Hamburg ignoriert RKI-Empfehlungen für Schulen – und stellt nur Ausweitung der Maskenpflicht in Aussicht

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HAMBURG. Die 7-Tage-Inzidenz steht in Hamburg unmittelbar vor dem kritischen Wert von 50. Der Bildungssenator hat bereits für Schüler der Sekundarstufe II und für Berufsschüler eine Maskenpflicht im Unterricht erlassen. Diese auch auf jüngere Schüler auszuweiten, schließt Ties Rabe (SPD) nicht aus – weitere Schritte aber stellt er nicht in Aussicht. Damit ignoriert er die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts für den Schulbetrieb in der Corona-Pandemie.

Riskanter Kurs: Hamburger Bildungssenator Ties Rabe. Foto: Senatskanzlei Hamburg / Michael Zapf

Nach der Verschärfung der Maskenpflicht für Berufsschüler und Schüler in den Oberstufen der allgemeinbildenden Schulen schließt die Hamburger Schulbehörde bei rasant steigenden Corona-Infektionszahlen weitere Einschränkungen nicht aus. «Sollte sich das Infektionsgeschehen dramatisch verschlimmern, werden wir die Maskenpflicht an Schulen Schritt für Schritt und behutsam ausweiten», sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD). Voraussetzung sei jedoch, dass die Infektionszahlen massiv über 50 Fälle pro 100.000 Einwohner und Woche steigen. Mit 49,8 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen hat Hamburg den kritischen Grenzwert von 50 der sogenannten 7-Tages-Inzidenz fast erreicht. Damit stellt sich Rabe gegen das Robert-Koch-Institut, das schärfere Maßnahmen schon deutlich früher empfiehlt.

Für die Schulen gilt ein neues „Lüftungskonzept“: Fenster auf alle 20 Minuten

Bereits am Freitag hatte Rabe erklärt, dass von Montag an mit Ablauf der Herbstferien Berufsschüler und die Schüler an den Oberstufen auch im Unterricht Mund-Nase-Masken tragen müssen. Alle anderen Schüler sind davon bislang befreit. Aber «in den Fluren, Pausen, auf Wegen durch das Schulgelände und in der Kantine sind Masken Pflicht», betonte Rabe.

Für alle Schulen und Klassenräume gilt von Montag an ein Lüftungskonzept, mit dem in den Klassenräumen regelmäßig für einen Luftaustausch gesorgt werden soll. «Die Lüftungsregeln werden nach den Herbstferien deutlich verschärft, damit die Schulen auch im Herbst ein sicherer Ort bleiben», sagte Rabe. Alle 20 Minuten muss für mindestens fünf Minuten gelüftet werden – auch bei niedrigen Temperaturen.

Entgegen ersten Annahmen zu Beginn der Pandemie im Frühjahr wisse man inzwischen, «dass die Schulen kein Hotspot der Pandemie sind», sagte Senator Rabe. Dies hätten auch die letzten Wochen vor Ferienbeginn gezeigt. «Mehr als 90 Prozent der infizierten Schülerinnen und Schüler haben sich nicht in der Schule, sondern zuhause angesteckt.» Deshalb gebe es auch nach den Herbstferien an allen Hamburger Schulen das volle Unterrichts- und Ganztagsangebot.

Robert-Koch-Institut bestätigt immer mehr Ausbrüche an Schulen

Was Rabe nicht erwähnte: Das Robert-Koch-Institut hat Anfang der Woche bestätigt, dass es „Ausbrüche in Schulen nach Wiedereröffnung der Bildungseinrichtungen in zunehmendem Ausmaß“ gibt (News4teachers berichtete ausführlich darüber – hier geht es zu dem Beitrag). Der größte bekannt gewordene Ausbruch an einer deutschen Schule mit offiziell 33 infizierten Schülern und drei infizierten Lehrern ereignete sich an einer Schule in Hamburg-Winterhude. Rabe hatte vor den Herbstferien drei solcher Ausbrüche an Hamburger Schulen einräumen müssen (News4teachers berichtete auch darüber – hier). 

