Kinderpsychologe: Viele Familien sind tief erschöpft – viele Lehrer auch

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LEIPZIG. Auch wenn viele Eltern als auch Lehrer an und über ihre Grenzen gegangen seien, haben psychische Belastungen von Kindern und haben im Lockdown sehr deutlich zugenommen, stellt der Leipziger Psychologe Julian Schmitz fest. Um sie aufzufangen und zu behandeln, gebe es bei weitem nicht genug psychotherapeutische Angebote.

Der Lockdown setzt Kindern zu – und ihren Eltern. Foto: Shutterstock

Nach monatelangem Homeschooling beginnt in diesen Tagen auch für zahlreiche Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen wieder der Präsenzunterricht. Der Lockdown hat bei vielen von ihnen Spuren hinterlassen. Der Leipziger Kinder- und Jugendpsychologe Prof. Dr. Julian Schmitz spricht im Interview über die psychischen Folgen der Corona-Krise bei den Jüngsten unserer Gesellschaft.

Herr Prof. Schmitz, wie, denken Sie, hat sich die besondere Situation des Homeschoolings auf die Psyche der Kinder und Jugendlichen ausgewirkt?

Die Corona-Pandemie mit dem Schul- und Kitaschließungen ist eine stark herausfordernde Situation für alle Kinder, Jugendlichen und Familien. Auf der einen Seite ist dies eine Zeit mit extremer Unsicherheit und Zukunftsängsten. Kinder stellen sich Fragen wie „Wann kann ich wieder in die Schule?“, „Wann sehe ich meine Freunde wieder?“, „Schaffe ich meine Klassenarbeiten und meine Versetzung?“. Insgesamt hat dies zu einer hohen Belastung in den Familien geführt.

Dazu kommt der Verlust von sozialen Kontakten in der Schule. Sozialer Austausch und Gleichaltrige sind besonders für die soziale Entwicklung von Kindern unerlässlich. Zudem berichten viele Familien auch von innerfamiliären Spannungen durch die Unvereinbarkeit von elterlichem Homeoffice und beruflichem Stress zusammen mit der Anforderung, Kinder zu Hause zu unterrichten. Viele Familien und Kinder sind in dieser Zeit an ihre psychische Belastungsgrenze gekommen und tief erschöpft. Das alles zeigt sich nicht nur in den Berichten der Kinder und Familien, die zur Behandlung in unsere Psychotherapeutische Hochschulambulanz kommen, sondern auch in vielen nationalen und internationalen Forschungsstudien. Psychische Belastungen wie Depressionen, Angststörungen, aber auch expansive Verhaltensstörungen haben sehr deutlich zugenommen – sowohl in Deutschland, als auch international.

Was sind gerade die häufigsten psychischen Probleme der Kinder und Jugendlichen? Welche Spätfolgen könnten diese haben?

Wir sehen aktuell keine Zunahme von nur einer Gruppe von Störungen, sondern eine starke Zunahme von psychischen Belastungen aus dem gesamten Spektrum wie Depressionen, Ängsten, Zwangsstörungen und Verhaltensstörungen. Dabei leiden auf der einen Seite die Kinder und Jugendlichen, die schon mit einer psychischen Störung in die Pandemie gegangen sind und deren Lage sich häufig sehr verschlechtert hat. Auf der anderen Seite sehen wir auch, dass viele Kinder, die vor der Krise psychisch gesund waren, nun in dieser Zeit – insbesondere der Lockdowns – psychisch krank geworden sind.

„Eltern und Lehrer sind über ihre Grenzen gegangen – und hatten den Eindruck, dass sie von Politikern nicht ernst genommen wurden“

Es macht uns große Sorgen, dass es nicht genug psychotherapeutische Angebote gibt, um diese Kinder und Jugendlichen aufzufangen und zu behandeln. Bereits vor der Corona-Pandemie mussten psychisch kranke Kinder und Jugendliche oft monatelang auf Therapieplätze warten. Diese Situation hat sich noch deutlich verschärft. Ich erwarte, dass wir einen nachhaltigen Anstieg von psychischen Erkrankungen bei Kindern, Jugendlichen, aber auch Erwachsenen sehen werden. Unsere Forschungsdaten zeigen sehr deutlich, dass die Mehrzahl der psychischen Störungen sich nicht von allein wieder gibt, sondern diese Störungen oft einen chronischen Verlauf nehmen und über die Zeit weitere Störungen hinzukommen. Wir können also nicht davon ausgehen, dass sich nach dem Ende der Pandemie die Situation der psychisch erkrankten Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen einfach von allein wieder vollständig entspannt.

Was können Eltern und Lehrer tun, um die Schülerinnen und Schüler in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen?

Wenn wir nach Eltern und Lehrern fragen, dann unterstellen wir, dass diese noch viele Möglichkeiten haben, um Dinge anders und besser zu machen. Es mag teilweise stimmen, dass Eltern noch überlegen können, wie sie ihre Kinder noch besser in dieser Situation unterstützen können. Wie kriegen wir eine gute Tagesstruktur mit einem regelmäßigen Ablauf von Lern- und Freizeit hin? Wie begrenze ich Medienzeiten? Wo kann ich für mein Kind bei Problemen ein offenes Ohr haben? Wie ermögliche ich trotz Kontaktbeschränkungen soziale Kontakte zu anderen Kindern?

