Mehr Mitsprache für Schüler, Vorrang für Grundschulen und „game-based Learning“ – das Bildungsprogramm der Grünen

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BERLIN. Obwohl Bildung Ländersache ist, widmen sich alle Parteien im Wahlkampf den Kitas, Schulen und Hochschulen mehr oder weniger explizit. Was sagen die Programme? Was lassen sie vermissen? Den Anfang unserer Analyse machen Bündnis 90/Die Grünen. Ihnen ist die Bildungspolitik in ihrem insgesamt 272-seitigen Wahlprogramm ein 18 Seiten umfassendes Kapitel wert, mehr als jeder anderen Bundestagspartei. Vieles darin ist zwar unkonkret. Manche Punkte lassen aber aufhorchen. So sollen Ressourcen umverteilt werden – hin zu den Kitas und Grundschulen. Die Kollegien sollen multiprofessionell werden. Und die Digitalisierung der Schulen ist für die Grünen offenbar ein großer bunter Experimentierkasten: samt „quelloffener“ Software-Lösungen und „game-based Learning“.

Bildung spielt im Wahlprogramm von Bündnis 90 / Die Grünen eine große Rolle: KanzlerIn-Kandidatin Annalena Baerbock. Foto: Bündnis 90 / Die Grünen

Bei einer Partei, die als Umweltbewegung gestartet ist, spielt das Thema Klimawandel naturgemäß auch in der Bildung eine wichtige Rolle. „Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) sowie die klassische Umweltbildung sind der Schlüssel zur notwendigen gesellschaftlichen Transformation. Sie befähigt Menschen zu zukunftsfähigem Denken und Handeln, zur Gestaltung und Teilhabe an einer demokratischen und pluralen Gesellschaft sowie zum Verstehen der Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt. BNE ermöglicht den Menschen, sich aktiv an der Gestaltung einer ökologisch verträglichen, wirtschaftlich leistungsfähigen und sozial gerechten Gesellschaft zu beteiligen“, so heißt es einleitend zu Kapitel 4 des Grünen-Wahlprogramms mit dem etwas irreführenden Titel „Bildung und Forschung ermöglichen“ (der klingt, als gäbe es Bildung und Forschung in Deutschland überhaupt nicht).

In der Priorität hinter BNE (weil erst danach ausgeführt): Chancengerechtigkeit. Grundsätzlich bekennen sich die Grünen zur Inklusion und zum gemeinsamen Lernen „so lange wie möglich“. Im Wortlaut: „Gleiche Lebenschancen für alle Kinder heißt, dass wir uns für gemeinsames Lernen und individuelle Förderung für alle Kinder von der KiTa (Kita und Kindertagespflege) bis zum Schulabschluss einsetzen. Die soziale Spaltung zwischen Schulen sowie KiTas möchten wir überwinden, auch durch gezielte Investitionen des Bundes, die lokal verteilt werden. Denn wir wollen KiTas und Schulen, in die Kinder und Jugendliche, aber auch Erzieher*innen und Lehrer*innen gleichermaßen gerne gehen. Und zwar egal ob auf dem Land oder in der Stadt, ob in ärmeren oder reicheren Vierteln. (…) Schulen sollen attraktive Orte sein. Dafür brauchen sie nicht nur schnelles Internet und saubere Toiletten, sondern auch zeitgemäße Raumkonzepte mit genügend Platz für vielfältige und inklusive Lernformen.“

Ein Punkt wirkt unscheinbar, hätte aber enorme Auswirkungen auf das Schulsystem: Die Grünen wollen die Finanzierung umlenken – weg von der weiterführenden Schule (wohin bislang die meisten Mittel gehen), hin zur Grundschule. „Da die Weichen am Anfang gestellt werden, müssen dorthin auch die meisten Ressourcen fließen“, so heißt es im Wahlprogramm. „Vor allem für KiTas und den Primarbereich werden wir die Investitionen deutlich erhöhen, auch um den Sanierungsstau an Schulgebäuden zu beheben.“

