Tausende Schüler lernen in den Ferien – chaotisch, meint die GEW

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FRANKFURT/MAIN. Sommercamps statt Sonnenbaden, Ferienakademien statt Freibad – wird das ausreichen, damit benachteiligte Kinder nicht abgehängt werden? Hessens Kultusminister Lorz hat in einer Frankfurter Schule nachgefragt. Kritik kommt von der GEW.

Lernen in den Sommerferien? Macht nicht wirklich Spaß (Symbolbild). Foto: Shutterstock

Der, die das. Nicht so einfach, wenn Deutsch nicht die Muttersprache ist. Stuhl? Tisch? Buch? Acht Erstklässler der Frankfurter Liebfrauenschule halten blaue, rote, grüne Zettel hoch, um den richtigen «Begleiter» anzuzeigen. Oft ist sind die Zettelfarben der Kinder bunt gemischt. Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat auch Begleiter dabei, ziemlich viele sogar. Sie informieren sich über die Sommercamps, in denen Kinder nach der Schulschließung Stoff nachholen können.

Deutsch, Mathe oder Englisch büffeln

Die freiwilligen Angebote sollen «eine Brücke schaffen zwischen dem Ausnahmezustand der vergangenen Monate und dem neuen Schuljahr», sagt Lorz. «Wir haben die Hoffnung, dass wir das neue Jahr wenigstens so nah wie möglich am Regelbetrieb beginnen können.» 130 Schulen im Land bieten für 7000 Schüler Sommercamps an. Sie werden von den Schulen und deren Lehrkräften organisiert. Obwohl in diesem Schuljahr niemand eine Klasse wiederholen muss, beteiligten sich laut Ministerium im Vergleich zu den Vorjahren viermal so viele Kinder und Jugendliche.

Neben den Sommerferiencamps gibt es in diesem Jahr in Hessen erstmals 360 sogenannte Ferienakademien. Mehr als 15.000 Schülerinnen und Schüler haben sich angemeldet, wie das Ministerium mitteilte. Bei dem freiwilligen und kostenlosen Angebot kann in den letzten beiden Wochen der Ferien Deutsch, Mathematik oder auch Englisch gebüffelt werden. Als Lehrpersonal sollen laut Ministerium vor allem Lehramtsstudenten eingesetzt werden.

„Die Schüler haben ein besseres Polster“

Wird das ausreichen, damit im neuen Schuljahr alle Kinder auf einem Lernstand sind? Eva Bühler, die in der Liebfrauenschule eines der Sommercamps leitet, ist skeptisch, aber hoffnungsvoll. «Das Camp trägt auf jeden Fall dazu bei», sagt die Lehrerin. «Die Kinder haben zumindest ein besseres Polster als ohne.» Die Grundschule in der Frankfurter Innenstadt hat viele Kinder, deren Eltern nicht deutsch sprechen. Die Schließung habe viele «vor allem sprachlich sehr zurückgeworfen», sagt Bühler.

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50 Familien habe die Schule angesprochen, berichtet Schulleiterin Susanna Kock, 31 Kinder hätten das Angebot angenommen. Deutsch und Mathe stehen an der Liebfrauenschule im Vordergrund, es gehe darum, «die spezifischen Defizite des einzelnen Kindes auszugleichen». Die Tage sind gegliedert in Lernzeiten, Kreativ- und Bewegungsangebote, Frühstück und Mittagspause inclusive.

Sommercamps und Ferienakademien sollen helfen, Kinder «fit für die nächste Klasse zu machen», sagte Lorz. «Wir sehen den Bedarf.» Dass Lehrerinnen und Lehrer bereit sind, nach den Belastungen der vergangenen Monate solche Angebote auf die Beine zu stellen, statt sich in die Ferien zu verabschieden, sei großartig.

„Sinnvolle Vorbereitung mit den Lehrern war nicht möglich“

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ist nicht überzeugt. «Diese Aktionen des Kultusministeriums dienen in erster Linie zur Beruhigung der Eltern», sagt der Geschäftsführer der GEW Hessen, Ulrich Märtin. «Die Ferienangebote wurden so kurzfristig an die Schulen weiter gegeben, dass eine sinnvolle Vorbereitung und inhaltliche Abstimmung mit den Lehrkräften nicht möglich war.»

Teils würden pensionierte Lehrkräfte eingesetzt, «die in Corona-Zeiten zwangsläufig zu den Risikogruppen gehören», Ehrenamtliche oder Studierende «im «nullten» Semester». Die GEW hofft, «dass der Schulanfang nach den Sommerferien nicht ähnlich chaotisch durch das Kultusministerium vorbereitet wird, wie die Erfahrungen in den letzten Monaten gezeigt haben». dpa

Wie soll der verpasste Lernstoff aufgeholt werden? Kultusminister setzen bislang nur auf freiwillige „Lernferien“ – und auf die Lehrer

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4 KOMMENTARE

  1. …und welche Kids gehen dahin ? Gymnasiasten mit 2er/3er – Zeugnissen, und ( jüngere) Kinder, deren Eltern froh sind jetzt,
    zwei „geregelte Wochen“ (von 9-13 Uhr), ihre verhaltensoriginellen Sprösslinge „gut untergebracht“ zu haben. Schade um die eigentlich guten Absichten, zu deren pädagogischen, didaktischen und methodischen Vorbereitung leider keine Zeit war. (Seitens der Lehrkräfte und der Schulleitungen). Weil wieder einmal alles im Hauruck- Verfahren mit heißer Nadel gestrickt wurde, ohne die Fachkräfte an der Basis zu informieren oder gar um ihre Meinung zu fragen.
    Aber, Hauptsache, der Herr Kultusminister kann in der Öffentlichkeit „glänzen“!!!!

  2. Ja genau!!! Hauptsache Weit weg von der Realität aber man hat ja was gemacht! Zu Hause brennen die Hütten, die Eltern wissen nicht, wie dasweiterhin zu organisieren sein soll aber wir haben ja was gemacht! Alles bricht zusammen und die hohen Herren kapieren es nicht. Wir wollen ja soo viel Unterstützung bieten, blablabla. Wie wäre es dann mit Lehrplanänderung oder alle nochmal wiederholen, bevor unsere Kinder alle durchknallen!?

  3. Im SPD-regierten RLP kriegen die Leute, die den Unterricht durchführen, etwa Mindestlohn (wenn man keine Vorbereitungszeit rechnet).

    • In NRW habe ich von 20€/45min bei möglichst fach- und stufenhomogenen Gruppenunterricht gehört. „möglichst“ ist natürlich ein sehr dehnbarer Begriff …

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