„Es geht oft nur noch darum, Kinder so früh und so lange wie möglich wegzuorganisieren“: Eine Kita-Erzieherin berichtet

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BERLIN. KMK-Präsidentin Karin Prien (CDU) hat die Debatte als Reaktion auf den Leistungseinbruch von Grundschülern, den die aktuelle IQB-Studie dokumentiert, angestoßen (News4teachers berichtete): Brauchen wir eine Kindergartenpflicht, um Kinder auf die Schule besser vorzubereiten? Kita-Erzieherin und News4teachers-Leserin Marion berichtet in unserem Forum immer wieder von ihren Erfahrungen. Auch zu einer Kita-Pflicht hat sie eine Meinung – die sie mit grundsätzlichen pädagogischen Überlegungen untermauert. Wir haben einige ihrer aktuellen, überaus lesenswerten Posts im Folgenden zu einem Beitrag zusammengefasst.

Wer denkt an die Kinder – fragt sich News4teachers-Leserin Marion. Illustration: Sthutterstock

Keiner kann mir weismachen, dass es uns weiterbringt, wenn wir alle Kinder schon vor der Einschulung verpflichtend in den Kindergarten zwingen. Gerade weil sowieso schon die überwältigende Mehrheit eine Kita besucht. Was wollen sie damit eigentlich erreichen? Die sinkenden Leistungen der Grundschulkinder werden doch nicht davon verursacht, dass zu wenige einen Kindergarten besucht haben.

Ich würde es mir sicher nicht gefallen lassen, wenn mir der Staat vorschreiben wollte, ob ich mein Kind in eine Kita geben soll oder nicht. Damit bringt man Eltern doch nur völlig unnötig gegen sich auf. Ich war als Kind selbst nie in einem Kindergarten, genauso wenig wie all die anderen in meinem Alter, die auf dem Land groß geworden sind. Woher kommt der Gedanke, aus Kindern könne nur etwas werden, wenn sie möglichst von morgens bis abends einen durchstrukturierten, durchgetakteten, von Erwachsenen bestimmten Tagesablauf haben, und alles, was sie tun, darauf abzielen soll, später mal fit für die Schule und noch später fit fürs Berufsleben zu sein.

Lasst Kindern doch mal wieder etwas mehr Zeit, einfach nur Kind zu sein, ohne sie ständig anzuschieben und in eine bestimmte Richtung lenken zu wollen. Kinder lernen so viel ganz von allein. Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man ständig daran zieht. Im Gegenteil, es wird von seinen Wurzeln abgerissen und verkümmert.

Jeder Jeck ist nu‘ mal anders. Das ist doch wirklich nicht so schwer zu verstehen

Ich halte Kindergärten übrigens für eine ganz hervorragende Erfindung. Mich stört nur, dass sie inzwischen zur meist ganztägigen Pflicht für nahezu alle Kinder geworden sind, ohne Rücksicht darauf, ob das für das jeweilige Kind gerade gut oder schlecht ist. Wir reden doch dauernd so viel über die individuelle, komplexe Persönlichkeitsentwicklung, die bei jedem Kind anders verläuft. Und trotzdem erwarten wir, dass sie sich alle von ganz klein auf in große Gruppen einfügen, wo sie eben häufig nicht die Zuwendung bekommen, die sie bräuchten. Natürlich ist jedes Kind anders.

Das eine liebt es, täglich unter vielen anderen Gleichaltrigen zu sein, dem anderen ist das aber vielleicht zu viel Lärm und Stress und es bräuchte viel mehr Ruhe und Rückzugsmöglichkeit. Jeder Jeck ist nu‘ mal anders. Das ist doch wirklich nicht so schwer zu verstehen.

(…)

Auch wenn ich mich in meinen Kommentaren hier meist sehr kritisch über frühkindliche Fremdbetreuung äußere, möchte ich betonen, dass ich keinesfalls Kindergärten grundsätzlich schlecht finde. Im Gegenteil.

Natürlich bieten sie Kindern die Möglichkeit, mit anderen Gleichaltrigen in Kontakt zu treten, gemeinsam zu spielen, Freundschaften zu knüpfen, sich sozial weiterzuentwickeln, Gemeinschaft auch außerhalb der Familie zu erleben. Vor allem weil Kinder heutzutage fast ausschließlich im Kleinfamilienverband aufwachsen und nicht mehr, wie früher, in der Großfamilie mit Großeltern, vielen Geschwistern und manchmal sogar mit Onkeln, Tanten, Cousins und Cousinen. Es gibt auch kaum noch das sprichwörtliche Dorf, das es braucht, um Kinder großzuziehen. Deshalb sind Kindergärten eine gute und wichtige Sache.

Ginge es um die Rechte der Kinder, würde man jedes Kind individuell betrachten

Mich stört nur, dass es inzwischen sehr häufig nicht mehr darum geht, was Kinder brauchen. Es geht oft nur noch darum, dass Kinder so früh wie möglich, so lange wie möglich, wegorganisiert werden müssen, weil sonst der Alltag der Erwachsenen nicht mehr funktioniert und dass das unter den Etiketten „Kinderfreundlichkeit“, „Rechte der Kinder“, „Chancengleichheit“, „Individuelle Förderung“, „frühkindliche Bildung“ usw., verkauft wird. Das ist meiner Meinung nach einer der größten Etikettenschwindel überhaupt.

Ginge es um die Rechte der Kinder, würde man jedes Kind individuell betrachten. Dann würde man sehr schnell merken, dass nicht jedes so gestrickt ist, dass es einer Vollzeitkitabetreuung ab einem, zwei oder drei Jahren in gleichem Maße gewachsen ist.

Heute muss aber der Einjährige schon morgens um halb acht in die Krippe gebracht werden und um halb fünf wird er wieder abgeholt. Nicht weil ihm das so gut tut, sondern allein deshalb, weil seine Eltern arbeiten müssen oder wollen oder weil sie es gerne ein wenig stressfreier haben. Das Bedürfnis des Kindes ist heutzutage oft Nebensache.

Ich verurteile auch nicht pauschal alle Eltern, die eben auch Zwängen unterworfen sind und keine andere Möglichkeit haben. Das Einzige, was ich verurteile, ist die Scheinheiligkeit, mit der wir diese Zwänge, denen wir schon unsere Allerkleinsten unterwerfen, als das einzig Richtige und Beste für sie anpreisen.

(…)

Von uns Erziehern wird erwartet, dass wir jedes einzelne Kind in seiner Individualität respektieren und unterstützen. Da werden Kinder nicht mehr in Reihen aufs Töpfchen gesetzt, um „sauber“ zu werden, so wie es in den Krippen in der DDR üblich war.

Wir sind angehalten, Kinder zu nichts zu zwingen, ihnen bei allem Tun und allen Entwicklungsschritten ihr eigenes Tempo zu lassen, ihre Bedürfnisse wahrzunehmen und ernst zu nehmen, sie niemals anzuschreien oder verbal zu demütigen. Und als Demütigung zählt, wohlgemerkt, bereits ein halb scherzhaft, halb tadelnd hingeworfenes: „Kleine Trödeltante“, wenn ein Kind sich, z. B. beim Anziehen immer wieder in Träumereien verliert. Die Grenzen des Sagbaren sind da inzwischen recht eng gesteckt.

Liebe Politiker, Eltern und an elterlicher Arbeitskraft Interessierte, entscheidet euch doch mal

Unsere Gesellschaft will das freie, autonome, selbstbewusste und selbstbestimmte Kind.
Und dann stecken wir dieses freie, selbstbewusste, autonome Kind mit 25 anderen selbstbestimmten, autonomen, freien Individuen in eine Gruppe und erwarten von unserem pädagogischen Fachpersonal, von dem in den meisten Fällen zu wenig vorhanden ist, diesen 25 selbstbewussten, selbstbestimmten Drei- bis Sechsjährigen stets gerecht zu werden, ihre Bedürfnisse wahrzunehmen, sie individuell zu fördern, nie ein böses Wort zu verlieren, keinen ungerecht zu behandeln etc. pp.

Liebe Politiker, Eltern und an elterlicher Arbeitskraft Interessierte, entscheidet euch doch mal: Wollt ihr weiterhin Kinder achtsam, bedürfnisorientiert und partnerschaftlich erzogen haben, dann steckt sie nicht in überfüllte Kitas. Oder rückt die Kohle für angemessene Arbeitsbedingungen heraus, die es uns ermöglichen, eure überaus hohen Ansprüche zu erfüllen. Wenn ihr das nicht könnt oder wollt, weil es zu teuer ist, dann hört auf, von uns die Quadratur des Kreises zu fordern.

Individualität, Autonomie, Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung beißt sich nämlich mit Massenbetreuung.

(…)

Meine Wunschliste für Erzieherinnen im Kindergarten:

  • Mehr Zeit für die Kinder,
  • Weniger Projekte und Aktionenhype,
  • Verzicht auf „Beobachtungsbögen“ – schon das Wort ist eine Zumutung,
  • Kleinere Gruppen – mehr Personal,
  • Kein von oben aufgedrückter Zwang zur „offenen Arbeit“, nicht jeder Kindergarten ist
    dafür geeignet,
  • Keine Vorschriften darüber, wie viele Elterngespräche wir zu führen haben, wir wissen
    nämlich selbst, wann ein Gespräch nötig ist,
  • Eltern, die ihr Kind so erziehen, dass es in der Lage ist, sich nicht immer und überall aufzuführen, als wäre es alleine auf der Welt,
  • Keine offensichtlich kranken Kinder in der Einrichtung,
  • Hatte ich MEHR ZEIT FÜR DIE KINDER UND KLEINERE GRUPPEN, schon erwähnt?

So, das war’s im Großen und Ganzen schon. Ich finde, das sind durchaus bescheidene Wünsche.

Leserposts

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Für die Veröffentlichung gelten ein paar Regeln, die sich im Grundsatz nicht von denen unterscheiden, die im normalen menschlichen Miteinander gelten – hier sind sie nachzulesen. Besonders interessante Posts  – wie den oben stehenden – veröffentlichen wir dann gerne auch als Gastbeitrag im redaktionellen Teil von News4teachers. Jeder und jede, der oder die sich für die Bildung engagiert, ist herzlich eingeladen, sich (auch anoynm) an den Debatten zu beteiligen. Jeder Beitrag auf News4teachers ist frei zur Diskussion. Natürlich auch dieser.

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88 Kommentare
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Minna
1 Monat zuvor

Ist das dieselbe Marion, die vor vier Tagen auch schrieb:

„Die Hoch – Zeiten der Pandemie waren für mich DER Augenöffner, um zu erkennen, worum es bei den lauten Forderungen nach möglichst frühzeitiger Fremdbetreuung in Wirklichkeit schon immer ging: Nämlich AUSSCHLIEßLICH um wirtschaftliche Interessen.
Vorher war mir das nicht so in aller Deutlichkeit bewußt.
Seit Corona weiß ich, daß weder die Interessen der Kinder noch die des pädagogischen Personals auch nur die geringste Rolle spielen.
Um das auf die, so scheinheilig betonten, Rechte der Kinder zu übertragen, könnte man zynischerweise sagen: Jedes Kind hat, wie seine Erzieherinnen, das Recht, sich garantiert mit Corona zu infizieren und das mehrmals im Jahr.
Vielen Dank dafür, daß die Kinder und wir die Gelegenheit bekommen, unser Immunsystem so ausgiebig zu trainieren“

Fand ich auch sehr treffend.

