Rechtsanspruch auf Ganztag für Grundschüler kommt – VBE: Personal fehlt

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BERLIN. Das Kabinett der Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf für einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler beschlossen. Das Vorhaben hatten Union und SPD im Koalitionsvertrag verabredet. Kinder, die ab dem Schuljahr 2026/2027 eingeschult werden, sollen nach den Plänen von Bundesfamilien- und Bundesbildungsministerium in den ersten vier Schuljahren einen Anspruch auf ganztägige Betreuung bekommen – für mindestens acht Stunden an Wochentagen und auch in den Ferien. Der VBE sieht ein grundsätzliches Problem.

An Grundschulen ist die Heterogenität der Lerngruppen naturgemäß groß. Foto: Shutterstock
Für Grundschüler gibt es künftig einen rechtlich verbindlichen Ganztagsplatz – theoretisch jedenfalls. Foto: Shutterstock

Ursprünglich war der Start schon ein Jahr früher vorgesehen. Wegen Kritik aus den Ländern soll es nun aber mehr Zeit für den Ausbau geben, wie die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch aus Regierungskreisen erfuhr. Die Länder hatten auch eine stärkere finanzielle Beteiligung des Bundes an den laufenden Betriebskosten für die Ganztagsplätze gefordert. Auch hier gibt es den Angaben zufolge ein Entgegenkommen. Für das Vorhaben ist eine Zustimmung der Länder im Bundesrat nötig.

„Der Bedarf an Plätzen für die Ganztagsbildung ist deutlich größer als momentan angeboten werden kann. Doch Geld allein macht nicht glücklich – und schafft keine Plätze, wenn doch das Personal hinten und vorne fehlt“, sagt Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE). „In Zeiten des Lehrkräftemangels hätten letztes Jahr all diejenigen Lehrkräfte gewonnen werden müssen, die ab 2026 zusätzlich in den Schulen arbeiten sollen. Und auch Erzieherinnen und Erzieher müssen in den nächsten fünf Jahren zu Tausenden ausgebildet werden, um den Rechtsanspruch einlösen zu können. Es ist daher dringend geboten, alle Vorhaben unter den Vorbehalt einer Personalgewinnungskampagne zu stellen, welche darauf ausgerichtet sein muss, die Ausbildung in pädagogischen Berufen, das Studium auf Lehramt sowie die Berufsausübung in einer pädagogischen Einrichtung attraktiver zu gestalten. Ganztag kann nur mit qualitativ hochwertig ausgebildetem Personal gelingen.“

Mit Blick auf die aktuelle Situation betont Beckmann: „In Zeiten von überbordenden Aufgaben für Schulleitungen und dem immensen Personalmangel in den Kommunen zeigt sich schon beim DigitalPakt, wie schwierig sich die Abrufung der Gelder gestaltet. Dies ist auch bei der Vergabe der Investitionen zur Verwirklichung des Ganztagsbildungsanspruchs zu erwarten. In Anbetracht der aktuellen Situation der Corona-Pandemie und damit in Zusammenhang stehenden Maßnahmen, die Schulen in ganz besonderer Weise betreffen, wird mit dieser Fördermöglichkeit eine weitere Aufgabe für Schulleitungen geschaffen. Unter den gegebenen Umständen sind in den Ländern niedrigschwellige Prozesse aufzustellen, um den Verwaltungsaufwand für die an der Schule mit dem Thema Befassten zu gering wie möglich zu halten.“ News4teachers

Der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz kommt – aber: Wie viel pädagogische Qualität steckt dann noch im Ganztag?

