckmann.html sowie https://www.uni-hamburg.de/newsroom/forschung/2019/0724-matheapp-mathildr.html)

    Sie schreiben weiterhin:
    „Zu denken, dass jemand mit einer geistigen Behinderung Abitur machen kann oder den Realschulabschluss, ist schlichtweg irreal und Wunschdenken von Eltern, die mit geistigen Beeinträchtigungen ihres Kindes nicht umzugehen wissen. An (guten) Förderschulen hingegen werden die SuS Stück für Stück auf ein Berufsleben vorbereitet und in Zusammenarbeit zwischen Schule und Betrieben in dortige Strukturen integriert.“

    Es gibt Beispiele, bei denen bereits mit der bisherigen Pädagogik, die wohl aufgrund von Unwissen defizitär orientiert ist, dennoch erfolgreiche Schulabschlüsse erreicht werden, die z. B. wie im Fall von Pablo Pineda Ihre Aussage widerlegen.

    Wie in einigen Kommentaren hier aber deutlich wird, wird Förderschulen als den Hort des Glücks für Menschen mit Behinderungen gesehen, wo eine Vorbereitung auf leichte Tätigkeiten erfolgt.

    Wo fängt bei Ihnen denn „Behinderung“ an???
    Ich wünsche mir ein Ende solcher Diskriminierung und endlich eine Gesellschaft, die den Wert von Vielfalt erkennt.

    Es müsste endlich das Geld bereit gestellt werden, dass eine auf die Zukunft ausgerichtete Bildung für so viele Kinder der Gesellschaft wie möglich, egal mit welchen Vorbedingungen, erlaubt. Aber leider gewinnt das Thema Bildung keine Wahlen… Stattdessen hängen wir meist am preußischer Schulausrichtung im Gleichschritt fest.

    • „Schulausrichtung im Gleichschritt“ sehe ich vielmehr in Regelschulen mit Inklusion, die möglichst noch Gesamt- bzw. Gemeinschaftsschulen sind.
      Bloß keine Vielfalt im Schulsystem, lautet hier die Devise.
      Den „Wert von Vielfalt“ kann man ebenso wie „Diskriminierung“ anders sehen als Sie.

    • Man kann das Beispiel Pablo Pineda als Ausnahme werten, also als Hochbegabten unter den mit Downsyndrom geborenen Menschen, die Sie nicht verallgemeinern dürfen. Ich zitiere aus der wikipedia zum Downsyndrom:

      „Bis heute besuchen Kinder mit Down-Syndrom meistens eine Schule für geistig Behinderte. Aber auch Lernbehindertenschulen, andere Förderschulen und Integrationsklassen an Regelschulen können Schüler mit Down-Syndrom aufnehmen. Die meisten Kinder können heutzutage mit den nötigen Hilfen Lesen und Schreiben erlernen und erwerben zumindest Grundkenntnisse im Rechnen.

      Teilweise erwerben Menschen mit Trisomie 21 Regelschulabschlüsse, in zunehmendem Maße ergreifen sie Regelberufe in der freien Wirtschaft. Weltweit sind bislang nur Einzelfälle bekannt geworden, in denen sie eine Universität besuchen oder diese gar erfolgreich abschließen konnten. Zu medialer Aufmerksamkeit gelangten der Spanier Pablo Pineda und die Japanerin Aya Iwamoto.“

      • Und was bedeutet das dann für Sie? Sind “Ausnahmen” den Aufwand der Inklusion nicht wert?

        Das Plädoyer für Vielfalt, U. B., ist natürlich wohlfeil, wenn man selbst von der Einschränkung auf eine einzige Schulform – die Sonderschule eben – nicht betroffen ist. Für betroffene Eltern und Kinder hat sich Ihre “Vielfalt” dagegen im Förderschulsystem schnell erledigt.

        • Mir fällt nur immer wieder auf und das wollte ich auch betonen, dass „Vielfalt“ meist sehr vereinseitigt dargestellt wird und wer sie anders sieht, gern verunglimpft wird.
          Könnte Ihre Betrachtungsweise für die Augen anderer nicht auch wohlfeil sein?
          Außerdem finde ich, dass Sie „betroffene Eltern“ über Gebühr für Ihre Sichtweise vereinnahmen. Immer wieder höre und lese ich von betroffenen Eltern, die von der Regelschule enttäuscht sind, der Förderschule nachtrauern und ihr Kind lieber wieder dort gefördert sähen.
          Sagen Sie mir also bitte nicht: „Für betroffene Eltern und Kinder hat sich Ihre ‚Vielfalt‘ dagegen im Förderschulsystem schnell erledigt.“ So einhellig gegen die Förderschule, wie Sie behaupten, sind die Eltern nämlich nicht.

          • … weil Ihnen nichts anderes übrigbleibt angesichts der Bedingungen.

            Sie können ja gerne mal mit Betroffenenverbänden sprechen.

            Um mal die Aktion Mensch zu zitieren: „Die Umsetzung der Inklusion läuft nicht an allen Schulen gut. So entsteht bei vielen Menschen der Eindruck, Inklusion an sich sei der falsche Weg. Dass Inklusion aber an vielen Schulen gelingt, wird häufig übersehen. Und auch, dass für einen erfolgreichen inklusiven Unterricht eben bestimmte Bedingungen erfüllt sein müssen.“

            Quelle: https://www.aktion-mensch.de/dafuer-stehen-wir/was-ist-inklusion/inklusion-schule.html

          • Das ist aber nun mal die Realität der Inklusion!
            Sie, Anna, richten Ihr Urteil vielleicht an schönen Versprechungen aus, die meines Erachtens häufig nur Theorie bleiben.
            Wenn wir jede Reform nur an den Verheißungen messen würden und die Realität beiseite schöben, könnten wir allem nur zustimmen, was uns vorgesetzt wird, und höchstens über Jahre hinweg gebetsmühlenartig daran erinnern, dass die Idee nach wie vor richtig ist, aber noch bessere Umsetzung braucht.
            Dieses Spiel mit der Gläubigkeit der Menschen ist meines Erachtens im Bildungsbereich besonders ausgeprägt.

