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Warum es immer noch vergleichsweise wenige Lehrkräfte mit Migrationshintergrund gibt – und wieso das ein Problem ist

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HANNOVER. Der Anteil von Lehrkräften mit Migrationshintergrund bleibt deutlich hinter der Zusammensetzung der Schülerschaft zurück. Während nach aktuellen Angaben des Mediendienstes Integration im Jahr 2025 rund 15 Prozent der Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen eine entsprechende Biografie hatten, lag ihr Anteil unter den Schülerinnen und Schülern bei 43 Prozent. Gleichzeitig zeigen Studien, dass junge Menschen mit Migrationsgeschichte seltener ein Lehramtsstudium aufnehmen – und dass viele Lehrkräfte mit Migrationsgeschichte Diskriminierungserfahrungen machen müssen. In ihrem Kollegium.

Lehrkräfte mit Migrationshintergrund gelten vielfach immer noch als Exoten. (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

Döndü Kara erzählt von einer Begegnung, die ihre besondere Rolle an der Schule deutlich macht. „Eine Schülerin meinte neulich: ‚Sie sind wie eine Mutter‘“, sagt die 31-Jährige, die an einer Haupt- und Realschule im niedersächsischen Städtchen Ostrhauderfehn unterrichtet, gegenüber dem Klett-Themendienst. Kara, zweisprachig mit Deutsch und Türkisch aufgewachsen, beschreibt sich selbst als „Seelsorgerin und Brückenbauerin“. Zu ihr kommen Schülerinnen und Schüler mit sehr unterschiedlichen Anliegen: seien es Fragen zur Befreiung vom Unterricht während des Ramadans, familiäre Konflikte oder persönliche Probleme. Auch Kolleginnen und Kollegen suchen ihren Rat, wenn es um den Umgang mit zugewanderten Familien geht. Ihre eigene Biografie wird dabei Teil ihrer professionellen Rolle.

Nach Angaben des Mediendienstes Integration hatten 2025 bundesweit rund 15 Prozent der Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen einen Migrationshintergrund. Unter den Schülerinnen und Schülern lag der Anteil allerdings im selben Jahr bei 43 Prozent. Die Differenz verweist auf eine deutliche Unterrepräsentation. Zugleich zeigt sich, dass der Weg in den Lehrerberuf für Menschen mit Migrationsgeschichte mit spezifischen Hürden verbunden ist.

Eine Studie aus dem Jahr 2021 kommt zu dem Ergebnis, dass Studienberechtigte mit Migrationshintergrund deutlich seltener ein Lehramtsstudium aufnehmen als Gleichaltrige ohne Migrationsgeschichte. Als zentrale Gründe nennt die Untersuchung zum einen strukturelle Faktoren: Der Lehrerberuf wird von vielen Befragten als wenig attraktiv wahrgenommen, insbesondere wegen begrenzter Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb des Systems. Anders als in anderen akademischen Berufen sind Karrierewege stärker vorgezeichnet, Leitungspositionen rar und häufig mit zusätzlichen Hürden verbunden.

Unterrichtseinheit zu Vorurteilen und Diskriminierung
  • Praxisnahe Materialien für die Klassen 9/10 für einen reflektierten Umgang mit Stereotypen im Alltag


Jeder Mensch hat Vorurteile. Sie helfen, die Welt schneller einzuordnen – und werden zugleich zum Problem, wenn sie unreflektiert bleiben. Genau hier setzt diese Unterrichtseinheit an: Sie macht sichtbar, wie Vorurteile entstehen und wie sie unser Denken und Handeln beeinflussen.

Die Materialien führen Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 und 10 an die psychologischen Hintergründe von Vorurteilen heran und zeigen, wie Diskriminierung sowohl im Alltag als auch in digitalen Räumen wirkt. In Rollenspielen versetzen sich die Lernenden in verschiedene Perspektiven – als Handelnde und als Betroffene – und setzen sich so intensiv mit ihrem eigenen Verhalten auseinander.

Lehrkräfte erhalten ein klar strukturiertes, sofort einsetzbares Materialpaket für etwa acht Unterrichtsstunden. Themen wie Mobbing und Cybermobbing, Rassismus im Alltag oder das Blue-Eyed-Experiment werden anschaulich und schülernah aufgearbeitet.

Hier lässt sich die Unterrichtseinheit (32 Seiten, PDF-Datei, 32,49 €) kaufen und herunterladen.

