Start Leben Rechtsterroristen werden immer jünger: Urteil gegen die „Letzte Verteidigungswelle“ zeigt, warum (auch)...

Rechtsterroristen werden immer jünger: Urteil gegen die „Letzte Verteidigungswelle“ zeigt, warum (auch) Schulen alarmiert sein müssen

22
Anzeige

HAMBURG. Rechtsextreme Gewalt in Deutschland nimmt seit Jahren zu – und die Täter werden immer jünger. Der Prozess gegen Mitglieder der Terrorgruppe „Letzte Verteidigungswelle“ zeigt exemplarisch, wie Jugendliche innerhalb weniger Monate zu mutmaßlichen Rechtsterroristen werden. Fachleute beobachten seit Längerem eine beschleunigte Radikalisierung junger Menschen, die sich vor allem über soziale Medien organisiert und längst auch Schulen erreicht. Das Urteil aus Hamburg beantwortet deshalb nicht nur die Frage nach Schuld und Strafe. Es wirft auch die Frage auf, wie Demokratiebildung und Prävention künftig aussehen müssen.

Jugendkultur. (Symbolbild.) Illustration: News4teachers

Michael B. federt im schwarzen Hoodie beinahe lässig zu seinem Platz, als würde gleich der Unterricht beginnen. Antonio W. sucht Halt und legt den tätowierten Arm auf den Rücken seines Verteidigers. Der Jüngste blickt starr geradeaus. Jonas N. errötet, als die Richterin den Saal betritt. Acht junge Männer sitzen im besonders gesicherten Gerichtssaal des Hanseatischen Oberlandesgerichts. Als sie ihre Taten planten, waren sie zwischen 14 und 21 Jahre alt.

Wenig später verkündet der Staatsschutzsenat das Urteil: Haftstrafen zwischen eineinhalb und fünf Jahren für sieben Mitglieder und einen Unterstützer der rechtsextremen Terrorgruppe „Letzte Verteidigungswelle“. Verurteilt werden sie unter anderem wegen Mitgliedschaft beziehungsweise Unterstützung einer terroristischen Vereinigung, versuchten Mordes, Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung. Nach Überzeugung des Gerichts plante und verübte die Gruppe Brand- und Sprengstoffanschläge auf Asylunterkünfte und linke Einrichtungen. Hinzu kamen brutale Übergriffe im Rahmen des sogenannten „Pädo-Huntings“, bei dem Menschen verfolgt wurden, die die Jugendlichen für Pädophile hielten. Vier der Verurteilten sind noch immer minderjährig; der jüngste ist erst 15 Jahre alt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

PhoneLocker, verschließbare Smartphone-Tasche

Die Vorsitzende Richterin findet ungewöhnlich deutliche Worte, so berichtet die Zeit. Die Gruppe habe versucht, „Chaos herbeizuführen“, sagt sie. Die in den vergangenen Monaten häufig verwendete Bezeichnung der Angeklagten als „braune Kinderzimmer“ sei „durchaus passend gewählt“. Dass bei den Anschlägen niemand starb, lag nach den Feststellungen des Gerichts vor allem am Zufall.

„In Krisenzeiten ist das Bedürfnis nach Orientierung, Identität und Stabilität besonders groß. Rechtsextreme Ideologie können dieses Bedürfnis bedienen“

Doch wie werden Jugendliche überhaupt zu Mitgliedern einer terroristischen Vereinigung?

Der Prozess in Hamburg sei Ausdruck einer Entwicklung, die Sicherheitsbehörden und Wissenschaft seit Längerem beobachten, berichtet Deutschlandfunk Kultur: Rechtsextreme Täter werden jünger, Radikalisierung verläuft schneller und findet zunehmend im digitalen Raum statt.

Der Soziologe Prof Matthias Quent von der Hochschule Magdeburg-Stendal spricht laut Bericht von einer „ernst zu nehmenden Gefahr für Leib und Leben“. Rechtsextreme Jugendgruppen seien längst keine Randerscheinung mehr. Einschüchterungen, Drohungen und Gewalttaten führten dazu, dass Betroffene Angst hätten, sich aus dem öffentlichen Leben zurückzögen oder sogar ihren Wohnort verließen.

