Aufgeben in der Bildungskrise? Warum das eine Lehrerin erwog – und verwarf („Am Ende stand ein Ja zum System“)

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BIELEFELD. Patricia Drewes ist Lehrerin – genauer: Didaktische Leiterin des Gymnasiums Bethel in Bielefeld – und sie ist genervt. „Ich bin gerade mal wieder der ganzen Posts und Talkshow-Mitschnitte darüber, wie kaputt angeblich das Bildungssystem sei, gern auch mit einer Rundum-Schelte gegen verbeamtete, faule, unfähige, innovationsfeindliche Lehrkräfte verbunden, sehr müde“, so schreibt sie auf Linkedin. Und: „Ich vermisse einen konstruktiven und systemsensiblen Diskurs in der Öffentlichkeit.“ Als ersten Aufschlag dafür hat sie selbst einen Beitrag verfasst, den wir im Folgenden veröffentlichen. 

Was ist Schule denn nun? Foto: Shutterstock

Morgens nicht recht, mittags nicht frei – was macht den Lehrberuf so attraktiv?

Ja, Deutschland hat die Digitalisierung im Bildungsbereich lange verschlafen, ja, die Gebäude sehen vielerorts nicht super aus, ja, Schule ist in manchen Bereichen strukturell konservativ. Aber: Irgendwie schafft es die Organisation ja auch, sich jeden Tag wieder selbst zu erschaffen. Und das manchmal gar nicht so schlecht. Aus der Innenperspektive sehe ich: Viele motivierte Kolleg:innen, die über das Maß hinaus arbeiten, einen Quantensprung in Sachen Digitalisierung, Schüler:innenwahlen, Aufstehen für Demokratie, Projekte wie aula gGmbH und und und …

„Wer Menschen in ihrer Vielfalt und ihrem So- und Anderssein mag, wer Kommunikation wertschätzt, der ist in Schule gut aufgehoben“

Für Menschen, die am System und im System Schule arbeiten, sind diese oft undifferenzierten Pauschalverurteilungen zum einen irritierend, weil die Innenwelt oft anders aussieht, zum anderen: Glaubt jemand, dass das Kaputtreden eines Systems dazu führt, qualifizierte junge Menschen für Schule zu begeistern? Ich habe in den letzten Monaten viel darüber nachgedacht, ob ich mir in Zukunft „noch mehr Schule“ zumuten möchte. Am Ende stand ein Ja zum System – mit all seinen Herausforderungen. Und hier sind einige der Gründe:

Schule als Ort der menschlichen Begegnung: Wo, außer in Schule, treffen Menschen täglich auf so viele unterschiedliche Menschen? Alte, junge und mittelalte, Menschen mit internationaler Familiengeschichte und Menschen ohne eine solche, religiöse und atheistische Menschen, Veganer:innen und Omnivoren, Grünen- und FDP-Sympathisant:innen. Wenn wir es als Schulen geschickt anstellen, gibt es so viel echten Dialog wie selten im Leben. Schule ermöglicht Diskussion und Begegnung – anlassbezogen im Unterricht und in außerschulischen Veranstaltungen, anlasslos und zufällig auf dem Pausenhof, in der Mittagspause, in Freiräumen auf Klassen- und Kursfahrten. Aus diesen Begegnungen erwächst die Chance, mehrperspektivisch zu denken, über das eigene Toleranzverständnis nachzudenken, sich in Respekt zu üben und ein Stück weit Gesellschaft im Kleinen kennenzulernen. Wo Menschen sich im Erwachsenenleben aus dem Weg gehen oder anonymisiert auf Social Media beschimpfen können, erfordert die Präsenz im selben Raum die eigene Zurücknahme und das Aufeinander-Zugehen gleichermaßen.
Wer Menschen in ihrer Vielfalt und ihrem So- und Anderssein mag, wer Kommunikation wertschätzt, der ist in Schule gut aufgehoben.