Gelbe Tulpe
1 Monat zuvor

Leider kommen viele Familien dank Niedriglöhnen und Leiharbeit nur noch über die Runden, wenn beide Elternteile möglichst viel arbeiten. Somit können sie sich nicht mehr so gut um die Kinder kümmern wie das noch in den 1980ern der Fall war.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Damit ist dich klar, wo es verkehrt läuft….

Niedriglohn, Leiharbeit …

DA muss sich was ändern!

Sara R.
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Wir werden unsere kleine Maus schweren Herzens auch schon mit ein Jahr in die Krippe geben müssen. Wien ist jetzt schon 10 Monate alt. Wir fühlen uns beide sehr schlecht damit, aber wissen nicht, welche andere Alternativen es noch gibt. Ich verstehe nicht, warum beide Gehälter notwendig sind, wo früher einer gereicht hat…

Natti
1 Monat zuvor
Antwortet  Sara R.

Das ist leider Politisch so gewollt

Ismail
1 Monat zuvor
Antwortet  Sara R.

Was ist wichtiger?
Eure Kleine oder der sogenannte Lebensstandard?

IHR müsst entscheiden

Sandra B.
29 Tage zuvor
Antwortet  Ismail

Also dem kind Hartz 4 vorleben um genug Zeit zu haben ? Es ist weder mit 1 Job in einer Partnerschaft zu finanzieren noch mit einem geringen Job als alleinerziehende . Ich gehe 35 Std arbeiten, bin alleinerziehend und komme mit dem Geld bei den teuren Mieten und Lebenshaltungskosten trotzdem nicht aus . Wo soll ich da noch weniger arbeiten? Ist dann ein super Vorbild für die Kids zuhause Hartz 4 zu beziehen und dafür gaaanz viel Zeit zu haben … ich denke nicht ! Wenn sich daran nichts ändert ist es leider nicht möglich für Eltern etwas zu ändern !

Melissentee
1 Monat zuvor
Antwortet  Sara R.

Liebe Sara, mein Sohn ging auch mit 12 Monaten in die Krippe. Ich habe den Platz sehr gewissenhaft aussuchen können. Meine Bedenken waren absolut unbegründet. Das Kind hat sich sehr wohlgefühlt. Es gibt gute Einrichtungen. Prüfe die wichtigsten Kriterien und wenn die stimmen, geh positiv ran. Pauschales negativ Urteilen ist genauso fehl am Platz wie pauschales Hypen und krampfhaft dran festhalten.

Allgemein gesprochen, nicht an dich: Bitte macht euch vorher Gedanken um die Finanzierung eures Lebens. Unsere Prämisse war, dass es mit einem Gehalt klappen muss. Erst dann sollte das Kind kommen. Für den Fall, dass einer zuhause bleiben muss. Kinder können auch krank und mit 24h Pflegebedarf geboren werden. Oder passen nicht in die Krippe. Wenn man nicht beruflich zeitweise pausieren kann oder eine teurere Betreuung finanzieren kann, steht von Anfang an alles auf wackeligen Füßen.

Anna
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

…ja, wenn es wirklich für die EXISTENZ nötig ist, dass beide voll arbeiten. Ich kenne etliche doppel-Vollzeit-Verdiener Eltern hier in der Gegend, die sich davon die dicke Eigentumswohnung, 6 Wochen Urlaub im Jahr…. bezahlen und mir dann sagen, sie müssten halt beide arbeiten… Das ist für Luxus, nicht für Existenz.
Und die Kinder? Zahlen einen hohen Preis. Mich wundert es nicht, wie verhaltensauffällig die sind. Für sie bleibt weder Zeit noch Aufmerksamkeit.

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  Anna

Was ist denn die Existenz:

Wir haben während unseres Studiums in einer Sozialbauwohnung in einem Brennpunktviertel gewohnt – 65 qm / 450 € warm.

Nach unserem Berufseinstieg sind wir umgezogen und haben uns eine nette Wohnung (gemischtes Viertel
/ viel Verkehr) genommen 80 qm / 1.200 € warm. Hier kam unsere erste Tochter zur Welt.

Nach einer Mieterhöhung auf 1.300 € haben wir entschieden, mit der Kohle lieber ein Haus zu bauen => Neubaugebiet, eigener Garten, ruhige vorstädtische Lage, „angenehmes“ Klientel, kein Verkehr.

Zwei Fragen:

1) An welcher Stelle hätte Sie ggf. andere Entscheidungen getroffen bzw. welche Entscheidungen würden Sie konkret kritisieren?

2) Was glauben Sie, wie sich das auf die gesamte Wirtschaft und den gesellschaftlichen Wohlstand auswirkt, wenn die leistungsfähige Mitte der Gesellschaft ihre Arbeitskraft nur in Teilzeit einbringt und sich auf einem Niveau knapp über dem Existenzminimum bewegt?

Ich würde lieber die Frage diskutieren, warum man für einen bescheidenen Wohlstand und ausreichend Wohnraum mittlerweile zwei ordentliche Gehälter braucht…

Indra Rupp
1 Monat zuvor
Antwortet  Stromdoktor

Bis zur Inflation hätten Sie aufs Land ziehen sollen, da wohnt es sich viel billiger. Jetzt sieht es hier genauso übel aus.

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Mittlerweile können sich diverse „Gutverdienerhaushalte“ überhaupt keine eigene Wohnung oder gar ein eigenes Haus leisten.

Man kann sich darüber unterhalten, ob das erforderlich ist.

In Europa stehen wir diesbezüglich (Eigenheimquote) jedenfalls am Ende der Liste. Auch, was das Thema privates Vermögen / Ersparnisse angeht.

Keine Ahnung, was meine Kinder daraus machen. Wenn die beiden Lust haben, leben wir in einem Mehrgenerationenhaushalt, ich kaufe uns einen Resthof und kümmere mich um die Enkelkinder…

Ilona Silipo
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Die Lebensstandards haben sichja seit den 80zigern trastisch verändert .Denn der Konsum, wie der Selbstverwirklichungswahn hat ja dazu beigetragen, das immer mehr Geld erarbeitet werden muss,damit alle Bedürfnisse befriedigt werden können.Doch oftmals geht’s es eben nicht nur um die Grundbedürfnisse. Und deshalb werden immer mehr Kinder quasi schon nach Geburt in die „Massenbetreuung“ abgegeben .In der die Erzieher*innen keinen Kind mehr gerecht werden kann.

Denn heutzutage geht es den Staat eben nicht mehr ums Kinderwohl.
Sondern wie früher in der DDR nur ums wirtschaftliche Weiterkommen.

Auf Kosten der Kinder die keine unbeschwerte Kindheit mehr erleben dürfen .

Denn diese wurde Ihnen längst genommen.

Angelika Mauel
1 Monat zuvor

Der Artikel spricht vielen Erzieherinnen aus der Seele, denke ich. Danke!

Meine Wunschliste wäre jedoch noch etwas länger. Einen Wunsch, den ich nicht als kinderfeindlich ansehe, möchte ich mal benennen und fragen, wie andere zu ihm stehen. Es gibt vereinzelt Kinder, die der Eingewöhnung mehr Widerstand entgegensetzen als wir es aus der Praxis kennen. Wäre es nicht gut, wenn Erzieherinnen – meinetwegen nach einem Besuch der Fachberatung – entscheiden können, dass dieses Kind noch nicht reif für die gebuchte Betreuungsform ist oder einfach nur kürzer betreut werden darf?

Morgen oder spät am Abend kann ich noch etwas mehr dazu schreiben. Ich finde, Fachkräfte sollten nicht so tun, als wäre bei ihnen jedes Kind nach der vorgesehenen Zeit gut eingewöhnt. – „Eingewöhnung“ – ein Ausdruck, der übrigens auch verwandt wird, wenn es um die Eingewöhnung neu aufgenommener Tiere in einen Zoo geht.

Lanayah
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Das hätte ich auch gerne für die Ganztagsschule.

TaMu
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Auf jeden Fall! Als selbständige Tagesmutter habe ich keine Kinder betreut, für die eine Fremdbetreuung zumindest bei mir aus meiner Sicht dem Kind nicht gut getan hätte. Da gab es beispielsweise Einjährige, die sich ausschließlich an der Brust beruhigen ließen und ohne Stillen noch nie irgendwo eingeschlafen waren. Ich habe auch schon von einer ehemaligen Praktikantin aus einer Kita gehört, dass ein zweijähriges Mädchen drei Monate fast komplett durch geweint hatte, bis ihre alleinerziehende Mutter nach 9 Stunden täglich zum Abholen kam. Irgendwann war das Kind ruhig und apathisch. Auch Kinder Alleinerziehender müssen geschützt sein. Die Ansprüche an die Einhaltung von Kinderschutz werden immer höher und müssen als Fortbildungen nachgewiesen werden. Gleichzeitig geschehen solche offensichtlichen Kindswohlgefährdungen mit dem Achselzucken „wenn die Mama eben arbeiten muss…“.
Es sollte Gutachten geben, mit denen bei nicht betreuungsfähigen Kindern Eltern den staatlichen Zuschuss für die Kinderbetreuung direkt für die Betreuung zu Hause ausbezahlt bekämen, wenn sie durch das verpasste Einkommen in Not sind.

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

Genau! Und wenn es diese finanzielle Möglichkeit geben würde, würden vermutlich ein größerer Teil der Eltern, als es der Politik genehm ist, selbst gern feststellen lassen, dass ihr Kind noch nicht kindergartenreif ist.

Wie viele junge Familien würden sich über ein echtes Wahlrecht in Fragen der Kinderbetreuung freuen und gern selbst mehr Zeit für ein bedürftiges Kleinkind haben!

Indra Rupp
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Dazu wäre es aber auch wichtig, ein entwicklungsverzögertes Kind nicht zu stigmatisieren . Man glaubt garnicht, was da für ein Wettbewerb, angeheizt durch Gesellschaft, Medien und auch Pädagogen (!) unter Müttern herrscht. Ein Kind, das „weit“ ist, wird als Indiz für eine gute, sozialstarke Mutter gesehen. „Was, er kann mit 10 Monaten noch nicht krabbeln?“ “ Er wiegt mit sechs Monaten schon acht Kilo? Soviel hatten meine Kinder mit einem Jahr nicht!“ “ Unsere konnten mit drei Jahren hundert Lieder samt aller Strophen auswendig singen“ “ Spricht sie mit einem Jahr noch garnicht? Vielleicht solltest du mit ihr zum Logopäden, das haben wir mit unseren Pflegekindern auch so gemacht“ ( = suggestive „du machst es auch nicht besser, als die leiblichen Eltern der Pflegekinder“). “ Die Kinder von XY sind oft krank, oder? Unsere haben nie was, die sind aber auch viel draußen“ „Warum fremdelt die Kleine von YZ nur so? Das kenne ich von meinen garnicht. Die gehen ganz offen auf andere zu, aber das haben wir denen auch vorgelebt“
Als ich noch keine Kinder hatte, aber unter anderem als Babysitterin tätig war, wurde ich immer mal von Müttern beiseite genommen und sollte bestätigen, dass diese ihre Kinder doch richtig gut hin gekriegt haben. Als ich dann selber das erste Kind hatte, spürte ich förmlich, wie ich auf einmal zu deren Rivalin wurde. Gleich direkt nach der Geburt!