Auch die Zahlen unterstreichen diese Entwicklung. Nach Angaben des Bundeskriminalamts wurden 2024 mehr als 42.000 rechte Straftaten registriert – knapp 48 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig beobachten Sicherheitsbehörden, dass sich rechtsextreme Gruppen bundesweit gezielt an Jugendliche wenden. Der Verfassungsschutz beschreibt eine enorme Geschwindigkeit, mit der sich junge Menschen überwiegend über soziale Medien rekrutierten, vernetzten und radikalisierten.

Warum das gelingt, erklärt Simon Brost von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus. In Krisenzeiten sei das Bedürfnis nach Orientierung, Identität und Stabilität besonders groß. Rechtsextreme Ideologie könne dieses Bedürfnis bedienen – „gerade, wenn sie dann auch noch ausgestattet ist mit klaren Feindbildern und wenn sie ein Versprechen von Stärke mit sich bringt. Das macht die rechtsextreme Szene gerade auch für junge Menschen auf Identitätssuche sehr attraktiv.“

Hinzu komme, dass viele Jugendliche mit einer politischen Landschaft aufgewachsen seien, in der rechtsextreme Positionen deutlich sichtbarer sind als noch vor wenigen Jahren. Dadurch entstehe eine Normalisierung, aus der militante Gruppen ihre Legitimation ableiten könnten,  „auch gewalttätig aufzutreten auf den Straßen, Vollstreckerinnen dieses Diskurses zu sein“, erklärt Brost.

Eine Schlüsselrolle spielen dabei soziale Medien. Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes werden dort Hassbotschaften, Kampfsportvideos und rechtsextreme Propaganda zu einem Radikalisierungsmix, der Jugendlichen kaum Widerspruch entgegensetzt. Der Soziologe David Begrich vom Magdeburger Verein Miteinander beobachtet zudem, dass Gewalt in Kurzvideos regelrecht ästhetisiert werde. Das fasziniere viele Jugendliche. Zugleich bedeute Gewalt eine Form politischer Selbstermächtigung. „Wer Gewalt ausübt, ermächtigt sich selbst dazu, im Grunde genommen soziales Verhalten zu sanktionieren“, sagt Begrich. Mit anderen Worten: Die Täter nähmen für sich in Anspruch zu entscheiden, wer sich im öffentlichen Raum bewegen dürfe und wer nicht.

Für Schulen hat diese Entwicklung unmittelbare Folgen. Rechtsextreme Symbole, Parolen und Einschüchterungen gehören nach Einschätzung von Wissenschaftlern inzwischen vielerorts zum Schulalltag. Soziologie-Professor Quent berichtet von Regionen, in denen sich bereits „regelrechte Hegemonien“ entwickelt hätten. Lehrkräfte und Mitschüler würden dort von rechten Jugendlichen oder deren Umfeld bedroht und eingeschüchtert. Rechtsextreme Einstellungen seien keineswegs auf einzelne Schulformen beschränkt; entsprechende Vorfälle würden inzwischen bundesweit von Grundschulen bis zu Gymnasien gemeldet.

„Was wir in den 1990ern und frühen 2000ern gelernt haben, ist, dass es wichtig ist, Gegenkulturen zu stärken“

Was also hilft? Mehr Polizei und schärfere Strafen allein reichen nach Einschätzung der Fachleute nicht aus. Hannes Püschel von der Opferperspektive Brandenburg verweist auf die Erfahrungen seit den sogenannten Baseballschlägerjahren. „Was wir in den 1990ern und frühen 2000ern gelernt haben, ist, dass es wichtig ist, Gegenkulturen zu stärken“, sagt er. Politik und Gesellschaft müssten demokratische Jugendkulturen schützen, statt sich ausschließlich auf die Täter zu konzentrieren.

Auch Simon Brost sieht Schulen dabei in einer Schlüsselrolle. „Die beste Prävention ist ein Schulklima, in dem deutliche Gegenpositionen gegen Rechtsextremismus für Demokratie sichtbar werden.“ Solche Haltungen könnten in Leitbildern, Hausordnungen oder Projektwochen verankert werden. Entscheidend sei, dass Jugendliche demokratische Alternativen erleben und menschenfeindlichen Positionen klar widersprochen werde.

