Kommender Rechtsanspruch: SPD warnt vor «Billig-Ganztag» in der Grundschule

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Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule muss aus Sicht der SPD-Opposition in Nordrhein-Westfalen mit verbindlichen Qualitäts- und Personalstandards unterlegt werden. Derzeit seien die Angebote lediglich «ein Provisorium», kritisierte die Vizechefin der SPD-Landtagsfraktion, Eva-Maria Voigt-Küppers, am Dienstag in Düsseldorf. Nötig sei daher ein Landesgesetz, das noch vor Weihnachten in den Landtag eingebracht werden müsse.

Ist eine Betreuung am Nachmittag mit wenig Personal als Ganztagsmodell eine Mogelpackung? Illustration: Shutterstock

Bund und Länder hatten sich in der vergangenen Woche nach langem Ringen geeinigt, dass jedes Kind, das ab dem Schuljahr 2026/2027 eingeschult wird, in den ersten vier Schuljahren Anspruch auf einen Ganztagsplatz bekommt.

Das dürfe kein «Billig-Ganztag» mit bloßer Betreuung werden, warnte SPD-Schulexperte Jochen Ott. «Es macht Sinn, dass, wo Schule drauf steht, auch Schule drin ist.» Stattdessen setze die Landesregierung im Wesentlichen auf sogenannte Alltagshelfer statt das dringend benötigte Fachpersonal auszubilden und zu rekrutieren. Die SPD werde dazu Ende Oktober Lösungen mit Wissenschaftlern erörtern.

Die Bildungsgewerkschaft GEW schätzt, dass in NRW bis zu 200 000 zusätzliche Plätze entstehen müssten, um den Rechtsanspruch zu erfüllen. Bislang sind nach Zahlen des Schulministeriums in NRW mehr als 330 000 Schülerinnen und Schüler in offenen Ganztagsschulen und mehr als 40 000 in sogenannten gebundenen Ganztagsförderschulen – letztere mit verpflichtender Anwesenheit am Nachmittag.

Die SPD forderte, dass das Land für alle Kosten einstehe, die der Bund nicht übernimmt. «Der Ausbau des Ganztags darf nicht unter Finanzierungsvorbehalt stehen», mahnten die Sozialdemokraten. «Elternbeiträge sollen grundsätzlich entfallen.»

Jetzt seien dringend pandemiebedingte Lernlücken zu schließen. Eine große Hamburger Studie mit Drittklässlern habe deutlich erhöhte Defizite vor allem an Schulen in schwieriger sozialer Lage zutage gefördert. Solche systematischen Erhebungen fehlten für NRW, kritisierte Ott. Zur Klarheit gehöre auch, dass jede Schule ihr Soll und Haben an Lehrerstellen im Internet ausweisen sollte. dpa

Einjährige (und Jüngere) haben einen Ganztagsplatz in der Grundschule sicher – aber: Auch mit genügend Personal?

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12 KOMMENTARE

    • Der Billigganztag ist schon lange da…siehe Betreuungsschlüssel.

      Ich möchte einen von den Herren und Damen da da oben mal 2 Wochen eine adäquate Betreuung in Krippe, Kiga und Hort leisten sehen.

  1. Es ist jetzt schon nur eine „billige“ Betreuung, die wenigsten Kräfte in der OGS sind ausgebildete Erzieher:innen. Das Personal wechselt ständig. Angebote wie in den ersten Jahren wie Theater, Musik, Schlagzeug, Basteln usw. durch außerschulische Partner oder von LuL betreute Arbeitsgemeinschaften sind inzwischen völlig weggefallen. Freie Spielzeiten, Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung und dann wieder freie Spielzeiten mit 30 SuS in einem Raum, das ist heute Offene-Ganztags-„Schule“. Von Förderung keine Spur!

  2. Die Aufbewahrung ist entschieden von der Politik und KM und dies zu einem schlechten Zeitpunkt in der Pandemie. Für ein G9 Schuljahr was Herr Scholl vom PHV-BW gefordert hat, ist man nicht bereit einen neuen Weg zu gehen. Dabei ist die Notlage der G8 Schüler und die angehäuften Lernrückstände nach einem G7 Schuljahr sehr groß. Die aktuelle Notlage der G8 Schülergeneration will die Politik und KM nicht in Blick nehmen. Ein Aufholpaket wird es nicht geben bei einem G8 Stundenplan und Fau Schopper hat ein Programm angepriesen, dass an den Schulen nicht eingetroffen ist und keine Lehrer da sind die, die zusätzliche Stundenzahl an Zusatzstunden leisten können. Die Entscheidung einer Ganztagsbetreuung ist übereilt getroffen worden und die aktuellen Probleme die in der Pandemie für eine Schülerschaft gewachsen ist verdrängt. Die Wichtigkeit der ersten schweren Lebenskrise der heranwachsenden Generation wird von der Politik und KM nicht mit einer Ernsthaftigkeit vertreten. Man wollte mit dieser schnellen Entscheidung sich Wählerstimmen erkaufen und was sind wir bereit für die Familien alles umzusetzen.