Zum anderen verweist die Studie auf das gesellschaftliche Ansehen des Berufs, das von den Befragten als vergleichsweise niedrig eingeschätzt wird. Diese Wahrnehmung wirkt sich nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren besonders stark auf junge Menschen aus Familien aus, in denen Bildungserfolg eng mit sozialem Aufstieg verbunden ist. Hinzu kommen biografische Erfahrungen: Diskriminierungserlebnisse während der eigenen Schulzeit sowie das Fehlen von Lehrkräften mit ähnlichem Hintergrund können die Entscheidung gegen den Lehrerberuf verstärken. Der Beruf erscheint dann nicht als ein Ort, an dem eigene Zugehörigkeit selbstverständlich ist, sondern als ein Umfeld, in dem sie immer wieder infrage gestellt werden könnte.

Dazu kommen strukturellen Hürden. Der Mediendienst Integration verweist auf langwierige Anerkennungsverfahren für ausländische Abschlüsse, hohe sprachliche Anforderungen und die Notwendigkeit zusätzlicher Qualifikationen. Viele zugewanderte Lehrkräfte müssten ein zweites Fach nachstudieren, weil ihre Abschlüsse nicht vollständig anerkannt werden. Diese Prozesse verzögern den Zugang zum Schuldienst erheblich und tragen dazu bei, dass vorhandene Potenziale nur eingeschränkt genutzt werden.

„Sie sind doch Kurde, sprechen aber wie ein Deutscher. Kann man denn als Kurde in Deutschland Lehrer werden?“

Osman Kösen beschreibt, wie stark Herkunft im schulischen Kontext wahrgenommen wird. Der Lehrer, heute im niedersächsischen Kultusministerium tätig, berichtet dem Klett-Themendienst von früheren Reaktionen seiner Schülerinnen und Schüler: „Sie sind doch Kurde, sprechen aber wie ein Deutscher. Kann man denn als Kurde in Deutschland Lehrer werden?“

Kösen leitet daraus ein grundlegendes Problem ab. Viele Kinder hätten das Gefühl, sich entscheiden zu müssen – zwischen Zugehörigkeiten, die im Alltag eigentlich parallel existieren. Seine Aufgabe sieht er darin, diese Dichotomie aufzubrechen.

Die Forschungslage, auf die sich der Mediendienst Integration stützt, zeichnet ein differenziertes Bild dieser besonderen Rolle. Lehrkräften mit Migrationshintergrund wird häufig zugeschrieben, dass sie aufgrund ihrer Biografie besser mit Vielfalt umgehen könnten. Studien deuten darauf hin, dass sie sich in diesem Bereich tatsächlich mehr zutrauen und ihre Empathiefähigkeit stärker ausgeprägt sein kann als bei Kolleginnen und Kollegen ohne entsprechende Erfahrungen. Gleichzeitig betonen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass der Umgang mit Vielfalt keine Aufgabe einzelner Lehrkräfte sein dürfe, sondern strukturell im Bildungssystem verankert werden müsse. Viele Betroffene selbst lehnen einen Sonderstatus ab und verstehen sich als „selbstverständlicher Bestandteil des Kollegiums“.

Besim Enes Bicak, Lehrer an einem Gymnasium in Wolfenbüttel, beschreibt die Auseinandersetzungen, die sich daraus im Schulalltag ergeben. In seinem Kollegium werde kontrovers diskutiert, etwa über die Bedeutung religiöser Praxis. „Bei einigen fehlt das Verständnis dafür, dass Religion für viele Muslime ganz wichtig ist. Das zeigt sich zum Beispiel zu Ramadan, wenn Schülerinnen und Schüler tagsüber fasten“, sagt Bicak laut Klett-Themendienst. Er versucht, diese Perspektiven zu vermitteln, und organisiert interkulturelle Abende.

„Nicht die ethnische, sondern die soziale Herkunft entscheidet über den schulischen Erfolg“

Könnten mehr Lehrkräfte mit Migrationshintergrund die Chancengerechtigkeit im Bildungssystem verbessern? Studien zeigen, dass der Einfluss von Lehrkräften mit Migrationshintergrund auf den Lernerfolg nicht eindeutig ist. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2016 fand laut Mediendienst Integration keine signifikanten Leistungsunterschiede in Mathematik und Deutsch. Andere Studien verweisen jedoch auf spezifische Effekte, etwa im Sprachunterricht: So konnte eine Untersuchung zeigen, dass die Lesekompetenz von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund an Hauptschulen besser war, wenn sie von Lehrkräften mit ähnlicher Biografie unterrichtet wurden. Darüber hinaus wird ein Vorbildeffekt beschrieben: Schülerinnen und Schüler fühlten sich eher verstanden und unterstützt.

