Lin-Klitzing: „Es kann nicht sein, dass sich der Mathe-Kollege mit zwei Stunden Ermäßigung um die IT kümmern muss“

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KÖLN. Der Deutsche Philologenverband hat auf seiner jüngsten Vertreterversammlung einen Grundsatzbeschluss zur Digitalisierung der Schulen gefällt (News4teachers berichtete). Darin heißt es unter anderem: „Ein verändertes Rezeptionsverhalten beim Medienkonsum und beim Wissenserwerb unserer Schülerinnen und Schüler erfordert neue Methoden und neue Fähigkeiten.“ Die Vorsitzende des Philologenverbands, Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, sprach auf dem didacta-Stand von AixConcept – dem IT-Dienstleister für Schulen – über die Konsequenzen und die Perspektiven digitaler Bildung in Deutschland mit News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek.

„Das darf nicht so bleiben“: Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbands. Foto: Deutscher Philologenverband

Der Philologenverband hat auf seiner jüngsten Vertreterversammlung einen Grundsatzbeschluss zur Digitalisierung der Schulen gefällt. Darin heißt es: „Ein verändertes Rezeptionsverhalten beim Medienkonsum und beim Wissenserwerb unserer Schülerinnen und Schüler erfordert neue Methoden und neue Fähigkeiten.“ Was meinen Sie damit?

Susanne Lin-Klitzing: „Mediale Darstellungsformen ändern sich – und das Medienkonsumverhalten der Schülerinnen und Schüler verändert sich dementsprechend: Im Alltagsleben dominieren der Konsum von und die Informationsentnahme aus Bildern und Videos gegenüber Texten, digitale Medien bieten häufig eine höhere Interaktivität zwischen ‚Anbieter‘ und ‚Nutzer‘ an als lineare Medien, Videoclips werden kürzer, Bildfolgen wechseln schneller, die genutzten ‚In‘-Plattformen wandeln sich von Facebook zu Tiktok u.v.a.m. Darauf reagieren Lehrkräfte in ihrem Unterricht. Einerseits indem sie in ihrem Unterricht mit ihren Schülerinnen und Schülern z. B. ein zunehmend passiv-rezeptives Medienverhalten kritisch reflektieren, genauso wie sie in ihren Unterrichtsmethoden auch aktiv-mediengestaltende Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler fördern und entsprechende Fertigkeiten einfordern. – Für das Gymnasium als Schulart, die von den Zielen der Vermittlung allgemeiner Studierfähigkeit, vertiefter Allgemeinbildung und von Wissenschaftspropädeutik geprägt ist, gilt jedoch, dass die verständige Rezeption und Produktion von Texten ihren grundständigen Ort sicherlich im Unterricht behält.

Der Philologenverband fordert in seinem Beschluss eine „moderne digitale Infrastruktur. Diese ist durch ausgebildetes Personal der Sachaufwandsträger regelmäßig zu warten und es ist zu gewährleisten, dass erforderliche Reparaturen innerhalb von 24 Stunden durchgeführt werden.“ Wie sieht denn die Praxis derzeit aus?

Susanne Lin-Klitzing: „Die Praxis sieht nach wie vor häufig so aus, dass sich der Mathekollege mit zwei Stunden Ermäßigung um die IT-Technik vor Ort kümmern muss. Das kann nicht sein – und darf vor allem nicht so bleiben. Deshalb haben wir von Anfang an einen professionellen IT-Support für die Schulen gefordert und bleiben bei dieser Forderung nach einem professionellen IT-Service, der durch die Sachaufwandsträger, hier in der Regel durch die kommunalen Schulträger, gestellt werden muss. Das Problem, das Bund, Länder und Kommunen zu lösen haben, ist eine bildungsgerechtere Schulfinanzierung, denn Schülerinnen und Schüler erfahren zwischen den Bundesländern und auch innerhalb ein- und desselben Bundeslandes deutliche Unterschiede, was die Sanierung ihrer Schulen, die Finanzierung des Schulbaus sowie den IT-Ausbau und die IT-Wartung an ihrer Schule betrifft. Die unterschiedliche Finanzkraft der Kommunen führt zu diesen Unterschieden, zu dieser Ungleichheit und zu entsprechenden Ungerechtigkeiten, was die Bereitstellung schulischer Voraussetzungen für zeitgemäßen Bildungserwerb anlangt.“

