„Das Schulsystem macht krank“: Warum eine Grundschullehrerin den Staatsdienst quittiert – ihre Begründung im Wortlaut

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MÜNCHEN. Die Hürden, als Lehrkraft den Staatsdienst zu verlassen, sind hoch – es drohen die Angst vor Arbeitslosigkeit, der Verlust von Pensionsansprüchen (stattdessen gibt’s dann eine ungünstigere Rentenversicherung), möglicherweise sogar ein kompletter Berufswechsel. Trotzdem gibt es immer wieder Lehrerinnen und Lehrer, die ihren Hut nehmen und aussteigen. Eine bayerische Grundschullehrerin hat das jetzt getan. Die Begründung ihres Antrags auf Entlassung aus dem Beamtenverhältnis liegt News4teachers vor. Wir veröffentlichen ihn hier in gekürzter und anonymisierter Form.

„Wieso verlieren so viele Kinder schon nach kürzester Schulzeit die Freude am Lernen?“, fragt die Lehrerin. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Antrag auf die Entlassung aus dem Beamtenverhältnis

Nach § 33 BBG BeamtStG bzw. § 24 Abs. 1 Nr. 4 BeamtStG beantrage ich hiermit die Entlassung aus dem Beamtenverhältnis.

Mir ist bewusst, dass ich damit den Anspruch auf Beschäftigung verliere sowie meine Pensionsansprüche. Ich weiß, dass aktuell Lehrer:innenmangel herrscht und bin dennoch nicht bereit, meine Arbeitskraft, meine Expertise und Leidenschaft für den Lehrberuf zur Verfügung zu stellen, da sich strukturell nichts ändert.

Ich danke dem Freistaat Bayern für meine Ausbildung in Theorie und Praxis und die Möglichkeit, als Grundschullehrerin tätig gewesen zu sein. Ich bin mit Herz und Seele Lehrerin und habe die Zeit mit den Kindern im Klassenzimmer sehr genossen! Gleichzeitig habe ich erfahren müssen, wie sehr dieses System allen Menschen schadet, die daran beteiligt sind: Eltern, Lehrer:innen, Schüler:innen und Schulleiter:innen.

Die wichtigsten Gründe, die zu meiner Entscheidung geführt haben, in diesem System nicht mehr tätig sein zu wollen, sind folgende:

1) Der Mensch als Objekt

Ich finde es unzumutbar, Kindern als vulnerabler Gruppe nicht auf menschlicher Ebene begegnen zu dürfen, sondern sie zu Objekten von Erwartungen machen zu müssen, die nur in ihrer Rolle und Funktion gesehen werden. Kinder als Akt eines Verwaltungsapparates zu betrachten, widerspricht meiner humanistischen Sichtweise. (…)

Die betroffenen Menschen sind übrigens hier nicht nur die Kinder, sondern Eltern und als verlängerter Arm des Staats die Lehrer:innen und Schulleiter:innen.

Wir alle sind davon betroffen, dass der staatliche Verwaltungsapparat uns nicht zutraut, eigenverantwortlich und selbständig zu handeln.

In der Schule müssen Kinder funktionieren, egal ob sie gerade aus ihrer Heimat geflüchtet sind, zu Hause geschlagen oder sexuell missbraucht werden. Es gibt keine Zeit, keinen Raum, keine Ausbildung, keine Ermutigung, keine Anleitung, kein Personal, keine Supervision, kein multiprofessionelles Team, schlicht überhaupt keine Möglichkeit als Pädagogin diesen Kindern gerecht zu werden, eine erste Anlaufstelle zu sein und den „Schonraum Schule“ zu mehr als einer hohlen Phrase zu machen.

Das heutige Schulsystem setzt noch immer auf Gehorsam und Gruppenzwang, was zu Autoritätshörigkeit und fehlender Verantwortungsübernahme führt. Durch die schulstrukturell erzwungene Unterdrückung der eigenen Bedürfnisse projizieren einige ihre Wut und ihren Hass schnell auf andere Menschen. Mobbing ist in deutschen Schulen an der Tagesordnung.

2) Verstoß gegen Menschenrechte, die UN-Behindertenrechtskonvention und die UN-Kinderrechtskonvention

In der Schule werden Kinder nicht nur aufgrund der Tatsache diskriminiert, dass sie unter 18 Jahre alt sind, sondern auch aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Ethnie, ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts, des Bildungsstandes der Eltern, ihres Vornamens und der Armut ihrer Eltern. (…)

Außerdem setzen Schulen in Deutschland die Inklusion kaum um und benachteiligen dadurch Menschen mit Behinderungen, was zusätzlich noch gegen die 2008 verabschiedete UN-Behindertenrechtskonvention verstößt.

Ein weiterer Aspekt, der zu dem Schluss kommen lässt, dass in der Schule die Schutzrechte von Kindern missachtet werden, betrifft den achtungsvollen Umgang von Lehrern mit Schülern. Der „seelische Sadismus“ gegenüber Schülern, von dem Kurt Singer spricht  (Singer 1998, S. 29), gehört zum Alltag in Schulen. Schüler werden von Lehrern vor der Klasse gedemütigt, bloßgestellt und zum Gespött gemacht. In Artikel 16 der Konvention heißt es: „Kein Kind darf willkürlichen oder rechtswidrigen Engriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung oder seinen Schriftverkehr oder rechtswidrigen Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden.“ Kinderfeindliche Umstände in Schulen gehören aber zum Alltag und wirken als psychischer Druck und als entwürdigendes Verhalten (vgl. Singer 1998), das als Menschenrechtsverletzung definiert werden muss. (…)

Im Lehrplan, dem Schulleiter:innen und Lehrer:innen verpflichtet sind, steht: Gelebte Demokratie. Demokratie nicht als Fach, als Unterrichtsstunde als Etikett, sondern als gelebte Haltung in der Schule. Davon sind wir in der Praxis meilenweit entfernt. Staatsschule ist traditionell ein Ort der Herrschaftserfahrung und der hierarchischen Kommunikation, nicht der Partizipation.

3) Lernbegriff

So wie Lernen in der Schule konzipiert ist, geht man immer noch davon aus, dass Wissensinhalte von einem Menschen auf den anderen übertragen werden können – ob der nun will oder nicht. Mittels Studien ist nachgewiesen, dass die Freude am Lernen in staatlichen Schulen kontinuierlich abnimmt.

Wieso verlieren so viele Kinder schon nach kürzester Schulzeit die Freude am Lernen? Wie lernt der Mensch eigentlich? Entgegen landläufiger Meinung ist das Hirn kein Muskel, den man trainieren kann.

Das Hirn ist in erster Linie ein Filter-, nicht ein Speicherorgan. Es filtert das weg, was für den Betreffenden nicht bedeutsam ist. Sollen Lernprozesse effektiv sein, müssen sie deshalb vom Lernenden mit positiven Emotionen verknüpft werden, also als bedeutsam und lustvoll erlebt werden.

Da jede intrinsische Motivation zwangsläufig durch alle extrinsischen Motivationsversuche unterdrückt wird, lässt sich auch die Lernlust eines Menschen nur dann wecken, wenn ihm Gelegenheit geboten wird sich als Gestalter seiner eigenen Lernprozesse zu erfahren. Das aber kann nur gelingen, wenn Kinder nicht länger als Objekte der Erwartungen, der Bewertungen, der Belehrungen behandelt werden.

Nicht nur für Kinder ist es zermürbend, uninteressanten Lehrstoff eingetrichtert zu bekommen. Es zermürbt auch mich als Lehrerin, gegen die Interessenlosigkeit anzukämpfen. Eine apathisch vor ihnen sitzende Klasse strapaziert meine Nervenkraft. Um die Schüler:innen zu disziplinieren verbrauche ich viel Energie, die dann woanders verloren geht. Der aufreibende Kampf gegen das Desinteresse bleibt nicht ohne Folgen: Ich fühle mich müde und erschöpft. Beide Seiten sind geschädigt: Lehrer:innen weil sie Schüler:innen mit Macht für etwas motivieren sollen was nicht in deren Interessenshorizont liegt, Schüler:innen, weil sie zu Lernvorgängen gezwungen werden die Ihnen nicht entsprechen. Die Jugendlichen werden lernverdrossen, ich als Lehrerin werde lehrverdrossen.

Der exorbitant große Bedarf an Nachhilfe zeigt, dass die Schule nicht in der Lage ist allen Kindern die notwendigen Lerninhalte zu vermitteln. Ist das aber nicht eigentlich die originäre Aufgabe von Schule? Das Schulsystem ist auch hier nicht in der Lage, die eigenen Ansprüche zu erfüllen.

Seit Jahrzehnten sind zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Entwicklungspsychologie, der Pädagogik, den Sozialwissenschaften, der Bildungs- und Hirnforschung vorhanden, die Auskunft darüber geben, wie Lernen nachhaltig funktioniert, was Kinder und Jugendliche brauchen, um sich gut zu entwickeln und wirksam zu lernen. Wenn davon wenig umgesetzt wird, haben wir also keine Wissensdefizit, sondern ein Umsetzungsproblem.

Aber selbst dann, wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, wenn das neue Wissen und Können also bedeutsam, anknüpfbar, ganzheitlich und emotional erfahrbar und als praktisch nutzbar erkannt und erlebt werden kann, wird die Frage der Qualität, der Didaktik und Methodik der Wissensvermittlung erst dann interessant, wenn die Kinder auch offen für diese Bildungsangebote sind.

Dabei ist das Ziel dieser Bildung nicht die möglichst perfekte Aneignung des gegenwärtig verfügbaren Wissens, sondern das Wecken der Begeisterung, das die nachwachsende Generation antreibt, selbst wieder neues Wissen und neue Kulturleistungen hervorzubringen. An der Verwirklichung solcher Ziele würde ich nur zu gern mitarbeiten!

4) Schulpflicht

Schulpflicht (in Abgrenzung von Bildungspflicht) und Lernzwang stehen im Widerspruch zu einer Reihe von Grund- und Menschenrechten. Aus lerntheoretischer Sicht sind sie nicht nur vollkommen überflüssig, sondern richten sogar großen Schaden an. (…)

Dank der Schulpflicht sei die Schule noch ein Ort, der die auseinanderdriftende individualistische Gesellschaft zusammenhalte, heißt es oft. Doch erzwungener Zusammenhalt erzeugt bestenfalls Solidarität unter Leidensgenossen. Integration ist das nicht. Integration beginnt im Zeitalter des Individualismus dort, wo ich selbstbestimmt auftreten und aus freien Stücken die Gemeinschaft mit anderen aufsuchen kann. Ich bin in jede Gesellschaft integrierbar, die sich aus Freiheit heraus bildet und der ich deshalb nicht zwangsläufig angehören muss.

Kurzum: Wenn der Schule in einer freiheitlichen Gesellschaft eine Integrationsfunktion zukommen soll, müssen wir die Schulpflicht endlich abschaffen.

5) Das Schulsystem macht krank – Schüler:innen und Lehrer:innen gleichermaßen

Es ist nachgewiesen, dass viele Kinder unter der Schule leiden. Laut einer Studie der DAK zum Beispiel klagen 55% über Kopfschmerzen, 51% über Bauchschmerzen, 43% über Rückenschmerzen 35% haben Schlafstörungen. 70% der Achtklässler trinken Energydrinks, bei den Zehntklässlern sind es 84%. (…) „Schulangst“ ist in der Sozialpsychologie zu einem Standardthema geworden. Als Ursache für diese Schulangst wird vor allem das Leistungs- und Konkurrenzprinzip der Schule festgestellt. (…)

Diese gesundheitlichen Überlastungserscheinungen sind in weiten Teilen die Konsequenzen aus dem Schulbesuch und haben hier ihre Ursache. Es stellt sich damit die Frage, ob der Arbeitgeber dieses „Arbeitsplatzes Schule“, also der Staat seine Sorgfalts- und Fürsorgepflicht gegenüber den ihm anvertrauten Menschen erfüllt, für die jeder Arbeitgeber verantwortlich ist. Unabhängig von dieser arbeitsrechtlichen Fragestellung ist jedoch offensichtlich, dass die staatliche Gewalt in der Schule die Würde des Schülers nur bedingt schützen kann. Mehr noch: Es ist der Staat selbst, der zu dazu beiträgt, die Würde des Kindes zu verletzen.

Lehrer:innen stecken in unserem Schulsystem in dem Widerspruch, gleichzeitig Förderer ihrer Schüler sein zu wollen und Richter über sie sein zu müssen. Nicht wenige Lehrer:innen zerbrechen an diesem Widerspruch. Schüler:innen können Lehrpersonen gegenüber ihre wirklichen Verständnisschwierigkeiten nicht äußern, die Gefahr, negativ eingeschätzt zu werden, ist zu groß. Förderung setzt ein Vertrauensverhältnis voraus, Notenurteile zerstören es. Gute SchülerInnen leiden ebenfalls darunter, auch ihre Individualität wird ignoriert. Auch sie stehen unter dem ständigen Druck, abrutschen zu können. (…)

Hauptsächlich aus diesen Gründen und aus meiner Erkenntnis, dass sich nichts ändern wird, habe ich diese Entscheidung getroffen. So nehme ich denn aus den genannten Gründen meinen imaginären Hut und bin so frei, diesem System nicht länger zu dienen.

Mit freundlichen Grüßen

Der vollständige Text – mit Zitaten und Quellenverweisen – lässt sich hier herunterladen.

Entrechtete Lehrer: Wie das Beamtengesetz den Grundrechtsschutz seiner Staatsdiener einschränkt

 

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Realist
11 Tage zuvor

Ich wünsche der Kollegin viel Erfolg auf ihrem neuen Lebensweg!

Dank demographischen Fachkräftemangels allerorten wird sie es schon schaffen. Lehrkräfte sind ja in der Regel intelligente und anpassungsfähige Menschen.

Für viele wird dieser Schritt „mutig“ erscheinen, wahrscheinlich aber wird er aus der Retrospektive „weise“ gewesen sein

F. H.
10 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Ich finde den Schritt weder mutig noch weise. Er ist einfach nur Selbstschutz, bevor man krank wird.

Geht's noch
11 Tage zuvor

Unterschreibe ich sofort.
Alles Gute auf dem Weiteren Weg.

Mary-Ellen
11 Tage zuvor

Kann ich nachvollziehen!
Finde es sehr mutig und konsequent!
Hut ab!
Ich wünsche alles Gute!
Meine Erfahrung: Schließt man eine Tür hinter sich, öffnet sich mindestens eine neue!

Nora
5 Tage zuvor
Antwortet  Mary-Ellen

Ich unterschreibe nicht, weil ich finde, dass die Lehrerin nur in manchem, in vielem aber nicht Recht hat.
Mir kommt es auch so vor, als wolle sie mit ihrer Generalabrechnung in erster Linie die Scheinwerfer auf sich selbst richten und den eigenen Abgang glorifizieren.

Bernd Regold
11 Tage zuvor

Das wird seit Jahren ignoriert, daß der Staat kein freies Schulwesen leiten kann. Der Staat behandelt alle gleich, damit fördert et nicht die Individualität. Das Schulwesen inkl. Universitäten muß sich selber leiten. Daran hängt es, daß der Einheitsstaat aufgeteilt werden muss in drei organisatorisch unabhängige Teile die sich selber verwalten, eben Wirtschaft, Staat und Schulwesen.

kanndochnichtwahrsein
11 Tage zuvor

So sieht es aus!
Schule hat wenig bis nichts mit Lernen zu tun.
Schule ist heute eher organisierte Verwahrung.
Es hat sich in den letzten Jahrhunderten nicht viel geändert – außer vielleicht, dass Nicht-Funktinieren der Schüler im System nicht mehr mit körperlicher Gewalt sanktioniert werden darf. Gewalt hat sich verlagert auf psychische Formen (strukturell oder durch die beteiligten Persönlichkeiten begründet) und richtet sich inzwischen nicht mehr nur gegen Schüler (durch Lehrer oder Mitschüler) sondern zunehmend auch gegen Lehrer (durch Vorgesetzte, Eltern und Schüler).

Desillusionierend auf der ganzen Linie.
Viele von uns werden – wie auch ich – ähnliche Briefe schon hundert Mal im Kopf formuliert, vielleicht sogar geschrieben, aber nie abgeschickt haben… vielleicht bereut man später mal, den Absprung nicht geschafft zu haben?