          • Nur dass die Versprechungen, die Förderschule sei ein herausragend gut ausgestatteter Raum mit den notwendigen Pädagogen mit entsprechendem Förderschwerpunkt, weiterem Personal und gut erreichbaren Schulplätzen für alle Kinder, die dieser Förderung bedürfen, ebenso fern der Realität:
            Bestimmte Schulen für gewisse Förderschwerpunkte sind selten oder wurden schon vor der Umsetzung der Inklusion in manchen BL kaum staatlicherseits angeboten.
            Die örtlichen Förderschulen hatten kein Personal, Klassen wurden zusammengelegt.
            Vor dem Übertritt mussten die SuS 3 Jahre in der Regelschule _verweilen_, wobei erwartet wurde, dass sie in diesen Jahren die üblichen Inhalte mit übrlichen Methoden und Materialien erlernen.

            Gerade weil keine Bedingungen für die Umsetzung festgeschrieben wurden, wird nun alles mögliche verweigert und eingespart, mit dem Ergebnis, dass wir bald trotz Inklusion wieder bei dem Status sind, bei dem wir vor der Einführung waren: Die Kinder sitzen mit in den Klassen, eine Förderung zusätzlich zum differenzierten Unterricht wird ihnen aber verwehrt.

  13. Kaum zu glauben aber wahr:
    selbst unter diesen schlechten Bedingungen gibt es Beispiele gelungener Inklusion.
    Unser Kind besucht nun schon die 9. Klasse einer weiterführenden Regelschule. Zieldifferenziert, mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung.
    Gott sei Dank liest es diese Berichte nicht, die ihm die Fähigkeit absprechen, genau das zu tun, was es gerade macht: bessere schulische Fähigkeiten zu erlangen, als es ihm an der zuständigen Förderschule ermöglicht worden wäre.
    Und das schreibe ich nicht, weil ich als Mama eines inklusiv beschulten Kindes ja automatisch einen Hass auf alle Förderschulen haben muss, sondern weil wir unseren Erziehungsauftrag ernst nehmen und selbstverständlich immer die sehr konstruktive Zusammenarbeit mit allen Beteiligten gesucht haben, also selbstverständlich gemeinsam mit der zuständigen Förderschule und der Regelschule überlegt haben, welcher Förderort für unser ganz individuelles Kind mit Stärken und Schwächen richtig ist.
    Wer will, findet Wege, wer nicht will, findet Gründe. Im Moment dürfen noch viel zu viele Akteure Gründe finden, warum Inklusion scheitert. Damit wird ein Menschenrecht verletzt. Und wenn Eltern dann ihre Kinder vor der Gesellschaft schützen wollen und sich für eine Förderschule entscheiden, wird dies auch noch politisch unterstützt.
    Ich schäme mich vor meinem Kind, dass es in einer Gesellschaft aufwächst, in der ranghohe Politiker Exklusion rechtfertigen. Und freue mich daran, dass es zumindest in seinem direkten Umfeld ganz viele Menschen gibt, die es willkommen heißen und entgegen der allgemeinen politischen Stimmung im Land verstanden haben, was Inklusion bedeutet.

    • Danke Mutter04 und Anna für die Schilderung Ihrer Sichtweise.

      „Wer will, findet Wege, wer nicht will, findet Gründe. Im Moment dürfen noch viel zu viele Akteure Gründe finden, warum Inklusion scheitert. Damit wird ein Menschenrecht verletzt.“
      Das trifft es ganz gut.

      An immer mehr Kostenstellen werden viele Gründe genannt, warum ein Förderstatus nicht zugesprochen oder eine Schulbegleitung nicht gewehrt werden muss oder kann.
      Kinder, Eltern und Lehrkräfte sollen dann die Förderung in der Schule auffangen, ohne auf notwendige Ressourcen zurückgreifen zu können.
      Das ist frustrierend, selbst wenn man Wege finden will.

      • @Palim: das ist die eine Seite der Medaille, die Sie beschreiben.
        Umgekehrt gibt es Schulen, die Kinder absichtlich psychiatrisieren, weil sie wissen, dass sie dadurch Schulbegleitungen bekommen.
        Eine Schulbegleitung bekommt man aber nur dann, wenn eine Teilhabebeeinträchtigung besteht UND das Kind eine anerkennate Behinderung hat.
        Teilhabebeeinträchtigungen entstehen aber auch durch strukturelles Versagen – unabhängig von einer Behinderung.
        Das mag Lehrern am Limit egal sein, ich verstehe die Hilferufe. Aber die entstehen nicht, weil behinderte Kinder plötzlich an Regelschulen auftauchen. Sondern weil Förderschulen geschlossen wurden, auf denen eh keine behinderten Kinder waren, sondern Kinder, die vom System ausgesondert wurden, die zu anstrengend waren. Diese Abschiebepraxis wird den Schulen nun zum Verhängnis, weil sie sich über Jahrzehnte geweigert haben, sich auf eine veränderte Schülerschaft einzustellen. Und das fehlendende Geld wünscht man sich nun durch die Inklusionspauschale.
        Die tatsächlich behinderten Kinder sind nun die Sündenböcke für ein marodes Schulsystem.
        Ja, es ist frustrierend auf allen Seiten.
        Aber weder unser Kind noch wir haben uns die Behinderung ausgesucht. Wenn es um meinen Stresspegel und meinen Arbeitsaufwand ginge, wäre ich verrückt, den inklusiven Weg einzuschlagen. Bequem hat man uns den Förderschulweg gemacht, eine Rundumversorgung!
        ABER: niemand hat das Recht, unser Kind wegen seiner Behinderung auszuschließen. Und unser Kind hat signalisiert, dass es sich trotz aller Widrigkeiten und manchmal auch Diskriminierungen der Gesellschaft zugehörig fühlt. Und daher haben wir die Verpflichtung, Eltern, Schule und Staat, sich dieser Verantwortung zu stellen.
        So einfach ist das manchmal.

        • Wenn im Erlass genannt ist, dass es eine sonderpädagogische Grundversorgung von (nur) 2 Std. pro Klasse pro Woche gibt, sollte Sorge dafür getragen werden, dass diese in den Schulen auch ankommt. Schließlich müssen die Schulen die Aufgabe der Inklusion ja auch täglich umsetzen und es gibt in diesem Zusammenhang Aufgaben, die den Regelschullehrkräften untersagt sind. So werden immer noch IQ-Tests gefordert, auf deren Umsetzung von anderer Seite (Förderschullehrkraft/ Gesundheitsamt/ Ärtze) man dann Monate warten muss.

