Fünf Gründe, warum sich Lehrkräfte und Eltern für Inklusion engagieren sollten

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BERLIN. Es läuft, auch zwölf Jahre nach Inkrafttreten der Behindertenrechtskonvention, nicht rund mit der Inklusion in Deutschland. Doch es gibt auch Lichtblicke und Menschen wie unsere Gastautorin Bettina Krück, die sich mit viel Einsatz und vielen Ideen für bessere Bedingungen einsetzen. Die Mutter eines Kindes mit Behinderung und Initiatorin des Online-Inklusionskongresses (der vom 12. bis 18. März stattfindet – Informationen hier) erklärt im folgenden Beitrag, warum inklusive Bildung für PädagogInnen und Eltern weiterhin ein erstrebenswertes Ziel sein sollte.

Inklusion ist ein großes Ziel – die Realität sieht vielerorts noch anders aus. Foto: Shutterstock

„Mit Inklusion geht alles leichter“ – dieses Zitat lässt wohl viele Lehrkräfte wie auch Eltern von Kindern mit Behinderung entnervt mit den Augen rollen, schließlich sind die Medien voll von (zutreffenden!) Berichten über die mangelhaften Rahmenbedingungen für inklusive Bildung sowie die hohe Arbeitsbelastung und den Druck, dem Lehrkräfte heute ausgesetzt sind. Und auch wir Eltern tauschen uns oft aus über die vielen, vielen Hürden, die uns auf der Suche nach einem inklusiven Bildungsweg für unser Kind immer wieder begegnen.

Und doch stammt das Zitat von einer Lehrerin, die seit nunmehr Jahrzehnten in einer inklusiv ausgerichteten Schule arbeitet, und es deckt sich mit dem, was ich in vielen Gesprächen mit anderen Lehrkräften gehört habe. Doch wie komme ich, Mutter eines inzwischen neunjährigen Sohnes mit Trisomie 21, eigentlich dazu, so eine These in den Raum zu stellen?

Tatsächlich war mein „Einstieg“ in das Thema Inklusion nicht gerade leicht. Ich war auf der Suche nach einer geeigneten Schule für meinen Sohn, als ich feststellte, dass mir dabei viel Unverständnis sowie Unwissen entgegenschlug. Dass er nun trotzdem inklusiv beschult wird, haben wir zwei Sachen zu verdanken: zum einen dem Austausch mit anderen Menschen, die inklusive Wege gehen und mich beraten, ermutigen und stärken konnten. Und zum anderen meinem in dieser Zeit gesammelten Wissen darüber, was Inklusion in der Schule eigentlich bedeutet, welche Rechte und Ansprüche mein Kind hat und wie dies in unserem Bildungssystem umgesetzt werden kann.

Dieses Wissen – und vor allem auch diesen Mut, Inklusion zu wagen – wollte ich unbedingt weitergeben, und zwar so unkompliziert wie möglich. Zufällig habe ich zur gleichen Zeit das Format der Online-Kongresse entdeckt: Über einen bestimmten Zeitraum werden täglich mehrere vorab aufgezeichnete Interviews rund um ein bestimmtes Thema kostenlos im Internet gezeigt, die die Teilnehmenden bequem von zuhause aus anschauen können. Das Konzept klingt heute, ein Jahr nach Beginn der Pandemie, ganz selbstverständlich, war aber tatsächlich 2018 im Bildungsbereich noch relativ unbekannt. So entstand die Idee zum Online-Inklusionskongress, der seit 2019 jedes Jahr im März stattfindet.

Für mich heißt das, dass ich seitdem knapp 100 Interviews zum Thema Inklusion geführt und mit verschiedensten Menschen (Lehrkräften, Forschenden, Eltern, aber natürlich auch mit Menschen mit Behinderung) darüber gesprochen habe, wie Inklusion in der Schule gut umzusetzen ist. Und wenn ich aus diesen Gesprächen eines gelernt habe, dann dies: Gut umgesetzte (!) Inklusion lohnt sich für alle Beteiligten und macht vieles leichter! Und zwar aus diesen fünf Gründen:

  1. Inklusion gelingt in (multiprofessionellen) Teams

In meinen Gesprächen mit Lehrkräften kam immer wieder die Sprache auf das Arbeiten in multiprofessionellen Teams, das von den allermeisten als unglaublich entlastend empfunden wird. Warum? Weil ich mir die Verantwortung teilen kann, im Team meine Stärken einbringen und mich von der Dynamik der Gruppe mittragen lassen kann. Das nimmt mir die Last des Einzelkämpfers. Und wenn die Teambesprechungen fest eingeplant sind und im Deputat berücksichtigt werden, anstatt on-top zu meinen Aufgaben hinzuzukommen, ist es auch keine Belastung, sondern eine Bereicherung.