Apropos Personal. „Erzieher*innen und Lehrer*innen sind jederzeit systemrelevant, diese Wertschätzung sollte sich in ihrer Arbeit, ihrer Bezahlung und in der Ausstattung widerspiegeln“, so heißt es. „Multiprofessionelle Teams sollen Kindern in ihren unterschiedlichen Bedürfnissen bestmögliche Unterstützung bieten. Dafür brauchen sie gute Aus- und Weiterbildung, sichere Berufswege und einen guten Lohn.“ Und nochmal: „Wir fördern multiprofessionelle Teams, in denen sich Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter*innen, Erzieher*innen, Schulpsycholog*innen und weitere in der Schule oder Region tätige Fachkräfte gegenseitig ergänzen und mit unterschiedlichen Perspektiven bereichern, um die Schüler*innen und ihre Familien bestmöglich unterstützen zu können.“

„Jedes Kind hat ein Recht auf eine gute Schule, egal, wo es lebt. Der Alltag sieht aber anders aus“

Mit Blick auf die Schülerinnen und Schüler stellen die Grünen fest: „Jedes Kind hat ein Recht auf eine gute Schule, egal, wo es lebt. Der Alltag sieht aber anders aus. Wir wollen dauerhafte Finanzierungswege für mehr Bildungsgerechtigkeit schaffen, um Regionen oder Quartiere mit Schulen mit besonderem Unterstützungsbedarf zu stärken.“ Dazu gehöre es, systematische Vorsorgearbeit zu leisten, Lernrückstände zu schließen und deutsche wie auch muttersprachliche Sprachfertigkeiten zu fördern. „Mehrsprachigkeit sollte als Reichtum begriffen werden und nicht als Defizit.“

Auch die Mitbestimmung soll verbessert werden. Als Wunschvorstellung wird postuliert: „Alle Akteur*innen kooperieren auf Augenhöhe. So werden auch die Partizipation der Schüler*innen und die Kooperation mit Eltern verbessert und Schulen werden zu Unterstützungsorten für die ganze Familie. Wir wollen die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen nachhaltig besser schützen. Schüler*innen sollen sich wohlfühlen können und sich in der Schule sicher fühlen. Nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch auf dem Pausenhof, in den Gängen und in den sanitären Räumlichkeiten. Darum wollen wir in eine bessere Lernumgebung und höhere Bildungsqualität investieren.“ Wie viel? Keine konkrete Aussage dazu.

Ein Schwerpunkt des Bildungsprogramms: die Digitalisierung. Dabei lässt sich die Nähe der Grünen zu Open-Source-Interessengruppen erkennen. Die Partei will „Anwendungen wie quelloffene und sichere Lernplattformen oder Videokonferenzsysteme umfassend fördern“ und setzt sich dafür nach eigenem Bekunden „für die Umsetzung des Rechts auf Löschung personenbezogener Daten für Kinder ein“.

Was das in der Praxis bedeutet, lässt sich derzeit in München beobachten: Dort soll die Stadtverwaltung „bei der Beschaffung und Eigenentwicklung von neuer Software zukünftig auf Open Source-Lösungen setzen“ – obwohl die Stadt vor Jahren schon einmal mit einem solchen Großversuch gescheitert war. 2003 hatte die Verwaltung auf Linux umstellen wollen, war aber – aufgrund von „Kompatibilitätsproblemen“ – wieder auf kommerzielle Software umgestiegen. Jetzt, nach einem von SPD und Grünen durchgesetzten Ratsbeschluss, geht das Spiel von vorne los.

„Es ist nur billig und recht, dass mit Steuergeldern finanzierte Software auch der Allgemeinheit zur Verfügung steht, statt den sagenhaften Reichtum mancher Software-Anbieter zu mehren, die ihre monopolartige Stellung ausnutzen. Gleichzeitig wird mit Open Source das Know-How eines großen Potentials von versierten Programmierern und Programmiererinnen nutzbar, die wir ausdrücklich ermutigen wollen, an den Software-Projekten der Landeshauptstadt München mitzuwirken“, sagt Grünen-Stadträtin Judith Greif dazu.

