„Basisregeln der pädagogischen Zunft – Artikel 1: Lehrkräfte sind pädagogische Führungsfiguren“ (ein Gastbeitrag)

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KÖLN. Der Bildungsforscher Prof. Klaus Zierer, Ordinarius für Schulpädagogik an der Universität Augsburg, hatte vor einigen Monaten mit der Forderung für Wirbel gesorgt, Lehrkräfte sollten (vor sich selbst) einen „Sokratischen Eid ablegen –  ein mehrseitiges Bekenntnis, das mit den Worten beginnt: „Als Lehrperson verpflichte ich mich, all mein Fühlen, Denken und Handeln im Beruf auf das Wohl der mir anvertrauten Kinder hin auszurichten (News4teachers berichtete). Unser Gastautor, der Lehrer a. D. Michael Felten, versucht sich nun ebenfalls an Basisregeln der pädagogischen Zunft – deutlich kompakter.

Lehrkräfte brauchen Empathie und Durchsetzungsvermögen – das ist mal sicher. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Ein Grundgesetz für Lehrer?

In der letzten Zeit haben wir einiges über unser Grundgesetz gehört. Seit 75 Jahren gibt es dem Zusammenleben der Menschen in Deutschland eine rechtliche Grundlage, nicht in den Details, aber in den grundlegenden Zügen. Es gilt für alle hier Lebenden, nicht zuletzt auch für Lehrer. Aber für diese müsste man es eigentlich noch ein wenig spezifizieren. Denn Lehrer haben ja in besonderer Weise mit unserem Gemeinwesen und unserer Zukunft zu tun – wir vertrauen ihnen immerhin unsere Jugend an.

Die Lehrerinnen und Lehrer unserer Kinder sind recht unterschiedliche Typen, das ist erstens nicht zu ändern und zweitens gar nicht so übel. Denn auf diese Weise lernen Heranwachsende, mit der Verschiedenheit von Menschen zurecht zu kommen. Zudem ist unser Bildungswesen föderal strukturiert, Lehrer in Bayern und Lehrer in Bremen handeln also nicht nach exakt gleichen Devisen. Gleichwohl ist nicht von der Hand zu weisen, dass es – neben den Richtlinien und Dienstordnungen der Länder – einige Basisregeln der pädagogischen Zunft geben sollte. Nur sind diese nirgendwo aufgeschrieben – wohlan, ein Versuch sei gewagt.

Artikel 1: Lehrkräfte sind pädagogische Führungsfiguren.

Lehrerinnen und Lehrer sind weder beste Freunde noch Offiziere. Sie müssen vielmehr die Kunst beherrschen, gleich und ungleich zugleich mit jungen Menschen umzugehen. Sie müssen sich einerseits in kindliches Denken und Empfinden sensibel einfühlen, andererseits aber auch unerschrocken die Richtung weisen und Beurteilungen aussprechen können.

Artikel 2: Skepsis ist eine der wichtigsten Eigenschaften von Lehrkräften.

Denn sie arbeiten in einer Art Bermuda-Dreieck: Schüler wollen möglichst wenig Hausaufgaben machen, Eltern wollen für ihr Kind zumindest das Abitur, und das Bildungsministerium will vor der Wahl dieses und nachher jenes. Lehrkräfte sollten deshalb innerlich unabhängige und kritische Personen sein, denn sie müssen denjenigen Weg finden, den sie für ihre jeweilige Lerngruppe und ihre speziellen Schüler verantworten können.

Artikel 3: Es gibt viele Möglichkeiten, lernwirksam zu unterrichten.

Das hört sich banal an, ist es aber nicht. Vielerorts galt lange Zeit die Parole, es gebe eine allein seligmachende Lehr-Lern-Methode, etwa das selbstorganisierte, eigenverantwortliche Lernen von Schülern. Die Forschung hat das widerlegt, einzelne Autoritäten haben dies auch eingestanden – aber die Lehrkräfte im Lande sollten auch davon wissen. Überhaupt sollten sie sich auf dem Laufenden darüber halten, was die Forschung darüber weiß, welche Wege eher nach Rom führen – und welche eher nicht. Entscheidend darf nicht sein, ob eine Methode einen wohlklingenden Namen hat oder gut aussieht. Sondern ob die Lernprozesse der Schüler nachhaltig, ob sie tiefenwirksam sind.

