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Warum Schulen Beziehung statt Kontrolle brauchen – ein Gastkommentar

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STUTTGART. Die Bildungskrise zeigt sich längst nicht mehr nur in Unterrichtsausfall, Fachkräftemangel oder schlechten Testergebnissen. Immer häufiger berichten Schulen von erschöpften Lehrkräften, überforderten Kindern und eskalierenden Konflikten im Alltag. Die klinische Psychologin, Lerntherapeutin und Stifterin Dr. Helga Breuninger sieht darin kein Randphänomen, sondern ein strukturelles Problem des Schulsystems selbst. Nach jahrzehntelanger Arbeit mit Schulverweigerern plädiert sie für einen grundlegenden Perspektivwechsel: weg von Kontrolle und Defizitblick, hin zu Beziehung, Resonanz und psychischer Sicherheit.

Plädiert für einen „radikalen Perspektivwechsel“: Helga Breuninger. Illustration: News4teachers

Der Ausweg aus der Bildungskrise – Warum Schulen Beziehung statt Kontrolle brauchen

Deutschland steckt in einer tiefen Bildungskrise. Doch die Ursachen liegen nicht nur in fehlenden Lehrkräften, maroden Gebäuden oder zu wenig Digitalisierung. Die Krise reicht tiefer — sie betrifft das emotionale Fundament unseres Schulsystems.

Der internationale UNICEF-Bericht 2026 zeigt ein alarmierendes Bild: Beim Wohlbefinden von Kindern landet Deutschland nur auf Platz 25 von 37 untersuchten EU- und OECD-Staaten. Noch schlechter schneidet Deutschland bei den Bildungsdaten ab: Platz 34 von 41 vergleichbaren Ländern (News4teachers berichtete).

Das ist kein Zufall. Viele Schulen funktionieren noch immer nach einem Prinzip, das aus einer anderen Zeit stammt: enge Zeitvorgaben, Stoffdruck, permanente Bewertung und hoher Anpassungszwang. Ursprünglich orientierte sich Schule stark an militärischen Organisationsformen. Auch wenn sich die Sprache modernisiert hat, ist die Grundlogik oft dieselbe geblieben: funktionieren, leisten, gehorchen.

Doch Menschen lernen nicht gut unter Dauerstress. Neurobiologisch führt chronischer Druck dazu, dass sich Wahrnehmung verengt, Kontrolle zunimmt und Konflikte schneller eskalieren. Genau das erleben viele Lehrkräfte täglich. Sie kämpfen längst nicht mehr nur um guten Unterricht, sondern häufig um Ordnung, Ruhe und Handlungsfähigkeit.

Gleichzeitig kämpfen Kinder und Jugendliche um etwas anderes: um Selbstwert, Zugehörigkeit und psychische Sicherheit. Viele Verhaltensauffälligkeiten sind deshalb keine „Störungen“, sondern Ausdruck innerer Überforderung. Angst war noch nie ein guter Lehrmeister.

So entsteht ein gefährlicher Kreislauf: Kontrolle erzeugt Widerstand — Widerstand erzeugt noch mehr Kontrolle. Die positive Energie verschwindet aus dem System. Der Blick richtet sich nur noch auf Fehler, Defizite und Probleme.

Nach der Arbeit als klinische Psychologin mit 800 Schulverweigerern bin ich überzeugt: Der entscheidende Wendepunkt liegt in einem radikalen Perspektivwechsel: weg vom Problemblick — hin zum Potenzialblick. Der klassische Defizitblick fragt: „Was stimmt nicht mit dir?“ Der Potenzialblick fragt dagegen: „Was versucht dieser Mensch gerade zu schützen, zu zeigen oder zu entwickeln?“

Dieser Unterschied verändert das emotionale Klima einer Schule fundamental. Kinder und Jugendliche brauchen Resonanz, tragfähige Beziehungen und Lernfreude. Erst dann entsteht psychische Sicherheit — die Grundlage für Motivation, Konzentration und nachhaltiges Lernen. Auch neurobiologisch verändert sich dadurch etwas Entscheidendes: Stressreaktionen nehmen ab, soziale Verbundenheit wächst, Emotionsregulation gelingt besser. Lernen wird wieder möglich.

Für Lehrkräfte bedeutet dieser Wandel keine zusätzliche Belastung, sondern Entlastung. Beziehung ersetzt Machtkämpfe. Wo Vertrauen entsteht, verschwinden viele Konflikte von selbst.

Internationale Bildungsforschung bestätigt seit Jahren, dass die Qualität der Beziehung zwischen Lehrkraft und Schüler:innen einer der stärksten Faktoren für Lernerfolg ist. Besonders sichtbar wird dies in den Metastudien von John Hattie sowie in Untersuchungen zur Resonanzpädagogik von Hartmut Rosa. Deshalb braucht Deutschland nicht einfach „mehr vom Alten“, sondern ein neues Verständnis von Schule. Eine Schule, die nicht primär kontrolliert, sondern stärkt. Eine Schule, in der Beziehung nicht als Nebensache gilt, sondern als Kern des Lernens.

Denn am Ende geht es um weit mehr als gute Noten. Es geht um Kinder, die sich gesehen fühlen. Um Lehrkräfte, die nicht ausbrennen. Und um eine Gesellschaft, die Mitgefühl, Demokratie und Zusammenhalt nicht verliert. News4teachers 

Helga Breuninger Stiftung

Mit ihrer gleichnamigen Stiftung engagiert sich Helga Breuninger, klinische Psychologin und Lerntherapeutin, seit Jahrzehnten für professionelles Beziehungslernen und eine resonante Haltung in der Lehrkräftebildung. Kostenlose Basiskurse auf dem NELE Bildungscampus und openHPI vermitteln Lehrkräften die resonante Haltung. Videobasierte und KI-gestützte Trainingskurse helfen, diesen Perspektivwechsel praktisch umzusetzen.

Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats „Gesunde Schule“. 

