Prognose: Musisch-künstlerische Bildung in Schulen geht weiter den Bach herunter – Lehrermangel in Musik und Kunst weitet sich aus

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BONN. Kunst und Musik sind keine verzichtbaren Nebenfächer – sondern fester Bestandteil einer zeitgemäßen Bildung, zu der die Fähigkeit zur kreativen Problemlösung gehört. Die ist gerade auch in Mathematik, Informatik, den Naturwissenschaften und Technik (den sogenannten MINT-Fächern) grundlegend. Das jedenfalls meint die Telekom Stiftung. Sie wollte deshalb wissen, wie es perspektivisch mit der Unterrichtsversorgung in den Fächern aussieht. Ergebnis der in Auftrag gegebenen Studie: schlecht.

„Junge Menschen brauchen Problemlösekompetenzen und die Fähigkeit, Verschiedenes neu zusammenzudenken.“ (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

„Für die Entwicklung von MINT-Kompetenzen ist (…) die Erweiterung von MINT um unter anderem Kreativität und den künstlerisch-musischen Bereich wichtig“, so heißt es bei der Telekom Stiftung (die als Ableger eines Tech-Konzerns ihren Fokus naturgemäß auf die Bildung in Mathematik, Informatik und den Naturwissenschaften legt). „Diese Verbindung (…) bringt Lernende in die sinnliche und kreativ-gestaltende Auseinandersetzung mit mathematisch-naturwissenschaftlichen Phänomenen. Das fördert das Zusammenwirken von fachlichen und überfachlichen Fähigkeiten und den innovativen Umgang mit MINT-Kompetenzen. Und es kann auch denjenigen einen Zugang zu MINT eröffnen, die ihn für sich noch nicht gefunden haben.“

Kurz: Die künstlerischen Fächer in der Schule legen eine Grundlage, die in Mathe, Technik und den Naturwissenschaften benötigt wird – Kreativität. „Kunst und Musik – wenn sie als Fächer gut unterrichtet werden – bringen Besonderheiten in die Schule, die nicht nur, aber ganz besonders für MINT bereichernd und heutzutage sogar unverzichtbar sind“, schreibt die Telekom Stiftung. „Umso bedenklicher ist es, dass Kunst und Musik nach offiziellen Statistiken der Kultusministerkonferenz in den meisten Schularten zu den Mangelfächern zählen, es also schon heute nicht ausreichend ausgebildete Lehrkräfte gibt, die sie qualitätsvoll unterrichten können.“

Kein Wunder also, dass eine Sonderauswertung der PISA-Studie, die in dieser Woche veröffentlicht wurde, ergab, dass kreative Problemlösung nicht zu den ausgeprägten Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in Deutschland gehört (News4teachers berichtete). Noch schlechter: Daran wird sich auf absehbare Zeit wohl auch nichts ändern.

Die Telekom Stiftung hat den renommierten Bildungsökonomen Prof. Klaus Klemm damit beauftragt, exemplarisch für Nordrhein-Westfalen den Bestand an Kunst- und Musiklehrkräften zu ermitteln. Die Ergebnisse sind niederschmetternd: Für die Fächer Musik und Kunst fehlen allein in dem Bundesland in den kommenden Jahren voraussichtlich Tausende Lehrerinnen und Lehrer. Bis zum Schuljahr 2035/36 könnten mehr als 60 Prozent der Stellen für diese Fächer an weiterführenden allgemeinbildenden Schulen in NRW nicht qualifiziert besetzt werden, wie aus der Prognose hervorgeht.

Für die 13 Jahre von 2022/23 bis 2035/36 müssten in NRW demnach für das Fach Kunst 5791 Lehrerinnen und Lehrer und damit durchschnittlich 445 pro Schuljahr eingestellt werden. Für das Fach Musik werden demnach 4024 Lehrkräfte benötigt, also jährlich rund 310. Bei gleichbleibender Anzahl an Lehramtsabsolventen wie in den Jahren 2021 und 2022 stünden jedoch jährlich nur 180 neue Lehrkräfte für Kunst und 102 für Musik zur Verfügung.