„Die Chancengleichheit ist ein großes Thema, dafür muss mehr getan werden“, meint auch Besim Enes Bicak. Er betont allerdings: „Nicht die ethnische, sondern die soziale Herkunft entscheidet über den schulischen Erfolg.“

Gleichwohl bekommen selbst Lehrkräfte mit Migrationshintergrund im Schulalltag Diskriminierung und Rassismus zu spüren – weit überwiegend aus dem Kolleg*innenkreis. In einer Befragung von 159 Referendarinnen, Referendaren und Lehrkräften mit Migrationshintergrund gaben laut Mediendienst Integration 60,4 Prozent an, mindestens einmal selbst Rassismus am Arbeitsplatz erlebt zu haben. 65,5 Prozent berichteten, dass die Diskriminierung aus dem Kollegium kam. 27,8 Prozent nannten Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern als Quelle solcher Erfahrungen.

Befunde, die der Bildungsforscher Prof. Karim Fereidooni zusammengetragen hat, zeigen, wie diese Erfahrungen im schulischen Alltag konkret aussehen. Lehrkräften werde demnach häufig das Deutschsein abgesprochen, obwohl sie in Deutschland geboren und sozialisiert sind. Mit dieser Zuschreibung gehe nicht selten eine Infragestellung ihrer fachlichen Kompetenz einher. Die implizite Botschaft sei, so Fereidooni, dass nur „richtige Deutsche“ als gute Lehrkräfte wahrgenommen würden.

Seine Studie beschreibt zudem strukturelle Muster. Lehrkräfte mit zugeschriebener Migrationsgeschichte berichten, dass sie mehr leisten müssten, um als gleichwertig anerkannt zu werden. Gleichzeitig würden sie für selbstverständliche Leistungen übermäßig gelobt und damit als „Ausnahmen“ markiert. Fereidooni fasst dies als „Konstruktion doppelter Standards“ und „Zuschreibung doppelter Andersartigkeit“. Auch Sprache und Religion werden zu Anknüpfungspunkten von Abwertung: Akzente, Mehrsprachigkeit oder eine zugeschriebene muslimische Identität führen demnach zu wiederkehrenden Diskriminierungserfahrungen.

Auch Osman Kösen hat Vorbehalte im Kollegium erlebt. „Ein Kollege hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich als Sportlehrer auch Schwimmen unterrichten muss. Er konnte sich wohl nicht vorstellen, dass jemand wie ich aufgrund meiner Herkunft schwimmen kann.“ Kösen beschreibt seine Rolle deshalb als unfreiwillig erweitert: „Man ist Erklärer, wird auf Erdogan angesprochen, ist Dolmetscher, alles zusätzlich zum normalen Berufsalltag.“ News4teachers 

Hier lässt sich eine ausführliche Zusammenfassung der Studie von Prof. Fereidooni gratis herunterladen. 

„Kinder mit Migrationshintergrund sind nicht schuld an den Problemen“: Dilek Engin, Bildungspolitikerin – und Lehrerin

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ùnfassbar
4 Tage zuvor

2013 war der Anteil Lehrer mit Migrationshintergrund noch bei 8%. Da sind die 15% durchaus ein Erfolg, besonders weil die Arbeitsbedingungen ungleich schlechter wurden.

Man könnte es auch positiv formulieren: Die Migranten sind viel vernünftiger als die Nichtmigranten, weil die nicht so dumm sind und Lehrer werden wollen.

Thomas
4 Tage zuvor
Antwortet  ùnfassbar

Stimmt,
noch fehlt die flächendeckende 35 Stunden Woche und der eingesetzte Hybridunterricht um allen jüngeren Generationen ab 2005 gerecht zu werden!

Realist
4 Tage zuvor
Antwortet  ùnfassbar

Die Migranten sind viel vernünftiger als die Nichtmigranten, weil die nicht so dumm sind und Lehrer werden wollen.”