Zurück zum Prozess in Hamburg: Nach den Feststellungen der Vorsitzenden Richterin suchten mehrere Angeklagte vor allem „Selbstwertgefühl und Akzeptanz“. Einige seien in schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen, hätten Mobbing erlebt oder seien bereits durch Eltern oder andere Angehörige rechtsextrem geprägt worden. Die Gruppe bot ihnen Zugehörigkeit, Anerkennung und ein gemeinsames Feindbild.

Doch das Verfahren zeigt auch die Grenzen strafrechtlicher Aufarbeitung. Während einige Angeklagte nach Auffassung des Gerichts ernsthafte Schritte aus der Szene unternommen hätten, bescheinigte die Richterin anderen weiterhin „schädliche Neigungen“. Besonders eindrücklich wurde dies beim mutmaßlichen Rädelsführer. Die Vorsitzende hielt im Gerichtssaal einen Zettel hoch, der erst wenige Wochen zuvor in dessen Gefängniszelle gefunden worden war. Darauf skizzierte er erneut den Aufbau eines nationalsozialistischen Staates. Zwischen den Notizen stand ein Satz: „Bald ist Henkerszeit.“ News4teachers 

Frauenverachtend, rechtsextrem, gewaltverherrlichend: Mutmaßliches Manifest von Schongau-Täter weist in eine Online-Terrorszene

 

Anzeige

Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei
22 Kommentare
Karl Heinz
11 Tage zuvor

Ich schätze Quent.
Er liefert idR gute Beiträge zum Thema

In dem Text hier fallen aber – mal wieder – ein paar Dinge auf (die man leider immer wieder so liest/hört):

Rechtsextremismus wird wieder von einer politischen Überzeugung zu einem psychologischen Bewältigungsmechanismus umgedeutet.
Die Täter werden implizit als passive Opfer ihrer sozialen Verhältnisse und ihrer pubertären Identitätssuche dargestellt.
Das Problem dabei ist – diese Erzählung beraubt die Jugendlichen ihrer Handlungsmacht und politischen Verantwortung. Sie werden zu reflexartigen Reaktionen auf „Krisenzeiten“ degradiert, nicht zu Akteuren, die sich bewusst für eine mörderische, totalitäre Ideologie entschieden haben.
Der große Widerspruch kommt ja dann auch am Ende:
Darauf skizzierte er erneut den Aufbau eines nationalsozialistischen Staates.“
Das ist kein armes fehlgeleitetes Schaf.
Da hat sich jemand sehr bewusst entschieden.

Indem die Lösung auf „Schulen“ und „zivilgesellschaftliche Gegenkulturen“ geschoben werden, wird eine Verantwortungsverschiebung betrieben:
Nicht der Rechtsstaat muss härter durchgreifen, sondern die Pädagogik muss (mal wieder) retten, was die Politik vergeigt hat.

Unfassbar
10 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Bei Abdul wäre aber auch schon Erwachsenenstrafrecht möglich gewesen.

Rainer Zufall
10 Tage zuvor
Antwortet  Unfassbar

Dann werden Sie Richter und entscheiden Sie, das Erwachsenenrecht anzuwenden, weil…

Noni
10 Tage zuvor
Antwortet  Unfassbar

Bei Abdul wäre psychische Krankheit möglich gewesen.

Karl Heinz
10 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Zumindest was die empirische Kriminalprävention betriff, haben Sie recht.

Allerdings machen Sie den Fehler, „härter durchgreifen“ pauschal mit „härteren /längeren Strafen“ gleichzusetzen.

Schnellere Prozesse, konsequentere Überwachung während der Bewährung und eine bessere digitale Forensik spielen hier z.B. eine zentrale Rolle.
Das sind Formen des Durchgreifens, die sehr wohl wirken und die der Rechtsstaat nicht aus falscher pädagogischer Rücksicht vernachlässigen darf.

Ihr Zauberwort – etwas versteckt, aber es steht da – lautet:
AUCH
Wie ich schon im Fall Ballout ausführte:
Was nutzt alles Handeln der Schule, wenn die anderen Bausteine nicht funktionieren?
Prävention und Repression sind keine Gegensätze, sie sind komplementär.