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32 KOMMENTARE

  1. Was für ein Blödsinn! Ganztagsbetreuung soll den Freizeitbereich unter Aufsicht stellen und bei den Hausaufgaben helfen. Dafür braucht man keine Erzieherausbildung und erst recht kein Staatsexamen. Und das bisschen Förderunterricht was da noch läuft, das haben wir Lehrer bisher schon selbst aufgefangen, das kann aber auch jeder Student.
    Die sollen lieber mal in die Pötte kommen. Wir reden hier über eine Gesetzesvorlage für die übernächste Legislaturperiode. Die Kinder, die endlich von einem solchen Rechtsanspruch profitieren könnten, wenn(!) alles klappt, die gehen jetzt noch nichtmal in den Kindergarten. Seit ungefähr zehn Jahren gibt es den Ganztag und jetzt soll es immer noch fünf Jahre dauern, bis endlich jeder den nutzen kann, der das möchte? Das ist doch ein schlechter Witz!

    • Ich selber bin im Ganztag tätig und finde diesen Blick auf die tatsächlich zu leistende pädagogische Arbeit unverschämt! Genauso unverschämt ist auch die Bezahlung! Da jeder fertig studierte/ ausgebildete Sozialarbeiter, Heilpädagoge oder Erzieher sich zweimal überlegt, ob er nicht doch „etwas Besseres“ findet. Aber genau in diesem Punkt muss sich etwas ändern, um die Qualität der Arbeit sicher zu stellen und die Arbeit im Ganztag attraktiv zu machen.

      • Ich selbst bin auch „im Ganztag tätig“, aber eben für den sehr geringen Anteil der dort zu leistenden Arbeit, die tatsächlich „pädagogisch“ ist. Mindestens 70% werden bei uns doch jetzt schon von Studenten und Aushilfen geleistet, weil man für AGs wie „Fußball“, „Trampolin“, „Basteln“ oder „Ruhreraum“ bestenfalls einen Trainerschein braucht, aber kein abgeschlossenes Studium oder eine vierjährige Ausbildung.
        Mag sein, dass die Bezahlung für diese Teilzeitarbeit mies ist, aber gerade dann finde ich es scheinheilig, wenn die Länder lamentieren, sie bräuchten jetzt ein halbes Jahrzehnt um für jede Grundschule eine Handvoll Personal zu finden. Dann sollen sie halt zwei Euro mehr pro Stunde anbieten.

        • Zwei Euro mehr pro Stunde wären immer noch zu wenig. Als ich an Grundschulen noch Kurse gegeben habe, gab es 13 Euro für 45 Minuten und diese Einkünfte waren als „Aufwandsentschädigung“ (bei geringer Stundenzahl) steuerfrei. Erzieherinnen bekamen allerdings nur 10 Euro für die volle Stunde. Nachdem sie dies erfahren haben, beschwerten sie sich – und erreichten nur, dass die Kursleiter ebenfalls nur noch 10 Euro bekommen sollten. Die Schule musste sich wieder nach einigen neuen Kursleitern umsehen.

          Fahrtkostenerstattung gab es weder für fest Angestellte, noch für Honorarkräfte. Vorbereitungszeit wurde auch nicht bezahlt. – Ich hatte damals einen so genannten „Literaturkurs“ (ich nenne es lieber „Leseförderung“) und einen Kurs zur Förderung von Legasthenikern übernommen. Für die Förerung von Legasthenikern war ich nicht ausgebildet, aber weil man mir honorierte Schullesungen angeboten hatte, habe ich geholfen, einen Personalmangel zu beheben.

          Bedenkt man, dass viele Kräfte aus dem offenen Ganztag eine längere Anfahrt für eine nur kurze Arbeitszeit haben, lohnt sich die Arbeit finanziell weniger als eine Putzstelle. Und auf dem Land arbeiten auch Frauen in der OGS, die Angehörige pflegen und eine anständige Entlohnung ihrer Arbeit verdient hätten.

          Auch meiner Meinung nach müssten dringend mehr Fachkräfte in der Ganztagsbetreuung arbeiten. In Universitätsstädten lassen sich meist noch engagierte Studenten finden, die ihre Arbeit gut machen, aber auf dem Land sieht es anders aus. Und auch dort müssen immer mehr Kinder in die Ganztagsbetreuung.