In vielen Kulturkreisen ist der Beruf des Lehrers eher in der unteren Dienslteistungskaste einzuordnen.Außnahmen bilden hier nur die Asiaten (konfuzianische Tradition) und das Westeuropa (ohne Großbritiannien) der 1970er bis ca. Anfang der 2000er-Jahre.

Utopia
4 Tage zuvor

Ich selbst habe als Lehrkraft mit türkischem Migrationshintergrund auch Diskriminierungserfahrungen machen müssen, und zwar bisher an jeder Schule, an der ich tätig war. Ein Armutszeugnis für Deutschland.

DerechteNorden
4 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Oh ja, das wprde mich sehr freuen.
Mich interessiert auch, woher @Utopia stammt. Bei uns an der Schule ist das nämlich kein Thema. Unsere “Nr.2” ist nämlich türkischstämmig.

Rainer Zufall
3 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

“Unsere “Nr.2” ist nämlich türkischstämmig.”

Wie stellen Sie sicher, dass die dann hier geschilderten „Erfahrungen“ kein Fake sind?
Kleiner Scherz 😉

Mika BB
4 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Wie stellen Sie sicher, dass die dann hier geschilderten „Erfahrungen“ kein Fake sind?

potschemutschka
3 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Gibt es eigentlich nur “russische Bots”? Ich dachte es gibt viele, weltweit … und auch verschiedene “deutschstämmige”. Warum also so einseitig?

Rainer Zufall
2 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka
Vera
4 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Ich habe auch einen Migrationshintergrund und nie Diskriminierungserfahrungen gemacht, ganz im Gegenteil. Ich fühle mich von den Schülern, im Kollegium und von der Schulleitung wertgeschätzt. Ich habe zudem den Eindruck, dass es schon etwas ausmacht, wenn SchülerInnen mit Migrationshintergrund erfahren, woher mein orientalischer Nachname stammt. Ich glaube, dass vor allem Mädchen sich bei mir trauen, mehr aus sich herauszugehen. Es kann aber auch sein, dass ich mir das einbilde…

mama51
3 Tage zuvor
Antwortet  Vera

Nein, Sie bilden sich da wirklich gar nichts ein! 🙂
Auch unsere Kolleginnen (!) mit Migrationshintergrund sind sehr wertgeschätzt und bei allen beliebt! Und eben auch besonders bei den Mädchen. Sogar die Jungs haben den nötigen Respekt!

Rainer Zufall
3 Tage zuvor
Antwortet  Vera

Wie stellen Sie sicher, dass die dann hier geschilderten „Erfahrungen“ kein Fake sind? 😛
https://www.news4teachers.de/2026/04/warum-es-immer-noch-vergleichsweise-wenige-lehrkraefte-mit-migrationshintergrund-gibt-und-wieso-das-ein-problem-ist/#comment-800341

Aber im Ernst, ich freue mich aufrichtig für Sie, dass sie diesbezüglich keine schlechten Erfahrungen machten, dies negiert aber die statistisch erhobenen Anteil der Menschen nicht, welche diese negativen Erfahrungen machen mussten

Vera
2 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Ich kann nichts sicherstellen und will auch nichts negieren.
Ich bin seit 26 Jahren im Schuldienst, und dies ist MEINE Erfahrung! Unfreundliche Menschen gibt es überall, das hat aber nichts mit meiner Herkunft zu tun. Die sind auch gegenüber anderen unfreundlich… Ich habe auch immer wieder erlebt, wie vor allem gegenüber deutschen Kollegen die Rassismus-Karte gespielt wurde… Das muss auch nicht sein.

Rainer Zufall
2 Tage zuvor
Antwortet  Vera

Freut mich für Sie und Sie können das Verhalten der Kolleg*innen ja mal besprechen, aber repräsentativ für die Lage in Deutschland ist es – leider – überhaupt nicht 🙁

Utopia
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Geboren und aufgewachsen in einer Kleinstadt erlebe ich Diskriminierung seit ich denken kann. Wollte ich alles schildern, wäre das bereits ein halber Roman. Ein kleines Beispiel: Ich wurde auf offener Straße einmal als „Kanacke“ beschimpft, auch mal als Türkentussi bezeichnet. Diskriminierung zieht sich durch mein ganzes Leben wie ein roter Faden; so könnte man es formulieren. Nun mit über 40 Jahren hat sich nicht viel verändert. Vielleicht sollte ich tatsächlich ein Buch schreiben.