Artikel 4: Menschen sind wichtiger als Zahlen.

Neuerdings wird ja all unser Tun vermessen – und gewiss, auch im Bildungswesen liefert Evaluation interessante Daten. Aber Kennwerte sind in Schule lange nicht alles. Unterricht ist ganz wesentlich Beziehungssache, ein emotional grundierter Austausch zwischen Lehrenden und Lernenden. Er funktioniert anders als die Abläufe in einer Brötchenbackstraße, lässt sich höchstens ansatzweise in der Sprache der Ökonomie beschreiben, wird durch Begriffe wie Output oder Income letztlich nicht erfasst.

Artikel 5: Bildung für morgen geschieht an Gegenständen im heute.

Allenthalben hört man, die Schule müsse völlig umgekrempelt werden – für das 21. Jahrhundert mit seiner Unsicherheit und Komplexität brauche es ganz neue Kompetenzen. Bildung könne deshalb nicht länger Wissenserwerb sein, vielmehr gehörten Kollaboration, Kreativität, kritisches Denken und Kommunikation auf die Agenda. Nun, das waren natürlich immer schon ungemein wichtige Fähigkeiten – nur lassen sich diese nicht im Trockendock erwerben, sondern gerade im Rahmen von fachlichem Lernen.

Ohnehin war die Zukunft auch für frühere Generationen vor allem eines: ungewiss. Ernsthafte und anspruchsvolle Bildung in einer historisch reflektierten Gegenwart, das war immer schon das Beste, was eine Gesellschaft ihrer Jugend mitgeben konnte.

Der Autor, Michael Felten, Jg. 1951, hat 35 Jahre Mathematik und Kunst unterrichtet, ist Autor von Sachbüchern und Unterrichts-materialien, arbeitet als freier Lehrerweiterbildner, Human Award 2014 der Uni Köln, www.eltern-lehrer-fragen.de

Berufsethos: Bildungsforscher Zierer verlangt Lehrkäften einen „Sokratischen Eid“ ab

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Hysterican
1 Monat zuvor

Sehr geehrter Michael Felten,
ich möchte mich ausdrücklich bei Ihnen für ihre Version / Vision eines „Grundgesetztes für LuL“ bedanken.

Ich schätze diese Vorstellungen exakt gleich ein und würde diese ohne Bedenken unterschreiben.

Schade, dass v.a. die KuMis und Bildungsforscher und -wissenschaftler hier sicherlich erhebliche Einwände formulieren und damit ihre eigenen Vorstellungen und „Steckenpferde“ favorisieren würden.

Mit vielen SuS und auch vielen Eltern sehe ich mich dazu im Stande, diese Vorstellungen zu vereinbaren – bei den Bildungsvorgesetzten sehe ich da leider ein beinhartes Desinteresse und daraus resultierende Gegenwehr.

Auf diese Leute haben wir an der unterrichtlichen Basis quasi keinen Einfluss – und daher sehe ich erhebliche Unsetzungsprobleme für ihren Vorschlag.

Mit vielen Grüßen
A.H. – Hysterican

Johann Friedrich H.
1 Monat zuvor

Herzlichen Dank! Ein reflektierter Praktiker bezieht menschenfreundlich klar Stellung gegenüber unterrichts- und realitätsfernen Scharlataninnen und Scharlatanen, die es angeblich besser wissen, um konkrete Kinder und Jugendliche aus einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung beruflich aber lieber einen großen Bogen machen.

Einer
1 Monat zuvor

Der letzte Absatz trifft es:

Ohnehin war die Zukunft auch für frühere Generationen vor allem eines: ungewiss. Ernsthafte und anspruchsvolle Bildung in einer historisch reflektierten Gegenwart, das war immer schon das Beste, was eine Gesellschaft ihrer Jugend mitgeben konnte.“

Und wir Lehrer hatten schon immer die Aufgabe unsere Schüler mit dem nötigen Fachwissen auszustatten diese Zukunft auch begreifen zu können. Doch heute müssen Schüler nichts mehr lernen oder können; keine Fertigkeiten einüben. – sie müssen nur noch Kompetenzen entwickeln.

Ein Bundesligaspieler übt jede Woche Standardsituationen. Jede Woche Freistöße, Elfmeter, Einwurf – immer und immer wieder. Warum? Weil sich durch stetiges wiederholen und üben Abläufe festigen und sich Erfahrung entwickelt.