Heißt also: Kommerzielle technische Lösungen, die in bundesweit praktisch jedem Unternehmen und jeder Behörde eingesetzt werden, sollen verdrängt werden. Stattdessen darf experimentiert werden. Wer soll das denn laut Wahlprogramm für die Schulen übernehmen? „Hauptberufliche Administrator*innen sind notwendig, um die technische Infrastruktur an Schulen aufzubauen und zu pflegen“, so heißt es. IT-Fachkräfte werden allerdings auch von der Wirtschaft händeringend gesucht. Wo sollen die also für Bildungseinrichtungen herkommen, wenn naturgemäß im öffentlichen Dienst deutlich schlechter bezahlt wird? Dazu sagt das Wahlprogramm nichts.

Grundsätzlich gilt für die Grünen: „Bildung in der digitalen Welt ist viel mehr als Wissensvermittlung, sie ist ein Schlüssel für Zukunftskompetenzen. Die Digitalisierung hat unsere Art zu leben verändert, also muss sich auch unsere Art, Schule zu denken, wandeln. (…) Mit Lehrer*innen, die Kompetenzorientierung in den Mittelpunkt des Lernens rücken, Schüler*innen, die sich spielerisch, zum Beispiel durch Game-based Learning, kooperativ neue Inhalte erschließen, und Schulen, die dafür technisch optimal aufgestellt sind. Dabei müssen sowohl das technische Grundverständnis als auch die soziale Dimension der digitalen Entwicklung Thema sein. Allerdings hat die Pandemie gezeigt, dass es schon an den Grundlagen fehlt, auch im Vergleich mit anderen Ländern. Das wollen wir ändern.“

„Sommercamps und Nachhilfe in den Kernfächern alleine werden nicht ausreichen, um die Folgen der Krise zu bewältigen“

Womit wir bei Corona wären. Was sagen die Grünen zu den Folgen der Krise auf die Bildung? „Die Pandemie hat tiefe Spuren hinterlassen, gerade bei Kindern, die es zu Hause auch davor schon schwerer hatten. Sommercamps und Nachhilfe in den Kernfächern alleine werden nicht ausreichen, um die Folgen der Krise zu bewältigen.“

Wie sonst? „Wir wollen die Kinder und Jugendlichen in den Mittelpunkt rücken. Sie brauchen jetzt eine helfende Hand, ein offenes Ohr und freie Räume, um den Weg in ihr normales Leben zurückzufinden. Dafür bauen wir Sport-, Erlebnis-, und Kulturangebote aus und stärken die Beratung und Einzelfallhilfe für Schüler*innen sowie die Vermittlung von Wissen zur psychischen Gesundheit und zu Krisen an Schulen. Mit Mentor*innen, Bildungslots*innen, Schulsozial-arbeiter*innen und Psycholog*innen knüpfen wir ein sicheres Netz an breiter Unterstützung, um die psychische Gesundheit von unseren Kindern und Jugendlichen nachhaltig besser zu schützen. Jedes zusätzliche Angebot für die Krisenbewältigung soll die Qualität an KiTas, Horten und Ganztagsschulen langfristig voranbringen“, so heißt es. Was das konkret bedeutet – Wie viel Geld ist nötig? Was sollen die Schulen dabei leisten? Wo soll das Personal dafür herkommen –, auch das bleibt offen. News4teachers

Wir werden uns in den nächsten Tagen auch der Wahlprogramme der anderen Bundestagsparteien widmen.