Mario
4 Tage zuvor
Antwortet  Utopia

Nicht nur als Lehrkraft wurden GastarbeiterInnen und deren Familien, gerne auch die Kinder aus binationalen Ehen- wo es noch absurder war- in Richtung Frendsein abgedrängt! Hat man die 80 und 90 er Jahre hier nicht erlebt, dann erscheint einem heute vielleicht vieles sehr positiv

dickebank
4 Tage zuvor
Antwortet  Mario

D ist eben kein Einwanderungsland – jahrzehntelange Grundüberzeugung der CDU, liegt in deren DNS.

emma
4 Tage zuvor
Antwortet  Utopia

Ach du je. Das es sowas noch gibt. Bei uns ist man Lehrer und Punkt.

mama51
3 Tage zuvor
Antwortet  emma

Geeenau! 🙂

Rainer Zufall
3 Tage zuvor
Antwortet  emma

Drücke Ihnen die Daumen, dass alle in Ihrem Kollegium es so sehen. Statistisch gibt es leider einzelne, welche da nicht so kollegial und tolerant sind wie Sie 🙁

Bootsmann.auf.der.Scholle
4 Tage zuvor
Antwortet  Utopia

Ich halte dagegen (wenn man nicht gerade im tiefsten Osten sein mag) und behaupte, dass man mit offenen Armen empfangen wird.

Die Diskriminierung verläuft eher nach Geschlecht (als Mann).

Gerne kann hier 447 auch seine Erfahrungen mitteilen.

447
3 Tage zuvor

Ich persönlich, aber auch meine Eltern bzw. Familie haben keine Diskriminierungserfahrungen gemacht, die man so nennen könnte oder unter normalen Menschen (nicht Verstrahlte, die aus “Wo kommt ihr her?” schon pflasterknallende Stiefel konstruieren)

Ok, einmal (einmal!) ‘ne männerhassende Seminarleiterin…aber das muss man mal ins Verhältnis setzen, im Vergleich zur ganzen Kindheit/Jugend/Studium. Ganz ehrlich, statistisches Rauschen.

Mit-SuS waren natürlich neugierig über unser (obskures) Balkanland…aber echte Diskriminierung, Herabsetzung, Benachteiligung? Nö.

Es gab allerdings auch eine klare Zielsetzung beginnend bei den Großeltern, es “hier” richtig zu machen,weil wir eben für unsere Anstrengungen auch fair entlohnt, befördert wurden usw….was in unserem Ex-Heimatland bis heute fraglich ist ohne connections.

Utopia
1 Tag zuvor

Dann beglückwünsche ich Sie zu Ihrem Optimismus. Die Realität sieht aber leider anders aus. Fragen Sie zB mal kopftuchtragende Lehrerinnen.

Susanne M.
4 Tage zuvor

Das es wenige Lehrer mit Einwanderungsgeschichte gab, lag viele Jahre auch mit an der Staatsbürgerschaft. Nur mit deutschem Pass kann man ja verbeamtet werden. Das hieß, gerade in Zeiten, in denen viel verbeamtet wurde, wurde den ausländischen Lehramtsstudenten, die es nämlich durchaus gab, zu verstehen gegeben, dass sie a priori von Privilegien ( ich weiss, wie viele zur Verbeamtung stehen. Aber ich kenne sie noch als das deutsche Ideal) ausgeschlossen sind. Das sie dann lieber doch etwas Anderes studieren, kann man nicht verdenken.
Arzt oder Anwalt ist auch noch prestigeträchtiger als Lehramt.
Die Sprache könnte mit ein Problem sein, Kenne doch einige Kommilitonen, die erst Deutschlehrer werden wollten, dann aber auf Mathematik umgestiegen sind, weil sie Sorge hatten, das muttersprachliche Niveau nicht zu erreichen.
Die Frage, ob man aber überhaupt darf, habe ich von Schülern dagegen nie gehört, bin jedoch auch schon ein Weilchen draußen. Hat sich der Zugang so verschlechtert?

ùnfassbar
4 Tage zuvor
Antwortet  Susanne M.

EU-Ausland ist kein Problem für die Verbeamtung. Man gilt dann — so wie ich — als Bildungsinländer.

Mario
4 Tage zuvor
Antwortet  ùnfassbar

Stimmt, bereits in den 90 er Jahren war es ein Fall für den Europäischen Gerichtshof! Eine Britin in der BRD, Franzosen in Italien, wenn ich nicht falsch liege!

dickebank
4 Tage zuvor
Antwortet  Mario

Bis zum Brexit, der Briten wieder zu Ausländern gemacht hat.