Lehrerinnen und Lehrer können versuchen, so viel persönlichen Kontakt wie möglich zu ihren Schülerinnen und Schülern zu halten und häufig digitale Lehre in Form von Videokonferenzen anbieten, wenn Präsenzunterricht nicht möglich ist. Daten zeigen, dass hier leider viel versäumt wurde und oft Kinder von manchen Lehrern nur Arbeitsblätter zugeschickt bekommen haben ohne jeglichen persönlichen Kontakt oder Lernbegleitung. Auf der anderen Seite sind sowohl viele Eltern als auch Lehrer an und über ihre Grenzen gegangen und hatten den Eindruck, dass ihre Situation von der Politik nicht ernst genug genommen wurde. Ein gutes Beispiel ist hier die fehlende technische Ausstattung für das Homeschooling oder sehr rigide Regelungen für die Notbetreuung, die sich nicht an der psychischen Gesundheit von Kindern und Eltern orientiert hat, sondern allein am ausgeübten Beruf. Wir hatten uns bereits 2020 von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie gemeinsam mit dem Deutschen Kinderschutzbund an die Landesregierungen gewandt und auf die dringende Notwendigkeit der Öffnung der Notbetreuung für psychisch kranke Kinder hingewiesen.

Sehen Sie Unterschiede zum ersten Lockdown im vergangenen Jahr?

Im Vergleich zum ersten Lockdown im Frühjahr 2020 ist im Winter einiges besser geregelt worden. So steht die Öffnung von Schulen und Kitas weiter oben auf der Prioritätenliste, und es wurden mehr Kinderkrankheitstage ermöglicht. Auch die Regelungen der Notbetreuung wurde in vielen Bundesländern für belastete Familien geöffnet, leider allerdings nicht in Sachsen. Viele Familien berichten, dass sie sich von der Politik allein gelassen gefühlt haben. Aus meiner Sicht hat es jetzt oberste Priorität, Modelle zu entwickeln, dass Kinder zumindest anteilig und zuverlässig die Bildungseinrichtungen besuchen können und auch Freizeitangebote mit guten Hygienekonzepten und einer Corona-Test-Strategie geöffnet werden. Wir müssen uns klar machen, dass besonders im Kindesalter versäumte Entwicklungsschritte nicht oder nur schlecht nachgeholt werden können. Eine besonders große Sorge machen mir weiterhin Kinder aus sozial benachteiligten Familien. Für diese Familien müssen in Zukunft Angebote gemacht werden, um das Versäumte möglichst gut wieder aufzuholen.

Sie und Ihre Kollegen haben gerade eine Studie zur Situation von Kindern und Jugendlichen mit Angststörungen in der Corona-Krise gestartet. Was haben Sie vor?

Ja, wir haben kürzlich mit einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Studie zu Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen gemeinsam mit der Universität Freiburg begonnen. In diesem Projekt untersuchen wir, welche Prozesse Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 15 Jahren aufrechterhalten, insbesondere neurobiologische Faktoren. Insgesamt wollen wir 200 Kinder untersuchen. Auch wenn Angststörungen zu den häufigsten psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen gehören, wissen wir noch zu wenig, wie diese Störungen bei Kindern entstehen und aufrechterhalten werden. Nur wenn wir diese Lücken schließen, können wir Angststörungen auch gut behandeln. Neben der intensiven Befragung von Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern messen wir beispielsweise, wie Kinder mit Angststörungen soziale Situationen wahrnehmen und wie sie mit ihren Gefühlen umgehen.

Das Projekt steht nicht in direktem Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, auch wenn wir – wie bereits erwähnt – feststellen, dass Ängste bei Kindern deutlich zugenommen haben. Für Kinder und Jugendliche mit Angststörungen kann es nach der langen Zeit der Schulschließungen jetzt besonders schwer sein, wieder am Präsenzunterricht teilzunehmen, da Angstsituationen in der Schule durch die Schulschließungen lange vermieden wurden und sich die damit verbundenen Ängste stabilisiert haben.

Können die Schülerinnen und Schüler mit einer Angststörung überhaupt noch am Präsenzunterricht teilnehmen?

Angststörungen können sich sehr unterschiedlich bei Kindern und Jugendlichen äußern. Die große Mehrzahl von Kindern, die unter Angststörungen leiden, können noch die Schule besuchen, auch wenn Schulsituationen oft angstbesetzt sind: Wie sich melden in der Klasse, Trennung von den Eltern oder Konfliktsituationen mit anderen Kindern. Es gibt aber auch Fälle, in denen Ängste sich so stark ausbilden, dass betroffene Kinder und Jugendliche es nicht mehr schaffen, in die Schule zu gehen.