Schade, dass die Realität so ist.
Man könnte es ändern, aber es scheint gesellschaftlich nicht gewollt.
Zu (oberflächlich betrachtet) praktisch ist offenbar das ganze System.
Auch Lehrer reden sich immer wieder ein, noch etwas bewirken zu können und deshalb Teil des Systems bleiben zu müssen. Im Grunde auch wieder nur eine „praktische“ Lösung, die niemanden dazu bringen wird, Änderungen herbeizuführen oder auch nur zuzulassen 🙁

Tina Uthoff
10 Tage zuvor

So traurig es auch ist, finde ich es doch schön, dass hier keine Einzelmeinung abgebildet wird. Wir sind viele.

https://youtu.be/Gq10cB1WbkI

https://www.youtube.com/watch?v=eiaBq8BtgoU

https://youtu.be/ouxtg5rUrTY

Riesenzwerg
8 Tage zuvor

„Schule ist heute eher organisierte Verwahrung.“

Hej! Das ist die einzige Daseinsberechtigung, die wir LuLs noch haben! 🙂

Julia
11 Tage zuvor

Großartig, einfach nur ‚Hut ab‘! Der Bericht bringt es einfach auf den Punkt. Ich wünsche diesem Artikel eine große Reichweite und viele Leser.

klm
5 Tage zuvor
Antwortet  Julia

Warum „Hut ab“? Was ist bei dieser Art von Quittierung des Schuldienstes so bewundernswert?
Wenn die Dame in ihrem Brief mehr persönliche Bescheidenheit an den Tag gelegt und Dinge kritisiert hätte, die ganz praktische alltägliche Nöte von Lehrern beschreiben und kritisieren, könnte ich mich Ihrem Lob anschließen.
So aber verabschiedet sie sich als menschlich und moralisch herausragende Lehrperson, die aus Gewissensgründen nicht mehr mitmachen kann und will.
Ich als Lehrkraft komme mir dabei ziemlich klein, anspruchslos, obrigkeitshörig und dämlich vor.

Michael
11 Tage zuvor

Mann – geht es in Bayern wirklich so zu? brutale Menschenrechtsverletzungen aller Art? das haben mir alle meine bayrischen Freunde jeden Alters verschwiegen – gibt es da eine Veschwörung?

Riesenzwerg
8 Tage zuvor
Antwortet  Michael

Ich kann mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, dass derartige verbale Übergriffe dort an der Tagesordnung sind.
So etwas geschieht in der Regel eher dann, wenn eine massive Überlastung da ist.
Das zu beheben oder zu reduzieren ist – da KuMis anscheinend keinerlei Zuständigkeiten haben – Aufgabe des Personalrates und der Schulleitung.

Aber ich kann verstehen, dass man ein derart starres System verlässt.

Hesse
11 Tage zuvor

Als Quereinsteiger arbeite ich nun seit drei Jahren als Lehrer und bin in wenigen Monaten wieder weg. Ich empfehle diesen Beruf auch niemandem. Es macht wirklich krank!

Riesenzwerg
8 Tage zuvor
Antwortet  Hesse

Jepp.

Mich wundern die vielen likes – ohne dass etwas geschieht.

Was meine ich damit?

Viele Daumen hoch für den Ausstieg aus dem Lehrerdasein.

Warum nur – wenn das doch so viele gut finden – MACHEN wir nichts? Einfach mal krank sein, oder auch mehr krank sein oder auch ganz krank sein.

Das MUSS doch im Ministerium auffallen!

Ja, ich träume, aber es tut gut!

Kritischer Dad*NRW
10 Tage zuvor

Auch bei viel Verständnis zur persönlichen Situation bleiben doch Fragen offen:
Alleinstehend oder Familienstand; Kinder; Voll- oder Teilzeittätigkeit; (familiäre) finanzielle Absicherung; Erbschaft od. Geldgewinn; Alter und vor allem Beschäftigungsjahre …

Ein Altersgeldanspruch scheidet in Bayern allerdings aus.

Georg
10 Tage zuvor

So wie sie das schreibt, wurde ihr von der Politik und vielleicht auch schon während der Ausbildung an der Universität oder im Referendariat eine Welt vorgegaukelt, die so nicht funktioniert. Insofern ist dieser mutige Schritt ein geliefert wie bestellt, allerdings nicht oder nur mit geringer Schuld der Lehrerin daran. Viele andere Lehrer denken dasselbe, aber auch an ihr Einkommen und ihre Pension.

Oder kurz: Sozialismus funktioniert nicht.

Nichtschonwieder
10 Tage zuvor
Antwortet  Georg

Und schon wieder dein Sozialismus. Wo ist der denn? Du hast Wahnvorstellungen, geh Mal zum Arzt Georg.

Fr.M.
9 Tage zuvor
Antwortet  Nichtschonwieder

Blinde bemerken natürlich nicht, was andere sehen, und halten deren Beobachtungen manchmal für Wahnvorstellungen.

Nichtschonwieder
6 Tage zuvor
Antwortet  Fr.M.

Blinde? Ihr seid also die Sehenden oder wie? Wie lustig. Nicht. Nur peinlich.
Wo haben wir denn hier Sozialismus? Träumt ihr nur weiter.

noname
6 Tage zuvor
Antwortet  Nichtschonwieder

Lustig oder peinlich? Eins geht nur.

Sascha Arndt
10 Tage zuvor

Kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe bislang IMMER die Erfahrung gemacht, dass ich mit Kollegen, Vorgesetzten, Eltern, Schülern, Schulamt REDEN / kommunizieren konnte UND dass sich dadurch etwaige PROBLEME LÖSEN ließen.
Aber das mag nicht nur an der Person, sondern an den Umständen liegen – und da kann ich mir vorstellen, dass die in Bayern nicht ganz so gut sind…

Tina Uthoff
10 Tage zuvor
Antwortet  Sascha Arndt

Ich stimme zu, dass die Menschen in dem System miteinander ins Gespräch kommen können. Aber systemisch gibt es einfach auch Grenzen dahingehend, was möglich ist.

Kaja
10 Tage zuvor

Ein sehr guter Text, mit vielen Wahrheiten. Ich drücke die Daumen für eine bessere Schulzukunft und wünsche der Autorin des Textes alles Gute für die Zukunft in neuen Projekten.

Kollegin aus NRW
10 Tage zuvor

Liebe Kollegin aus Bayern,
den gleichen Schritt gehe ich – nach einer durch die von Ihnen beschriebenen Zwänge und Überforderungen des Schuldienstes ausgelösten – völligen Erschöpfung und Depression gerade in NRW.
Seit ich den Entschluss gefasst und offen ausgesprochen habe, kann ich wieder schlafen und sehe positiv in die Zukunft – trotz aller sich daraus ergebenden Unsicherheiten (v.a. finanziell)…
Ich wünsche Ihnen alles Gute und Kraft für Ihren persönlichen Weg!

Karolina Z.
10 Tage zuvor
Antwortet  Kollegin aus NRW

Sehr beeindruckendes Schreiben und Hut ab! Als Eltern haben wir ähnliche Erfahrungen und Beobachtungen gemacht. Das System ist krank und wird unsinnigerweise gestützt und aufrecht erhalten.
Was mich überrascht ist, dass die finanzielle Seite überhaupt nicht angesprochen wird. Kein Ton von A12/13 etc. Ich hoffe, wir erfahren, wie es dieser Lehrerin in Zukunft ergeht.
Ich hoffe sehr, am deutschen Schulwesen ändert sich strukturell etwas (einiges. vieles. alles).

Fr.M.
9 Tage zuvor
Antwortet  Karolina Z.

Ich bin weniger beeindruckt von einem Abgang, der sich mir als Heldentat aufdrängt.

Jens Reinhardt
10 Tage zuvor

Für eine Lehrerin an der Grundschule ist der Beitrag sehr wissenschaftlich; ich habe Verständnis und Respekt vor der Entscheidung der Autorin. Ich bin ein Mann der Wirtschaft in führender Funktion, habe 4 Kinder und bin mit einer Grundschullehrerin in einer Patchworkfamilie verheiratet. Ich sauge viele Infos von Lehrern aus meinem Umfeld auf, nehme viel zur Kenntnis, was ich vom Lehrer-Schulalltag mitbekomme, ich mache keine Lehrerwitze mehr, fast wenigstens. Das ganze Thema Bildung und Schulsystem begeistert, fesselt und quält mich zugleich.

Bei meinen zwei leiblichen Kindern bin ich immer Elternvorsitzender seit dem Kindergarten und als Elternvertreter mit im Schulvorstand an einer IGS. Meine Kommentare zu diesem Bericht möchte ich thesenartig zum Ausdruck bringen.

-die Politik stülpt den Lehrern von Legislaturperiode bis Legislaturperiode neue Ideen über, die die Lehrer dann, allein gelassen, umsetzen sollen. Altgediente Haudegen wissen dies bereits und haben sich drauf eingestellt, haben ein dickes Fell, schotten sich ab und ziehen ihr Ding durch, dies auch mit Erfolg.
-warum wird das dreigliedrige System aus Hauptschule, Realschule, Gymnasium abgeschafft, bzw. immer mehr aufgeweicht? Ein wahrer Erfolgsschlager. warum macht die Politik so etwas?
-Inklusion ist in der Praxis nicht nachhaltig umsetzbar und eine Fehlentscheidung. Die Lehrer sind allein gelassen, haben nicht die Erfahrung wie Sonderschulpädagogen, der praktische Unterricht ist verzogen, es kommt zu absurden Situationen. Niemandem ist geholfen, Lernziele innerhalb der Klassen werden nicht erreicht, leistungsstarke Kinder langweilen sich. Auch den inkludierten Kindern ist mit Inklusion nicht gedient. Warum entscheidet die Politik so etwas?
-Es fehlt an Männern und männlichen Vorbildern, es gehören unbedingt mehr männliche
Lehrer an die Grundschulen, denn es gibt doch fast nur noch Frauen und weibliche Teilzeitkräfte, die den Unterricht führen.
-Assessment Center bei der Lehrereinstellung. Es sind zu viele, die den Lehrerberuf ergreifen, aber kein konkretes Anliegen haben einer zu sein, sich nicht berufen fühlen.
Ich halte den Lehrerberuf für einen attraktiven, der es verdient gewürdigt zu werden und für den der Staat auch mal vernünftig die Werbetrommel rühren muss. Lehrer sind Respektspersonen, dies muss zum einen vom Staat und der Gesellschaft gewürdigt und von Ihnen selbst gelebt werden.
-Immer mehr Erziehungsarbeit landet in den Grundschulen, da viele Familien aufgrund von Wertemangel, wirtschaftlichem Druck oder des Alleinerziehens nicht mehr in der Lage sind ihre Kinder zu erziehen. Dies ist ein gesellschaftliches Problem, das schleichend in die Grundschulen gewandert ist. Die Lehrer, auch an Grundschulen, haben aber in erster Linie einen Bildungsauftrag und keinen Erziehungsauftrag.
-es muss hier auch angeführt werden, dass Grundschule kein bunter Teller oder ein Vergnügungspark ist. Jeder Mensch, auch Kinder im Grundschulalter sollte bestrebt sein sich Wissen und Können anzueignen. Alles mundgerecht darzubieten wird nicht realisierbar sein.
-usw., usw….
-was generell aus unserem Schulsystem hervorgebracht ist aus Sicht der Wirtschaft zu mindestens 1/3 zu dünn. Lesen, schreiben, rechnen vielerorts zu fehlerhaft, soft Skills Fehlanzeige, wenn es vorab schon an vielen Grundwerten fehlt. Dabei ist der Bedarf an gut ausgebildeten Menschen so enorm groß. Unser Bildungssystem sollte daher viel mehr Aufmerksamkeit bekommen: Gut ausgebildete Lehrer, modern ausgestattete Schulen, vernünftige Abschlüsse. Gute Bildung ist im Interesse aller, der Gesellschaft, des Staates.
Werden wir dem nicht gerecht, gibt es immer mehr Privatschulen, wo man sich seinen Abschluss kaufen kann. Unternehmen sponsern ganze Jahrgänge an Fakultäten um sich ihren Nachwuchs selber zu rekrutieren.
-….ich schweif‘ jetzt ab und schreibe am Thema vorbei und ende jetzt lieber.
Der Autorin/Grundschullehrerin wünsche ich viel Erfolg in ihrem nächsten Berufsleben. Aufgaben für Ihre Qualifikation gibt es genügend, aber eben auch ein etwas weniger sicheres Sozialnetz, so, wie im wahren Leben…
LG, Jens Reinhardt

Teacher Andi
10 Tage zuvor
Antwortet  Jens Reinhardt

Sie haben die meisten Aspekte, an denen unser Schulsystem krankt, auf den Punkt gebracht. Und ich bin froh, dass auch mal ein außenstehender Nichtlehrer die Fakten so sieht, wie sie tatsächlich sind. Das Ansehen der Lehrer in der Gesellschaft ist ja noch immer nicht besonders gut und wird vom Dienstherr auch nicht unbedingt zurecht gebogen. Der Fisch stinkt ganz gewaltig von ganz oben, das muss man so lapidar sagen. Der brave Beamtenlehrer hat bisher alles geschluckt, was auf ihn hereingebrochen ist. Aber irgendwann ist es einfach zu viel. Ich habe diese Probleme schon lange kommen sehen, da sich im Kultusministerium außer dem Postenkarussell nichts bewegt. Selbst Kollegen, die früher hoch motiviert, engagiert, fachlich und pädagogisch exzellent waren, sind nur noch frustriert und denken an Ausstieg. Und die träge Bildungspolitik schaut weiterhin zu, wie alles bergab geht, im Glauben, dass die Lehrer das alles wie immer irgendwie schon richten werden. Aber irgendwann heißt es „Ende Gelände“…….. na ja, wenn man nur 4 Jahre für die Geschicke des Schulsystems verantwortlich ist, warum sollte man sich da groß anstrengen, nicht wahr?

Tina Uthoff
10 Tage zuvor
Antwortet  Jens Reinhardt

Interessant, dass sie ihre Erfahrungen von Elternseite einbringen. Ich bin stellv. Vorsitzende des Gesamtelternbeirats und vertrete 130 Münchner Grundschulen. Falls Sie noch Interesse an weiteren Informationen haben, sende ich Ihnen hier bei etwas Videomaterial. Ich habe nur bestehenden Fakten zusammen getragen. In der Videobeschreibung finden Sie 60 Seiten Skript und 7 Seiten Quellen Angaben. Vielleicht finden Sie es ja hilfreich, das würde mich freuen.

https://youtu.be/Gq10cB1WbkI

https://www.youtube.com/watch?v=eiaBq8BtgoU

https://youtu.be/ouxtg5rUrTY

AusderPraxis
5 Tage zuvor
Antwortet  Jens Reinhardt

Ich glaube, dass sich so wenige männliche Lehrer für das Grundschullehramt entscheiden liegt auch daran, dass es so wenige Vollzeitstellen gibt.

Da wir in den ersten 20 Unterrichtsstunden mehr LK als Klassen brauchen. Z.B. sollte der Förderunterricht Deutsch/Mathe in Klasse 1/2 eigentlich mit 2 Lehrkräften besetzt sein, es macht wenig Sinn, wenn ein Lehrer die komplette Klasse fördert.
Ein großes Problem ist auch der Religionsunterricht, der für eine Jahrgangsstufe parallel stattfinden muss, wobei bei uns im Norden nur ganz wenige am katholischen und wenige am evangelischen RU teilnehmen, so dass die Philosophiegruppe schon mal auf über 40 Kinder anwächst, für die wir dann eine 2. Lehrkraft brauchen, für 3 Klassen also 4 Lehrer.
In der 5. Stunde brauchen wir schon weniger Lehrer, da überwiegend nur noch die 3. und 4. Klassen vor Ort sind. In der 6. Stunde brauchen wir kaum noch Lehrer, da selbst die 3. und 4. Klassen nur 26 Unterrichtsstunden haben. Eine Vollzeitlehrkraft muss aber 28 Stunden unterrichten!

Gerade männliche Lehrer wollen aber ihr komplettes A12 Gehalt verdienen und nicht jahrelang auf Teilzeitstellen mit entsprechend geringerem Gehalt (und geringeren Pensionsansprüchen) rumkrebsen.
In unserem Kreis sind z.B. für das kommende Schuljahr 53 Lehrerstellen für die GS ausgeschrieben, davon sind nur 25% Vollzeitstellen (davon 2 Konrektorenstellen, also nichts für Berufsanfänger). Bei der Vergabe von Vollzeitstellen muss auch noch der soziale Aspekt berücksichtigt werden. So sollen diese vorrangig mit z.B. Alleinerziehenden besetzt werden.