Für Kunst könnten laut der Vorhersage damit nur 40,4 Prozent der offenen Stellen besetzt werden, für Musik sogar nur ein Drittel (32,9 Prozent). Der hohe Bedarf an Lehrerinnen und Lehrern ergibt sich laut der Prognose vor allem daraus, dass bis 2035/36 altersbedingt viele Kunst- und Musiklehrkräfte in Nordrhein-Westfalen aus dem Schuldienst ausscheiden. Derzeit sind 43,5 Prozent der Musiklehrkräfte und 46,5 Prozent der Kunstlehrkräfte älter als 50 Jahre.

„Die für Nordrhein-Westfalen vorhersehbaren Nachwuchsprobleme werden überall in Deutschland auftreten“

Langfristig lasse sich der Bedarf an ausgebildeten Lehrkräften für die beiden Fächer nur dann besser decken, wenn sich mehr Menschen für ein Lehramtsstudium und dabei für zumindest eines der beiden Fächer Kunst und Musik entschieden, hieß es in der Prognose. Das würde jedoch von heute aus gesehen erst ab 2030 Wirkung zeigen. Daneben müssten daher etwa auch Quer- und Seiteneinsteiger gewonnen und qualifiziert werden. Klemm hält die Ergebnisse seiner Studie für übertragbar auch auf andere Bundesländer. „Die für Nordrhein-Westfalen vorhersehbaren Nachwuchsprobleme werden überall in Deutschland auftreten“, so schreibt er.

Um den großen Mangel an ausgebildeten Lehrkräften für Kunst und Musik zumindest abzuschwächen, sieht der Bildungsforscher ein Bündel von Maßnahmen als dringend geboten an, darunter:

  • Mehr Lehramtskandidaten für Kunst und Musik gewinnen: „Langfristig lässt sich der Bedarf an ausgebildeten Lehrkräften nur dann besser decken, wenn sich mehr Menschen für ein Lehramtsstudium entscheiden und dabei für zumindest eines der beiden Fächer Kunst und Musik. Das würde – von heute aus gesehen – aber erst ab 2030 Wirkung zeigen.“
  • Qualität der Lehre und Studienbetreuung verbessern: „Mittelfristig wirken Maßnahmen, die Lehramtsstudierende darin unterstützen, ihr Studium auch abzuschließen. Dazu müssen Studienbedingungen, insbesondere die Qualität der Lehre, sowie Beratung und Betreuung während des Studiums verbessert werden.“
  • Quer- und Seiteneinsteiger gewinnen und qualifizieren: „Auch für die Fächer Kunst und Musik werden Quer- und Seiteneinsteiger unerlässlich sein. Hierfür müssen qualifizierte Vorbereitungs- und Begleitprogramme entwickelt werden.“
  • Eigenverantwortlichen Unterricht im Referendariat nutzen: „Bis 2035/36 wird es für kurzfristige Abhilfe unverzichtbar bleiben, dass der eigenverantwortliche Unterricht von Lehramtsanwärterinnen und -anwärtern vollumfänglich zur Bedarfsdeckung genutzt wird.“
  • Stundenweise Beschäftigte einsetzen: „Ebenfalls zur kurzfristig wirksamen Verbesserung der Lage sollte auch der Einsatz von stundenweise Beschäftigten fortgeführt werden; wenn möglich sogar in gesteigerter Form.“

Als „verheerend“ bezeichnete die schulpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im NRW-Landtag, Dilek Engin, die Prognose. Die Landesregierung müsse alle Hebel in Bewegung setzen, damit sich diese Prognose nicht bewahrheite. „Kreative Fächer in der Schulbildung sind nicht einfach nur nice-to-have. Sie sind ein zentraler Bestandteil für die Prägung von Geist und Haltung und zudem elementar wichtig für eine positive Zukunftsgestaltung.“

