STUTTGART. Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung wächst der politische Druck, ausreichend Plätze, Personal und Räume bereitzustellen. Doch die Debatte konzentriert sich häufig auf Organisation und Ausbauziele. Tanja Beierlein, Mitarbeiterin des Jugendamts Stuttgart mit den Schwerpunkten Schulkind, Ganztag und Qualitätsentwicklung sowie Mitglied des Bundesvorstands des Ganztagsschulverbands, plädiert im folgenden Gastbeitrag für einen Perspektivwechsel. Die entscheidende Frage sei nicht nur, ob Ganztag funktioniert – sondern wie Kinder ihn erleben.

Wer Ganztag plant, plant Kindheit
Vielleicht beginnt guter Ganztag mit einer einfachen Frage: Wie fühlt es sich eigentlich an, ein Kind im Ganztag zu sein? Acht oder neun Stunden täglich. Verschiedene Erwachsene. Unterschiedliche Erwartungen. Wechselnde Regeln. Und trotzdem erleben Kinder all das als zusammenhängenden Teil ihres Tages. Doch ein Kind lässt sich nicht aufteilen. Es erlebt Unterricht, Freizeit, Betreuung, Beziehungen und Übergänge als zusammenhängenden Alltag, nicht als getrennte Systeme.
Während Erwachsene häufig in Zuständigkeiten, Professionen und organisatorischen Abläufen denken, nehmen Kinder vor allem Atmosphäre, Sicherheit, Tempo und Beziehungen wahr. Sie spüren hektische Übergänge, erleben, wie Erwachsene zusammenarbeiten, merken, wenn sie übersehen werden, und erfahren, ob dieser Ort Sicherheit, Orientierung und Raum zum Durchatmen bietet. Für Kinder existieren keine Schnittstellenprobleme. Für sie gibt es gute oder belastende Tage.
Ganztag verändert Kindheit
Mit dem Rechtsanspruch wächst nicht nur ein System. Gleichzeitig wächst auch die Bedeutung des Ganztags für die Lebenswelt von Kindern. Viele Kinder verbringen heute acht oder neun Stunden täglich in Schule und Ganztag. Dort erleben sie Freundschaften, Zugehörigkeit, Konflikte, Selbstwirksamkeit, Stress, Rückzug oder Einsamkeit. Dort entscheidet sich, ob ein Ort sicher wirkt, ob Erwachsene verlässlich sind und ob Kinder dazugehören.
Ganztag ist für viele Kinder längst kein ergänzendes Angebot mehr. Er ist der Ort, an dem ein großer Teil ihrer Kindheit stattfindet. Dort werden Freundschaften geschlossen, Konflikte erlebt, Regeln ausgehandelt und Selbstvertrauen aufgebaut. Je länger Kinder einen Ort täglich nutzen, desto bedeutsamer wird nicht nur, ob dieser Ort funktioniert, sondern wie er sich anfühlt.
Ganztag ist deshalb längst keine reine Organisationsfrage mehr. Er ist eine Frage von Bildungsqualität, Beziehungsgestaltung, Teilhabe und Kinderschutz. Trotzdem konzentriert sich die öffentliche Debatte häufig auf Räume, Personal, Finanzierung und Organisation. All das ist relevant. Es beantwortet jedoch nicht die entscheidende Frage: Wie erleben Kinder diesen langen Tag eigentlich?
Wer Ganztag plant, gestaltet nicht nur Strukturen, er gestaltet Kindheit.
![]()
Der Ganztagsschulverband e.V. ist der zentrale Fachverband für den Ganztag in Deutschland. Wir unterstützen alle Akteure im Ganztag auf Bundes- und auf Länderebene. Dabei verfolgen wir zwei Ziele: ein zukunftsfähiges Bildungssystem und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Im hochaktuellen Feld der Ganztagsbildung möchten wir Ideen vermitteln und Vernetzung z. B. durch Fachtage, Kongresse sowie Online-Veranstaltungen ermöglichen. Unsere vielfältige Expertise zeigt sich in unserer Fachzeitschrift „Die Ganztagsschule“ sowie in Veröffentlichungen, Seminaren und Vorträgen der Vorstandsmitglieder.