Bei Erziehern der OGS sieht die Sache noch düsterer aus. Dort werden ausschließlich Teilzeitstellen gesucht! Hat man Glück betreibt der Träger auch noch Kindergärten! (Ist aber normalerweise nichts so). Ansonsten arbeitet man im „Zweitjob“ auf Steuerklasse 6! Es gibt nicht einmal die Möglichkeit, sich auf eine Vollzeitstelle „hochzudienen“, da die OGS max 5 Stunden am Tag geöffnet ist, wobei die volle Personalstärke nur an 2-3 Stunden gebraucht wird. Da hilft die Ganztagsbetreuung(8-17 Uhr) in den Ferien auch nur bedingt, da diese nicht von allen Eltern in Anspruch genommen wird.

nil regie
4 Tage zuvor
Antwortet  Jens Reinhardt

.

Last edited 4 Tage zuvor by nil regie
S. H.
10 Tage zuvor

Ich weiß nicht, die Begründung kommt mir irgendwie komisch vor. Wenn ich mich aus dem Schuldienst zurückziehen würde, käme ich vermutlich nicht auf die Idee, einen solchen Sermon zum Abschied zu schreiben, ihn anonym zu veröffentlichen und mich als Mensch mit einem so großen Herzen für Kinder darzustellen, dass ich die kinderfeindliche Arbeit in der Schule nicht mehr aushalte.

Mein Ausscheiden aus dem Schuldienst hätte viel profanere Gründe. Endlich hätte ich den Mut der Verzweiflung, um meiner ständigen Überlastung durch immer neue Aufgaben und Ärgernisse den Rücken zu kehren. Ein solches Leben wollte und könnte ich nicht länger führen.

Bei mir wäre der ganz „egoistische“ Wunsch nach einem ruhigeren Leben mit weniger Stress, Selbstzweifeln, Schlafstörungen, Kopfschmerzen usw. ausschlaggebend.
Vielleicht mache ich es ja noch. Darüber nachgedacht habe ich schon öfter, dann kommen aber immer wieder Zweifel. Vielleicht ist der Leidensdruck nur noch nicht hoch genug.

Tina Uthoff
10 Tage zuvor
Antwortet  S. H.

Doch, gerade wenn ich nach so vielen Jahren engagierter Arbeit den Dienst quittiere, dann mache ich das nicht sang- und klanglos. Kann ich verstehen.

https://youtu.be/Gq10cB1WbkI

https://www.youtube.com/watch?v=eiaBq8BtgoU

https://youtu.be/ouxtg5rUrTY

Soso
9 Tage zuvor
Antwortet  Tina Uthoff

Verstehen kann ich das auch, finde es aber (außer im vertrauten Umfeld) nicht richtig. Man ist doch dann versucht, Fremdverschulden anzuklagen – am besten durch einen gründlichen Rundumschlag.
Oder was soll (außer öffentlicher Selbstrechtfertigung) sonst das Motiv sein für eine Quittierung des Dienstes mit lautem Getöse?

Wolfgang Helmeth
10 Tage zuvor

Für mich kommt es darauf an, die jeweils ndividuellen Potenziale optimal zu entfalten.
Da das nur ganz individuell geschehen kann, ist keine einzige Schulform dazu in der Lage.
Von daher brauchen wir eine völlig neue Erziehungs- und Bildungskultur.
Daran arbeite ich seit vielen Jahren – praktisch, täglich mit den http://www.denzlinger-Cleverle.de
und konzeptionell am http://www.cleverle-navi.de . Weitere Infos gerne über 01522 8700760

Hoffnung
10 Tage zuvor

Ich kann die Lehrerin sehr gut verstehen. Arbeite seit 22 Jahren an einer Gesamtschule. Wollte schon immer Lehrerin sein. Nun inzwischen ertappe auch ich mich häufiger beim Gedanken daran, den Schuldienst zu verlassen. Bin auf der Suche nach Alternativen und hoffe, dass ich es irgendwann schaffe.

Last edited 10 Tage zuvor by Hoffnung
Tim RP
10 Tage zuvor

Schule macht krank. Ich kann der Kollegin nur beipflichten und arbeite daran, ein neues Standbein aufzubauen und ebenfalls den Weg in die Unabhängigkeit von diesem kranken System zu gehen. Raus aus dem Beamtentum! Ich liebe diesen Job, aber das System zwingt mich in die Knie. Das Problem ist zusätzlich, dass die inkompetentesten Leute, die sich gut verkaufen können, in Führungspositionen gelangen und dort ihre neu erlangte Macht diktatorisch ausüben. Das Beamtentum führt dazu, dass diese Menschen uns KollegInnen das Leben so schwer machen, dass jegliche Freude verflogen ist. Und meine Kinder tun mir leid, dass sie durch ein solches System durch müssen. Wieder ein Grund mehr, die Flucht ins Ausland anzutreten und dort ein deutlich glücklicheres Leben zu leben. Beispiele für ein gutes Bildungssystem gibt es genug.

KnechtRuprecht
10 Tage zuvor
PaPo
10 Tage zuvor

Die meisten Kommentare hier sind ja doch zustimmend, auch deshalb etwas Gegenwind von meiner Seite… dislikes für mich garantiert! ^^

Warnung: Es wird kalt, technokratisch und undiplomatisch.

Zu 1) Der Mensch als Objekt:

„Ich finde es unzumutbar, Kindern als vulnerabler Gruppe nicht auf menschlicher Ebene begegnen zu dürfen, sondern sie zu Objekten von Erwartungen machen zu müssen, die nur in ihrer Rolle und Funktion gesehen werden. […]

In der Schule müssen Kinder funktionieren, egal ob sie gerade aus ihrer Heimat geflüchtet sind, zu Hause geschlagen oder sexuell missbraucht werden. Es gibt keine Zeit, keinen Raum, keine Ausbildung, keine Ermutigung, keine Anleitung, kein Personal, keine Supervision, kein multiprofessionelles Team, schlicht überhaupt keine Möglichkeit als Pädagogin diesen Kindern gerecht zu werden, eine erste Anlaufstelle zu sein und den „Schonraum Schule“ zu mehr als einer hohlen Phrase zu machen.

Das heutige Schulsystem setzt noch immer auf Gehorsam und Gruppenzwang, was zu Autoritätshörigkeit und fehlender Verantwortungsübernahme führt. Durch die schulstrukturell erzwungene Unterdrückung der eigenen Bedürfnisse projizieren einige ihre Wut und ihren Hass schnell auf andere Menschen. Mobbing ist in deutschen Schulen an der Tagesordnung.“

Die Metafunktion von Schule ist die Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu eigenverantwortlichen (d.h. mündigen, selbstreflexiven, integren etc.) und gemeinschaftsfähigen (d.h. kooperations- und partizipationsfähigen etc.) demokratischen Staatsbürgern (ich werde dies im Folgenden mehrfach wiederholen… sorry). Die Existenzberechtigung des Schulsystems ist angesichts dessen insg. nicht arbiträr, gewiss keine autotelische, sondern eine autopoiesische Berechtigung. Mithin soll jede schulische Bildung diesem Ziel dienen, denn nur der gebildete Bürger ist wirklich partizipationsfähig, mündig, selbstreflexiv, integer etc. (alles Attribute in reziproker Interdependenz).

Um es weniger akademisch (und weniger diplomatisch) auszudrücken (und mir empörte Reaktionen zu garantieren): Bürger – und damit am Ende ihres schulischen Bildungsweges auch Kinder resp. Jugendliche – müssen gewissermaßen funktionieren! Und hierbei geht es nicht um „Gehorsamkeit oder Gefügigkeit“ wie hier eine anonyme Mutter am 04. April in einem von kontraproduktiver Gefühligkeit geprägten Kommentar unterstellte, basierend auf einer hyperindividualisierenden Freiheitsillusion, die den Pflichtanteil jeden Bürgers am Funktionieren von Gesellschaft negierte, zumindest ignorierte und glaubte, Freiheit sei ein Zustand, der nicht der konstanten Erarbeitung bedürfe (s. „‚Liebes Schulsystem, wir müssen reden!‘ Eine Mutter tritt eine Grundsatzdebatte los“). Hierbei setzt man auch nicht “ auf Gehorsam und Gruppenzwang, was zu Autoritätshörigkeit und fehlender Verantwortungsübernahme führt“ – ganz im Gegenteil:

Kinder und Jugendliche zu Subjekten(!) von gesamtgesellschaftlichen Erwartungen auch an ihre Rolle und Funktion zu machen, ist nicht gleichbedeutend mit der Vermittlung dieser pejorativen Eigenschaften, denn statt „Gehorsam“ und „fehlender Verantwortungsübernahme“ geht es doch (mit Blick auf die oben skizzerten Ziele) gerade um „Disziplin“ (und explizit befürworteter Bedürfnisunterdrückung) und „Verantwortungsübernahme“, statt „Gruppenzwang“ um „Gemeinschaftsfähigkeit“ und statt um „Autoritätshörigkeit“ um die Fähigkeit zum Skeptizismus, Integrität, Selbstreflexivität etc., um „Mündigkeit“.

Als Lehrer kann ich zwar allerlei Probleme erkennen, die meine Kernaufgaben torpedieren, die mich ungemein frustrieren, insb. schulpolitischer Art, wie absurde Klassen-/Kursteiler, den Personalmangel, die überbordende Bürokratisierung, fehlende Disziplinierungs-/Sanktionsmöglichkeiten, Experimente der Kultusminister etc., aber ich kann doch dennoch meinen Schülern „auf menschlicher Ebene begegnen“, setze nicht „auf Gehorsam und Gruppenzwang“, protegiere nicht „Autoritätshörigkeit und fehlender Verantwortungsübernahme“ – ich sehe hier im gegenständlichen Beitrag einen massiven non sequitur-Fehlschluss, so wie die gesamte Äußerung zu den mutmaßlichen Ursachen von Wut, Hass und Mobbing, die ich als kontraproduktiv simplifizierend erachte.

Auch habe ich doch durchaus die Möglichkeit, auf besonders prekäre Einzelsituationen pädagogisch etc. zu reagieren.

Ich teile jedoch die Einschätzung dass es einen eklatanten Mangel an Zeit, Raum, Ausbildung, Ermutigung, Anleitung, Personal, Supervision, multiprofessionellen Teahms etc. gibt, ungenommen. Ich trenne dieses Problem aber von den anderen Ausssagen im Abschnitt „Der Mensch als Objekt“.

Zu 2) Verstoß gegen Menschenrechte, die UN-Behindertenrechtskonvention und die UN-Kinderrechtskonvention:

„In der Schule werden Kinder nicht nur aufgrund der Tatsache diskriminiert, dass sie unter 18 Jahre alt sind, sondern auch aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Ethnie, ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts, des Bildungsstandes der Eltern, ihres Vornamens und der Armut ihrer Eltern. […]“

Das ist ja kein per se schulsystemisches Problem, sondern eines, dass seitens der Personen zu verorten ist, die demenstprechend agieren (und damit den oben skizzierten Zielen von Schule zuwiderhandeln).

„Außerdem setzen Schulen in Deutschland die Inklusion kaum um und benachteiligen dadurch Menschen mit Behinderungen, was zusätzlich noch gegen die 2008 verabschiedete UN-Behindertenrechtskonvention verstößt.“

Ohne jetzt die Problematik der Überführung von ratifizierten UN-Konventionen in nationales Recht thematisieren zu wollen: Das Schreiben der anonymen Autorin referiert ein einziges Werk an gegebener Stelle, eine Publikation von B. Schumann, die ausschl. eine Beschulung von Lerbehinderten in Förderschulen fokussiert und kritisieren möchte. Entsprechend ist das wohl der vermeintl. Konflikt zwischen der Inklusion in Deutschlands Schulen ind den beiden UN-Konventionen.

Aber weder die UN-Behindertenrechtskonvention noch die UN-Kinderrechtskonvention formulieren einen eineindeutigen, unüberwindbaren Kontrast zwischen dem Ziel der Inklusion und der Beschulung von Lernbehinderten in Förderschulen. Im Gegenteil: Die beiden Konventionen sind recht offen formuliert und es läßt sich auch recht problemlos ein Beibehalten oder ggf. gar die Schaffung eines Förderschulsystems davon ableiten, u.a. auch mit der Argumentation, die B. Schumann kritisiert, „dass im ‚Schonraum‘ der Sonderschule leistungsschwache Kinder besser gefördert werden und ein positives Selbstkonzept entwickeln können, weil sie vor Leistungsdruck, Versagensängsten und Misserfolgen geschützt werden.“ Die entsprechenden Einschätzungen und Schlussfolgerungen von B. Schumann muss man übrigens nicht teilen.

Probelmatiosch wäre da eher, dass dt. Kultusminister diese Konventionen zur willkommenen Legitimation genutzt haben, Förderschulen sukzessive abzuschaffen und junge Menschen mit entsprechendem Förderbedarf einfach so in Regelschulen zu zwängen, ohne dafür entsprechende Bedingungen zu schaffen. Ist halt billiger. Ist aber auch offenbar nicht das, was die anonyme Autorin hier zum Kritikpunkt gemacht hat.

„Ein weiterer Aspekt, der zu dem Schluss kommen lässt, dass in der Schule die Schutzrechte von Kindern missachtet werden, betrifft den achtungsvollen Umgang von Lehrern mit Schülern. Der „seelische Sadismus“ gegenüber Schülern, von dem Kurt Singer spricht (Singer 1998, S. 29), gehört zum Alltag in Schulen. Schüler werden von Lehrern vor der Klasse gedemütigt, bloßgestellt und zum Gespött gemacht. In Artikel 16 der Konvention heißt es: „Kein Kind darf willkürlichen oder rechtswidrigen Engriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung oder seinen Schriftverkehr oder rechtswidrigen Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden.“ Kinderfeindliche Umstände in Schulen gehören aber zum Alltag und wirken als psychischer Druck und als entwürdigendes Verhalten (vgl. Singer 1998), das als Menschenrechtsverletzung definiert werden muss. […]“

Ungeachtet der fehlenden, aber eindeutig relevanten Quantifizierung solcher Phänomene: Auch hier ist erstmal kein per se schulsystemisches Problem zu sehen, sondern eines, dass seitens der Personen zu verorten ist, die demenstprechend agieren (und damit den oben skizzierten Zielen von Schule zuwiderhandeln). Zudem ist auch vor dem Einzug von sog. concept creep zu warnen und der Gefahr, Phänomene als Verstoß gg. den gegenständlichen Artikel zu werten, die ihrer Natur nach nicht von Art. 16 der UN-Kinderrechtskonvention erfasst sind.

„Im Lehrplan, dem Schulleiter:innen und Lehrer:innen verpflichtet sind, steht: Gelebte Demokratie. Demokratie nicht als Fach, als Unterrichtsstunde als Etikett, sondern als gelebte Haltung in der Schule. Davon sind wir in der Praxis meilenweit entfernt. Staatsschule ist traditionell ein Ort der Herrschaftserfahrung und der hierarchischen Kommunikation, nicht der Partizipation.“

Das Schreiben kommt leider konstant vom Hölzchen auf ’s Stöckchen. So sie es nicht am zuvor geschriebenen festmachen will (was der Erläuterung bedürfte), hat die anonyme Autorin leider nicht erläutert, weshalb Schule von gelebter Demokratie „in der Praxis meilenweit entfernt“ sein sollte. Dass Schule ein hierarchisches System ist kein Widerspruch zu Demokratie und Partizipation, ja das sind Hierarchien insg. nicht per se, da hilft auch nicht die Verzerrung mit Pejorativen wie „Staatsschule“ als traditioneller „Ort der Herrschaftserfahrung“ – das ist gefährlich nah am Schwurbeln.

Zu 3) Lernbegriff:

„So wie Lernen in der Schule konzipiert ist, geht man immer noch davon aus, dass Wissensinhalte von einem Menschen auf den anderen übertragen werden können – ob der nun will oder nicht. Mittels Studien ist nachgewiesen, dass die Freude am Lernen in staatlichen Schulen kontinuierlich abnimmt.

[…]

Das Hirn ist in erster Linie ein Filter-, nicht ein Speicherorgan. Es filtert das weg, was für den Betreffenden nicht bedeutsam ist. Sollen Lernprozesse effektiv sein, müssen sie deshalb vom Lernenden mit positiven Emotionen verknüpft werden, also als bedeutsam und lustvoll erlebt werden.