  1. Inklusion gelingt gemeinsam mit den Eltern und unter Einbeziehung des Sozialraums

Wir Eltern sind – nach dem Kind selbst – die Expert:innen für unser Kind. Außerdem sind wir (spätestens seit Corona!) ein unersetzbarer Partner für den Lernerfolg des Kindes. Ähnliches gilt für den Sozialraum vor Ort: Wenn die im Viertel ansässigen Unternehmen enge Kontakte zur Schule haben, gelingen die Übergänge in den Arbeitsbereich leichter und die Stoffvermittlung kann anschaulich gestaltet werden. Das neuseeländische Bildungssystem, das Verena Friederike Hasel in ihrem Buch „Der tanzende Direktor“ beschreibt, gibt zahlreiche Beispiele, wie Elternarbeit dort genutzt wird, um den Unterricht vielseitiger und Schule als Ort des sozialen Miteinanders zu gestalten.

In den allermeisten Schulen bestehen schon enge Kontakte zu Eltern sowie zur Arbeitswelt. So entstehen Bildungspartnerschaften, von denen alle profitieren – und die, wenn sie ins Unterrichtsgeschehen mit einbezogen werden, direkt zum nächsten Punkt führen:

  1. Inklusion führt zu mehr Vielfalt im Unterricht

Schon jetzt ist Binnendifferenzierung ein Stichwort, das aus keinem Unterrichtsbesuch mehr wegzudenken ist. Und auch in inklusiven Settings muss der Stoff so aufbereitet sein, dass jede Schülerin und jeder Schüler im Rahmen seiner Fähigkeiten aktiv am Unterricht teilhaben kann. Davon profitieren auch die Schüler:innen ohne sonderpädagogischen Förderbedarf, da so der Stoff in verschiedenen Formen dargeboten wird, was den individuellen Stärken der einzelnen Schüler:innen gerechter wird und gleichzeitig zu einer größeren Flexibilität des Lernangebots und der Unterrichtsgestaltung führt. Das wiederum hat vielen inklusiv arbeitenden Schulen den Umstieg auf den Fern-Unterricht erleichtert.

  1. Inklusion schafft Beziehung schafft (Selbst-)Vertrauen

Inklusion bedeutet, dass jede:r so angenommen wird, wie er ist, und einen gleichwertigen Platz in der Gesellschaft (Schule) hat. Jedes Kind, jede:r Jugendliche hat eigene Bedürfnisse und Besonderheiten. Eine Schule bzw. ein Umfeld, das dies berücksichtigt, ist für jede:n ein sicherer Ort, an dem Vielfalt willkommen ist. Zu wissen, dass jede:r dazugehört, auch wenn die eigene familiäre Situation, der eigene Körper oder die eigenen Fähigkeiten etwas anders sind als die der Mehrheit, gibt den Schülerinnen und Schülern das nötige Selbstvertrauen, das sie brauchen, um mit den Herausforderungen umzugehen, die die Welt von morgen für sie bereithält.

  1. „Demokratie braucht Inklusion“

So lautet das Motto von Jürgen Dusel, dem Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen. In der Schule von heute lernen die Erwachsenen von morgen. Geben wir ihnen die Chance, ohne Barrieren groß zu werden und schon in der Schule zu erleben, dass eine Gemeinschaft durch Vielfalt stärker und bunter wird – und es gemeinsam leichter geht!

Das mag nun zunächst sehr blauäugig klingen und ich weiß auch, dass Inklusion zunächst mit zusätzlichen Belastungen und Hürden verbunden ist. Dennoch wollte ich in diesem Artikel darstellen, warum eine inklusive Schule für alle Beteiligten ein erstrebenswertes Ziel ist. Der Weg dorthin mag weit oder vielleicht gar utopisch erscheinen. Und doch gibt es Schulen und Lehrkräfte (und ganze Länder!), die diesen Weg Schritt für Schritt gehen – alle auf ihre Weise, mit eigenen Schwerpunkten. Beispiele dafür, nützliche Tools und Reflexionen gibt es beim 3. Online-Inklusionskongress auf www.inklusionskongress.de (Teilnahme kostenlos).

