Studie: Glaube junger Migrantinnen und Migranten verändert sich in Deutschland

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NÜRNBERG. In der öffentlichen Diskussion wird die Religion von Geflüchteten ganz überwiegend als problematisch und bedrohlich wahrgenommen. Der Nürnberger Religionspädagoge Manfred Pirner dagegen sieht Potenziale zur Lebensbewältigung und Integration.

Jugendliche Geflüchtete sind durchgängig sehr religiös. Insoweit bestätigt das Ergebnis einer Pilotstudie der Universität Erlangen Nürnberg (FAU) ein weit verbreitetes Vorurteil. In der Frage, ob dies unbedingt ein gesellschaftliches Problem sein muss, entfernt sich Studienleiter Manfred Pirner allerdings weit vom Vorurteil. Vielmehr birgt seine Ansicht nach die Religiosität junger Geflüchteter Integrationspotenziale.

Glaube kann zur Integration jugendlicher beitragen, wenn sie erfahren, wie sie ihre Religiosität in der Gesellschaft leben können. Foto: Shutterstock.

In Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Institut für Bildungsverläufe in Bamberg hatte der Nürnberger Religionspädagoge 45 junge Muslime, orthodoxe Christen und Jesiden aus Nürnberg, Leipzig und Berlin befragt. Das Ergebnis der Interviewstudie belegt, dass der Glaube der jungen Geflüchteten keinesfalls statisch ist. Während ihrer Zeit in Deutschland habe sich der Glaube aller Befragten verändert: Ihr Glaube sei stärker geworden, gaben 19 von ihnen an, sieben empfinden ihren Glauben jetzt als schwächer. Die restlichen Jugendlichen räumten ein, ihr Glaube sei anders geworden.

Ein guter Teil der jungen Migrantinnen und Migranten könne sich zwar nur schwer vorstellen, dass Menschen überhaupt keinen religiösen Glauben haben können. Nach längerer Zeit in Deutschland haben jedoch 25 von ihnen nicht-religiöse Freunde gefunden, was laut Pirner für einen Lernprozess spreche, ebenso wie die Tatsache, dass 20 der Befragten vor ihrer Ankunft in Deutschland kaum etwas über andere Religionen wussten.

Die jungen Geflüchteten waren zwischen 13 und 24 Jahren alt und hielten sich zum Zeitpunkt der Befragung zwischen 11 und 45 Monaten in Deutschland auf; sie kamen überwiegend aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan. „Unsere Pilotstudie hat nur erste Einblicke in die Bedeutung der Religiosität für geflüchtete Jugendliche gebracht“, so Manfred Pirner. „Allerdings zeigt sich schon jetzt, welch hohes positives Potenzial Religion für die Lebensbewältigung und Integration hat. Ganz im Gegensatz zur öffentlichen Diskussion, in der die Religion von Geflüchteten meist nur als Problem gesehen wird.“

In diesem Sinne plädiert Manfred Pirner auch für einen islamischen Religionsunterricht. Für die Schule bedeuteten die Studienergebnisse, dass religiöse Bildung ernst genommen werden müsse. Es sei wichtig, so Pirner, dass die muslimischen Kinder und Jugendlichen erfahren, dass ihre Religion in der Schule einen Platz hat, an dem sie sich ihrer selbst vergewissern können, aber auch Perspektiven erschlossen bekommen, wie sie ihre religiöse Orientierung mit der Offenheit einer pluralistischen und menschenrechtsorientierten Gesellschaft verbinden können.

Die FAU-Forscher wollen ab Herbst 2021 mit einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Längsschnitterhebung an diese ersten Ergebnisse anknüpfen. (zab, pm)

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10 KOMMENTARE

  1. Positives Potenzial, wenn sich fast die Hälfte der Befragten radikalisiert und nur 20% gemäßigter werden? In welchen Punkten gemäßigt? Alles so lassen wie früher nur trotzdem Alkohol trinken ist nicht gemäßigt.