Susanne M.
4 Tage zuvor
Antwortet  ùnfassbar

Ich hatte türkische und damals noch aus sämtlichen ehemaligen Sowjetrepubliken Studiumskollegen.
Aber es freut mich, dass sich zumindest für die EU- Bürger die Situation verbessert hat.

Mika BB
4 Tage zuvor
Antwortet  Susanne M.

Sie gehen davon aus, dass die Verbeamtung, die ja nur auf Wunsch des Betreffenden erfolgt, das entscheidende Kriterium für die Berufswahl “Lehrkraft“ ist? Anderenfalls zieht Ihr Argument nicht.

Susanne M.
3 Tage zuvor
Antwortet  Mika BB

So war meine erste Stelle nicht. Da hat man mir explizit eine ” Beamtenstelle” angeboten. Gewünscht habe ich nix, aber mich gefreut. 🙂

Pädagogische Fachkraft
4 Tage zuvor
Antwortet  Susanne M.

Nein, alle EU-Bürger können in Deutschland genau wie Deutsche verbeamtet werden, wenn sie ansonsten fachlich dieselben Leistungen vorweisen können wie deutsche Staatsbürger.

DienstnachVorschrift
4 Tage zuvor

Da wäre ich Mal auf die Quote in den ostdeutschen Bundesländern gespannt. An meiner Schule in so einem Bundesland gibt es eine! Lehrkraft mit Migrationshintergrund und diese wurde als Quereinsteigerin erst vor kurzem eingestellt. Das ist natürlich nicht ganz so einfach für die Frau, besonders auch bei der Schülerschaft.

Birgit Möller
3 Tage zuvor

Da kann ich gegensteuern: wir haben 5 unbefristete Vollzeitkollegen aus Rumänien, Ägypten, Russland und der Türkei. Alle anerkannt bei den Schülern und dem Team.

Angestellte Lehrkräfte
4 Tage zuvor

Schaut euch mal die Namen bei den Schulämtern an, die Zusammensetzung des Personals wirkt wenig vielfältig.

Rainer Zufall
4 Tage zuvor

Uff. Viel Luft nach Oben -__-

Bezüglich der Ausbildung würde ich sagen, dass mangelnde Aufstiegschancen, schlechte Vorerfahrungen und geringes Prestige auf alle potentiellen Bewerber*innen zutreffen – siehe Lehrkräftemangel…

Dass man sich in der Zugehörigkeit “entscheiden” soll, ist leider derzeit gesellschaftlicher Trend (wenn man den Lautesten glaubt)

Schotti
4 Tage zuvor

Ich denke, dass hauptsächlich die extrem schlechten Arbeitsbedingungen für den niedrigen Migrantenanteil verantwortlich sind. Wer Akademiker ist, der hat halt eine deutlich bessere Auswahl an Arbeitgebern zur Verfügung.

447
3 Tage zuvor
Antwortet  Schotti

Und oft zudätzlich ‘ne zweite Sprache in Petto…da sieht die Welt anders aus

GBS-Mensch
3 Tage zuvor
Antwortet  Schotti

“Ich denke, dass hauptsächlich die extrem schlechten Arbeitsbedingungen für den niedrigen Migrantenanteil verantwortlich sind.”

Weil sich migrantentypische Jobs durch extrem gute Arbeitsbedingungen auszeichnen?
Aber es scheint schon so zu sein, dass aufstiegswilligen Migranten sich wohl mehr an den harten Fakten orientieren aka Kohle.

Ich persönlich hätte allerdings auch keine Lust zum (inoffiziellen) Ramadanbeauftragten oder Erklärbären für kulturelle Eigenheiten aus aller Welt gemacht zu werden, bloß weil ich einen Migrationshintergrund habe.

447
2 Tage zuvor
Antwortet  GBS-Mensch

Zweiter Absatz: Ja.

mama51
3 Tage zuvor

Dazu kommen strukturellen Hürden. Der Mediendienst Integration verweist auf langwierige Anerkennungsverfahren für ausländische Abschlüsse, hohe sprachliche Anforderungen und die Notwendigkeit zusätzlicher Qualifikationen. *

DAS sehe ich als das Hauptproblem! Ausgenommen die sprachlichen Anforderungen, [okay(!), das muss sein!], könnte man tatsächlich glauben, nur in Deutschland würden gute / sehr gute LuL sowie EuE ausgebildet.
Diese i.m.A. Arroganz und Ignoranz gegenüber der ausländischen Pädagogikausbildung empfinde ich bereits als sehr diskriminierend Und ob ein, zwei oder drei “studierte” Fächer…, meine Güte, das sollte doch wohl das geringste Problem sein.