          Wenn ein Unterstützungsbedarf gleich welchen Schwerpunktes vor der Einschulung festgestellt werden kann, finde ich es falsch, das davon abgeraten wird oder immer wieder behauptet wird, dass dies nicht möglich sei. Gleiches gilt für das erste Halbjahr des Schulbesuches.
          Da gibt es Aussagen, dass Kinder für einen Unterstützungsbedarf Lernen einen Rückstand von einem Jahr haben müssten, den sie nicht haben könnten, weil sie noch kein Jahr zur Schule gegangen seien.
          Auch gibt es Aussagen, dass ein Kind zunächst wiederholen soll, bevor ein Unterstützungsbedarf festgestellt werden kann. Die Wiederholung ist aber am Ende von 1 nur freiwillig möglich. Die Schule könnte dann erst im 3. Schulbesuchsjahr den Unterstützungsbedarf feststellen – bezieht sich auf den Schwerpunkt Lernen. Und _eigentlich_ darf man bis dahin zwar differenzieren, das Kind sollte aber die üblichen Ziele der Regelschule erreichen. An diesem Punkt war ich vor der Einführung der Inklusion auch schon mit mehreren Kindern und fand dies damals schon falsch.

          An allen möglichen Stellen werden immer mehr Unterlagen gefordert, die zu erbringen sind. Da es auch dafür keine festen Absprachen gibt, kann man die Anforderungen beliebig erweitern und auslegen.
          Einerseits muss alles unabhängig festgestellt werden, andererseits beginnen Ämter nun, von anderen Ämtern Bescheide einzufordern: Die Feststellung des Unterstützungsbedarfes der Schule soll nicht frühzeitig festgestellt werden, gleichzeitig fordert das Amt, das die Schulbegleitung bewilligen soll, einen festgestellten Bedarf.
          So bremst man gleich alle Bemühungen aus, dem Kind unterstützende Hilfe zukommen zu lassen.

          Auch die wildesten Vorstellungen von außen, wie mit den Kindern umzugehen und wie Unterricht zu organisieren sei, helfen da nicht weiter. Unmöglich finde ich Äußererungen, die Förderung der inklusiv zu beschulenden Kinder müsse man nicht zu hoch hängen, es würde reichen, wenn sie im Unterricht zugegegen seien.

          „Teilhabebeeinträchtigungen entstehen aber auch durch strukturelles Versagen“
          Ja. Sehe ich auch so.
          Dazu gehört aber auch, dass es nicht ausreicht, darauf zu bestehen, dass alle Kinder in der Regelschule beschult werden sollen, die räumliche und personelle Ausstattung muss dies auch ermöglichen.
          Unter gegebenen Umständen kommen Kinder nicht zu ihrem Recht.

          • @Palim: ich bin voll bei Ihnen, die räumliche und personelle Ausstattung muss dies auch ermöglichen.
            ABER: auch diese Aussage wird leider von Schulen genutzt, um Inklusion zu boykottieren.
            Eltern wird gesagt, die würden ihr Kind ja soooooo gerne nehmen, aber LEIDER habe man den Raum, aus dem man theoretisch auch einen Wickelraum machen könne, gerade an die örtliche Musikschule vermietet und da müsse man dann abwägen, ob man so vielen Kindern den Musikunterricht verweigern müsse, nur weil dieses eine Kind gerade an diese Schule gehen müsse…
            Die allererste Frage muss immer sein: möchte dieses Kind an diese Schule? (Ich höre schon die Erwiderung „das kann das Kind doch gar nicht beurteilen!“….)
            Die zweite Frage muss sein: Ist die Schule bereit, dieses Kind willkommen zu heißen?
            Die dritte Frage muss sein: „Sind ALLE Beteiligten bereit, konstruktiv zusammen zu arbeiten, um die Herausforderung zu bewältigen?“
            Es gibt immer Hürden, die dann eben am Ende auch dazu führen, dass ein anderer Förderort besser ist. Aber viele Versuche scheitern nicht wirklich an den tatsächlichen Hürden. Sondern weil Beteiligte nicht wirklich wollen! Und genau das prangere ich an: hinter vorgehaltener Hand sind noch immer viel zu viele davon überzeugt, dass Inklusion nicht funktionieren kann. Und dem kann ich nur mit den Worten entgegentreten: Es geht hier nicht um irgendeine wunderschöne Idee, die man gut oder schlecht finden kann. Sondern es geht um die Umsetzung eines Menschenrechtes! Um es mal ganz platt zu formulieren: Wir diskutieren auch nicht darüber, ob es gut oder schlecht ist, dass wir regelmäßig zur Toilette müssen. Egal, wie wir das finden: unser Körper fordert es und wir müssen Wege finden. Und genau das ist der Punkt, der mich – gelinde gesagt – im Moment auf die Palme bringt. Dass scheinbar ranghohe Politiker wieder anfangen, über ein Thema zu diskutieren, das mit Unterzeichnung der Behindertenrechtskonvention nicht mehr zu diskutieren ist.

          • Sie wissen aber, liebe Mutter04, dass die vielzitierte Behindertenrechtskonvention verschiedene Auslegungen zulässt, oder?
            Die Verfechter der Inklusion haben allerdings dafür gesorgt, dass nur ihre Interpretation en vogue ist, die ihre Wünsche erfüllt und die auch im Bundestag zu später Stunde dafür gesorgt hat, dass die Abgeordneten ein Inklusionsgesetz nach Lobbywunsch beschlossen.

            Wenn man schon auf diesen Gesetzbeschluss abhebt, dann darf man nicht die Hälfte der Wahrheit weglassen. Den Abgeordneten wurde vor Beschlussfassung nämlich versichert, dass die Kosten der Inklusion sich in Grenzen hielten und eher geringer als höher seien als die Förderschulen.
            Was Sie, Palim, Anna und andere jetzt an zusätzlichen Rahmenbedingungen für die Inklusion fordern, übersteigt bei Weitem das, was ursprünglich beschlossen wurde.
            Ihre Forderungen sind meiner Meinung nach von den Ressourcen her unerfüllbar und es kommt mir irgendwie schäbig vor, wenn Sie jetzt Schulen und Lehrer zum Sündenbock machen, indem Sie sagen:
            „Aber viele Versuche scheitern nicht wirklich an den tatsächlichen Hürden. Sondern weil Beteiligte nicht wirklich wollen!“

          • Die unterschiedliche Sichtweise ist u.a. durch die erfahrene Umsetzung von Inklusion bedingt:
            Hier haben ELTERN freie Schulwahl. Sie melden ihr Kind an der gewünschten Schule an. Punkt.

