Kultusminister sorgen in der Coronakrise für Abi-Chaos: Schleswig-Holstein sagt die Prüfungen ab – Hessen schreibt

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Eilmeldung: Rolle rückwärts beim Abitur? Schleswig-Holstein zieht Absage von Abschlussprüfungen angeblich zurück

BERLIN. In der Coronakrise zeichnet sich an den Schulen in Deutschland ein großes Durcheinander ab. Während in Hessen und Rheinland-Pfalz weiter Abiturprüfungen geschrieben werden, will Schleswig-Holstein als erstes Bundesland alle Prüfungen absagen. Möglicherweise löst die Entscheidung eine Kettenreaktion aus: Hamburg kündigt bereits an, die bisherigen Planungen im Licht der Kieler Entscheidung überdenken zu wollen.

Die Länder kommen in Sachen Abiturprüfungen zu keiner gemeinsamen Linie. Foto: Shutterstock

Schleswig-Holstein plant als erstes Bundesland eine Absage aller Schulabschluss-Prüfungen einschließlich des Abiturs in diesem Schuljahr (News4teachers berichtete). Sie halte diese Entscheidung in der derzeitigen Situation für geboten, sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Dienstag. Die Schüler im Norden sollen nach ihren Plänen zum Ende des Schuljahrs stattdessen Abschlusszeugnisse auf Basis bisheriger Noten erhalten.

Andere Bundesländer hatten ihre Prüfungen zunächst auf nach Ostern oder in den Mai verschoben. Im krassen Gegensatz dazu stehen Hessen und Rheinland-Pfalz, wo am Dienstag, wie geplant weiterhin Abiturprüfungen stattfanden. Das hessische Kultusministerium teilte auf Nachfrage mit: «Die Abiturientinnen und Abiturienten in Hessen haben sich bereits viele Wochen und zum Teil Monate auf die Prüfungen vorbereitet. Diesen Schülerinnen und Schülern wollen wir die Teilnahme ermöglichen und haben uns deshalb entschieden, die schriftlichen Abschlussprüfungen in der vergangenen Woche beginnen zu lassen.» Am Dienstag fanden Prüfungen in Latein und Spanisch statt. Am Mittwoch steht Mathe auf dem Plan.

„Abiturprüfungen unter besonderen Bedingungen“

Hessen sieht keinen Konflikt mit den strengen Kontaktsperren, die die Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Wochenende vereinbart hatten, und verweist auf eine Passage in den von Merkel und den Regierungschefs beschlossenen Leitlinien, wo es heißt: «Der Weg zur Arbeit, zur Notbetreuung, Einkäufe, Arztbesuche, Teilnahme an Sitzungen, erforderlichen Terminen und Prüfungen, Hilfe für andere oder individueller Sport und Bewegung an der frischen Luft sowie andere notwendige Tätigkeiten bleiben selbstverständlich weiter möglich.» Die Prüfungen in Hessen laufen unter verschärften Hygienebedingungen. Die Schulen seien angewiesen, die Prüfungsgruppen klein und die Abstände zwischen den Prüflingen groß zu halten.

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Auch in Rheinland-Pfalz laufen die Abiturprüfungen weiter. Einen Tag vor Abschluss der mündlichen Prüfungen sprach das Bildungsministerium in Mainz am Dienstag von einem sehr guten Verlauf: «Unsere Schulen, die Lehrkräfte und die Schülerinnen und Schüler haben schnell und flexibel reagiert und unter besonderen Bedingungen die Abiturprüfungen stattfinden lassen.» In Rheinland-Pfalz haben rund 15.000 Schülerinnen und Schüler in dieser und der vergangenen Woche ihre mündlichen Abi-Prüfungen absolviert, die schriftlichen Prüfungen fanden schon im Januar statt.

Der Grund für das unterschiedliche Vorgehen liegt im Föderalismus: Für Bildung und Schulen ist jedes Bundesland selbst zuständig. Über Gremien wie die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) versucht man, sich soweit es geht abzustimmen. In der Corona-Krise wird nun offensichtlich, dass das nicht oder nur schlecht funktioniert.

Meidinger: Jedes Land macht beim Abitur, was es will

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands Heinz-Peter Meidinger sagte, der jüngste Beschluss der KMK angesichts der Schulschließungen, «sich gegenseitig das Abi anzuerkennen, egal wie es zustande gekommen ist», habe den Keim dafür gelegt, dass nun jedes Bundesland in der Corona-Krise beim Abitur mache, was es wolle.