Weiter heißt es in dem Beschluss des Philologenverbands: „Beim Einsatz von digitaler Technik und Software ist sicherzustellen, dass es zu keiner unangemessenen Leistungs- und Verhaltenskontrolle kommt.“ Und: „Bei der Einführung neuer Technik muss die Wahrung der Persönlichkeitsrechte der Gymnasiallehrkräfte oberstes Prinzip sein.“ Was fürchten Sie denn?

Susanne Lin-Klitzing: „Für den souveränen Umgang mit dem digitalen Fortschritt an unseren Schulen und im Unterricht braucht es ‚Leitplanken‘, innerhalb derer sich die Nutzer, Lehrkräfte wie Schülerinnen und Schüler, sicher bewegen können. Gerade im Interesse einer positiven Nutzung des digitalen Fortschritts an Schulen braucht es Regelungen, die Lehrkräften wie Schülerinnen und Schülern Sicherheit geben, um das Potential eines digital klug unterstützen Präsenzunterrichts oder einer digitalisierten Schulverwaltung sicher nutzen zu können. Als Lehrkräfteverband setzen wir uns dabei selbstverständlich für die Interessen der Lehrkräfte ein – die hier mit den Interessen der Schüler, Schülerinnen und Eltern Hand in Hand gehen dürften. Eine lückenlose Nachkontrollierbarkeit von Lern- und Leistungsverhalten in pädagogischen Räumen wünscht sich sicherlich niemand aus den genannten Gruppen. Deshalb entspricht der Wunsch nach einer rechtzeitigen Klärung und Gewährung von datenschutzkonformer Rechtssicherheit bezüglich der in der Schule und im Unterricht digital gesammelten, gespeicherten und genutzten persönlichen Daten von Lehrkräften wie Schülerinnen und Schülern nicht einer ‚Digitalfurcht‘, sondern eher dem Aufstellen von ‚Leitplanken‘, bevor – um in diesem Bild zu bleiben – die Autobahn für den schnellen Verkehr freigegeben wird…“

Die Digitalisierung dürfe weder zu einer Entgrenzung der Arbeitszeit noch zu einer Arbeitsverdichtung führen, sondern sei im Gegenteil bei der Festlegung des Unterrichtsdeputates zu berücksichtigen, so heißt es in dem Beschluss des Philologenverbands. Passiert das denn nicht?

Susanne Lin-Klitzing: „Nein, das passiert noch nicht. Hier herrscht noch ein freies Spiel der Kräfte, besser: hier gibt es noch keine beiderseitig geklärten Dienstvereinbarungen. Um das Bild von eben aufzugreifen: Auch hier gibt es noch keine ‚Leitplanken‘, wie durch die ‚Umverteilung‘ von Arbeitszeit, Arbeitsgeräten und Arbeitsort z.B. mit Erwartungen von zeitnahen digitalen Rückmeldungen auch am Abend oder am Wochenende vom zuhause aus, wie es durch Corona Einzug gehalten hat, nun auf Dauer gut umgegangen werden kann und soll.“

Die Digitalisierung kann dabei helfen, Inhalte zu visualisieren, besser verständlich zu machen (zum Beispiel in den Naturwissenschaften) und formale Abläufe zu beschleunigen. In Ihrem Beschluss schimmert Skepsis gegenüber der Digitalisierung durch – so ist darin von Chancen und Potenzialen keine Rede. Ein falscher Eindruck?  