            Die Schule muss dann sehen, wie sie das Kind beschult:
            – Die Schule muss auf den Schulträger zugehen und um Umsetzungen innerhalb des Gebäudes bitten. Der Schulträger muss dazu Geld „finden“, das normalerweise so nicht im Haushalt steht, es sei denn, die Kommune hat dafür einen Haushaltsposten geschaffen.

            – Die Schule muss mit dem bestehenden Personal die Beschulung, also den Unterricht regeln. Dazu gehört bisher die bereits genannte Grundversorgung, die aber oft auf Grund des Lehrkräftemangels nicht konsequent umgesetzt ist.

            – Der notwendige Einsatz von weiterem Personal, der an manchen Förderschulen durchaus üblich scheint, ist für SuS in der Regelschule anscheinend nie geklärt worden.

            – FörderschulkollegInnen mit bestimmtem Schwerpunkt (außerhalb von Lernen, Sprache, ESE) werden erst in der Schule mit Stunden eingebunden, wenn ein Unterstützungsbedarf festgestellt wurde.
            Für die Feststellung sind die Lehrkräfte der Regelschule zuständig, eine FöS-Lehrkraft mit entsprechendem Schwerpunkt von außerhalb wird beauftragt.
            Mögliche Stunden einer Förderschullehrkraft mit diesem Schwerpunkt benötigen eine Zuweisung an diese Schule, die erst zu Beginn des nächsten Halbjahres neu verteilt wird, WENN eine KollegIn mit entsprechendem Bedarf verfügbar ist UND die Schule in erreichbarer Nähe ist.
            Dabei glauben immer noch Außenstehende, Inklusion in der Regelschule würde bedeuten, dass generell 2 Lehrkräfte in den Klassen sind, dass jede Klasse mehrere Schulbegleitungen hat, und verstehen nicht, dass man nach wie vor allein als Lehrkraft für alle Aufgaben in der Klasse zuständig ist und bleibt.

            – Man kann für den Einzelfall Beratung über einen Mobilen Dienst erhalten: eine FöS-Lehrkraft mit diesem Schwerpunkt kommt vorbei, hospitiert eine Stunde, anschließend gibt es, manchmal im Beisein der Eltern, ein Beratungsgespräch. Alles weitere bleibt Aufgabe der Regelschule.

            – Schulbegleitungen können NUR über die Eltern beantragt werden. Die Hürden dafür sind immens, es werden neue Instanzen zwischengeschaltet, es braucht weitere Unterlagen etc. Üblicherweise dauern solche Antragsverfahren mehrere Monate, manchmal sogar über 1 Jahr. Die Verfahren dauern immer länger, sind immer schwieriger.

            Statt das alles sinnvoll abzustecken und gemeinsam mit allen Kostenträgern zu regeln,
            Inklusion vernünftig auszustatten und ggf. nachzusteuern,
            ist es offenbar einfacher, zu meinen, „Inklusion“ würde sich in den Schulen von allein regeln oder es sei „Inklusion“, wenn ein Kind mit irgendeiner Einschränkung mit in den Raum gesetzt würde. Ähnliche Aussagen bekommt man inzwischen als Lehrkraft, wenn man nachhakt, warum reguläre Vorgänge nicht zum Abschluss kommen oder Hilfen nicht gewährt werden. Da gibt es eine Menge Menschen, damit meine ich nicht die Elternschaft, die sehr genau wissen, wie man den Unterricht zu organisieren hat, damit die Kinder im Klassenraum beaufsichtigt im „inklusiven Unterricht“ sind.

            Statt von Beginn an oder spätestens jetzt klare Kriterien abzustecken, beginnt man, alles Mögliche als „Inklusion“ zu deklarieren, damit sich bloß niemand bewegen muss und bloß nichts zu finanzieren ist.
            Vielleicht ist es auch ein politischer Schachzug, möglichst keinerlei Unterstützung zu gewähren, um bei der nächsten Wahl mit schlechter Umsetzung und dem Versprechen, Inklusion zurückzunehmen, Stimmen fangen zu können.
            Wie kann man sich sonst derart verhalten, wenn man Inklusion als Menschenrecht umgesetzt sehen will?

          • @Papa51
            Ich mache Schulen nicht zum Sündenbock, das haben Sie vollkommen falsch verstanden!
            Mein Posting ist eine Reaktion auf Palim, der aus meiner Sicht die Perspektive der Schulen hervorragend und realistisch darstellt.
            Es gibt Schulen, die hervorragende Arbeit leisten, trotz mieser Bedingungen. Aber es gibt eben auch Schulen, die die schlechten Bedingungen als Grund missbrauchen, gar nicht erst mit Inklusion zu beginnen. Ausschließlich dagegen wehre ich mich. Diese Haltung dürfte es eigentlich nicht mehr geben.
            Wenn es darum geht, dafür zu kämpfen, dass Schulen besser ausgestattet werden, bin ich ganz klar und eindeutig an der Seite der Schulen.