    Welche 25 der 45 haben nicht religiöse Freunde gefunden? Das können rechnerisch alle sein, die nicht radikaler wurden.

    Wo der Autor das positive Potenzial sieht, habe ich nicht verstanden. Ich schiebe das mal auf die sehr kleine Stichprobe.

  2. Wieso ist es unbedenklich, dass sich 19 von 45 noch strenger religiös geworden sind?
    In welcher Form haben sich die Religiösität von sieben der Befragten abgemildert?
    Welche 25 der 45 haben nichtreligiöse Freunde gefunden? Wie viele davon gehören zu den sieben gemäßigteren und wie viele zu den 19 strengeren?
    Wie verteilen sich die Zahlen auf die unterschiedlichen Glaubensrichtungen?

    Ich hoffe, diese Fragen werden bei der wirklichen Studie beachtet und ergebnisoffen beantwortet.

  3. Da gab es doch schon vor Jahren eine Reportage „Kampf im Klassenzimmer“ vom ZDF.
    Da konnte man schon damals sehen, wo die Reise mit muslimisch dominierten Schulen hingeht. Damals nur in den Brennpunkten der Großstädte, bald deutschlandweit. Das Gegenteil von bunt und weltoffen.

  4. Na da kann Georg oder Bernd 2 oder wie auch immer er sich gerade nennt natürlich wieder drauf springen und seinen antimuslimischen Gefühlen freien Lauf lassen. So erwartbar, so erbärmlich.

    • Dann erklären Sie doch bitte mal, weshalb es positiv ist, wenn 19 von 45 der Befragten noch religiöser wurden und sich damit noch weiter vom Durchschnitt in der einheimischen Bevölkerung entfernten.

  5. Leider wird oben im Artikel vergessen, dass gerade die genannten Religionen dazu neigen, rigide Verbote zu erlassen. Beispiel: Feindschaft gegen Homosexualität. Wieso solche Verbote bei der „Lebensbewältigung und Integration“ in einer Gesellschaft, die diese Verbote ausdrücklich abgeschafft hat, helfen können, bleibt das Geheimnis des Autors der Studie. Vielleicht stecken auch Lobby-Interessen der Religionsfunktionäre dahinter. Man könnte ja mal Katholiken befragen, wie sich die Verbote in ihrer Kindheit auf die ausgewirkt haben („wenn du diese oder jene Sünde begehst, musst du ewige Höllenqualen erleiden“).

  6. Es wird langsam krankhaft, wie ihr oder eher du mit den vielen Namen, dich hier am Islam abarbeiten musst. Geh Mal zum Arzt, vielleicht ist es ja noch nicht zu spät.

  7. Was mögen diese religösen Leute, die im Artikel angesprochen sind, wohl von der Debatte um die Regenbogenbeleuchtung in Fußballstadien und anderswo halten? Diese Religionen lehnen (wie auch der Katholizismus) sowas doch strikt ab. Wo ist da das „Integrationspotenzial“?
    Das Tamtam, das jetzt um diese Beleuchtung von Fußballstadien gemacht wird, finde ich allerdings etwas übertrieben. Haben wir wirklich keine wichtigeren Sorgen? Was kostet eigentlich diese Installation? Wieso müssen sich gesellschaftspolitische Dinge in Fußballstadien ausdrücken? Ist der Einfluss der Sponsoren nicht schon schlimm genug? Die Chinesen haben sich ja schon Fußballvereine gekauft. Sollen wir also auch deren gesellschaftspolitische Vorstellungen leuchten lassen?

    • Die Installation in München wird nicht viel kosten, weil die LEDs sowieso vorhanden sind und nur die Sequenz programmiert werden muss. In der Sache haben Sie natürlich recht. Die UEFA zeigt hier nur Gratismut, sobald es ernst wird oder ihr selbst ans Geld gehen könnte, kneift sie.

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