(Interview: Susann Huster)

Fast jedes dritte Kind zeigt in der Corona-Pandemie psychische Auffälligkeiten

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48 KOMMENTARE

  1. Das macht mich sehr betroffen und ich hoffe für jedes einzelne Kind, dass ihm geholfen werden kann!

    „Lehrerinnen und Lehrer können versuchen, so viel persönlichen Kontakt wie möglich zu ihren Schülerinnen und Schülern zu halten und häufig digitale Lehre in Form von Videokonferenzen anbieten, wenn Präsenzunterricht nicht möglich ist. Daten zeigen, dass hier leider viel versäumt wurde und oft Kinder von manchen Lehrern nur Arbeitsblätter zugeschickt bekommen haben ohne jeglichen persönlichen Kontakt oder Lernbegleitung.“

    Lehrer*innen können den Mangel an sozialem Austausch nicht alleine kompensieren. Was vor der Pandemie schon in der Kritik stand und nicht nachgebessert wurde, fällt jetzt den schwächsten in unserer Gesellschaft auf die Füße:

    – Konzentration der Kinderbetreuung zentral auf Schule und Kita mit Fokus auf Quantität anstatt Qualität

    – rudimentäre Öffnungsstrukturen

    – Vernachlässigung der digitalen Transformation (Glasfasernetze für stabiles W-LAN, durchgängige Lehrer*innenfortbildung, Abbau von Hierarchie- und Funktionsbarieren, bundesweite Plattform für sichere und kostenlose Software, fest installierte IT-Administratoren an jeder Schule, unproblematische Anschaffung von mobilen Endgeräten für alle Schüler*innen und Lehrer*innen)

    – Fokussierung auf Standards und Kompetenzen ohne ganzheitlich den sozialen Kontext zu berücksichtigen

    – Vernachlässigung Professionalisierung der Lehrkräfte (z. B. Digitales Lernen und Lehren an Hochschulen)

    – Konzeptwahn ohne ausreichende zu Evaluierung (Fehler- und Feedbackkultur)

    – Förderung von sozialem Miteinander auf allen Ebenen: Politik, Wirtschaft, gesamte Erwachsenengesellschaft (Vorbilder!)

    – nachhaltiges Haushalten im Bildungs- und Sozialbereich durch feste und ausreichend dotierte Stellen und Projekte, die an den Bedürfnissen der Kinder ansetzen

    – stabile Strukturen in der Lebenswelt der Kinder durch Bildung und Wirtschaft, die Halt geben, anstatt ein Wechselbad aus von Erwachsenen produzierten (verpassten) Möglichkeiten und unrealistischen Zukunftsvisionen

    Wenn diese Defizite rechtzeitig aufgearbeitet worden wären, hätten alle Kinder vielleicht Ressourcen gehabt, um diese Krise seelisch einigermaßen zu überstehen. Wenn aber jahrelang am Limit und teilweise an den Kindern vorbei gewirtschaftet und gelebt wird, sollte sich unsere Gesellschaft jetzt nicht nur wundern, sondern mit einem gewissenhaften Strich unter die alten Verhältnisse Zuversicht bei Eltern und Kindern generieren! Ich hoffe, die Einsicht kommt!

  2. Viele Lehrer und Erzieher sind auch Eltern.Daran wird auch selten gedacht. Sie dürfen sich also doppelt kümmern und sind völlig ausgebrannt.Sind aber soziale Menschen und helfen daher gerne anderen und opfern sich bis zum umfallen.Das wird leider auch nicht gesehen bzw leider ausgenutzt.Vielleicht sollten fordernte Eltern das auch mal ein wenig bedenken, bevor sie immer nur meckern. Das Virus hat es in der heutigen Zeit so einfach dank der egoistischen Ellenbogengesellschaft.Keiner will auf irgendetwas mehr verzichten. Gibt doch für alles Personal, damit man bloß nix selbst machen muss.Ist ja schließlich anstrengend. Die Erzieher sollen gefälligst die Kinder betreuen und mit ihnen spielen(dafür sind sie schließlich da).Und die Lehrer sollen den Kindern etwas beibringen (sie sollen ja wenn dann auch nicht dumm sterben).Vielleicht sollte der eine oder andere mal nachdenken, warum er/sie Kinder bekommen hat!!!!!

    • Hmmm…also sind Ihrer Meinung nach Erzieher und Lehrer völlig überflüssig und die braucht man nicht, um Kindern etwas beizubringen? Können doch alles die Eltern nebenbei machen? Oder wie soll ich diesen blödsinnigen Kommentar verstehen?

      • Erzieher und Lehrer sind selbstverständlich wichtig!!! Ihre Arbeit sollte aber auch wertgeschätzt werden!!!!!!!Und in einer Pandemie steht Gesundheit vor Bildung.Das lass ich jetzt mal als Antwort so stehen.