          • Der geringe Stundensatz ist aber vom Land vorgegeben.
            Das Budget wird pro Kopf berechnet und die Schule soll dann sehen, wie sie mit sehr wenig Geld möglichst viele Stunden abdeckt.
            Somit müssen Studierende oder ungelernte Kräfte eingestellt werden, da diese einen geringen Stundensatz haben und mehr Stunden bringen.

            Das nennt das Land dann „Ganztagsschule“,
            das Angebot eines Hortes wäre teurer, also ist die Kommune mit der für sie günstigeren Version zufrieden,
            die Missstände interessieren über Jahre keinen
            und dazu gibt es Forderungen, was „die Schule“ bitte alles leisten soll, schließlich verbringen die Kinder dort ja viel Zeit.

            Fordern Sie doch einfach mal, dass „die Politik“ angemessene Rahmenbedingungen schafft, unter denen mit qualifiziertem Personal Unterricht und Ganztagsbetreuung ermöglicht wird.

            Der Gedanke, den Benachteiligten mit ganztägiger Betreuung zu helfen, passt mit der Umsetzung, mit möglichst geringen Kosten möglichst viele Kinder zu verwahren, nicht zusammen.

    • Das bisschen was Sie als Grundschulleher*In machen, dass können wir Erzieher*innen auch noch locker mitmachen. Von Pädagogik, innovativen Lerninhalten, ganzheitlichen Lernen, Flexibilität, eine ganzheitliche Sicht auf Kinder und ihre Entwicklung ist bei vielen Lehrer*innen leider nichts zu sehen. Ein paar Arbeitsplätze kopieren und zu einem Wochenplan zusammen tackern, bekommen wir auch noch gut hin.

  2. Na, die Wirtschaft wird sich freuen! Dann können die Eltern noch mehr arbeiten, weil sie noch weniger Zeit mit ihren Kindern verbringen können.

    Bei uns ist die Idee einer gebundenen Ganztagsschule vor Jahren gescheitert.
    Grund: Auf die Umfrage reagierten in der Regel nur Eltern, die ihre Kinder nachmittags sehen und abends mit ihnen essen wollten.

    Wenn wir Ganztagsschulen brauchen, um Kinder vor ihren Eltern zu schützen (Corona, Kindeswohlgefährdung, Fettleibigkeit, Depression etc.), dann steht es ganz schön schlecht um die Gesellschaft in unserem Land.

    • Also wir brauchen eine Ganztagsschule, damit meine Frau wenigstens eine halbe Stelle arbeiten kann. Natürlich könnte auch ich entsprechend reduzieren, aber das Thema Gleichberechtigung von Frauen ist ja wohl ohnehin keines, dass sich hier zu diskutieren lohnen würde.
      Das hat übrigens gar nichts mit der Wirtschaft zu tun, oder damit, wie viel Zeit und Liebe wir für unsere Kinder übrig haben. Aber auch hier merke ich schon an Ihrem Stil der Argumentation, dass Sachlichkeit und ein Kontakt zur realen Welt nach 1960 hier keinen Platz haben.

      • „aber das Thema Gleichberechtigung von Frauen ist ja wohl ohnehin keines, dass sich hier zu diskutieren lohnen würde.“
        Weil wir hier alle sowieso der zeitgemäßen Haltung anhängen, dass das selbstverständlich sein sollte oder weil wir hier alles rückwärtsgewandte Ewiggestrige sind, bei denen eine Diskussion darum nicht lohnt??
        Man kann Ihre Formulierung so oder so verstehen.