Wenn Schule (Schüler UND Lehrer) krank macht: Warum die Bildungsreformerin Margret Rasfeld eine radikale Wende fordert

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75 Kommentare
Kinderflüsterer
17 Tage zuvor

Das soll sie mal der neuen Bildungsministerin in RLP sagen. Die will „stärker steuern“, weniger Entscheidungsspielräume und „bayerische Verhältnisse (…) auf rheinland- pfälzische Art“.
Und gute Nacht!

vhh
17 Tage zuvor

„Schule orientierte sich an militärischen Organisationsformen“ – ok, mal angenommen, das wäre auch 200 Jahre nach Pestalozzi exakt so gültig. Dann wird postuliert, nur Sprache habe sich geändert, die Kernbegriffe ‚funktionieren, leisten gehorchen‘ seien geblieben. Keine Belege, aber ‚Erfahrungen mit 800 Schulverweigerern‘.
Mit nicht weniger Berechtigung postuliere ich jetzt, dass Form nicht gleich Inhalt ist, dass Lerngruppen von keiner Lehrkraft als zu formendes Werkzeug wie eine Militäreinheit betrachtet werden. Meine Basis? Einige Jahrzehnte mit jeweils 200-300 SchülerInnen im direkten Kontakt pro Jahr, davon viele als KL.
Potenzialblick vs Defizitblick, das zeigt eher einen Tunnelblick, die Verallgemeinerung eigener Erfahrungen mit ‚Extremfällen‘. Selbstverständlich gibt es bei Schulverweigerern, die in klinische Behandlung kommen, viele Probleme. Die zu benennen ist kein Defizitblick, sondern das, was diese Kinder erst in die Klinik bringt: Interesse und Fragen nach Hilfsmöglichkeiten. Pädagogische Defizitorientierung ist etwas, das Referendare ihren Abschluss kosten kann. Die Lehrerzimmerfrage ‚was stimmt nicht?‘ bedeutet exakt das Gegenteil dessen, was hier so sicher interpretiert wird: welche Situation steckt dahinter, welche Reaktion ist hilfreich, finden wir noch andere Ideen? Nicht ‚der ist fehlerhaft‘.
Wir bauen täglich Beziehungen auf, mit Kindern, von denen ein immer größerer Anteil Entwicklungsstörungen oder radikale Brüche im Lebenslauf aufweist. Das ist es, was zum Ausbrennen führt! An einer Sekundarschule mit 1500 Jugendlichen, viel Beziehungsarbeit, engagiertes Kollegium, gibt es in jeder Klasse immer noch ausreichend viele, die noch mehr Zuwendung bräuchten oder die ‚Action‘ wollen. Ich kann abschätzen, wie intensiv die Schülerbeziehung sein müsste, um das ‚emotionale Klima‘ zu ändern und diese positiven Effekte zu haben. Für eine Beziehung Patient/Therapeut ist das denkbar, aber hier urteilt die Autorin aus ihrem Blickwinkel. Die blühende Almwiese im Sonnenschein ist unerreichbar in realen Schulen. Das heisst nicht, dass alles sowieso sinnlos ist. Es heisst aber, dass der schon bestehende Beziehungsanteil massiv unter- und Möglichkeiten bzw. Resultate einer Intensivierung massiv überschätzt werden.

Faktensammler
16 Tage zuvor
Antwortet  vhh

Als Lehrer, der seit über 20 Jahren im Dienst ist und während seines Zivildienstes mit psychisch Kranken gearbeitet hat, kann ich nur sagen: Vielen herzlichen Dank für Ihre pointierte Antwort.

SekII-Lehrer
17 Tage zuvor

Was Lehrkräfte brauchen: Eine Erfassung ihrer Arbeitszeit und die Einhaltung von Arbeitszeit- und Arbeitsschutzgesetzen. Das ist die Grundlage von allem.

Rüdiger Vehrenkamp
17 Tage zuvor

„Doch Menschen lernen nicht gut unter Dauerstress (…)“

Mag sein, aber ohne Druck von außen lernen sie mitunter gar nicht bzw. nur das, was ihnen gefällt. Das neue Videospiel oder die Funktionen von TikTok lernen? Ja, gerne. Rechtschreibung, Mathematik, Geschichte? Eher nicht, wenn man kein Grundinteresse mitbringt, das durch Schule und etwas Druck von außen aber durchaus geweckt werden kann. Und hätte ich bei meinen Kindern keinen Druck von außen erzeugt, würden sie immer noch mit Stützrädern radfahren und mit Schwimmflügeln schwimmen. Neues zu lernen bedeutet auch, die eigene Komfortzone zu verlassen. Dort findet dann das Wachstum statt. Wer diese nie verlassen muss, der wächst auch nicht.

Gegen Beziehung sage ich nichts, sie ist in den letzten Jahren immer wichtiger geworden und Teil unserer Arbeit und Teil der Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer. Aber ich denke, die Mischung machts. Beziehung alleine hat noch keinem unserer Schützlinge helfen können, Absprachen, Kontrolle und Konsequenzen müssen hier eine Symbiose bilden.

potschemutschka
16 Tage zuvor

Passend dazu ein Fundstück aus dem Netz:
Ich wollte, dass meine Töchter selbstständig werden – deshalb gab ich ihnen „Kinderausweise“ für unterwegs
Das könnte ein „neuer“ Trend werden, vielleicht auch in DE.

(Wir waren da wohl schon „Zukunftsvisionäre“, denn mein Mann und alle unsere Boomer-Bekannten und Verwandten, wuchsen so auf – nur ohne Kinderausweis, und unsere Kinder und Enkel zum Glück ebenfalls – alles „Rabeneltern“?)

Rainer Zufall
17 Tage zuvor

„Doch Menschen lernen nicht gut unter Dauerstress. Neurobiologisch führt chronischer Druck dazu, dass sich Wahrnehmung verengt, Kontrolle zunimmt und Konflikte schneller eskalieren.“
Volle Zustimmung, aber Spitzenpolitiker als auch nicht wenige im Forum halten am Exen fest, ohne irgendeinen Mehrwert wissenschaftlich belegen zu können 🙁

Und solange Bayern sich nicht bis zum Boden durchscheitert, wird sich ed mit dem unterschiedslosen Herabblicken auf BL unter Bayern begnügen, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, was sich verbessern ließe…

Könnte alles schlimm sein, aber die Welt besteht ja nicht aus uns Bekloppten im Forum. Daumendrück! 🙂

ed840
16 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

aber Spitzenpolitiker als auch nicht wenige im Forum halten am Exen fest, ohne irgendeinen Mehrwert wissenschaftlich belegen zu können

Sie beziehen sich vermutlich auf Baden Württemberg im Oktober 2025?