Das sieht auch die Telekom Stiftung so:  „Die musisch-künstlerischen Fächer ermöglichen es Kindern und Jugendlichen, sich die Welt mit allen Sinnen zu erschließen – ob mit Augen und Ohren, den Händen oder gar der Nase. Auch ist die kreative – innovativ-gestaltende – Auseinandersetzung wesentlicher Teil von Kunst und Musik. Sowohl dieses sinnliche Entdecken der Welt als auch der kreative Umgang mit ihren Phänomenen, Herausforderungen und Möglichkeiten sollten gerade auch im schulischen MINT-Bereich eine viel stärkere Rolle einnehmen. MINT-Kompetenzen sind unerlässliche Grundlage für Innovation, doch um damit die Welt auch wirklich verändern und gestalten zu können, brauchen junge Menschen Problemlösekompetenzen und die Fähigkeit, Verschiedenes neu zusammenzudenken.“ Kunst und Musik seien deshalb unverzichtbare Disziplinen heutiger und zukünftiger Bildung. News4teachers / mit Material der dpa

Hier geht es zur vollständigen Studie.

Mehr Mathe und Deutsch auf Kosten von Kunst und Musik? Astrophysiker Lesch: „Dieser Ansatz ist Quatsch“

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ysnp
26 Tage zuvor

Das hört sich erst einmal alles gut an. Zu Musik: Ich kann mir schon vorstellen, warum es einen großen Mangel an Musiklehrkräften gibt. Das war vor Jahrzehnten auch ähnlich.

Musik könnte ein schönes Fach zum Unterrichten sein, wenn man die entsprechenden fachlichen Voraussetzungen mitbringt.
Aber: Das Fach wird von vielen Schülern nicht ernst genommen und entsprechend verhalten sie sich. Gerade bei solchen kreativen Ansätzen wie man sich das im Text oben vorstellt, ist das Chaos im Fachunterricht vorprogrammiert bzw. für den Unterrichtenden mit großen Anstrengungen verbunden. In frühen Lehrerjahren habe ich Musik an der Hauptschule unterrichtet. Zu über 50 Prozent war ich der Disziplinator. Wenn ich an meine eigenen Musiklehrer am Gymnasium denke: Das Lehrerleben mit diesem Fach war von der Disziplin her nicht leicht.
Auch ein zweiter Grund: Viele bringen nicht mehr die Eingangsvoraussetzungen für das Studium mit. Früher hat man uns gesagt, dass jeder Gymnasiast ein Musikinstrument spielen sollte. Wer kann das heute schon?

Vielleicht sollte man sich andere Konzepte für Musik überlegen. Als Klassenlehrerin in der Grundschule, die auch Musik in der eigenen Klasse unterrichtet, habe ich viele Möglichkeiten, musikalische bzw. kreative Elemente in den Unterrichtsalltag einzubauen. Da gelingt kreativer Musikunterricht locker ohne die lästigen Disziplinierungsmaßnahmen, die man gehäuft als Fachlehrerin einsetzen muss.