Schule als Ort des Demokratielernens: Schulen sind nicht per se demokratisch angelegt. Sie bieten aber vielfältige Anlässe, Demokratie kennenzulernen, im Unterricht als Staats- und Gesellschaftsform, in der Gestaltung des Schüler:innenalltags als Lebensform. Aktive SV-Arbeit, Klassenräte, Demokratieprojekte wie aula, Podiumsdiskussionen etc … (und vor allem das Ernstnehmen von Schüler:inneninteressen in allen Bereichen des Schulalltags) können Demokratie als etwas erlebbar machen, für das es sich einzusetzen und zu kämpfen lohnt, inklusive der Erfahrung, dass Prozesse manchmal langwierig sind, manche Entscheidungen die eigene Kompromissfähigkeit herausfordern etc …

Fair streiten lernen, für seine Positionen einstehen, sie artikulieren können und dabei Respekt vor den Meinungen anderer haben, solange sie sich innerhalb des demokratischen Spektrums bewegen – all das kann Schule sein und Schule machen.

Schule als Impuls und Herausforderung, immer neu zu lernen (und zu verlernen): Wer am Ende von Studium und Referendariat denkt, er habe ausgelernt, der irrt. Jedes neue Curriculum, jede neue Klasse und Lerngruppe, jede gesellschaftliche, politische, ökologische und ökonomische Krise, jede Herausforderung, die sich im Schulalltag stellt, ist eine Aufforderung für Lehrkräfte, den eigenen Radius zu erweitern. Bei manchen Themen geht das gut, bei anderen ist Überwindung nötig.

Lehrperson sein heißt auch, regelmäßig Gewissheiten zu hinterfragen und sich selbst konstruktiv-kritisch zu reflektieren. Dankenswerterweise müssen wir das nicht allein tun, sondern haben mit Schüler:innenfeedback, kollegialer Hospitation u.ä. viel Gelegenheit, wohlwollend und freundlich an uns selbst zu arbeiten. Schule hält den Kopf jung, ohne dass Lehrkräfte dafür Kreuzworträtsel lösen oder Nahrungsergänzungsmittel schlucken müssten.

Schule als Ort der menschlichen Kostbarkeiten: In nahezu jeder Kultur gelten Kinder und Heranwachsende als Hoffnungsträger:innen der Gesellschaft. Man feiert ihre Geburt, es gibt Initiationsriten, eine lange Phase, in der sie geschützt aufwachsen dürfen. Gleichzeitig trägt die Gesellschaft vielfältige Erwartungen an sie heran. Diese nicht unreflektiert auf sie zu übertragen, sondern mit jungen Menschen in einen Aushandlungsprozess zu gehen über Werte und notwendige Kursänderungen auch der älteren Generationen, ist eine verdammt große und wertvolle Aufgabe.

Kleine Menschen bei ihrem Lernen und dabei selbst lernend zu begleiten, bis sie diese Begleitung nicht mehr nötig haben und gefühlt einen halben Meter über uns hinausragen, dabei in Beziehung zu treten und in Resonanz sein, ist etwas, das ich als sehr erfüllend wahrnehme.

Schule als Ort, an dem Veränderung möglich ist: Ja, auch das. Ins Gesicht derer gesagt, die keine Rettung mehr sehen, das System regelmäßig für tot erklären und Hierarchie, Bürokratie und Verwaltung nicht als Beschreibung einer Organisationsform, sondern Schimpfwort betrachten. Schule sieht nicht mehr aus wie vor 10 Jahren, vor 20 Jahren, vor 30 Jahren. Es gibt Lernbüros, Projektlernen, benotungsfreie Räume, Möglichkeiten zum sozialen Lernen etc … Vielerorts ist man von der Digitalisierung zur Digitalität fortgeschritten und kann beides auch terminologisch auseinanderhalten. Lehrkräfte experimentieren mit KI, gründen eigene Firmen und reden an vielen Stellen im Netz darüber.

„Schule ist kein Startup, aber das heißt nicht, dass sie immun gegen Change wäre. Sie geht dabei nur andere Wege als ein Unternehmen“

An vielen Schulen arbeiten engagierte Lehrkräfte in Steuergruppen, offenen Schulentwicklungsgruppen, Arbeits- und Projektgruppen daran, dass sich die Dinge ändern. Und sie ändern sich – manchmal langsam und unbemerkt und oft wird erst in der Rückschau einer Dekade bemerkbar, dass nicht nur die Overheadprojektoren das Klassenzimmer verlassen haben, sondern auch Haltungen reflektiert werden, mit Prüfungsformaten experimentiert wird und sich der Ton zwischen Schüler:innen und Lehrkräften verändert hat.