Susanne Lin-Klitzing: „Hier bedarf es der zeitlichen und inhaltlichen Gesamtschau: Mit Beginn von Corona hat sich der Deutsche Philologenverband kontinuierlich durch konstruktive Vorschläge ausgezeichnet. Wir haben seit 2020 von der KMK über Corona-Hygienevorschriften hinaus inhaltlich bestimmte Ziele gefordert und dann selbst die Zielkonzeption eines „digital unterstützten Präsenzunterrichts“ benannt. Der Deutsche Philologenverband war der Erste, der in der Corona-Krise digitale Endgeräte für alle Schülerinnen und Schüler sowie entsprechende Dienstgeräte für die Lehrkräfte gefordert hat. Gemeinsam mit anderen Lehrerverbänden fordern wir zur Gewährleistung eines klug digital unterstützten Präsenzunterrichts an der Schule professionelle IT-Administratoren, einen angemessenen, standardisierten Datenschutz – und keinen, der sich von Land zu Land unterscheidet -, einhergehend mit der Forderung nach adäquaten Lernplattformen – und wir fordern vor allem entsprechende Lehrerfortbildungen, um das inhaltliche Potential von Digitalität im Unterricht besser ausschöpfen zu können. Hierzu sind wir dann eigenständig und konstruktiv vorangeschritten: Der Deutsche Philologenverband hat erfolgreiche Online-Fortbildungsangebote für Lehrkräfte aller Schularten, insbesondere natürlich für die Gymnasiallehrkräfte, ebenso wie für die Lehrkräfte an den Deutschen Schulen im Ausland in Kooperation mit ARD, ZDF und Wikimedia konzipiert, organisiert, durchgeführt und tut dies noch.

Mittlerweile sind wir in einer anderen Phase, nachdem eine zunehmend digitale Unterstützung bzw. Durchführung des Unterrichts bedingt durch Corona Hals über Kopf geleistet werden sollte. In der jetzigen Phase bedarf es für die souveräne Nutzung des vorangegangenen „Hals-über-Kopf-digitalen-Fortschritts“ an den Schulen eben jener beschriebenen „Leitplanken“. Das ist keine prinzipielle Skepsis, sondern eine Vorsorgehaltung, ebenso wie im Zuge der fortschreitenden Entwicklung selbstfahrender Autos die Haftungsfrage am besten vor potenziellen Unfällen geklärt werden sollte…“

Wie, meinen Sie, sieht der Unterricht der Zukunft am Gymnasium aus?

Prof. Lin-Klitzing antwortete: „Die durch die Digitalisierung zur Verfügung stehende Fülle an Informationen bedarf entgegen häufig zu hörender anderslautender Einschätzungen schülerseits eher mehr an Wissen, eben mehr an Vorwissen, um die riesige Fülle der nun digital zur Verfügung stehenden Information überhaupt sinnvoll in bereits bestehende Kategorien geordneten Wissens einordnen und subjektiv bildungsbedeutsam werden lassen zu können. Am Gymnasium sind dazu mit seinem Ziel der Vermittlung von vertiefter Allgemeinbildung, Wissenschaftspropädeutik und Studierfähigkeit für Schülerinnen und Schüler sicherlich einerseits gute Voraussetzungen gegeben, gleichwohl darf der Anspruch an eine hohe Fachlichkeit gymnasialer Bildung und Lehrerbildung eben gerade deshalb auch nicht gesenkt werden. Was die Unterrichtsgestaltung anlangt, gehe ich von einem lebendigen, interaktiven, digitale Angebote ebenso selbstverständlich wie lineare Medien nutzenden Unterricht aus.“ News4teachers

AixConcept-Gespräche

AixConcept-Gespräche über die Digitalisierung der Schulen führt News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek im Rahmen der Bildungsmesse didacta noch mit:

  • Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE): „Chancen für die Individualisierung“, Mittwoch, 8. Juni 2022, 11.15 – 12.00 Uhr
  • Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des Deutschen Realschullehrerverbands (VDR): „Digitale Vorreiter Realschulen?“, Mittwoch, 8. Juni 2022, 15.15 – 16.00 Uhr
  • Maike Finnern, Bundesvorsitzende GEW: „Chancengerechtigkeit nicht aus dem Blick verlieren“, Freitag, 10. Juni 2022, 10.15 – 11.00 Uhr

Ebenfalls zu Gast: Der Ehrenpräsident des didacta-Verbands Prof. Dr. mult. Wassilios E. Fthenakis. Der mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete ehemalige Direktor des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München und Professor für Entwicklungspsychologie wird am Freitag, den 10. Juni, um 12.15 Uhr mit dem Journalisten Stefan Malter über digitale Bildung sprechen.