Das RKI hat einen Stufenplan herausgegeben, in dem Schwellenwerte benannt werden – die Hamburg offenbar gewillt ist zu ignorieren.

Bei einer Inzidenz von mehr als 35 Fällen binnen sieben Tagen auf 100.000 Einwohner innerhalb einer kreisfreien Stadt oder innerhalb eines Landkreises sollen laut RKI…

  • Schulaktivitäten mit potenziell erhöhter Infektionsgefährdung (Chor, Bläserorchester, Kontaktsportarten) weitgehend unterbleiben,
  • Maskenpflicht auch im Unterricht der weiterführenden Schulen gelten,
  • eine Verkleinerung der Klassen sowie Schulschließungen mit Distanzunterricht zumindest „optional“ geprüft werden.

Bei einer Inzidenz von mehr als 50 Fällen sollen dem RKI zufolge…

  • Masken im Unterricht aller Jahrgangsstufen getragen werden,
  • die Klassen (durch Teilung oder Wechselunterricht) geteilt werden, so dass Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann,
  • Schulschließungen geprüft werden.

Ob und wie viele Quarantänemaßnahmen in den Schulen nötig würden, sei noch nicht absehbar, sagte eine Sprecherin der Schulbehörde. Trotz der Lernferien und Ferienbetreuung in den Grundschulen gebe es derzeit nur geringe Infektionszahlen. «Insofern rechnen wir erfahrungsgemäß auch nicht mit einer Vielzahl von Quarantänemaßnahmen an Schulen, da auftretende Infektionen aufgrund der Ferien auf den privaten Bereich zurückzuführen sein werden und insofern keine Quarantänemaßnahmen in Schulen, sondern in Familien und Freundeskreisen greifen werden.»

Zwei Tage vor Ferienbeginn vor zwei Wochen seien im Schulbereich 180 Menschen in Quarantäne gewesen, davon 160 Schülerinnen und Schüler sowie 20 Lehrkräfte und andere schulische Beschäftigte. News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Schulen und Kitas spielen doch eine Rolle im Corona-Geschehen: Elf Prozent der nachvollziehbaren Infektionsketten beginnen dort

 

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18 KOMMENTARE

    • Guter Punkt! Die Schulpräsenzpflicht gilt seit dem 6.07.1938. Das Reichsschulpflichtgesetz wurde von einem gewissen Adolf Hitler unterzeichnet. Dass dieses Gesetz de facto immer noch in Kraft ist, ist ein SKANDAL.

        • @Gümnasialleerer s.A. Wenn jemand richtig gut darin ist, dumme Sprüche zu klopfen, dann ist das der, der Äpfel mit Flugzeugen vergleicht. Respekt! Indes, die rechtsgeschichtliche Kontinuität zum Nationalsozialismus am konkreten Beispiel des Schulpflichtgesetzes ist unbestreitbar. Es sei denn, man steht selbst sehr stramm und sehr national…

  1. Der Minister ist eine Schande.

    Aber das gilt für alle Kultusminister. Nirgends ist geplant, so wie vom RKI gefordert, bei Inzidenz von 50+ die Klassen zu teilen und Wechselschichten einzuführen.

    Wie können Politiker einerseits ihre Maßnahmen mit Empfehlungen des RKI begründen und andererseits genau diese Empfehlungen ignorieren und missachten, wenn es um die Schulen geht?

    Die Kultusminister versuchen nicht einmal, Geld für Raumluftfilter zu organisieren. Diese „verantwortlichen“ Minister gehören alle abgesetzt.

  2. Erbärmlich, dieses Gejammere der Lehrerschaft. Würde sich andere Berufsgruppen genauso anstellen, würde aktuell nichts mehr funktionieren. Zum Glück sind viele andere (medizinische Berufe, Verkäufer, Busfahrer….) weniger wehleidig und erledigen Ihren Beruf. Etwas mehr Arbeitsethos und Interesse an der Bildung der Kinder würden Ihnen guttun.