Grundsätzlich hält die Vorsitzende der Gymnasiallehrer-Vertretung Deutscher Philologenverband, Susanne Lin-Klitzing, die Vergabe eines Abiturzeugnisses für möglich, wenn Prüfungen ausfallen. Zwei Drittel der Abiturnote seien bereits durch die Leistungen in den Kursen erbracht, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (News4teachers berichtete). Für das letzte Drittel brauche man nicht zwingend die Abiturprüfungen. Möglich sei, diese Note auch aus vorherigen Klausurleistungen in den Prüfungsfächern zu berechnen. Ähnlich äußerte sich auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Lehrerverbandspräsident Meidinger warnt bei einem solchen Szenario allerdings vor einer Ungleichbehandlung. So könnten beispielsweise Schüler in Ländern, wo Prüfungen ausfallen, im Gegensatz zu denen, wo sie stattfinden, benachteiligt sein, weil sie sich intensiv aufs Abitur vorbereitet und auf eine Notenverbesserung im Abi gesetzt haben. Prüfungen sollten seiner Ansicht nach stattfinden, auch wenn Schulen weiter geschlossen bleiben. Bei den Prüfungen müsse dann auf größtmöglichen Infektionsschutz geachtet werden.

Prien will Absage der Abiturprüfungen bundesweit

Die Kieler Bildungsministerin Karin Prien kündigte an, sich für eine Absage der Prüfungen auch in anderen Bundesländern stark zu machen. Sie werde in der Kultusministerkonferenz vorschlagen, «dass wir keine Abiturprüfungen mehr abnehmen, sondern das Abitur und seine Note anhand der bisher erbrachten Leistungen bewerten», sagte sie am Dienstag.

Der Vorsitzende des Bildungsausschusses des Bundestags, Ernst Dieter Rossmann (SPD), forderte die Länder zu einem einheitlichen Vorgehen auf: «Je mehr klare Verabredungen getroffen werden können, umso besser», sagte er. «Es darf für diesen Abschlussjahrgang an den Schulen keinen Fadenriss und kein verlorenes Jahr geben, wenn es dann nach der Sommerpause in die Ausbildung oder ins Studium gehen soll. Das dürfen und können wir uns in Deutschland auch sozial und wirtschaftlich nicht leisten.»

Hamburg denkt jetzt neu über das Abitur nach

Angesichts der angekündigten Absage der Abiturprüfungen in Schleswig-Holstein will Hamburg seine Haltung in dieser Frage neu überdenken. Durch die überraschende Ankündigung sei eine neue Lage entstanden, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Dienstag. «Alleingänge sind in dieser wichtigen Frage nicht vernünftig. Deshalb werden wir jetzt zusammen mit den anderen Ländern prüfen, welche Auswirkungen die Entscheidung in Schleswig-Holstein auf das Abitur in allen anderen Ländern und in Hamburg haben wird.» Dabei solle zügig für Klarheit gesorgt werden.

«Ich bedaure es, dass Schleswig-Holstein im Alleingang ohne die anderen Länder zu informieren, die Abiturprüfungen komplett ausfallen lässt», sagte Rabe. «Bisher waren sich die Kultusminister darin einig, die Abiturprüfungen nicht ausfallen zu lassen.» Von Jörg Ratzsch, dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Schleswig-Holstein will Prüfungen für das Abitur und den Mittleren Abschluss absagen – Zeugnisse auf der Basis der bisherigen Noten

 

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3 KOMMENTARE

  1. Hi,

    Ok, ob es mir passt, oder nicht, SWH hat so entschieden. Vielleicht kann man jetzt noch einen Zusatz einbauen. Ich habe da nämlich eine Idee.
    Alle meine Mitschüler, die keine Prüfungsleistungen wie in den letzten Jahren ablegen werden, müssen verbindlich(!) aufs Feld und Spargel stechen und Erdbeeren ernten. Zeit genug haben sie ja. Geld bekommen sie auch dafür (Mindestlohn). Nachzuweisen müssten 350 Stunden sein, sonst gibts kein Zeugnis.

    Somit könnt ihr dann unseren Ruf zumindest etwas gerade rücken und euch revanchieren.

    Ich hoffe, dass ich alle Prüfungen machen kann. Punkt.

    honeymoon

  2. Die Tatsache, wie vehement Sie an den Prüfungen (so wie sie immer sind und bitte kein Bisschen anders) kleben, bzw. diese einfordern, lässt eigentlich fast nur den Schluss zu, dass Sie in der Q-Phase bisher womöglich nicht Ihrem Anspruch nach genug Punkte sammeln konnten, und nun alle Hoffnung auf die Prüfungen gesetzt haben.

    Nicht als Affront gemeint, aber: Um wieviel meinen Sie sich denn bitte noch verbessern zu können durch Prüfungen, bei denen Sie ja auch keine Garantie dafür haben, alle mit 15 Punkten abzuschließen, selbst wenn man sehr gut lernt. Da kommen noch viele andere Faktoren, u.a. auch ein wenig Glück in der Situation, dazu.

  3. Für die Erstkorrektoren in Hamburg ist das ein Problem – Keine Abiturprüfungen würden bedeuten, dass sie zu wenig Arbeit geleistet haben. So wie ich Hamburg kenne, müssen da erst wieder Personalräte ran und der Behörde erklären, dass es nicht die Schuld der Lehrer ist.

    Die Zweitkorrektoren, die für ihre Arbeit hingehen nicht bezahlt werden, wären hingegen fair aus der Problematik raus.

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