          • Das stimmt, Palim.
            Du schreibst von Niedersachsen. In Bayern sieht es ähnlich aus.
            Über Schulbegleitungen besteht ebenso hin und wieder ein Missverständnis. Sie sorgen nur dafür, dass die spezifischen Defizite des Kindes betreut werden, aber sie sorgen nicht für irgendeine schulische Förderungen. Das obliegt nach wie vor der Lehrkraft.
            Zudem werden bei uns alle Schüler in eine Klasse gesteckt, ohne dass Klassenzahlen reduziert werden können und ohne weitere Unterstützung. Wir haben so gut wie keine Stunden für Doppelbesetzungen. Die Lehrkraft muss aufgrund des Lehrermangels mehr denn je alles so gut wie alleine stemmen. Außerdem hat jedes Kind in der Klasse das Recht, dass sich die Lehrkraft um es kümmert. Es gibt fast bei jedem Kind etwas, was man fördern kann. Die Förderung der Arbeitshaltung ist bei vielen angesagt. Kinder mit ADS und ADHS hat man in jeder Klasse, inzwischen auch Flüchtlingskinder und Kinder aus den EU – Ländern, die von der Sprache her unterstützt werden sollen. Es gibt kaum eine Klasse mehr, wo es nicht zu Verhaltensproblemen kommt, die man aufgreifen muss. Der soziale Frieden in einer Klasse muss da sein, um überhaupt eine Lernatmosphäre zu schaffen. Auch dafür muss die Lehrkraft sorgen. Sozial auffällige Schüler fordern sehr und nehmen viel Kraft weg. Die Lehrkraft hat nicht unbegrenzt Kräfte. Inzwischen sitzen vermehrt Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf L in den Klassen. Wichtig ist auch, dass besonders begabte und unauffällige Kinder nicht untergehen, denn die sind irgendwann auch frustriert. Die Lehrer arbeiten, so gut wie es geht, aber mehr geht nicht. In der derzeitigen Situation ist es in vielen Schulen unbefriedigend für alle Beteiligten.
            Die Lösung ist kleine Klassen und mehr Personal und daraus folgend eine adäquate Ausstattung. Doch im Augenblick gibt es zu wenige, die in solchen Schultypen, wo es so viele unterschiedliche Schüler gibt, unterrichten wollen. Wären die Rahmenbedingungen besser, könnte man vielleicht auch wieder mehr Personal gewinnen. Doch die Rahmenbedingungen kann man erst verbessern, wenn man wieder mehr Personal hat.

          • Danke, ysnp, sehe ich ebenso.
            Bei uns sind auch Kinder mit anderen Förderschwerpunkten in den Grundschulen, neben Lernen (zieldifferent nach L-Richtlinien) und Geistige Beeinträchtigung (zieldifferent nach GE-Richtlinien) auch Kinder mit Unterstützungsbedarf Sprache, Hören, Körperlich-Motorische Entwicklung, Sehen wäre auch möglich und in den Nachbarschulen bereits vorgekommen.

            Darauf kann man sich in gewisser Hinsicht einstellen, aber es ist viel Arbeit, sich in alles einzuarbeiten, zusätzlich zu allen anderen Bedürfnissen, wie du sie beschreibst oder wie Krankheitsbilder sie mitbringen können (… und zu den an nahezu keiner Stelle geringer gewordenen anderen Aufgaben der Lehrkräfte).

            Trotzdem bleibt es Integration, Inklusion würde für mich noch etwas anderes bedeuten.
            Und es entsteht nicht von heute auf morgen. Man kann ein System nicht umstellen, ohne vorab zu wissen, worauf man achten sollte. Gleichzeitig muss man die SuS beschulen, um zu lernen, worum es geht und wie man den Unterricht anpassen kann.
            Warum man einen solchen Umbruch nicht besser aufstellt und begleitet, ist mir nicht klar. Wollte man Inklusion oder wollte man sie nicht?
            Für diese Aufgabe hätte es im dreifachen Sinne Zeit gebraucht: Zeit, sich vorab Gedanken machen zu können, und Zeit, sich während der Aufgabe einarbeiten und ausrichten zu können und Zeit, Gespräche mit allen Beteiligten führen zu können.
            Das alles wird nicht gewährt, was ein deutlicher Anhaltspunkt für die Wertschätzung der Lehrkräfte und ihrer Arbeit zeigt. Es ist den Zuständigen offenbar egal, ob Lehrkräfte sich um die Inklusion bemühen oder es sein lassen, sonst würden sie diesen Einsatz unterstützen und anerkennen. Und ebenso egal scheint den Zuständigen auch die Inklusion selbst zu sein, sonst hätten sie sich in den vergangenen 10 Jahren gekümmert und um das Gelingen bemüht.

            Nebenher fängt man an den Schulen den Lehrkräftemangel auf, arbeitet halbjährlich oder jährlich die schulformübergreifenden Abordnungen ein und verteilt eine Menge zusätzlicher außerunterrichtlicher Aufgaben auf das verbleibende Team.

            Lehrer sind nicht am Limit, sie arbeiten häufig weit darüber hinaus, Arbeitszeitstudien bestätigen dies.
            Ich unterstreiche: „Wären die Rahmenbedingungen besser, könnte man vielleicht auch wieder mehr Personal gewinnen.“

            Aber ich bin der Meinung, dass die Bedingungen trotz Lehrkräftemangels geändert werden müssen, bevor niemand mehr bereit ist, diese Aufgabe zu erlernen und zu übernehmen.
            Dazu braucht es nicht allein Lehrkräfte, sondern weiteres Personal. Die so oft genannten multiprofessionellen Teams werden immer wieder genannt, mir sind aber keinerlei verbindliche Absprachen, Verpflichtungen oder Quoten bekannt, die dazu führen, dass diese in den Schulen eingesetzt würden. Warum eigentlich?

            Seit Jahren wird Inklusion umgesetzt, aber niemand scheint sich darum zu kümmern, dass Schule dafür – wie generell – besser aufgestellt sein müsste, wenn sie die eingeforderten Ziele erreichen soll:
            – Dazu gehören an jeder Schule Therapeuten und Sozialpädagogen mit festen Stunden (Grundversorgung) und zusätzlichen Stunden, wenn die Schule auf Grund der Schülerschaft besonders viele Ressourcen benötigt.
            – Dazu gehört eine flächendeckende Versorgung mit Schulpsychologen nach einem Psychologen-Schüler-Lehrkräfte-Schlüssel, der (in der KMK) festgelegt wird, sodass Schulpsychologen real sind und nicht länger als Fabelwesen gelten.
            – Dazu gehört auch eine Bildungsserver, der für Lehrkräfte grundlegende Informationen übersichtlich zusammenstellt. Da bin ich dankbar, dass dies offenbar in anderen BL besser gelingt. Aber es bleibt mühsam, sich quer durch die Republik Wissenswertes zusammenzusuchen, Zeit, die eigentlich nicht da ist.
            – Dazu gehören Beratungsstellen, telefonisch wie digital zu erreichen, bei denen Lehrkräfte unbürokratisch, direkt und zeitnah Auskünfte in medizinischen und psychologischen Belangen erhalten können, sodass man bei der Aufnahme eines Schülers/ einer Schülerin mit besonderem Krankheitsbild grundlegende Informationen abfragen kann. Häufig abgefragte Informationen könnten dann wiederum auf dem Bildungsserver eingestellt werden.