Ja, ich könnte meinen Blick täglich auf die Grenzen des Machbaren richten und darüber klagen, dass der Schulalltag an vielen Tagen anders verläuft als in meinen kühnsten Träumen, dass dem Alltagsgeschäft zu viel Raum gegeben werden muss, die Arbeitszeiten ausfransen etc … Das würde mich aber nicht glücklich machen. Darum richte ich den Blick auf das mit und im Kollegium und in der Zusammenarbeit mit Schüler:innen und Eltern Machbare.

Schule ist kein Startup, aber das heißt nicht, dass sie immun gegen Change wäre. Sie geht dabei nur andere Wege als ein Unternehmen. Womit wir beim letzten Punkt wären:

Schule als Faszinosum der Organisationssoziologie: Es fällt schwer, Schule organisationssoziologisch zu greifen. Das führt vielerorts in einem Abwehrreflex dazu, zu sagen: „Jaaa, in der Wirtschaft geht das, aber in Schule ist das alles nicht möglich“ – nicht gerade hilfreich, wenn Menschen Dinge ändern wollen, sich Organisationsberatung aber nun einmal primär auf gewinnorientierte Unternehmen konzentriert.

Was ist Schule denn nun? Ein paar nüchterne Antwortangebote:

  • Eine funktional gegliederte Hierarchie mit Zwangsmitgliedschaft der minderjährigen Gruppe (und damit vergleichbar einem Gefängnis oder einer Armee mit Wehrpflicht).
  • Ein Zweckprogramm, das vor allem darin besteht, Zertifikate auszustellen, die gesellschaftlichen Aufstieg bzw. Teilhabe versprechen.
  • Ein so lose gekoppeltes System, das es ermöglicht, dass Schulkarrieren und Wahrnehmung der eigenen Schulzeit zwischen Person A und Person B stark schwanken können.
  • Künstlerateliers unterm Schuldach mit ausgeprägten Autonomie-Paritäts-Mustern der einzelnen Lehrkräfte.

Die Liste kann fortgesetzt werden. Deutlich wird, dass Schulen komplexe Gebilde sind, in denen eine Vielzahl verschiedener gesellschaftlicher Gruppen und Teilsysteme (Eltern, Lehrkräfte, Schüler:innen, Schulträger, Bildungsadministration, Wirtschaft, Politik) Deutungshoheit beanspruchen und dabei nicht selten in Rangeleien verfallen. Vielfach lassen Äußerungen Dritter über Schule erschreckende Defizite in der Kenntnis des Systems erkennen, die ausschließlich aus der biographischen Binnenperspektive gespeist werden.

Manchmal schützt mich der organisationssoziologische Blick davor, überzogene Ansprüche an Schule zu stellen, was nicht heißen soll, dass ich Schule für veränderungsresistent halte (im Gegenteil, wer mich kennt, weiß, dass ich gern dezent mit der Abbruchbirne hantiere), sondern überzeugt bin, dass die Anstrengungen (wenn sie denn echt sind und nicht auf der Ebene des medienwirksamen Bashings stehenbleiben) besser kanalisiert werden können, wenn Funktionsweisen und Kultur des Systems bekannt sind.

Das System mit den geeigneten Instrumenten von Zeit zu Zeit aus der Vogelperspektive zu betrachten, kann sehr tröstlich sein und einseitige Schuldzuweisungen ad personam vermeiden helfen. Es schützt letztlich alle an Schule Beteiligten davor, Kraft zu vergeuden und in medienwirksame Systemschelte zu verfallen, die aber letztlich selbstschädigend wirkt. News4teachers

Lehrer Sebastian Schmidt: Nicht auf die Schul-Revolution warten (die kommt nicht) – pragmatisch neues Lernen ermöglichen!

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447
12 Tage zuvor

Nix gegen Frau Drewes – aber sind wir jetzt in der beschönigenden Darstellung, der Formulierung von Durchhalteparolen auf dem Niveau „pure Emotion“ angekommen?

Die man dann durch eine Steigerung über jedes Maß hinaus in verdrechselte Pädagogensprache überführt, weil Superlative nicht ausreichen, die Kluft zwischen gewollter und faktischer Realität zu überbrücken?