        • Das kann man wohl. Angesichts des Ausgangskommentars von „Riesenzwerg“ scheint es mir aber offensichtlich, dass zeitgemäßes und demokratisches Denken als gemeinsame Diskussionsbasis hier ausgeschlossen werden kann. Dass es heute immer noch Menschen gibt, die die katholische Dorfgemeinschaft als einzig akzeptable Umgebung zum Großziehen von Kindern ansehen und offenbar der Meinung sind, dass in den USA, Frankreich, Skandinavien und Ostdeutschland überall nur verwahrloste und ungeliebte Kinder leben und jeder Mensch unter dem deutschen Einkommensdurchschnitt besser gar keine Kinder bekommen dürfte, erschließt sich mir nicht. Aber angesichts von Reichsbürgern und Querdenkern darf man sich wohl auch über solche Erscheinungen nicht mehr wundern.

          • Ich kann ihnen allerdings garantieren, dass es in den „katholischen Dorfgemeinschaften“ (und das „katholisch“ können sie direkt streichen, denn egal auch ob „protestantisch“ oder „agnostisch“, gibt es trotzdem kaum Unterschiede in der Sicht darauf wie eine gesunde Familie aussieht) nicht solche sozialen Verwerfungen gibt wie in den ganzen progressiven S**tholes („verwahrloste und ungeliebte Kinder“ findet man wohl eher da).

            Und wenn Sie finden, dass meine Antwort zu harten Tobak für sie ist, dann erinnern sie sich einfach daran, dass ich ihre Meinung (über die Gesellschaft) genau falsch und abzulehnen finde.

          • Nach dem Motto „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu“ bin ich losgelöst von Ideologien kein Fan des offenen Ganztags.
            Bevor Horte weitgehend kaputtgespart wurden, konnten Schüler wenigstens in anderen Räumen und mit anderen Kindern als in der Schule ihre Freizeit verbringen. chüler. – Mobbing als Problem war nicht in dem Ausmaß bekannt wie heute.
            Einige Schüler neigen in der OGS dazu, bei der Erledigung ihrer Haus/Schulaufgaben extrem zu trödeln. – Haben sie sie nicht gemacht, müssen ihre Eltern sich daheim wenigstens intensiv und höchstpersönlich daraum kümmern. Manche Kinder brauchen nun mal mehr Zuwendung, als ihre Eltern wahrhaben wollen.
            Bloß weil Kinder schon früh an verdammt große Kindergruppen gewöhnt werden, muss es doch nicht immer so weiter gehen. Zumindest für Kinder, die lieber mehr Zeit für sich allein oder nur mit ein oder zwei Freunden verbringen möchten, ist die langandauernde Massenverwahrung eine Zumutung.

            Aber Politik und Wirtschaft denken nicht im Traum daran, für insgesamt bessere Betreuungskonditionen die Öffnungszeiten zu verkürzen. Arbeitgeberwohl vor Kindeswohl.

    • Wer oder was ist denn die Wirtschaft?

      Gehören Gesundheitsberufe ggf. auch dazu? Wenn ich Sie richtig verstehe, ist es aus Ihrer Sicht besser, wenn Frauen ihre kranken und pflegebedürftigen Angehörigen semiprofessionell betreuen und nebenbei die Kinder beaufsichtigen als wenn sie einen Beruf im Gesundheitswesen ausüben und während ihrer Arbeitszeit auf eine Ganztagsbetreuung zurück greifen?
      Dass es einen Fachkräftemangel im Bereich Pflege und Kinderbetreuung gibt ist Ihnen bekannt?

    • @Riesenzwerg, Diese Meinung ist höchst unattraktiv, aber ich kann mich nur anschließen. Arme Kinder, armes Deutschland. Sie kennen nur noch von Erwachsenen angeleitete Betreuung, Bespassung, Berieselung. Staatserziehung par excellence, wie in China und der DDR . Die Straßen sind leergefegt, wo früher ganze Horden von Kindern unterschiedlicher Altersklassen frei unterwegs waren, frei gespielt, sich meinetwegen auch geprügelt haben, aber mehr Kreativität, Sozialverhalten und Teamfähigkeit gelernt haben, als die Ganztagsverräumten.