Sim Si
14 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Nee, Exen gibt es nur in Bayern!

ed840
14 Tage zuvor
Antwortet  Sim Si

Echt?

Nach meinen Informationen gibt es weder in den Vorschriften für BY noch in denen für BW den Begriff „Exen“.

Allerdings wären in beiden BL unangekündigte Leistungnachweise erlaubt.

Eine Verbotsforderung des Landesschülerrats BW wurde im Oktober 2025 vom dortigen KuMi abgeblockt.

Haben Sie andere Informationen?

Rainer Zufall
14 Tage zuvor
Antwortet  ed840

„Nach meinen Informationen gibt es weder in den Vorschriften für BY noch in denen für BW den Begriff “Exen”.“
Warum schauen Sie dann nach den falschen Begriffen? XD

Sie meinen also, in BW könnte es so unwissenschaftlich und unprofessionell zugehen wie in Bayern?
Gruselig! Warum versuchen Sie, Bayerns falschen Weg durch ein weiteres falsches zu stützen – ICH bin sehr dagegen, wie Sie wissen – anstatt 14 bessere Beispiele anzuführen? 😛

ed840
13 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Das sollten man wohl besser die Leute fragen, die solche Behauptungen aufstellen.

Sie werden schon wissen, warum Sie die Entscheidung in BW vom Okt. 2025 nicht kritsieren wollen.

Sie meinen also, in BW könnte es so unwissenschaftlich und unprofessionell zugehen wie in Bayern?“

Nein, denn sonst gäbe es vermutlich diese Meldungen nicht:

https://www.news4teachers.de/2023/08/der-absteiger-kein-anderes-bundesland-hat-sich-im-bildungsmonitor-so-verschlechtert-wie-baden-wuerttemberg-warum/

https://www.news4teachers.de/2025/07/it-panne-lehrermangel-bildungsabsturz-baden-wuerttemberg-verspielt-die-zukunft-seiner-schulen/

usw. usw.

ed840
13 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Vielen Dank , aber ich kenne die IQB-Berichte und bin in der Lage mir ein eigenes Bild über die verschiedenen Kennzahlen zu machen.

Ich kenne auch die 10-Jahres-Entwicklung der Bundesländer bei Schulqualität und Bildungsarmut beim Bildungsmonitor usw.

ed840
13 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

„Warum verweisen Sie dann nicht darauf „

Wenn Sie darauf bestehen.

Laut aktuellem Bildungsmonitor:

Entwicklung der Schulqualität BY = -12,7 Pkt. BW = – 29 PKT

Entwicklung der Bildungsarmut BY = -7,1 Pkt. BW = -25 PKt

Menschenskinder
14 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Doch, es wurden wissenschaftliche Belege gebracht, wonach häufigeres Wiederholen sinnvoll ist als das einmalige „Amabendlernen“ vor einem Test. Ist eigentlich auch logisch. Es ist ja eigenlich nur Stress, wenn man das sich den ganzen Lernstoff am Abend vorher eintrichtern will, weil man sich wochenlang nicht darum geschert hat. DAS macht den Stress!

potschemutscka
14 Tage zuvor
Antwortet  Menschenskinder

„wissenschaftliche Belege gebracht, wonach häufigeres Wiederholen sinnvoll ist als das einmalige “Amabendlernen”….“ 
z. B. hier:
https://lexikon.stangl.eu/6291/wiederholungsstrategie

Alese20
13 Tage zuvor
Antwortet  potschemutscka

Ich persönlich hinterfrage überhaupt nicht, ob Wiederholen Sinn macht. Ich hinterfragen eher, ob man denn nur über dieses Druckmittel (unangekündigte Tests) dafür Sorge tragen kann, dass wiederholt wird. Man könnte regelmäßige angekündigte Tests schreiben, finde ich aber auch nicht besonders kreativ. Am besten wären Wiederholungen im Unterricht (dafür müsste aber am Stoff gekürzt werden) oder man macht verpflichtende Übungsstunden für die SuS, die nicht gut in dem jeweiligen Fach sind. Die jetzige Lösung ist doch vermutlich nur dem Umstand geschuldet, dass mal wieder zu wenig Ressourcen da sind und dann sollen sich die SuS einfach mal nicht so anstellen und den Druck über sich ergehen lassen. Mussten wir ja auch durch (ich persönlich übrigens nicht – ist in NRW nicht weit verbreitet, glaub ich). Der Zweck heiligt nicht immer die Mittel.

Rainer Zufall
14 Tage zuvor
Antwortet  Menschenskinder

„wonach häufigeres Wiederholen sinnvoll ist als das einmalige “Amabendlernen” vor einem Test.“
Und Dauerstress durch Exen ist produktiver? DAS ist ja die Frage, ansonsten könnten wir ja – wie so oft seitens der Wissenschaft gefordert – verschiedene, nachhaltige Leistungserhebungen und LernPROZESSE bewerten, anstelle auf (ggf. unangekündigte) Prüfungen zu pauken. 😉

Oder haben Sie tatsächlich eine wissenschaftliche Erhebung parat, dass Exen nicht nur nicht schädlich ist, sondern, wie Sie andeuten, sogar besser als normale Prüfungen? Entdecken Schüler*innen gar eine völlig neue Art des Lernens, anstatt das „AmAndendLernen“ auf fast ALLE Abende auszuweiten? 😀

ed840
13 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Haben Sie denn eine wissenschaftliche Erhebung parat, dass ein Verbot unangekündigter Leistungsnachweise zu höheren Kompetenzleveln bei SuS führt?

Stiller Beobachter
9 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Klar, die Untersuchungen gibt es.

Die deutsche Studie aus Bayreuth:
„Die Praxis, Leistungskontrollen nicht anzukündigen, stärkt die Ängstlichkeit von Schülerinnen und Schülern, verringert ihre Freude am Lernen und schwächt dadurch ihre Leistungsfähigkeit.“

DOI: 10.1371/journal.pone.0272443

Man könnte auch auf die Studie von Hattie (visible learning) verweisen.