      • Als Mensch verstehe ich den Kommentar so: Eine Mutter, vermutlich Pädagogin, die das letzte Jahr ohne Infektionsschutz gearbeitet hat, während des Lockdowns, aufgrund des homeshoolings keine Kinderbetreuungstage zur Bereuung der eigenen Kinder nehmen konnte, fragt sich, warum Eltern die Situation, in der viele Lehrer und Erzieher stecken, nicht berücksichtigen können oder wollen. Außerdem gibt sie zu bedenken, dass die Viren vermutlich weniger Übertragungsmöglichkeiten hätten, wenn wir alle mehr aufeinander aufpassen würden.
        Ich hoffe, meine Kurzerklärung ermöglicht Ihnen ein etwas besseres Verständnis…

      • @Betroffene
        …danke, so sehe ich das auch. Es word vergessen, das wir auch eine Familie haben. Das wir unsere eigenen Kindee zuhause lassen und nach Arbeit Himeschooling mschen und das seit einem Jahr. Interessant aber weder die KMs noch die Eltern. Hauptsache Kind ist betreut und man hat wieder Freizeit. Klsr gibt es Eltern, wo beide Vollzeit arbeiten und es tum Überleben nicht anders geht, aber dort wo es nicht der Fall ist, würde ich mir mehr Entlastung fürs Personal wünschen. Einfach die Kinder eher holen oder auch mal am freien Tag selbst zuhause betreuen. Das würde schon entlasten.

        Private Zeit für mich kenne ich seit Jahren nicht.

    • Danke! Ich finde die Begriffe „die Eltern“ und „die LehrerInnen“ so einseitig. Viele Lehrer sind auch Eltern. Ich habe neben dem Distanzunterricht auch meine Kinder noch irgendwie betreut (aber definitiv nicht beschult, das ist die Aufgabe deren Lehrer). Am Vormittag musste ich sie eigentlich fast nur sich selbst überlassen, da ich ja meist Videounterricht hatte. Das hat manchmal wirklich an meinem Gewissen genagt. Am Nachmittag konnte ich mal klären, ob noch etwas offen ist, etwas hochgeladen werden muss, etwas nicht verstanden wurde etc. bevor ich wieder meinen Unterricht vorbereitet habe. Ich habe immer den Eindruck, das wird von den meisten überhaupt nicht gesehen (auch nicht vom eigenen Arbeitgeber). Wenn „die Eltern“ meiner Schüler sich mal beschwert haben, habe ich gesagt: Ich kenne das, ich habe selbst Kinder zu Hause und das gleiche Problem.
      Ich bin nur froh, dass ich keine Kita-Kinder mehr habe, das stelle ich mir noch schwerer vor.

  3. Frankreich beeindruckt mich sehr und ich bewundere das Land, weil dort Kinder und Schulen und Lehrer eine Bedeutung haben. Frankreich hat erkannt dass man sich bei Corona auf die Erwachsenen fokusieren muss. Die Todesfälle sinken in Frankreich weiterhin deutlich. Der zuletzt leichte Anstieg der Infektionszahlen hat nichts mit den Schulen zu tun, da sich bei den Schulen ja nichts geändert hat, diese waren und sind seit September geöffnet.
    https://www.spiegel.de/politik/ausland/frankreich-trotz-corona-sind-schulen-durchgehend-geoeffnet-a-07a64379-daf1-4de8-b971-4ebf8ec1f31c

  4. Das frage ich mich auch! Warum haben manche Leute Kinder bekommen?
    Jetzt in einer Pandemie, wo es anstrengend wird, auf den letzten Metern einfach alles laufen lassen und und sich die Kinder weg wünschen, das kommt für mich überhaupt nicht infrage.
    Meine Kinder sind das wertvollste und wichtigste was ich habe und sie werde ich mit aller Macht beschützen und nicht einem gefährlichen Virus zum Fraß vorwerfen.
    Gerne können das alle andern tun, aber ich möchte dazu nicht durch unsere Kultusministerium gezwungen werden.

    • Niemand wünscht sich seine Kinder weg. Was ist denn das für eine dumme Meinung?
      Ich kann ihnen mal erklären, wir das läuft.
      Wir haben 3 Kinder. Mein Mann ist Handwerker. Sein Chef besteht auf seine Anwesenheit.
      Ich arbeite im Büro. Mein Chef hat mir Home-Office ermöglicht. Nervt mich aber ständig, ob ich nicht wenigstens für 2 Tage die Woche ins Büro kommen kann. Also jonglieren wir und bringen unsere Kinder zu Großeltern und teilen uns die Betreuung mit anderen Eltern.
      Seit die Schulen und Kitas wieder auf sind, erwartet mein AG, das ich wieder im Büro sitze. Selbstverständlich sorgt er für meine Sicherheit und gibt mir kostenlose Masken.
      Nun bin ich gezwungen, meine Kinder in die Schule und Kita „abzuschieben“, wie es hier genannt wird.
      Meine Kinder sehnen sich auch danach, ihre Freunde zu sehen und wieder mehr Struktur zu haben, die ich ihnen nicht geben kann, wenn ich irgendwie versuchen muss nebenbei 6 Stunden zu arbeiten. Ich muss für sie kochen, aufräumen, mit ihnen spielen, lernen und arbeiten. Ich muss 3 Dinge gleichzeitig tun und werde niemandem mehr gerecht.
      Unsere Kinder nehmen jedes für sich die Situation anders auf.
      Die Mittlere tut sich sehr schwer und braucht immer Zeit, um sich in die aktuelle Situation reinzufinden. Sie reagiert oft mit Wut. Der Kleine findet es toll zu Hause und will nicht mehr in die Kita. Freunde Treffen möchte er aber trotzdem und versteht nicht, wenn wir es nicht erlauben. Also erlauben wir einen ausgewählten Kreis, der Psyche unserer Kinder wegen. Die Große ist in der Pupertät und ist permanent in einer Lebenskrise und will raus und auch mit Freunden treffen. Raten Sie mal, wer da der Böse ist…. Ja wir Eltern, die ihr erklären müssen, dass sie sich nicht mit all ihren Freunden treffen kann. Da knallen schon gelegentlich Türen und man wird als gemein beschimpft.
      Während des ersten Lockdowns ist die Oma gestorben. Unerwartet. Kinder und wir haben sie vorher 3 Wochen nicht mehr gesehen. Das war schlimm.
      Ich verstehe jeden Lehrer, der sich gerade vorgeführt fühlt. Aber ich bitte darum, daß aufgehört wird damit, Eltern so darzustellen als haben sie nur keine Lust sich um ihre Kinder zu kümmern. Das ist einfach nicht wahr!!!!!!! Lehrer müssen ihre Kinder in die Notbetreuung, um sich um die Kinder von Eltern zu kümmern, die ihre Kinder gerne haben, aber durch ihre eigene Arbeit dazu gezwungen sind, ihre Kinder „abzuschieben“. Oder „schieben“ die Lehrer ihre Kinder also auch ab, weil sie keinen Bock haben sich zu kümmern? Sicher genauso wenig, wie andere Eltern.
      Und all die Geschichten von den Supereltern, die diese Situation mit links wuppen und seit 2 Monaten glücklich mit ihren Kindern durch Deutschlands Wälder streifen, glaube ich schlichtweg nicht.