  3. Es fehlt nicht nur Personal, sondern jede Menge Platz! Oder sollen die Kinder nachmittags genauso wie vormittags dicht gedrängt zu 30 auf dem Stuhl sitzen? Viele Grundschulen haben jetzt schon Raummangel, von Funktionsräumen wie Aula oder Musikraum ganz zu schweigen. Und die Schulhöfe sind nicht groß genug, um anzubauen. Da darf man gespannt sein, wie diese armen 40-Stunden-Kinder dann demnächst gestapelt werden.

    • Ich verstehe das Problem nicht. Jede halbwegs normale Grundschule bietet erheblich mehr Raum pro Kind als eine KiTa. In letzterer sitzen die Kinder doch auch nicht nur auf dem Stuhl und niemand regt sich über eine 45-Stunden-Stelle auf. Ein Schulhof mit Spielplatz, eine Turnhalle, eine ausreichend große Mensa und Klassenräume mit Spielen, Musikinstrumenten und Bastelmaterial, was braucht man denn sonst noch?
      Ich würde jedenfalls von so einer Nachmittagsbetreuung kein übertriebenes Entertainment oder eine Dauerbeschulung der Kinder erwarten. Die sollen doch möglichst viel und frei spielen dürfen und idealerweise noch mit Unterstützung eines Lehrers die Hausaufgaben erledigen. Aber es wäre sicherlich besser, wenn sie unter Aufsicht mit Freunden toben und Hobbys ausprobieren können, statt als Schlüsselkinder zu Hause vor Fernseher und Videokonsole abzuhängen, bis die Eltern nach Hause kommen.

      • „Klassenräume mit Spielen, Musikinstrumenten und Bastelmaterial“. Hihi, der war gut. Wo lagern wir die denn, auf der Zwischendecke? Klassenräume sind schon für den morgendlichen Unterricht oft viel zu klein, da gibt es keinen Platz mehr für all die netten Sachen der Nachmittagsbetreuung.

        • Genau! Und den Spielplatz und die Mensa vermisse ich auch noch!
          Offenbar palavert hier jemand, der entweder keine Ahnung hat oder eine gerade gut ausgestattete Schule zur Generäle für alle erklärt. Von Überblick kein Schimmer….

          • Oh, na gut, wenn die etwa zwanzig Schulen, die ich in drei verschiedenen Bundesländern kenne, alle nicht repräsentativ sind, dann haben Sie sicherlich mehr Ahnung. Klingt jedenfalls sehr plausibel, dass in Deutschland flächendeckend Schulen stehen, an denen nicht einmal der normale Unterricht nach Lehrplan abgedeckt werden kann, aber kein Mensch außer Ihnen das sieht.

          • Sie kennen 20 Schulen? Ohne Mensa kann kein lehrplangemäßer Unterricht stattfinden? Ich lach mich schlapp über Ihre rudimentäre Kenntnisse von Schule!
            PS: weitere Debatte sinnlos, mit wortgewaltigen Ahnu gslosen lohnt die Auseinandersetzung g nicht

          • Ob das plausibel klingt, weiß ich nicht,
            aber
            – die Zahlen der Vertretungen, Seiten- und Quereinsteigenden zeigen, dass es über mehr als 10 Jahre einen eklatanten Lehrkräftemangel gibt.
            – die Zahlen der ausgefallenen Stunden zeigen, dass Vertretungsunterricht nicht erteilt wird. Dabei gibt es unterschiedliche Zählungen, die NUR die leeren Stunden zählen oder die, die mangels Lehrkräfte gleich gestrichen werden oder alle Stunden mit Vertretungskräften (keine Lehrkräfte) oder alle Stunden, die nicht regulär erteilt werden. In der Regel sind dann auch nur die Stunden der Pflichtstundentafel erteilt, alles, was darüber hinaus geht, wird gestrichen.