  3. Leider wird der billige Ganztag in meinem Bundesland genauso umgesetzt. Hier ist die SPD an der Regierung und stellt auch das Kultusministerium. Es geht halt um Ganztagsbetreuung und nicht um Ganztagsschule und wie immer darf auch die Betreuung – oh Verzeihung Aufbewahrung trifft es wohl besser – nichts kosten. Es ist also auch wie immer egal, wer das Sagen hat. Hauptsache billig!!!

  4. Der Billigganztag ist schon lange da…siehe Betreuungsschlüssel.

    Ich möchte einen von den Herren und Damen da da oben mal 2 Wochen eine adäquate Betreuung in Krippe, Kiga und Hort leisten sehen.

  5. An Frau Oder Herr W!
    Die Notlage ist nicht nur für G8 Schulen nicht auf gehör gestossen auch die Kindergärten sind durch den langen Ausnahmezustand in eine schwere Notlage geraten und finden ebenfalls keine Beachtung.https://www.news4teachers.de/2021/09/verdi-40-prozent-der-kita-fachkraefte-denken-an-stellenwechsel-jede-vierte-erwaegt-sogar-aus-dem-beruf-auszusteigen/ Die Gantagsbeteuung steht in diesem Ausnahmezustand nicht an und wir befinden uns in der vierten Welle. Es geht darum die aktuelle Notlage für G8 Schüler und Kindergartengarteneinrichtungen eine schnelle Lösung zu finden um in dieser schwierigen Lebensphase zur einer Verbesserung bei zu tragen. Die Ganztagsberteuung an den Schulen steht in dieser Lebensphase nicht an und ist für die erste Lebenskrise die Kinder und Jugendliche schon über einen langen Zeitraum durchleben keine Unterstützung. Es geht um die Augenblickliche Lebensituation der heranwachsenden Kinder und nicht um Ganztagsbetreuung. Ich kann lesen…… https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-coronavirus-mittwoch-245.html#Lambrecht-fordert-Hilfen-fuer-psychisch-belastete-Kinder

  6. @Rosa
    Ja, lesen kann ich auch.
    Im folgenden Zitat Ihres obigen Posts ist in gut 50 % NICHT die Rede von Grundschulen, sondern von
    – G8
    – G9
    – was Herr Scholl vom PHV-BW gefordert hat ( alles NICHT Grundschule ).

    “ Rosa 14. September 2021 um 20:20
    Die Aufbewahrung ist entschieden von der Politik und KM und dies zu einem schlechten Zeitpunkt in der Pandemie. Für ein G9 Schuljahr was Herr Scholl vom PHV-BW gefordert hat, ist man nicht bereit einen neuen Weg zu gehen. Dabei ist die Notlage der G8 Schüler und die angehäuften Lernrückstände nach einem G7 Schuljahr sehr groß. Die aktuelle Notlage der G8 Schülergeneration will die Politik und KM nicht in Blick nehmen. Ein Aufholpaket wird es nicht geben bei einem G8 Stundenplan und Fau Schopper hat ein Programm angepriesen, dass an den Schulen nicht eingetroffen ist und keine Lehrer da sind die, die zusätzliche Stundenzahl an Zusatzstunden leisten können. …“

    • Rosa ist wohl eine Aktivistin gegen g8. Damit haben ihre Beiträge nur Relevanz für Gymnasien in Baden-Württemberg oder noch spezieller gegen G8 an Gymnasien in Baden-Württemberg bei Schülern, die streng genommen am Gymnasium vermutlich nichts verloren haben.

  7. Wäre ja ein Anfang, wenn die Fachkräfte, die wenigen, in der OGS auch als Fachkräfte bezahlt würden, unabhängig vom Träger. Dann würden da womöglich auch mal welche bleiben. Feste Vorbereitungszeit wäre auch schön. Ich bin Erzieherin und arbeite in einer OGS. Abgesehen von der unterirdischen Bezahlung bei einem großen freien Träger haben wir einen Personalschlüssel von 1:18,5, rechnerisch und auch nicht durchgehend. Da ist mehr als Aufbewahrung nicht drin.

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