Studie: Soziales Umfeld (samt Erziehungsstil der Eltern) beeinflusst, ob Kinder lügen

19

WÜRZBURG. So ziemlich jeder lügt mal – auch Kinder. Wie oft sie das tun, hängt laut einer Studie auch von ihrem Elternhaus ab. Die gute Nachricht: Kinder können lernen, ehrlicher zu sein.

«Ungleichheit entsteht sehr früh im Leben – auch bei der Bereitschaft zum Lügen.» Foto: Shuttersstock

Das soziale Umfeld und der Erziehungsstil der Eltern können beeinflussen, wie oft Kinder lügen. Das hat eine Studie ergeben, für die Forscher der Universitäten Würzburg, Bonn und Oxford rund 1600 Familien befragten sowie das Verhalten von Schulkindern und Eltern untersuchten. Kinder können demnach lernen, ehrlicher zu sein, wenn sie Zuwendung und Vertrauen erfahren.

In der seit 2011 laufenden Studie untersuchten der Würzburger Wirtschaftsprofessor Fabian Kosse und seine beiden Kollegen, welche Folgen Ressourcenmangel auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen hat. Die Bereitschaft zum Lügen sei dabei ein Teilaspekt, erläuterte Kosse.

Mentoren werden zu Bezugspersonen

Für die in der Fachzeitschrift «The Economic Journal» vorgestellte Studie begleitete das Team Kinder und deren Familien aus Köln und Bonn seit dem Grundschulalter, zum Großteil aus bildungsfernen und sozioökonomisch schwachen Haushalten. Darunter nahmen mehr als 200 zufällig ausgewählte Kinder ein Jahr lang an einem Mentoring-Programm teil, bei dem Ehrenamtliche einmal die Woche Zeit mit ihnen verbrachten, gemeinsam etwas Schönes unternahmen und so zu einer festen Bezugsperson wurden. Die übrigen Kinder kamen in die Kontrollgruppe. Kinder aus bildungsnahen Haushalten dienten als zusätzlicher Vergleich.

Dabei zeigte sich laut Kosse: «Ungleichheit entsteht sehr früh im Leben – auch bei der Bereitschaft zum Lügen.» In einem Experiment ließen die Wissenschaftler die Kinder würfeln und zuvor das Ergebnis ihres Wurfes vorhersagen. Stimmten Vorhersage und Ergebnis überein, durften sie sich einen kleinen Geldbetrag nehmen. Dabei waren sie unbeobachtet – es kontrollierte also niemand, ob es tatsächlich eine Übereinstimmung gab.

Wer Zuwendung erfährt, ist ehrlicher

Wie hoch der Anteil der Schummeleien jeweils war, wurde von den Forschern anhand statistischer Wahrscheinlichkeiten errechnet. Dabei zeigte sich: «Kinder, die am Mentorenprogramm teilgenommen hatten, waren im Gesamtergebnis ehrlicher», sagte Kosse. Während von ihnen 44 Prozent schummelten, waren es in der Kontrollgruppe ohne Mentoren 58 Prozent. Auch die Kinder aus bildungsnahen Haushalten logen demnach weniger. «Ein fürsorglicher und zugewandter Erziehungsstil steht mit weniger Lügen im Zusammenhang. Auch wenn Eltern eher bereit sind, ihren Kindern und anderen Menschen zu vertrauen, führt das zu mehr Ehrlichkeit», sagte Kosse.

Die Wissenschaftler werten das Ergebnis als langfristig wirkenden Erfolg für das Mentoring-Programm: Am Würfel-Experiment hatten die Kinder vier Jahre danach teilgenommen. Das zeige, dass frühkindliche Interventionen nicht nur die Leistungen eines Kindes verbessern, sondern auch sein soziales und moralisches Verhalten beeinflussen könnten, heißt es in der Studie. Mentoring-Programme seien eine wirksame Unterstützung gerade für Kinder aus Elternhäusern mit vergleichsweise wenig Anregungen und Fürsorge. News4teachers / mit Material der dpa

Der Fall Winterhoff und die „Tyrannenkinder“-These: Steckt dahinter der populistische Wunsch nach autoritärer Erziehung?

Anzeige


Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei

19 Kommentare
Älteste
Neuste Oft bewertet
Inline Feedbacks
View all comments
Heide Blume
15 Tage zuvor

Lügen gilt heutzutage nicht mehr als lässliche Sünde. Das Wort alleine wird kaum mehr gebraucht, auch Kindern gegenüber nicht. „Ich glaube, das hast du dir ausgedacht“, „da hast du ein bisschen geschummelt“, „Ihr Kind flunkert gern ein bisschen“, etc. heißt es da. Ehrlichkeit hat keinen großen Stellenwert mehr, weder bei Eltern noch bei Lehrkräften.

Indra Rupp
15 Tage zuvor

O, oh… haben die Mentoren nicht gelogen, als sie ein Vertrauen aufbauten und eigentlich nur experimentieren wollten…?

A.M.
15 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Danke!!!

Die Mentoren haben selbstverständlich „nicht direkt“ gelogen – und dadurch kann die Angelegenheit, wenn sie als Experiment von den Kindern begriffen wird, noch mehr Ent-täuschung bewirken.