„Schule als Faszinosum der Organisationspsychologie“ ?
Ehrlich jetzt?
Also auf deutsch: „Ett klappt oda et klappt zusamm’n“ aus dem rheinischen Grundgesetz?
„Alles müsste zusammenbrechen, aber, oh Gott wie fasizinierend, wir kämpfen uns irgendwie doch jeden Tag irgendwie durch!“ – als etwas GUTES? Ist das nicht eher eine totale Bankrotterklärung?

Und das noch von einer Schulleitungsperson…och je.

Toll, dass Frau Drewes so engagiert ist, keine Frage.
Das ist natürlich positiv.
Aber dieser Text…der erinnert mich eher an gewisse Propagandaformen in der Endphase von Unternehmen.

Canishine
12 Tage zuvor
Antwortet  447

Ich habe mich gefragt, wie dieser Text zu verstehen ist: Schlicht als Darstellung der eigenen Sicht, als Aufmunterung, als Kritik an zu negativen Perspektiven? Grundsätzlich halte ich es auch für wichtig, den Blick auf das Positive nicht zu verlieren. Ich habe mich allerdings auch gefragt, ob ich mich hier mit einer weiteren Variante der „leuchtenden Kinderaugen“ manipuliert fühlen soll, denn nicht allen positivierten Darstellungen im Text möchte ich vorbehaltlos folgen.
Es wäre evtl. hilfreich, die Intention kurz transparent zu machen, vielleicht habe ich aber auch etwas übersehen.

Anika von Bose
12 Tage zuvor

Es ist schön auch mal einen Bericht einer Lehrkraft zu lesen, in deren Beschreibung ihres Berufsalltags nicht das Negative überwiegt.

Philine
12 Tage zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Schön ist es vielleicht, aber ist es auch realitätsgerecht?

Anika von Bose
11 Tage zuvor
Antwortet  Philine

Warum nicht – oder wollen Sie Frau Drewes ihre Wahrnehmung absprechen?

Ich_bin_neu_hier
11 Tage zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Mit Wahrnehmung vs. Realität ist das bekanntlich so eine Sache… Natürlich möchte ich Frau Drewes ihre subjektiv-persönliche Wahrnehmung keinesfalls absprechen.

Das heißt jedoch nicht zwingend, dass ich die Realität in derselben Weise wahrnehme wie Frau Drewes.

Anika von Bose
6 Tage zuvor
Antwortet  Ich_bin_neu_hier

Natürlich müssen Sie die Wahrnehmung von Frau Drewes nicht teilen, aber Sie sollten Ihre Wahrnehmung auch nicht als allgemeingültig betrachten.

Philine
11 Tage zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Erkenntnistheoretisch gesehen ist es subjektiv sicher wahr und eine schöne Erfahrung, aber offensichtlich wird diese individuelle Wahrnehmung nicht von sehr vielen geteilt, cf. die Zustimmungswerte zu entsprechenden Kommentaren.

Anika von Bose
6 Tage zuvor
Antwortet  Philine

Wollen Sie wirklich mit den Zustimmungswerten in diesem Forum für die Allgemeingültigkeit belegen?