Katze
26 Tage zuvor
Antwortet  ysnp

„Wenn ich an meine eigenen Musiklehrer am Gymnasium denke: Das Lehrerleben mit diesem Fach war von der Disziplin her nicht leicht.“
So ist es.
Kollegen für Kunst und Musik fühlen sich (zusätzlich zu Disziplinproblemen) ähnlich wie ihre MINT-Kollegen zunehmend nicht mehr intellektuell gefordert. Von Teilen der Schüler- und Elternschaft werden diese Fächer nicht ernstgenommen, und man maßt sich noch mehr als in MINT-Fächern an, Unterrichtsmethodik, Sachkenntnis und Bewertungskriterien für Schülerleistungen in Frage zu stellen sowie die Expertise der KuK anzuzweifeln. Die Sprösslinge als ultimative künstlerische Megatalente müssen doch wahrgenommen und mit Bestnoten besonders in diesen Fächern gepampert werden.
 „Kunst kommt von können, nicht von wollen, sonst müsste es ja Wunst heißen.“ 
Karl Valentin
Leider kann man bei zunehmend mehr SuS weder von Können noch von Wollen sprechen.
Der Gesang oder die Plastik vom Filius sind nach Elternmeinung selbstverständlich herausragend, aber Musik- und Kunstlehrer sind anderer Meinung. Das geht ja gar nicht, was diese popeligen Lehrkräfte für Beurteilungen absondern.
Im Fach Chemie ist die Notenfeilscherei und Reinrederei deutlich geringer ausgeprägt.
Helikoptereltern von Gymnasiasten: „Chemie haben wir auch nie verstanden.“ „Chemie kann man gar nicht verstehen.“
Hab ich ein Glück mit diesem Fach!

ginny92
25 Tage zuvor
Antwortet  ysnp

Dazu kommt das aufgrund von Sparmaßnahmen die Fachräume und ihre Ausstattung einfach eine Katastrophe sind. Damit kriegt man auch keine Quereinsteiger herausgelockt.

potschemutschka
26 Tage zuvor

„Schüler in DE zu unkreativ“ – könnte da evtl. ein Zusammenhang bestehen?

Canishine
26 Tage zuvor

Es geht auch darum, das Spektrum der Schülerinnen und Schüler breit zu halten, welches sich eben deutlich jenseits des MINT-Bereichs erstreckt. Kreativität mag für MINT-Fächer wichtig sein (bzw. ist sie), die Auseinandersetzung mit Ästhetik, Harmonie, Sinnlichkeit und der damit verbundenen Emotionalität ist für sich genommen mindestens genauso wichtig.

-mm-
26 Tage zuvor

Kunst und Musik ist nicht nur eine Bereicherung für die Naturwissenschaft sondern auch ein wichtiges Mittel, sich mit Gesellschaft und Politik auseinander zu setzen. Dazu wäre es aber auch sinnvoll, mal aus dem Bastelmodus und ewig gleicher Aufgabenstellung wie „Ich male Farbfelder wie Mondrian“, „bastle Kollagen aus Papierschnipsel“ und „zeichne Muster auf meine aus Papier ausgeschnittene Hand“. Anspruchsvolle Kunst mit Tiefgang geht auch mit Grundschülern. Oder besser gesagt, vor allem mit Grundschüler. Aber meine Erfahrung ist, dass ausgebildete Kunstlehrer meistens nicht dazu kommen ihr Fach zu unterrichten. Da heißt es dann von den Klassenlehrern, dass sie auch mal was Nettes mit den Schülern machen wollen (also Fensterbilder basteln). Meistens aber nicht mal das. Und so geht die BK Stunde mal wieder für eine Aufarbeitungsstunde eines anderen Faches flöten.

RainerZufall
26 Tage zuvor

Schrecklich! Als ein völlig unmusischer Mensch wünsche ich – gerade den Kleinen – eine zuverlässige Bildung der Künste. Viele meiner jetzigen SuS werden im späreren Leben keinen anderen Bezug zu diesem Teil der Kuktur erhalten!
Aber DER (!) Musiklehrer unserer Schule ist bereits nicht aufgestellt, alle Kinder zu versorgen…

mama51
26 Tage zuvor

Solange die Aufnahmekriterien zu einem Musikstudium (auch für Lehramt) so hoch sind (Aufnahmeprüfungen) wird’s mit dem Nachwuchs immer schwierig bleiben!
Bei den Mint Fächern muss niemand vorher als Test das Periodensystem auswendig vor einer Prüfungskommision aufsagen – für Chemie. Für Physik muss niemand als Prüfung vor Zulassung zum Studium die „Mechanik“ fehlerfrei erläutern, in Biologie nicht die Photosynthese referieren und in Mathematik nicht nachweisen, dass man die Prozentrechnung beherrscht! Nur für Musik muss ein Instrument vorgespielt werden – und nicht nur den Flohwalzer auf dem Klavier – Theorie mit Gehörbildung wird abgeprüft, auch einfachere Aufgaben beim Tonsatz müssen bewältigt werden,…und einiges andere.
Und das alles für unmotivierte SuS, für Leute, die das Fach Musik nicht Ernst nehmen, …
Die Voraussetzungen für Kunst kenne ich nicht wirklich! Aber:
Mich wundert nix!