            Zudem hätten Land und Kommunen sich schon längst darüber einigen können, dass Schulen mit pädagogischen Assistenzen ausgestattet werden, die innerhalb der Klasse vieles auffangen könnten. Es gibt unzählige Tätigkeiten, für die die Zeit der Lehrkraft im Unterricht nie ausreicht, was auf Kosten aller geht:
            – Handlungsplanung bei einzelnen SuS
            – Verständnishilfe
            – Abgesteckte Fördereinheiten, darunter fallen z.B. kurze Übungseinheiten mit Kleingruppen, die bei vielen Kindern schon sehr viel bewirken würden, sodass frühzeitig Schwächen aufgefangen werden können
            – Hilfe bei einzelnen SuS mit besonderen Bedürfnissen
            – Konfliktschlichtung
            – ggf. auch mal Aufsicht, während die Lehrkraft sich einer dieser Aufgaben zuwendet oder Zeit für Diagnostik benötigt.
            Tatsächlich gäbe es auch außerunterrichtlich Aufgaben, die Lehrkräfte abgeben könnten, z.B. Aktenpflege, Sammlungspflege, Planung von Veranstaltungen und Fahrten uvm., sowie Hausaufgabenhilfe als Angebot an allen Schulen für alle Schüler.

            Für manches suchen Schulen sich Ehrenamtliche (Rechen- und Leseeltern, Bücherei), das ist aber, bei allem Engagement, mit einer weiteren Kraft im Team nicht gleichzusetzen. In welchem anderen Betrieb setzt man zur Erreichung von Zielen auf Ehrenamtliche?

  14. @ U. B.: Ich verstehe nicht, inwiefern Gemeinschaftsschulen bzw. Gesamtschulen die Vielfalt beschränken. Ist dort nicht vielmehr ein zieldifferenziertes Unterrichten institutionell in den unterschiedlichen Ausrichtungen gemeinsam unter einem Dach das Ziel?
    Wären Sie so nett mir zu erklären, inwieweit meine Sichtweise auf Vielfalt andere Sichtweisen diskriminiert?

    Ihre Antworten stützen lediglich meine Aussage, dass mehr Geld für schulische Bildung ausgegeben werden muss. Da die meisten Schulen meist nebenbei die Inklusion etablieren sollen, kann sie noch nicht vollkommen sein, sofern keine weiteren Kapazitäten geschaffen werden.

    @ Georg: Informieren Sie sich doch bitte über die Arbeitsweise der Uni Hamburg z. B. unter den von mir verlinkten Seiten.

    Sie bestätigen mir ja auch mit ihrem Verweis auf Wikipedia meine Aussage. Herr Pineda hat es offenbar im Regelschulsystem geschafft, was bemerkenswert ist, da das Regelschulsystem auf Inklusion nicht ausgelegt ist und ihn in seinen Zugriffen auf die Lerninhalt nicht adäquat abholt.

    Schaffen wir Bedingungen, in denen Schülerinnen und Schüler egal mit welcher Besonderheit nicht diskriminiert werden. Das kostet Geld, bringt aber die Gesellschaft voran, da Vielfalt erlebbar gemacht und wertgeschätzt wird.

    @Anna und Mutter04: Ich bin inhaltlich voll bei Ihnen!

    • Angenommen, Sie hätten ein hochbegabtes Kind und es gäbe eine Spezialschule ausschließlich für hochbegabte Kinder, die ihr Abitur dann innerhalb von maximal 10 Jahren auf dem Anspruchsniveau von vor 30 Jahren schaffen könnten. Als Alternative gibt es nur eine inklusiv arbeitende öffentliche Gesamtschule mit einem aktuellen Abitur nach 13 Jahren. Ich gehe nahezu jede Wette ein, dass Sie die Spezialschule nehmen würden.

      • Ich habe – auch – ein hochbegabtes Kind, das an einem ganz normalen Gymnasium sein Abitur in 8 Jahren abgelegt hat, dabei sprachlich zum Beispiel zigmal mehr gelernt hat als ich mit meinem Abitur vor 30 Jahren (Englisch, Französisch fließend, dazu gute Grundkenntnisse in Spanisch und Niederländisch) und niemals auf eine „Spezialschule ausschließlich für hochbegabte Kinder“ gewollt hätte, weil sein gesamter Freundeskreis nunmal an dem ganz normalen Gymnasium war. Dieses Kind studiert gerade in Paris und hat alle Chancen, später einmal international auf hohem Niveau zu arbeiten.

        Kommen Sie mal von Ihrem Leistungsdünkel herunter. Es geht um Kinder – und die sollen soziales Leben in seiner ganzen Vielfalt kennenlernen dürfen. Und nicht in einer abgeschotteten Sonderanstalt.

        • Anna, wenn ich ehrlich bin, lasse ich mich lieber von einem leistungsfähigen und fachlich sehr gut ausgebildeten Arzt behandeln. Sie predigen andauernd von Gleichmacherei und Gefühlen.

          Übrigens ist der gleiche Abschluss für alle das Gegenteil von Vielfalt.

          • Wer spricht denn von einem gleichen Abschluss für alle? Niemand – das denken Sie sich aus.

            Und Ihr Bild ist mächtig schief, aber vielleicht bezeichnend: Kinder sind keine Kranken, die einer „Behandlung“ durch Lehrer bedürften. (Ich habe übrigens auch noch keinen Arzt gesehen, der seine Patienten in Gruppen behandelt hätte. In der Medizin gilt durchaus das Prinzip der individuellen „Förderung“.)

    • @Simon K.
      U. B. sprach von unterschiedlicher Auffassung von „Vielfalt, z.B. einer „Vielfalt im Schulsystem“, die sich viele auch wünschen. Solche Auffassung von Vielfalt entspricht allerdings nicht Ihrer oder Annas Vorstellung.
      Die Anhänger von Gesamt- bzw. Gemeinschaftsschulen sollten den verheißungsvollen Begriff „Vielfalt“ vielleicht nicht zu sehr für sich pachten.
      „Eine Schule für alle“ kann aus anderer Sicht auch das Gegenteil von Vielfalt sein.