Baerbock fordert von Ländern «schöne» Schulen (ohne dafür mehr Geld auszugeben)

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27 KOMMENTARE

  1. Frau Schopper hat den weiterführenden Schulen bzw. den G8 Schulen eine Mogelpackung an Aufholpramm verkauft. Bei den weiterführenden Schulen ist kein Aufholprogramm angekommen und keine Lehrer vorhanden, die dies anbieten können. Die Notlage der Schüler hat Frau Schopper als KM nicht anerkannt. Die Schülerschaft hat bei G8 Schulen ein G7 Schuljahr absolviert in dem Ausnahmezustand und alle Schüler egal welcher Herkunft und sozialer Herkunft haben Rückstände angehäuft. Auch die bemühten Schüler/in sind an ihre Grenzen gekommen und haben Nachholbedarf nach einem G7 Schuljahr. Der Schultag bei G8 Schulen ist schon ein verlängerter Schultag und Platz für Zusatzstunden im Stundenplan ist nicht zu leisten. Die Schülerschaft hat Hausaufgaben zu erledigen, Vor-und Nachbereitungszeit, Lernzeit für Test und Klassenarbeiten und Zusatzstunden wären eine Zusatzbelastung und keine Entlastung. Das man nicht durch diese lange außergewöhnliche Lebensphase erst in den Kindergärten und G8 Schulen Verbesserungen ermöglicht und die aktuelle Lebensituation entlastet der schlechten Mißstände die durch die Krise entstanden sind, erschließt sich mir nicht. Man bietet Ganztagsbetreuung an Grundschulen an und übergeht die Notlage in den Kindergärten und an weiterführenden Schulen. Herr Scholl vom PhV-BW hat in der Krise für ein Aufholjahr gekämpft und ist mit seinen Forderungen schamlos übergangen worden und hat mit seinem tragenden Anliegen für G8 Schulen kein Gehör gefunden.https://www.phv-bw.de/zumeldung-des-phv-bw-zur-pressemitteilung-der-initiative-buendnis-g9-jetzt-fuer-ein-corona-aufholjahr-durch-g9-an-den-gymnasien/ Man hat mit Herrn Scholl keinen fairen Austausch auf Augenhöhe angestrebt und seinen Mahnungen keinen Raum gegeben. Er hat die Notlage der Schülerschaft mit unermüdlichen Einsatz vertreten und ist bei grundlegenden Entscheidungen zur Verbesserung der Bildungsnot an den Schulen nicht mit an den Tisch geholt worden oder einbezogen worden. Die Sommercamps haben die angesammelten Rückstände für ein G7 Schuljahr nicht lösen können. Eine faire Aufarbeitungszeit und einen fairen Zeitraum muss allen Schülern zur Verfügung gestellt werden. Welchen Wert hat Bildung noch nach diesem langen Ausnahmezustand für unsere Politik und KM noch, für eine vergessene Schülergeneation? Die erste Lebenskrise der heranwachsenden Kinder und Jugendliche hat tielfe Spuren in der persönlichen Entwicklung und Entfaltung hinterlassen die eine Zeit der Genessung benötigt. Viele heranwachsende Kinder und Jugendliche stecken noch in der Krise und haben noch keine Stabilität auf Sicherheit für ihren witeren Lebensweg. Die Rückstände gehen mit ins neue Schuljahr und die Mogelpackung ist für viele Schüler Realität, weil sie keine Förderung in Aussicht gestellt bekommen. Die Lehrerschaft hat an den Schulen sehr viel geleistet und die Schüler in dieser Lebensphase sehr unterstützt in dieser langen Krise. Frau Schopper untergräbt die Notlage der Schüler/in mit etwaigen Lernrückstände und hat zum Aufholprogramm für G8 Schulen noch keine Stellung bezogen. Die Studenten sind an Schulen auch nicht angekommen und man verkauft die Schülerschaft für dumm. Die Eltern haben in der Krise mit ihren Kindern einen hohen Beitrag geleistet für unsere Gesellschaft und was hat man für eine Schülergeneration geleistet eine Mogelpackung die in der ersten Woche schon aufgeflogen ist. Die Augenwischerei und Blendwerk die Frau Schopper und Herr Kretschmann einer Schülerschaft präsentiert hat, ist ein absolutes Armutszeugnis und die unterste Schublade hat man aufgezogen. Welchen Wert haben Kinder und Jugendliche nach dieser langen ausgebremsten Zeit für Frau Schopper und Kretschmann in BW? Die letzten in der Reihe haben in dieser Lebensphase sehr wenig Beachtung und Aufmersamkeit erhalten von der Politik und KM. Zum Wahlkampf hat man die junge Generation benutzt und tragendes ist nicht eingetroffen außer eine Mogelpackung von Frau Schopper.