Über die Autorin
Foto: Conny Wenk

Bettina Krück berät Eltern und Fachkräfte in Inklusionsfragen. Sie arbeitet seit über 15 Jahren in unterschiedlichen Bildungseinrichtungen und ist Mutter eines Sohnes mit Behinderung, der im September 2018 inklusiv eingeschult wurde.

Gemeinsam mit anderen Eltern hat sie eine Elterninitiative für Inklusion gegründet. Seit 2019 veranstaltet sie den Online-Inklusionskongress. Die kostenlose Veranstaltung hat bereits über 5.000 Pädagogen, Lehrkräfte und Eltern erreicht und bietet eine Mischung aus Praxisbeispielen und Berichten aus der Forschung. Bettina Krück ist Mitglied im Netzwerk Persönliche Zukunftsplanung und der Landesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben, gemeinsam lernen Baden-Württemberg (LAG).

3. kostenloser Online-Inklusionskongress vom 12. bis 18. März – jetzt anmelden!

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28 KOMMENTARE

  1. Ich lese außer Moralisierung und Emotionen nichts davon, wie die Inklusion von Kindern, die niemals ansatzweise für die Oberstufe befähigbar sind, am Gymnasium gelingen soll. Wie sie an einer Hauptschule gelingen soll im Übrigen auch nicht. Dort kommen einige der Kinder zwar theoretisch fachlich noch mit, aber nicht sozial.

    Um nichts anderes als den Zugang zu den Gymnasien geht es den Inklusionsbefürwortern ja in Wahrheit. Nur dort ist die Schülerklientel überwiegend sozial gefestigt genug, um aus den Inklusionskindern keine Mobbingopfer zu machen. Und ja, bei kognitiver und sozialer Befähigung bitte ich darum, die Inklusionskinder auf die Gymnasien zu schicken — aber für alle Seiten bitte auch nur dann.

    • Wenn die Inklusionskinder zieldifferent beschult werden, bedeutet es an jeder Schule, dass differenziert werden muss. Warum sollte das am Gymnasium nicht möglich sein, wies doch an allen anderen Schulformen auch geht?

      • Möglicherweise, weil am Gymnasium oft eh schon recht viele Schüler sind, die eigentlich nicht fürs Gymnasium geeignet sind. Wenn dann noch Inklusionsschüler hinzukommen (für die Gym-Lehrer nicht ausgebildet sind – ich habe jedenfalls noch nie ein Fortbildungsangebot dazu bekommen), frag ich mich auch, wie das funktionieren soll, vor allem, wenn man schon damit beschäftigt ist, den unterschiedlichen Lernniveaus, die sowieso existieren, entgegenzukommen. Ich hatte bisher nur Schüler mit körperlichen Einschränkungen (sehen, hören), was kein Problem war. Aber wenn es geistige Behinderungen bei einem Schüler gäbe, hätte ich keine Ahnung, wie ich das anstellen soll, geschweige denn, wie/wann ich es bewerkstelligen sollte, noch mehr individualisiertes Unterrichtsmaterial Material zu erstellen!

        • Für Inklusionsschüler ausgebildet wurde ich auch nie.
          Trotzdem sind sie seit vielen Jahren in den meisten meiner Klassen dabei. Je nach Fach habe ich dann mal für eine Unterrichtsstunde eine Förderlehrkraft mit an Bord, meist aber turne ich da alleine durch.

  2. Rein theoretisch stimme ich voll zu.
    Praktisch sind die Rahmenbedingungen oft nicht geeignet um den Kindern gerecht zu werden.

    Das multiprofessionelle Team ist an Grundschulen häufig der Klassenlehrer mit 1-2 Stunden Unterstützung durch eine Förderlehrkraft in der Woche. Natürlich nur, wenn gerade keine Kollegen krank sind, die durch die Förderlehrkraft vertreten werden.
    Teambesprechungen, die im Deputat berücksichtigt werden? Auf welchem Planeten gibt es denn so etwas?

    Die Erstellung und Erläuterung der Förderpläne bleibt meist auch am Klassenlehrer hängen. Wobei das eigentlich das Metier der Sonderpädagogik sein sollte.

    Häufig sind die Lernschwerpunkte extrem weit auseinander und nicht immer vereinbar oder durch Differenzierung zu bedienen.

