„Äußert sich ein Lehrer kritisch, meldet sich die Schulaufsicht und droht“

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MÜNSTER. Die Schulleitungsvereinigung NRW hat das Handout der Bezirksregierung Münster, mit dem Schulleiter aufgefordert werden, ihre Schule als „sicher“ in der Öffentlichkeit darzustellen, scharf kritisiert. „Das ist ein Aufruf zur Intransparenz getarnt als Hilfestellung für Öffentlichkeitsarbeit in der Krise“, sagte der Vorsitzende Harald Willert. News4teachers hatte als erstes Medium groß über das Schreiben berichtet.

Werden kritische Lehrer und Schulleiter unter Druck gesetzt? Foto: Shutterstock

Willert zeigt sich empört. „Dieses hinterlistige und unaufrichtige Vorgehen bestätigt die Erfahrungen vieler Lehrer. Äußert man sich in der Öffentlichkeit kritisch, meldet sich die Schulaufsicht und droht mit dienstrechtlichen Konsequenzen“, erklärte er gegenüber dem „Haller Kreisblatt“. In der Bezirksregierung ist die Schulaufsicht angesiedelt.

„Ihre Kolleginnen/en wollen nicht hören, dass Sie Zweifel haben“

In dem Brief der Pressestelle der Bezirksregierung Münster, der News4teachers vorliegt, heißt es wörtlich: „Bei allem, was Sie gegenüber Medien äußern, sollten Sie Ihre beabsichtigte Äußerung aus der Perspektive der Leser/innen, Zuhörer/innen und Zuschauer/innen betrachten: Eltern, die in Sorge um ihre Kinder sind, Lokalpolitiker/innen unter Druck und nicht zuletzt Ihre Kolleginnen/en wollen nicht hören, dass Sie Zweifel haben – sondern, dass Ihre Schule ein sicherer Ort ist! Entsprechend sollten Sie diese Botschaft verstärken.“

Beispiele, wie sich die Bezirksregierung die Öffentlichkeitsarbeit der Schulleitungen vorstellt, werden mitgeliefert: „Unsere Schülerinnen und Schüler haben Verständnis für die Maßnahmen und halten sich sehr diszipliniert an die Regeln.“ „Dank unserer engagierten Lehrerinnen und Lehrer findet der Präsenzunterricht auch unter Corona-Bedingungen in der gewohnt hohen Qualität statt.“ „Die enge Absprache zwischen Schule, Schulträger, Gesundheitsamt und Bezirksregierung hat sich zum Schutz aller Beteiligten bewährt.“

Solche Aussagen kann laut Willert kein Schulleiter mit reinem Gewissen treffen. „Solange Schulleiter die Klassen auf Wunsch der Politik weiter voll besetzen müssen, hat die Sicherheit von Schülern und Lehrern nicht die oberste Priorität“, sagt er.

„In kaum einer Schule stehen noch alle Lehrer für Unterricht zur Verfügung“

Enge Absprachen zwischen Schule, Schulträger, Gesundheitsamt und Bezirksregierung? Absprachen fänden oft gar nicht statt, so sagt der Vorsitzende der Schulleitungsvereinigung NRW. „In den meisten Fällen erhalten Schulen Anweisungen des Schulministeriums direkt. Die Schulleiter stehen dann alleine vor der Aufgabe, Vorgaben umsetzen, die sich wöchentlich ändern.“ Und das in einer Zeit, mit immer weniger Ressourcen. „In kaum einer Schule stehen noch alle Lehrer für Unterricht zur Verfügung.“ Diese Botschaft will die Landesregierung, vertreten durch die Bezirksregierung, aber nicht hören. News4teachers

Wie Schulleitungen vom Land unter Druck gesetzt werden, Probleme mit Corona zu verschweigen – und zu lügen („Ihre Schule ist sicher“)