  2. Alles in allem wünschenswerte Ziele. Seit Jahren sind die Herausforderungen für die Umsetzung bekannt. Spätestens nach dem Medienerlass der KMK von 2016 beispielsweise, wissen wir um die Forderungen der Digitalisierung. Wir wissen aber auch, dass der Digitalpakt nicht nur wegen seines immensen Antragsaufwandes, sondern auch wegen der Forderung nach Medienkompetenz unter den Lehrkräften ins Leere lief.

    Insofern sieht es aus, als ob die Parteien (nicht nur die Grünen) sich an den Defiziten orientiert haben bei ihren Wahlprogrammen, aber tatsächlich wenig für die Umsetzbarkeit tun. Geld und Artefakte – um beim Beispiel Digitalisierung zu bleiben – sind eben noch nicht einmal die eine Seite der Medaille.

    Um in Zukunft sukzessive bessere Bildungsmöglichkeiten für alle zu schaffen, braucht es m. E. zuvorderst kleinere Schulen. Die Reibungsverluste in ‚Großunternehmen‘ sind einfach zu groß und werden die Schulen nach einem Schritt vorwärts solange 2 Schritte zurückwerfen, bis sie feststellen, dass es ‚früher‘ doch besser war. So kommen wir nicht weit!

    Ein weiterer Punkt ist die Professionalisierung. Tatsache ist doch, dass mittlerweile an vielen Schulen mehr als die Hälfte der Lehrkräfte keine adäquate Ausbildung haben. Das alles setzt sich fort im Fortbildungswahnsinn, der am Ende wiederum dem System schadet. Es braucht also eine Stärkung der Ausbildung sowie eine qualifizierte durchgehende Fortbildung – sie sollte Teil der Planung sein und nicht irgendwie dazwischengemanagt werden.

    Die Rechte der Schulleitungen sollten gestärkt werden. Es kann nicht sein, dass banale Maßnahmen eine Antragsformulare verursachen und dann evtl. irgendwann genehmigt werden.

    Es gibt so viele Leerstellen – ich höre jetzt auf.

    Fazit: Wenn die Parteien es wirklich ernst meinen, folgende Tipps zur Umsetzung:

    – föderale Struktur im Kultusbereich aufheben
    – Maßnahmen niedrigschwellig ohne Hierarchiebarrieren genehmigen
    – kleinere Schulen bauen
    – solide Ausstattung gewähren
    – Schulen mehr Autonomie gewähren
    – Infrastruktur um und in Schulen stärken
    – Familienpolitik nicht isoliert von Schulpolitik betreiben
    – den Schulen und den Lehrkräften Zeit geben, ohne die Ziele aus den Augen zu verlieren
    – Attraktivität des Lehrberufes gesellschaftlich steigern durch Wertschätzung

    Kurz: Rahmen setzen – Menschen vertrauen – Geld zur Verfügung stellen – Umsetzungsmaßgaben evaluieren!

  3. Der Beitrag leistet Aufklärung für die letzten in der Reihe!https://www.news4teachers.de/2021/09/verbaende-aufholpaket-ist-eine-mogelpackung-staat-gefaehrdet-das-kindeswohl-massiv/ Der Beitrag bringt es mit aller Ehrlichkeit auf den Punkt und mahnt die Bildungsnot durch diese schwere Krise der Schüler/in an. Die Mogelpckung ist in der ersten Woche in BW aufgeflogen und vor der Wahl hat man Klarheit geschaffen. Die Schülerschaft und Elternschaft hat man vorsätlich für dumm verkauft und der Beitrag hat alles offen gelegt. Nicht nur die sozial schwachen sind von Rückständen betroffen, auch die bemühten konnten den Anschluß nicht halten bei dem geringen Unterricht an der Schule. Dieser Beitrag Bzw Ehrlichkeit war und ist schon lange überfällig!