Mama
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

Das Problem ist, dass Care-Arbeit immer noch keinen Wert hat. Männer haben die SGBs gemacht und dort ist nirgends abgesichert, was mit Menschen passiert, die Care-Arbeit leisten müssen (denn dann könnte tatsächlich das Recht des Kindes auf Kindeswohl im Vordergrund stehen). Kindererziehung soll immer noch von Zauberhand passieren. Mein behindertes Kind war in der Kita überfordert und alle 3 Wochen krank- und ich somit in Hartz 4. Ich glaube, es war seine Art, sich aus der Überforderung rauszuziehen….das Jobcenter hat aber verlangt, dass ich es in die Kita stecke, weil ich einen Rechtsanspruch hatte (und somit bedeutet der Rechtsanspruch für H4 eine Kita-Pflicht— ungeachtet dessen, wie es dem Kind geht).

Was mich wundert: ich war nie in einer Kita, hab aber das große Latinum geschafft…
Die Kinder heute gehen seit 10 Jahren mit Rechtsanspruch ab 1. Geburtstag in die Kita und nun schaffen viele nicht mal die Mindestanforderungen…
Wieso fordert man da mehr und nicht weniger Fremdbetreuung??

Meine Kinder haben sich durch die Kita total entfremdet (beide damals mit 1 Jahr in die Kita). Eine Geschwisterbeziehung haben sie erst im Lockdown aufgebaut, als plötzlich Zeit war, mal miteinander zu spielen (denn in der Kita waren sie in getrennten Gruppen). Ich bereue es im Nachhinein zutiefst, dass ich sie so früh in die Kita gesteckt hab(e müssen). Das ging zulasten ihrer emotionalen Entwicklung, aber es zählt ja nur noch Leistung….

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Mama

Warum sind dann aber in den juristischen Studiengängen mehr Frauen als Männer oder Diverse? Wie kann es passieren, dass eine Minderheit sich durchsetzen kann?
Wenn die weibliche Mehrheit ihre Ziele nicht durchsetzen kann, was sagt uns das?

Jenny, 37
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Weil Frauen sich noch immer als Konkurrentinnen begreifen anstatt sich zu solidarisieren. Und weil viele Frauen nach 8 Jahren Ausbildung zwei Jahre arbeiten, dann Kinder kriegen und in Teilzeit wechseln. Es dann versäumen, mit ihren Partnern über Finanzen zu reden.
Zehn Jahre auf halber Stelle sitzen, bei Lehrerinnen auch gerne 15 Jahre, dann geschieden werden. Und mit Blick in ihre leere Pensions- oder Rentenkasse zu weinen beginnen. Dann feststellen, dass sie gar keinen Unterhalt für sich kriegen, nur für die Kinder. Und dann irgendeinen Job machen, um alles unter einen Hut zu bekommen.
Zu negativ? Freue mich über jede, die es anders macht!!!
Männer in Teilzeit und Frauen volle Stelle? Er arbeitet, zahlt in ihren Aktienfonds für Care-Arbeit ein? Sie macht die Kinder, er zahlt ihr eine kleine Eigentumswohnung als Alterssicherung ab? Super, weitermachen.

Konfutse
1 Monat zuvor
Antwortet  Jenny, 37

Das ist doch dann ein Problem in der Partnerschaft und im Rollenverständnis, wie da alles gehandhabt wird.
Als unser drittes Kind geboren wurde vollzogen mein Mann und ich einen Rollentausch, der bis jetzt anhält, obwohl unsere Kinder erwachsen sind.
Unsere dritte Tochter war 4 Monate alt, da bin ich in die volle Stelle und mein Mann ist in Erziehungsurlaub gegangen und er hat sich um den Haushalt und um unsere Kinder, damals alle drei noch unter drei Jahre, gekümmert. Wir sind beide Lehrer, da ist das natürlich eine relativ einfache Sache. Die Reaktionen von meinem Chef, auch oder gerade von den Frauen bzw. Kolleginnen sprachen für sich…. Davon muss man sich halt befreien und sein Ding machen.
Was ich heute feststelle (und auch damals schon festgestellt habe) ist, dass immer noch gerade unter Frauen ein recht verkrustetes Rollenbild besteht. Frau, wenn Mutter, ist für die Kinder zuständig. Und ja, das kann ich auch bei Paaren sehen, die beide Lehrer sind und ein gleiches Gehalt haben. Die Damen beanspruchen es ganz selbstverständlich für sich, dass sie für die Kinder und den Haushalt zuständig sind. Und die Männer machen das mit, weil ja die Mamis für ihre Kinder da sein müssen.

-mm-
1 Monat zuvor
Antwortet  Konfutse

Ich kann an beiden Modellen nichts Schlechtes finden. Das eine ist nicht besser oder schlechter als das andere. Meiner Meinung nach ist es einfach sinnvoll, dass mindestens ein Elternteil auch noch neben der Arbeit genug Zeit für die Kinder aufbringen kann, und ob jetzt Mama oder Papa- das ist Jacke wie Hose. Zudem würde ich auch behaupten, dass es eine Typfrage ist. Ich erinnere mich dabei an eine Freundin, die nach einem Jahr Erziehungsurlaub gemeint hat, dass sie wieder zurück in ihr ruhiges und geordnetes Arbeitsleben möchte (Wohlgemerkt: Lehrerin an einer Sonderschule). Der Alltag mit einem Kleinkind wäre ihr zu stressig.

Konfutse
1 Monat zuvor
Antwortet  -mm-

Ganz Ihrer Meinung, so sehe ich das auch. Jede Partnerschaft muss da ihren Weg finden. Jedoch lehne ich es ab, sich als Frau als Opfer der Umstände zu sehen.
Wir haben nach dem Erziehungsuelaub beide gearbeitet, er Teilzei ich voll und die Kinder waren in der Kita. Nach der Kita waren dann die Kinder gut um- und versorgt zuhause.
Wenn beide Eltern vollzeit arbeiten und ihrem Kind dann zuhause Geborgenheit, Struktur und Zuwendung schenken, ist auch dieses Modell ein gutes. Natürlich müssen in der Kita die Strukturen stimmen wie zuhause eben auch.

Indra Rupp
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

Es wird einem ja auch immer vorgeworfen, man würde sein Kind verwöhnen, unselbständig /inkonsequent erziehen oder hätte sogar etwas an ihm verbrochen, wenn es „anhänglich“ ist. Man bedenke einmal, dass wir ursprünglich in Gruppen zusammen gelebt hatten, wo niemals ein Kind seine eigene „Höhle“ hatte. Meine Kinder durften deshalb so lange bei mir schlafen, wie sie wollten. Auch unser diesjähriges Fohlen setzen wir nicht, wie üblich, mit sechs Monaten ab. Die werden still und trauern, kriegen Durchfall und Erkältung und nehmen ab. In der Natur wären sie einfach weiter bei der Herde und somit auch bei der Mutter, die das abstillen irgendwann selber organisiert. Das mit dem absetzen entstand ursprünglich aus ökonomischen Interessen. Ist also dasselbe wie bei Kindern.

TaMu
1 Monat zuvor

Marion, Ihre posts lese ich immer sehr gerne. Sie treffen in der Sache und im Ton den Punkt! Ich finde es gut, dass Sie in n4t schreiben, weil die von Ihnen in der Kita betreuten Kinder danach natürlich in die Schule kommen … hier besonders gut Ihre Passage über das selbstbewusste, autonome Kind. Da macht sich die angesprochene Quadratur des Kreises besonders bemerkbar. Ich finde es schön und richtig, dass die Redaktion bereits mehrfach Ihren Beiträgen einen eigenen Artikel widmet, danke auch dafür. Vielleicht schreiben Sie eines Tages ein Buch zu diesem Thema- ich würde es gerne lesen!

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

@TaMu

Volle Zustimmung.

@Marion

„Ich finde es gut, dass Sie in n4t schreiben, weil die von Ihnen in der Kita betreuten Kinder danach natürlich in die Schule kommen …“

Genau aus diesem Grund finde ich das auch besonders „erhellend“, auch als LK an einer weiterführenden Schule. Dann haben die SuS zwar schon die Grundschule „durchlaufen“, aber ich hatte schon oft den Verdacht, dass hinter bestimmten Verhaltensmustern ganz „alte Geschichten“ aus der Persönlichkeitsentwicklung stecken könnten.
Ohnehin ist ein bestimmtes Verhalten nur das „Tarnkäppchen“ für ein Erlebnis, was nur bedingt – oder im Extremfall gar nichts – mit Situationen zu tun hat, in dem dieses Verhalten gezeigt wird. Das lässt sich ganz praktisch im Alltag beobachten. Es ist aber auch immer wieder Thema in verschiedenen Quellen zum Thema Hirnforschung und Psychologie, die m.E. beide zusammen betrachtet werden müssen.
(Auf meiner Lese-Liste habe ich das neueste Buch von Stefanie Stahl, dieses Buch soll eine Art „Einführung“ und Orientierung in die Psychologie geben, Titel: „Wer wir sind. Wie wir wahrnehmen, fühlen und lieben.“. U.a. geht es da auch um Bindung mit frühkindlicher Prägung und Stressregulation …)

Susanne
1 Monat zuvor

Danke für die wahren Worte : )
Schick doch bitte deinen Brief auch an die Kitafachkräfteverbände, egal aus welchem Bundesland du bist, es betrifft uns alle.
Auch die Lehrer, die spätestens ab Klasse 1 die Konsequenzen aus den schlechten Rahmenbedingungen in den Kitas ausbaden müssen, merken vermutlich verstärkt die Auswirkungen in allen Bereichen. Bildung fängt nicht erst in der Schule an…

Eleonore Müller
1 Monat zuvor

Zur Zeit als meine Kinder im Kindergarten waren hat der Bildungsstress fast schon lächerliche Ausmaße angenommen. 3 + 4 jährige Kinder bekamen die „Perfekte“ Ausbildung aufgedrückt.
Natürlich wurden sie gefördert in:
Ballett, englischer/französischer Sprachunterricht
Sport
Musikalische Früherziehung
Kreative Malschule
Benimmregeln in Kursen welches Besteckteil zu welchem Gericht.
Und vieles mehr.
Für mich ist und war so ein Drill unverantwortlich und schädlich gegenüber den Kindern.
Schaut in die Natur und gebt den Kindern Zeit sich so zu entwickeln wie es ihrem Naturell entspricht!

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Eleonore Müller

Einfach nur furchtbar!

Ron
1 Monat zuvor

Den Artikel empfinde ich als sehr ausgewogen und stimme ihm inhaltlich zu. Kleinkinder brauchen andere Kinder, um sozial zu wachsen, sich zu messen und miteinander zu kommunizieren. Dies können sie z.B. im Kindergarten oder Spielkreis, aber auch im Spiel mit Nachbarskindern. Die derzeitige Überhöhung des Kindergartens dient aber vorrangig dem Ziel, Defizite in bestimmten Gesellschaftsschichten aufzuarbeiten und gleichzeitig die Arbeitsfähigkeit der Eltern möglichst frühzeitig und umfänglich sicherzustellen. Eine Kindergartenpflicht empfinde ich als staatlich übergriffig. Ich glaube, dass man einer Reihe von Kindern psychisch schlicht Gewalt antut, wenn man sie bereits sehr früh und zeitlich sehr ausgedehnt in eine solche Institution abgibt.

