Lauterbach: Luftfilter kosten maximal 100 Euro pro Schüler – Bundesregierung soll zahlen

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BERLIN. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat Bund und Länder aufgefordert, kurzfristig für jeden Klassenraum in allen deutschen Schulen eine mobile Luftfilteranlage anzuschaffen. „Wenn wir verhindern wollen, dass sich die Schulkinder im Winter alle mit dem Coronavirus infizieren, brauchen wir in jedem Klassenraum einen mobilen Luftfilter“, sagte Lauterbach der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer hatte die Idee zuvor als zu teuer verworfen.

Ist selbst ein studierter Mediziner und Epidemiologe, der in Harvard promoviert hat: Karl Lauterbach. Foto: Von Martin Kraft, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

„Eine Luftfilteranlage kostet pro Schüler maximal 100 Euro. Das sollten uns die Kinder wert sein. Betriebe in der Corona-Krise hat der Staat sogar wöchentlich mit einem Vielfachen dieser Summe unterstützt“, sagte der Virologe Lauterbach. Insgesamt würden die Luftfilteranlagen für die Schulen nicht mehr als einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Das Geld könne vom Bund kommen, so Lauterbach.

In den Wintermonaten sei das ausreichende und regelmäßige Lüften der Klassenräume nicht möglich. Zudem würde auch das dauerhafte Maskentragen die Schüler in der trockeneren Winterluft nicht effektiv vor Infektionen schützen. „Deshalb appelliere ich an die Ministerpräsidenten der Länder, die Anschaffung der Luftfilteranlagen noch im September rasch zu beschließen“, sagte Lauterbach. Die Produktion könne in Deutschland stattfinden. Sie dauere jedoch mehrere Monate, weshalb die Entscheidung jetzt getroffen werden müsse, damit sie im Winter zur Verfügung stehen.

Gebauer bezifferte die Kosten mit 3.000 Euro pro Klasse

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte in dieser Woche erklärt, sie halte  Luftfilter in Klassenräumen gegen das Coronavirus zwar für eine gute Lösung – aber: für zu teuer. Die Geräte würden bei rund 3000 Euro Kosten pro Klasse «Unsummen verschlingen», meinte sie (News4teachers berichtete).

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Ein Team vom Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik an der Universität der Bundeswehr München hatte einen Raumluftreiniger untersucht, mit dessen Filterkombination selbst sehr kleine Aerosol-Partikel zu 99,995 Prozent aus der Raumluft abgeschieden werden. In einem 80 Quadratmeter großen Raum könne die Aerosolkonzentration in sechs Minuten halbiert werden. Weil die Aerosole rausgefiltert werden, würden die Geräte auch nicht zur Virenschleuder, hielten die Forscher fest. Sie empfehlen Raumluftreiniger etwa für Schulen, Büros, Geschäfte, Wartezimmer, Vereinshäuser, Aufenthalts- und Essensräume (News4teachers berichtete über die Studie – hier geht es zu dem Beitrag).

Auch Realschullehrerverband fordert Einbau von Raumluftfiltern in Klassenräume

NRW-Grünen-Chef Felix Banaszak forderte die nordrhein-westfälische Landesregierung auf, die Kommunen bei der Anschaffung von Luftfiltern für Schulen zu unterstützen, «bevor im Herbst und Winter Erkältungs- und Grippewellen auf geschlossene Fenster treffen». Auch der Realschullehrerverband VRB hat bereits einen flächendeckenden Einbau von Raumluftfiltern in Klassenräume gefordert (News4teachers berichtete auch darüber – hier). News4teachers

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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16 KOMMENTARE

  1. Es freut mich, dass es langsam in die richtige Richtung geht. Denn die Alltagsmaskenpflicht löst das Problem nicht, sie ist eher nur eine Scheinmaßnahme, um die Gemüter zu beruhigen. Die Frage ist, ob die Politik darauf reagiert. Die Empfehlung der Virologen, eine verkürzte Quarantänezeit festzulegen, wird ja leider auch nicht umgesetzt.

  2. Lauterbach ist einer der Vernünftigen. (Leider haben in der SPD andere das Sagen: Nowabo und Esken bzw. Scholz.)

    Bin immer froh, wenn er bei Lanz zu sehen ist.

    Die Filter werden aber nicht kommen. Denn die Entscheidungen der letzten Tage haben wenig mit Vernunft zu tun. Augen zu und durch, das ist momentan die Devise. Für einige heißt das leider wohl für immer Augen zu. (Man denke nur an die Risikopatienten die in Schleswig-Holstein in die Klassenzimmer geklagt werden.)

    Mich würde interessieren, was Lauterbach dazu sagt, dass Schüler mit Symptomen in vielen Orten nicht mehr getestet werden.

    Ist das Virus nun gefährlich oder nicht? Wenn ja, dann braucht es Masken und Abstand. Auch in Schulen.
    Oder nicht? Dann können die Maßnahmen weg und die Aluhutträger freuen sich.