  4. Und was soll „game-based-Learning“ sein? Der Übergang von der deutschen zur englischen Sprache? Oder wissen es die Grünen selber nicht, verständlich auszudrücken? Dann kann es mit dem Bildungsprogramm der Grünen ja nicht weit her sein!

    • „Die wesentlichen Ziele von Gamification sind das Erzeugen von Motivation, sich mit dem Lerngegenstand zu befassen, Flow-Erleben […] und höhere Lernleistung […].“ (Böhme et al. 2020, S. 9) „game-based-Learning“ findet sich beispielsweise im SAMR-Modell. Eine Modell zur Orientierung bei der Implementierung von digitalen Medien im Unterricht mit 4 Kompetenzstufen: SAMR bezieht sich auf die Begriffe Ersetzung (Substitution), Erweiterung (Augmentation), Änderung (Modification) und Neubelegung (Redifinition). Auf der Ebene der Änderung wiesen dort realisierte Aufgaben größere funktionale und teils auch gestalterische Veränderungen im Vergleich zu analogen Medien auf. Durch (Machine-Learning-)Algorithmen würden die Eingaben von Lernenden interpretiert, um flexibel mit entsprechendem Feedback und einer Anpassung der Aufgabenschwierigkeit, des Formats und des Inhalts reagieren zu können. Bereits in der Grundschule können damit Effekte auf die Lernleistungen nachgewiesen werden, auch wenn die Datenlagen noch zu schmal ist. Auf der Ebene der Neubelegung könnten größere funktionale Veränderungen und neuartige Gestaltungselemente bei den Aufgaben eingebaut werden, die mit digitalen Medien realisiert werden. An dieser Stelle hat das sogenannte Gamification eine lernrelevante Bedeutung. Die Spielelemente würden zur Befriedigung des Kompetenzerlebens , der Autonomie und der sozialen Eingebundenheit beitragen. Böhme et al. (2020, S. 10) stellen fest, dass Lernspiele sich „insbesondere günstig auf die Selbstwirksamkeit, das Lernen und die Retention“ auswirken. Hinsichtlich der intrinsischen Motivation von Grundschüler*innen stützten u. a. Wouters et al. (2013) einen günstigen Effekt durch extrinsische Anreize (z. B. Badges) auf die Lernleistung im Kontext einer spielerischen Lernumgebung (vgl. ebd.). Spiele als Persönlichkeitsstärkung im digitalen Bildungskontext sind eine relativ neue Erfahrung und mit vielen Unbekannten behaftet.

      Game-based-learning hat in diesem Zusammenhang also tatsächlich mit Spaß und Anstrengung zu tun. Alles Theorie? Jein, wenn die Rahmenbedingungen stimmen hat das m. E. mit Sicherheit eine Zukunft in Lernumgebungen aller Klassenstufen.

  5. Es sind wieder die LehrerInnen, die noch nicht genug können: Wir sollen ‚multiprofessionell‘ werden. DAS SIND WIR SCHON IMMER GEWESEN!!! Und seit der Digitalisierung, die wesentlich weiter fortgeschritten ist, als suggeriert wird, haben wir noch eine Profession – nein, mindestens zwei – dazugewonnen: Wir sind nicht nur Online-Coaches, wir sind auch Systemadministratoren und digitale Kreative, da wir unsere Materialien selbst produzieren (müssen) usw. Im ‚realen Leben‘ wären das alles einzelne Berufe, neben den Berufen ErzieherIn, BeraterIn, EventmanagerIn, ReiseleiterIn, Bürokraft, AdministratorIn, MediatorIn, oft auch Reinigungskraft – und tatsächlich auch ab und zu Lehrende (was wir ja ursprünglich gelernt haben)…

    • Nicht zu vergessen: Psychologin, Ernährungsberaterin, Hausmeisterin, Kriseninterventionsteam, Sanitäterin, Alleinunterhalterin, Werbefachfrau (bei Tagen der offenen Tür), Seelsorgerin, …

          • @potschemutschka:

            Genau… weil man wegen jeder Streitigkeit auf dem Schulhof ein Kriseninterventionsteam holen muss; wegen kleinen Verletzungen das Pflaster verwehrt und lieber einen Sanitäter ruft; bei Tagen der offenen Tür ein Werbeunternehmen beauftragt … also bitte… bei allem Verständnis für den Frust über immer mehr Aufgaben… man sollte doch auch mal die Kirche im Dorf lassen. Ich finde, dass Aufgaben wie Systemadministrator, ausufernde Telefonate mit Jugendämtern, Hausmeistertätigkeiten usw. KEINE Aufgaben einer Lehrkraft sein sollten. Den Frust darüber kann ich verstehen. Aber Hilfe bei Verletzungen oder pädagogische Gespräche, die eventuell auch mal in die Psychologie abdriften, oder Streitigkeiten unter Schülern (hier rede ich von der Grundschule, wo Kinder in Konfliktsituationen manchmal alleine noch nicht adäquat reagieren können) – das sollten doch selbstverständliche Tätigkeiten sein. So ist es eben, wenn man mit Menschen arbeitet! Da muss man oft flexibel und pragmatisch sein. Und stellen Sie sich vor… in anderen Berufen gibt es auch ständig neue Aufgabenbereiche, die on top hinzukommen, die man sich selbst aneignen muss und nicht mit einer Lohnerhöhung einhergehen. Weigerst Du Dich – biste weg! Ich gebe Ihnen Recht, es werden den Lehrern zu viele fachfremde Aufgaben aufgebürdet – das ist nicht in Ordnung! Aber in bestimmen Bereichen (Sanitäter, Psychologe, Werbefachmann, Kriseninterventionsteam,…) erscheint es mir schon arg übertrieben.

          • @Lila
            An welcher Schule unterrichten Sie? Ich würde Sie gern mal an meiner GS im Problemkiez reinschnuppern lassen. Da können Sie mir sicher ein paar wertvolle Tipps geben, wie ich und meine Kollegen flexibel mit den täglichen „Problemchen“ umgehen können. Wir „faulen Säcke“ sind eben etwas unflexibel und nicht pragmatisch genug. Sie scheinen das ja besser hinzubekommen. Bitte helfen Sie uns! Wir können im Moment jede Hilfe gebrauchen!

          • @potschemutschka:

            Es tut mir leid, dass es an Ihrer Schule offensichtlich so schlimm ist! Ich wünsche Ihnen, dass Sie die notwendige Hilfe bekommen. Zum Glück ist es nicht überall so!!! 🙂

        • @Lila
          Hatte letzte Woche meinen Versicherungsvertreter im Haus. Der arbeitet mit vielen Menschen!
          Trotzdem war er überwiegend Alleinunterhalter und ansonsten Werbefachmann.
          Und nun?

          • @Alla:
            Bei Ihnen vielleicht! Wissen Sie, welche Rollen er bei seinen anderen Besuchen spielt/spielen muss? Und nun?
            Also bitte… sie wollen doch nicht ernsthaft behaupten, dass ein Versicherungsvertreter MIT Menschen arbeitet… Er verkauft Produkte an Menschen – aber er arbeitet nicht mit Ihnen. Und erst recht nicht mit Kindern, die besonders schutzbedürftig sind!

  6. Game-based learning? Sicherlich in eng umgrenzten Einsatzszenarien sinnvoll, aber bestimmt kein Allheilmiitel. Wieviele Klassen können in Ihrer Schule so gleichzeitig ins WLAN um gamebasiert zu lernen? Eben, das sieht man wieder, was es für ein Luftschloss ist.

  7. Baerbock im heutigen Gespräch:“Die Schulabbrecher hat sich um das doppelte erhöht in der Krise…..und warum will man den neuen Weg in der Grundschule gehen……. Weswegen will man nicht Abhilfe in der aktuellen Notsituation für weiterführende Schulen und Kindergarteneinrichtungen zuerst lösen….brauchen wir noch mehr Schulabbrecher um eine Handlungsfähigkeit zu leisten…..Aufholprogramm bzw. Mogelpackung hilft den weiterführenden Schulen nicht. Der Flickenteppich bzw. G8 gehört in dem jetzigen Ausnahmezustand entsorgt und sich endlich zu einem G9 zu bekennen und eine breite Elternschaft mit der Forderung Ernst zu nehmen. Was sind wir bereit für die junge Generation zu leisten und vor allem eine angemessene Aufarbeitung zur Verfügung zu stellen.