    • Ich finde das echt unfair! Wenn man in die Familienplanung geht und ein Lebensmodell für die eigene Familie entwirft, plant man doch nicht mit ein, wie man das alles macht, wenn eine Pandemie kommt!? Haben Sie das gemacht? Und sich dann extra auch einen Job gesucht, den man während der Lockdowns (mehr oder weniger) gut im Home Office mit der Betreuung der Kinder vereinbaren kann?
      Nicht jeder hat ein Lebensmodell, wo das gut funktioniert, wenn die Kinder plötzlich 24/7 zu Hause sind. Es gibt ja eine Schulpflicht (normalerweise gekoppelt mit Präsenzpflicht), von der man ausgeht, und dass man dann seinem Job nachgehen kann, wenn das Kind zur Schule geht.
      Ich habe selbst meine Kinder auch lieber zu Hause, konnte es mir aber quasi „leisten“, da ich ja selbst zu Hause gearbeitet habe und jetzt, wo ich wieder täglich Unterricht habe und meine Kinder nur alle 2 Tage, ist mein Partner im Home Office. Das ist aber eine ziemlich Luxus-Situation, die nicht jeder hat. Deshalb zu sagen: Wozu haben die ihre Kinder bekommen, wenn sie sich nicht kümmern wollen? – finde ich ziemlich mies.

      • Katinka… Selbstverständlich ist das unfair. Ich hoffe, Sie haben meinen Kommentar nicht auf sich gemünzt. Der war für „Betroffene“ wo einfach Mal behauptet wird, Eltern wollen ihre Kinder anschieben und haben keine Lust sich zu kümmern.
        Homeoffice-modell klingt theoretisch schick. Praktisch gefällt das vielen Arbeitgebern gar nicht.
        Alle sind wir am Limit. Lehrer, Eltern, daß was die Politik sagt klingt schön, aber nur in einer optimal-perfekten Welt.

        • Mein Beitrag war selbstverständlich nicht an die Eltern gerichtet, welche ihre Kinder in die Einrichtungen bringen, während sie Arbeiten müssen. Diese Eltern unterstütze ich sehr sehr gerne. Aber leider kann und muss leider aus der täglichen Praxis berichten, das sehr viele Eltern eben ihre Kinder bringen und sie gehen nicht Arbeiten…dafür fehlt mir leider in der aktuellen Zeit jegliches Verständnis.

  5. Die Beratungstellen sind alle bis zum Anschlag voll und mit einer langen Wartezeit in diesem
    Ausnahmezustand verbunden. Die Schulpolitik hat keine Zusatzstunden geschaffen, dass die Kinder
    und Jugendlichen im Ihrem vertrauten Umfeld mit Ihren Lehrer/in die Pandemie und Ihre
    Auswirkungen aufarbeiten können. Man spricht immer von benachteiligten Kindern und dieser
    Lockdown hat alle Schichten getroffen. Die Pandemie hat jede soziale Schicht getroffen und
    die Auswirkungen werden erst richtig ersichtlich, wenn der Regelbetrieb an den Schulen beginnt. Jegliche Entwicklungschritte und persönliche Entfaltung sind für die Kinder und
    Jugend in der Gemeinschaft lahm gelegt worden. Grundlegende Erfahrungen konnten in dieser
    schwierigen Phase nicht erprobt, ausgelebt und gesammelt werden. Jeder verscucht zu
    schwimmen mit seiner Familie und man sieht kein Ufer wie lange wir noch das Durchhaltevermögen über dem Wasser aushalten müssen. Wenn wir das Ufer erreicht haben
    liegen viele flach vor Erschöpfung und jede soziale Schicht ist davon betroffen. Die Schulpolitik hat kein tragbares Gerüst für die Familien aufgebaut, sondern einen Plan verfolgt der nicht zum realistischen Leben der Familien gepasst hat.