Was müssen wir machen, weil es von der KMK vorgegeben wird? Die Übungs- und Wiederholungsphasen werden in allen Fächern zusammengestrichen

Michael Felten
1 Monat zuvor

Werte Kolleginnen und Kollegen,

welche weiteren Artikel für ein ‚Grundgesetz für Lehrkräfte‘ haltet ihr für sinnvoll?

Gerne im Modus ‚Kernsatz plus kurze Erläuterung‘ …

wombatlover
1 Monat zuvor
Antwortet  Michael Felten

Vielleicht für die Ministerien: Lehrer sind Experten für das, was sie tun. Man kann nicht einfach Gymnasiallehrer oder Berufsschullehrer in die Grundschule versetzen und glauben, alles sei prima. Ich gehe auch nicht zum HNO-Arzt, wenn mein Knie schmerzt und das hat sicher einen Grund. Zusätzlich zum Grundgesetz sollte es Grundrechte für Lehrer geben: Rückendeckung und Unterstützung durch die direkten Vorgesetzten, Schulämter, Regierungspräsidien und Ministerien.
Es kann meiner Meinung nach auch nicht deutlich genug gemacht werden, dass nicht jede Methode für jedes Thema, für jeden Schüler und für jeden Lehrer die beste ist.
Lehrer (und Erzieher und Menschen in der Pflege und und und) müssen sich selbst schützen. Wenn jede pädagogische Arbeit „von oben“ ausgebremst wird, gerät man zu schnell in einen Burn-Out oder in die Resignation.

RSDWeng
1 Monat zuvor
Antwortet  wombatlover

Und es wird weiterhin an pädagogischem Nachwuchs fehlen; viele junge Kollegen werfen nach kurzer Zeit das Handtuch, weil sie auch von oben oft ausgebremst werden. Da nützen auch saudumme Werbekampagnen nichts. Sie erheitern bestenfalls die Zielgruppe.

Besseranonym
1 Monat zuvor
Antwortet  wombatlover

Sic,
Ich als BSlehrer ( mit Dberechtigung auch fürs Gymnasium und Dipl Ing fürs Erstfach ) durfte mich immer wieder in andere Schulformen setzen; es sollte Pflicht werden
( gefiel aber so manchem Kollegen wdTw gar nicht ) Dadurch wird vieles leichter zu verstehen
– und machte richtig Spaß -von hinten sieht man gar viel, was die Lieblinge so treiben. 🙂

Individualist
1 Monat zuvor
Antwortet  Michael Felten

Vielleicht was zu dem neuen „Lernbegleiter“, dem projektorientierten Unterricht und der Lernsoftware, mit der die Kinder individualisiert gebildet werden sollen.

Melanie
1 Monat zuvor
Antwortet  Michael Felten

Lehrer tragen Verantwortung und sind für ihr Tun verantwortlich.
Lehrer müssen sich für ihr Tun verantworten.

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Melanie

Lehrer übernehmen Verantwortung für Dinge, die in ihrem Einflussbereich liegen. Für alles, was außerhalb ihrer Einflussmöglichkeiten liegt, haben sie keine Verantwortung.

Generische Feminina
1 Monat zuvor
Antwortet  Melanie

Gilt das nur für Lehrer? Oder auch für Lehrerinnen oder gar für jeden Menschen?

Michael Felten
1 Monat zuvor

Da mir ein allgemein verständliches Manifest vorschwebt, erscheint mir die einfachste Formulierung am sinnvollsten.

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Michael Felten

Lehrer achten auf sich und ihre Gesundheit. Ein kranker, überarbeiteter Leher nützt niemandem, erst recht nicht den Schülern.

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Michael Felten

Lehrer sind Profis in ihrem Beruf. Und sie verhalten sich auch wie Profis und versuchen nicht, die Welt oder das Bildungssystem zu retten. Sie mischen sich auch nicht in Problembereiche ein, die außerhalb ihrer Expertise liegen.