Den USA-Vergleich können wir daher ebenfalls nicht einfach so stehen lassen. Er verwechselt Ursache und Wirkung. Die hohe Gewalt in den USA ist ein Versagen des Sozialstaats und der Waffenkontrolle, nicht ein Versagen der Strafjustiz. Wenn wir hierzulande die Strafverfolgung verschlampen, werden wir nicht wie die USA – wir werden nur wehrlos gegenüber denjenigen, die sich nicht von Schulprojekten beeindrucken lassen.
Just Saying!

Hansjoachim
10 Tage zuvor
Antwortet  Karl Heinz

Man müsste ja wohl im Grundsatz jugendliche Rechtsextremisten so behandeln wie jugendliche Islamisten, jugendliche Drogenhändler usw. Man sollte nicht die einen als Opfer, die anderen aber als unverbesserliche Täter einstufen. Man sollte auch nicht unterstellen, die einen sind psychisch gestört, die anderen dagegen psychisch gesund und einfach böswillig. Die allermeisten werden wohl einfach von ihrer Umgebung (dazu zählen auch Internet-Kontakte) zu ihren Missetaten angestachelt. Diese Leute gehören auch mal in den Fokus. Da könnte man vermutlich noch einige Sümpfe trockenlegen.

Biene
9 Tage zuvor
Antwortet  Hansjoachim

Die Wege der Radikalisierung sind die gleichen und gewissen religiöse Gruppierungen haben ähnliche oder die gleichen Wege, um an ihre Anhänger zu kommen. Beide Seiten sprechen bestimmte Bedürfnisse dieser verlorenen Schafe an und verderben diese Schafe dann zu dämonischen Böcken, die blindlings auf die Ver-sprechen dieser herein- und besonders tief fallen.
Ein Kamel kann zur Tränke geführt werden, aber trinken muss es immer noch selbst.
Lehrkraft: ich muss mal gerad‘ die Welt retten….

Rainer Zufall
10 Tage zuvor
Antwortet  Karl Heinz

„Schnellere Prozesse, konsequentere Überwachung während der Bewährung und eine bessere digitale Forensik spielen hier z.B. eine zentrale Rolle.“
Haben die Jungs bereits gegen die Bewährung verstoßen? Das ging aber schnell.

Aber süß, dass anlasslose Überwachung nun als „digitale Forensik“ verlauft werden soll, während bereits eine Social Media-Altersbeschränkung umstritten ist 😀

Was Sie mit „schnellere“ Prozesse meinen, möchte ich als Forderung nach mehr Richter*innen, nicht nach mehr halben Sachen verstehen, ja?

Rainer Zufall
10 Tage zuvor
Antwortet  Karl Heinz

„Die Täter werden implizit als passive Opfer ihrer sozialen Verhältnisse und ihrer pubertären Identitätssuche dargestellt.
Das Problem dabei ist – diese Erzählung beraubt die Jugendlichen ihrer Handlungsmacht und politischen Verantwortung.“
Bei Minderjährigen? Geh nach Hause! 😀

Youneverknowhowthecookiecrumbles
10 Tage zuvor
Antwortet  Karl Heinz

Eine differenzierte Betrachtung schließt die individuelle Verantwortung nicht aus – sie fragt nur richtigerweise danach, wie Haltung überhaupt entsteht. Die Schuldfrage juristisch beim Individuum anzusiedeln ist das eine; zu verstehen, wo Radikalisierungsprozesse stattfinden und verhindert werden können, das andere.
1. Demokratie lernt man nur dort, wo sie erfahrbar ist Demokratische Werte fallen nicht vom Himmel. Eine demokratische Haltung entsteht vor allem dort, wo Demokratie Tag für Tag vorgelebt und aktiv mitgestaltet wird. Schulen könnten und müssten genau dieser Lernort sein. Solange Schule jedoch oft eher von starren Hierarchien als von echter Teilhabe geprägt ist, bleibt das Fundament für gelebte Demokratie brüchig.
2. Haltung entsteht durch Vorbilder und Respekt Respekt und Augenhöhe erlernt man in Lern- und Lebensräumen, die von dieser Haltung getragen sind. Es gibt glücklicherweise viele engagierte Lehrkräfte, die genau das vorleben. Genauso ehrlich muss man aber feststellen: Es gibt weiterhin zu viele Orte im Bildungssystem, an denen ein Machtgefälle dominiert und ein echtes Verständnis von Partizipation und Beziehungsarbeit fehlt.