    • „Jegliche Entwicklungschritte und persönliche Entfaltung sind für die Kinder und
      Jugend in der Gemeinschaft lahm gelegt worden.“
      Wie kommen Sie zu der Aussage?
      Natürlich sind Schulen u Vereine ein Zeit lang weggefallen… Aber wieso sollten Entwicklung u Entfaltung nur dort statt finden?
      Diese passiert in der Familie o mit einzelnen Freunden…
      Meinen Kinder scheint es sehr gut zu gehen. Sie sind kitafrei. Wir halten uns an die Regeln, treffen mehrfach die Woche befreundete Familien zum Spielen draussen o die Nachbarjungs… Klar, sie haben sich gefreut, dass die Bibliothek wieder aufmacht u sind vorher sehr gern zum Sport gegangen, aber sie entwickeln u entfalten sich grad sehr frei u selbstbestimmt.

      • @vib: Schön, dass es bei Ihnen so gut klappt. Dann können Ihre Kinder ja noch einen jahrelangen Lockdown ohne Auswirkungen überstehen. Bravo. Das hat allerdings überhaupt keinen Aussagewert für andere Kinder und Familien. Zudem muss man sagen, dass ihre häufigen und regelmäßigen Treffen mit anderen Familien auch zum Infektionsgeschehen beitragen. Die Sorge vor Corona scheint also nicht allzu groß zu sein.

        • Ich habe nie behauptet, dass unsere Situation auf alle übertragbar ist!
          Ich habe nur das Gefühl, dass die gegenteilige Situation (Kinder bekommen Schäden im Homeschooling etc) oft verallgemeinert wird und wollte gern beitragen, dass es durchaus Gegenbeispiele gibt.
          Es ist momentan erlaubt, sich mit einem zweiten Hausstand zu treffen und wenn wir jede Woche die selben 2-3Spielpartner draussen treffen, denke ich, dass weniger Infektionsrisiko besteht, als wenn beide Kinder in ihrer Kitagruppe jeder 20 Kindern + 2 Erzieher in Innenräumen täglich treffen. Oder seh ich das falsch?

          • Nein, das sehen sie richtig. Draussen und mit Abstand, warum nicht. Dazu immer feste gleiche Spielpartner, ideal. Hier bei uns mischte sich fast die ganze Nachbarschaft, das habe ich schon problematischer gesehen. Und unsere Kinder da dann rausgehalten. Zum Glück haben sie es verstanden.

  6. Es gibt eine Gruppe, die (ebenfalls) vom Staat finanziell im Stich gelassen wird und sicherlich Lehrer und Eltern unterstützen könnte, wenn man sie denn fragen und finanziell unterstützen würde… macht man aber nicht.

  7. Was nützen mehr Kind-krank Tage wenn Kinder über 12 Jahre keinen Anspruch haben? Eltern dieser Kinder müssen sehen wie sie klarkommen. Kinder in diesem Alter brauchen ebenfalls Betreuung und Unterstützung aber wen interessiert es, Hauptsache sie arbeiten ihre Aufgaben rechtzeitig ab… Überforderung durch Homeschooling und Selbstorganisation, wenn es die Erwachsenen schon nicht auf die Reihe bekommen egal …. Bin ja auch selbst schuld wenn ich als Frau Vollzeit arbeiten gehe und mich nicht Vollzeit um die Kinder kümmere…Schade das die Politik noch immer nicht in der reale Welt und Familiensituation angekommen ist, wir reden von Gendergab und vergessen die wesentlichen Punkte: Kinder brauchen Unterstützung!

    • Sorry, bin Lehrerin und kann mich auch nicht um meine Kinder kümmern, bin gerade selbst im Unterricht, wenn meine Kinder Schule haben. Hat mir meine Tochter schon vorgeworfen. Du hast keine Zeit. Lehrer sind auch Eltern und nicht nur für die Kinder fremder Leute zuständig. Machen wir trotzdem. Empathie und Nicht-Lehrergebashe wäre schön.

  8. Bei mir als Lehrer ist es weniger die Erschöpfung. Stress bin ich gewöhnt. Ich habe nie was geschenkt bekommen.
    Ich bin aber nicht als Lehrer zur Welt gekommen. Ich kam als Arbeiterkind in einem sozialen Brennpunkt zur Welt. Ich habe also einen gesunden Instinkt für Gefahrensituationen.
    In einer Pandemie sagt mir jede Faser meines Körpers, sei vorsichtig und pass auch auf deine Familie auf.
    Jetzt zwingt mich das Ministerium alle Vorsicht, wieder jegliche Vernunft über Bord zu werfen.
    Wozu?
    Für politische Überlegungen und Ziele. Um das Versagen des Ministeriums zu kaschieren.
    Sinn macht die Schulöffnung vor Ostern nicht. Das kann man drehen wie man will. Geteilter Unterricht ohne die technischen Mittel die zweite Hälfte aus dem Unterricht einzubinden sind 50%.
    Distanzunterricht schafft mindestens 70% des Stoffs.
    Einziger Nutzen, man kann in der Presse melden “ Die Schüler sind wieder in der Schule“.
    Ich schäme mich nicht das zu sagen, ich habe Angst.
    Angst um meine Familie.
    Angst um mich.
    Angst vor dem nächsten Lock-Down bis zum Sommer.