Veranstaltungsort: Messe Köln, didacta, Halle 6, Stand B30-C37 

„Die große Chance der Digitalisierung liegt darin, dass wir endlich individualisiertes Lernen möglich machen“: Bildungsforscher Rolff im Interview

 

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Palim
27 Tage zuvor

Die Praxis sieht nach wie vor häufig so aus, dass sich der Mathekollege mit zwei Stunden Ermäßigung um die IT-Technik vor Ort kümmern muss. Das kann nicht sein – und darf vor allem nicht so bleiben.“

Dann hoffen wir, dass die Kolleg:innen an sämtlichen Schulformen es nicht bald oder weiterhin ohne Ermäßigung richten dürfen.

IusRespicitAequitatem
27 Tage zuvor

Susanne Lin-Klitzing hat Recht, der IT-Support sollte nicht von Lehrkräften gestemmt werden.

Hoffnung
27 Tage zuvor

Aber genauso ist es. Jede größere Firma hat einen IT Beauftragten. Nur die Schulen nicht. Dabei wachsen die Herausforderungen aufgrund von Digitalisierung.
Die Politik möchte alles umsonst durchboxen, erst die Inklusion, ohne entsprechendes und geeignetes Material für SuS und jetzt die Digitalisierung.
Für alles ist Geld da, ich staune, wie in jeder Krise Millionen, ja Milliarden locker gemacht werden, nur für unsere Kinder, die ZUKUNFT dieses Landes ist kein Geld da. Traurig, traurig, traurig!

Grundschullehrer
26 Tage zuvor

Es kann auch nicht sein, dass sich die Grundschulkollegin mit GAR KEINER Stunde Ermäßigung um die IT kümmern muss! :-(((

Marc
26 Tage zuvor
Antwortet  Grundschullehrer

Tja, da wird erwartet dass Grundschulmäuschen das eben aus reiner Nächstenliebe stemmen. Man nimmt ja an dass IT an der Grundschule quasi eh keine Arbeit ist. Neben deiner ohnehin erhöhten Pflichstundenzahl kannst du den Rest auch noch in deiner Freizeit erledigen…….
.. wieso will nochmal keiner Grundschullehrer werden?

Grundschullehrer
26 Tage zuvor
Antwortet  Marc

So, wie man eben annimmt, dass an Grundschulen gar nichts so richtig Arbeit ist. Wie eben auch die IT. Es ist wieder mal eine dieser bodenlosen Frechheiten, dass wir Grundschullehrer/innen gezwungen, semiprofessionell zu arbeiten. Wir sind – auch was die IT betrifft – das Fußvolk! :-(((

Lisa
26 Tage zuvor
Antwortet  Grundschullehrer

Ja, hier auch. Komplette IT der gesamten GS ohne irgendeinen Ausgleich. Deshalb auch nur noch bis zum Ende dieses Schuljahres!

Grundschullehrer
26 Tage zuvor
Antwortet  Lisa

Frage mich nur, warum sich dazu niemand äußert. Wir erdulden immer alles schweigend. Damit muss Schluss sein!

Derdiedas
25 Tage zuvor
Antwortet  Lisa

Arbeite am Berufskolleg. Wir bekommen dafür +- 15 Entlastungsstunden. Klingt erstmal viel. Dazu gehört aber auch die Wartung von rund 100 PCs, 200 Notebooks, 500 iPads, 70 Apple TVs, 70 Beamer, weit über 50 Drucker, unzähligen Thin Clients und mehreren Server. Nicht zu vergessen die ganze Software von Apple, Microsoft, Untis, Moodle, …, sowie die Synchronisation zwischen den Plattformen. Zudem dürfen Schüler private Geräte nutzen, für die wir dann mitverantwortlich sind. Das Arbeitspensum liegt bei weit über 50 Wochenstunden. Das teilen wir uns auf 8 Köpfe, damit es überhaupt zu bewältigen ist. Der Schulträger zahlt jedes Jahr knapp 100.000 Euro an ein Unternehmen, welches all das eigentlich machen müsste, mehr als das gewährleisten eines funktionierenden WLANs passiert nichts. Das Geld für eine Vollzeitstelle an unserer Schule zu verwenden ist politisch natürlich nicht gewollt.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Grundschulen oft einen Klassensatz iPads vor die Füße gestellt bekommen und sich dann selbst überlassen werden. Kollegen, und ich selbst, haben da bereits in der Freizeit diversen Grundschulen unentgeltlich zur Seite gestanden, damit die Geräte in den Einsatz kommen. Das ist alles nur noch eine Farce.