Da jede intrinsische Motivation zwangsläufig durch alle extrinsischen Motivationsversuche unterdrückt wird, lässt sich auch die Lernlust eines Menschen nur dann wecken, wenn ihm Gelegenheit geboten wird sich als Gestalter seiner eigenen Lernprozesse zu erfahren. Das aber kann nur gelingen, wenn Kinder nicht länger als Objekte der Erwartungen, der Bewertungen, der Belehrungen behandelt werden.“

Eine zentrale Aufgabe von Schule ist die Selektion und Allokation von Schülern nach ihren Fähigkeiten (zum Zwecke der skizzierten Zielerreichung). D.h. auch, dass Schüler sich mit Inhalten befassen und diesbzgl. Aufgaben lösen (können) sollen, die sie nicht interessieren. Dies zu können, das ist letztlich relevant für eine gesamtgesellschaftliche Funktionsfähigkeit.

Schule ist keine Unterhaltungsveranstaltung, Lehrer sind keine Animateure: Wenn Schüler keine intrinsische Motivation für diese Inhalte und entsprechende Aufgabenbewältigung aufbringen können, ist das in erster Linie das Problem der Schüler selbst. D.h. nicht, dass man keinerlei Anstalten machen sollte, seine Schüler zu motivieren, dass das nicht hinsichtlich des Bildungserfolgs der Schüler, des Klassen-/Kursklimas, des Wohlbefindens aller Beteiligter etc. besser ist. Es kann aber nicht Aufgabe von Schule sein, Schülern entsprechende Konzessionen bzgl. der Inhalte, Aufgaben etc. zu machen, um diese zu motivieren, ggf. (wahrscheinlich i.d.R.) gar in Form von Niveaureduzierungen u.ä.

Das eigtl. Problem ist die Orientierung an Lern- statt an Lehrzielen. Man ist zu sehr darauf bedacht, dass am Ende bei allen auch alle Lernziele zwingend ankommen, da gibt es dann scaffolding, wird der Schüler quasi über die Schwelle zum Erfolg getragen, wird das Niveau gesenkt, als sei jeder zu allem in der Lage, würde er nur entsprechend unterstützt, geleitet, motiviert etc. – eine an Naivität kaum zu überbietende Idee (s.u. die Thematisierung einer populären Karikatur).

Die Klage darüber, „gegen die Interessenlosigkeit anzukämpfen“ und die Schüler disziplinieren zu müssen verfahlt deshalb, deutet m.E. eher auf fehlsame Entwicklungen hin, die im weiteren Verlauf meiner Replik thematisiert werden.



Die unpopuläre Wahrheit: Schüler sind natürlich Subjekte(!) „der Erwartungen, der Bewertungen, der Belehrungen“ – es kann gar nicht die Frage sein, ob sie auch entsprechenden Widrigkeiten zum Trotz ‚funktionieren‘, allenfalls wäre zu fragen, ob entsprechende Lehrinhalte und Prüfungsformen etc. eine adäquate Vorbereitung auf das Leben nach der Schule i.s.d. skizzierten Zielsetzung darstellen, ob sie im Einzelfall den Zielen der Selektion und Allokation bzw. der Erziehung zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen, demokratischen Staatsbürgern dienen.

„Der exorbitant große Bedarf an Nachhilfe zeigt, dass die Schule nicht in der Lage ist allen Kindern die notwendigen Lerninhalte zu vermitteln. Ist das aber nicht eigentlich die originäre Aufgabe von Schule? Das Schulsystem ist auch hier nicht in der Lage, die eigenen Ansprüche zu erfüllen.“

Gegenthese 1:

Woran bemisst sich eigtl. die Einschätzung eines „exorbitant große[n] Bedarf[s] an Nachhilfe“ und ist dieser Bedarf ggf. in den letzten Jahren gestiegen? Man darf nicht ignorieren, dass Nachhilfe nicht ausschl. von denjenigen in Anspruch genommen wird, die diese Angesichts von tatsächlichn Leistungsdefiziten benötigen würden: Letzteres, ein gestiegener „Bedarf an Nachhilfe“, könnte auch ein gestiegenes Problembewusstsein der Personensorgeberechtigten und ggf. der Schüler selbst indizieren, die realisieren, dass der Wert der genuinen Schulabschlüsse aller Schulformen erodiert, dass (auch) infolgedessen selbst das Abitur seit langer Zeit keinen Garant mehr für einen adäquaten Ausbildungs- oder Arbeitsplatz darstellt und dass insg. ein ungemeiner Wettbewerb auf dem Ausbildungs-, Arbeits- und Studienplatzemarkt herrscht, zu dem (sehr) gute Noten unabdingbare Zugangsvoraussetzung geworden sind. Tendenziell erodiert ja bereits der Wert eines Abiturs mit einer Eins vor dem Komma, wenn bspw. bundesweit 2008 ca. jeder Fünfte ein Einserabitur hatte und es 2018 bereits ca. jeder Vierte war.

Gegenthese 2:

Ein relativ gleichbleibender oder gestiegener Bedarf bei gleichzeitig abnehmendem Anforderungsniveau (trotz stetiger Zunahme allerorts frei zugänglicher digitaler Hilfen zum Selbststudium) könnte auch entsprechende Defizite bei den Schülern selbst indizieren, bspw. mangelnde intrinsische Motivation u./o. Disziplin u./o. dass immer öfter und von immer mehr Schülern die Grenzen der eigenen kognitiven Kapazitäten erreicht werden, auch weil immer mehr Kinder weiterführende Schulen besuchen, für die sie wohlweislich keine Empfehlung haben: Das Gymnasium ist bereits die Hauptschule der Nation. Eine jede Schule kann nicht einem jedem Schüler alle schulformspezifisch-notwendigen Inhalte vermitteln, das ist eben nicht originäre Auffgabe von Schule. Es ist naiv zu glauben, ein jeder sei zu allem in der Lage, würde er nur entsprechend unterstützt, geleitet etc.

Jeder Lehrer dürfte (eine Variante) einer sehr bekannten Karikatur kennen, in der eine Reihe von Tieren (Vogel, Affe, Elephant etc.) vor einem Lehrer aufgereiht steht und letzterer instruiert: „Zum Ziele einer gerechten Auslese lautet die Prüfungsaufgabe für Sie alle gleich: Klettern Sie auf dem Baum!“ Hier wird genau das gerade Kritisierte insinuiert, alle müssten auf die Spitze des Baumes befördert werden, ansonsten wäre die Aufgabe ungerecht… dabei hat der Karikaturist ja schon unbedacht selbst das Problem dargestellt: Es sind nicht alle gleich, es haben nicht alle die selben Fähigkeiten und auch nicht dieselben Potenziale, dieselben Ziele zu erreichen.

zu 4) Schulpflicht:

„Schulpflicht (in Abgrenzung von Bildungspflicht) und Lernzwang stehen im Widerspruch zu einer Reihe von Grund- und Menschenrechten. […]

Dank der Schulpflicht sei die Schule noch ein Ort, der die auseinanderdriftende individualistische Gesellschaft zusammenhalte, heißt es oft. Doch erzwungener Zusammenhalt erzeugt bestenfalls Solidarität unter Leidensgenossen. Integration ist das nicht. Integration beginnt im Zeitalter des Individualismus dort, wo ich selbstbestimmt auftreten und aus freien Stücken die Gemeinschaft mit anderen aufsuchen kann. Ich bin in jede Gesellschaft integrierbar, die sich aus Freiheit heraus bildet und der ich deshalb nicht zwangsläufig angehören muss.

Kurzum: Wenn der Schule in einer freiheitlichen Gesellschaft eine Integrationsfunktion zukommen soll, müssen wir die Schulpflicht endlich abschaffen.“

Unpopuläre Wahrheit:

Schule ist nicht lediglich Ergänzung, sondern auch Kontrolle und Korrektiv des Erziehungsrechts und insb. der diesbzgl. -pflicht(!) der Personensorgeberechtigten. Schule soll Menschen nach ihrer Befähigung(!) auf eine mögliche Rolle in dieser pluralistischen, freiheitlich-demokratischen Grundordnung als eigenverantwortliche und gemeinschaftsfähige, demokratische (d.h. entsprechend gebildete, selbstreflexive etc.) Staatsbürger vorbereiten, der gesellschaftlichen Nichtpartizipationsfähigkeit von Bürgern (die diese Bezeichnung dann nicht mehr verdient hätten) einerseits und damit anomischen Gesellschaftstendenzen andererseits vorbeugen. Staat und Gesellschaft haben ein berechtigtes Interesse, diese Funktion von Schule zu garantieren und sollten gleichermaßen berechtigte Zweifel hegen, dass alle Personensorgeberechtigten hierzulande ihre Kinder im Sinne dieser Zielsetzung erziehen (können). Die Schulpflicht ist angesichts dieser Problematik ein relativ mildes Mittel zur Zielerreichung.

Inwiefern die Schulpflicht „im Widerspruch zu einer Reihe von Grund- und Menschenrechten“ stehen soll, müßte die Autorin auch im Detail erläutern, statt salopp zu postulieren. Ich bin in puncto Verfassungsrecht jetzt kein absoluter Laie und hätte bspw. infolge einer fundierten grammatischen, systematischen, historischen und teleologischen Auslegung unserer Verfassung, mit Blick auf das Prinzip praktischer Konkordanz und der de facto Möglichkeit der Schranken im Verfassungsrecht doch erhebliche Zweifel an solchen Widersprüchen.

Mithin haben wir keinen „Lernzwang“ hierzulande, wäre angesichts der erwähnten individuellen Grenzen kognitiver Kapazitäten auch abstrus. Wir haben allenfalls (bspw. in den verschiedenen Landesschulgesetzen) diverse Verhaltens- bzw. Beteiligungspflichten für Schüler normiert. Ob diese etwas lernen oder nicht, ist diesbzgl. egal, wollen u./o. können sie das zu Lernende nicht lernen, werden sie entsprechend bewertet bzw. selektiert und allokiert. Und das ist angesichts des Umstands, dass wir eine Leistungsgesellschaft sind, auch gerechtfertigt.

Im Übrigen ist hier die Rede von unmündigen Kindern und Jugendlichen, die gerade deswegen noch nicht mündig sind, weil sie eine mögliche Rolle in dieser pluralistischen, freiheitlich-demokratischen Grundordnung als eigenverantwortliche, gemeinschaftsfähige, demokratische Staatsbürger noch nicht einnehmen können, infolge einer bei Kindern noch nicht hinreichenden kognitiven Entwicklung u./o. bei Jugendlichen einer noch nicht hinreichend vollzogenen diesbzgl. Erziehung, Reifung (i.S.d. Erwerbs hinreichender Erfahrungen, Reflexionskompetenzen etc.) u.ä., also noch nicht hinreichend partizipationsfähig sind. Es ist generell naiv hier quasi einem absolut grenzenlosem Individualismus (der auch gar nicht gewollt sein kann) protegieren zu wollen und den Beginn von Integration(!) heutzutage davon abhängig zu machen, „selbstbestimmt auftreten und aus freien Stücken die Gemeinschaft mit anderen aufsuchen“ zu können, ohne hier irgendeine Form von Differenzierung vorzunehmen, als seien Kinder und Jugendliche von Beginn an (ohne jedes Zutun) eigenverantwortliche, gemeinschaftsfähige, demokratische Staatsbürger. Eine solche (u.ä.) Einstellung(en) halte ich für einen Ausgangspunkt einer unerträglichen Laissez-faire-Erziehung mit anomischem Potenzial, der wir viele der Probleme mit Schülern heutzutage zu verdanken haben…

Und btw: Gemeinschaftsfähig heißt auch Individuen erdulden zu können, deren Gesellschaft ich nicht aus freien Stücken aufsuche, sondern mit denen ich in einer pluralistischen Gesellschaft zwangsläufig zusammenlebe… soviel auch zur nicht zu Ende gedachten Postulierung des Zeitalters des Individualismus.

Zu 5) Das Schulsystem macht krank – Schüler:innen und Lehrer:innen gleichermaßen:

Ja… aber bei mir sind die Gründe wohl anders verortet (meine Frustrationsquellen habe ich ja bereits skizziert).

Und nein, meine Replik ist im Gegenzug auch alles Andere als ein Hohelied auf das dt. Schulsystem (wer meine Beiträge hier in der Vergangenheit gelesen hat, der weiß das auch) und ja, auch ich bemühe mich um ein positives Verhältnis meinen Schülern ggü. und trete ihnen ggü. nicht, wie man mglw. meinen mag, als eiskalter Technokrat entgegen (erfahrungsgemäß habe ich sogar einen recht guten Draht zu meinen Schülern und bin regelmäßiger Ansprechpartner auch in privaten Dingen etc.). Aber ich finde, dass die hier im gegenständlichen Beitrag zum Ausdruck gebrachte Frustration ggü. dem dt. Schulsystem auf fehlsamen, naiven Erwartungen, Falschinformationen, Halbwahrheiten und kontraproduktiven Vorstellungen fußen.

Und jetzt her mit den dislikes. ^^

simmiansen
10 Tage zuvor
Antwortet  PaPo

Ich hätte es nicht so wissenschaftlich fundiert ausdrücken können.
Dennoch möchte ich hier meine volle Zustimmung signalisieren … und der Kollegin gleichzeitig meinen Respekt vor Ihrer Entscheidung zollen.

… Mehr geht an dieser Stelle nicht, weil mich unser krankes und krank machendes Schulsystem über Gebühr fordert! …

Robert
9 Tage zuvor
Antwortet  simmiansen

Das „System“ an sich war einstmals in Ordnung und funktionierte recht gut. Erst die vielen, oft von Ideologie getragenen Reformen haben es mehr verschlechtert als verbessert.
Von „System“ kann man heute kaum mehr sprechen, eher von einer desaströsen Dauerreform.

Baloo
8 Tage zuvor
Antwortet  Robert

Von Ideologie getragenen Reformen?
Was für ein Blödsinn! Das System ist total veraltet. Lehre sind frustriert…
Wenn Schüler von Lehrern öffentlich herabgesetzt werden, wenn man nicht auf Individuen eingeht, wenn Bildung von Geldbeutel oder Herkunft der Eltern abhängt, wenn Lehrer immer noch übergriffig sind, mit Sachen nach Kindern werfen, dann hat das wenig mit den ideologischen Reformen zu tun, sondern mit einem veraltetem System.

MeinSenf
8 Tage zuvor
Antwortet  Baloo

Klar, an allem sind die Lehrer schuld, das wird’s sein! Das war ja auch schon immer so! Die faulen Säcke! *Ironie off*

Ja, es gibt im System solche, die wirklich nicht gerecht, faul oder nett sind, Unfähige und für den jeweiligen Beruf eigentlich Ungeeignete gibt’s in allen Berufen. Jedoch versuchen die meisten ihren Beruf gut zu machen, auch unter uns Lehrkräften.
Fakt ist jedoch auch, dass das derzeitige Chaos, ähh Entschuldigung System, das von dem unqualifizierten Rumgehampel und Reformieren der Politik verursacht wird und wurde, auch die vielen Guten und Engagierten unter uns nicht nur an der vernünftigen Ausübung unseres Berufen hindert, sondern tatsächlich kaputt macht, auslaugt und frustriert. Das schadet allen, den Kindern und Jugendlichen, der Qualität des Unterrichts, den Eltern und uns selbst. Da beißt sich dann die Katze in den Schwanz.

Solange von oben nicht vernünftige, umsetzbare Vorgaben kommen, die zielführend sind, entlasten und qualitativ besseren Unterricht ermöglichen, werden wir uns, die unten im System stecken immer im Kreis drehen und da können wir uns dann lustig immer wieder gegenseitig den Schwarzen Peter zustecken.

PaPo
8 Tage zuvor
Antwortet  Baloo

„[…] wenn Bildung von Geldbeutel oder Herkunft der Eltern abhängt […].“

Privatschulen einmal ignoriert:

Die Rede von der vermeintl. Bildungsungerechtigkeit in Deutschland, dass schulicher Bildungserfolg vom Wohlstand ihrer Eltern abhänge, kokettiert ja regelmäßig mit den Suggestionen / Implikationen, (a) dass Lehrer den (sozio-)ökonomischen Status ihrer Schüler regelmäßig zur Grundlage ihrer Bewertungen machen würden u./o. (b), dass wohlhabendere Eltern entsprechende Noten, Abschlüsse und Co. in großer Menge gleich direkt bei den Lehrern erkaufen würden.