    • Schattenläufer,
      diese Angst ist mehr als berechtigt. Unsere Kinder setzen Schule bis zum Ende der Pandemie aus, manche halten uns deshalb für übervorsichtig, aber der Instinkt war richtig. Die dritte Welle wird ungebremst auf eine nur marginal geimpfte Bevölkerung treffen.
      Die Familie und das eigene Leben sind bedingungslos zu schützen.

  9. Angst kann sinnvoll oder hinderlich sein. In diesem Fall ist es sinnvoll und dient dem Selbstschutz, was ein Instinkt ist. Leider tut die heutige Gesellschaft Angst eher als Schwäche ab. Mir wurde auch schon von oben herab gewünscht, mehr Vertrauen zu haben. Außerdem hätten wir eh keinen Einfluss auf das Geschehen, wäre halt Schicksal. Vielleicht glauben die Kultusminister auch daran oder an die gottgewollte Position in der sie sich befinden. Plexiglaswände und Luftfilter gehören für sie natürlich selbstverständlich dazu.

    Und Angst ist erschöpfend. Den mangelnden Schutz, bei gleichzeitigem hohen Druck seitens des Diensherren, der sich als Leistungsdruck auf die Kinder und Jugendlichen auswirkt, sollte vielleicht etwas stärker in den Fokus genommen werden. Hierauf könnten die Kultusministerien Einfluss nehmen, indem der Notendruck in dieser Zeit etwas rausgenommen wird. Das macht vielen Kindern und Jugendlichen Sorge und Angst.

    Ebenfalls frage ich mich, ob die Kultusminister wirklich denken, dass das Infektionsgeschehen, als belanglos, an allen Schülern vorbeigeht? Aber solange sie denken, dass das Ziel der Bildung lediglich die Reproduktionsfähikeit vorgegebener Inhalte ist, welches selbständiges Denken ausschließt, werden sie weiter so agieren, ohne Rücksicht auf die gesundheitlichen Sorgen der Kinder, Jugendlichen, Erzieher, Lehrer und sonstiger im Bildungsbereich tätiger und beteiligter Personen.

    • @Echt

      „Aber solange sie denken, dass das Ziel der Bildung lediglich die Reproduktionsfähikeit vorgegebener Inhalte ist, welches selbständiges Denken ausschließt,“

      solange werden sie sogar ihren eigenen Schwachsinn in Endlosschleife reproduzieren.
      (Ich könnte mir vorstellen, dass denen das noch gar nicht aufgefallen ist.)

  10. Ich denke nicht, dass hier die permanennnte Schulöffnung eine Lösung gewesen wäre. Man daef nicht vergessen, wie die Bedingungen an Schulen sind. Masken, Abstand, jeder andere Mensch ist eine potentielle Gefahr, das hätte nicht viel geändert.

    Was aber vermutlich einiges geändert hätte, wäre gewesen, wenn man regelmäßigen normalen Kontakte der Kinder zu anderen Kindern zugelassen hätte. Es hätten sich Kleingruppen gebildet, die sich immer wieder getroffen hätten, aber sich oft nicht ausserhalb der Gruppen getroffen hätten. Feste Gruppen mit vier bis fünf Kindern und Jugendlichen, das hätte allen gut getan und hätte auch die Betreuungssituatio entlastet, weil man sein Kind in der Arbeitszeit bei anderen hätte abgeben können.
    Im Falle eines Coronaausbruchs wäre die Verbreitung des Virus vermutlich vernachlässigbar gewesen, da hier lediglich vier bis fünf mögliche Familien in Gefahr gewesen wären. Das hätte für uns deutlich wichtiger sein müssen, als Hochzeiten o.ä. Zu ermöglichen!!!

    • All das Dilemma hätte man vermeiden können, hätte man den Sommer genutzt. Belüftungssysteme, Ausarbeitung eines Konzepts für alle Schulen. Etc.
      Hier bei uns ist ja noch nicht mal flächendeckend das Netz ausgebaut. Online Unterricht geht hier Null.
      Deutschland als eines der reichsten länger der Welt, zeigt jetzt, wo es wirklich steht. Das ganze marode System tritt jetzt zum Vorschein. Bürokratie sticht Gesundheit.

      Wir machen Schulen zu, auf, zu, auf. Jeder Restaurantbetreiber würde sich darüber freuen. Aber der darf ja nicht.
      Stattdessen verunsichern wir die Kinder. Setzen sie in volle Klassen mit Masken im Gesicht, die nach ner Viertelstunde ihre Wirkung sowieso verloren haben.