    Die Klassengröße ist häufig nicht dem Setting angemessen, so dass man am Ende keinem Schüler mehr gerecht werden kann.

    Nicht falsch verstehen: ich sehe sehr viel Positives an der Inklusion und befürworte sie.
    Aber wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, ist der Ertrag zu gering.

    Als Beispiel:
    Lebenspraktische Inhalte wie Schuhe binden, Jacke anziehen, Toilettengang usw lassen sich einfach nicht alleine neben dem Fachunterricht wuppen. Auch andere Inhalte lassen sich nicht immer und vor allem nur mit sehr viel Mehraufwand differenzieren.
    Bei Übungen benötigt es bei I-Kindern zwingend eine 1-1 Betreuung. Das ist als Einzelperson mit 24 Kindern, darunter 1 oder 2 I-Schüler kaum umsetzbar.
    Ich kann mir also nur aussuchen, wen ich wann venachlässige.

    Daher:
    Solange die Rahmenbedingungen nicht angepasst werden halte ich Förderschulen noch für den ertragreicheren Weg.

    • In BW sind nicht selten 28 Kinder mit 2-4 Inklusionskindern zu stemmen. Die Sonderpädagogin ist leider (nach Grad der Einschränkung der Kinder) wenige Stunden anwesend. Den Rest der Zeit kämpft die Lehrerin alleine und erhält selten eine Ermäßigung für den enormen Mehraufwand. Von der Politik kommen nur Lippenbekenntnisse. Seit Jahren soll die Inklusion mit möglichst geringen finanziellen Aufwand laufen. Darunter leiden die Kinder (alle) und die Motivation der willigsten Lehrkraft. Nach Corona werden noch weniger Gelder in die Schulen fließen, da ja überall gespart werden muss. So lange heir nicht gesetztliche Vorgaben existieren, die das jeweilige Land zwingen einen Sonderpädagogen pro Inklusionsklasse abzustellen (die übrigens auch Mengelware sind) ist das Konzept nur mit der Kraft und dem Willen der GS Lehrerin umzusetzten, die dann immer am Rande des Burn-out kratzt. Inklusion ja, aber bitte richtig!

  3. Ich hatte eigentlich einen langen Text geschrieben aus der Sicht einer Mutter, die sich für ihre gesunden Kinder ebenfalls eine gute Schulzeit wünscht.

    Da aber die ebenfalls berechtigten Ansinnen von Mehrheitsgruppen heutzutage schnell als Diskriminierung verunglimpft werden, habe ich ihn wieder gelöscht und wünsche Frau Krück und ihrem Kind einfach nur das Beste – auch wenn ich eine andere Meinung zur Inklusion habe.

  4. Zwischen Idealen und gelebter Praxis gibt es so große, leider oftmals negative Unterschiede. Die sind so zahl- und facettenreich, das man Ende nur sagen kann: die armen Kinder 🙁

  5. Beobachtung aus dem Bekanntenkreis.

    Ein Kind mit Beeinträchtigung besucht eine Integrationsklasse einer Grundschule. Dort wird es von einer Integrationshilfe sowie stundenweise von Förderschullehrkräften begleitet. Ab der zweiten Klasse spielten die nicht behinderten Kinder auf dem Schulhof meist unter sich. Die behinderte Schülerin wurde von den anderen Kindern meist nur über die Integrationshilfe wahrgenommen, so dass sich eine zunehmende Isolation einstellte. Dem Unterrichtsstoff konnte sie ab Klasse 2 meist nicht mehr folgen, man wechselte dann den Förderort innerhalb der Schule, also man isolierte das Kind von seiner Kernklasse in einem sog. Förderraum, da es zunehmend den Gesamtunterricht störte, weil es ihm kognitiv nicht mehr folgen konnte (nach außen klebt das Schild Inklusion, die Separierung erfolgt innerhalb des Systems …..Mogelpackung?).
    Das behinderte Mädchen entwickelte sich zurück – so die Beobachtung der Mutter, aber auch der behandelten Therapeuten. Es erfolgte ein Schulwechsel zu einer Förderschule mit ganzheitlichem Förderansatz. Das Mädchen blühte in seiner Persönlichkeit auf, ging wieder gerne zur Schule und machte – an ihr selbst gemessen -.große Lernfortschritte in diesem neue Umfeld ( Klasse mit 6 Mitschülern, meist 2 Pädagogen zugegen, Bewegungsbad innerhalb der Schule usw.).