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Ron

@Ron

„Die derzeitige Überhöhung des Kindergartens dient aber vorrangig dem Ziel, Defizite in bestimmten Gesellschaftsschichten aufzuarbeiten und gleichzeitig die Arbeitsfähigkeit der Eltern möglichst frühzeitig und umfänglich sicherzustellen.“

Zudem wird durch die „Entdeckung“ … oder durch die immer frühere „Verwahrung“ unter für alle in Kitas Anwesenden erst das Schaffen?! – von Defiziten und damit verbunden

  • ein Forschungszweig mit regelrechter „Studien-Industrie“ (also Therie, möglichst realitätsfremd)
  • ein erhöhter Bedarf an Therapeuten (die dann natürlich immer weiter überlastet sind, weil es schon seit Jahren zu wenige davon gibt!)

„sichergestellt“.
Das funktioniert ganz prima, weil jeder nur bis zur Kante des eigenen Schreibtisches denkt und sich unendlich im Kreis seiner Gedanken und Theorien drehen kann.
Und das klappt wiederum so gut, weil die „Objekte des Ideenwettbewerbs“ – sprich: Kinder, Jugendliche, Eltern, Erzieher, Lehrkräfte, Kinder- und Jugendpsychologen … mit direktem Kontakt zur Zielgruppe (wieder Kinder, Jugendliche) NICHT in der Nähe sind. So können sie die wichtige Arbeit nicht stören … 🙁

Carsten60
1 Monat zuvor

Und wie ist das nun mit der Sprachbildung in der Kita, speziell für Kinder, die gar kein oder nur rudimentäres Deutsch sprechen? Gilt das nicht heutzutage schon fast als wichtigster Aspekt der Kita?

Niels
1 Monat zuvor

this. du sprichst mir aus der Seele

OlleSchachtel
1 Monat zuvor

Sehr schöner Kommentar! Meine Freundin (Erzieherin) würde das voll unterstützen. Ich auch.

Andre Hog
1 Monat zuvor

Vielen Dank für diese Stellungnahmen und Einschätzungen!!

Denn in quasi allen bildungsbeauftragten Institutionen gilt seitens der Politik flächendeckend und allumfassend der gleiche Anspruch.

Übertragen von zusätzlichen Aufgaben, externen Anforderungen, dienstlichen Vorgaben, überbordenden Erwartungen bei gleichzeitiger Einsparung von individueller Zeit, ausreichendem und gut ausgebildeten Personal, Durchsetzungsrechten, geeigneten räumlichen und zeitlichen Strukturen und der Anererkennung der geleisteten Arbeit.

Alles müssen, nichts dürfen…
Alles leisten, ohne Anerkennung…
Ständig neue Aufgaben, keine Entlastungen…

…und wenn es dann aus Sicht der Eltern, der Politik, der Gesellschaft, den Arbeitgebern oder den Unis als „Abnehmer“ nicht vorstellungsgemäß klappt, hat man das Dauerabo auf den „Schwarzen Peter“.

Last edited 1 Monat zuvor by Andre Hog
Gabi Holzer
1 Monat zuvor

Hallo, ich heiße Gabi, bin seit über 30 Jahren Erzieherin im Kindergarten und habe viele Jahre auch als Einrichtungsleitung gearbeitet. Habe gerade den Artikel von Marion gelesen und kann ihr nur zustimmen. Ich beobachte immer wieder wie sehr die Gruppengröße und die Größe der Räume die Arbeit mit den Kinder beeinflusst. So bin ich seit September mit meinen Kolleginnen und 20 Kindern in einen relativ großen Gruppenraum in den Keller gezogen. Es ist ein Zimmer mit großen Fenstern, eigener Toilette und Garderobe. Wir fühlen uns total wohl und es herrscht eine entspannte Atmosphäre, da genug Zeit und Raum vorhanden ist. Das einzige was noch nicht optimal ist, ist der Schallschutz. Da bin ich noch am Basteln mit Eierkartons.
Aber die ganze Diskussion wir uns nicht weiterbringen, wenn wir uns nicht gewerkschaftlich organisieren. Wir sind in meiner Einrichtung 20 Mitarbeiterinnen und nur ich gehöre einer Gewerkschaft an.
Ich denke hier muss angesetzt werden um Veränderungen anzustoßen.
Mit freundlichen Grüßen
Gabi

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Gabi Holzer

Zu Kinderbetreuung in Kellerräumen möchte ich dennoch anmerken, dass es früher keine Betriebserlaubnis für eine derartige Nutzung gab. In NRW durften wir Anfang des Jahrtausends noch nicht mal kurzfristig den Keller als Werktaum nutzen, haben es aber trotzdem getan.
Die Radonbelastung kann zu hoch sein. Es gab auch mal den Fall einer Tagesmutter, die die im Keller schlafenden Kinder nicht mehr nach draußen bringen konnte, weil sich die Tür wegen der Wassermasse nicht mehr öffnen ließ. Die Kinder konnten jedoch noch durchs Fenster nach oben gereicht werden. Seit der forcierte Betreuungsplatzausbau auch zur Aufweichung der Vorgaben geführt hat, die früher Grundvoraussetzung für eine Betriebserlaubnis waren, wird sich offiziell immer wieder verantwortungslos über Sicherheitsaspekte hinweg gesetzt.

Falls der Kellerraum jedoch große Fenster und eine eigene Tür nach draußen hat, mag es noch angehen. Oder befindet er sich in einer Hanglage? Dann stellt sich die Frage nach dem zweiten Rettungsweg. Mit Eierkartons gegen den Schall lässt sich vermutlich zu wenig ausrichten. Es kann sogar sein, dass es im Hinblick auf den Brandschutz nicht statthaft ist, die Decke oder eventuell auch noch die Wände zu verkleiden. Gibt es eine Zwischendecke, in der ein Schwenbrand entstehen könnte? – Ich wäre skeptisch und würde nachfragen.

Hier ein extrem krasses Beispiel aus Bayern: http://www.kindergartenkritik.de/blog/erst-mal-einfach-anfangen Die ehemalige Lehrerin einer Bamberger Fachakademie hat den Missstand nicht zur Anzeige bringen wollen. (Ihre Schilderung steht im gelben Kasten.)

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

@Angelika Mauel

Danke für den lesenswerten Link.

Zu dem extrem krassen Beispiel im gelben Kasten fiel mir zuerst nur ein: „Ohaaaaa!“
Und dann fiel mir lange nichts mehr ein … 🙁

Übrigens wird da in einem Satz auch auf die Parallelen zur Alten- und Krankenpflege hingewiesen, wo bekanntlich – teilweise – schon seit langer Zeit ganz erbärmliche Zustände herrschen.
Das Individuum hat vor dem Eintritt ins erwerbsfähige Alter und nach dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben in manchen (leider Entscheidungen treffenden) Köpfen einen Wert von … NULL.
SKANDALÖS!!!

klm
1 Monat zuvor
Antwortet  Gabi Holzer

Aber welche Gewerkschaft? Vor der GEW kann ich nur warnen. Sie hat sich einstmals für Krippenbetreung stark gemacht. Sie ist überhaupt für so viel staatliche Fremdbetreuung wie möglich. Heute kämpft sie für Ganztagsschulen.
Gewerkschaftliche Organisation ist gut, aber bitte bitte nichtbeim Platzhirsch GEW.
Ich weiß nicht, ob es überhaupt eine in Frage kommende Gewerkschaft außer ihr gibt. Ich glaube, sie hat keine Konkurrenz.

Konfutse
1 Monat zuvor
Antwortet  klm

Der VBE wäre da vielleicht eine Alternative.

Für die Kinder-nicht dagegen
1 Monat zuvor

Besser hätte man es nicht beschreiben können.
Das Gleiche gilt für die Ganztagsschule, bei der es keine Möglichkeiten zum Rückzug oder einem ,, Schläfchen,, gibt.
Mittlerweile gibt es dort Gruppen von 17 Grundschülern und mehr für 1 Betreuungsperson.
Bei schlechtem Wetter findet dann alles in Klassenräumen statt, die von der Klasse und den entsprechenden Lehrern genutzt werden ( bitte nichts verräumen…)
Für 120 Schüler gibt es nur 1 Ganztagsschulraum.
An einem Tag in der Woche gehen über 60 Grundschüler gemeinsam mit 4 Betreuungskräften in die Mensa Essen.
Der Lärmpegel ist so hoch, dass es schon zu gesundheitlichen Problemen kam ( Kopfschmerzen/Ohren..)
Die Schulleitung macht, was sie kann. Hat aber leider nicht viele Möglichkeiten.
Die Kinder haben sich in ihrem Verhalten auch stark verändert, was man nicht der Pandemie allein zuordnen kann.

Mary-Ellen
1 Monat zuvor

Das Gleiche mit minimalen Unterschieden konnte ich auch schon aus meiner Ganztagsschule (GS) berichten.

Ron
1 Monat zuvor
Antwortet  Mary-Ellen

So sehe ich das auch. Sowohl die Ganztagsbetreuung in Kindergärten als auch der ganztägige Aufenthalt in Schulen kann unter den gegebenen Rahmenbedingungen physisch und psychisch als grenzwertig empfunden werden. Bahnhofsatmosphäre ist eben kein Wohlfühlort.

Mary-Ellen
1 Monat zuvor
Antwortet  Ron

Noch zu erwähnen die wilde Hatz (nach Mensaessen und Hausaufgabenbetreuung)
von einer AG zur nächsten. Außerdem
weinende Erstklässler vor unübersichtlich kleingedruckten Listen, auf denen die zu absolvierenden AGen des jeweiligen Nachmittagtages vermerkt waren. (Die GT-Koordination hatte nicht bedacht, dass Erstklässler zunächst einmal gar nicht lesen können).
Kinder, die nicht mehr imstande waren, ohne Anleitung kreativ zu sein.
Ein Schulhof mit immer gleichen Spielgeräten/-möglichkeiten.
Freispielzeiten wurden minimiert, da viele Eltern von ihren Kindern „Ergebnisse“ der Ganztagsbetreuung sehen wollten.

Ich schreibe in der Vergangenheitsform. Oben Beschriebenes, gepaart mit minimalstem Infektionsschutz (Corona),
war nicht das, woran ich weiterhin beteiligt sein wollte.

Lia20
1 Monat zuvor

Danke für diesen Beitrag.
Das Wort „Scheinheiligkeit“hat mich angesprochen. Ich empfinde das genauso.
Es geht nicht darum einander für seine Entscheidungen zu verurteilen, jeder hat andere Beweggründe für Fremdbetreuung.
Aber ich wünsche mir auch einen ehrlichen Umgang mit dem Thema und vor allem mehr echten Austausch darüber. Ich betreue mein Kind bis 3.5 zu Hause und bin ein echter Exot in meinem Umfeld. Warum ich mich dafür entschieden habe, das will aber keiner meiner Freunde wissen. Zu unangenehm? Ich hätte soviele Gedanken dazu, die nie zur Sprache kommen, weil es bei dem ein oder anderen vermutlich Unbehagen auslösen und ihr Lebenskonzept hinterfragen würde.
So bleibe ich mit meinem Kind und meinen Themen als selbstbetreuuende allein und muss immer wieder bestätigen,dass sie ImMeRnoCh nicht betreut ist.
Ich hoffe, dass dieser Selbstläufer Fremdbetreuung, der scheinbar so zum Trend geworden ist, irgendwann neu und aufrichtig angeschaut wird.