Tests, Screenings, Dokumentationen… Wir haben allen Grund diese Errungenschaften auch kritisch zu sehen. Was machen wir Kindern vor? Erzieherinnen sitzen in Hexenschusshaltung mit Krippenkindern über ihren Ich-Büchern und schwärmen nicht selten davon, wie gern die Kinder dabei mitmachen. Doch wie stünde es um das freiwillige Mitmachen an der Dokumentiererei, wenn es regelmäßig mehr anderweitig Zuwendung unter vier Augen für die Jüngsten und keinen Feenstaub und keine Glitzersternchen zum Dekorieren geben würde?

Indra Rupp
15 Tage zuvor

Ein großes Problem mit Unehrlichkeit haben ja Grundschullehrerinnen, die Religion unterrichten!
So auch in meiner Verwandtschaft. Sie hat UNTERSCHRIEBEN, dass sie sich GESITTET verhält! Und wir NETTE VERWANDTE(!!!) , die wir nur ihr bestes wollen, haben zu jeder Feierlichkeit IMMER KAMILLENTEE im Küchenschrank vorrätig! Ehrlich. Sogar den guten von Teekanne! Niemand muss verdursten!
Und die große Liebe war doch sicher in trockenen Tüchern und die Hochzeit eh nicht weit. Man hätte warten können!
Aber immerhin sind die Kiddies NACH der Hochzeit geboren. Und eins hat sie noch mit 43 gekriegt, weil zu Öko zum verhüten. Brav! Der Pabst mag das auch nicht.

kazoo
15 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Ich kann Ihnen jetzt irgendwie überhaupt nicht folgen…

Ulrika
15 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Hier erschließen sich der Kontext zur Studie und die Relevanz für eine unbekannte Öffentlichkeit nicht wirklich.

Chefdenker
15 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Dieser Kommentar ist sehr wirr und erschließt sich mir nicht wirklich

Indra Rupp
15 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Natürlich Papst mit p wie Papa!

Lisa
14 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Ich versuche das zu deuten: Sprechen Sie über Heuchelei?

Indra Rupp
14 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Leute, ich rede von der Misio Cannabis!

Raucherpflaster
13 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Sie machen´s irgendwie grade nicht besser.
Und das mit dem Cannabis war mir schon bei Ihrem ersten Kommentar klar.

Indra Rupp
13 Tage zuvor
Antwortet  Raucherpflaster

🙂

Indra Rupp
13 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Missio Canonica

Indra Rupp
13 Tage zuvor
Antwortet  Raucherpflaster

🙂
Sie werden es nicht glauben , aber mein einziges Laster ist Schokolade!
Nein, ich meinte die Misio Cannonika – keine Lust, zu gucken, wie’s geschrieben wird. Bei uns allerdings die evangelische Variante. Kann man Verwandte, die das unterschreiben mussten, prima mit aufziehen. Die kriegen dann eben nur Kamillentee und werden zur Keuschheit ermahnt, am Kaffeetisch.

Ulrika
15 Tage zuvor

Was etwas verwirrt sind die Aussagen zur Stichprobe. Kinder „zum Großteil aus bildungsfernen und sozioökonomisch schwachen Haushalten“ stehen einer Kontrollgruppe von Kindern aus „bildungsnahen Haushalten“ gegenüber?! Was schwingt hier latent mit? Was wird hier wirklich untersucht, welche Stereotype werden bedient?

RainerZufall
15 Tage zuvor

Ok, aber gilt das nicht für fast alles? Lügen, klauen, beleidigen, schlagen usw?

Es scheint nicht viel mehr als der Beleg für die Sozialisation der Kinder zu sein oder darf ich die lügenden Eltern zu so einem Kurs schicken? (Die sagten, Ihr Kind habe nie gelogen :P)

Katze
15 Tage zuvor

Besonders bein Noten- Würfeln lügen sich zunehmend mehr KuK in die eigene Tasche. Begabte leistungsorientierte SuS durchschauen das falsche Spiel und finden die Lüge der Supi-Noten- Gleichmacherei zum Kotzen.
Doch nicht die Schummel-KuK müssen bei der Schulleitung Buße tun sondern diejenigen, welche ein realistisches Feedback geben, werden in eine Rechtfertigungsposition gedrängt.
Lügen haben kurze Beine, aber mancher opportunistische Lügner sitzt am längeren Hebel.

Hmm...
14 Tage zuvor

Vielleicht waren den Kindern aus den bildungsnahen Haushalten die kleinen Geldbeträge auch einfach weniger wichtig, weil sie selbst genug Geld zur Verfügung haben?

Aus meiner Erfahrung:
Ja, Kinder aus bildungsfernen Schichten erwischt man häufiger bei einer Notlüge oder Ausrede. Möglicherweise stellen sie sich dabei aber auch nur ungeschickter an.

Die großen, vorsätzlichen Lügen (ohne rot zu werden, ohne Rücksicht auf andere) kamen bei meinen Schülern zumeist von Kindern aus bildungsnahen Elternhäusern.
Bei einer „Geschichte“ hatte ich sogar den Verdacht, dass sie von den Eltern (Rechtsanwälte) konstruiert wurde. Dabei wurde das eigentliche Opfer als Täter hingestellt.

Lisa
14 Tage zuvor
Antwortet  Hmm...

Ja, diesen Verdacht hatte ich auch. Und dass gegenüber eher unterkomplexen Erwachsenen gelogen wird, weil die Wahrheit zu kompliziert ist. Die Lüge bricht die Wahrheit runter.