    Ich habe bei diesem Fall ernsthaft gedacht, steht eine Ideologie evt. über die wirklichen Bedürfnis von Schülern?

  6. „Wir Eltern sind – nach dem Kind selbst – die Expert:innen für unser Kind.“

    Wo gibt es den soetwas, dass die Eltern als ‚Experten‘ ihrer Kinder von Seiten der Schule akzeptiert werden?
    – In den wenigsten Fällen ist dies der Fall, Ausnahmen gibt es glücklicherweise immer, allerdings selten –

    In Realität kann Schule weder am ‚oberen‘ noch am ‚unteren Ende‘ eine adäquate Förderung der Schüler umsetzen.
    Am ‚oberen‘ Ende steht die grundsätzliche Thematik – Elitenförderung – im Weg und
    am ‚unteren‘ Ende passt die Gruppengröße der Klassen und die Personaldecke nicht.

    Das Thema der Inklusion steht und fällt mit dem Engagement der Eltern, die als ‚Anwälte‘ ihrer Kinder fungieren und ggf. auch den langen Atem im Rahmen von Ausnahmeanträgen an die Landesschulbehörde unter Beweis stellen können.
    Als Elternteil lässt man an dieser Stelle oft genug ’nervliche‘ Federn.

    … Eltern, die das Potenzial ihrer Kinder realistisch einschätzen und die Kraft und den Willen haben, sich für ihr Kind einzusetzen, werden die Stärken ihrer Kinder fördern können und ihr Kind in ‚Selbstwirksamkeit‘ mit Erfolg durch die Schule begleiten.

  7. Nein, nicht so, nicht jetzt. Punkt.

    Ich habe so viel Schlechtes damit erlebt, einfach weil – das gilt nur für meine subjektiven Fälle – Lehrer ohnehin schon überfordert sind und, das viel Wichtigere, Infrastruktur für sowas fehlt und darüber hinaus auch Schüler und Gesellschaft einfach nicht weit genug sind.

    Was ich die letzten Jahre damit erlebt habe, ließ mich allein schon über die Kündigung nachdenken. Inklusion um jeden Preis? Auf GAR KEINEN Fall. Inklusion auf lange Sicht? Unbedingt nötig. Vorher müssen aber zig Weichen gestellt werden.

    Wer sich fragt, was ich alles erlebt hab; u.a. einen „Amoklauf“, weil das Verhalten eines inkludierten Schülers von anderen Schülern falsch interpretiert wurde… nein danke. Und das ist schon zig Jahre her. Inzwischen viele kleinere Brötchen erlebt.

    Bedenkt man noch, dass die meisten Lehrer (auch ich) schon mit ADHS-Kindern überfordert sind, allein schon, weil ich dazu 0 ausgebildet und mir auch noch nie eine Veranstaltung zur Weiterbildung angeboten wurde, dann sollte verständlich sein, dass das nicht auch noch auf das übliche Geschäft gepackt werden kann.

  8. Bei uns lief die Inklusion so.
    Inklusion kommt!
    Wann kommen die Förderlehrer zur Unterstützung?
    Gar nicht! Sie sind doch eine berufliche Schule und den Umgang mit Problemschülern gewöhnt. Viel Spaß und der Dank des Vaterlands ist ihnen sicher.
    Toll! Alles wie immer.
    Wir tun was, es macht zwar Arbeit für die Lehrer, kostet das Ministerium aber keinen Pfennig. Das Leben ist doch schön.

  9. Auch wenn man mich hier vielleicht teert und federt. Ich bin froh, dass mein autistischer Sohn nicht den Weg über die Inklusion in einer Grund- oder weiterführenden Schule gegangen ist, sondern über eine Förderschule, die alle Förderbereiche unterrichtet. Ich sag mal es ist eine kleine Inklusion. Er hat den Förderbedarf geistige Entwicklung, aber nie direkt so eine Schule besucht, weil er zu fit dafür ist. Er hat trotzdem soziale Kompetenz gelernt.

  10. Inklusion ist und war ein Irrweg. Man tut weder den besonders herausgeforderten Kindern einen Gefallen, noch den „normalen“ Kindern oder den Lehrern. Am Ende sind alle die Verlierer. Inklusion war wieder so eine Idee nach dem Motto „Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht“.