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Lia20

@Lia20

Liebe @Lia20,
es ist traurig, dass Sie wenige Möglichkeiten zum Austausch im näheren sozialen Umfeld haben.
Vermutlich lohnt es sich aber „am Ball“ zu bleiben …
Unter SuS im Klassenverband ist es regelmäßig so, dass sich Menschen mit ähnlichen Interessen, aber auch mit ähnlichen Sorgen erst finden müssen. Und da haben die Kids den Vorteil (in diesem Fall kann man es durchaus oft auch als Vorteil sehen), dass sie dort zu festen Terminen zusammenkommen. Das ist nach der Schullaufbahn oft nicht mehr so „unkompliziert“, weil neue Faktoren (z.B. Konkurrenzposition im Arbeitsleben) dazukommen. Aber sogar dort im Klassenverband dauert es Wochen oder Monate, bis diese „Ahnlichkeiten“ entdeckt werden und man sich traut, sich zu „zeigen“, wie man ist … wenn es denn ein einigermaßen „nettes“ Umfeld gibt (, was aber oft schon geprägt ist von Kontakten aus der Grundschule).
Erwachsenen fällt das oft noch schwerer, weil Erwachsene oft noch weniger unbefangen sind.

Also: Nicht aufgeben! 🙂

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Lia20

Mich hat die Verwendung des Begriffs „Scheinheiligkeit“ auch angesprochen. Als von den Medien noch jede neu eröffnte Kita, jeder das Außengelände verkleinerde Anbau oder „Kindergartencontainer“ gefeiert wurden, sülzten viele Politiker, um darüber hinwegzutäuschen, welches Verkehrschaos sie in manchem Stadtviertel angerichtet haben. „Kinderlärm ist Zukunfstmusik“ hieß es und Anwohner, die gegen die Erweiterung des vorhandenen Kindergartens warem, wurden als kinderfeindlich dargestellt.

Jetzt werden Kinder massenhaft auf engstem Raum betreut und beschallt und die Anwohner wissen nicht mehr, wie sie morgens zur Arbeit fahren sollen, weil Eltern ihre Ausfahrt zuparken… Verkehrschaos, quietschende Bremsen und alle müssen extrem aufpassen, dass kein Kind unter die Räder kommt.

Und die Eltern sehen sich aus wirtschaftlichen Gründen auch noch gezwungen, ihre Kinder in gewisse Massenverwahranstalten zu bringen. Kindergartenneulinge halten sich schon mal die Ohren zu und sagen weiterlich „Hier ist es so laut!“ – Und was passiert: Lärmampeln kamen irgendwann in Mode. Und wurden zum Teil wieder abgeschafft, weil es eben auch Kinder gab, die Spaß daran hatten, sie durch Kreischen auf Rot springen zu lassen.

Sobald ganz viele Erzieherinnen nicht mehr mitmachen, beim Beschönigen des Ist-Zustandes, wird es richtig peinlich für unsere so genannten „Volksvertreter.“

MB aus NRW
1 Monat zuvor

Das Verrückte ist, dass ich Lehrer an einem Gymnasium bin und die Forderungen am Ende quasi fast wörtlich exakt so für meinen Arbeitsplatz unterschreiben kann. Und das Schlimme ist, dass davon nichts (!) umgesetzt werden wird, sondern im Gegenteil alles in exakt die andere Richtung entschieden wird….mehr Bürokratie, mehr Projekte, mehr Zusatzaufgaben, größere Gruppen und und und…

Angelika Mauel
1 Monat zuvor

Selbstverständlich kann ich alles nachvollziehen und bestätigen. Danke für den Artikel. Meine Wunschliste wäre allerdings noch länger und ich bitte darum, einen Wunsch nicht als kinderfeindlich anzusehen.

Für mein Empfinden müsste es unbedingt möglich sein, Eltern zu sagen, dass ihr Kind noch nicht reif für den Kindergarten ist und deshalb -auch mit Rücksicht auf andere Kinder, die alles mitbekommen! – nicht in der Krippen- oder Regelgruppe betreut werden kann. Oder es wird ein Kind nur für eine verkürzte Betreuungszeit aufgenommen. Es gibt Fälle, wo alle Fachkräfte vor Mitleid zerfließen oder aber einige auch arg genervt sind. Wenn die unverbildete Empathie das sichere Gefühl auslöst, dass es für ein Kind eine Quälerei ist, schon sehr früh in einer Institition betreut zu werden, dann sollte es nicht tabu sein, dem Elend ein Ende zu setzen. Wenn wir den Kinderschutz ernst nehmen, darf es doch nicht sein, dass ein sich wirklich gegen die Betreuung sträubendes Kind um seiner Eltern willen SEINEN Rechtsanspruch auf sich nehmen muss! Bevor es den Rechtsanspruch auf Betreuung für die U-3-Kinder gab, kann ich mich nicht entsinnen, dass der Satz „Da muss es jetzt eben durch“ so oft gefallen wäre, wie ich ihn als Springerin immer wieder gehört habe.

Der Staat hat immer mehr Rechtsansprüche auf Kinderbetreuumg ungeachtet des Fachkräftemangels geschaffen, ich möchte fast sagen rücksichtslos durchgeboxt. – Und nun erhalten auch Fachkräfte eine Stelle im Elementarbereich, die man früher nicht mal zur Hospitation eingeladen hätte. Es gibt tolle Erzieherinnen, die es schnell schaffen, einen guten Zugang zu den Kleinen zu finden und die das Beste ais der Situarion machen können. Aber es gibt auch Fachkräfte, denen man (Anke Ballmanns Ausspruch in ihrem Buch „Seelenprügel“) „keine Schnecke anvertrauen würde. Für besondere Umstände und für Extremsitrationen muss es auch besondere Lösungen geben.

Einzelne Kinder, die sich vehement gegen die Fremdbetreuung sträuben, wollen ihr Recht auf frühhindliche Bildung nicht. Basta. Und viele wollen nicht so lange betreut werden, wie es die arbeitgeberfreundlichen Öffnungszeiten hergeben.

Der Rechtsanspruch der Kinder muss allein deren Grundbedürfnisse erfüllen – und nicht die vielen nachvollziehbaren Wünsche und Forderungen der Erwachsenen.

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

@Angelika Mauel

Danke für den interessanten Post!

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Pit2020

Danke. Diesen zweiten Beitrag habe ich aber nur geschrieben, weil der erste heute früh noch nicht freigeschaltet war und ich davon ausging, dass ich nicht auf Senden gegangen wäre oder es nicht geklappt hat. (Bei mir schwächelt das Internet manchmal.)

Wenn die Politik von Fachkräften in Kitas mehr verlangt, als vernünftigerweise zu erwarten ist, sollten die Erzieherinnen unbedingt mit massiven Forderungen gegenhalten. Sich an das halten, was in Personalzimmern im vertrauten Kreis gesagt wird. – Von den großen Gewerkschaften wird es in absehbarer Zeit keine Unterstützung für Forderungen geben, die den Qualitätsabbau rückgängig machen könnten.

gehtsnoch
1 Monat zuvor

Alles zusammengefasst ein Ergebnis aus dem Rechtsanspruch auf Kita-Betreuung (Anrecht ab dem vollendeten ersten Lebensjahr auf Betreuung und Förderung in einer Kita, bei einer Tagesmutter oder einem Tagesvater).
Mir fehlt dazu nur die Ganztagsverwahrung, denn ein ergatterter Platz muss direkt, unflexibel und mit bindendem Stundenkontingent mittels Vertrag im voraus für ein Betreuungsjahr gebucht werden.

Mama
1 Monat zuvor
Antwortet  gehtsnoch

…wie oben schon gesagt: der Rechtsanspruch bedeutet für Hartz4-Empfänger die Pflicht, das Kind ab 1 Jahr in die Kita zu geben (und später in die Ganztagsbetreuung in der Schule).
Dafür übernimmt der Staat dann die Ganztagsbetreuungskosten, 6 Wochen Ferienbetreuungskosten und die Kosten fürs Mittagessen– und schon hat man kein Argument mehr, warum das Kind noch nicht in die Kita oder nicht in den Ganztag gehen soll. Das Argument „mein Kind ist damit überfordert“ gilt nicht. Es muss dann erst so richtig knallen, bis man ein Attest vom Kinderpsychiater hat…. bis dahin sind aber schon Narben im Kind entstanden.

gehtsnoch
1 Monat zuvor
Antwortet  Mama

Bleibt allein die Entscheidung der Eltern, ob das Kind eine KiTa besuchen soll oder nicht. In Deutschland besteht keine Kindergartenpflicht.
Bei Ü3 und Jobcenter könnte u. U. eine Wahlmöglichkeit bestehen, arbeiten zu gehen oder zu Hause zu bleiben. Zu Hause bleiben heißt dann eben, keine Leistungen mehr oder Kürzungen, „freie“ Auswahl halt.

„übernimmt der Staat dann die Ganztagsbetreuungskosten“ ja natürlich, denn wenn unter HartzIV die Regelung – Ü3 = KiTa – besteht ist dies doch völlig legitim.
Andererseits wer soll es sonst bezahlen?
Ist man allerdings mit solchen Praktiken nicht einverstanden, sollte man das Wahlkreuzchen bei den Wahlterminen mal für sich überdenken.

Jan
1 Monat zuvor

Als Elternteil, dem es wichtig ist, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdbetreuung herzustellen und dem die Arbeit der Erzieher/innen etc. sehr wichtig ist, danke ich für diesen Kommentar/Artikel!

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Jan

Wir wollen Zeit haben für alle aufgenommenen Kinder und nicht noch mehr Kinder aufnehmen, wenn klar ist, dass dann insgesamt noch mehr Kinder mehr schlecht als recht verwahrt werden. Je größer der Viehbestand, um so mehr Krankheiten, habe ich von meinem Vater auf dem elterlichen Bauernhof gelernt. Ich finde es widerwärtig, wenn in Verbänden organisierte Kinder- und Jugendärzte so tun, als sei es normal wie oft Kindergartenkinder heute krank sind. Unsere Lämmer waren definitiv gesünder als die Kinder heute.

Damit das mit dem „Wegorganisieren“ in die Kita besser klappt, gehen übrigens manche Eltern am Wochenende zur Notaufnahme der Uniklinik, obwohl wir schon vorher zum Arztbesuch geraten haben! Dann gibt es bei jeder spät behandelten und schmerzhaften! Mittelohrentzündung gleich Antibiotika und das Kind wird montags wieder gebracht. – Früher rieten noch Hausärzte Eltern dazu, ihr Kind länger daheim zu behalten. Einige hielten ehrenamtlich Vorträge in Kindergärten, in denen sie Eltern vermittelten, welche Kettenreaktionen es auslöst, wenn alle infizierte Kinder ihre Viren weitergeben können.