Formative Tests, die während des Lernens Feedback geben und keine Bewertung enthalten, gehören zu den effektivsten Massnahmen fur erfolgreiches Lernen – benotete Überraschungstests erfüllen diese Bedingung per Definition nicht.

Canishine
17 Tage zuvor

Ursprünglich orientierte sich Schule stark an militärischen Organisationsformen. Auch wenn sich die Sprache modernisiert hat, ist die Grundlogik oft dieselbe geblieben: funktionieren, leisten, gehorchen.“
Warum nur nehme ich das Geschehen in Schule so völlig anders wahr als Frau Dr. Breuninger?

DerechteNorden
16 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Die Frage muss lauten, warum jemand nicht funktioniert.
In 99 von 100 Fällen liegt die Ursache außerhalb von Schule. Das heißt, dass sich für die Betroffenen hauptsächlich außerhalb von Schule etwas ändern muss.
Beziehungsarbeit hilft bei den vielen schwierigen Fällen nur, wenn sie intensiv genug ist. Dazu fehlen an den Regelschulen aber die Kapazitäten. Schon jetzt ist es doch so, dass Lehrkräfte viel weniger Zeit mit Unterricht (ihrer Hauptaufgabe übrigens) verbringen, weil sie immer mehr von der Erziehungsarbeit der Eltern leisten müssen.
Das hat wiederum Auswirkungen auf den Wissensstand der Kids.

Da Lehrkräfte nicht ernst genommen werden (auch von Ihnen ja offensichtlich nicht), werden wir nur immer weiter weg kommen von Schule als Ort, an dem sich S*S Wissen und Kompetenzen aneignen können.
Und das Geheul wird noch größer werden.
„Oh mein G, dieser Dauerstress!!!“

Canishine
16 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Man sollte wohl dazusagen, dass die Umfrage zwar eine Verschlechterung des subjektiven Befindens bekundet, die Ursachenbenennung sich aber aus der Interpretation der Verfasser / der Auftraggeber / der Berichtenden ergibt. Mal sind es die weltweiten Krisen, mal die Medien, mal ist es die Schule. Im Forum werden dann noch weitere alternative Erklärungsansätze vorgeschlagen. Die Frage ist, was geben die Daten der Umfrage her.

Canishine
14 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Das ist eine andere Fragestellung, als das Schulsystem als (hauptsächlich) schuldig dafür darzustellen.

Canishine
14 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Abgesehen davon, dass „Dieser Verantwortung kommt das System nicht nach“ für mich schon nach einer Schuldzuweisung klingt und die Gründe, die sie aufzählen, andere sind, als die von Frau Dr. Breuninger benannten, ist Ihre Frage natürlich rhetorisch. Denn die Schulddebatte hält davon ab, die meiner Meinung nach vielfältigen und gesamtgesellschaftlichen Gründe für gewisse Missstände zu identifizieren.
Die Diskussion hier im Forum läuft eigentlich häufig so ab:
Es gibt einen Beitrag zu einem Missstand, verbunden mit einer Verantwortungszuweisung an die Schule, aus den einen oder anderen Gründen.
Und dann gibt es drei Diskussionsansätze: Ist der Missstand so wie dargestellt, ist die Verantwortungszuweisung an die Schule gerechtfertigt und sinnvoll und sind die Begründungen schlüssig?
Schwierig wird es, wenn man für sich allein in Anspruch nimmt, als einziger mit seinem Lösungsvorschlag das Wohl der Kinder im Blick zu haben.

Rainer Zufall
14 Tage zuvor
Antwortet  Canishine

„Abgesehen davon, dass „Dieser Verantwortung kommt das System nicht nach“ für mich schon nach einer Schuldzuweisung klingt“
Jup!

Ich weiß nicht wie zufrieden Sie damit wären, wenn Ihr brennendes Haus nicht gelöscht würde, oder ein Verbrechen an Ihnen nicht aufgeklärt würde – es „fehlen“ gerade die Ressourcen 😉 – aber wir uns gesellschaftlich einig sind, dass die Eltern schuld seien müssen.. und nichts am Problem ändern

Canishine
13 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Wenn bei der Polizei oder der Feuerwehr keiner rangeht, rufen Sie einfach die nächste Schule an.

Rainer Zufall
14 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Jetzt führen Sie Studien – wahrscheinlich bundeslandübergreifend, über längere Zeiträume anhand von wissenschaftlichen Kriterien erhoben – gegen das Bauchgefühl einer Einzelperson an.

Erwarten Sie allen Ernstes eine maßvolle geschweige professionelle Antwort?
Respekt an Ihren ungebrochenen Willen, Menschen im Forum (!) durch Sachlichkeit zu überzeugen ❤️

NIEMAND von denen wird sich die Mühe machen, Ihnen auf diesem Niveau entgegenzukommen…

laromir
16 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Soll das bedeuten, dass eigentlich kaum jemand die Schule verlässt und Erfolg hat, dafür aber natürlich der Großteil einen Schaden davonträgt?
Komisch, nehme ich auch nicht so wahr.
Kenne auch wirklich viele Menschen, die keinen Schaden davon getragen haben. Aber wahrscheinlich kenne ich nur Einzelfälle und nicht den ganzen gequälten, leidenden Rest.

unfassbar
16 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Überdurchschnittlich häufig berichten Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, mit psychischen Auffälligkeiten sowie Kinder aus einkommensarmen Familien, dass sie in vielen oder allen Unterrichtsstunden überfordert sind.

-> Lösung: Geeignete Schulform

Gleichzeitig spielt auch Unterforderung eine Rolle.

-> Lösung: Schwierig unter den aktuellen Bedingungen, wenn Lehrer nicht sehr viel Zusatzarbeit in Kauf nimmt

36 Prozent der Befragten geben an, häufig keine Lust auf das Lernen in der Schule zu haben, 37 Prozent empfinden den Unterricht oft als langweilig, und 35 Prozent berichten, bei den Hausaufgaben aus Langeweile schnell die Motivation zu verlieren.