  11. Inklusion ist das Beste in jeder Schule, was es gibt, um eine solidarische Gesellschaft voranzubringen! Mit einer menschenwürdigen Haltung gelingt das immer!
    DANKE, lieb Bettina, dass du so eine tolle Veranstaltung organisierst.

    • Es ist aber nicht das Beste für die anderen Kinder, falls sie von den „besonderen“ Kindern ausgebremst oder im Lernen gestört werden.

      Und es ist nicht das Beste für die behinderten Kinder, die in einer Förderschule viel individueller betreut werden können oder in normalen Klassen gemobbt oder ins Abseits gestellt werden.

      • Es ist auch nicht das Beste für Kinder, wenn es nur eindimensionale Lernwege gibt, denen sie entsprechen sollen und sonst die bestehende Lerngruppe verlassen müssen.

        Ebenso ist es weder auf Regel- noch auf Förderschulen gut, wenn individuelle Förderung gar nicht erfolgen kann, angesichts Lehrkräftemangel, fehlender Sonderpädagogen und schon wieder gestrichener Zusatzbedarfe.

        Dass Förderschulen generell eine hervorragende Ausstattung hätten, ist ebenso ein Märchen wie multiprofessionelle Teams und eine gut ausgestattete Inklusion.

  12. Ich kenne als Grundschullehrerin und Mutter eines Kindes mit Trisomie 21 beide Seiten.

    Nichts würde ich mir mehr wünschen, als eine Schule, in der alle Kinder ungeachtet ihrer Voraussetzungen gemeinsam lernen können!!!

    Leider habe ich diese Schule noch nicht gefunden. Mein Kind wird nächstes Jahr auf eine Förderschule gehen und ich werde parallel für außerschulische Inklusion (Sportverein o.Ä) sorgen.
    Jetzt in der Kita funktioniert die Inklusion wirklich gut. Aber in der Schule, einem System, das mehr denn je auf „Abliefern“ und Leistungsorientierung ausgerichtet ist, bleibt das Ganze Wunschdenken.

    Meiner Meinung nach müssen für richtige Inklusion folgende Rahmenbedingungen gegeben sein:

    – durchgehend (den ganzen Schultag lang!) sonderpädagogische Begleitung mit den entsprechenden Förderschwerpunkten in der Klasse

    – 10 bis maximal 15 Kinder pro Lerngruppe

    – geeignete bauliche Voraussetzungen (Barrierefreiheit, sanitäre Anlagen, wo zum Beispiel diskret Windeln gewechselt werden können, Therapieräume…)

    – Therapeuten (Logo, Physio, Ergo…) an jeder Schule

    – kein frühzeitiges Aussortieren der Kinder nach kognitiver Leistung

    – enge Zusammenarbeit mit Eltern

    – motivierte Kolleginnen und Kollegen, die nicht schon jetzt am Ende ihrer Kräfte sind und jetzt schon kaum die immer umfangreicheren Aufgaben des gegenwärtigen Schulalltages bewältigten müssen.

    – nicht zuletzt fehlt es auch an der Wahrnehmung, dass Menschen mit Behinderungen ein großer Teil der Gesellschaft sind. Sieht man sich zum Beispiel die deutsche Medienlandschaft an, wird es immer extra thematisiert, anstatt dass diese Menschen einfach selbstverständlich überall auftauchen.

    Inklusion kostet! Zeit, Einsatz und vor allem Geld! Zum Nulltarif gibt es das alles nicht.

    Eigentlich müsste man vom anderen Ende her denken: Die (noch) bestehenden Förderschulen sind ja nicht ohne Grund so ausgestattet wie sie sind. Man müsste diese Ausstattung als Basis nehmen und die „normale“ Schule noch obendrauf setzen. Also auch Inklusion, nur andersherum gedacht. Ich bin mir sicher, dass am Ende alle Kinder davon profitieren würden!

  13. Das ganze ist ein Wunschtraum. Wie soll das gehen? Die Schulhäuser die ich kenne sind ja nicht einmal mit einem Rollstuhl vollständig nutzbar. (Zu teuer sagt der Sachaufwandsträger)

    Psychische Problemkinder? Haben wir schon und aufgrund des chronischen Personalmangels bleiben es auch Problemkinder.

    Kinder mit Behinderung? Da muss für jedes Kind ein individueller Plan erstellt werden? Wann soll die Lehrkraft das machen? Natürlich glauben alle (allen voran die Leute im Kultusministerien) dass Lehrer 48 Stunden pro Tag Zeit haben.