Bzgl. des ersteren Vorwurfs ist anzumerken, dass das Gros der Lehrer den i.d.R. nicht unmittelbar – infolge der Erosion von Gesellschaftsklassen/schichten und ihres jeweiligen spezifischen Habitus insb. nicht an Äußerlichkeiten, Duktus u.ä. – wahrnehmbaren sozioökonomischen Status ihrer Schüler gar nicht kennen dürfte. Ich kenne ihn jedenfalls bei kaum einem meiner aktuell ca. 270 zuvon mir zu unterrichtenden Schüler.

Bzgl. des zweiten Vorwurfs ist anzumerken, dass ja für einen Beamten bereits die Annahme marginalster Geschenke ohne entsprechende Genehmigung einen Bestechlichkeitsvorwurf mit dienstrechtlichen Konsequenzen zur Folge haben kann.

Ich glaube tatsächlich, dass einige Menschen hierzulande im Irrglauben sind, beim gegenständlichen Phänomen handele es sich um eines, dass mittels eines oder beider der Vorwürfe erklärbar sei: Elitistische u./o. korrupte Lehrer erinerseits und eine Wohlstandselite andererseits, so Lehrer selbst nicht zu selbiger gezählt werden, die im Schulterschluss eine entsprechende Klassen-/Schichtengesellschaft konservieren wollen.

Ist natürlich beides Unsinn.

Ungenommen, dass dies keine exakte Wissenschaft ist und dass es natürlich auch so bedauerliche wie unrühmliche Fälle gibt, in denen andere Faktoren als der folgende Maßstabd ausschlaggebend sind: Maßgabe der Selektion und Allokation im Schulsystem sind die Leistungen der Schüler. Wir haben in Deutschland eine allg. Schulpflicht. Diese garantiert, dass Kinder und Jugendliche unabhängig vom „Geldbeutel“ ihrer Eltern das Privileg haben, vom schulichen Bildungsangebot zu profitieren. Unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem sozio-öknomischen und -kulturellen Status etc. besuchen zunächst alle Kinder die Grundschule. Am Ende der Grundschule soll im Rahmen eines (sich über die Grundschulzeit erstreckenden) Selektions- und Allokationsprozesses eine Zuordnung der Schüler auf eine weiterführende Schule nach Maßgabe ihrer Leistungsfähigkeit / Leistungen erfolgen. Die Noten dort und letztlich die Qualität des Abschlusses basieren auch hier idealerweise (und bis zu eineindeutigen Widerlegung gilt auch anzunehmen: i.d.R.) auf den Leistungen.

Schulicherseits stehen allen Schülern dabei dieselben Mittel zur Verfügung, gemeinhin sollten alle Anforderungen, Aufgaben etc. mit den seitens der Schule gestellten Materialien und Rahmenbedingungen erfüllbar sein. Wo dies nicht der Fall ist, wo bspw. Materialien seitens der Personensorgeberechtigten selbst angeschafft werden müssen, dies aber finanzielle Hürden darstellt, existiert eine Vielzahl (staatlicher; schulicher etc.) Hilfen, dies zu gewährleisten. Gleiches gilt für die soziale Teilhabe an Schulveranstaltungen u.ä.

Der „Geldbeutel“ wird einzig an einer Stelle relevant: Wenn es um das Ermöglichen außerschulicher sozialer und kultureller Teilhabe der Kinder und Jugendlichen geht, wenn es sich um die Inanspruchnahme außerschulicher Nachhilfen handelt, wenn es sich um den privaten Zugang zu wissens- und fähigkeitsfördernden Materialien dreht (z.B. das Kaufen von Büchern oder deren Vorhandensein im Zuhause der Schüler) etc. Bei all diesen Dingen gibt es zwar im Fall der Fälle auch die Möglichkeit diverser Unterstützungen / Hilfen (und man darf auch gerne diskutieren, inwiefern diese tatsächlich hinreichend sind), aber niemand stellt in Frage, dass dies ein enormes Problem für Personensorgeberechtigte darstellen kann, die dies ihren Kindern ermöglichen wollen (dieser Tage besonders).

Wir müssen aber auch nicht so tun, als würde jeder Personensorgeberechtigte all seinen Kindern entsprechende Prioritäten einräumen: Die Rede ist bspw. von Eltern, die ihr älteren kinder einen Großteil des Tages den Erzieher, Babysitter etc. der jüngeren Geschwister mimen (lassen müssen), von Eltern, die ihrem Kind nicht ein einziges Buch Zeit seines Lebens geschenkt haben, von Eltern, die ihre Kinder stundenlang im eigenen Betrieb arbeiten lassen etc. Das alles interveniert mit dem Bildungserfolg…. und wird dann salopp unter der Formel mitzusammengefasst, dass der „Geldbeutel […] der Eltern“ maßgeblich für den Bildungserfolg der Kinder sei, oben skizzierten Konspirationsglauben inklusive.

Die Zirkelthese sozialer Reproduktion, hier auch insb. der Aspekt der elterlichen Erwartungen an die eigenen Kinder, wird in dieser Debatte ohnehin kaum bemüht, stellt aber eine wichtige Erklärung für die skizzierten Phänomene dar.

Und wir haben auch noch gar nicht diesbzgl. thematisiert, inwiefern hier mglw. prekäre ökonomische Situationen, fehlende Erziehung bzw. Erziehungsmöglichkeiten und resultierende Selbstdisziplinierungs- und Motivationsfähigkeiten etc. von Schülern u.U. zusammenhängen könnten.

Und damit kommen wir zurück zur vermeintl. Bildungsungerechtigkeit:

Haben die Kinder wohlhabenderer Eltern ggf. einen Vorteil, weil Letztere ihnen bspw. mehr / bessere Nachhilfe ermöglichen können, ihnen privat mehr Zeit und Raum zum Lernen, zum Prokrastinieren etc. einräumen können, ihnen die Teilnahme an (mehr) außerschulichen sozio-kulturellen Veranstaltungen (Vereine; Musikunterricht; Auslandsaufenthalte etc.) anbieten können u.ä.?

Ja. Natürlich!

Ist es tragisch, wenn Kinder weniger wohlhabender Eltern nicht diese (Vielzahl) an Möglichkeiten haben und so möglicherweise hinter ihrem Potenzial zurückbleiben?

Ja. Natürlich!

Die Chancen für Kinder aus wohlhabenderen und weniger wohlhabenderen Elternhäusern sind damit rein theoretisch nicht identisch. Es gibt diesbzgl. keine Chancengleichheit. Aber es strapaziert den Gerechtigkeitsbegriff m.E. arg, hier von staatlich zu verordnender/verantwortender Ungerechtigkeit zu fabulieren. Mehr noch, wenn das Nichtermöglichen der skizzerten außerschulischen Weiterbildungs-, Lern-/Arbeits- und Partizipationsmöglichkeiten beim Nichtwollen der jeweiligen Eltern zu verorten ist (ohne solche Fälle quantifizieren zu können, aber wir müssen ja auch nicht so tun, als sei dies ein nichtexistentes Phänomen). Der Begriff der Ungerechtigkeit ist hier vollkommen fehl am Platz. Es ist nicht im eigtl. Sinne ungerecht, wenn Vater X wohlabender ist und seinem Sohn ein Buch zum Vergnügen kauft und Vater Y deutlich weniger wohlhabend ist und dies nicht kann, geschweige denn wenn er es nicht will.

Der Staat hat mit dem allg. Zugang zu schulicher Bildung und einem leistungsbasierten Allokations- und Selektionsprinzip in Schulen seine Schuldigkeit der Herstellung von Gleichberechtigung, d.h. hier von Chancengleichheit, i.V.m. den oben skizzierten Hilfen im Fall der Fälle eigtl. seine Schuldigkeit getan. Nebenbei muss man an dieser Stelle auch wieder auf das Gymnasium als (auch bereits quantitative) Hauptschule der Nation und die heutige Menge an Abiturienten verweisen, die die „Geldbeutel“-Behauptung auch arg konterkarieren.

Wichtiger wäre wohl eine Diskussion über Gentrifizierungen, staatlich zu verantwortende Stukturschwäche ganzer Regionen und die desaströse Unterfinanzierung des Bildungssektors, die dafür sorgen, dass ganze Regionen durch Abwärtsspiralprozesse schlechtere Zugangschancen zu höherer Bildung haben (weil sie zu einer Kulminierung von Menschen in prekären Situationen führen)… aber der Unkenruf der Bildungsungerechtigkeit, den man dann den Schulen selbst in die Schuhe shcieben kann, ist halt praktischer…

PaPo
7 Tage zuvor
Antwortet  PaPo

tl:dr

Der Vorwurf der Ungerechtigkeit braucht ein im Wesentlichen, d.h. hinsichtlich eines objektiven Bewertungsmaßstabes identisches Vergleichspaar, das durch eine dritte Partei (oder dererseits verantwortete Strukturen) willkürlich oder aufgrund sachlich irrelevanter Faktoren ungleich behandelt wird.

Ein Bsp. für Ungerechtigkeit wäre im schulichen Kontext, wenn Schüler A und B in einer Leistungsüberprüfung im Wesentlichen die gleiche Leistung erzielten aber unterschiedlich benotet werden, weil der eine Konstantin und der andere Kevin heißt. Die für die Ungerechtigkeit verantwortliche dritte Partei is hier der Lehrer.

Bei dem, was im einschlägigen öffentlichen und selbst fachwissenschaftlichen Diskurs aber regelmäßig als ‚Ungerechtigkeit‘ postuliert wird, bspw. ökonomisch unterschiedliche Ausgangssituationen von Schülern, die natürlich Effekte auf den Bildungserfolg zeitigen u./o. das divergierende Agens von Personensorgeberechtigten, ihren Kindern außerschulichen Zugang zu sozio-kulturellen Veranstaltungen, Freiraum für das Lernen, die Prokrastination u.ä. oder weitere außerschuliche Bildung einzuräumen, was ebenfalls solche Effekte zeitigt, handelt es sich aber per definitionem nicht um Ungerechtigkeit… hier fehlt es an einer dritten Partei, will man nciht eine höhere Macht, das Schicksal o.ä. Unfug in die Pflicht nehmen.

Kurz: Es ist nicht ungerecht, wenn Vater A seinem Sohn XYZ ermöglicht, Vater B dies aberggü. seinem Sohn, auch wenn Sohn A und B bspw. hinsichtlich ihrer kognitiven Kapazitäten eigtl. identisch sind, nicht tut oder nicht kann. Und der Staat ist dabei per se eigtl. auch nicht mehr in der Verantwortung.

BTW: @Redaktion Konnte man hier nicht kurzzeitig seine eigenen Beiträge editieren? Meine Tippfehler… 🙁

Thorsten Schröder
6 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Doch es ginge, wenn Beiträge an die Redaktion geschickt würden und diese dann die Zuschrift als Artikel veröffentlicht.
Ich erinnere mich auch, dass Sie mal die Leser zum Artikelschreiben ermunterten. Warum jetzt so zurückhaltend?
Es gäbe noch andere Möglichkeiten. Das lapidare „sorry, geht nicht“ ist darum unverständlich.
Die Kommenatre von PaPo sind so gut, dass ich auch schon gedacht habe: Sie wären allemal einen (Leit)Artikel wert.

Tigrib
9 Tage zuvor
Antwortet  PaPo

Ich finde ebenfalls, mit diesen negativen Einstellungen war die betreffende Kollegin von vornherein falsch an einer staatlichen Schule. Klingt für mich sehr nach 68er.

Georg
9 Tage zuvor
Antwortet  Tigrib

So ist die Ausbildung aber an den Hochschulen und zunehmend auch an den Schulen.

Tigrib
9 Tage zuvor
Antwortet  PaPo

Heutige Schüler erfahren sehr häufig das, was sie anprangert zu Hause (Kind als Kumpel, ständige Bedürfnisorientierung…). Das ist ein großes Problem an Schulen!

Petra
8 Tage zuvor
Antwortet  Tigrib

Nicht nur „ständige Bedürfnisorientierung“, sondern auch „ständige Bedürfnisbefriedigung“.

Georg
9 Tage zuvor
Antwortet  PaPo

Toller Beitrag. Inhaltlich fundiert und von mir in der Vergangenheit verkürzt als „Sozialismus funktioniert nicht“ und „geliefert wie bestellt“ dargestellt.

Die roten Daumen kriege ich immer vom üblichen Verdächtigen mit den vielen Namen. Wenn Sie wollen, dürfen Sie sich gerne bedienen.

Katinka
9 Tage zuvor
Antwortet  PaPo

Ich habe mich etwas über den „exorbitanten“ Bedarf an Nachhilfe gewundert, denn der Text bezieht sich ja auf die Grundschule? Gut, ich kenne nur die Grundschule meiner Kinder und da hab ich noch nie was von Nachhilfe gehört (außer vielleicht Deutsch-Förderung bei Kindern mit Migrationshintergrund, aber das fällt für mich nicht unter die klassische Nachhilfe).
Auch haben meine Kids viel und gern gelernt in der Grundschule und ihre Freude nimmt nicht ab. Klar gibt es mal Themen und Stunden die weniger interessant sind, aber das ist doch klar, dass 13 Jahre Unterricht nicht für alle SchülerInnen immer nur total Spaß machen kann, man sich durch schwierigen Stoff auch mal durchbeißen muss usw.

Es tut mir Leid, dass die betroffene Lehrerin diese Erfahrungen machen musste und ich finde die Arbeitsbelastung und die Zusatzaufgaben (an allen Schularten) auch extrem und oft zu viel, aber nicht allen Kindern geht es so schlecht in der Schule, wie es hier beschrieben wird.

Und wie von PaPo beschrieben sind viele Probleme nicht allein Probleme des Schulsystems, sondern der gesamten Gesellschaft…

Anne
9 Tage zuvor
Antwortet  Katinka

Sie glauben gar nicht, wie viele Kinder spätestens ab Klasse 3 Nachhilfe bekommen, damit dann in der 4. die gewünschte Gymnasialempfehlung auf dem Zeugnis steht.

Katinka
9 Tage zuvor
Antwortet  Anne

Ja gut, das ist aber ein anderer Hintergrund, v. a. in Bayern (Übertritt) und der Zwang, dass viele SuS von den Eltern aus unbedingt ans Gymnasium müssen und sie deshalb alle Register ziehen…

Tina Uthoff
9 Tage zuvor
Antwortet  Katinka

„In Deutschland investieren Eltern jährlich knapp 900 Millionen Euro in private Nachhilfestunden für ihre Kinder.“ bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2016

Katinka
9 Tage zuvor
Antwortet  Tina Uthoff

Ich bezog mich auf die Grundschule. Von den weiterführenden Schulen kenne ich das selbst zur Genüge.

Sabine
7 Tage zuvor
Antwortet  Tina Uthoff

Weil leider viele LuL ihren Job nicht oder nicht gut oder nur halbherzig machen. Vielen ist egal, ob sie was vermitteln. Sie benoten und selektieren lediglich. Mit den eigenen Kindern wird gelernt und geübt. Was interessiert es LuL, was aus den Kindern wird.

Gudrun Fries
9 Tage zuvor
Antwortet  Katinka

Ich kann dem Artikel, der sich kritisch mit dem Inhalt des Briefes befasst, nur zustimmen. Dass Schule auch einen Allokationsauftrag hat, ist bekannt. Wer damit also nicht zurechtkommt, sollte auf eine Alternativschule gehen oder eine andere Tätigkeit für sich wählen. Außerdem ist gerade der Druck, der in der Grundschule herrscht, zu einem großen Teil auch von den Eltern gemacht, die ihre Kinder unbedingt mindestens auf die Realschule bringen wollen. Hier müsste Elternarbeit laufen, indem Eltern darauf hingewiesen werden, dass bei den Anforderungen, die in der Grundschule herrschen und die tatsächlich hoch sind, eine Drei und auch eine Vier zufiedenstellende Noten sind und auch noch später ein Abitur auf vielen anderen Wegen gemacht werden kann. Was Kurt Singer angeht: Wegen dieses Machtwerks sollte niemand den Schuldienst quittieren. Er hat sich offenbar lediglich mit Eltern unterhalten, ohne sich auch die andere Seite anzuhören. Es ist doch allgemein bekannt, dass Lehrkräfte bereits dann täglich mindestens fünf Mal vor den Kadi rennen könnten, wenn sie Schüler*innen oft nur einfach nicht die Noten geben können, die diese und die Eltern gerne hätten. Singer schreibt in diesem Buch, er habe niemanden namentlich erwähnt, damit niemand bloßgestellt wird. Das war wahrscheinlich sein Glück, denn wenn er die Namen der Betreffenden genannt hätte, käme er wahrscheinlich aus dem Gerichtssaal nicht mehr heraus. Gesetzt dem Fall, an den Geschichten stimmt wirklich ein Teil, dann frage ich mich, ob Singer als Psychoanalytiker noch nichts von einem Burnout gehört hat.