Palim
23 Tage zuvor
Antwortet  Derdiedas

… und dann meckert noch der Schulträger, wenn man Externe um Hilfe bittet,
gleichzeitig wird man immer wieder neu für dumm verkauft, weil man als GS-Lehrkraft (oder als Frau?) ja keine Ahnung hat, in Wirklichkeit der Träger die Kritik nicht hören will, damit keine Abhilfe samt Kosten erfolgen muss.

Fragezeichen
26 Tage zuvor

Es sind doch aber 2 Ermäßigungsstunden jede Woche!! Und wie auch sonst hat man da phasenweise viel und phasenweise gar nichts zu tun!!

Da soll man Mal die Kirche im Dorf lassen.

Canishine
26 Tage zuvor
Antwortet  Fragezeichen

Hunderte iPads, PCs, Beamer, SmartBoards, Netzwerk, Server, Telefonanlage, Apps, Software, Drucker, Kopierer und fragende Kollegen. Da wird man allein mit seinem E-Mail-Aufkommen die Zeit locker aufbrauchen. Oder mit dem Zurücksetzen von vergessenen Passwörtern der Schüler und Kollegen. Oder mit dem Aufgeladen-Halten der iPads.
.

Trulla
26 Tage zuvor
Antwortet  Fragezeichen

Nur zu. Engagierte IT-Spezialisten werden an Schulen gebraucht.

P.S. Es geht auch darum, dass dann die 2 Stunden Mathe fehlen – jede Woche.

Schattenläufer
26 Tage zuvor
Antwortet  Fragezeichen

Das es da gar nichts zu tun gibt habe ich noch nie erlebt.
Der Grundsatz bei Deputaten lautet eigentlich, wenn man dir ein Deputat für eine Arbeit anbietet dann lauf.
Zwei Stunden Deputat an Unterrichtszeit machen mit Korrektur und Vorbereitung etwa 4 Stunden Arbeitszeit aus. Der Arbeitsaufwand liegt dann meist 2-3 mal höher. Also bei etwa10 Stunden.
Im Gegenzug wird eine freiwillige Leistung durch Deputate zur Pflicht. Mit allen damit verbundenen Konsequenzen.
Außerdem haben Deputate die unangenehme Eigenschaft, dass der Umfang der Deputat Stunden über die Jahre stetig sinkt. Die mit dem Deputat verbundene Arbeit steigt aber meist von Jahr zu Jahr an.
Deputat als Ruhebett zu Umschreiben ist Unsinn. Lassen Sie die Kirche da mal im Dorf.

Canishine
26 Tage zuvor
Antwortet  Fragezeichen

Deshalb lässt auch in mittelgroßen Unternehmen nur einmal die Woche einen Praktikanten kommen.

Ausrufezeichen
26 Tage zuvor
Antwortet  Fragezeichen

Schlage vor, einfach mall den Job machen, bevor man gescheit daher spricht.
Ja es gibt hier auch planbare Aufgaben, aber wenn die Probleme auftreten, dann will sie jeder sofort gelöst haben, und nicht erst in drei Tagen.
Und wenn sie mal 200 Geräte zu betreuen haben, und wissen, wie lange das Aufsetzen eine solchen Gerätes dauert, oder der Wunsch eine spezielle Software auf allen Rechnern im PC-Raum auszuspielen, oder der Austuasch von Hardware, oder die Fragen der Kollegen beantworten …… (beliebig fortführbar)

wüssten sie auch, dass wir hier nicht von einer Kirche sprechen, sondern von einer Kathedrale (um beim Bild zu bleiben)

Realist
26 Tage zuvor
Antwortet  Fragezeichen

Sie verwechseln die Digitalisierung in Schulen mit Ihrer Playstation, die Sie vor dem Fernseher stehen haben…

Gabriele
26 Tage zuvor
Antwortet  Fragezeichen

Liebes Fragezeichen,

Ihr Kommentar verrät, dass Sie kein(e) Insider(in) sind, keine Ahnung haben, wie die Realität in der Schule aussieht.