      • Danke. In einem hochspezialisierten Land wie Deutschland sind vielfältige, aber aussagekräftige Schulabschlüsse wichtiger als vielfältig im Sinne von heterogen besetzte Schulklassen, denen nach 10 oder 13 Jahren überwiegend derselbe Abschluss gegeben wird.

        • Nu, im Sozialismus war die Situation anders: da wurden höhere Abschlüsse nur den politisch zuverlässigen Jugendlichen gewährt. Es gab starken Druck, die Schwachen in der Klasse mit durchzubringen (erzählten unsere Bekannten aus dem Erzgebirge um 1988), was natürlich positiven Effekt für die Leute mit Lernproblemen hatte.

          • @AvL
            Wohl niemand findet die derzeitigen Bedingungen, zu denen Inklusion umgesetzt wird, ausreichend oder dem Gelingen zuträglich,
            dennoch ist Ihr Statement nicht mehr als ein dummer Spruch.
            Ebenso könnte man behaupten, Medizin würde Menschen Schaden zufügen.

            Wie kann man in einem diagnostischen Beruf arbeiten und so wenig differenziert urteilen?

            Die Bedingungen in allen Schulen sollten derart gestaltet sein, dass eine besonders gute Förderung aller SchülerInnen möglich ist.
            Ist dies nicht so, haben die SchülerInnen an der Regelschule wie auch an der Förderschule den Nachteil.

          • Wider den negativen Zuständen und Ergebnissen wird gebetsmühlenartig der Glaube an eine sich desolat auswirkende Inklusion weiterhin aufrechterhalten und beschworen.
            Gegenteilige Statements werden in aroganter und absolutistischer Manier als dumme Sprüche und fehlendes Wissen abgetan.
            Derartige lautstarke Belobigungen helfen einem aber immer weiter an eine Gesinnungswandel im Sinne der Vernunft und an die Enrtwicklung einer aufgeklärten Sachlichkeit zu glauben, denn schließlich verschwanden in der Vergangenheit bereit die Mengenlehre, LDS und der Rohrstock aus den Klassenzimmern.
            Das gesamte Projekt einer desolaten und dilletantisch ausgeheckten Sparinklusion war ein gewaltiger Schuss in den Ofen, und das Echo den Aufpralls der Theorie auf die Wirklichkeit dringt langsam in die Ohren der von sachlicher Vernunft getragener Entscheidung politische gewählter Entscheidungsträgter, denn die entscheiden schließlich wie die UN-Konvention ausgelegt wird und zu verstehen ist.

            Wer immer wieder eine heterogene Durchmischung der Schüler verantwortlich macht für deren vermeintlich schlechten Lernergebnisse zu Vorjahren, der dürfte sich eigentlich um so weniger für eine zusätzliche Durchmischung der Schüler stark machen und eine zusätzliche Durchmischung propagieren, da am Schluss die Schwachen, um deren Wohl es vorgeblich ja gehen soll, schließlich auf der Strecke bleiben.
            Ich bedanke mich noch einmal recht herzlich für die an mich gerichteten freundlichen und ermutigenden Worte der Vertreter des Grundschulverbandes, die uns Kritiker daran erinnern, das wir auf dem richtigen Wege sind.

          • Mein Gott, geht’s noch? Sie sind weder Martin Luther, weil Sie gegen Eltern und Lehrer hetzen, die dafür kämpfen, dass ihre Kinder nicht länger von dieser Gesellschaft ausgesondert werden – noch hat Inklusion irgendetwas mit dem Rohrstock zu tun. Im Gegenteil. Das Förderschulsystem alter Prägung war ein Zwangssystem, im dem Familien Gewalt angetan wurde, weil ihre Kinder gegen ihren Willen ausgesondert wurden.

            Auch entscheiden in unserem Rechtsstaat nicht Politiker über die Auslegung von Gesetzen – das tun Gerichte. Und deren Urteile fielen zuletzt (die Behindertenrechtkonvention beginnt zu wirken) stets im Sinne der Betroffenen aus – etwa hier: https://www.news4teachers.de/2018/07/der-fall-nenad-zeigt-auf-das-sonderpaedagogische-verfahren-bedarf-einer-echten-reform-ein-kommentar/

          • Mir steht es nicht zu mit dem Namen jenes höheren Wesens angesprochen zu werden. Auch ein Vergleich mit dem Reformator des christlichen Glaubens kommt nicht in Betracht, da meine Ansätze rein wissenschaftlich fundiert in der Argumentation vorgetragen werden.
            Im übrigen bin ich als Vater von fünf Kindern selbst betroffen von derartigen Auswüchsen einer alle selig machenden Inklusion, wobei Inklusionskinder gerade in den Gymnasien im besonderen Maße ihre eigenen Grenzen aufgezeigt bekommen und in ähnlicher Weise auch von den Mitschülern ausgegrenzt werden.
            Deshalb haben die meisten Inklusionsschüler bereits wieder die Gymnasien hier verlassen, um auf speziellen Förderschulen eine spezifische Förderung in kleinen Klassen zu erhalten.

          • @AvL
            Ich frage mich, ob die Schüler nach ihren bitteren Enttäuschungen denn noch die Möglichkeit haben, an Förderschulen zurückzukehren, um dort spezifische Förderung zu erhalten.
            Es sind doch so viele Förderschulen aufgelöst worden, so dass die Möglichkeiten, noch einen Platz zu finden sehr beschränkt sind. Manchmal lese ich von Eltern, die den Regelschulbesuch ihrer Kinder gern rückgängig machen würden, aber keine Förderschule mehr in zumutbarer Entfernung oder mit freien Plätzen finden.

          • In NRW werden keine weiteren Förderschulen mehr geschlossen und diese nehmen die Schüler auch wieder auf.
            Eine Möglichkeit wäre aber auch die Förderschüler in eigenen Klassenverbänden an anderen Schulen zusammenzuführen, damit diese in Fachgebieten, in denen sie bessere Leistungen erbringen, gemeinsam mit den anderen Schülern unterrichtet werden zu können, um später ganz in die angegliederten Schulen, ähnlich wie bei den früheren Aufbaugymnasien höhere Abschlüsse zu erreichen.
            Das wäre mal ein praktischer und realistischer Ansatz der Inklusion.