Tina Uthoff
9 Tage zuvor
Antwortet  PaPo

Zu glauben, dass junge Menschen funktionieren müssen, entmündigt gehören und „natürlich“ zu Objekten von Erwartungen, Belehrungen, Erziehung gemacht gehören ist Adultismus pur.  Adultismus (engl. Adultism) beschreibt die Machtungleichheit zwischen Kindern und Erwachsenen und infolge dessen die Diskriminierung jüngerer Menschen allein aufgrund ihres Alters. Ich stehe in einer Reihe mit Menschen wie Jesper Juul, Gerald Hüther, Nora Imlau, Dr. Eliane Retz und Katharina Saalfrank für eine gleichwürdige Beziehung zu Kindern. Dabei geht es nicht um antiautoritäre Erziehung oder Laissez-Faire. Vielmehr geht es um Verständnis für kindliche Bedürfnisse und Ausdrucksformen und Verantwortungsübernahme durch den älteren Menschen. Kinder wollen gesehen, geachtet werden und in liebevoller Verbundenheit wachsen dürfen. Das ist meine Überzeugung und Erfahrung.

Leider führen Sie in Ihrer Antwort lediglich Ihre Meinung auf, keine einzige Quelle. Ganz im Gegensatz zu der anonymen Autorin, welcher sie Naivität, Falschinformationen und Halbwahrheiten unterstellen.

Da Sie lange Texte offensichtlich schätzen, sende ich Ihnen hier für weiterführende Fragen und Informationen ein passendes Skript:

https://drive.google.com/file/d/1_wy7TLI_YMxO78VJ2CkUByDFJF0ZYhbh/view

Dies bezieht sich auf folgende Videos:
https://youtu.be/Gq10cB1WbkI
https://youtu.be/eiaBq8BtgoU

Für Sie als Lehrer eventuell ebenfalls interessant ist das Interview mit einem Schulrat:
https://www.youtube.com/watch?v=ouxtg5rUrTY

PaPo
9 Tage zuvor
Antwortet  Tina Uthoff

„Zu glauben, dass junge Menschen funktionieren müssen, entmündigt gehören und ’natürlich‘ zu Objekten von Erwartungen, Belehrungen, Erziehung gemacht gehören ist Adultismus pur. Adultismus (engl. Adultism) beschreibt die Machtungleichheit zwischen Kindern und Erwachsenen und infolge dessen die Diskriminierung jüngerer Menschen allein aufgrund ihres Alters.“

Ich thematisiere Schule als (notwendigen) Sozialisationsagenten in der Sozialisation und Enkulturation junger Menschen in unserer pluralistischen, freiheitlich-demokratischen Gesellschaft, einer Leistungsgesellschaft, die eigenverantwortlicher (d.h. mündiger, selbstreflexiver, integrer etc.) und gemeinschaftsfähiger (d.h. kooperations- und partizipationsfähiger etc.) demokratischer Staatsbürger bedarf, die sozial, kulturuell und ökonomisch partizipieren können müssen, um Freiheit, Sicherheit und Wohlstand für das Gros der Gesellschaft, diese Gesellschaft selbst im Wesentlichen zu perpetuieren… Diesbzgl. müssen Bürger insg., nicht ausschl. junge Menschen, funktionieren. Wie stellen Sie sich realistischerweise stattdessen den Erhalt und die Verbesserung unserer sozialen, kulturuellen und ökonomischen Errungenschaften vor? Die Annahme ist nämlich tatsächlich, dass es dementsprechend letztlich auch einer größtmöglichen Zahl an Individuen gutgehen kann. Meinen Sie, dies ist mit einem Hyperindividualismus, dem die anonyme Autorin des gegenständlichen Briefes das Wort schreibt, machbar?

Sie schreiben stattdessen von Adultismus, postulieren salopp eine „Diskriminierung jüngerer Menschen allein aufgrund ihres Alters.“ Das ist grotesk. Das ist concept creep (ich warnte bereits), eine unangemessene Ausweitung des Diskriminierungsbegriffs: Diskriminierung ist (basal definiert) eine ungerechtfertigte Benachteiligung oder Ungleichbehandlung von Personen oder Gruppen aufgrund verschiedener wahrnehmbarer resp. nicht unmittelbar wahrnehmbarer Merkmale, bspw. aufgrund des Alters (um bei diesem Beispiel zu bleiben). Kinder und Jugendliche sind aber einerseits bzgl. ihres entwicklungspsychologischen und neurobiologischen Reifegrads, ihres eingeschränkten Erfahrungs- und Wissenshorizonts nicht auf dem selben Niveau wie Erwachsene, ihre Lehrer. Und bevor unhaltbare Vorwürfe der Grundrechtsverletzung (evtl. mit Blick auf Art. 3 GG) artikuliert werden, verweise ich auf den sog. Allgemeinen Gleichheitssatz. Andererseits sind de facto ja (a) an alle Gesellschaftsmitglieder gestellte Erwartungen(!) per definitionem keine Diskriminierung, das Gleiche gilt für Belehrungen bei Fehlverhalten, Leistungsverfehlungen u.ä., Erziehung etc. – auch Erwachsene werden zu Subjekten(!) dieser Phänomene, verdrehen Sie bitte nicht meine Aussagen und meine konkrete Umformulierung des Objektivierungsvorwurfs im gegenständlichen Brief der anonymen Autorin.

Statt Phrasen: Definieren Sie bitte Diskriminierung und erläutern, inwiefern Erwartungen, Belehrungen und Erziehung diskriminierend seien.

Weiter im Text: Ich schreibe von der Erziehung zu mündigen Individuen, Sie unterstellen, ich schriebe „dass junge Menschen […] entmündigt gehören“ – sind Sie tatsächlich ohne jede gbotene Differenzierung der Auffassung, dass junge Menschen qua von Natur aus vollumfänglich mündig sind? Soll Mündigkeit Ihrer Meinung nach eine Fähigkeit sein, die Menschen automatisch (ohne weiteres Zutun) irgendwann erwerben (wann?) oder sind sie damit von Geburt an gesegnet? Wenn man Mündigkeit als Fähigkeit realisiert, die Konsequenzen des eigenen Handelns möglichst umfassend hinsichtlich ihrer sozialen, kulturellen und politischen (und – der Vollständigkeit halber – rechtlichen) Auswirkungen etc. einzuschätzen, darf man die kognitiven Kapazitäten von Kindern und Jugendlichen nicht ignorieren, darf man einerseits natürliche Beschränkungen dieser Kapazitäten aufgrund entwicklungspsychologischer und neurobiologischer Grenzen und andererseits fehlendes Wissen und mangelnde Erfahrungen, die ebenfalls die Einschätzungsfähigkeit einschränken können, nicht außer Acht lassen. Mündigkeit ist mithin ein Prozess: Ich mag bspw. einem Kleinkind bereits gustatorische Eigenentscheidungen bei der Wahl von Nahrung zugestehen, aber keinem Siebtklässler, dass er entscheidet, nicht mehr die Schule zu besuchen. BTW: Kulturgeschichtlich ist die wohl auf das 16. Jahrhundert zu datierende „Entdeckung der Kindheit“ (Ariès 2007: 92-111) relativ neu. Erst 1762 markierte Jean-Jacques Rousseau mit dem gesellschaftskritischen Erziehungsroman Émile ou De l’éducation den „Beginn moderner Erziehungsreflexion“ (Tenorth 2005), realisierte man Kinder nicht mehr lediglich als kleine Erwachsene, sondern Kindheit als eigenständige Lebens- bzw. Entwicklungsphase, begann man Unterschiede zwischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wahrzunehmen und zu würdigen. Ihre Argumentation, die ja irgendwie zumindest suggeriert/impliziert, Kinder seien quasi ‚fertige‘ Individuen, wirkt auf mich diesbzgl. wie ein Rückschritt.

BTW: Was wäre die Alternative zum Funktionieren?

„Ich stehe in einer Reihe mit Menschen wie Jesper Juul, Gerald Hüther, Nora Imlau, Dr. Eliane Retz und Katharina Saalfrank für eine gleichwürdige Beziehung zu Kindern.“

Namedropping ist kein adäquates Surrogat valider, stichhaltiger Argumentation, sondern das Gegenteil, ein klassisches Argument ad verecundniam, ein logischer Fehlschluss… und nicht beeindruckend. Insb. nicht, wenn die einschlägigen Publikationen der vermeintl. Autoritäten größtenteils rein philosophischer / theoretischer Natur u./o. eher gustatorisch orientiert sind, in ihren Prämissen nicht die Funktion von Sozialisation und Enkulturation im Rahmen unserer (konkreten) Gesellschaftsordnung basieren (wenn dies doch der Fall wäre…) oder mglw. lediglich simple Populärwissenschaft darstellen. Ohne strapazierfähige empirische Grundlage bringt uns dies ohnehin nichts (und ich beginne erst gar nicht mit der Thematisierung der endemischen Probleme der empirischen Bildungsforschung).

Und meine Literaturübersicht über die genannten Personen offenbaren insb. eines: Erziehungsratgeber, vulgo Meinungsäußerungen, bestenfalls Erfahrungsberichte. Einzig einige der Fachpublikationen(!) von Gerald Hüther scheinen interessant zu sein, werden ihrer (deskriptiven) Natur nach aber keine entsprechende Extrapolation für unser Thema zulassen.

Oder anders: Ich bin u.a. auch promoviert. In Politologie, mit einer auch verfassungsrechtlich, psychologisch und soziologisch ausgerichteten Dissertation. Graduierte u.a. auch in Soziologie etc. (soviel auch zu meiner Perspektive auf das Thema). Wenn ich jetzt unter meinen Ausgangsbeitrag hier meinen Namen mitsamt allen akademischen Graden setze und die ein oder andere Fußnote einbaue, sind Sie dann von meiner Position überzeugter? Nein? Warum genügt Ihnen dies dann bei den von Ihnen genannten Personen?

„Dabei geht es nicht um antiautoritäre Erziehung oder Laissez-Faire. Vielmehr geht es um Verständnis für kindliche Bedürfnisse und Ausdrucksformen und Verantwortungsübernahme durch den älteren Menschen. Kinder wollen gesehen, geachtet werden und in liebevoller Verbundenheit wachsen dürfen. Das ist meine Überzeugung und Erfahrung.“

Ich kann Verständnis für kindliche Bedürfnisse und Ausdrucksformen haben, Kinder können von mir „gesehen, geachtet werden“ und trtozdem kann ich das Kind gleichzeitig zum Subjekt von Erwartungen, Belehrungen und Erziehung machen. Inwiefern soll dies einen Widerspruch darstellen? Gerade dies ist eine Verantwortungsübernahme für Kind und Gesellschaft! Als Lehrer muss ich mir meinen Schülern aber nicht das Attribut „liebevoller Verbundenheit“ zu eigen machen, das geht mir dann doch ein paar Schritte zu weit.

„Leider führen Sie in Ihrer Antwort lediglich Ihre Meinung auf, keine einzige Quelle. Ganz im Gegensatz zu der anonymen Autorin, welcher sie Naivität, Falschinformationen und Halbwahrheiten unterstellen.“

Mit Verlaub: Der gegenständliche Brief der anonymen Autorin bietet zwar Fußnoten, ist aber auch nur eine Meinungsäußerung, die zur Validierung der eigenen Meinung größtenteils in den Fußnoten referierte Meinungsäußerungen nutzen möchte. Die Autorin referiert quasi kaum wissenschaftliche (empirisch fundierte; s.o.) Fachliteratur, sondern unkritisch-affirmativ und oftmals i.V.m. ihrerseits artikulierten Falschinformationen und Halbwahrheiten, bspw. einen (online) Zeitungsartikel der den Erfahrungsbericht einer ehem. Lehrerin thematisiert, das Transkript eines SWR2-Beitrags mit einem Verweis auf eine Studie von Marcel Helbig, einige Dokumente der KMK, eines des MSB NRW, die bereits kritisierte Publikation von B. Schumann etc. Das einzige, was in dem Brief an wissenschaftlicher Literatur zu finden ist, ist u.a. ein Review der Hans Böckler Stiftung zu sozialer Ungleichhei in schulischer und außerschulischer Bildung, dazu etwas Datenmaterial zur Kinderarmut in Deutschland von der Bertelsmann Stiftung, etwas qualitative Forschung (honestly?...) von Hans Brügelmann. Gerade dort, wo ich meine Kritik ausgänglich angebracht habe, gibt es eben keine strapazierfähigen Belege für die im gegenständlichen Brief gemachten Behauptungen.

Ich halte es dabei mit Christopher Hitchens: „The elementary rules of logic: that extraordinary claims require extraordinary evidence and that what can be asserted without evidence can also be dismissed without evidence.“

Die extraordinary claims im Brief sind u.a.:

  • Der Vorwurf, „[d]das heutige Schulsystem setz[e] […] auf Gehorsam und Gruppenzwang, was zu Autoritätshörigkeit und fehlender Verantwortungsübernahme führ[e]. Durch die schulstrukturell erzwungene Unterdrückung der eigenen Bedürfnisse projizieren einige ihre Wut und ihren Hass schnell auf andere Menschen. Mobbing ist in deutschen Schulen an der Tagesordnung“ – s.o.

  • Schülern dürfe man als Lehrer „nicht auf menschlicher Ebene begegnen […]“, sie würden „nur in ihrer Rolle und Funktion gesehen werden“ – s.o.

  • Die Behauptung, „Schulen [setzten] in Deutschland die Inklusion kaum um und benachteilig[t]en dadurch Menschen mit Behinderungen, was zusätzlich noch gegen die 2008 verabschiedete UN-Behindertenrechtskonvention verst[oße]“ – s.o.

Für Vorwürfe wie dass „[i]n der Schule […] Kinder nicht nur aufgrund […] auch aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Ethnie, ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts, des Bildungsstandes der Eltern, ihres Vornamens und der Armut ihrer Eltern“ diskriminiert werden, werden zwar Daten geboten, hier wird das Gros der tatsächlichen Fachliteratur verpulvert, die essenzielle Insinuation, dies sei ein strukturelles Problem o.ä., aber nicht (s.o.).

Etc.

Sie verkennen hier, dass nicht ich in der Bringschuld bin, diese Behauptungen zu widerlegen, sondern die anonyme Autorin und diejenigen, die ihr diesbzgl. zustimmen, diese tragen.

Also:

  • Was ist Ihrer Meinung nach das Ziel von Sozialisation, Enkulturation, Erziehung und Beschulung?
  • Ist ein moderner demokratischer Staat / eine moderne demokratische Gesellschaft Ihrer Meinung nach erstrebenswert und was ist Sinn und Zweck Derselben?
  • Falls Sie einen Dgl. befürworten; Wie können wir einen solchen Staat / eine solche Gesellschaft von unserem tatsächjlichen aktuellen Ausgangspunkt her erhalten und ggf. (stetig) verbessern?
  • Wie definieren Sie Diskriminierung und inwiefern sind Erwartungen an Schüler, ihre Belehrungen und Erziehung diskriminierend?
  • Wie definieren Sie mündigkeit und ab wann billigen Sie Menschen vollumfängliche Mündigkeit zu?
  • Was unterscheidet i.d.R. ein Kind, einen Jugendlichen und einen Erwachsenen voneinander?

In deen Antworten auf diese Fragen liegt der hase begraben. Meine Antworten zu diesen Fragen haben Sie ja mit dem vorleigenden Beitrag meinerseits… ebenso meine Einschätzung Ihrer Position. Irre ich irgendwo?

* Ariès, Phillipe (2007): Geschichte der Kindheit. 16. Auflage. München, S. 92-111.

** Tenorth, Heinz-Elmar (2005): Rousseaus „Emile“ – Oder der Beginn moderner Erziehungsreflexion. In: Europa und die Europäer. Quellen und Essays modernen eruopäischen Geschichte. München, S.121-127.

P.S.: Mit „Spitzer“ meinen Sie doch bitte nicht wirklich Manfred Spitzer, oder? Der neoludditische „Pädagoge mit dem Holzhammer“…

Tigrib
8 Tage zuvor
Antwortet  Tina Uthoff

Für meine Begriffe werden Kinder und Jugendliche derzeit oft zu viel wahrgenommen. Bei uns an der Schule hat man häufig das Gefühl, wir Lehrer sind nicht auf einer Stufe sondern drunter. Wir werden z. B. schon von 5. Klässlern beleidigt, angegangen. Regeln für die Gemeinschaft stehen werden in Frage gestellt, das Individuum ist wichtiger, haben sie daheim gelernt.