Mein Mann (Entwicklungsingenieur Elektrotechnik für hardware, in einem Weltkonzern) hat sich immer über den „Dilettantismus, die mangelnde Professionalität“ unseres Gymnasiums in diesem Bereich sehr amüsiert: „Mit euch Lehrern kann man’s (=Staat) halt machen!“

Derartige Kommentare über unsere Selbstausbeutung – aus Gutmütigkeit, kollegialem Zusammenhalt und Loyalität unserer Schule gegenüber – musste ich mir dann immer anhören, wenn ich berichtete, dass unser Systembetreuer, in Personalunion auch Mathe-, Physiklehrer hauptsächlich in der Kollegstufe (=Oberstufe, Vorbereitung der AbiturientInnen) und auch noch Mitarbeiter in der Schulleitung, wieder einmal (!) halbe Nächte und Wochenenden in der Schule verbracht hatte, um irgendwas im System – gerade noch rechtzeitig zum z.B. Zeugnistermin – „wieder korrekt und fehlerlos zum Laufen“ zu bringen.

Regelgerechtes Funktionieren eines stör- und damit fehleranfälligen Systems galt es sicherzustellen: denn
– vollständige Noteneingabe ins Computersystem, korrekt eingepflegt zur Vorbereitung und Vorlage bei den Zeugniskonferenzen, war unabdingbar.

– ebenso das Drucken der Zeugnisblätter rechtzeitig vor Zeugnisausgabe (zur Überprüfung der Noten und Vorlage zur anschließenden Unterschrift des Klassenlehrers und des Schulleiters).

Dies waren „absolute Hochzeiten“ für ihn, aber nur „die Spitze des Eisberges“!

Von den vielen weiteren täglichen (!) Herausforderungen für die Sicherstellung eines reibungslosen digitalen Unterrichtsalltags, Fortbildung der KollegInnen (Einsatz von Whiteboard, Digi-Kamera, Beamer, tablets, iPads auch durch SchülerInnen, Moodle, etc.), … in einer Schule mit etwa 1400 SchülerInnen will ich schon gar nicht reden.

Wir alle waren ihm jeden Tag zu größtem Dank verpflichtet, hatten allergrößte Hochachtung vor ihm.
Denn nur dank seines unermüdlichen Einsatzes klappte die IT einigermaßen.

Hätten wir wirklich das System denn „mal völlig an die Wand fahren lassen sollen“, damit die im KuMi endlich umdenken?
Unsere SchülerInnen wären in erster Linie die Leidtragenden gewesen, und unsere Schule „hätte wohl eins auf den Deckel bekommen“ von unserem obersten Dienstherren!

Vollzeit-Sytembetreuer an der Schule, die jederzeit ansprechbar sind und auch adhoc technische Probleme lösen, die die vielfältige, immense Workload überhaupt bewältigen können, braucht die Schule!

Aber unbedingt jemanden, der in (!) der Schule ist und die konkreten Bedürfnisse, technischen Probleme und Herausforderungen für die LehrerInnen und SchülerInnen unmittelbar erlebt!

Teacher Andi
26 Tage zuvor
Antwortet  Gabriele

Liebe Gabriele, genau so ist es, die Lehrer schlucken alle Kröten, die sie von den Kultusministerien hingeworfen bekommen weil sie wissen, dass sie nur sich selbst und den Schülern schaden, wenn sie es nicht tun. Da ist man viel zu sehr Pädagoge, um hier mal ein Exempel zu statuieren. Und darauf zählen die Politiker, deshalb läuft der Laden auch noch. In der freien Wirtschaft wäre ein solcher Betrieb längst platt. Auch wenn Sie jetzt wieder sagen, man solle hier nicht pauschalisieren und die Minister haben eine große Verantwortung ……. die bekommen auch das Vierfache von dem, was ein Lehrer bekommt, und Verantwortung? Wenn nichts mehr geht, tritt man halt zurück. Man fällt weich. Und leider werden immer mehr Posten nicht nach Kompetenz vergeben. Das merkt man deutlich.