-> Normalität bei sehr vielen Schülern unabhängig von der individuellen Situation, insbesondere während der Pubertät

Alese20
13 Tage zuvor
Antwortet  unfassbar

„Lösung: Geeignete Schulform“
Es gibt nicht flächendeckend für alle eine geeignete Schulform. Wo soll denn ein 1ser Schüler mit Neurodivergenz und daraus resultierenden psychischen Problemen im Umfeld Schule denn hin?

potschemutschka
16 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Überdurchschnittlich häufig berichten Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, mit psychischen Auffälligkeiten sowie Kinder aus einkommensarmen Familien, dass sie in vielen oder allen Unterrichtsstunden überfordert sind.
Das wundert mich, als Sonderpädagogin, jetzt aber ….
Mit der flächendeckenden Inklusion und Abschaffung der Sonderschulen und -Klassen, sollte es doch gerade für diese Schüler so viel besser werden. Mich würden ja mal Vergleichsdaten zur psychischen Belastung dieser Schülergruppe von vor 20 Jahren interessieren. Aber wahrscheinlich gibt es da keine Daten dazu. Schade!

Mika BB
15 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

“Überdurchschnittlich häufig berichten Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, mit psychischen Auffälligkeiten sowie Kinder aus einkommensarmen Familien, dass sie in vielen oder allen Unterrichtsstunden überfordert sind. Gleichzeitig spielt auch Unterforderung eine Rolle. 36 Prozent der Befragten geben an, häufig keine Lust auf das Lernen in der Schule zu haben, 37 Prozent empfinden den Unterricht oft als langweilig, und 35 Prozent berichten, bei den Hausaufgaben aus Langeweile schnell die Motivation zu verlieren.”

Das KÖNNTE damit zusammenhängen, dass diese SuS eine sie überfordernde Schulform besuchen. Inklusion heißt nun mal in der Realität häufig: „Stuhl dazu, Lehrkraft macht das schon irgendwie nebenbei“. Die Anforderungen des Gymnasiums für SuS, die intellektuell/motivational/psychisch-emotional an der Grenze zur Überforderung sind und kein unterstützendes Elternhaus haben, führen ebenfalls schnell zur Überforderung.
Gleichzeitig führt der Mehraufwand an Zeit, welche Lehrkräfte in der Unterrichtssituation für überforderte SuS mit all ihren Problematiken aufwenden müssen, und der Versuch, einen Mittelweg bei den Anforderungen zu gehen, der möglichst viele SuS mitnimmt, dann halt dazu, dass der Rest sich langweilt und in die Unterforderung abrutscht.

Ohne mehr Personal für tatsächlich leistungsdifferenzierenden Unterricht (wenn man eine Klasse für alle will) oder leistungsdifferente Klassen wird sich da auch nichts ändern lassen.

Mika BB
14 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

An meinem Gym betrifft das ungefähr ein Drittel der SuS. Passt ganz gut zu den ermittelten 25%. Ein Gutteil von diesen schafft unter massiver Kraftanstrengung das Abi (irgendwie, Note egal) .
Und ja, ich halte ein System, welches regelmäßig knapp die Hälfte aller Grundschüler ans Gym lässt (oh du heiliger Elternwille) für ineffizient und schädlich.

Lachmöve
9 Tage zuvor
Antwortet  Mika BB

Ja, sie haben Recht, ist ihre Erfahrung/ Beobachtung…Doch, warum ist das so? Warum wollen Eltern ihre Kinder aufs Gymnasium schicken? …weiß man heute, brauche ich nicht zu formulieren. Aber: stellen sie vor, es wäre nicht so, wie viele Klassen es an ihrer Schule dann gäbe, wie viele Lehrkräfte dann gebraucht werden. Als ich das Abitur machte, gab es je Klassenstufe zwei Klassen. Ich bin mir sicher, die Entwicklung ( KI) wird zwar nicht heute und jetzt, aber in der Zukunft auch diese Situation beeinflussen, denn wir brauchen sehr gute Schüler, aber sicher auch viele gute Schüler, die in handwerklichen Berufen tätig werden. Nun stellt sich die Frage, in welcher Schulform man dieser Entwicklung gerecht wird. Bin gespannt.

Rainer Zufall
14 Tage zuvor
Antwortet  Mika BB

„Inklusion heißt nun mal in der Realität häufig: „Stuhl dazu, Lehrkraft macht das schon irgendwie nebenbei““
Klingt mehr nach einem strukturellen Problem, als dass die Kinder überfordert wären 😉

Warum also keine Verbesserung fordern anstelle der Forderungen, dass das kaputte System wieder „funktionieren“ soll? 😉

potschemutschka
13 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

„Klingt mehr nach einem strukturellen Problem, als dass die Kinder überfordert wären“ 
Nehmen Sie sich mal einen Tag (besser eine Woche) Zeit und hospitieren Sie bei Schülern mit Fö-Bedarf GE oder Lernen in verschiedenen Unterrichtsstunden, in denen kein Sonderpädagoge oder Schulbegleiter anwesend ist. Natürlich nur hospitieren, ohne irgendwie zu helfen (ist ja in den meisten Stunden die Realität). Wenn Sie da keine Überforderung bei den Schülern beobachten, wurden diese mit großer Wahrscheinlichkeit falsch diagnostiziert, oder die Regellehrer haben magische Kräfte.

Susanne M.
13 Tage zuvor
Antwortet  laromir

Ich kenne auch das Gegenteil: Schüler, die die Schule verlassen, einen Schaden davon getragen haben und trotzdem später im Leben erfolgreich sind. Lesen Sie die Biografien später erfolgreicher Menschen: Viele kritische Geister sind erst einmal am System verzweifelt. Oft ist es nur ein einziger Lehrer, eine einzige Lehrerin, die einen Unterschied machte, zu oft ist jedoch niemand auf weiter Flur.

Kinderflüsterer
16 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Wahrscheinlich haben das mehr der hier schreibenden Kollegen und Kolleginnen erlebt als sie denken. Und weil es ihnen nichts nutzt, außer Nachteilen und monetären Verlusten sonst nichts gebracht hat oder hätte, machen sie die Faust in der Tasche und halten durch- wie in vielen anderen Branchen und Firmen auch. Und in der momentanen Umbruchsituation mit Transformation und der Gefahr von Arbeitslosigkeit lernen das auch die Gens ab 1990.
Das Leben ist kein Ponyhof und Schule bildet dies ab.