Leseratte
25 Tage zuvor
Antwortet  mama51

Nun ja, als Musiklehrer sollte man schon wenigstens ein Instrument spielen können. Ich weiß von einem Kollegen an einer Nachbarschule, der sich gerade zum Musiklehrer weiterqualifizieren lässt, dass in dem Lehrgang auch Leute sitzen, die kein Instrument spielen und kaum eine Note lesen können. Da fehlt es doch an den Grundvoraussetzungen. Für die Liederarbeitung im Unterricht sollte der Lehrer das Lied auch selbst korrekt vorsingen können. Und die Liedbegleitung mit dem Instrument sollte man auch beherrschen. Das Singen macht mehr Spaß und das Instrument ist auch Stütze für die Schüler, die mit der Melodie etwas Probleme haben. Und wenn der Lehrer den Schülern in Kunst nichts vorzeichnen kann, aber von ihnen bestimmte Dinge verlange, ist das auch kaum akzeptabel. Ich kenne einen Nichtfachlehrer, der wegen Fachlehrermangels Kunst „unterrichtet“, aber fast nur Vorlagen, z,B. Mandalas, ausmalen lässt. In Sport sollte der Lehrer auch vorturnen können, was die Schüler machen sollen. Ich gebe in Deutsch den Schülern auch eigene Beispiele, z.B. für das Interpretieren einer Gedichtstrophe, damit sie eine Vorstellung davon bekommen, was gefordert wird. Ich habe es nicht so mit Mathe, also würde ich nie auf die Idee kommen, Mathe, Physik oder Chemie unterrichten zu wollen…;-)

unverzagte
25 Tage zuvor
Antwortet  Leseratte

Naja, wenn man Religionsunterricht erteilen kann ohne in der Kirche oder sonswie gläubig zu sein, warum sollte dann unbedingt ein Instrument beherrscht werden ?
Notenlesen wird übrigens vollkommen überbewertet, viel entscheidender ist ein entsprechendes Gehör.
„Vorzeichnen“ als sog. Modelllernen ist übrigens auch verpönt und zwar in jedem Fach. Ich kann mich als zweifach examinierte Sportlehrerin nicht daran erinnern, jemals in einer Stunde „vorgeturnt“ zu haben.

Individualist
25 Tage zuvor
Antwortet  Leseratte

Aber Sie wissen schon: an manchen Schulen wird der halbe Matheunterricht in der Mittelstufe von fachfremden Lehrern erteilt. Und dann beklagt man schwache Testergebnisse bei 15-Jährigen …

mama51
25 Tage zuvor
Antwortet  Leseratte

Liebe Leseratte,
Sie haben völlig Recht, natürlich! Trotzdem sind die Aufnahmeprüfungen zum Musikstudium weit überqualifiziert. Das, was man als Musiker bereits können muss, um allein diese Prüfung zu bestehen, könnte bei vielen instrumental bereits ausreichen. Dass natürlich noch weitere Kompetenzen im Verlauf des Studiums erworben werden müssen,… Keine Frage!
Meine Kritik bezog sich ausnahmslos auf die Aufnahmekriterien, nicht auf den Verlauf des Musikstudiums. Und, wie gesagt, beim Kunststudium kann ich nicht mitreden – bin „Musiker“!
Außerdem sind die Bedingungen zur „Weiterqualifizierung“ insgesamt tatsächlich weniger anspruchsvoll, und auch ausreichend !
Das meine ich keinesfalls despektierlich oder respektlos, im Gegenteil, diese KuK sind zu belobigen, dass sie es auf sich nehmen, denn einfach (!!!) ist das keineswegs!