  11. Nicht nur Einsamkeit belastet die Kinder. Sie haben auch Angst vor Ansteckung und nehmen deutlich wahr, dass die Sicherheit in allen anderen Berufsgruppen wesentlich größer geschrieben wird, als im Bereich Schule. Nun noch die Zusatzgefahr der Testsituationen: an Schule einfach so als ungeschützter Vorgang im Klassenraum mit allen Teilnehmern in einem Raum, an den Testzentren hingegen unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen wie Vollschutz, Einzel-Testung usw. Die Aussage dahinter macht auch etwas mit den Kindern: wir sind nicht so viel Wert wie die Erwachsenen.

  12. Ich bin froh, für meine Kinder da sein zu können. Schulisches auffangen, kann ich eh kaum, aber ich kann da sein. Ansprechpartner sein. Seelentröster. Sollte es in Familien nicht so sein? Gilt aber als altmodisch und ist nicht „hip“. Unsere Kinder sind Wunschkinder und es war immer klar, statt Doppelgehalt schrauben wir Ansprüche gegen Zeit herunter. Kein höher, schneller, weiter mit den Nachbarn um Autos und Fernseher. Hier sind alle entspannt, lachen viel. In der Gesellschaft ist das nicht vorgesehen als Lebensmodell, man wird nach unten auf der sozialen Leiter durchgereicht, aber lebt gefestigt und entschleunigt. Angst? Mein Jüngster mit 13 meinte letztens nur, wie, Bericht in der Tagesschau über steigende Inzidenzen und im nächsten Satz kommt, sie öffnen die Schulen? Ich habe ihn beruhigt, zumindest können sie mit der halben Klasse und 11 Schülern nun Abstand halten. Am Distanzunterricht schätzten sie die Ruhe. Sogar ich wurde aus dem Zimmer gePst!et. Endlich keine nervigen StörerInnen. Keine MobberInnen. Druck wird noch entstehen. Gerade der Unterricht in den Fremdsprachen hat gelitten. Bei unserer Entscheidung gegen Doppelarbeit bei drei Kindern ging es auch um den Gedanken, was ist, wenn mal etwas passiert. Was auch immer. Eine Pandemie hatten wir auch nicht erwartet.

    • Wir haben Ihren Lebensentwurf auch realisiert und bis heute – wir sind inzwischen im Ruhestand – niemals bereut. Ich bin mir sicher, dass sie immer gute Beziehungen zu Ihren Kindern haben werden. Gerade die Dinge, die einem im Leben viel geben, kann man sich nicht mit einem zweiten Gehalt kaufen.

  13. Vielleicht können wir uns langsam die Frage stellen, wieso wir auch schon vor der Corona Krise so viele psychisch kranke Kinder hatten, und wieso ein Zeitraum von einem Jahr Krise ausreicht, Kinder krank zu machen. Wo ist unsere Stabilität verloren gegangen? Warum sind wir, obwohl es uns materiell so gut geht, psychisch und seelisch so krank (sind ja nicht nur die Kinder..). Ich meine ja, dass die Grundhaltung des Schulsystems (und unserer Gesellschaft) krank ist: der Mensch als Objekt und Leistungserbringer, Konkurrenz und Wettbewerb, Leistung messen schon für Kinder. Für mich ist das kein Wunder, dass Kinder da krank werden. Aber nicht durch Corona, Corona macht nur sichtbar und verstärkt, was vorher schon war.

    • Da stimme ich ihnen uneingeschränkt zu.
      Corona fördert so einige Missstände zutage.
      Kinder erleben ja schon im Kindergarten Leistungsdruck und werden sofort in irgendeine Schublade geschoben, sobald sie nicht ins zeitliche Entwicklungsfenster passen.

    • Ja, materiell geht es vielen gut, aber Geld ist nicht alles. Meiner Erfahrung nach ist es für Kinder das schönste, wenn man ihnen Zeit schenkt (Zoobesuch, Abenteuerwanderung …).
      Auch ist die freie Zeit der Kinder zu voll gepackt. Hier ein Beispiel aus unserer Nachbarschaft. Die Tochter im Grundschulalter spielt Geige, spielt Tennis und singt im Kinderchor der Oper. Ich habe nichts gegen diese Art von Beschäftigungen, aber all dies mit An- und Abfahrtswegen in einer Großstadt zu bewältigen ist zeitlich zu viel. Eine dieser Aktivitäten könnte auch reichen.
      Die Hausaufgaben werden von dem Mädschen oft noch nach dem Abendessen erledigt.
      Von dem Kind wird erwartet, dass es nur Einsen aus der Schule nach Hause bringt, Zweien werden nicht für gut befunden.
      Ich muss sicher nicht mehr weiterschreiben, jeder weiß, was ich meine. Dass solche ständig unter Leistungs- und Zeitdruck stehenden Kinder psychische Probleme bekommen, wundert mich nicht.
      Kinder brauchen auch Zeit zur Entspannung. Ja, mitunter tut auch etwas Langeweile gut. So manches Kinder-/Jugendzimmer wurde in diesem Zusammenhang schon aufgeräumt.
      Eine Beschäftigung der Kinder nach ihrem Tempo dürfte sich auch in Pandemiezeiten förderlich für
      Gesundheit auswirken.

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