  3. Ich habe es bereits öfter geschrieben: solange die Lehrerschaft nur kleinlaut hier im Forum brüllt, wird null passieren. Der Löwe muss brüllen, streiken, demonstrieren. Drei Tage Lehrerstreik ohne Entgegenkommen und mit Druck auf weitere Streiks, falls sich nichts tut.
    Was meint ihr, wie schnell sich da was ändert… aber ich spreche gegen eine Wand, leider.

  4. @Andreas Huber:
    Med. Berufe: Visiere, Masken, Schutzkleidung, je nach Sparte auch Tests jedes Patienten bzw. Patienten mit Schnupfen/Husten in Praxis nicht erwünscht, fast leere Wartezimmer.
    Busfahrer: Plexiglaskabine, Tür auf, Tür zu, Fahrgäste zu 99% mit Maske.
    Verkäufer: kurzer Kundenkontakt, große Räume, Kunden mit Maske
    Kasse: Plexiglas.

    Schule: Plexiglas? Nö.
    Abstand immer möglich? Nö.
    Bis auf wenige Ausnahmen Masken bei SuS? Nö.
    Längerer Aufenthalt mit einer großen Anzahl ( im Schnitt 25 bis 30) an Personen in einem Raum? Yes!
    Ohne Plexiglas, Masken, Abstand…
    Let’s have a Party!!!!!

    (Und beim ZA muss ich vorher immer mit Chlorhexamed gurgeln, soll kurzfristig die Virenlast auf ein Mimimimi reduzieren)…..:)))))

  5. Die Heinrich-Hertz-Schule hatte einen Ausbruch mit 37 Fällen, die benachbarte Winterhuder Reformschule 17, das Gymnasium Corveystraße nicht weit entfernt 7 Fälle (Info von einer Freundin). Sie lügen alle, dass sich die Balken biegen.
    Im übrigen muss mehr über die TESTFREQUENZ von jüngeren Schülern gesprochen werden. Menschen von 15 bis 29 werden drei Mal so oft getestet wie die Altersgruppe 0 bis 14! Und dabei gilt auch, dass die Wahrscheinlichkeit die jüngeren, oft asymptomatisch infizierten Kinder zu entdecken viel kleiner ist. Jüngere Kinder werden vor allem getestet, wenn sie ordentlich krank sind, aber dahinter steckt eben häufig NICHT Corona. Antikörpertests und Zuordnung positiver Eltern zu Bildungseinrichtungen sind nötig.
    Aber mein Eindruck ist, dass auch viele Eltern einfach weitermachen wollen, bis es zum Lockdown kommen muss …

  6. @Andreas Huber
    Ich weiß, man soll den Troll nicht füttern, aber: mal drüber nachgedacht, ihr Lehrerbasher, was passiert, wenn Schüler und Lehrer infiziert werden? Kranke Lehrer machen kein Homeschooling, wie z.B. in Quarantäne! Kranke Lehrer sind krankgeschrieben und im günstigsten Fall mit nur schwachen Symptomen. In schwereren Fälle lange oder auf Dauer. Dann fällt jede Form von Unterricht durch diesen Kollegen aus! Sollte nicht gerade den vehementen „Auf-alle-Fälle-die-Schulen-offen“-Haltern daran gelegen sein, Lehrer besonders gut zu schützen?

    • …und symptomlos kranke Schüler stecken ihre Eltern an, die ihrerseits dann schon vor den ersten Symptomen ansteckend sind und das in ihre Unternehmen tragen.

  7. Genau, Jan aus H, das kommt ebenfalls dazu und dürfte doch auch, neben der menschlich-gesundheitlichen Krise, für die Firmen ein wirtschaftliches Desaster bedeuten. Deshalb raffe ich schon seit Monaten nicht diese „Augenzuunddurch“-Nummer, die den Schulen und allen Menschen darin zugemutet wird.

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