Canishine
16 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

In Ihre Quelle findet man in der Übersichtsliste nicht den failure bias oder base rate neglect, wohl aber den negativity bias. Das half mir dann die KI weiter.
Ihre Argumentationsweise deutet in gewisser Weise darauf hin, dass eine solch geartete Voreingenommenheit vorliegen könnte, denn die Schule kann für Sie ja anscheinend gar nichts anderes als ein Überlebenskampf sein. Die pädagogisch-psychologische Wirkung dieser Betrachtung würde ich meinen Schülern nicht zumuten wollen. Da bleibe ich dann lieber, wie Sie mir wohl unterstellen, naiv positiv.
Ich denke, dass Frau Dr. Breuninger bei all ihrer Verdiensten und ihrem Engagement vorsichtiger mit solchen Formulierungen sein sollte, denn sie rückt damit Lehrkräfte in die Nähe von Erfüllungsgehilfen eines militaristisch-diktatorischen Regimes. Und so jemand bin ich nicht, auch nicht unbewusst.

Der Bergdoktor
16 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Der Link der Redaktion ist wirklich sehr interessant! Folgender Absatz brachte mich zum Nachdenken (Hervorhebung von mir):

„Abraham Wald jedoch erkannte einen grundlegenden Fehler in diesem Ansatz. Er richtete seine Aufmerksamkeit auf die unversehrten Bereiche der zurückgekehrten Flugzeuge. Walds Analysen zeigten, dass es effektiver war, die Bereiche zu verstärken, die keine Einschusslöcher aufwiesen, da diese Trefferquellen die Flugzeuge zum Absturz brachten. Dies führte zu einer beträchtlichen Verbesserung der Rückkehrquote.“

Hmmm, ….an anderer Stelle las ich mal was, von „Defizitorientierung“ in der Psychotherapie, die negative Auswirkungen haben kann …
Wie passt das jetzt hier rein?

ed840
13 Tage zuvor
Antwortet  Der Bergdoktor

Deshalb finde ich es als pädagogischer Laie auch seltsam, wenn z.B. bei Studien zur Bildungsgerechtigkeit die Übertrittsquote auf ein Gymnasium als einziges Kriterium gilt, während die Quote der erreichten SEK-II-Abschlüsse oder der Anteil SuS, die ohne mind. ESA bleiben, keine Rolle spielt.

Rainer Zufall
14 Tage zuvor
Antwortet  Canishine

„Ursprünglich orientierte sich Schule stark an militärischen Organisationsformen.“
Weil Sie sich nicht bewusst sind, dass Sie gerade im Internet gegen die Institution abholzen, was im Militär nicht geht?

Weil Sie Kinder mit Soldat*innen, die Befehle umsetzen müssen, anstatt als die Zivilist*innen verstehen, um die SIE sich kümmern MÜSSEN (!), auch wenn das 1990 leichter gewesen seien soll?

Weil Sie sich über „Befehle“ wie Inklusion, Schüler*orientierung, das Recht auf freie Religionaausübung (auch an Schulen) oder mehr Partizipationsangeboten für Kinder beschweren, anstatt diesen gewissenhaft auszuführen oder gewissenhaft zu remonstrieren?

„Warum nur nehme ich das Geschehen in Schule so völlig anders wahr als Frau Dr. Breuninger?“
Weil Sie – verständlicherweise – Ihre eigene Schule primär im Auge haben und – unverständlicher- und recht unprofessionellerweise – diese zum Maßstag machen, welchen Sie glauben, auf Augenhöhe (!) gegen landes- und schulformübrgreifende, wissenschaftlich gestützte Erhebungen anführen zu können?

Na Daumendrück, dass Bla niemals ausführlich über seine Schule schreibt, sonst können Sie sich nie wieder auskotzen und müssen stattdessen bessere Rahmenbedingungen fordern 😀

GBS-Mensch
17 Tage zuvor

Kann ich so unterschreiben, obwohl das eigentlich inzwischen schon unangefochtene Allgemeinplätze sein sollten und für mich auch sind.

Aber das Rudel Streunender old school Katzen wird mich da bestimmt Wortreich eines Besseren belehren.

blau
17 Tage zuvor

Beziehung und Kontrolle sind kein Widerspruch.

laromir
17 Tage zuvor

Zum einen ist das jetzt nun keine besonders bahnbrechende neue Erkenntnis und zum anderen: Hier sitzt man allerdings in einem Dilemma. Haben die Kinder von zu Hause und in der Grundschule eine gewisse Struktur und Verantwortlichkeit erlernt, dann klappt das ganz gut, mit Vertrauen, Eigenständigkeit usw. Dann kann man Aufgaben übertragen, Kleingruppen in anderen Räumen oder im Gang arbeiten lassen. Es gibt sinnvolle Vorschläge für das Miteinander, Verlässlichkeit untereinander usw.
Fehlt das, eskaliert die Lage sehr schnell, sobald sich der ein oder andere nicht kontrolliert fühlt. Es wird herum geschrien, beleidigt, geschubst, das Schulklo oder der Klassenraum zerstört. An dieser Stelle wird es dann eben blöd, wenn der 3. Versuch Vertrauen entgegen zu bringen, bei einigen SuS in Mobbing und Randale endet und irgendjemand heult. An dieser Stelle kann man natürlich fragen, was das Kind einem sagen will, allerdings sagen viele der Mit-SuS (inkl. deren Eltern), dass man diesen Kindern endlich was sagen soll. Verständlicherweise.
Hier zeigt sich, dass eine 1:1 Therapie Situation etwas anderes ist als 30 teilweise völlig neben der Spur laufende Teenager. Wenn ich mit denen einzeln rede, dann sind sie teilweise sogar erreichbar. Das ist nach 10 min. schon wieder vergessen und die Gruppendynamik tut ihr Übriges. Dazu natürlich wenig Zeit, Eltern denen es wurscht ist usw. Also habe ich zwei Möglichkeiten, ich kontrolliere (teilweise deutlich mehr als mir lieb ist) und die Lage ist halbwegs unter Kontrolle und die Mit-SuS fühlen sich halbwegs wohl oder ich kontrolliere nicht und dann hab ich jede Menge Papierkram und der Rest der Klasse ist genervt. Zum Glück ist das nicht immer und in allen Klassen so, aber es nimmt zu. Zu unseren Schulzeiten wurden wir nicht in jeder Freistunde von Vertretungen „bewacht“, es hieß, macht eure Hausaufgaben oder seid einfach leise. Haben wir dann gemacht, war dann weniger Arbeit zu Hause. Heute muss viele Klassen (nicht alle) immer betreut werden, da funktioniert schon eine Queraufsicht nicht, weil sich einige Kinder nicht mal fünf Minuten selbst regulieren können. Das ist echt traurig, aber leider Realität. Klar, wenn ich mit den einzelnen jede Woche Zeit für ne Stunde Therapie Gespräch hätte, wäre es u.U. anders, wobei auch die Schulsozialarbeit bei manchen auf Granit beißt und die nehmen sich oft Zeit.