GriasDi
24 Tage zuvor
Antwortet  Fragezeichen

Warum gibt es dann in Unternehmen solche IT-Spezialisten? Die haben dann ja gar nix zu tun. 2 Stunden Arbeit pro Woche.

Teacher Andi
26 Tage zuvor

Diese Forderungen sind längst bekannt und durch die betroffenen Lehrer thematisiert worden. Nur, keiner hört auf sie, und der Philologenverband bewirkt auch nicht viel, obwohl er das immer wieder betont. Es wird jetzt mit der neuen Regierung und mit den auf uns hereinbrechenden Krisen mehr als deutlich, dass für unsere Bildung weder Geld noch primäres Interesse vorliegt. Man hat ja nun endlich Baustellen gefunden oder erschaffen, die die „faulen Säcke“ nun von einem „Halbtagesjob“ wegbringen, Wochenenden und Abende/Nächte inbegriffen. Bei etlichen Lehrern ist an Familienleben nicht mehr zu denken. Es wird sich nicht viel ändern, die KMK kreist um sich selbst und ist hoffnungslos überfordert, stellt sich auch nicht auf die Hinterbeine, wofür auch? Es geht doch auch so. Aber wie lange noch? Ich habe einige Kollegen, die wirklich mit Herzblut und aus Überzeugung Lehrer sind, die nun an Alternativen oder Frühpension denken. Leider hat der Staat seine „Schützlinge“ nicht mit Fähigekiten für den alternativen Arbeitsmarkt ausgestattet. Deshalb sind auch noch so viele da. Gäbe es das Beamtentum nicht, müsste in der KMK und der allgemeinen Bildungspolitik richtig harte Arbeit geleistet und finanziert werden. Ein paar Geräte in die Schule schmeißen sorgt noch nicht für eine fachgerechte Digitalisierung. Aber kurzfristiges Denken ist ja an der Tagesordnung, in allen Bereichen.

Hornveilchen
26 Tage zuvor

Also unsere PC-Verantwortliche hat kaum was zu tun. Sie leitet lediglich Mangelmeldungen an den IT-Experten weiter, der einmal wöchentlich kommt und meist nur herumsitzt und auf seinem Smartphone Chatter.

Gabriele
25 Tage zuvor
Antwortet  Hornveilchen

Liebes Hornveilchen,

hahaha!

„Wer’s glaubt“, dass Sie die gegenwärtige Schulrealität kennen, gar eine tätige Lehrkraft an einer normalen (!) Schule sind, „wird selig“!

Im Auftrag welcher Trollfabrik sind Sie denn unterwegs, um derartige Desinformationen unter’s Volk zu bringen?

Oder sind Sie etwa ein selbsternannter Troll, der aus einer nichtexistenten Schule „auf dem Mond“ sog. alternatve Fakten (=Unfug, Unrichtiges, Lügen) berichtet?

Verschonen Sie uns bitte mit Ihrem hanebüchenen Quatsch!

Senkrechtstarter
25 Tage zuvor
Antwortet  Gabriele

Und im Auftrag welcher Trollfabrik sind Sie unterwegs, um den Mitlesern hier einen Bären aufzubinden?

Ich kann nur zustimmen, bei uns macht die IT-Verantwortliche auch praktisch nichts. Hat man ein Problem, ist sie immer nicht erreichbar oder verweist bestenfalls auf super „Bedienungsanleitungen“, die man sich durchlesen soll.

Gabriele
25 Tage zuvor
Antwortet  Senkrechtstarter

Lieber/liebe Senkrechtstarter,

an Ihrer Schule scheint ja offensichtlich wirklich ein ganz erheblicher Nachholbedarf in puncto „Digitalisierung“ und IT zu bestehen.
Ansonsten würden Sie sich nicht so äußern können.

Sehr bedauerlich für Ihr Kollegium. Besonders aber für Ihre, Ihnen anvertrauten, SchülerInnen!