Eltern bräuchten mehr Krankentage für jedes Kind und wenn es keine Gehaltsabschläge geben würde, würde auch das vielleicht noch bewirken, dass weniger Kinder trotz Krankheit gebracht werden.
(Leider lassen sich viele Eltern selbst krank schreiben, wenn in Wirklichkeit ihr Kind krank ist. So entsteht der Eindruck, als würden die 20 Tage pro Kind ausreichen.)

Maike, Niedersachsen, 37
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Mal zum Vergleich: Pflegende Angehörige haben 9 Tage. Nicht nur Eltern brauchen mehr Krankentage…nur mal am Rande.

Stefanie
1 Monat zuvor

Nicht zu vergessen, ist der „Trick“, der vor ca. 10 Jahren angewendet wurde, um mehr Kapazitäten in den KiTas zu schaffen. Der Einschulungsstichtag wurde in NRW vom 30. Juni auf den 30. September verschoben. Seitdem werden teilweise auch 5jährige Kinder eingeschult.Bis 2017 hatten die Eltern keine Möglichkeit ihr Kind zurückstellen zu lassen, seitdem geht das mit einem fachtherapeutischem Gutachten. Leider weiß momentan kaum jemand, dass eine Rückstellung jetzt möglich ist, auch viele KiTa-Leitungen nicht. Die Folge ist, dass viele Kinder eingeschult werden, die eigentlich noch nicht schulreif sind (natürlich gibt es auch Kinder, die von einer früheren Einschulung profitieren). Dadurch entsteht grosses Leid für die Kinder und deren Familien – aber hauptsache, alle älteren Kinder sind raus (gehen zur Schule), und es gibt Platz für die jüngeren Kinder. Meine jüngste Tochter wurde 2015 mit einer leichten Sprachentwicklungsverzögerung eingeschult, wir haben damals schon Logopädie gemacht. Sie war auch noch insgesamt sehr „klein“, sollte einen speziellen Stuhl und einen zweiten Schulbuchsatz bekommen. Sie war trotz allem schon gewissenhaft und wollte alles „gut“ schaffen, war aber einfach noch nicht ausgereift dazu. Sie und wir haben sehr gelitten (mit Wut im Bauch über die Schulpolitik). Nach der zweiten Klasse hat sie die Klasse wiederholt, seitdem ist alles in Ordnung. Die zeitgleich entstandene neue Regelung, dass man die Schuleingangsphase nun in einem, zwei oder drei Jahren durchlaufen kann, ist meiner Meinung nach auch „scheinheilig“. Das Selbstbewusstsein der eigentlich noch nicht schulreifen Kinder bekommt einen Knacks, wenn sie überall zu den schlechten Schülern gehören. „Sitzenbleiben“ ist keine tolle Erfahrung, egal, wie man es nennt. Das Kindeswohl zählt nichts. Es geht nur darum, mehr Kapazitäten in den KiTas für Betreuung zu schaffen, und das mit möglichst geringem finanziellen Aufwand.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Stefanie

Noch falscher ist es, wenn, wie in Berlin, diese Kinder nicht das 1. Schuljahr wiederholen können, sondern erst das 2. (Das betraf an meiner Schule wiederholt Flüchtlingskinder, erst wenige Wochen in D, keine Sprachkenntnisse, gerade erst 6 geworden, während Corona auch keine Schuleingangsuntersuchung). Zurückgestellt wurden sie nicht, da kein Kitaplatz da war. Mein Vorschlag ihnen wenigstens das 1. Schuljahr als Vorschuljahr anzurechnen und danach noch mal anzufangen (erste Sprachkenntnisse erreicht und auch Schulreife) wurde mit Hinweis auf das Schulgesetz abgelehnt. Entsprechend der Stress im 2. Schuljahr für Kind und Lehrer. Das Kind bekommt Aufgaben der 1. Klasse, während die anderen Aufgaben der 2. erledigen. Sehr motivierend!

gehtsnoch
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Warum man überhaupt nur in Berlin und Brandenburg erst nach der sechsten Klasse auf eine weiterführende Schule geht und ob dies besser als die nur vier Jahre in den weiteren 14 BL ist, k.A..

Man sollte berücksichtigen, dass mit Verabschiedung der Schulgesetze ein Krieg in Europa und Flüchtlingsströme einfach nicht bedacht wurde.
Warum man das Erlernen der deutschen Sprache für Kinder und Jugendliche wissenschaftlich belegt mit bis zu sechs Jahren angibt, im schulischen Tagesgeschäft an allen Schulen aber völlig ignoriert, k.A..

Susanne
1 Monat zuvor

Sehr klar und klug auf den Punkt gebracht! Kann jedes Wort unterschreiben. Ich bin auch Erzieherin
Wünsche mir viele Leser, besonders verantwortliche für frühkindliche Bildung. Danke, Marion

Conny
1 Monat zuvor

Ich bin Erzieherin und bin froh das darüber ehrlich berichtet wird. Ich kann die genannten Punkte auch bei uns beobachten, gebe aber auch zu Bedenken das viele Eltern keine andere Wahl haben als ihr Kind ganztags Betreuen zu lassen. Sie müssen heutzutage beide arbeiten um sich finanziell zu sichern.

Last edited 1 Monat zuvor by Conny
Claudia_24
1 Monat zuvor

Hallo,
ich arbeite in der Krippe als Erzieherin, ich kann diesem Beitrag nur zustimmen. Super, auf den Punkt gebracht.
Wir Erzieher, sollten uns mehr zeigen, und öffentlich machen, dass die Bedingungen der Kinderbetreung ganz anders aussieht, als in den Leitbilder der Kita Konzepten steht.
Die Zeit und das Personal fehlt einfach. Der Krankheitsstand ist sehr hoch.
Meiner Meinung nach, ist nicht jedes Kind gleich ein Krippen/Kindergartenkind, dass acht oder neun Stunden betreut werden darf. Es müsste Gesetzlich verankert werden zum Wohl des Kindes und nicht zum Wohl der Wirtschaft.
Heute wird eher gesagt, „Hauptsache der Wirtschaft geht es gut.“
Was, ja auch nicht mehr stimmt.
In der ersten Zeit ist die Geborgenheit, Bindung und die Liebe der Eltern soooo wichtig. Danach kann, das Kind raus in die Welt.
„Was ist aus dem Paradies geblieben? Blumen, Sterne und Kinder“

Sandra
1 Monat zuvor

Ich hab 7 Kinder….davon waren nur 3 im kindergarten und die anderen drei waren nicht mehr im kindergarten. Der kindergarten hat meiner ansicht nach nicht viel gemacht….ich habe mit ihnen mehr zuhause gemacht als die im kindergarten….beim einschulungstest waren die leute dort erstaunt was die alles können ohne kindergarten….die drei sind top in der schule…die anderen drei auch….mein mann und ich waren beide arbeiten…er nur frühschicht…ich nur mittagschicht….es war immer einer zuhause für die kinder….unser letztes kind ist 2 jahre….ich habe eine firma gefunden wo ich sie jetzt sogar mit nehmen kann….meiner meinung nach ist es so….kinder von morgens bis abends abzuschieben was soll das????….dann brauch ich auch kein kind….nur für am wochenende mama und papa zu spielen????….dann kauft euch eine puppe….ich will mit bekommen wie mein kind anfangt zu sprechen…wie es anfangt zu laufen….oder andere sachen….es ist mein kind….und nicht das der erzieherin die mir dann beim abholen erzählt…ihre tochrer sagt jetzt mama…..schon traurig sowas….man sollte mehr gesetzlich regeln für die leute die alleinerziehend sind und arbeiten….denen mehr freiraum wegen arbeiten geben….die kinder abschieben finde ich nicht gut.

Stromdoktor
1 Monat zuvor

In anderen Beiträgen habe ich schon einmal angerissen, dass die KiTas und Grundschulen aus Sicht der Politik (wohl) DAS „Instrument“ zur Bewältigung der Herausforderungen von Integration, Inklusion und Armut sein sollen.

Hier sollen die verbindenden Elemente unserer Gesellschaft wie Sprache und ein gemeinsames „Wertesystem“ vermittelt werden, da sich in den letzen Jahrzehnten offensichtlich gezeigt hat, dass wir diesbezüglich einigermaßen heteorogen unterwegs sind – um es einmal vorsichtig auszudrücken.

Um das (teurere) System Schule nicht entsprechend mit der Aufgabe alleine zu lassen, findet die Sprachausbildung und der „Demokratienunterricht“ nun eben schon bei Kindern ab drei Jahren statt. Und da sich die adressierten Gruppen mit den Fragen nicht zwingend selbst beschäftigen, diskutieren wir über ein verpflichtendes KiTa-Jahr. Früher ging man das bei uns in die Vorschule, wenn bestimmte Voraussetzungen nicht da waren…

Hier sehe ich die größten Herausforderungen unserer Gesellschaft und damit für die KiTas: Ausbaden der verfehlten Politik der letzten Jahrzehnte.

Bei einem zweiten Aspekt der mir in den Sinn kommt, wenn ich die etwas reißerischen Überschrift zur „Verräumung“ lese, bin ich differenzierter unterwegs.

Mittlerweile vertrete ich auch die persönliche Auffassung, dass Kinder zu früh und zu lange in die KiTa gegeben werden. Für mich stecken da manchmal aber eben auch wirtschaftliche Zwänge, das gewählte Lebensmodell (Trend zur Alleinerziehung) oder auch „nur“ das Streben nach (mehr) Gleichberechtigung dahinter.

Ich kann und will den Menschen, die eine Betreuung in Anspruch nehmen, pauschal keinen Vorwurf machen.

Herausnehmen könnte man vielleicht eine Gruppe, die im verlinkten Artikel genannt wird:

„Die Erwartungen von Eltern mit hohen Bildungsansprüchen stehen in Spannung zu den Bildungserfordernissen von Kindern mit weniger Ressourcen“

Einige Eltern sehen die KiTa oft als Dienstleister an und erwarten einen möglichst hohen Standard bei vergleichsweise wenigen Herausforderungen (und Problemfällen). Darauf zielen ja auch die vielen Kommentare ab, die zu ähnlichen Artikeln verfasst werden.

Das kann und darf man gerne kritisieren.

Wenn man das aber zu Ende denkt, dann braucht man diese Gruppe trotzdem in der KiTa vor Ort:

Zumeist sind diese Familien wirtschaftlich leistungsstärker und können sich im absoluten Notfall auch anderweitig organisieren. Den KiTas geht dann eine ganze gesellschaftliche Gruppe verloren, die bei den Themen Sprache und Wertesystem sicherlich einen Beitrag innerhalb der Gruppe leisten.

Ggf. unterstützen hier demnächst die großen Unternehmen ihre Mitarbeiter und lösen das Betreuungsproblem mit ergänzenden Angeboten.

Die Flucht des „Bildungsbürgertums“ aus „Brennpunktschulen“, wie sie seit Jahren zu beobachten ist, wäre dann auch in den KiTas angekommen – im großen Stil.

Letztlich muss man allen Seiten gerecht werden und entsprechende Angebote vorhalten. Das geht nur über deutlich mehr Personal, kleinere Gruppen und eine bessere Bezahlung.

Sonst implodiert irgendwann der gesellschaftliche Zusammenhalt.

