Schülerrat fordert mehr Demokratiebildung – und mehr Mitsprache in der Schule

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SCHWERIN. An den Schulen ist viel zu tun, baulich und inhaltlich. Dabei wollen sich auch die Schüler selbst einbringen. Wie, das hat der Landesschülerrat Mecklenburg-Vorpommern in einem Grundsatzprogramm formuliert.

Demokratische Prinzipien in der Schule zu vermitteln, braucht Zeit. Foto: Shutterstock
Demokratie ist eine komplexe Staatsform, deren Abläufe und Mechanismen gelernt werden müssen. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Der Landesschülerrat in Mecklenburg-Vorpommern fordert, dass die Nazi-Diktatur früher als bisher Thema im Unterricht wird. Außerdem brauche es zusätzliche Angebote zur Stärkung der Medienkompetenz, um die kritische Distanz Jugendlicher zu rechtsextremen Thesen zu erhöhen. «Rechtsextremismus an Schulen nimmt zu, er wird verherrlicht, ignoriert und beschönigt», sagte die Schülerratsvorsitzende Leni Hein am Dienstag in Schwerin.

Die jüngst veröffentlichte Studie «Jugend in Deutschland» hatte gezeigt, dass 22 Prozent der 14- bis 29-Jährigen bei einer Wahl der AfD ihre Stimme geben würden (News4teachers berichtete) – bei der Europawahl war die AfD mit 17 Prozent unter Jungwählerinnen und Jungwählern als erfolgreichste Partei gleichauf mit der CDU hervorgegangen (News4teachers berichtete auch darüber). In drei Bundesländern wird die Partei, die auch bei den Europa- und Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern zur stärksten Kraft geworden war, vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. Bundesweit steht sie als «rechtsextremer Verdachtsfall» unter Beobachtung.

Hein stellte in Schwerin das elfseitige neue Grundsatzprogramm des Landesschülerrats vor, in dem jegliche Formen von Extremismus ausdrücklich abgelehnt wird.

«Die Sachen, die auf Tiktok verbreitet werden, werden einfach akzeptiert und als wahr angesehen»

Immer häufiger seien eingeritzte Hakenkreuze zu finden, Schüler würden Witze über die NS-Zeit machen und sich antisemitisch äußern, kritisierte der Schülerrat. Viele bezögen ihre Informationen dabei über Social-Media-Kanäle wie Tiktok. «Die Sachen, die auf Tiktok verbreitet werden, werden einfach akzeptiert und als wahr angesehen», sagte Hein.

Ein Faktencheck finde kaum statt. Und viele Schüler seien sich auch nicht bewusst, wie Algorithmen dafür sorgten, dass sie fortwährend mit solchen Nachrichten versorgt würden, begründete Hein die Forderung nach einer besseren Medienbildung. Zudem sollten Lehrer nicht weghören, wenn sich Schüler rassistisch oder diffamierend äußerten, sondern konsequent einschreiten und diejenigen zur Rede stellen.

«Schule muss der Ort sein, wo wir uns ungestört durch Hass oder Hetze auf ein weiteres Leben vorbereiten können»

«Wir fordern eine verstärkte Demokratie-Bildung an den Schulen und eine Partei-Bildung, welche neutral, aber nicht werteneutral ist», sagte Hein und weiter: «Schule muss der Ort sein, wo wir uns ungestört durch Hass oder Hetze auf ein weiteres Leben vorbereiten können.»

In seinem Grundsatzprogramm verlangt der Landesschülerrat, der laut Hein die Interessen von etwa 200.000 Schülern im Land vertritt, eine stärkere Beteiligung der Schüler bei der inhaltlichen und baulichen Gestaltung der Schule. Das betreffe Unterrichtsräume ebenso wie etwa Unterrichtsgestaltung, Lenrförderung oder außerschulische Aktivitäten.

Prüfungsabläufe sollen so gestaltet werden, dass der Leistungsdruck gemindert und dem sogenannten Bulimielernen vor Kontrollen – schnell rein, schnell raus – vorgebeugt werde. Die Schulverpflegung soll verbessert werden, indem mehr frische und regionale Produkte eingesetzt werden.

Mit dem Grundsatzprogramm zeige der Landesschülerrat, welche Themen ihm wichtig sind, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke). Auch bei der Landesregierung stünden differenzierter Unterricht, der Schüler individuell fördert, oder ein ansprechendes Lernumfeld in modernen Schulgebäuden besonders im Fokus. Zudem sei Mecklenburg-Vorpommern eines der wenigen Bundesländer, das mit dem Fach Informatik und Medienbildung ab Klasse 5 die digitalen Kompetenzen von Jugendlichen durchgehend fördere.

«Die Anregung, Lehrkräfte im Umgang mit innovativen Unterrichtsmethoden und digitalen Medien fortzubilden, nehme ich gerne auf. Weil das eine Daueraufgabe ist, bieten wir in jedem Jahr viele Fortbildungen dazu an», sagte die Ministerin und begrüßte ausdrücklich, dass der Landesschülerrat jegliche Formen von Extremismus ablehnt. Oldenburg verwies auf bestehende Präventionsprogramme wie «Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage» und kündigte an, dass das Fach Politische Bildung/Sozialkunde künftig nicht erst in Klasse 8, sondern schon in Klasse 7 beginnen werde. News4teachers / mit Material der dpa

Stoppt die Flut von Desinformation und Hetze, der Jugendliche ausgesetzt sind!

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Bremerin in NDS
1 Monat zuvor

Mehr Selbstlernzeit?

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Bremerin in NDS

Funktioniert nach meinen Erfahrungen nicht bei der Mehrheit der Schüler und umso schlechter, je weniger ernst die Schüler ihre Rolle als Schüler nehmen.

RainerZufall
1 Monat zuvor

Ich freue mich über das Engagement und die durchaus reflektierten Vorschläge.
Das die Gesellschaft keinen Bock hat, die Bikdung der KuJ zu verbessern, sollte kein Gegenargument sein

Canishine
1 Monat zuvor

Die Anregung, Lehrkräfte im Umgang mit innovativen Unterrichtsmethoden und digitalen Medien fortzubilden, nehme ich gerne auf. Weil das eine Daueraufgabe ist, […]“
Sehr nett, danke schön.
Diese Lehrer sind einfach so uninnovativ und antidigital, dass es ewig dauert, bis man sie, trotz der großen Heilsversprechen, zuerst an all die wunderbaren digitalen Medien gewöhnt, sie zur Nutzung in ihrem Unterricht überredet und zur selbstständigen Administration verpflichtet hat, und ihnen danach auch noch die Gefahren und Nachteile der Nutzung erklären muss, wenn sie wieder mal nicht heilsbringend eingesetzt wurden.
Liebe Schüler*innenvertreter*innen, ihr seid echt zu bedauern.

Katze
1 Monat zuvor
Antwortet  Canishine

Schülerrat fordert da war ich schon raus!

Alex
1 Monat zuvor

Warum nur habe ich den Eindruck, dass der Ruf nach mehr Demokratie immer nur dazu dient, eigene Interessen und Ideologien durchzusetzen und zu befriedigen, anstatt wirklich andere Meinung und Position mehr zu respektieren und nicht nur die eigene „Haltung“ als Maß aller Dinge anzusehen und von anderen als zustimmungspflichtig einzufordern?