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24 KOMMENTARE

  1. Da werden gerade Grenzen verschoben, die nach der Pandemie bleiben. Das macht mir fast so große Sorgen wie die absolut stümperhafte Pandemiebekämpfung der KMK.
    Nun weiß die Schulaufsicht, wie autoritär sie vorgehen kann, ohne dass sich Schulleiter und Kollegien gegen die Aufsicht solidarisieren. Ziemlich autoritär. Als ob man gleich seinen Job verliert, wenn man mal was wagt.
    Jede und jeder, der sich bei news4teachers äußert, macht sich wenigstens Gedanken und Sorgen, egal in welche Richtung diese gehen. Aber wir sind zu wenig.
    Was ist mit der großen Masse an Lehrern, Schulleitern und Erziehern, die schon immer alles mit sich haben machen lassen?
    Wo sind die Forderungen?
    Soll es wiirklich nach der Pandemie so weiter gehen wie vorher oder gar noch duckmäuserischer zugehen? Wie wollen wir so Schüler zu selbstbewussten Persönlichkeiten erziehen, wenn es an Schulen und Kitas nur so wimmelt von schlechten Vorbildern unter den Erwachsenen?

    • Da stimme ich zu! Wir erwarten Courage und Rückgrat von Schülerinnen und Schülern- und haben als Beamte doch eigentlich nicht wirklich was zu verlieren.

  2. Wow…immer wenn ich denke, mich kann nichts mehr schocken, dann kommt so eine Meldung daher. Mir kommen bei solch ein Vorgehen Länder wie China oder Nordkorea in den Sinn.

  3. Jetzt könnte man böse sein und sagen, die Sicherheit des Beamtenstatus muss halt unter anderem mit dem Verzicht auf das Eintreten verschiendster, freiheitlicher Rechte wie z. B. der Meinungsfreiheit einhergehen. Gibt nicht die eierlegende Wollmilchsau. Unkündbarkeit, tolle Pensionen, usw. usw.. Ich verstehe bis heute nicht, wie es heute immer noch möglich ist, deswegen Arbeitnehmer so sehr systemisch „unterdrücken“ zu können. Das ist wohl leider der Preis, der gezahlt werden muss und wird. Und dies ist auch der Grund, weshalb staatlicherseits dahingehend gerne investiert wird. Ist stabil, funktioniert und gibt keinen Ärger….

    • Und ich bin noch nicht mal Beamtin, habe also keinen „Schwur geleistet“. Aber generell besteht das Problem, dass wir als LeherInnen und Eltern keinerlei Lobby haben, sondern in höchstem Grade abhängig sind von der Willkür der machtbesessenen Landespolitiker/innen.
      Alles auf Wahl ausgerichtet – keinerlei Verhältnismäßigkeit mehr zu erkennen!
      Wir sind keine Autobauer oder Luftfahrtgesellschaften, die bei Subventionen irgendwann doch noch wirtschaftlich interessant werden könnten.
      Föderalismus in Krisenzeiten =Vollkatastrophe!
      Eine Schande für die Demokratie!
      ( wo immer es sie noch geben mag….)

  4. JETZT REICHT SCHON LANGE!
    Wann hört dieses Hexenwerk endlich auf.
    Eltern regen sich zu recht auf. Lehrer regen sich zu recht.
    UNSERE KINDER SIND MIT ANGST IN DER SCHULE.
    WO BLEIBT DIE UNVERSEHRTHEIT?
    WO BLEIBT DER SCHUTZ DIESER MENSCHEN. DIE TAGTÄGLICH SICH DIESEN VIRUS AUSSETZEN?
    WER ZUM KUCKUCK SCHÜTZ DIESE LEUTE??

    REGIERUNGSKONFERENZEN WERDEN NUR NOCH VIRTUEL GEHALTEN!!!
    WARUM? DIE SOLLEN AUCH IN VOLLE RÄUMEN, GENAU WIE WIR ALLE…

    ICH FORDERE JETZT ENDLICH DIESE MENSCHEN ZU SCHÜTZEN.
    DIE SCHÜLER ZU HOMESCHOLLING LASSEN.
    DIE LEHRER ZU ENTLASSTEN

  5. Hallo liebe „Lehrerhasser“,

    der obige Artikel bringt auch noch einmal sehr schön, knapp und gut verständlich auf den Punkt, warum diese „faulen Säcke“ echt total zu beneiden sind!