    Träumt weiter, das wird nichts solange Kinder als lästiger Teil der Gesellschaft betrachtet werden. Schulen sind ja nur dafür da, dass die Eltern arbeiten gehen können. Corona und Schulöffnung mit den Argumentationsketten der Politikern lassen keine andere Interpretation zu.

    Inklusion wird kommen, um Kosten zu einzusparen, nicht weil es irgendjemanden hilft. Dabei wird sorgfältig darauf geachtet es schlecht möglichst umzusetzen. Zum Beispiel mit mir als Lehrkraft, die kein Interesse daran hat, keine Vorbildung darin hat und auch den Sinn nicht versteht Kindern maßgeschneiderte Förderung zu verweigern.

    Eltern, die Inklusion von mir verlangen/einfordern müssen offenbar Ihr eigenes Kind hassen.
    Hauptsache Ihr könnt wieder arbeiten gehen während euer Kind aufgeräumt ist!

  14. Es ist deprimierend die Kommentare der Pädagogen zu lesen. Macht sich jemand mal die Mühe, sich die ganzen erfolgreichen Kinder, Klassen, Schulen anzusehen? Da wo Träger, Pädagogen und Eltern zusammenarbeiten, funktioniert es eben doch!
    Die gesetzlichen Vorgaben sind da. Ha, es könnte immer alles besser sein, aber man beginnt, indem man es tut, nicht indem man abwarten.
    Das Unwissen und der Unwillen, sich auch nur zu informieren, ist beschämend und ich hoffe, dass es tatsächlich momentan an der Mehrarbeit wegen Corona liegt.
    Schultern und Eltern gemeinsam können sehr wohl gemeinsam ausreichend Druck aufbauen, um die Entwicklung zum Wohlbefinden aller voranzubringen.

    • Liebe Ariane,
      leider haben sehr viele Pädagogen gegenteilige Erfahrungen gemacht und hier aus der Alltagsrealität berichtet.

      Aus dem Alltag kann ich Ihnen berichten, dass es eben nicht so einfach ist und zusammenarbeitende Träger, Lehrer und Eltern sind auch keine durchaus häufige Kombination.

      Eltern sehen das Wohl ihrer Kinder, Pädagogen sehen das Wohl der ganzen Klasse. Und wenn sie es nicht schaffen, dass in allen In Klassen die Klassenteiler passen und permanente Doppelbesetzung möglich ist, kann es nicht so umgesetzt werden, dass alle Schüler profitieren.

      Das liegt daran, das Lehrer auch nur singuläre Entitäten sind und jeder Schüler Aufmerksamkeit braucht. Sogar die „normalen“.

      In einer Unterrichtsstunde haben Sie bei 24 Schülern und gerechter Aufteilung ihrer Zeit pro Schüler 60 – 120 Sekunden (wenn sie davor nichts erklären und nichts nachbesprechen müssen).
      Das reicht nicht.

      Und einfach anzufangen bringt ohne umsetzbar es Konzept nichts. Leidtragende sind im Zweifel die Kinder.

      Aber hey, die USA sind gerade auf dem Mars gelandet. Ich habe einen Lötkolben und eine ehrenwerte Idee, legen wir los?

  15. @Ariane

    Bitte nehmen Sie auch zur Kenntnis, dass mediale Lobeshymnen und Schul-Preisverleihungen oftmals einen trügerischen Schein widerspiegeln, der in der Realität schon GAR NICHT MEHR EXISTENT IST!

    ‚Deutscher Schulpreis geht an inklusive Grundschule in Hannover‘
    https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2020-09/schulpreis-2020-inklusive-grundschule-hannover-bildungswesen

    „Otfried-Preußler-Schule: Vorzeigemodell für Schulbegleiter gibt es gar nicht mehr
    Vor rund zwei Wochen gewann die Otfried-Preußler-Schule in Hannovers Südstadt den Deutschen Schulpreis – gelobt wurde dabei insbesondere auch die Einbindung der Schulbegleiter. Doch dieses Modell gibt es gar nicht mehr.“
    https://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Otfried-Preussler-Schule-Hannover-Vorzeigemodell-fuer-Schulbegleiter-gibt-es-gar-nicht-mehr

    Manches deckt leider nur die Lokalpresse auf!

    De omnibus dubitandum!

  16. Wie so manches in der Pädagogik ist die Inklusion eine schöne Theorie, aber ein Luftschloss, in dem sich zwar Ideologen wohlfühlen, nicht aber die Teilnehmer am Schulalltag.