Mary-Ellen
26 Tage zuvor

Ich bedauere schon sehr sehr lange, dass im schulischen Bereich musisch-künstlerischen Fächern häufig keine sonderlich große Bedeutung beigemessen wird.
(Und fand es zu meiner Gymnasialzeit äußerst ungerecht, dass es für das Fach Kunst – ich war laut Kunstlehrkraft hier außerordentlich begabt – keinen Leistungskurs gab, in dem ich, wie in vielen anderen Fächern möglich, doppelte Punktzahl für das Abitur hätte einheimsen können.)

Wir sollten uns bewusst machen, wie oft wir im Alltag der Kunst (visuell oder akustisch) begegnen, sei es beim Musikhören, im Bereich Architektur, beim Anschauen von Filmen, bei Tanzvorführungen, Konzerten, Gestaltung von Gebrauchsartikeln, Mode, ja, sogar im Bereich Werbung u.v.m.
Kunst und Musik sind ein riesiger Bestandteil von Kultur als solcher, daher m.M. nach absolut unverzichtbar!

(Welch positive Effekte die Beschäftigung mit diesen Fächern bei SuS haben können, ist in obigem Artikel ja schon beschrieben.)

Ça me fatigue
26 Tage zuvor

Das ist aus meiner Sicht ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Man beachte z.B. das Fernsehprogramm nahezu aller Sender: Seifenopern, irgend ein Blablabla von zerstörten Existenzen oder Darstellungen von Menschen, die von Schicksalsschlägen getroffen wurden und … Fußball wo man hinschaut.

Klassische Musik oder Kunst??? Das schaut niemand an, deshalb wird es auch kaum gesendet … vielleicht mal zu völlig unattraktiven Zeiten. Das ist „out“.

Weshalb sollten sich dann Jugendliche dafür interessieren?

Altes Liedgut? Das kennen nicht mal mehr die Eltern der heutigen SuS. Will man es ihnen beibringen, macht keiner mit bei dem „altmodischen Kinderkram“.

Versucht man dann zu musizieren (modernes Liedgut), gibt es drei Lager:
1. Die, die gerne wollen und sich nicht trauen, weil sie von den anderen ausgelacht werden.
2 Die, die lautstark mitmachen und keinerlei Gefühl für irgendetwas haben, weil sie es nie gelernt haben, auf andere zu hören und das auch nicht anstreben. Sie hören es nicht.
3. Die, die sich weigern mitzumachen, versuchen zu diskutieren und gleichzeitig über die anderen herziehen.

Da heutzutage das Diskutieren als wichtigste Kompetenz wahrgenommen wird, ist es nahezu unmöglich alle inter einen Hut zu bringen.

Teilt man Instrumente aus, hat man großes Glück, wenn sie hinterher alle noch funktionstüchtig sind. Außerdem muss man sich vor einem Ohrenschaden fürchten.

Klassenmusizieren benötigt von den Teilnehmenden ein hohes Maß an Disziplin, aufeinander zuzugehen, aufeinander zu hören, miteinander zu arbeiten, sich selbst zurückzunehmen, dynamisch zu reagieren. Das „ich“ ist dabei nebensächlich. Das „wir“ muss akzeptiert werden. Das Leise muss gehört werden.

Auch das ist ein riesengroßes Problem. Aus meiner Sicht ist das ebenfalls ein Spiegel unserer heutigen Gesellschaft.
Laut und sich selbst der Nöchste.

Weshalb sollen die Kinder dann anders ticken, wenn sie es nie so sehen – außer im Musikunterricht.