Abschließend möchte ich zumindest noch zu bedenken geben, dass wir uns den aktuellen wirtschaftlichen Wohlstand immer wieder aufs Neue erarbeiten müssen. Unzählige Länder warten nur darauf, dass wir unsere Komfortzone soweit ausweiten, dass die Produktivität sinkt, unsere Wirtschaft an Konkurrenzfähigkeit einbüsst und unsere Industrieproduktion verlagert wird.

Letztlich „gönnen“ wir uns einen Sozialstaat, der (noch) Basis unseres gesellschaftlichen Zusammenhaltes ist.

Die Mitte der Gesellschaft kämpft (und schrumpft) aber schon seit Jahren an der Belastungsgrenze und trägt dieses System fast alleine. Von „unten“ und „oben“ kommt fast nichts.

Hier muss meiner Meinung nach angesetzt werden.

Die Empfehlung…“lasst die Kinder einfach wieder mehr spielen“ ist für mich deutlich zu unterkomplex und muss mindestens im Zusammenhang mit den Arbeitsbedingungen der Eltern diskutiert werden.

Und wie gesagt…im Zweifel unterstützen die Unternehmen dann ihre eigenen Mitarbeiter und bieten eine „bessere“ Betreuung mit einem ordentlichen Personalschlüssel 24/7 an. Das kann eigentlich niemand wollen…

https://www.dkhw.de/schwerpunkte/demokratiebildung-von-anfang-an/politische-arbeit/forschungsbericht-gesellschaftliche-vielfalt-in-kitas/

Last edited 1 Monat zuvor by Stromdoktor
Marion
1 Monat zuvor
Antwortet  Stromdoktor

Mag sein, daß sie recht haben.
Dennoch:
Wir haben Kinder in der Einrichtung, aus ganz „normalen“ Mittelstandsfamilien, die mit 5 Jahren kaum in der Lage sind mit Frustrationen umzugehen.
Kleinste Hindernisse sind Anlaß für Weinkrämpfe, bei denen die Kinder sich derart hineinsteigern, daß sie alleine aus ihrer Wut und Verzweifling nicht mehr herausfinden. Ich behaupte nicht, daß solche Kinder in der Mehrzahl sind. Aber es werden mehr.
Nicht alle reagieren so extrem. Aber die Tendenz geht schon dahin, daß es Kindern immer schwerer fällt, mit den ganz normalen Zumutungen des Alltags fertig zu werden.
Ich kenne die Ursachen nicht wirklich, aber ich nehme Entwicklungen in unserer Gesellschaft wahr, die mich wechselweise traurig, wütend und fassungslos machen.
Es fällt mir schwer, die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Zusammenhänge in ihrer ganzen Komplexität zu überblicken und das eine mit dem anderen in Einklang zu bringen.
Ich kann nur sagen, was ich sehe:
Überforderung allerorten, in der Politik, der Wirtschaft, dem Gesundheitswesen, in der Erziehung und der Bildung.
Ein Gesellschaftssystem, daß an allen Ecken und Enden am Erodieren ist.
Nicht mal mehr die kleinste Einheit innerhalb dieses Gesellschaftssystems funktioniert: Die Familie.
Ich kann jetzt nur mal ganz grob schätzen, aber ich glaube in unserer Kita leben so zwischen einem Drittel und der Hälfte der Kinder, nicht mehr in ihrer „Ursprungsfamilie“. Das heißt, diese Kinder haben bereits in ihren ersten Lebensjahren die Trennung ihrer Eltern miterleben müssen. Dazu kommt bei vielen die allzu frühe und viel zu lange Krippenbetreuung.
Ein weiterer Punkt ist die zunehmende Überforderung mancher Eltern, die eigentlich Unterstützung durch ein Elternkompetenztraining bräuchten, um ihrem Erziehungsauftrag gewachsen zu sein.
Diese Gesellschaft zerbröselt doch schon seit Jahren von innen heraus.
Wenn schon die kleinsten Gemeinschaften nicht mehr funktionieren, wie soll es dann im Großen gehen?
Meiner Meinung nach haben wir in den letzten Jahrzehnten viel zu sehr
der individuellen Verwirklichung und dem Konsum gehuldigt und dabei völlig vergessen, daß es da kleine Menschen gibt, die nicht nur möglichst frühe Bildung brauchen, sondern stabile Bindungen, am besten zu ihren Eltern.
Und erst DANN, wenn das Kind durch diese stabilen Bindungen das nötige Urvertrauen aufbauen konnte, sollte es erste Erfahrungen mit einem Kindergarten machen.
Mag sein, daß das alles nicht kompatibel mit den Wünschen und Bedürfnissen heutiger Erwachsener, dem allgemeinen Wohlstand und der Konkurenzfähigkeit unserer Wirtschaft ist.
Aber dann muß das öffentlich auch GENAU SO kommuniziert und nicht hinter wohlklingenden Phrasen wie dem „Recht der Kinder auf irgendwas…“ versteckt werden.

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

Ich würde Ihnen uneingeschränkt zustimmen. Meine Ausführungen zu „Mittelstandsfamilien“ sind oben auch deutlich zu kurz gekommen.

Ich finde das Verhalten einiger Familien und Kinder ebenfalls grenzwertig, traurig, bedauerlich…

Wir haben früh schon selber im Bekanntenkreis miterlebt, wie Eltern sich so sehr (beruflich und im Alltag) unter Druck gesetzt haben, dass sie wirklich jede Minute Betreuung in Anspruch genommen haben und sich von Urlaub zu Urlaub gekämpft haben. Egal, wie es dem Kind dabei ging und ob es immer fit war.

Nachmittags saßen dann viele Mütter noch regelmäßig zusammen, damit die Kinder sich untereinander beschäftigen konnten. Solange, bis der Vater per kurzer Nachricht sein Heimkommen angekündigt hat und das gemeinsame Abendessen anstand.

Wir hatten solche Mütter mit Kindern bei uns zu Gast. Nach kurzer Zeit haben wir die Kontakte minimiert und uns aus der Community verabschiedet. Wir haben die Zeit dann lieber miteinander verbracht.

Ich erkenne dabei nur einen Unterschied bzw. eine Ursache:

Wir waren beide trotz Berufstätigkeit in Vollzeit nachmittags zu Hause und hatten jeden Tag gemeinsam Zeit füreinander. Für mich ist das DIE Beobachtung: Viele Elternteile (meist Väter) sind unter der Woche kaum nachmittags zu Hause. Die Mütter „dürfen“ sich dann nach einem Vormittag im Job im Anschluss um die Kinder kümmern und sind dann schnell überfordert.

Am WE müssen dann der Wocheneinkauf erledigt, der Rasen gemäht und die Sozialkontakte gepflegt werden. Sonntags gehört dann der Familie.

Zumeist haben die Eltern selbst keine Hobbys oder Freizeit mehr. Die Kinder zu irgendeiner Turnveranstaltung in die 1,5 km entferte Sporthalle mit dem Auto zu fahren, planen viele noch ein – ist ja auch eine Form der Betreuung. Für eine leistungsorientierte Sportart reicht es dann meist aber nicht mehr. Man wählt das Angebot, wo alle hingehen und man sich trifft.

Die Mitte der Gesellschaft ist irgendwo auch falsch abgebogen – definitiv. Meiner Ansicht nach Opfer der eigenen Ansprüche und vielfach auch Opfer von nicht immer optimalen Arbeitsbedingungen.

In meinem Umfeld konnte ich nicht direkt erkennen, ob es gleich zu verhaltensauffälligen Kinder führt. Die meisten besuchen mittlerweile ein Gymnasium – muss aber ja nichts heißen.

Ich beobachte allerdings, dass viele Kinder erst sehr spät Fahrrad fahren, mit 6 noch kein Freischwimmer haben, Sonntags keine Brötchen holen können…

Die Bequemlichkeit der Eltern (alles mit dem Auto erledigen), keine Vorbildfunktion (Sport, Hobbys) und ausschließlich gestresst zu sein, sehe ich als Ursache.

Für mich sind das toxische Bekanntschaften, die ich weitestgehend meide. Außerdem habe ich so das Schwimmbad unter der Woche für mich und meine Kinder fast alleine, wenn alle Familien auf den Sonntag setzen…

Einkaufen gehe ich auch nie zur Rush-Hour…

Letztlich scheint vielen der Status bzw. die „Anerkennung im sozialen Umfeld“ noch zu wichtig zu sein, was zu einem traurigen Lebensmodell führt.

Unabhängig davon, tragen diese Menschen aber einen großen Anteil des Sozialstaates über ihre Einkommensteuer und deren Konsumverhalten. In einem wachstumsorientieren System ist das leider das Hamsterrad, in dem sich viele befinden und nicht mehr herauskommen.

Marion
1 Monat zuvor
Antwortet  Stromdoktor

Ach, zu der Sache mit dem Schwimmbadbesuch unter der Woche fällt mir doch gleich noch ein Buchtipp ein, den ich hier, glaube ich, schon mal gegeben habe: „Liebe Sophie“ – Brief eines Vaters an seine Tochter von Henning Sußebach. Er schildert darin sehr anschaulich die Lebenswirklichkeit heutiger Eltern und ihrer Kinder und hinterfragt diese gleichzeitig auf sehr anrührende Weise.

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

Vielen Dank für den Tipp!

Ich bin noch auf einen Artikel im Stern gestoßen. Aus meiner Sicht stimmt hier das Bild der Autorin:

https://www.stern.de/lifestyle/liebe-sex/single-30—muetter-haben-keine-ahnung–wie-schwer-eine-freundschaft-mit-ihnen-ist-32855564.html

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Stromdoktor

@Stromdoktor

Dass WIR das noch erleben dürfen:
1 grüner Daumen ist von mir, übrigens ganz ohne Mitleid.

Marion
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

Ich muß mich dringend korrigieren. Meine gestrige „grobe Schätzung“ was die Anzahl an Trennungskindern in unserer Einrichtung betrifft, war definitiv VIEL ZU GROB.
Es sind keinesfalls zwei Drittel bis die Hälfte. Mir sind, als ich im Kopf die Kinder durchgegangen bin, die wir die letzten zwei, drei Jahre in die Schule verabschiedet haben, erstaunlich viele eingefallen, bei denen sich die Eltern noch während der Kindergartenzeit getrennt haben.
Trotzdem waren es niemals so viele. Da habe ich ein zu düsteres Bild gezeichnet.
Die Zahlen variieren. Was ich mit Sicherheit sagen kann ist, daß, egal ob wir jetzt 8, 10, 12 oder 14 Vorschulkinder verabschieden, immer MINDESTENS ein, manchmal auch zwei oder drei Kinder dabei waren, die während ihrer Zeit bei uns in der Kita, die Trennung ihrer Eltern erleben mußten.
Meine viel zu hoch gegriffene Zahl wollte ich aber nicht einfach so unkorrigiert stehen lassen.
Alles andere, was ich geschrieben habe, aber schon.

Cornelia
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

Danke für Ihre Berichtigung.
Aber auf jeden Fall ist es sehr gut, dass Sie den Focus darauf richten, dass manche Kinder mehreren Trennungssituationen ausgeliefert sind, z.B. Trennung der Eltern (und somit oft einhergehendTrennung von einem Elternteil), sowie Krippenbetreuung möglichst ganztägig schon im 2.Lebensjahr. Diese oder ähnliche Doppelbelastungen für manche Kinder werden leicht übersehen!
Man muss sich dann nicht wundern, wenn es Defizite gibt im Selbstwertgefühl, mit der Affektregulierung, mit der psychischen Resilienz, wie sie das sehr treffend an einem Beispiel geschildert haben.