Menschenskinder
16 Tage zuvor
DerechteNorden
16 Tage zuvor

Echten Dauerstress gibt es für S*S an deutschen Schulen eher wenig.
Ich würde von gefühltem Stress sprechen. Wer es von Geburt an von zuhause aus nicht kennt, dass Forderungen nachgekommen werden müssen, der empfindet Schule als Dauerstress, ja.
Meiner Meinung nach ist es nicht sinnvoll, Schule genau darauf abzustimmen, da das Leben später leider darauf keine Rücksicht nimmt. Mit so einem gechilltem Schulsystem erschafft sich eine Gesellschaft lauter Menschen, die sich nicht anstrengen können und bei jeder Herausforderung zusammenbrechen, weil niemand anderes für sie mögliche Schwierigkeiten aus dem Weg räumt.

Beziehung ja, kein Stress (Kontrolle) nein.
Was bitte ist so schwer daran zu verstehen, dass man beides braucht?!
Menschen werden nicht dadurch resilient, dass man sie keinem Stress aussetzt. Der Trick ist, Heranwachsende dabei zu begleiten.
Leider kann Schule das nur zu einem gewissen Grad, denn im Gegensatz zu dem, was viele behaupten, nimmt der Unterricht viel weniger Raum in der Entwicklung ein.

GBS-Mensch
16 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Echten Dauerstress gibt es für Lehrer an deutschen Schulen eher wenig.
Ich würde von gefühltem Stress sprechen. Wer noch nie richtig gearbeitet hat und nicht kennt, dass Forderungen nachgekommen werden müssen, der empfindet Schule als Dauerstress, ja.

Mit so einem gechilltem Schulsystem erschafft sich eine Gesellschaft lauter Lehrer, die sich nicht anstrengen können und bei jeder Herausforderung zusammenbrechen, weil niemand anderes für sie mögliche Schwierigkeiten aus dem Weg räumt.

Was bitte ist so schwer daran zu verstehen?!
Lehrer werden nicht dadurch resilient, dass man sie keinem Stress aussetzt. Der Trick ist, Lehrer dabei zu begleiten.

Mika BB
14 Tage zuvor
Antwortet  GBS-Mensch

„ Echten Dauerstress gibt es für Lehrer an deutschen Schulen eher wenig.
Ich würde von gefühltem Stress sprechen. Wer noch nie richtig gearbeitet hat und nicht kennt, dass Forderungen nachgekommen werden müssen, der empfindet Schule als Dauerstress, ja.“

Ahhhhja. Schließen Sie doch bitte nicht von Ihrer offensichtlich beneidenswerten Situation auf die anderer Lehrkräfte.
Vielen Dank!

DerechteNorden
14 Tage zuvor
Antwortet  Mika BB

@GBS-Mensch ist keine Lehrkraft.
Das merkt man auch daran, dass diese Person 1. nicht versteht, dass ich den Schülys gar keine Vorwürfe mache, und 2. meint, Lehrkräfte arbeiteten nie.

Stiller Beobachter
9 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Stimmt.
Nur unter Druck entstehen Diamanten.
Wann führen wir eigentlich endlich wieder ein, dass die Kinder richtig Dreck fressen müssen in ihrem Heranwachsen….?

Da hat wohl jemand die Unterschiede zwischen Stress durch Druck und Kontrolle und dem gezielten Fordern und der Herausforderung verstanden.

Die besten Einflussfaktoren sind der Abgleich zwischen Außen- und Selbstwahrnehmung, Unterricht, der dem Entwicklungsstand angepasst ist und formative Evaluation (also kontinuierliches, unbenotetes Feedback).

Äußerer Druck, der sich dann zb in Prüfungsangst äußert, ist dagegen wissenschaftlich erwiesen negativ in Bezug auf die Leistungsfähigkeit.

dickebank
8 Tage zuvor

Sie wissen schon, dass Diamanten und Graphit aus dem gleichen chemischen Ausgangsstoff bestehen. Der Unterschied liegt in der Mineralogie, also im Aufbau der Kristallstruktur.

dickebank
8 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Diamant >>> kubische Gitterstruktur
Graphit >>> hexagonale Gitterstruktur

Jörn Paul Weidlich
16 Tage zuvor

Sicherheit kann nur in einem geschützten Raum gegeben werden. Ein geschützter Raum entsteht nur mit klaren Grenzen. Diese wurden sukzessive von der Bildungspolitik aufgeweicht. Notwendige, aber auch nachhaltige Veränderungen, müssen dringend in den Schulen umgesetzt werden. Ohne den entsprechenden Rückhalt aus der Politik kann das nicht systemisch gelingen. (Ein Lehrer)