Katze
1 Monat zuvor

Als „allein seligmachende Lehr-Lern-Methode“ wurde, das selbstorganisierte, eigenverantwortliche Lernen jahrzehntelang nicht nur angepriesen sondern einer dikatischen Doktrin vergleichbar propagiert und den Lehrenden aufgezwungen. Die sich verweigernden didaktischen Tiefflieger (ich bin einer davon) wurden als renitente unverbesserliche Konservativlinge geschmäht.
„Einzelne Autoritäten haben dies auch eingestanden – aber die Lehrkräfte im Lande sollten auch davon wissen.“
Wir sind auch Autoritäten und viele von uns haben es gewusst. Na und, das hat keinen interessiert.
Diese didaktische Bevormundung und der Kampf als „Unangepasste“ gegen Elfenbeintürme, Bildungsagenturen, Schulleitungen und Helikoptereltern hat uns physische und psychische Kraft gekostet.

„Wichtige Fähigkeiten – nur lassen sich diese nicht im Trockendock erwerben, sondern gerade im Rahmen von fachlichem Lernen.
Ernsthafte und anspruchsvolle Bildung in einer historisch reflektierten Gegenwart, das war immer schon das Beste, was eine Gesellschaft ihrer Jugend mitgeben konnte.“

Nichts anderes haben viele KuK immer gewollt.
Der Begriff Trockendock ist für die derzeitige Situation fachlicher Bildung sehr treffend.
Gefällt mir!
Also lasst die Autoritäten an der Basis endlich raus aus ihrem Trockendock und
Fachwissen wieder ernsthaft, nicht noch weiter abgespeckt vermitteln sowie den SuS wieder Leistung und Anstrengung abfordern.
Ich tue dies in meinen letzten Dienstjahren auch gern frontal als vorne sitzende Oldschool-Lehrkraft aus voller Überzeugung.

Denkedoch Noch
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Danke Katze!

mama51
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

…den SuS wieder Leistung und Anstrengung abfordern.
Ich tue dies in meinen letzten Dienstjahren auch gern frontal als vorne sitzende Oldschool-Lehrkraft aus voller Überzeugung.

Liebe Katze,
jawoooohl! Ich auch!

Sokrates
1 Monat zuvor
Antwortet  mama51

Ich gehe davon aus, dass Sie – auch in Ihren letzten Dienstjahren – vorbildhaft Leistung und Anstrengung zeigen, um Ihre Schüler bestmöglich und individuell zu bilden.
Leistung und Anstrengung einzufordern, ist nämlich keine Einbahnstraße, wie das einige Foristen gerne suggerieren.

laromir
1 Monat zuvor
Antwortet  Sokrates

Also ich gehe vorbereitet in meinen Unterricht, was ich von meinen SuS nicht behaupten kann. Ich vergesse auch nicht ständig mein Material oder in welchem Raum ich bin. Ich sitze auch nachmittags im Unterricht und bin nicht regelmäßig ab 14 Uhr gesundheitlich angeschlagen wo auch immer unterwegs. Ich wäre schon froh, wenn alle meine SuS diese Basics, ohne größeren erzieherischen Aufwand meinerseits, ab spätestens Woche 3 in Klasse 5 beherrschen und beherzigen würden. Dann käme man auch zu mehr.

RSDWeng
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Uneingeschränkte Zustimmung für Sie und Herrn Felten. Sein Text sollte zur Pflichtlektüre in der Referendarsausbildung gemacht werden.
Ich war, wie Sie es noch sind, sehr lange voll überzeugte Oldschool-Lehrkraft und wurde als strikter Befürworter des Frontalunterrichts als „Schulleiter aus dem Mittelalter“ von einigen Schulleiterkollegen bezeichnet. Nur: Die Ergebnisse der zentralen Abschlussprüfungen an meinen Schulen waren immer besser als der Landesdurchschnitt; zweimal hatten wir sogar eine Durchfallerquote von 0,00 %. Wichtig ist noch zu erwähnen, dass ein sehr großer Teil der Eltern, Schüler und Lehrkräfte zufriedene Menschen waren.
Junge Kollegen konnten unterrichten, wie sie es gelernt hatten. Sie erkannten aber nach einiger Zeit die Vorzüge des strukturierten, lehrergesteuerten Frontalunterrichts, in den selbstverständlich ab und zu eine kurze Gruppen- oder Partner- oder Stillarbeit eingebaut werden können. Und das Wichtigste: Der Lehrer ist immer „Chef im Ring“. Die Schüler wollen das auch so.