Aktuell mischen wir uns politisch ein, damit der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz ab August 2026 bestmöglich umgesetzt wird. Jährlich veranstalten wir einen dreitägigen Bundeskongress, der in diesem Jahr vom 25. bis 27. November 2026 in Kiel stattfinden wird. Wir freuen uns über neue Mitglieder (Schulen, Institutionen, Privatpersonen), die mit uns für einen hochwertigen Ganztag arbeiten!
Kontakt: Christoph Bülau, Geschäftsführer
buelau@ganztagsschulverband.de
Kochstraße 113, 04277 Leipzig
www.ganztagsschulverband.de
In vielen Konzepten wird das Kind bildlich in die Mitte gestellt. Rundherum: Schule, Jugendhilfe, Betreuung, Schulsozialarbeit, Vereine, Kooperationen und unterschiedlichste Angebote. Doch wie fühlt es sich eigentlich an, im Mittelpunkt all dieser Anforderungen zu stehen?
Denn das Bild vom Kind in der Mitte wirkt zunächst plausibel. Für Kinder bedeutet „im Mittelpunkt stehen“ jedoch nicht automatisch, dass alles auf sie ausgerichtet ist. Häufig bedeutet es auch, mit vielen Erwartungen, Regeln, Übergängen und Anforderungen gleichzeitig umgehen zu müssen. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, ob Kinder im Mittelpunkt stehen, sondern ob Ganztag tatsächlich konsequent vom Kind aus gedacht wird.
Denn vielerorts sind Ganztage noch immer geprägt von Personalmangel, fehlenden Räumen, provisorischen Lösungen und enormem Zeitdruck. Es fehlen Mensen, Rückzugsorte und gemeinsame Planungszeiten der Professionen. Gerade im Freizeitbereich sind Betreuungsschlüssel häufig so angespannt, dass individuelle Begleitung kaum möglich ist. Eine einzige Fachkraft begleitet zwanzig oder fünfundzwanzig Kinder in einer Zeit, die eigentlich Erholung, Beziehung und soziale Erfahrungen ermöglichen soll. Was in Konzepten häufig wie ein abgestimmtes Zusammenspiel aussieht, erleben Kinder im Alltag nicht selten als permanente Anpassungsleistung.
Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel, wachsendem Ausbaudruck und knappen kommunalen Haushalten besteht zudem die Gefahr, Ganztag vor allem unter organisatorischen Gesichtspunkten zu betrachten: Hauptsache, Kinder sind versorgt und der Rechtsanspruch erfüllt. Hauptsache, der Tag läuft irgendwie.
Doch Kinder erleben sehr genau, ob Ganztag nur verwaltet wird oder tatsächlich als Lebensraum gedacht ist. Wenn Gruppen größer werden, Rückzugsräume fehlen, Fachkräfte permanent an Belastungsgrenzen arbeiten und gemeinsame pädagogische Zeit wegfällt, verändert das unmittelbar den Alltag von Kindern.
Gerade deshalb darf Qualitätsentwicklung im Ganztag nicht als Zusatz verstanden werden, den man sich nur in guten Zeiten leisten kann. Denn Kinder brauchen nicht nur einen Platz im Ganztag. Sie brauchen einen Ort, an dem sie gut durch den Tag kommen können.
Kinder erleben keinen Stundenplan, sie erleben einen Tag
Ganztag kann sehr unterschiedlich organisiert sein: multiprofessionell, rhythmisiert, stärker segmentiert oder arbeitsteilig. Für Kinder zählt jedoch weniger die Organisationsform. Entscheidend ist vielmehr, wie sich dieser Tag anfühlt.
Unterricht, Mittagessen, Lernzeiten, Spiel, Konflikte, Beziehungen und Übergänge bilden einen zusammenhängenden Alltag. Erfahrungen verschwinden nicht an Übergängen. Sie wirken weiter. Ein Streit aus dem Unterricht beeinflusst die Stimmung beim Essen. Lautstärke in der Mensa wirkt in den Nachmittag hinein. Konflikte aus der Pause lösen sich nicht mit dem nächsten Programmpunkt.