    Wenn jetzt jemand das dringende Bedürfnis verspürt, sich selbst beruflich in jeder (!) Hinsicht verbessern 😉 zu wollen … dann nur zu, werdet Quereinsteiger, der Bedarf an Lehrkräften wird in Zukunft noch weiter steigen:
    „Kommt doch, kommt doch!“ 🙂

    Aber halt, halt … verehrte Damen und Herren – bitte nicht so drängeln!

    • Aber echt mal. Jetzt ist doch der ideale Zeitpunkt, den Beruf zu ergreifen, auf den man sein Leben lang neidisch war. Und das beste daran ist, man muss noch nicht mal studiert haben…ja noch nicht mal in etwas Pädagogisches gemacht haben. Jeder ist willkommen und kann endlich diese edlen Früchten des Berufes (endlos lange Ferien, früher Feierabend, bombensichere Pension und haufenweise liebenswerter, gut erzogener SuS, uvm.) ernten. Und ja, auch während Corona hat man nicht so viel zu tun…hier und da ein kleines Arbeitsblättchen und das war es schon. Und wenn man dann noch „querdenkt“ und einem sämtliche Schutzmechanismen, die eine Infektion (oder sonstiges) verhindern sollen, egal sind, dann nehmen die KuMis die ganz besonders gerne. „Querdenker/ Leerdenker/ Q-Anon werden bei gleicher Eignung (oder gar keiner Eignung) bevorzugt“

  6. Zum Täter und zum Opfer gehören immer zwei Parteien: eine Partei, die Unrecht tut, und eine Partei, die es mit sich machen lässt. Wehren!! Ihr seid viele

  7. Drohen lassen? Ist ja total lächerlich. Bei uns in der Schule gab es letzte Woche schon wieder einen Fall, genau das posaune ich frei heraus! Wer mir droht, dem mache ich ganz lange Beine und rote Backen. Lasst euch nicht unterdrücken

    • Einen Fall? Pro Woche? Das ist doch nüscht! Bei uns sind dauerhaft 3-5 Klassen (wechselnd wohlgemerkt) in Quarantäne, sofern die Schule über die Fälle informiert wurde. Gibt aber auch Klassen aus denen nur der Positivgetestete in Quarantäne gesteckt wird.
      Wenn man sich kritisch äußert und mal Nachfragen stellt, warum die Schule denn seit Wochen nicht längst auf rot steht (bei ca. 40 Fällen inzwischen), wird man gleich darauf hingewiesen die Schulaufsicht nicht weiter mit Anfragen zu behelligen und auch nicht an die Öffentlichkeit zu gehen, sondern den „Dienstweg“ einzuhalten. Interessant…selbst erlebt… man muss sich fast schämen für solch ein Bildungssystem zu arbeiten…hier wird mit der physischen und psychischen Gesundheit der gesamten Schulgemeinschaft gespielt.
      Die KuMis, Bildungspolitiker, Schulaufsicht, etc. können sich gern mal zu 26 oder mehr ohne Masken für 7-8 Stunden in einen Klassenraum quetschen. Na, wer will freiwillig??

  8. Unter diesen Voraussetzungen kann man kein Pädagoge sein. Auch hier hat Corona die die Ergebnisse der jahrelangen Einsparungen noch deutlicher sichtbar gemacht. Die Notbremse hätte schon viel früher gezogen werden müssen. Ich bin gespannt, was das System kollabiert. Warum wehren sich die Lehrer nicht?

  9. … und manche Schulleiter reichen die Drohungen nach unten weiter.

    Wenn den Eltern über die Schulelternvertreter mitgeteilt wird, einen Leserbrief zum Thema Versäumnisse des Schulträgers ‚bitte offiziell wieder zurückzunehmen‘.

    Da verschlägt es einem die Sprache!
    … aber (bislang) noch nicht die Freiheit, sich darüber hinwegzusetzen.