            – die Zahlen der aufgestellten Container zeigen, wie viele Klassenräume fehlen, Mensen müssten gebaut werden, es gibt auch Schulen, die eine Essensausgabe haben und die Schüler im Klassenraum essen lassen.

            Wie viele Fachräume fehlen, wird vermutlich nicht erhoben. Schulen sollen zwar Musik, Textiles Gestalten, Kunst, Werken erteilen, fast alles muss aber im Klassenraum erfolgen. Sporthallen und Schwimmbad-Zeiten muss man mühsam ergattern, wenn man regulär Sport und Schwimmen erteilen will. Alternativ gibt es „Bewegungsstunden“ oder gekürzten Sportunterricht.

            Aber weil so viele Menschen meinen, dass sei nicht plausibel und die Mahnungen der Lehrkräfte als „Jammerei“ abtun, um die erschreckende Realität nicht wahrhaben zu müssen und bloß kein Geld in Schulen stecken zu müssen, wird sich daran auch weiterhin nichts ändern.

  4. Klingt nach Quantität vor Qualität.
    Genauso als die Kita Plätze ausgebaut wurden, wobei das Betreuer-Kind-Verhältnis völlig absurd ist (zumindest in einigen Bundesländern, z. B. Sachsen 1 Erzieher auf 18 Kitakinder)
    Wir suchen grad nach einer netten Schule für unsere Tochter u haben Schwierigkeiten eine Schule mit einem guten pädagogischen Konzept zu finden, wo Ganztag NICHT Pflicht ist!
    Ich denke, die Kinder verbringen so schon genug Zeit in der Schule und sollten auch die Möglichkeit zu selbstbestimmter Freizeit haben. Und ja, es wäre auch schön, wenn sie ab und zu noch ihre Eltern u Geschwister sehen!

    Ja, mir ist bewusst, dass es oft auch darum geht, dass Frauen mehr arbeiten können… Aber zu welchem Preis? Die Familien sehen sich erst ab 1730 Uhr abends?
    Vielleicht sollte da politisch eher Teilzeit Arbeit (insbesondere für Männer gefördert werden), dass wäre Familienfreundlicher.

  5. Die deutsche „Ganztagsschule“ ist eben konzipiert als Halbtagsschule mit anschließendem Mittagessen, gefolgt von „Betreuungen“ (warum durch Erzieherinnen und Erzieher?), wobei dabei „Sport“ so verdächtig oft genannt wird, dass man kaum glauben mag, dass anderes wirklich wichtig genommen wird. Kinder, die Sport nicht besonders mögen, sollen sich gefälligst anpassen. Das ganze heißt dann „Heterogenität“. Kindern aus problematischem Milieu wird das vielleicht wirklich guttun, den anderen (die in der Mehrheit sind) aber nicht unbedingt. Die Begründung ist jedenfalls nur zum Schein „mehr Bildung“, in Wahrheit geht es darum, dass mehr Mütter bei magerer Bezahlung arbeiten gehen.

    • Großbritannien hat schon lange ein Ganztagskonzept. Was wird Nachmittags angeboten? Eine Mahlzeit in der Dining Hall, danach Kunst, Sport (wobei die Angebote traditionell sehr viel weit gefächerter sind als in D), Diskussionskurs, Theater-AG etc. – und meist keine Hausaufgabenbetreuung, die Hausaufgaben werden zu Hause erledigt.

      Es wäre sinnvoller, Kindern, die es nötig haben, hier eine besondere Förderung zu geben und die Kinder, die gut zu Hause aufgehoben sind, auch dort zu lassen.

      Alle Betreuung durch den Staat bezahlen zu lassen (wer ist das?) ist auch ungerecht, da die gut betuchten Eltern – wie auch beim Kindergeld – genauso mit der Gießkanne beträufelt werden.