Sabine
7 Tage zuvor
Antwortet  Tigrib

Weil es in der Schule vorrangig um Lehrer gehen soll?

Klaus Grünebach
10 Tage zuvor

Bravo! Ich kann der „besonderen“ Kollegin nur raten, sich im Privatschulsektor umzusehen. Dort gibt es evtl. „Reformen“ des „Preußischen“ Schulsystems, das hier noch immer herrscht! Viel Erfolg!

Michael Felten
10 Tage zuvor

Es ist jammerschade um jede(n), der „mit Herz und Seele Lehrer(in)“ war – und nun aus dieser Tätigkeit aussteigt.
Manchmal (oder oft?) ist ja persönliche Überlastung für diesen Schritt ausschlaggebend.
Im geschilderten Fall aber werden scheinbar objektive Gründe angeführt.
Diese sind indes m.E. nur teilweise stichhaltig.

(1) Kinder werden in der Schule nicht als Objekte gesehen, sondern als sich entwickelnde Persönlichkeiten – aber diese sollen (auch) lernen, schrittweise gesellschaftlich bedeutsame Kompetenz zu erwerben.

(2) Demütigungen von Heranwachsenden in der Schule kommen immer wieder in Einzelfällen vor, aber nicht regelmäßig – und schon gar nicht systemisch. Zudem ist ‚Demokratiefähigkeit‘ zwar ein Ziel schulischen Lernens, aber Mitbestimmung ist – entwicklungsbedingt – nicht dessen Modus.

(3) Menschen (Lehrkräfte) spielen nachweislich eine kaum zu überschätzende Rolle beim schulischen Erwerb von Wissen und Bildung. Der Modus der praktizierten Lehr-Lern-Prozesse ist dabei aber vielerorts noch entwicklungsfähig – insbesondere bzgl. Aktivierung.

(4) Die Schulpflicht wird zwar bisweilen als lästig empfunden, hat sich aber – auch international – als bisher bester Weg erwiesen, der nachfolgenden Generation ein hohes Maß an Allgemeinbildung zu ermöglichen, also relativ bildungsgerecht zu sein.

(5) Das Schulsystem als solches macht nicht krank – allerdings überfordern manche seiner Aspekte bisweilen stark. Bei Schülern haben „Überlastungserscheinungen“ und „Schulangst“ oft mit Defiziten der häuslichen Erziehung zu tun, die Auszehrung bei Lehrkräften ist nicht selten eine Folge unsachgemäßer Aus- und Weiterbildung.

Unterrichten ist und bleibt eine Tätigkeit, die zwar anstrengend ist, einen aber auch enorm erfüllen und bereichern kann.

Die Pandemie hat es natürlich nicht gerade leicht gemacht, diesen Optimismus beizubehalten.

http://www.eltern-lehrer-fragen.de

Tina Uthoff
9 Tage zuvor
Antwortet  Michael Felten

zu ( 2) Partizipation als Kinderrecht
 
Kinder haben – unabhängig von Ihrem Alter – ein Recht auf Partizipation. Alle Bildungsorte stehen in der Verantwortung, der Partizipation der Kinder einen festen Platz einzuräumen und Demokratie mit Kindern zu leben.
                                                                                   (LehrplanPlus, Bayern, 2017)
 
Gelebte Demokratie. Demokratie nicht als Fach, als Unterrichtsstunde als Etikett, sondern als gelebte Haltung in der Schule.

Im Nationalen Aktionsplan des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
steht: „Im Lern- und Lebensort Schule sind Aktions- und Freiräume zu schaffen, die Kindern und Jugendlichen Selbstwirksamkeit, Kompetenzzuwachs und Anerkennung im Sinne von BNE ermöglichen. Hierbei ist darauf zu achten, dass es nicht um die Implementierung einzelner Maßnahmen, sondern um die Schaffung einer Partizipationskultur in Schule und Gesellschaft geht. Dafür bedarf es keiner vereinzelten Projekte, sondern einer strukturellen Verankerung im Lernort Schule.
 
Bis 2030 sind durch Entscheiderinnen und Entscheider in formalen Bildungsstrukturen freie Lerngelegenheiten zu schaffen, um Selbstwirksamkeit bei Jugendlichen zu fördern und bei der Auswahl und Gestaltung von Zukunftsfragen teilhaben zu können.“  
 
BNE, Nationaler Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung (2017), S. 38
https://www.bne-portal.de/files/Nationaler_Aktionsplan_Bildung_f%c3%bcr_nachhaltige_Entwicklung_neu.pdf

Grundschullehrer
9 Tage zuvor

Wenn eigener Anspruch und Wirklichkeit zu weit auseinanderliegen, dann kann das auf Dauer krank machen! Als Lehrerin oder Lehrer sollte man am besten wenig bis gar keinen Idealismus haben. Perfektionismus ist auch schlecht. Das gilt aber auch für andere Bereiche. Ärzte, die in kommunalen Kliniken arbeiten, sollten auch keine Idealisten sein.

Sabine
7 Tage zuvor
Antwortet  Grundschullehrer

Aber Hauptsache, die Knete stimmt. Vermutlich ist der Schuldienst der einzige Platz, an dem diese Einstellung unterstützt und gefördert wird.

Bla
6 Tage zuvor
Antwortet  Sabine

Nein ist es nicht. Auch bspw. Pflegebereich und Krankenbereich ist hier betroffen. Man muss eben mit schlechten Rahmenbedingungen arbeiten.

Wenn man den Idealismus unter diesen Rahmenbedingungen anstrebt, bleibt man selbst definitiv auf der Strecke. Das hatte ich bei meinen anderen Arbeitgebern (Wirtschaft, Büro, Zusammenarbeit Betreuung) in diesem Maß nie erlebt…. „Vermutlich ist der Schuldienst der einzige Platz, an dem diese Einstellung unterstützt und gefördert wird.“ – Vielleicht deshalb? Weil es nicht anders geht.
(Nichtsdestotrotz zielen viele LuL den Perfektionismus an … Viele scheitern dabei allerdings früher oder später und gehen in Richtung Depression und Burnout … Damit kann auch keinem Geholfen werden – das trifft oftmals leider die Falschen (nicht, dass es „die Richtigen“ hierbei gäbe…).

Michael
9 Tage zuvor

Leider findet in den auf Ausgewogenheit zielenden Medien eine Diskussion über die Schwächen des Systems fast gar nicht statt. Die Verantwortlichen in KMK und Ländern wollen sie zwanghaft vermeiden, müssten sie sich doch selber abschaffen. Wann kommt der große Wurf?

Noch 5 Jahre
9 Tage zuvor

Ist doch toll…..für den Dienstherrn! Nach vielen Jahren den Beamtenstatus aufgeben und zu allem Übel dem Land auch noch Geld schenken? Da gibt’s aber andere Möglichkeiten!

sagniemalsnie
9 Tage zuvor
Antwortet  Noch 5 Jahre

…. und die zuständige Stelle ließt die ersten Zeilen, vielleicht noch den Anfang und dann wird mit der Personalakte abgelegt.

Aber man hat sich den Frust von der Seele geschrieben und wenns gut tut, dann ist es ja gut.

semmi
8 Tage zuvor
Antwortet  Noch 5 Jahre

Naja, wir wissen ja nicht, wie alt die Dame ist (oder doch?). Und in der Wirtschaft fließt Milch und Honig, das wissen wir ja alle. Da wird sie dann ja eine üppige Betriebsrente bekommen. Zum fürstlichen Gehalt. Und den Tantiemen. Und dem Dienstwagen. Und den freien Wochenenden. Und dem Urlaub. Und der 35 Stunden Woche. Der Dienstherr könnte vielleicht auch die Ansprüche umwandeln, aber das wird dann eh verrechnet und versinkt im Geldsegen der Wirtschaft. Ist doch so, oder?

GriasDi
9 Tage zuvor

Zitat:
„Ich finde es unzumutbar, Kindern als vulnerabler Gruppe nicht auf menschlicher Ebene begegnen zu dürfen, sondern sie zu Objekten von Erwartungen machen zu müssen, die nur in ihrer Rolle und Funktion gesehen werden. Kinder als Akt eines Verwaltungsapparates zu betrachten, widerspricht meiner humanistischen Sichtweise. (…)“

Warum darf ich Kindern nicht auf menschlicher Ebene begegnen?
Mir hat es niemand verboten.
Ich muss sie auch nicht zu Objekten von Erwartungen machen, das machen schon die Eltern. Allerdings sind die SchülerInnen halt in der Schule und da gilt es eben bestimmte Aufgaben zu erledigen.
Das ist im Sport übrigens genauso. Wenn ein Kind in einer Mannschaft Fußball spielt, sollte es auch Erwartungen erfüllen – zum Beispiel, dass es ins Training geht, dass sich die anderen SpielerInnen auf es verlassen können usw. so funktioniert Teamsport halt nun mal. Schule ist auch Teamsport.

Bla
6 Tage zuvor
Antwortet  GriasDi

Ja und nein.
An meiner jetzigen Schule „darf“ ich das.
An meiner letzten Schule durften wir uns bspw. von SuS nicht „Du’zen“ lassen. Auch im Referendariat wurde das verwehrt. (Mag aber ein Einzelfall sein?)

Sowas ist meines Erachtens nach schon fragwürdig zumindest…

Bei dem „Teamsport“ gehe ich mit. Allerdings ist mir kein Sportverein bewusst, bei welchem es „Präsenzpflicht“ gibt. Normalerweise entscheiden sich die Kinder/Erwachsenen hierbei ihr Hobby auszuleben und bezahlen dafür „freiwillig“. Das ist an der Schule schon eine andere Nummer.
Ich wäre mal gespannt, wie die Sportvereine klar kommen, wenn es Zwangszuweisungen gäbe… Wäre die Stimmung dann auch noch so Richtung „Teamsport“?

Käthe
9 Tage zuvor

Zwei Buchtipps dazu: „Verdummt nochmal“ von John Paul Gatto und Ivan Illich. Das alles ist aus deren Sicht kein Versagen von Schule, sondern soll Kinder dazu bringen, zu gehorchen etc.
Vielleicht interessant für Lehrer, die das staatliche Schulsystem nicht mehr aushalten, aber dennoch gerne als Lehrer arbeiten würden: Es gibt eine ganze Menge Alternativschulen, die zumindest ein Stück weit anders, freier, mehr auf Augenhöhe arbeiten. Und die suchen auch immer wieder Lehrer… Und aktuell werden auch ziemlich viele gegründet. Es sind ja nicht nur viele Lehrer unzufrieden, sondern auch Schüler, Eltern…

Bla
6 Tage zuvor
Antwortet  Käthe

Verstehe die Downvotes nicht. Erklärt die mir jemand?

Ich hatte mich bei der Bundeswehr mal Informiert, wie es mit einem Lehramtsstudium und den Berufseinstieg aussehen würde.
Das fanden sie nicht sonderlich hilfreich – kein Bedarf. Aber das Referendariat nach „SuS müssen gehorchen und Autorität/Distanz/Starke Regeln > Mitsprache“ fanden sie super.

Monika Diop-Wernz
8 Tage zuvor

Mutig, klar, auf den Punkt geschrieben. Genau so ist es! Es baucht jetzt jeden einzelnen, der klar Grenzen für sich selbst setzt und Nein zu Zwang. Wir brauchen einen grundlegenden Wertewandel und ein Umdenken Bildung jetzt frei, selbstbestimmte, eigenverantwortlich, kreativ, menschlich und gemeinschaftlich zu gestalten.

Bettina
7 Tage zuvor

Ihr Kommentar ist mir zu gespickt mit Phrasen. Dasselbe missfällt mir an dem Brief der Grundschullehrerin, mit dem sie ihren Austritt aus dem Schuldienst begründet.
Phrasendrescherei hat den Schulen noch nie gut getan und nur für Fata Morganen und potemkinsche Dörfer gesorgt.

Anna
7 Tage zuvor
Antwortet  Bettina

… was dann ebenfalls eine Phrase ist.

Lisa
7 Tage zuvor
Antwortet  Anna

Sie wissen aber schon, was eine Phrase ist und was ein bildhafter Vergleich, oder?

Zarenthin
8 Tage zuvor

Ich finde die Aussagen maßlos übertrieben, aber sicherlich empfindet sie das so, sonst hätte sie nicht gekündigt. Sie hat bestimmte (ihre!) Idealvorstellungen vom Lehren und Lernen und alles andere ist falsch und weil die anderen nicht so machen, wie sie will, schmeißt sie nun hin. Folgerichtig ist das schon.

In den Schulen hat sich in den letzten Jahrzehnten viel verändert, aber es ist wahr, es kann nicht jeder in jeder Unterrichtsstunde machen und lernen, was er möchte. Manch einer möchte vielleicht in Klasse 1 und 2 nicht Lesen lernen, lernt der das dann in Klasse 3 oder 4? Oder in Klasse 5? Viele interessiert Politik nicht, sollen die nie lernen/erfahren, wie unser Land politisch funktioniert. Manch einer glaubt, dass Blitz und Donner Strafen Gottes sind, soll der bei diesem Glauben bleiben, weil er kein Interesse für Naturwissenschaften hat?

Diese Lehrerin hat unrealistische Ansprüche an das Schulwesen und unrealistische Vorstellungen vom Schulwesen. Sie weiß nicht, warum man mal der Meinung war, dass alle Kinder zur Schule gehen sollten und warum das gut ist.

Kann man in irgendeinem Beruf jederzeit machen, wozu man gerade Lust hat und das andere nicht? Kann man das überhaupt im Leben?

Bla
6 Tage zuvor
Antwortet  Zarenthin

Woher hat sie diese Eindrücke? Wann wird man im „System Schule“ die Realität sehen bzw. damit WIRKLICH konfrontiert?

Als SuS? Ne
Als Praktikant? Nein
Als Student (mit Praktika)? Nö
Im Referendariat? Zumindest zum Teil … Zum Theater aber dazu.
Als LuL? Ja …
Etwas spät vielleicht? Dann kann man eben überlegen, ob man geht oder sich (weiter) quält. Ist bei einer Verbeamtung anscheinend besonders schwer.

Es gibt nicht überall eine Präsenzpflicht .. einige Bildungsstarke Länder haben auch „nur“ eine Bildungspflicht. Sind die jetzt alle dumm?

Bei einigen Berufen gibt es mehr Arbeitgeber zumindest.
Die Rahmenbedingungen sind auch andere. Klar gibt es einen Wandel überall – aber oft passt man sich besser an. Ein Beispiel: Homeoffice in der Coronazeit bei fast allen Freunden von mir, die das berufstechnisch können. (V. A. IT, Ingenieur, Wartung auf Abruf, Sicherheitsbeauftragter, Bauzeichner)

Natascha Haase
8 Tage zuvor

Wie wahr und nachvollziehbar. Und leider werden – zumindest in Bayern – Schulen, die ihre Schülerinnen und Schüler nicht als Objekte betrachten und individuelles, selbstbestimmtes Lernen ermöglichen wollen, nach wie vor ausgebremst statt unterstützt …

Hier nur ein Beispiel:
https://www.demokratische-schule-muenchen.de/wp-content/uploads/2022/05/Pressemeldung_EUDEC-Bayern_Maerz-22.pdf

Maja
8 Tage zuvor
Antwortet  Natascha Haase

„individuelles, selbstbestimmtes Lernen“ ist für mich ein Negativbegriff, auch wenn er sich schön anhört. Nur funktionieren tut die Sache nicht.
Schulen betrachten „ihre Schülerinnen und Schüler auch nicht als Objekte“, wenn sie sie nicht machen (lernen) lassen, was sie wollen. Im Gegenteil, sie wissen, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind und deshalb mehr Anleitung wünschen und brauchen als nur „Lern, was du möchtest!“
Sie kennen doch den Witz zum individuellen, selbstbestimmten Lernen, oder?

