Schuljahresstart in Niedersachsen: Lehrer fehlen – und Waschbecken

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HANNOVER. Der Schulstart in Niedersachsen steht kurz bevor. Für das neue Schuljahr fehlen nach Einschätzung der GEW aber Hunderte Lehrkräfte. Zudem beklagen viele mangelnde Ausstattung in den Schulen und haben Gesundheitsbedenken.

Nicht in allen Schulgebäuden gibt es offenbar genügend Möglichkeiten zum Händewaschen. Foto: Shutterstock

Kurz vor Schulstart in Niedersachsen hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Personalmangel und fehlende Ausstattung der Schulen beklagt. Von rund 2300 Stellen seien mehr als zehn Prozent nicht besetzt worden, sagte die Landesvorsitzende Laura Pooth am Dienstag in Hannover. «Das klingt gut – ist es aber nicht.» Der eigentliche Bedarf liege bei 2800 Stellen.

Hinzu komme, dass die Stellenbesetzung im Land sehr unterschiedlich ausfalle, sagte Pooth. In den Bezirken Braunschweig und Lüneburg wurde demnach die Hälfte aller Stellen an Haupt-, Real- und Oberschulen nicht besetzt.

Lehramtsstudenten wurden befristet eingestellt

Abordnungen von Lehrkräften an andere Schulen wird es nach Informationen der GEW in diesem Schuljahr weniger geben. Der Grund sei, dass viele Lehramtsstudenten ohne Masterabschluss oder Referendariat befristet eingestellt worden seien. Das sei eine «unzureichende Notmaßnahme», kritisierte Pooth. «Das Problem ist, dass sie nur eine halbe Ausbildung haben und wenig Praxiserfahrung.» Auch werde die Unterrichtsversorgung voraussichtlich niedriger ausfallen als zuvor.

Eine Umfrage der Gewerkschaft unter rund 2700 Schulbeschäftigten habe im Juli ergeben, dass viele mit Sorge auf das neue Schuljahr blicken. 46 Prozent sorgten sich um ihre Gesundheit. «Es sind ausgeprägte Bedenken vorhanden», sagte GEW-Sprecher Christian Hoffmann.

In etlichen Schulen fehlen Waschbecken, Seife und Papiertücher – noch immer

Weitere 29 Prozent gaben demnach an, dass es in ihren Schulen nicht ausreichend Waschbecken, Seife und Papiertücher gibt. Es sei erschütternd, dass nach einer so langen Zeit, die Virus nun schon da sei, so viele angäben, dass ihnen die Grundlage zum Händewaschen fehle, sagte Pooth. Rund die Hälfte der Befragten (48 Prozent) gab der GEW zufolge an, dass es an technischer Ausrüstung in den Schulen fehlt und 61 Prozent, dass zu wenig Fortbildungen für digitalen Unterricht angeboten werden.

Der Landeselternrat kritisierte, dass die Sommerferien nicht genutzt worden seien, um die Voraussetzungen für digitales Lernen voranzutreiben. «Jede Lehrkraft muss in die Lage versetzt werden, seinen Unterricht per Videokonferenz abzuhalten und Lehrmaterial digital zur Verfügung stellen zu können», forderte der Landeselternrat.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag, Björn Försterling, kritisierte die personelle Ausstattung der Schulen. Es deute sich die schlechteste Unterrichtsversorgung seit 2002 an.

Einen holprigen Start in das neue Schuljahr erwartet der Philologenverband Niedersachsen. «Wir wissen nicht, wie viele Lehrer für den Präsenzunterricht zur Verfügung stehen. Die Unterrichtsversorgung hakt an allen Ecken und Enden», sagte der Vorsitzende Horst Audritz. Stellen im Schuldienst müssten nach Bedarf und nicht aus Rücksicht auf mangelnde Bewerbungen ausgeschrieben werden. dpa

Lehrermangel weitet sich durch Corona drastisch aus – GEW erwartet extreme Belastungen für die dünn besetzten Kollegien

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4 KOMMENTARE

  1. „Stellen im Schuldienst müssten nach Bedarf und nicht aus Rücksicht auf mangelnde Bewerbungen ausgeschrieben werden.“

    Ja.
    Aber dann kann man nicht mit der Schlagzeile glänzen, man hätte alle Stellen besetzt, selbst wenn man weiß, dass es schon zu Beginn viel zu wenige waren.

  2. Unter den Lehrern ist das seit drei Jahrzehnten das noch ungelüftet Geheimnis, warum sie Geburtszahlen und anstehende Pensionierungen alle genau kennen, aber jedes Jahr offensichtlich Ministerien davon stark überrascht werden.

    „Tja…..leider nicht genug Lehrer da! Schade!“

    „Was…die WHO und andere fordern jetzt kleinere Klassen?“ Das ist in der Situation der echte Brüller in jedem Kollegium, die kommen aus dem Schenkelklopfen gar nicht mehr raus.

    • Wie heißt es so schön:
      Das Leben ist voller Überraschungen!!! Und Kultusministerien, manche Schulträger sowie etliche Kommunen lieben Überraschungen! Zynismus >>>> AUS!

  3. Schließe mich den beiden Vorkommentaren an. Das Erschreckende ist, dass es immer noch so weitergeht. Es werden weiterhin nicht genügend Lehrkräfte ausgebildet. In Potsdam sollen 1.000 Studienanfänger in ein paar Jahren den dortigen Bedarf decken.
    Ich habe mal auf den Uni-Seiten nachgeschaut. Es gibt dort eine (!) Professur für Deutschdidaktik für den Grundschulbereich. Das soll reichen? Dann könnte man rechnerisch mit 4-5 Professuren und einer Sekretärin alle 1000 Lehrkräfte in 3 Jahren ausbilden? An der Uni Rostock ist es noch schlimmer: Da verliert eine gute Grundschulprofessorin (die einzige dort und Angestellte auf Zeit!) im Frühjahr ihre Stelle, eine Neubesetzung ist noch nicht da, und es ist auch fraglich, ob die ausgewählte Kandidatin (auf einer 1er-Liste!) überhaupt nach Rostock kommt.

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