Ureinwohner Nordost
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Viel Erfolg und Durchstehvermögen auf die letzten Jahre.
Sie sind auf dem richtigen Pfad.
Lassen Sie sich nicht beirren.
Ein fächergleicher Kollege aus Nordost. 🙂

Besseranonym
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

“ Ich tue dies in meinen letzten Dienstjahren auch gern frontal als vorne sitzende Oldschool-Lehrkraft aus voller Überzeugung. “
Vollkommen richtig !

Ich möchte ergänzen:
Wenn ich, als erfahrene Fachkraft, der Meinung bin, dass die Schüler*innen mit offeneren Lernmethoden klar kommen, setze ich diese ein.
Wenn das Anwenden von Methode x,y,z diese überfordert und den Lernerfolg mehr einschränkt als fördert, sehe ich dies als meine pädagogische Freiheit und aus der Erfahrung heraus auszuwählen. Es ist meine Pflicht größtmöglichen Lernerfolg zu gewährleisten.

Lieber H. FELTEN : Also Betonung der pädagogischen Freiheit zu Gunsten der Schüler* innen. Das wir dafür einstehen haben wir ( in Bayern ) ja beeidet.

Größere Probleme sehe ich dabei für Quereinsteiger und Junglehrer mit weniger Erfahrung.

Besseranonym
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

-2 Sorry, hab zu lange korrigiert.
Entschuldigt bitte die üble SZ und Sb. ):

Peter Krüger-Wensierski
1 Monat zuvor

Ein guter Lehrer weiß um die Gemeinsamkeit von „Wissen“ und „Bildung“. Ein noch besserer Lehrer weiß um den Unterschied beider Begriffe. Der Erwerb von Wissen
ist anstrengend und verlangt das Bemühen. Der Blick auf die erworbene Bildung ist weniger anstrengend, aber sehr anspruchsvoll. Man schaut auf eine Landschaft, die
sich unmittelbarem Nützlichkeitsdenken entzieht. Die Frage nach dem Warum ? ver-
verschwindet zunächst hinter einer Art Nebelwand. Da ist sie gut aufgehoben, aber
irgendwann wird man im guten Fall nicht locker lassen und an der Frage dranblei-ben. Die gute Antwort ist dann das gewachsene Selbst als Ausdruck von Autonomie und Humanität.

Teacher Andi
1 Monat zuvor

Sehr treffend und deutlich zusammengefasst. Die Bildung gehört nicht in die Hände von selbstverliebten, möchtegern-schlauen und ständig wechselnden, nur aufs Budget schauenden Ministern die von der Basis keine Ahnung oder sich gerne von der Basis in „höhere Sphären“ begeben haben. Schüler sind zudem eine äußerst komplexe und individuell unterschiedliche Zielgruppe und entsprechen nicht jener Idealvorstellung, die den Bildungsministern in den Köpfen herumschwirrt. Und das ist der Grund, warum es nicht DIE optimale Lehrmethode gibt, aber das begreifen die Verantwortlichen nicht. Sie machen ja alles richtig.
Das höre ich aus diesem Kommentar heraus. Es wird sich nichts ändern, leider. Es wird nur noch mehr Lehrerflucht geben.

RainerZufall
1 Monat zuvor

Ich möchte nicht undankbar wirken. Tatsächlich bewundere ich die Kolleginnen und Kollegen, welche die Extrameile gehen und sich wie hier ins Zeug werfen!

Aber was bringen diese Regeln? Menschen über Zahlen? Ja, aber das Schulamt sieht das anders: ich muss Zahlen liefern! Kinder mit sopäd. Förderbedarf sind zu viele – diese Zahlen sollen runter! Klassengrößen, Raumgrößen etc. richten sich nach Anzahlen =(

Zuletzt: „Skepsis ist eine der wichtigsten Eigenschaften von Lehrkräften.“ Aber Kinder WOLLEN keine HA? Ist das Grundgesetz oder sollten wir an unseren HA zu arbeiten versuchen?
Das dieses Beispiel für Skepsis angebracht wurde, macht mich persönlich sehr skeptisch in Bezug auf die politische Tragfähigkeit dieser Regeln…

Michael Felten
1 Monat zuvor
Antwortet  RainerZufall

Vielleicht ein Missverständnis.
Hausaufgaben werden ja als Einschränkung der außerschulischen Freiheit erlebt, deshalb wehren Kinder sie vielfach ab.
Diesem (subjektiv nachvollziehbaren) Wunsch gegenüber (wie auch unsinnigen Impulsen seitens Eltern und KM) sollen Lehrkräfte aber Skepsis & Souveränität entwickeln.
Und deshalb – wenn nötig – bei Hausaufgaben bleiben … aber eben guten bzw. optimierten.

RainerZufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Michael Felten

Studien zufolge bringen Hausaufgaben auch nicht zwingend mehr als ein negatives Verhältnis zur Schule.
Höhere Schulformen bringen ein deutliches Plus, da kann man sich ja auch fragen, ob Hausis für andere Schulformen nicht angepasst werden sollten (wie so vieles andere auch…)

Hausaufgabenbetreuung vor Ort zuverlässig anzubieten könnte auch der Lebenswelt vieler Kinder näher kommen

Der Zauberlehrling
1 Monat zuvor

Ich lache mich kaputt und dienstunfähig …

„Artikel 3: Es gibt viele Möglichkeiten, lernwirksam zu unterrichten.“

Das hat sich in den letzten 25 Jahren vom KM in Stuttgart her anders angehört. Ganz anders. Da war man nicht so liberal. Schreiben nach Gehör, Rechnen nach Gefühl (das wurde vor Einführung abgewürgt 🙂 Derzeit ist es die Kompetenzorientierung, die über allem steht und auf deren Altar alles andere geopfert wird.

„Artikel 4: Menschen sind wichtiger als Zahlen.“

„Unser Credo lautet von Daten zu Taten. Anhand verlässlicher Daten sollen die Schulen in Zusammenarbeit mit der Schulverwaltung Kräfte und Ressourcen optimal für die Arbeit bündeln und dort einsetzen, wo sie viel bewirken. Wir müssen an den Schulen noch stärker individuell fördern und dafür benötigen Schulen und Schulverwaltung Daten sowie eine Systematik, um das Erreichen dieser Ziele zu steuern. Entscheidend ist dabei, dass die Arbeit auf Basis einheitlicher und an wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgerichteter Kriterien erfolgt und überprüft wird“ (Fau Schopper, KM Stuttgart)

„Artikel 5: Bildung für morgen geschieht an Gegenständen im heute.“

Das war schon immer so.

Artikel 1: Lehrkräfte sind pädagogische Führungsfiguren.“

Dem sollte so sein. Wir sind Führungskräfte und Vorbild.

Warum hört eine Prüfung aus Stuttgart mit der Numerierung 2.3.1 auf, wenn keine 2.3.2 mehr kommt?

„Artikel 2: Skepsis ist eine der wichtigsten Eigenschaften von Lehrkräften.“

Skepsis ist gesund und muss ein. Endet möglicherweise in Paranoia. Gleich mal nach einem KM-Tronjaner auf meinem Dienstlaptop suchen lassen. Aber nicht von Kaspersky, dem Russentrojaner 🙂

Michael Felten
1 Monat zuvor

Grundsätzlich ist Lachen gesund.
Hier geht es aber mehr darum, dass Sie und die gesamte Lehrerschaft kreativ werden, dem fachlich-administrativen Unsinn wo immer es geht entgegenzuwirken – oder modisch-unsinnige Wellen zu durchtauchen.

Ureinwohner Nordost
1 Monat zuvor

Genau, Sie sollten sich auf das Trojaner-bekämpfungsprogramm des BND oder MAD verlassen.
Die sind todsicher. 😉

Tigerente
1 Monat zuvor

Artikel 2: Skepsis ist eine der wichtigsten Eigenschaften von Lehrkräften.
Denn sie arbeiten in einer Art Bermuda-Dreieck: Schüler wollen möglichst wenig Hausaufgaben machen, Eltern wollen für ihr Kind zumindest das Abitur, und das Bildungsministerium will vor der Wahl dieses und nachher jenes. Lehrkräfte sollten deshalb innerlich unabhängige und kritische Personen sein, denn sie müssen denjenigen Weg finden, den sie für ihre jeweilige Lerngruppe und ihre speziellen Schüler verantworten können.

=> Ja, sehr gut. Aber das bedarf einer Schulleitung, die damit umgehen kann und dich nicht unter Druck setzt, zu tun, was sie für richtig hält. Lehrer neigen dazu, immer das Richtige zu wissen, sie sind schließlich Lehrer. Schulleitungen neigen noch mehr dazu, sie sind schließlich „Chef“.