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

Vielen Dank auch für Ihren Nachtrag.

Bei vielen Familien ist auch ohne offizielle Trennung die Hölle los.

Ich kenne ein paar Familien, die können sich aus rein wirtschaftlichen Gründen nicht „richtig“ trennen, da sie sonst ihr Haus und den Wohlstand verlieren…

Ich würde auch hier von einer Dunkelziffer „unharmonischer“ Partnerschaften ausgehen – mit entsprechendem Auswirkungen auf die Kinder.

someone
1 Monat zuvor

Dafu, wo ist jetzt die versprochene „mit grundsätzlichen pädagogischen Überlegungen untermauert[en]“ Meinungen? Das ist nicht mehr als ein plumper rant, der alles von rechts bis konservativ und links an Vorurteilen und Pauschalisolierung vermischt. Nicht ernstzunehmen. Hauptsache, die anderen, da oben machen es falsch und verfolgen falsche Ziele. So so…
Und wer seid ihr hier eigentlich, darüber urteilen zu dürfen, ob andere so viel arbeiten MÜSSEN? ich glaub es hakt.

Schattenläufer
1 Monat zuvor
Antwortet  someone

Welchen SUV fahren Sie denn? 🙂

someone
1 Monat zuvor
Antwortet  Schattenläufer

Ich fahre gar kein Auto. Seit ich den Führerschein habe, immerhin auch schon 22 Jahre her. Aber fühlen Sie sich ruhig weiter überlegen, so ganz ohne sachliche Argumente …

Schattenläufer
1 Monat zuvor

Setzen Sie sich mal in der Fußgängerzone in ein Kaffee und beobachten Sie die Leute.

Augenmerk besonders auf junge Väter und Mütter mit Kinderwagen oder Zwergen an der Hand.

Erscheinungsbild einer großen Mehrheit:

Markenkleidung, Designer-Kinderwagen (Ich muss Arbeiten gehen wir brauchen das Geld zum Leben 🙂 )
Eine Hand am Kinderwagen. Zweite Hand für das Handy. Aufteilung der Aufmerksamkeit, 90% Whats App, 10 % Kind.

Letztens hätte solch eine Handy Mutter den Kinderwagen beinahe vor mein Auto geschoben. Zum Glück habe ich aufgepasst und konnte noch bremsen.

Das Problem wird immer deutlicher. Viele Leute haben eigentlich kein Interesse an Kindern und keine Zeit für Kinder. Die kleinen Schreihälse gehören aber irgendwie zur Lebensplanung. Also was muss das muss eben.

Wenn man dann bemerkt, dass Kinder nicht nur Zeit und Geld kosten sondern auch noch die Karriere und Selbstverwirklichung ausbremsen dann wird es echt übel.

Hätte man besser am Hund geübt. Denn könnte man dann wenigstens im Tierheim abgeben. Kinder sind da heikler. Die kann man nur von 7.30-16.00 Uhr in die Betreuung abschieben. Abends bestehen die aber darauf, dass man sie wieder abholt.
Das war es dann mit der Selbstfindung durch Meditation, der Wellness oder den Partys.
Das ist Bitter.

Zusätzlich sorgt die Wirtschaft durch schlechte Entlohnung und hohe Ansprüche bei vielen tatsächlich für Lebens- und Arbeitsverhältnisse die für Kinder wenig Spielräume bieten.

Letztendlich ist heute nur noch eine Minderheit der Eltern bereit wirklich als Eltern zu leben. Der große Rest kann sich nicht ausreichend selbst um die Kinder kümmern (wir müssen Arbeiten um zu Leben) oder will sich nicht um die Kinder kümmern wie es Eltern tun sollten (Wir müssen Arbeiten für den Audi und die Malediven).

Die Betreuung ist oder scheint also alternativlos zu sein.

Dies trifft jetzt leider auf ein kaputt gespartes Betreuungssystem, garniert mit überzogenen pädagogischen Vorgaben der Eltern und haltlosen Anforderungen des Staats an die Kindergärten.

Was sollte da schief gehen?

Gott sei Dank bin ich schon erwachsen und sogar mein Nachwuchs ist auch so weit über den Berg, dass er keine Betreuung mehr nötig hat

Irgendwie fehlt mir der Glaube, dass das staatlich und gesellschaftlich geforderte Betreuungssystem und schon gar nicht das momentan praktizierte Betreuungssystem zum Besten der Kinder ist.

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Schattenläufer

@Schattenläufer

Isso. 🙁

Sandra H.
1 Monat zuvor

Diese Erzieherin spricht mir aus der Seele!!!
Ich, selbst Erzieherin, habe aus diesem Grund meinen Beruf an den Nagel gehängt und werde never ever wieder einsteigen!

Maren
1 Monat zuvor

Liebe Marion, mit Ihren Artikeln und Kommentaren sind Sie eine große Bereicherung bei News4teachers. Sie öffnen nach meinem Empfinden Schleusen für alle, die ähnlich denken wie Sie, vor einiger Zeit aber noch kaum wagten zu sagen, was sie denken, weil das total verpönt war und sie befürchten mussten, als altmodisch und fortschrittsfeindlich abgestempelt zu werden.
Meine Meinung: Krippen lehne ich grundsätzlich ab – außer für Kleinstkinder, die tatsächlich staatliche Hilfe brauchen, weil sie im Elternhaus grob vernachlässigt werden und ein Fall fürs Jugendamt sind. Ansonsten wäre es wünschenswert, wenn jedem Kind unter 3 Jahren die Krippe erspart bliebe.
Kitas für Kinder über 3 Jahren halte ich ebenso wie Sie für eine gute Einrichtung, allerdings nicht unter den Bedingungen, wie sie heute meist herschen. Sie haben einiges dazu gesagt.
Als Dorfkind bin auch ich ohne vorherigen Kindergartenbesuch zur Schule gekommen und hatte dort keinerlei Probleme mit Eingewöhnen oder Basis-Kenntnissen und -Fähigkeiten. Im Gegenteil, anderen hatte ich sogar einiges voraus.

Heidrich
1 Monat zuvor

Sie sagen was ich denke,…, was mir wirklich gegen den Strich geht. Wenn ich es könnte, würde meine kleine nur ab und zu, für ein paar Stunden in die Kita. Nur das liebe Geld lässt es nicht zu. War es falsch ein Kind in die Welt zu setzen, da das System ja kein Platz hat für Kinder?!?
Meine große ist jetzt in die Schule gekommen, was für ein Bildungsunterschied zwischen den Kindern herrscht, die alle in Kitas waren, ist unbeschreiblich.
Kinder werde zu sehr gestresst und das soll jetzt schon mit den kleinen so anfangen…
Wir sind Menschen und keine Maschinen!!

Ama
1 Monat zuvor

Ich denke, wenn man Kinderbetreuungsgesetze ausschliesslich daran anpassen würde was das beste fürs Kind ist so müsste man Mütter dafür entlohnen, dass sie zuhause bleiben und ihre Kinder erziehen. Die Emotionale Bildung/Bindung die nur die eigene Mutter ihrem Kind geben kann, kann (und darf) eine PädagogIn nicht bieten, weil Sie eben nicht die Mama ist.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Ama

Nach der Stillzeit könnte es auch der Papa sein, der zu Hause bleibt. Das sollte den Familien freigestellt sein. Ansonsten finde ich die Idee gut.

Christa Hesse-Chu
1 Monat zuvor

Dieser Beitrag spricht mir als Mutter, Großmutter und als Psychotherapeutin von gestressten Müttern sehr aus dem Herzen.
Die Verschleierung der Gesellschaftsansprüche auf Kosten von beruflichem Freiraum für Eltern und Kinder sind sehr einfühlsam beschrieben.

Ilona Silipo
1 Monat zuvor

Es ist traurig das so viele Eltern die schönste und wertvollste Zeit mit Ihren Kindern versäumen.Denn diese Zeit können Sie niemals wieder erleben.Ich wünschte es würde ein Umdenken geben.

Ines
1 Monat zuvor

Vielleicht sollte man da auch mal einen anderen Punkt ansprechen.

Das Kinder kriegen an sich!

Natürlich steht es jeder Person selber zu wieviele Kinder man bekommen möchte und hat.
In unserer heutigen Gesellschaft sollte man sich das vielleicht aber auch sehr gut überlegen.
Dazu dieser gesellschaftliche Druck „Man/Frau muss doch Kinder kriegen!“
Nein muss man/Frau nicht!

Ich arbeite selber in einer Kita, habe keine eigenen Kinder, wie ein großer Teil meines Freundeskreises auch.
Ich sehe täglich Kinder, arbeite in einer Brennpunktgegend, da wäre es besser gewesen, die Eltern hätten keine Kinder bekommen.

Es klingt sehr hart ist aber die Realität.

GeHe
2 Stunden zuvor

Die vorstehenden Ausführungen sind sehr interessant. Es gibt aber auch noch zu bedenken, dass die Eltern, die ihre Kinder nicht in die Kita „abschieben“ überhaupt keine Beachtung oder Anerkennung finden. Es wird nicht honoriert, dass die Kindererziehung zum großen Teil zu Hause stattfindet. Es wird nur über die Kitas gesprochen. Und ich bin vollkommen der Auffassung, dass eine Mutter oder ein Vater mit den zwei, drei Kindern zu Hause zumindest so viel leistet wie eine Erzieherin in der Kita. Es wird auch so langsam von der Politik die Auffassung verbreitet, dass nur Kinder, die in der Kita sind, eine ordentliche und ausreichende Vorschulbildung erhalten. Kommen so gesehen alle Kinder, die nicht in die Kita gehen blöd zur Schule? Man muss halt auch mal ‚was tun. Die Eltern müssten nach meiner Meinung wieder mehr in die Pflicht genommen werden. Aber heutzutage wird alle Verantwortung abgeschoben, in vielen Bereichen.
Das Blöde an der ganzen Sache ist auch, dass die Familien, die die Kitas nicht in Anspruch nehmen, in finanzieller Sicht nur Nachteile haben. Sie haben kein zweites Einkommen. Sie müssen sich somit auch einschränken und können nicht, was weiß ich wie oft, in Urlaub fahren (ist aber auch gut, wenn die Kinder merken, dass nicht alles geht). Aber auch später im Rentenalter fehlen einige Jahre, in denen Rentenbeiträge gezahlt wurden. Somit fällt auch die Rente geringer aus. Dahingegen sparen Sie ja der öffentlichen Hand eine Menge Geld, denn die Kitagebühren werden ja mindestens zu 50% (wahrscheinlich sogar mehr) von den Gemeinden oder dem Land mitfinanziert.
Ich plädiere daher dafür, dass die Arbeit der Eltern, die die Kitas nicht in Anspruch nehmen zumindest endlich mal gewürdigt wird und dass für die Zeit der Arbeits-pause die Rentenbeiträge ebenso von der öffentlichen Hand weitergezahlt werden, bzw. eine Entschädigung in der Höhe des Zuschussbetrags für die Kitas an die Eltern gezahlt wird. Ich bin der Überzeugung, wenn die Arbeit der Eltern zu Hause besser honoriert werden würde, würden auch nicht so viele Kitaplätze fehlen.