    Ich stimme hier allen Kommentarschreibern zu, die wohlbegründete Bedenken äußern, obwohl dies noch immer Mut erfordert, weil es nach wie vor Inklusionsanhänger gibt, die ihren Meinungsgegnern gern den Wind aus den Segeln nehmen, indem sie ihnen unmoralische, angeblich „beschämende“ Motive wie „Unwissen und Unwillen“ für ihre Ansichten unterstellen.

    • Sie sprechen mir aus der Seele.
      Deswegen schweige ich beim Thema Inklusion manchmal lieber. Schief angeguckt oder als „beschämend“ und „empörend“ angeguckt zu werden, bin ich leid. Es ist schade, dass man sich bei bestimmten Diskussionen lieber ausklickt als an ihnen teilnimmt. Dabei wäre Vielfalt so wichtig, wenn ein Meinungsaustausch konstruktiv sein und nicht nur der Bestätigung der eigenen Meinung dienen soll.

  17. Anekdote aus meiner 3. Klasse.

    Ich habe 24 Kinder in der Klasse (Raumgröße 42 m2) .

    2 I-Kinder mit Förderbedarf „Lernen“. Jedes dieser Kinder hat ein Recht auf eine Förderschullehrkraft an 1 1/2 Wochenstunden. 1 Wochenstunde soll die Förderschullehrkraft das Kind unterstützen, die 1/2 Stunde soll sie mich beraten. Ich habe also bei 2 I-Kindern das Recht auf eine Wochenstunde Beratung. Allerdings geht sie bei mir „on top“, also ohne Ausgleichsstunde als 29. Stunde. Dafür verdiene ich auch nur A12, die Förderschullehrkraft aber A13. So gleicht es sich halt aus.

    Dazu habe ich noch 2 Kinder mit sozial-emotionalen Defiziten. Dafür ist die Förderschullehrkraft (Schwerpunkt Lernen) nicht zuständig.
    Eines dieser Kinder ist eines der I-Kinder, das andere ist intelligent, aber gestört. Das I-Kind wird häufig aggressiv, das andere setzt sich unter den Tisch und spielt Wolf (heult, bellt, beißt jeden, der vorbeikommt in die Beine).

    Für diese Defizite gibt es Unterstützung durch Schulbegleiter (Integrationshelfer).
    Um an diese zu kommen, sitzt man ewig mit Psychologen, Jugendamt, Ergotherapeuten und Eltern zusammen. Ich protokolliere täglich und muss mir noch vom Psychologen anhören, dass das Kind in der Sprechstunde ziemlich unauffällig war. Auf meine Bitte, doch mal in den (engen) Klassenraum zu kommen und sich ein Bild von der Unterrichtssituation zu machen, in der eine 1 zu 1 Betreuung nicht möglich ist, winkte der Psychologe ab. Er führte das Problem auf meinen mangelnden Willen zur Integration zurück.(Ausgleichstunden: Fehlanzeige!)

    Das „Wolfskind“ ist übrigens, laut Eltern und Psychologen, hochbegabt (IQ von 122). Aber egal, was ich ihm anbiete, es wird nicht besser! Von dem Psychologen kommt – außer Vorwürfen, ich müsse ihm mehr Aufmerksamkeit schenken – auch nichts.

    Das I-Kind ist traumatisiert (Pflegekind). Es wünscht sich mehr Anerkennung durch die Klassenkameraden. Diese haben aber Angst vor ihm, da er so viel größer, älter und kräftiger ist als sie und zuhaut, wenn einer nicht das macht, was er sagt.

    Fast täglich bekomme ich Anrufe und E-Mails der Eltern der anderen Kinder, die mich daran erinnern, dass ich nicht nur diese „verhaltensoriginellen“ SuS habe, sondern auch ihre Kinder bestmöglich aufs Gymnasium vorbereiten müsse! Dass ich eine Fürsorgepflicht für ihre Kinder habe und diese ein „Recht auf Bildung“ haben.

    Die Förderschullehrerin ist seit mehreren Monaten krank. Eine Vertretung kann das Förderschulzentrum nicht stellen.

    Jetzt habe ich aber einen Schulbegleiter, der eine richtige sozial-pädagogische Ausbildung hat! Er scheint Ahnung zu haben und nicht nur Sonntagsreden zu schwingen.

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