Wie sollen diese denn in dieser offenbaren Mangelsituation fit gemacht werden für die heutige Berufswelt und die Herausforderungen unserer Zukunft in einer globalisierten und zunehmend digitalisierten Welt?

Nur am Rande, ich bin übrigens überhaupt kein „digital native“, habe Jahrzehnte an Dienstjahren am Gymnasium „auf dem Buckel“ und bin eher eine sehr engagierte Lehrerin der guten „alten Schule“.

Und die Forderung nach dringend benötigten Vollzeit- Systembetreuern ist nicht nur für mich, sondern für die meisten KollegInnen, inzwischen wirklich „ein uralter Hut“!

Ausrufzeichen
24 Tage zuvor
Antwortet  Senkrechtstarter

Na, dann. Wenn sie mit Ihrer Verantwortlichen so unzufrieden sind und sie glauben, dass es so ein einfacher Job ist, dann gehen Sie doch zu Ihrer Schulleitung, und übernehmen Sie die Aufgabe.
Dann können Sie ihre Schule digiral ausrichten.

Ihre Schulleitung wird es ihnen danken!

Realist
24 Tage zuvor
Antwortet  Senkrechtstarter

Vielleicht passt Ihre IT-Verantwortliche die Arbeitsleistung einfach der gewährten Entlastun an? Wenn nicht, und es sich lohnt, dann machen Sie doch den Job. Das notwendige Know-How kann sich ein „Durchblicker“, wie Sie es scheinbar sind, sicherlich an einem Nachmittag zusammengoogeln…

Maria Schwarze
23 Tage zuvor

„Die große Chance der Digitalisierung liegt darin, dass wir endlich individualisiertes Lernen möglich machen“: Bildungsforscher Rolff im Interview Das ist schlicht falsch. Allerdings ist es so, dass Digitalisierung, wenn gut strukturiert und organisiert die Organisation des „indiviualisierte(n) Lernen(s)“ erleichtert.

Gabriele
22 Tage zuvor
Antwortet  Maria Schwarze

„Individualisierung“!: „individualisiertes Lernen“ klingt verlockend nach persönlichem Bezug.

Jedoch: Lernen ist und bleibt sehr harte Arbeit, ist keine Spassveranstaltung.

Der gewünschte Lernerfolg (gemäß „nicht unter seinen/ihren Möglichkeiten bleiben“) kann auch damit wohl nur (!) gelingen, wenn sehr hohe intrinsische Motivation bei den SchülerInnen vorhanden, gepaart mit sehr hoher Selbstorgansationkompetenz, einem hohen Grad an Selbstdisziplin und auch intellektuellem Vermögen zu selbstgesteuertem und -verantwortlichem Lernen.

Digitalisierung kann dabei helfen, heterogenen Lerngruppen mehr gerecht zu werden. Aber lediglich unter einigen Vorbedingungen, die gegeben sein müssen.

Aber machen wir uns doch nichts vor!
Noch erheblich (!!) mehr Zeit für die inhaltlichen und technischen Aufbereitungs- und Vorbereitungsarbeiten sind dann nötig.

Dies belegen übrigens auch die aktuellen wissenschaftlichen Forschungergebnisse über die Erfahrungen von HochschullehrerInnen während der Pandemie.

Die Betreuungszeit für den Unterrichtsprozess, die entsprechenden Nacharbeiten (Evaluation der Erreichen der Lernziele, Vergleichstests etc.) verschlingen außerdem sehr viel Zeit.

Zeit, die anderswo fehlen wird!

– angesichts eklatantem Lehrermangel

– angesichts der laufend weiter zunehmenden Aufgaben für die Lehrkräfte

– angesichts nicht vorhandenem Vollzeit-Systembetreuer an der Schule für die IT

– angesichts dem Recht auf work-life balance und Familienleben
auch (!) für die LehrerInnen: Fürsorgepflicht des obersten Dienstherren ist
inzwischen diametral entgegengesetzt der (stillschweigend erwarteten) de facto
Pflicht zur Selbstausbeutung

Brave New World der Digitalisierung!?
Ein Königsweg? Wirklich?
Angesichts der heutigen Bedingungen und Vorzeichen?
Erhebliche Zweifel lassen sich nicht verleugnen.