laromir
11 Tage zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Hmmm, ich habe leider festgestellt, dass Schulleitungen oft ja ganz andere Aufgaben haben, als die gemeine Lehrkraft (ob sie nun gemein ist oder nicht). Manchen Schulleitungen geht dabei der Blick auf die Arbeitsbelastungen der Lehrkräfte tatsächlich verloren. Sie delegieren einfach die Tätigkeiten zu ihren Veränderungswünschen an das Kollegium und das hält dann den Laden letztendlich irgendwie aufrecht. Teilweise noch mit Bemerkungen wie, das ist ja gar nicht so viel, das haben SIe doch schnell noch gemacht, da können Sie sich doch mal kurz einen Nachmittag einarbeiten. Teilweise kommt das, ohne WIssen, was die Lehrkräfte denn sonst eben gerade noch so machen und in was sie sich die letzten Monate nicht schon alles eingearbeitet haben. Teilweise wissen Schulleitungen auch nicht, wie kompliziert SuS oder Klassen sind usw. Wenn man selbst also nur 4 h die Wochen noch im Unterricht ist, wenig pädagogische Arbeit betreiben muss, die Orga von vielen schulischen Dingen von anderen übernommen wird etc. da kann man vieles vielleicht durchaus einfacher und positiver sehen. Wenn man allerdings in der Lage ist, alle Anordnungen umsetzen zu müssen oder mit neuen Aufaben zugeworfen zu werden oder häufig Vertretungen leisten zu müssen, dann ist man u.U. nicht mehr ganz so optimistisch gestimmt, dass das System ewig so auf Sparflamme (und auf Kosten des Personals) weiterlaufen kann. Einige Schulleriter*innen sind durch ihre eher verwaltungslastige Arbeit doch realitätsfern geworden (können sich nicht mehr richtig an Klassenfahrten erinnern, an Korrekturaufwand im Abi o.ä.), manche interessiert es auch nicht. Die wollen, dass der Laden gerauscharm läuft, Eltern sich nicht beschweren und alles nach Vorschrift erledigt ist. Das möchte ich der Dame im Beitrag nicht unterstellen, vielleicht ist das ganz anders bzw. vielleicht steckt bei manchen Schulleiter*innen hinter diesem Verhalten gar keine böse Absicht und sie sehen es einfach wirklich nicht. UNd dann sieht natürlich alles ein wenig hübscher aus als es u.U. ist.

Philine
12 Tage zuvor

Es spricht für die Autorin, dass sie dem Schulalltag so viel Positives abgewinnen kann – allerdings verdankt sie dies m. E. ihrer intrinsischen Motivation und der Fähigkeit, den Umständen zu trotzen. Das „System“ selbst ist dringend reformbedürftig, da undemokratisch organisiert und hoffnfungslos rückständig, was den Umgang mit Mitarbeitern und deren Arbeitskraft betrifft. Hier hilft auch das konsequenteste „Reframing“ nicht mehr.

Anika von Bose
11 Tage zuvor
Antwortet  Philine

Das „System“ selbst ist dringend reformbedürftig, da undemokratisch organisiert und hoffnfungslos rückständig, was den Umgang mit Mitarbeitern und deren Arbeitskraft betrifft.“

Das gilt ebenso für den Umgang mit Schülerinnen und Schülern – da reicht es nicht das System an sich zu kritisieren – Lehrkräfte sind Teil dieses Systems und haben Einfluss auf den Bildungserfolg ihrer Schülerinnen und Schüler. Und wenn Lehrkräfte vor allem die negativen Beschreibungen ihres Berufsalltags in den Vordergrund stellen, wie allzu oft z. B. in diesem Forum, wen wundert es dann, dass das Einfluss auf potentielle Interessenten für den Lehrerberuf hat?

Schlussendlich muss es um die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die ganze Schulgemeinschaft gehen.

Canishine
11 Tage zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Sogar Schülerinnen und Schüler haben Einfluss auf ihren Bildungserfolg bzw. zum Teil auch auf den Bildungserfolg anderer.

Anika von Bose
6 Tage zuvor
Antwortet  Canishine

„Schülerinnen und Schüler haben Einfluss auf ihren Bildungserfolg….“ was für ein Statement. Ein Selbstläufer also, sind die Kinder und Jugendliche selbst schuld, die es nicht schaffen?

Realist
11 Tage zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Die Rahmenbedingungen werden sich aber nur verbessern, wenn man öffentlich auf Missstände aufmerksam macht. Eltern sind erst dann Sturm gelaufen, dass so viel Unterricht ausfällt, als es intern nicht mehr aufgefangen werden konnte. Solange die Kinder die vollen Stunden in der Schule verbracht haben, hat es niemanden interessiert, auch nicht, als längst Klassen für Vertretungen zusammengelegt wurden oder eine Lehrkraft zwei Klassen in benachbarten Zimmern beaufsichtigen musste (bei beiden Notlösungen fand kein Unterricht statt, es hat nur kein Außenstehender gesehen). Daher ist es dringend nötig, auf Probleme aufmerksam zu machen.