  • Das gleiche gilt natürlich auch für andere Fachgebiete bspw. Ärzte, Pflegepersonal, …u.v.a., die mMn tw besser ausgebildet sind als “Deutsche”!

Aber die deutsche Hypris ist in vielen Bereichen kaum zu toppen: Nur WIR (Deutschen) sind die Besten, die Schönsten, die Klügsten, bla,bla,bla… Und dabei fährt das Schulsystem mit Karacho an die Wand. 🙁

Rainer Zufall
3 Tage zuvor
Antwortet  mama51

Ist meiner Meinung nach weniger Hybris als das – inzwischen überhaupt nicht mehr zeitgemäße – Selbstverständnis, ein attraktives Ziel für alle (!) Migrant*innen zu sein (Wer es sich leisten kann, erspart sich die AfD-Gesellschaft).

Ist immer noch nicht im Bewusstsein des Landes angekommen, Migration zu brauchen, was wir absolut tun! (https://www.zeit.de/wirtschaft/2025-06/kosten-migration-integration-sozialleistung-finanzen-nutzen)

Stattdessen verschwenden wir Geld UND bremsen Arbeitswillige aus, indem wir Leistungsnachweise nicht anerkennen und lächerlich hohe Hürden für Arbeitgeber (!) ansetzen, bevor diese Flüchtlinge einstellen dürfen.
Offenbar haben wir noch genügend Geld für gefühlte Wahrheiten Unbeteiligter, bevor wir zu wirtschaften bereit sind…

potschemutschka
3 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Können Sie Ihren ersten Absatz bitte noch einmal in verständlicher Sprache formulieren! Ich habe ihn mehrmals gelesen und es erschließt sich mir nicht, was Sie damit aussagen wollen!

Rainer Zufall
3 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka

Früher konnte Deutschland sich wirtschaftllich die DIskussion leisten, ob es ein Einwanderungsland ist, heute nicht.
Menschen, die es sich leisten können, migrieren in modernere und tolerantere Länder.
Trotzdem legen wir potenziellen Arbeitnehmer*innen bürokratische Hindernisse wider besseren Wissens in den Weg, obwohl alle profitieren würden.

Hans Malz
2 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

In die USA oder nach China zum Beispiel

Rainer Zufall
2 Tage zuvor
Antwortet  Hans Malz

Für Menschen mit Geld, JA.

Mario
2 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Bitte erklären, wer da besser als die BRD ist, praktisch ungelernte Kulturfremde aufzunehmen

Feirefiz
3 Tage zuvor
Antwortet  mama51

Das sehe ich nicht so. Zum einen gibt es teilweise massive Unterschiede im Umgang mit den Schülern, beispielsweise ist der Unterricht etwa in der Türkei oder in Osteuropa stark hierarchisch geprägt. Eine Lehrkraft aus einem dieser Herkunftsländer muss sich damit auseinandersetzen, was ihn/sie hierzulande erwartet und wie man damit umgeht. Ohne Wissen zum Schulrecht kann man die Lehrkräfte nicht einsetzen, zu ihrem eigenen Schutz. Und beim Thema ein Fach sehe ich teilweise grässliche Deputate mit extrem vielen Klassen und eventuelle Abordnungen vor mir, insbesondere bei Nebenfächern. Für die Schulen sind KuK mit nur einem Fach planungstechnisch eine Herausforderung.

Faktencheck
2 Tage zuvor

Was in dem Artikel fehlt, ist der relative Bezug zum gesellschaftlichen Wandel. Um Lehrer zu werden, muss man in der Regel Ü25 sein. Schaut man sich die Gesellschaft vor dem Jahr 2000 an, fällt auf, dass ein Anteil von 15 % Migrationshintergrund gar nicht unterrepräsentiert erscheint. Soll heißen, man kann die Zahl nicht mit denen der Schüler vergleichen und bei den aktuell 43 % Schülern mit Migrationshintergrund erst in 20 Jahren davon sprechen, dass 15 % bei Lehrern eine Unterrepräsentanz bedeutet.