Ach ja, dann ist da noch die ungeliebte Musiktheorie, die sehr an Mathe erinnert. Das kann ja keiner verstehen, der das nicht will und dessen einuiges Argument ist: wofür brauche ich das später …. hmmmm …. wofür könnte man Bruchrechnen brauchen … Mustererkennung …. Anwendung von Regelmäßigkeiten …. Verwendung beider Hände gleichzeitig und dann vielleicht noch gleichzeitig singen und auf die anderen hören … Phasen hoher Konzentration aushalten … einüben von Handgriffen … Abstände ins Gefühl bekommen …. Feinmotorik … usw. …. braucht man das???

Manche können in der weiterführenden Schule noch nicht einmal ihre Finger richtig bewegen oder einen Handgriff, den man vormacht, nachmachen oder sich die Reihenfolge von drei Handgriffen hintereinander merken. Wie will man da musizieren?

Einfachste Beschreibungen wie „der erste Ton war höher als der zweite“ können nicht geäußert werden … wohlgemerkt, es handelt sich nicht um eine Grundschule und auch nicht um einen Kindergarten.

Das ist eine sehr traurige Entwicklung. Besonders, wenn man bedenkt, dass die Beschäftigung mit künstlerischen oder musischen Inhalten nachweislich stressmindern wirkt und aktives Musizieren das Gehirn in einer Weise schult wie kaum eine andere Beschäftigung.

Aber zum Schluss noch ein Lichtblick: ein kleiner Prozentsatz von SuS lässt sich auf das Musizieren ein, kümmert sich nicht um die blöden Kommentare von anderen (SuS und LuL (!)), lernt mit der eigenen Unvollkommenheit umzugehen, lernt das eigene Selbstvertrauen kennen, lernt Mitstreiter kennen, die sich alle gegenseitig stützen und die ähnlich denken … eine verschworene Gruppe … es ist noch nicht alles verloren – zum Glück.

Leseratte
25 Tage zuvor
Antwortet  Ça me fatigue

Kann ich genau so bestätigen.

Lisa
25 Tage zuvor

Junge Leute sind durchaus künstlerisch unterwegs, wenn auch oft nicht klassisch: sie schneiden ihre Filme, bearbeiten sie, zeichnen, malen, publizieren selbst -;Musik wird per KI erzeugt. Es ist schade, dass die Schule eine Art Notbetrieb aufrecht erhält und alles Schöne und Kreative verschwindet. Ich selbst bin dagegen, Kunst „nur“ als Tool für MINT zu begreifen, so macht man es den Krämerseelen halt schmackhaft.
Notengebung ist hier aber auch schwierig, das sehe ich selbst. Man kann nicht die künstlerische Qualität, man kann nur die Lösung einer Aufgabenstellung bewerten. Wer kriegt die 1? Monet oder Picasso?
Ansonsten gibt es natürlich auch eine politische Aussage, nämlich Widersprüche auch einmal aushalten zu müssen.

Ça me fatigue
25 Tage zuvor
Antwortet  Lisa

Für die Notengebung gibt es die Musiktheorie und das Zeigen von Bereitschaft und aktiver Teilnahme ohne Diskussion an Praxisübungen. Natürlich gehören auch Inhalte wie das Erstellen eigener Kurzvideos oder kurzer Musiksequenzen z.B. mit Hilfe von Onlineinstrumenten dazu. Das kann sogar zuhause geübt werden. Hier muss man dann die Einhaltung der Vorgaben benoten. Das ist kein Problem. Die künstlerische Ausarbeitung, das unterschiedliche Vorwissen oder die Musikalität darf logischerweise nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Individualist
25 Tage zuvor
Antwortet  Ça me fatigue

„darf … nur eine untergeordnete Rolle spielen“.
Also darf die Sportlichkeit auch nicht die Sportnote beeinflussen, mathematisches Talent nicht die Mathematiknote, Sprachtalent nicht die Note in Fremdsprachen usw. ???
Es ist wohl klar, dass musikalische Schüler, die ein Instrument spielen, immer eine gute Musiknote bekommen. Die werden im Regelfall auch der Musiktheorie nicht abgeneigt sein, sie können Noten lesen usw.