laromir
11 Tage zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Man kann aber nicht ständig alles schön reden. Und ja, die negativen Faktoren werden ständig größer.Es glaubt nur keiner, der nicht live dabei war. Aber statt dass die Eltern mal Sturm laufen gegen die vorherschenden Bedingungen, wird noch auf den Lehrkräften herumgetrampelt, dass diese nicht alles auffangen können. Würden Sie ständig auf Kosten Ihrer Gesundheit arbeiten wollen? Permanente Überstunden (ohne Ausgleich?), permanente Unsicherheit, Fehler zu machen und rechtlich in irgendeiner Weise angreifbar zu sein? Permanent überhöhte Lautstärke, kaum ein ruhiger Arbeitsplatz, ständig Zeitdruck, ständig Zeitmangel, um auf die Kinder und Jugendliche einzugehen? Keine Arbeitszeiterfassung, obwohl rechtlich vorgeschrieben, weil angeblich nicht messbar und nicht relevant? Keine automatische höhere Bezahlung oder Beförderung für Zusatzaufgaben, neben den „normalen“ Tätigkeiten? Ständige Defizite in der Ausstattung, Material auf eigene Kosten anschaffen, Reisekosten vorlegen oder selbst zahlen und nach Monaten kein Geld sehen usw.? Keine Zulagen für den 24h Dienst/Bereitschaft auf Klassenfahrten (Früh- und Nachtarbeit, Bereitschaftsdienste sowie Wochenden, werden in vielen anderen Branchen extra vergütet!)? Das alles ist okay? (Wenn ich das „Externen“ erzähle, gucken die mich völlig entgeistert und ungläubig an und fragen, ob das mein Ernst ist oder ob ich mir sowas ausdenke!!! Manche Dinge in Schule sind so absurd, da käme ich meiner wildesten Phantasie nicht drauf!) Das alles soll man mit leuchtenden Augen hinnehmen und verschweigen? Man soll ohne Rücksicht auf sich selbst, seine Gesundheit, seine Familie sich für fremde Kinder hingebungsvoll aufopfern ( und zahlen), der Kinder zu liebe? Würde ich nicht gerne mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, dann hätte ich den Beruf ja gar nicht gewählt, dennoch gibt es in meinen Augen irgendwo Grenzen. Diese Grenzen darf man aber in den Augen von Nicht-Lehrkräften nicht ziehen, dann jammert man und vermiest zukünftigen Lehrkräften den Job. Abbrecher im Studium brechen nicht deshalb ab und schwenken um, weil in ihrer Praktikumsphase alle Lehrkräfte auf sie eingejammert haben, sondern weil sie das erste mal hautnah erleben, wie der Alltag auf der „anderen Seite des Pultes“ ist. Weil sie Einblicke in die Anforderungen und die Realität bekommen. Lehrkräfte hören auf und schwenken um, weil sie gesundheitlich am Limit fahren oder den Kampf gegen Wnidmühlen aufgegeben haben. Und nur gesunde und nicht überlastete Lehrkräfte machen ihren Job gut und vor allem gerne, das geht es denen auch nicht anders, als der restlichen arbeitenden Bevölkerung. Viele Lehrkräfte geben ständig was eben geht, im Sinner der Schüler*innen und der Schule und trotzdem bekommen sie keine Anerkennung und Wertschätzung, trotzdem tun sie niemals genug oder halt eben das Falsche (wer auch immer das definiert) und wenn sie den Mangel beklagen, sind sie gleich Jammerlappen, faul und unengagiert, würden angeblich den Beruf nicht gerne machen. Das ist das, was man in der Öffentlichkeit und der Presse oft an den Kopf geworfen bekommt. Es fehlt so viel Personal. Jeder ist herzlich eingeladen mal 3 Monate volles Deputat zu unterrichten und sich dann eine abschließende Meinung zu bilden. Und ja, auch in der Schule haben manche (vereinzelte) keinen Bock, aber auch das ist nicht schulspezifisch, sondern in jedem anderen Unternehmen, gibt es Mitarbeiter, die haben so oder so keinen Bock. An denen dann die Haltung und Arbeit aller Lehrkräfte festzumachen (die überwiegend eben engagiert arbeiten) ist einfach unfair.

Canishine
12 Tage zuvor

Im „System“ Schule gibt es sicherlich sehr schöne und auch sehr schlimme Aspekte. Letztlich muss man wohl beides (und die Abstufungen davon) wahrnehmen, einordnen und konsequent damit umgehen (lernen).