  6. Ich würde lieber erstmal die Qualität des Halbtags von unterirdisch auf akzeptabel heben wollen, bevor ich das Elend noch in den Nachmittag verlängere.
    Aber jeder weiß: Es geht nicht darum, was in der Schule passiert. Wichtig ist nur, dass sie möglichst oft, lange und geräuschlos stattfindet.
    Wer wirklich etwas für die Kinder tun möchte, muss sich für mehr Geld, Stellen, Ausstattung und Räume für Schulen einsetzen oder für das Ende der Zwangsbevormundung studierter Kollegien durch mittelbegabte Schulverbandsvorsitzende oder für die Reduktion von Stundendeputaten oder dafür, dass alle leeren Versprechungen der letzten Jahrzehnte (Ressourcen für Inklusion!) erstmal eingelöst werden, bevor schon wieder das nächste BUZZWORD durch die Feuilletons gejagt und schon wieder falsche Erwartungen geweckt werden.
    Und vielleicht können wir auch mal mit der irrigen Annahme aufräumen, dass ALLE davon profitieren, wenn man sie zwingt, ihre Zeit mit sehr gemeinen und multipel benachteiligten Menschen zu verbringen.

    Ich habe eher den Eindruck, dass man sich – wenn überhaupt – minimale Kevin-Fortschritte sehr teuer mit dem immer größer werdenden Leid der potentiellen Leistungsträger unserer Gesellschaft erkauft.

    So richtig profitiert nur einer: die Sozialindustrie.

  7. Dann hat sich die Schule ja endgültig zur Betreuungseinrichtung gewandelt, mit umfassender Bespassung als Rechtsanspruch. Wann wird denn dann das Kindergeld gekürzt, damit die Gemeinschaft der Steuerzahler all diese Rechtsansprüche finanzieren kann?

    • Nach den Vorstellungen von rot-rot-grün soll das Kindergeld erhöht werden, im Gegenzug soll das Ehegattensplitting gestrichen werden (das meines Wissens auch für andere feste Partnerschaften gilt). Als Begründung wird u.a. angegeben, die Ehefrau eines alleinverdienenden Mannes habe ja auch keinen Anspruch auf das halbe Familieneinkommen, sondern nur einen auf ein Taschengeld. Wenn das die geltende Regelung ist, dann könnte man ja vielleicht DIE ändern, warum eigentlich nicht? Wenn das Familieneinkommen gemeinsam versteuert wird, dann hat auch jeder ein Recht auf einen angemessenen Anteil daran.
      Im übrigen könnte man doch froh sein, wenn solche Leute, die ihre Kinder wirklich selber betreuen können, eben keinen Kita- oder Ganztagsplatz in Anspruch nehmen. Stattdessen versucht man, die dort hineinzuzwingen, aber die bildungsfernen Zuwanderer ohne Deutschkenntnisse, die traut man sich nicht zu zwingen, da muss alles freiwillig sein. Da gilt das Hausfrauendasein auch nicht als schlecht, nein, als schlecht gilt es nur in Bezug auf die gebildeten Leute.

    • Kindergeld zu kürzen, würde natürlich die noch mehr strafen, die weniger arbeiten gehen um Kinder zu Hause zu betreuen.

      Aber es ist wirklich viel Geld, was da gezahlt wird. Ich habe mich immer gefragt, wieso jeder Krippen- u Kitaplatz hoch befördert wird, aber man gar nichts bekommt, wenn man sein Kind selbst betreut (nach den 12 Monaten Elternzeit). Das gilt natürlich auch für den Hort…

      • Das Kindergeld ist keine Bezahlung der Eltern, sondern soll die Grundbedürfnisse der Kinder absichern.
        Es wäre daher in der Tat logisch, wenn der Staat etliche Grundbedürfnisse kostenlos liefert, entsprechend weniger Geld auszuzahlen. Ansonsten zahlt der Steuerzahler doppelt.

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