          • @AvL
            Das nennt sich Kooperationsklasse und wird mit SuS mit festgestelltem Unterstützungsbedarf im Schwerpunkt Geistige Entwicklung durchaus durchgeführt, benötigt aber entsprechende Ressourcen: einen Raum und eine Lehrkraft für diese sehr kleine Kooperationsklasse, die in jeder Stunde dort Unterricht erteilen kann, also ca. 25 Std. für 3-5 Kinder, zusätlzlich ggf. Lernbegleitungen.

            Dennoch ist es durchaus etwas anderes, ob man ab und an mit diesen Kindern Sport oder Musik zusammen gestaltet oder ob sie zur Klasse gehören und als Teil der Klasse wahrgenommen werden.

            Bei Kindern, die annähernd selbstständig arbeiten oder eine Lernbegleitung haben, wäre es eben auch denkbar, dass die gleiche Förderschullehrkraft, die sonst die kleine Klasse beschult, die gleichen Kinder in gleicher Zeit fördert, wobei die Kinder zu den Regelklassen gehören und nur ab und an Förderung erhalten.

  15. @mestro: Danke für die Informationen, allerdings verstehe ich nicht, wie Sie Vielfalt bei vielen unterschiedlichen Schulformen gewährleisten wollen, die alle nur aufgrund geringer Zahlen von Schülerinnen und Schülern schmale Angebote fahren können. Ebenfalls wäre doch die Durchlässigkeit zwischen den unterschiedlichen Schulformen schwierig – wie es ja auch heute vielfach ist. Die wenigsten Schülerinnen und Schüler gehen meiner Erfahrung nach den konstanten Weg bis zum Abitur. Bei den meisten schlägt irgendwann mehr oder weniger die Pubertät zu und dann führen Schulen, die nur aufs Leistungsprinzip schauen, zu Frust und dem Gegenteil.

    @Georg: Inwiefern gleiche Abschlüsse erreicht werden, verstehe ich nicht.
    Beim mir bekannten inklusiv arbeitenden Gymnasium z. B. sind vielmehr Schulabschlüsse unterschiedlichster Art möglich. Nicht alle Schülerinnen und Schüler bekommen dort das Abitur…

    Ohne ein Verfechter von Gesamtschulen zu sein, denke ich, dass eine größere Schule mit vielfältigen Angeboten und auch vielfältiger Unterstützung (vielleicht ja auch von Förderschullehrkräften, Sozialpädagogik,…) die Lernenden viel mehr individuell abholt und fördert als breite eine frühkindliche Spezialisierung.

    Außerdem ist derselbe Abschluss aufgrund des Föderalismus ohnehin nur Illusion aufgrund unterschiedlicher Voraussetzungen in den unterschiedlichen Bundesländern trotz Zentralabiturs. Soviel zu den vielfältigen, aussagekräftigen Abschlüssen…

    Die Inklusion böte m. E. die Möglichkeit, das Schulsystem fundamental umzukrempeln und endlich den Blick auf das Klientel zu richten. Dazu müsste die Gesellschaft Heterogenität als Chance begreifen und die Ministerien müssten fachkompetent besetzt sein und nicht mit irgendwelchen Menschen, die noch einen Posten benötigen. Dafür ist Bildung als unsere Zukunft zu wichtig. Hm… karierte Maiglöckchen.

    Das Fazit bleibt mal wieder gleich: gute Bildung kostet Geld. Und das hat Deutschland einfach trotz all der bekannten Studien und den Vergleichen mit anderen Ländern noch nicht verstanden.

    • Das größere Schulen …“die Lernenden viel mehr individuell abholen“ ist für mich eine reine Werbebehauptung. Meinem Eindruck nach gehen an Gesamt- bzw. Gemeinschaftsschulen die einzelnen Schüler mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Bedürfnissen eher unter und verschwinden in der Masse.

  16. Die Inklusion wurde m. E. bei ihrer Einführung zu fahrlässig als Kinderspiel dargestellt, das so gut wie keine Sonderförderung durch zusätzliches Personal brauche, weil Kinder in erster Linie von Kindern lernten und im Übrigen alle Schüler gefördert werden müssten, nicht nur die behinderten.
    So habe ich den namhaften und einflussreichen Prof. Hans Wocken hier bei n4t jedenfalls in seinem Werben für die Inklusion verstanden.
    Der Bundesbeauftragten für die Belange behinderter Menschen (2009-2013), Hubert Hüppe, sorgte für das geflügelte Wort: „Wer Inklusion will, sucht Wege, wer sie nicht will, sucht Begründungen“. Auch das hörte sich so an, als sei eine distanzierte Haltung zur Inklusion nur eine Sache der inneren Einstellung und des mangelnden Verständnisses für behinderte Kinder.
    Jetzt haben wir den gesetzlich verankerten Regelschulbesuch und stellen fest, dass die Inklusion zu sehr auf die leichte Schulter genommen und im Voraus ein Bild gemalt wurde, das der Realität nicht entsprach. Die „bösen“ Warnungen und Warner behielten dagegen Recht.
    Dass die Einführung der Inklusion auf idealisierter Theorie beruhte, die zwangsläufig zu tiefen Enttäuschungen führen musste, hat der Inklusionsidee enorm geschadet. Aus einem vermeintlichen Kinderspiel, das angeblich nur fragwürdige Menschen bezweifeln, wurde ein Kraftakt, der Schulen, Lehrer und Schulklassen heillos überfordert.

    Heute herrscht Ernüchterung, die den Inklusionsgedanken nicht mehr so zustimmungspflichtig erscheinen lässt wie im Vorfeld. Das Lager der Gläubigen – auch unter den Lehrern – hat sich gelichtet.
    Aktuell gibt es vor allem zwei Denkrichtungen. Die eine möchte eine Renaissance der Förderschulen, die andere eine erhebliche Verbesserung der Rahmenbedingungen an den Regelschulen, weil die Inklusion anders läuft als versprochen und so nicht weitergehen kann (darf).
    Beide Überlegungen stecken in der Sackgasse der Machbarkeit. Es braucht fast schon ein Wunder, um die Auflösung der Förderschulen rückgängig zu machen oder andererseits so viele finanzielle und personelle Ressourcen den Regelschulen zur Verfügung stellen zu können, dass die Inklusion allgemein – und nicht nur als Vorzeigeobjekt! – das hält, was ihr an Lob und Verheißung vorausgeeilt ist.

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