Wenn Pädagogik und Schule als entscheidende Erfahrungsräume ausgeblendet werden und der Ruf nach dem Rechtsstaat als einzig wahre Antwort gilt, stiehlt sich Schule aus ihrer Gestaltungsverantwortung.
Demokratieförderung ist kein Freispruch für Straftaten oder verfassungsfeindliche Ideologien. Sie ist der notwendige Auftrag einer Gesellschaft, die nicht erst reagieren will, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist.

DerechteNorden
11 Tage zuvor

„Auch Simon Brost sieht Schulen dabei in einer Schlüsselrolle. „Die beste Prävention ist ein Schulklima, in dem deutliche Gegenpositionen gegen Rechtsextremismus für Demokratie sichtbar werden.“ Solche Haltungen könnten in Leitbildern, Hausordnungen oder Projektwochen verankert werden. Entscheidend sei, dass Jugendliche demokratische Alternativen erleben und menschenfeindlichen Positionen klar widersprochen werde.“

Ja, gibt es aber doch schon.
Da diese Kids privat offensichtlich kein wertschätzendes Umfeld haben, suchen sie sich über Social Media Möglichkeiten, um Bestätigung erhalten.
Normale Schule kann daran kaum etwas ändern. Prävention, Demokratieprojekte usw. helfen nicht gegen das, was die fühlen.
Internate mit einer Art Elternersatz und Gemeinschaftserlebnissen würde ihnen helfen.

Rüdiger Vehrenkamp
11 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Wir kennen auch Elternhäuser, in denen radikale Ansichten Teil der Erziehung sind. Schule und die soziale Arbeit können immer nur den Gegenpol zeigen und hoffen, dass diese beim Individuum ankommen. Manchmal klappts. Aber es gibt auch Fälle, in denen Eltern und Jugendliche bewusst gegen unsere Haltung in einer „Jetzt erst recht“-Stellung agitieren.

Rainer Zufall
10 Tage zuvor

„Aber es gibt auch Fälle, in denen Eltern und Jugendliche bewusst gegen unsere Haltung in einer „Jetzt erst recht“-Stellung agitieren.“
Wie agitieren die Jugendlichen dann?

DerechteNorden
10 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

? Im Unterricht durch fragwürdige Beiträge, außerhalb des Unterrichts, wenn keine Lehrkräfte dabei sind, hetzen oder andere mitschnacken und in Social Media.

Rüdiger Vehrenkamp
10 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Genau das. Oder das genaue Gegenteil von dem sagen/machen, was wir sagen/machen. Beispiel: Ich thematisiere im Gespräch LGBTQ-Themen und ich krieg zu hören, dass alle Regenbogenflaggen verbrannt werden sollen.

Rainer Zufall
9 Tage zuvor

Und wie reagieren Sie dann bzw. wie würden Sie nächstes Mal anders auf das Thema zugehen?

Rainer Zufall
9 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Aha. Ich sehe nicht ganz, inwiefern diese Beiträge nicht aufgrund der vorherigen Erziehung etfolgten, sondern auf Ihre Arbeit zurückzuführen wären :/

Haben Sie im Team schonmal angesprochen, dass Ihre Intervention zu push back-Effekten (so werden die meines Wissens in der Wissenschaft bezeichnet) führen und wie Sie die künftig angehen können?

Rainer Zufall
10 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

„Ja, gibt es aber doch schon.“
Spricht für Ihre Schule.

Bei manchen Schulen…
https://www.news4teachers.de/2026/07/ich-werde-jetzt-einen-praezedenzfall-dafuer-schaffen-dass-lehrer-sich-im-unterricht-gegen-rechtsextremismus-positionieren-duerfen/

„Normale Schule kann daran kaum etwas ändern. Prävention, Demokratieprojekte usw. helfen nicht gegen das, was die fühlen.“
Leider ja, besonders wenn viele Lehrkräfte dies irrtümlich nicht als ihre Aufgabe betrachten.