Katze
16 Tage zuvor

„Warum Schulen Beziehung statt Kontrolle brauchen“

Klinische Psychologen erklären jetzt, was Schule braucht.
Ich kann nicht mehr.
Die Bildungskrise „zeigt sich längst nicht mehr nur in Unterrichtsausfall, Fachkräftemangel oder schlechten Testergebnissen“ – und genau da beginnt das pädagogische Wolkenkuckucksheim.
Schlechte Testergebnisse – neues Deutungsmuster.
„Kontrolle = böse, Beziehung = heilsam.“
Natürlich nicht offen ausgesprochen, aber zwischen den Zeilen so weichgezeichnet, dass es fast leuchtet.
Ich dachte immer: Beziehung und Kontrolle.
Jetzt heißt es plötzlich: Beziehung statt Kontrolle.
Ein Placebo, das warm klingt, aber nichts löst.
Passend dazu die klinisch‑psychologische Deutungsfolklore:
„Viele Schulen funktionieren noch immer nach einem Prinzip, das aus einer anderen Zeit stammt: enge Zeitvorgaben, Stoffdruck, permanente Bewertung und hoher Anpassungszwang. Ursprünglich orientierte sich Schule stark an militärischen Organisationsformen.“
Ein Bild, das die SuS zu kleinen Leidtragenden eines pädagogischen Kasernenhofs stilisiert – kein Wunder also, dass die Testergebnisse schlecht sind, wenn das „Leiden“ bereits institutionell mitgeliefert wird.

Im klinisch‑psychologischen Blick erscheint Kontrolle plötzlich wie ein Belastungsfaktor –
als befände sich Schule bereits in der Transformation von der Lehranstalt zur Therapieanstalt.
Als litten die SuS weniger unter fehlenden Grundlagen als unter der Tatsache,
dass Schule sie noch kontrolliert.

Hans Malz
14 Tage zuvor
Antwortet  Katze

Alle können gut erklären, was die Schule braucht, nur die Lehrer halt nicht…

Bildungsnah
14 Tage zuvor

„Ursprünglich orientierte sich Schule stark an militärischen Organisationsformen.“

Ok, ursprünglich. Aber jetzt mal ehrlich, mit der heutigen „Truppe“ können sie keinen Saustall stürmen. Wenn das immer noch die Intention sein sollte, dann läuft da was gewaltig schief.

Leisten und funktionieren? Wo? Welche öffentlich Schule soll das sein? Ich will das meine Kinder da hin können. Wir kennen nur permante Unterrichtsstörungen und höchst kreatives Sozialverhalten, kombiniert mit schwachen Leistungsanforderungen.

Rüdiger Vehrenkamp
14 Tage zuvor
Antwortet  Bildungsnah

Vielleicht täte etwas mehr Drill inzwischen sogar gut…

T.Rend
14 Tage zuvor

Die Faszination von Kindern für „Harry Potter“ ist in dem Zusammenhang spannend.
Und welche der weniger märchehaften Elemente daraus in Kontrast zur deutschen Schule stehen. Z.B.: Sind die Schüler bei HB motiviert? Stören sie den Unterricht?

Diese beiden Punkte allein stehen in Kontrast zur Schulrealität wie ich sie häufig sehe. Gäbe es nun eine gelungene Kommunikation, dann würde genau das Thema sein. Geht es stattdessen aber so weiter wie immer, sind das keine gesunden Beziehungen.

T.Rend
14 Tage zuvor
Antwortet  Bildungsnah

“ ..Wir kennen nur permante Unterrichtsstörungen und höchst kreatives Sozialverhalten, kombiniert mit schwachen Leistungsanforderungen.“

Die Beobachtung teile ich, aber sehe es nicht im Widerspruch zum Artikel. Das permanente stören, das kreative Sozialverhalten und die damit einhergehenden schwachen Leistungen sind Ausdruck gestörter Kommunikation. Eben so wie in schlechten Beziehungen.

Canishine
13 Tage zuvor
Antwortet  T.Rend

Das ist halt die Frage: Ist es eine (nach Frau Dr. Breuninger systemisch begründete) gestörte Kommunikation, welche Unterrichtsstörungen nach sich ziehen, oder sind es die Unterrichtsstörungen, die die Kommunikation stören?

T.Rend
13 Tage zuvor
Antwortet  Canishine

Kommunikation ist immer wechselseitig. Wenn Unterrichtstörungen die Monologe der Lehrkraft betreffen, sind sie ebenfalls als Form der Kommunikation aufzufassen.
In dieser Situation wäre es wichtig die gestörte Kommunikation zum Thema zu machen, um die Situation zu verbessern. Aber genau das passiert meiner Beobachtung nach gerade nicht, alle ziehen sich nach dem Gefecht auf ihre Posten zurück, um es mal in der kriegerischen Rethorik unserer Tage auszudrücken.

potschemutschka
13 Tage zuvor
Antwortet  T.Rend

Sind Sie Lehrer?

Canishine
13 Tage zuvor
Antwortet  T.Rend

Ich nehme zunächst mal für die nächste Gelegenheit (z.B. die Lehrerkonferenz) mit, dass die Störung eines Lehrermonologs nicht als Störung zu werten ist.
Aber mal abgesehen von der Vorstellungswelt des Lehrermonologs als vorherrschende Unterrichtsform: Die „Beziehung“ zwischen Schüler und Lehrer bedarf in diesem schulischen Zusammenhang wohl der deutlichen Konkretisierung, denn sonst bleibt die Kommunikation gestört.

T.Rend
13 Tage zuvor
Antwortet  Canishine

Ja finde ich gut, darüber wäre zu sprechen, konkret natürlich wie sie schreiben. Über das was in der Schule wirklich Sache ist.

Wenn “ Das permanente stören, das kreative Sozialverhalten und die damit einhergehenden schwachen Leistungen “ Thema sein sollten, dann bringt es nichts weiterzumachen wie bisher. Dann muss das vor allem anderem thematisiert werden.
Wenn es nicht möglich ist das zu besprechen und bearbeiten, tja, dann bleibt es halt wie es ist.

dickebank
8 Tage zuvor
Antwortet  Canishine

Ist mit Lehrermonolog die in Dauerschleife wiederholte Aufforderung gemeint, Ruhe zu geben, sich auf die Sitzplätze zu begeben und die benötigten Arbeitsmaterialien bereit zu legen, die Sitznachbarn in Ruhe zu lassen, die Handys beiseite zu legen usw. usf.
Denn für die Unterrichtsinhalte bedarf es keines Monologes, die drei Sätze, um einen Arbeitsauftrag zu erteilen, sind nicht so aufwendig, es bedürfte nur eines entsprechenden Settings, um diese in Ruhe aussprechen zu können.