  8. Ein typisch abgehobenes Grünen-Programm, das über den Wolken schwebt und das Blaue bzw. Grüne vom Himmel verspricht. Etwas für Träumer, aber nichts für Praktiker und Realisten.

  9. Über den Wolken …

    Ich will Spaß, ich will Spaß …

    Da fallen mir so einige gamebasierte Muskiktitel ein, die gleich im Kopf anfangen zu dudeln 🙂

  10. @Redaktion
    Sie schreiben in Ihrem Artikel zum Schluss:
    „Was das konkret bedeutet – Wie viel Geld ist nötig? Was sollen die Schulen dabei leisten? Wo soll das Personal dafür herkommen –, auch das bleibt offen.“
    Damit treffen Sie genau den Punkt, der mich auch immer wieder stört. Man kann vieles an Schönem und Wunderbaren an die Wand malen und einfordern, doch die Voraussetzungen und realistischen Wege dorthin werden tunlichst ausgeklammert oder so grob umrissen, dass Konkretes auch hier weitgehend auf der Strecke bleibt.
    Ich frage mich, ob es immer schon so war, dass Parteien und Politiker vor Wahlen wunderbare Szenarien für ihre Regierung entwerfen, und hinterher kaum mehr Wort halten (können)?

    • @Soso
      Zumindestens die aktuelle Bildungsminister in NRW aus der gelben Partei hat vor drei Jahren alles mögliche versprochen: „die beste Bildung“ und „Digitaliierung first“ ihr Parteivorsitzender H.Linner. Nun kann man sehen , was sie daraus gemacht hat: Noch mehr Lehrermangel an den GS auch im Bereich der Inklusion und die
      diese werden nun „multiproffesionellen“ Schulbegleitern meist ohne pädagogische Ausbildung durch die Klassen und Schulen mitgeschleppt, ebenso wie viele GoIn Kinder, die kaum noch professionellen Sprachförderunterricht bekommen und vieles mehr. Was Hänschen nicht lernt…Deshalb ist es gut und richtig, dass mehr Geld on die Kits und Grundschulen fließt. Und H. LascheT will die Kinderarmut mit besserer Bildung bekämpfen? Das er so nicht mal in NRW geschafft.

  11. „Schulen werden zu Unterstützungsorten für die ganze Familie.“
    Endlich! Mir wurde schon langweilig!
    Und auf den Fluren ist auch noch Platz!

  12. Unendlicher Lehrkräftemangel, schlechte Ausbildung von Deutschlehrkräften, sinkende Lese- und Rechtschreibleistungen (z. T. schon über 50 Prozent der Lerner auf den unteren beiden Kompetenzstufen) … Welche Partei will hier endlich gegensteuern? (Ich weiß … Sache der Bundesländer …)

    • Nicht nur sinkende Lese- und Rechtschreibleistung!
      20% meiner Zweitklässler können noch nicht einmal soviel Deutsch, dass wir uns irgendwie verständigen können.
      Grund: DaZ- Klasse wegen Lehrermangels geschlossen!

  13. Soweit ich das Wahlprogramm der Grünen verstehe, sind die sich der massiven Einflussnahmegrenzen von der Bundesebene aus wegen des Bildungsförderalismus vollstens bewusst. Um dies zu umgehen, wollen sie über den Sozialhaushalt den Schulen Geld zukommen lassen. Vielelicht könnte das der Grund sein, dass so viele multidisziplinäre und erweiterte soziale Funktionen der Schulen in den Blick genommen werden … das bedeutet nicht, dass die Lehrer*innen das alles mit leisten müssen, im Gegenteil.

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