„Internate mit einer Art Elternersatz und Gemeinschaftserlebnissen würde ihnen helfen.“
*Hust, Ganztag, Hust* 😉

DerechteNorden
10 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Da ich an einer Ganztagsschule arbeite, kann ich Ihnen versichern, dass das Konzept nicht ausreicht.
Die Kids müssen aus ihrem Umfeld (Familie, Buddies, Nazi-Freunde aus Social Media) heraus.
Ich finde es erstaunlich, dass Lehrkräfte so argumentieren wie Sie. Für mich bedeutet das, dass Sie selbst keine ausreichende Erfahrung haben. Weder mit Ganztag, noch damit, was Lehrkräfte und Schule eigentlich leisten können.
Ich möchte meine Fächer unterrichten und eine gute Klassenlehrerin sein, die ihre S*S auch in sozialen Belangen sowohl individuell als auch im Klassenverband unterstützt, damit sie sich gut entwickeln. Die individuelle Entwicklung funktioniert nur, wenn Kids und Eltern mitspielen. Daran ändert kein Ganztag etwas.
Jemand anderes schrieb hier einmal, dass Ganztag ja nicht bedeutet, dass die Kids den ganzen Tag mit denselben Bezugspersonen zu tun haben, sondern dass das ständig wechselt. Als Lehrkraft habe ich pro Woche vielleicht 8 Zeitstunden mit der Klasse (wenn ich sie in zwei Fächern unterrichte).
Wie viel Zeit verbringen die Kids mit Eltern, Buddies oder ihren Nazi-Freunden? Richtig, viel mehr.

In der Theorie kann ich mir auch alles mögliche vorstellen, in der Praxis bzw. Realität, sieht es dann aber ganz anders aus.
Ich finde Ihre Ausführungen klingen – mit Verlaub immer wie die einer Person, die eher nur in der Theorie lebt.

Rainer Zufall
9 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

„Die Kids müssen aus ihrem Umfeld (Familie, Buddies, Nazi-Freunde aus Social Media) heraus.“
Ich denke, bei „Nazi-Freunden“ reden wir auch nicht mehr über Prävention.

„Ich finde es erstaunlich, dass Lehrkräfte so argumentieren wie Sie. Für mich bedeutet das, dass Sie selbst keine ausreichende Erfahrung haben.“
Durchaus möglich! An der Förderschule arbeit wir erheblich näher am Schüler und (in diesem Fall rechts-)extreme Scheiße lasse ich nicht ungeklärt stehen.
Ich weiß, es entspricht nicht der Sehnsucht nach „Lesen, Schreiben, Rechnen, sonst nichts“…

Rainer Zufall
10 Tage zuvor

„Was wir in den 1990ern und frühen 2000ern gelernt haben, ist, dass es wichtig ist, Gegenkulturen zu stärken.“
Klingt ziemlich antifaschistisch – lieber nochmal Frau Prien fragen.

„Rechtsextreme Einstellungen seien keineswegs auf einzelne Schulformen beschränkt; entsprechende Vorfälle würden inzwischen bundesweit von Grundschulen bis zu Gymnasien gemeldet.“
Ja, aber was ist mit [Sündenbock hier einfügen]?
Außerdem fordern wir nicht mehr Geld für neue Maßnahmen, denn wir verplanen derzeit zu wenig Geld für solche Maßnahmen (ergibt für manche angeblich Sinn).

Was wollen die Schulen dagegen unternehmen?
„Lesen, Schreiben, Rechnen, sonst nichts“ (https://www.news4teachers.de/2026/08/gastbeitrag-warum-fruehe-bildung-weniger-wow-effekte-braucht-dafuer-mehr-sprache-sowie-mathematisches-denken/#comment-826871)
Eben, man selbst ist ja (derzeit) nicht die Zielscheibe….

Zum Kotzen der Mist, aber wenn wortwörtlich jede und jeder einmal zum Opfer wurde und sich persönlich betroffen fühlt, geht da wohl weiterhin nicht viel.
Bin aber beim nächsten Mal wieder aufrichtig erschrocken und überrascht – versprochen