    Aber es geht einfach nicht so weiter, dass die Gefahren des Virus als Grund genannt werden, warum überall Masken zu tragen sind, etc. und man Demonstranten Covidioten nennt.
    Und wenn aber dann von Lehrern und Schülern die Forderung kommt, wegen der Gefährlichkeit des Virus in die Sicherheit in den Schulen zu investiert – dann ist das Virus plötzlich gar nicht mehr schlimm. Dann gehts auch ohne Maske und Abstand. Das ist unsinnig, verlogen und beängstigend.
    Und das versteht auch jeder. Verkauft doch die Leute nicht für dumm.

    In jedem Supermarkt, in jeder Arztpraxis überall schützt man die Mitarbeiter. Bei Fielmann darf man nur mit Termin ne Brille machen lassen und jede angefasste Brille wird einzeln desinfiziert.
    Und in den Schulen gibts oft kein warmes Wasser, wenn überhaupt ein Waschbecken, Seife bringen Kinder von daheim mit, Plastikwände gibts nicht, Masken braucht es nicht und Abstandhalten geht einfach nicht. Dazu kommen noch Fenster, die sich oft nur abklappen lassen.
    Und dann darf man sich anhören, dass 100 Euro pro Schüler zu viel ist. Blanker Hohn!
    Für mich gibts Covidioten nicht nur bei den Demos sondern auch an anderer Stelle. 16 Kultusminister entscheiden, dass Millionen von Schülern sich nicht an die sonst überall geltenden Regeln halten müssen. Millionen! Wer sind die schlimmeren Covidioten? Die 30000 Demonstranten in Berlin? Oder die Entscheider, die aus tausenden Schulen lauter Corona-Demos machen?

    • Sie haben so recht. Hier ein weiteres Beispiel, in dem wieder eine Journalistin die Lehrer negativ darstellt während sie gemütlich im geschützten Raum ihren Artikel schreibt, ohne sich über die aktuelle Studienlage zu informieren:

      https://www.br.de/nachrichten/wissen/kommentar-im-zweifel-lieber-unterricht-mit-maske,S9FmApB

      Es wäre ja mal sinnvoll, die Kommunen und Landkreise sowie das KM zu kritisieren, dass sie die digitale Ausstattung nicht hinbekommen. Davon schreibt die Dame aber nichts. Aber die Lehrer würden sich wieder nur als Opfer darstellen. Das ist einfach unfair.

      • Und ich habe mir nie Gedanken über das nun so beliebte Wort “ Verschwörungstheoretiker“ gemacht…und nun gibt es so viele davon…..erstaunlich…..

      • Es ist sinnvoller, möglichen Schutz zu suchen und die Umsetzung zu fordern,
        als zu behaupten, es sei alles gar nicht so schlimm und dann doch festzustellen, dass die Versorgung der PatientInnen im Krankenhaus schwierig und belastend ist, oder sich darüber zu wundern, dass Menschen die angesetzten Schutzmaßnahmen nicht länger befolgen, weil sie sich aus Beiträgen von z.B. Ärzten die Informationen nehmen, dass alles nicht so schlimm sei.

  3. Danke! Herr Lauterbach, bitte werden sie nicht müde sinnvolle Maßnahmen wie Luftfilter zu fordern. Vielleicht werden sie ja gehört. Wir als Eltern von „Bildungaber sicher“ auf Twitter werden es leider jedenfalls nicht. Es ist zum Verzweifeln!

  4. Man stellt keine interaktiven Whiteboards sondern Beamer in die Klassenräume. Dann bleibt genug Geld aus dem Digitalpakt über um die Filter zu kaufen.

    • Unser Schulträger kauft keine Beamer mehr! Zu teuer im Unterhalt. Unsere Overheadprojektoren sind alle kaputt, auf Whiteboards warten wir seit der energetischen Sanierung der Schule, die im Februar abgeschlossen wurde, Dokumentenkameras werden von den Eltern aus dem Förderverein bezahlt; Dienstlaptops, die irgendwann kommen, dürfen die Klassenlehrer nicht mit nach Hause nehmen ( auch nicht in der Quarantäne) etc. NRW hat 2019 nur ca. 5000 EUR pro Grundschüler ausgegeben, 2000 EUR unter Länderdurschnitt, 4000 EUR weniger als HH. Da wird sich Y.G. und A.L. vermutlich auch d i e 100 EUR sparen und die Städte haben eh kein Geld mehr und knappsen bei den kleinsten Posten.

  5. Von der CDU gibt es nix,es sei den Wiederwahlen stehen kurz bevor.Die Wirtschaft bekommt Millionen aber Gesundheit der Lehrer, Schüler oder Risikopersonen sind eher unwichtig.CDU ist reine Wirtschaftspartei,die mittlerweile wieder 36 Prozent wählen, unfassbar.Die Menschen in Deutschland sind selber Schuld,dass hier kaum etwas in der Infrastruktur getan wurde oder jetzt die Gesundheit egal ist.Deutschland wählt genau dass.

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