Ça me fatigue
24 Tage zuvor
Antwortet  Individualist

Ja klar … man kann alles so oder so auslegen … wie Sie möchten …

Generell sollten aber auch Kandidaten, die keinen privaten Musikunterricht erhalten, eine gute Note bekommen können. Diese müssen dann halt etwas mehr zuhause üben (Theorie).

Soetwas wie Singen würde ich in einer nomalen Lerngruppe (die nicht extra musisch orientiert ist) niemals benoten. Das bewirkt das Gegenteil von dem, was wir anstreben, nämlich Spaß am Musizieren und die Angst davor verlieren.

Wenn ich am Instrument etwas zeige und die Probanten irgendeinen Quatsch machen, das gibt negative Noten.
Sollten aber Griffwechsel an einem Instrument bei dem einen schneller klappen als bei dem anderen, so ist die ernsthafte Bemühung zu benoten, nicht das letztendliche Gelingen.
Da zuhause im Normalfall nicht geübt werden kann, ändert sich daran auch im Laufe der Zeit wenig. Da braucht man dann differenzierte Aufgabenstellungen.

Das ist in Mathe anders: Regeln, Abläufe und das 1×1 kann man auswendig lernen. Man sammelt mit der Übung Erfahrung, die das Vernetzen ermöglicht.
Das ist in Musik beim praktischen Musizieren in diesem Stadium nicht so. Erst ab einem gewissen Kenntnisstand ändert sich das, diesen erreicht man aber in normalen Klassen kaum.
Das gilt auch für Hörübungen. Wenn ich diese richtig benoten wollte, bräuchte ich wesentlich mehr Zeit zum Üben.

Wenn im Sport manche Übungen aufgrund des Körperbaus schwerer fallen, so empfinde ich auch dort die Benotung nach identschen Kriterien als unfair.

Kondition kann ich durch Übung auch zuhause erwerben. Beim Weitsprung ist das schon problematischer. Auch beim Geräteturnen kommt es auf den Körperbau an. Brillenträger haben es bei Ballspielen sicher nicht einfacher … usw …

Lisa
23 Tage zuvor
Antwortet  Ça me fatigue

In Kanada ist man dazu übergegangen, nicht universelle Noten zu geben, sondern in den musischen Fächern und Sport den persönlichen Lernfortschritt zu bewerten. Jedes Kind bekommt einen eigenen Lernplan mit Zielen.

potschemutschka
25 Tage zuvor
Antwortet  Ça me fatigue

Wie sagte mein Musiklehrer in der 7. Klasse: „Du hast den Text gelernt und dir viel Mühe gegeben. Du bekommst eine 2.“(nach dem gefürchteten Vorsingen). Das war damals einer meiner Lieblingslehrer, obwohl ich nicht über musikalisches Talent verfüge. Aber er hat die Liebe zur Musik in allen Schülern geweckt, nicht nur bei den begabten (mit „musikalischem Ohr“).

Johann Friedrich H.
25 Tage zuvor

Die Fächer Musik und Kunst können so viel mehr mögliche (!) Anknüpfungen an das Empfinden von Glück für Kinder und Jugendliche anbahnen, als ein in einer liberalen Demokratie übergriffiges eigenes „Fach Glück“. In Schulen, in denen „Coaching“ und „Kompetenzorientierung“ vor Bildung und Erziehung gehen, in die Randstellung dieser im besten Sinne klassischer Schulfächer nur folgerichtig.

Lena Hauenstein
25 Tage zuvor

Ich hätte gemutmaßt, dass es in beiden Bereichen nicht wirklich anständig bezahlte Stellen außerhalb der Schule gibt und darüber Lehrkräfte gewonnen werden. Evtl als Ein-Fach-Lehrende.
Nicht?

Bla
24 Tage zuvor

„Musisch-künstlerische Bildung in Schulen geht weiter den Bach herunter “
Johann Sebastian Bach?