  10. Das ist eine krasse und zutiefst undemokratische Meinungsmanipulation, aber genau das, was ich seit Monaten vermutet habe. Die Medien haben auch ganz lange mitgemacht und den Mythos von den Schulen als „sicherem Ort“ verstärkt – bis auf wenige kritische Stimmen wie Markus Lanz. Die meisten Lehrer nehmen das aus Liebe zu ihrem Beruf, Dienstbeflissenheit, Schicksalsergebenheit und teilweise auch aus einer erstaunlichen Naivität heraus alles hin. Ich staune jeden Tag darüber .

    • Sie treffen den Nagel auf den Kopf, mit jedem Wort. Lehrer sind Einzelkämpfer, aber keine Revoltierenden…keine Widerständler… viele wollen „da sein“ für ihre Schäfchen in dieser schweren Zeit. Möchte ich auch, aber auch, dass alle gesund und lebend und ohne Folgeschäden durch das Schuljahr kommen. Mit regulärem Präsenzunterricht ist das nicht möglich. Es ist unbegreiflich wie blind und naiv die Lehrerschaft durch die Schulhäuser rennt. Und die, die es sehen, ertragen es leidend oder lassen sich krank schreiben. Und völlig irrational diese KMK.

  11. Dieses neue Infektionsschutzgesetz dient nur dazu allen einen Maulkorb zu verpassen .Es spielt keine Rolle mehr welche Vorschläge auch eingebracht werden unsere Sorgen und die der Kinder werden ausgeblendet,die KM’s benehmen sich wie Trump allein Ihr Wille zählt.Ich kann nicht nachvollziehen wie SPD und Grüne dieses Gesetz mittragen konnten.

  12. In Sachsen ist das schon immer so, ich finde da gar nichts überraschend oder neu. Lehrer ertragen das aus Angst um ihren Arbeitsplatz, da können die „Argumente“ von Ministerium und Schulaufsicht noch so verlogen, durchsichtig, unverfroren sein.

  13. „Luegen haben bekanntlich kurze Beine“ und „kleine Suenden bestraft Gott sofort, grosse etwas spaeter“ und ich hoffe, umso heftiger und dann auch jeden der KuMi’s persoenlich.

    Schrecklich, diese IGORANZ dieser Personen in deren Funktion!!!

    Es geht um die Gesundheit aller Beteiligten, um Menschenleben!!!

    Ich denke, das haben alle(ausser bestimmte Gruppen) in Deutschland /auf der Welt kapiert, nur in die Kultusministerien scheint es noch nicht vorgedrungen zu sein anhand ihrer Beharrlichkeit und Ignoranz….

  14. Ich habe schon in anderen Zusammenhängen persönlich erlebt, wie einem ein Maulkorb verpasst wird.Liegt etwa zwanzig Jahre zurück, d.h. diese Tradition ist vermutlich so alt, wie unser Schulsystem – und nach 1945 sind eben manche Traditionen in abgeschwächter Form beibehalten geworden. Im Referendariat klärte mich vor über 30 Jahren ein Ausbilder auf: Auch Sie werden noch lernen, den Mund zu halten

  15. Ist ja wie in der DDR oder zu Adolfs Zeiten man darf nichts mehr sagen, fehlt nur noch das man verhaftet wird. Toll jetzt haben wir das was wir nicht wollten durch die vereinigung, aber inzwischen Zeit haben wir das, man soll ja auch die Nachbarn anschwerzen. So sind wir nicht erzogen worden.

    • @Jörg

      Lieber Jörg,

      wenn Sie sagen „man soll ja auch die Nachbarn anschwerzen.“ meinen Sie damit Herrn Lauterbach?
      Nur mal so am Rande:
      Seine Äußerung wurde
      1. stark verkürzt
      2. aus dem Zusammenhang gerissen
      verbreitet.

      Dieser Hinweis ging zwar auch schon durch die Presse, aber eher kleiner gedruckt und in den gedruckten Medien (Tageszeitungen, gibt es ja auch online) weiter hinten einsortiert.
      Das wurde dann wohl nicht mehr so interessant gefunden …

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