Kommt ein Kind von der Schule nach Hause. Die Mutter fragt: „Na, wie war’s in der Schule?“
Das Kind missmutig: „Wir mussten wieder machen, was wir wollten.“

Natascha Haase
1 Tag zuvor
Antwortet  Maja

Liebe Maja,

„funktionieren“ ist hier vielleicht der falsche Ausdruck, denn genau das tun Schüler*innen an Demokratischen Schulen (die mit dem selbstbestimmten Lernen) ja eben nicht. Und es wird auch nicht von ihnen erwartet (das ist das, was ich mit „als Objekt betrachten“ meine). Aber es gibt bereits eine lange und erfolgreiche Historie Demokratischer Schulen – die noch immer bestehende Schule mit den ältesten Wurzeln ist das Internat Summerhill in England. International gibt es hunderte von Demokratischen Schulen, auch in Deutschland über zwanzig. Hier ist ein sehr guter Wiki-Artikel zum Thema, falls du tiefer eintauchen willst: https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratische_Schule

Und was das „Wir mussten wieder machen, was wir wollten“ betrifft. Da musste ich lachen. Genau das würde mein großer Sohn sagen. Mein kleiner nicht. Der sieht es genau andersrum. Da kamen schon im Kindergarten Sprüche wie „Aber du malst doch gern!“ (als er nciht mit den anderen malen wollte) und er antwortet „Ja, Mama, aber da MUSS man malen!“ Es gibt Kinder, denen würde ein selbstbestimmtes Schulprinzip auf Anhieb zusagen. Und diese Kinder leiden sehr im Regelschulsystem (ich spreche da aus eigener Erfahrung). Dann wiederum gibt es sicherlich auch viele Kinder, die es schwieriger oder „blöder“ fänden. Aber selbst hier bin ich überzeugt, dass dies nur eine Übergangsphase wäre, in der einem eben nicht einfällt, was man denn machen wollen würde. Man muss in so etwas ja auch reinwachsen. Erfahrungsgemäß ändert sich das recht bald und es kann wirklich intrinsisch motiviertes Lernen entstehen. Und auch an Demokratischen Schulen sind die Schüler*innen und Schüler nicht völlig allein gelassen, sondern eingebunden in eine Struktur und umgeben von vielfältigen Anreizen.

Ich glaube also im Grunde, jeder Mensch (ob groß oder klein) könnte von einer solchen Umgebung profitieren, die wirklich Raum für individuelle Entwicklung gibt, und sehr an ihr wachsen.

Und es muss ja auch nicht gleich alles so frei sein wie eine Demokratische Schule. Ich wünsche mir, dass sich unsere Bildungslandschaft so vielfältig entwickelt, dass jede*r die Auswahl hat, so zu lernen (und zu lehren), wie es sich für ihn oder sie gut anfühlt. Und eben diese Auswahl ist leider noch viel zu begrenzt. In Bayern z.B. gibt es keine einzige Demokratische Schule. Und in dem Umkreis, in dem ich lebe, auch keine Schule, an der mein jüngerer Sohn wirklich glücklich wäre. Und da ist er nicht das einzige Kind, das ich kenne, dem es so geht.

Volker Scharrnbeck
8 Tage zuvor

Respekt und konsequent. Absolut nachvollziehbar. Trotzdem schade, dass ausgerechnet du in diesem System nun fehlst. Man kann das System ja nur im Schneckentempo ändern. Du nun leider nicht mehr, oder? Ich empfehle dir die Relli (Schule Rellinger Straße) in Hamburg, falls du noch mal durchstarten willst.
Ansonsten viel Glück beim nächsten Job.

domi
8 Tage zuvor

es rumort an der Bildung. Probleme sind meines Erachtens nach: immer mehr nicht erzogene Kinder durch die Eltern (da Eltern arbeiten oder sich zu wenig um die Kinder kümmern – also kaum Regeln und Grenzen aufzeigen) – das reibt die LehrerInnen in großen Klassen regelrecht auf. Das Ministerium, das sich abschottet und überheblich ist. Schulleiter, die oft dem Druck der Eltern nachgeben und nicht entschieden auf Seiten der LehrerInnen bei Problemen zur Seite stehen. Immer häufiger heterogene Leistungsstände bei relativ großen Klassen. Immer mehr Aufgaben bei den Lehrern, die eigtl. wenig mit dem Unterricht zu tun haben – Beispiel: Ich war bei der Sprechstunde meiner Tochter in einem Klassenraum nachmittags. Da kam ein Lehrer rein und meinte, er müsste die Linse vom Beamer reinigen – HÄÄ?? Immer häufiger Neuerungen (Beispiel G9 – bessere Schüler können Klassen überspringen – Konferenz, welche SchülerInnen in Frage kommen und Erstellung eines individuellen Kursplans. Lehrer als Lerncoaches für schwache Schüler als Individualisierungsmaßnahme usw… Dazu steigen auch die Unterrichtsbesuche, Forderung nach neuen U.-Konzepten (Digitalisierung, Team-teaching, weiß der Kuckuck was noch). Und wenn dann noch die fehlende Wertschätzung an einer Stelle kommt, dann sind die LehrerInnen schnell frustriert und schmeißen hin. Ich denke das ist ein Knochenjob (natürlich auch andere Berufe, aber halt anders…)

Phoenix 13373
8 Tage zuvor

Eine wirklich hervorragende Zusammenfassung. Ein Armutszeugnis für unser Bildungssystem. Die Autorin spricht mir als betroffene Mutter so aus der Seele. Hoffentlich wagen noch viel mehr diesen Schritt, damit sich endlich etwas ändert!

ysnp
6 Tage zuvor

Das Kündigungsschreiben ist die Meinung und das Empfinden einer einzelnen Lehrkraft. Wenn jede bayerische Grundschullehrerin so extrem empfinden würde, würden viele kündigen. Ich selbst sehe als bayerische Grundschullehrerin einige angesprochene Punkte ähnlich, andere wieder anders. Unterm Strich sehe ich die Punkte in der Praxis nicht so massiv. Man könnte zu dem Artikel ein ganzes Buch schreiben, aber hier einige Punkte herausgegriffen:

1) Mensch als Objekt und 2) Menschenrechte
Es stimmt zwar, dass zu wenige Kapazitäten da sind, Kindern mit schwierigen Hintergründen gerecht zu werden, doch ich frage, was soll Schule noch alles leisten? An unserer Schule haben wir teilweise so schwierige Schüler, dass selbst die Sozialarbeiter ihre Schwierigkeiten haben. Außerschulische Kinderpsychologen gibt es zu wenige. Auf schwierige Familiensysteme hat man als Schule wenig Zugriff. Selbst die Familien, die bereit sind, Unterstützung anzunehmen, bekommen ihr Leben wenig in Griff. Und ich garantiere, das sind andere Leute als hier kommentieren.
Ich fühle mich als Lehrkraft falsch beschuldigt, wenn hier eine Kollegin behauptet, wir an der Grundschule wären so autoritär, dass wir bedingungslosen Gehorsam einfordern. Die Aussage mit dem Herrschaftszwang finde ich stark übertrieben, theoretisch und ideologisch gefärbt.
Wir arbeiten (auch in Bayern!) pädagogisch und versuchen in der Schule bzw. in der Klasse eine Atmosphäre zu schaffen, wo Kinder gerne lernen und miteinander auskommen. Irgendwo gibt es eine Grenze der Individualität, nämlich da, wo der andere eben auch seinen Raum braucht. Es geht um ein gesundes Miteinander im gegenseitigen Respekt und nicht um Gruppenzwang.

Es stimmt, dass die Inklusion nicht gut umgesetzt ist. An meiner Schule haben wir inklusive Kinder und doch große Klassen fast an der Teilungsgrenze und keine Doppelbesetzung.

3) Lernbegriff und 4) Schulpflicht
Irgendwie erstaunt mich der Begriff „apathisch“. Ich habe keine apathische Klasse vor mir sitzen. Wir haben als Grundschullehrer viele Möglichkeiten, interessant zu unterrichten. Mich ärgert, dass wir (Grundschul)lehrkräfte in Bayern so hingestellt werden, als würden wir wie vor hundert Jahren unterrichten! Wir nutzen die methodischen Möglichkeiten und Ansätze genauso wie andere Bundesländer.

Eine Besonderheit in Bezug auf Stoffzwang gibt es im 4. Schuljahr: Bis zum Übertritt müssen wir eine bestimmte Stoffmenge erreichen, damit wir die Anzahl der Lernnachweise schaffen. Ich würde es in der Kategorie „anstrengender“ verorten.

In meiner Klasse haben zwei Kinder wegen ihrer Dyskalkulieprobleme und ein Kind wegen einer Rechtschreibstörung eine private „Nachhilfe“. Hier gibt es tatsächlich zu wenig Therapiestellen bzw. kann man diese Probleme in der Schule bzw. in dem Schulsystem nicht in dem Sinn auffangen, dass die Kinder garantierte befriedigende Fortschritte machen, sodass sie den aktuellen Anforderungen gerecht werden. Da in Bayern Dyskalkulie nicht in Bezug auf Notenschutz anerkannt ist, haben diese Kinder den Notenfrust bei Leistungsnachweisen in Mathematik.

In Fortbildungen werden wir bayerischen (Grundschul)lehrer immer wieder über neue didaktische Entwicklungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse informiert und spielen praktische Beispiele durch. Die ReferendarInnen bringen neues Wissen aus den Unis mit.

Schulpflicht ja oder nein ist eher eine gesellschaftspolitische Frage und die damit verbundenen Rechte und Pflichten.

5) krankmachendes Schulsystem
Hier gehe ich mit einigem konform. Man braucht als LehrerIn generell eine stabile Gesundheit und ein stabiles Selbstbewusstsein um im System bestehen zu können.

Mein Hauptkritikpunkt ist aber ein anderer: Durch die Einsparungen und die Unattraktivität des Lehrerberufs werden die verbleibenden Lehrer mit zu vielem belastet:
Aktionismus im Rahmen der ganzen Schulfamilie: Ausarbeitung von Konzepten, erzwungener Aktionismus außerhalb des Unterrichts (Beispiel: Wir müssen zu unserer eigenen Planung noch von oben aufgezwungen eine Gesundheitswoche machen)
unattraktive Schulleitungsposten, die zunehmend von falschen Leuten besetzt sind (Jasager, Ehrgeizige, menschführungsunkundig)
zu große Klassen (Klassenteiler bei 29, da wurde uns schon unter Stoiber versprochen, dass der Klassenteiler runtergesetzt wird und nichts ist passiert)
Das Wort „Fürsorgepflicht“ ist nicht allen vom Führungspersonal geläufig.
Multiprofessionelle Teams gibt es jetzt speziell bei uns schon, aber im Anbetracht der wachsenden Anzahl der Kinder mit Schwierigkeiten sind es zu wenig.

Nebenbemerkung: Insgesamt ist es so, dass soziale Berufe unattraktiv sind. Diese zu ergreifen waren vor 1990 viel attraktiver.

Supervision: Da halte ich Angebote von jedem Schulamt im Rahmen von Fortbildungen erforderlich. Mein Schulamt und auch die Nachbarschulämter bieten solche Gruppen im Rahmen von Fortbildungen (zumeist unter der Federführung der Schulpsychologie) an. Ich selbst habe jahrelang an einer solchen teilgenommen und fand dies sehr unterstützend und wirksam.

Um als Lehrkraft in der Schule zurechtzukommen, braucht es bestimmte Skills außerhalb des reinen Unterrichtens. Wenn man in einem ungeeigneten Kleinsystem „Schule“ gefangen ist (schwierige Schulleitung, evtl. für einen selbst unpassendes Kollegium, schwierige Klientel und keine Angebote zur Supervision), dann ist man überfordert. Es sollten einige Aspekte an einer Schule doch noch passen, damit man seine Nische findet. Ansonsten bleibt einem nur, einen Versetzungsantrag in eine passendere Schule zu stellen, sich eine Privatschule zu suchen oder etwas ganz anderes zu machen.

Laura
6 Tage zuvor
Antwortet  ysnp

Liebe(r) ysnp,
Ihre Kommentare gefallen mir immer besonders gut – so auch dieser. Sie sind authentisch, sachlich, ehrlich und zeugen von Erfahrung und Realitätskenntnis.
Sie beleidigen nicht Personen mit anderer Meinung – was hier leider schon fast Seltenheitswert hat – und gehen mit Andersdenkenden sachlich, höflich und respektvoll um. Ihre eigene Person streichen Sie nicht heraus, sondern widmen sich ganz den Themen, um die es geht.

Mehr Komplimente kann ich Ihnen kaum machen und sie kommen alle aus ehrlichem Herzen.
Ich freue mich jetzt schon auf weitere Kommentare von Ihnen.

Schönes, erholsames Wochenende!
und herzliche Grüße
Laura aus Baden-Württember

ysnp
4 Tage zuvor
Antwortet  Laura

Danke für die Rückmeldung, liebe Laura. Auch ich finde sachliche Kommentare von anderen optimal – denn darauf kann man am besten eingehen und es entsteht eine faire Diskussionskultur, wo die Sache im Vordergrund steht.

kanndochnichtwahrsein
6 Tage zuvor
Antwortet  ysnp

Die „Negativdarstellungen“ interpretiere ich anders – nicht als Beschreibung der tatsächlichen Zuständen in allen Schulen oder allen Klassen, sondern als Beschreibung dessen, was fast zwangsläufig aus Druck auf Lehrkräfte, zu große Klassen, zu wenig Unterstützung der Lehrer von verschiedenen Seiten und vielen anderen in dem Kündigungsschreiben (oder auch hier an ander Stelle genannten wie auch ungenannten Faktoren resultieren.
Viele Faktoren lassen „gute“ Schule oftmals im Alltag unrealistisch werden und führen dann zu diesen Misständen.

Unterricht, der schlechter ist als er sein könnte/sollte, überforderte Lehrer, die auch mal falsch oder unzureichend handeln, Krankheit durch Überforderung als Folge bei Schülern wie Lehrern resultieren aus den immer neuen Anforderungen an Schule, die mit „Bordmitteln“ einfach nicht mehr zu stemmen sind und dann mindestens grenzwertige Zustände entstehen lassen.
Unter diesen Zuständen wiederum leiden alle Beteiligten. Es entstehen Teufelskreise, aus denen man mit „einfachen“ Mitteln (Gespräche, Bitten um Verbesserung der Zustände, Überlastungsanzeigen, ggf. Supervision) nicht mehr herauskommt, weil das System entscheidende Änderungen (die den Dienstherrn oder den Schulträgerim Zweifel auch etwas kosten würden) nicht hergibt.

Maja
5 Tage zuvor

Wenn etwas am „System“ falsch ist, dann die Tatsache, dass Lehrer zu wenig zu sagen haben und Außenstehende mit kaum Ahnung von der Praxis, von Kindern oder von dringenden Notwendigkeiten haben mit ihrem oberschlauen, realitätsfernen und illusionären Gerede von dem, was den Kindern alles beigebracht werden sollte, den Bildungspolitikern das Hirn vernebeln. Zu viele Köche verderben nun mal den Brei, besonders, wenn sie kaum Ahnung vom Kochen haben, aber über Rezepte entscheiden wollen.

kanndochnichtwahrsein
5 Tage zuvor
Antwortet  Maja

JA. So könnte man es kurz zusammenfassen!

Das besonders Tragische an diesem Umstand:
Viele von uns erwarten gar nicht mehr, dass es anders oder womöglich besser kommen könnte.
Selbst wenn wir – wie heute in NRW – wählen gehen „dürfen“, glauben wir doch kaum daran, dass demnächst ein/e wirklich kompetente/r, für Ideen aus der Praxis offene/r, zukunftsorientierte/r und zukunftswagende/r Minister/in am Zuge sein könnte, an den/die ich mich als Lehrkraft mit Sorgen und Nöten aus der Praxis, aber auch mit meinen Erfahrungen und Vorschlägen vertrauensvoll wenden kann. Und das auch noch ohne das effektive Filterelement „Dienstweg“ mit all ihren Instanzen, die im Grunde – meine Einschätzung – kein Interesse oder andere Interessen bezgl. Änderungen haben?!

Man erwartet doch schon, wieder einmal eine/n berufsfremde/n, im Zweifel wenig interessierte/n, nicht praxisafine/n, gern aber medienbewusste/n Minister/Ministerin vorgesetzt zu bekommen, die/der sich anmaßt, alles besser zu wissen als die Ausführenden der x-ten Reform für xy, die unweigerlich mit jeder, vor allem jeder neuen Regierung durchgepeitscht wird.
Jede/r Minister/in war ja mal in der Schule und/oder hat/te Kinder/Enkel in der Schule. Schule kann also jeder, auch der Quotenmensch für irgendwas, der/die noch einen Ministerposten braucht.

Ich lasse mich natürlich gerne mal positiv überraschen…