Trotzdem ist Ganztag vielerorts noch immer so strukturiert, als ließen sich Kinder in Zuständigkeiten aufteilen. Dazwischen liegen Personalwechsel, unterschiedliche Regeln und häufig zu wenig gemeinsame Zeit der Erwachsenen. Kinder erleben diese Brüche sehr deutlich, besonders dann, wenn niemand den gesamten Tag gemeinsam in den Blick nimmt.
Gemeinsame Verantwortung als Grundlage
Ein guter Ganztag entsteht nicht automatisch dadurch, dass viele Angebote nebeneinander existieren. Entscheidend ist, ob Erwachsene gemeinsam Verantwortung übernehmen. Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte, Schulsozialarbeit, Jugendhilfe, Vereine und Kooperationspartner prägen den Alltag von Kindern nicht nacheinander, sondern miteinander. Doch vielerorts fehlt es an gemeinsamer Zeit, abgestimmten Haltungen und strukturell verankerter Zusammenarbeit. Informationen gehen verloren. Übergänge bleiben unklar. Kinder müssen sich immer wieder neu orientieren.
Multiprofessionelle Zusammenarbeit entsteht nicht zufällig. Sie braucht Räume, Zeit und klare Strukturen. Politik, Träger und Leitungen tragen Verantwortung dafür, Ganztag nicht nur quantitativ auszubauen, sondern qualitativ zu gestalten. Gute Ganztagsqualität zeigt sich nicht allein an vorhandenen Plätzen oder Betreuungszeiten. Sie zeigt sich daran, ob Beziehung, Sicherheit, Beteiligung und Orientierung für Kinder tatsächlich erlebbar werden. Dafür braucht es Zeit, Strukturen und passende Rahmenbedingungen.
Rhythmisierung ist mehr als ein Stundenplan
Rhythmisierung bedeutet, den Tag aus Kinderperspektive zu denken. Kinder brauchen Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung, Bewegung und Ruhe, Gemeinschaft und Rückzug. Viele Ganztage sind jedoch noch immer stark durchgetaktet: schnelle Übergänge, häufige Raumwechsel, laute Mittagssituationen und direkte Leistungsanforderungen. Erwachsene nennen das Organisation, Kinder erleben Erschöpfung.
Ein guter Ganztag schafft deshalb Orte zum Durchatmen und erkennt an, dass Lernen überall stattfindet: im Unterricht, im Spiel, in Konflikten, in Beziehungen und im gemeinsamen Alltag. Wer Ganztag gestaltet, trägt Verantwortung für den gesamten Tag eines Kindes und damit auch dafür, wie sich dieser Tag anfühlt.
Ganztag ist eine Frage von Haltung
Vielleicht braucht die Ganztagsdebatte insgesamt einen Perspektivwechsel. Weg von der Frage, wie Ganztag möglichst effizient organisiert werden kann, hin zu der Frage, welche Art von Kindheit wir gestalten wollen. Denn Ganztag prägt Kindheit. Jeden Tag.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht allein, ob ein Ganztagsplatz vorhanden ist. Entscheidend ist, welche Kindheit dort entsteht. Denn am Ende zählt nicht, wie viele Stunden Kinder im Ganztag verbringen. Entscheidend ist, wie diese Stunden erlebt werden. Werden Kinder gesehen? Finden sie Orientierung? Erleben sie Beziehungen? Gibt es Ruhe, Beteiligung und Sicherheit? Wenn Ganztag gelingt, entsteht mehr als ein verlässliches Betreuungsangebot. Dann entsteht ein Ort, an dem Kinder lernen, spielen, sich erholen, Beziehungen aufbauen und Gemeinschaft erleben können. Ein Ort, der nicht nur funktioniert, sondern sich für Kinder gut anfühlt.
Denn wer Ganztag plant, plant nie nur Räume, Zeiten oder Zuständigkeiten. Er plant Lebensräume. Und damit ein Stück Kindheit.
Tanja Beierlein arbeitet im Jugendamt Stuttgart im Bereich Qualität und Qualifizierung mit den Schwerpunkten Schulkind, Ganztag und Ausbildung. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich insbesondere mit Qualitätsentwicklung, multiprofessioneller Zusammenarbeit und der Frage, wie Ganztag als gemeinsamer Bildungs-, Erziehungs- und Lebensraum für Kinder gestaltet werden kann. Sie engagiert sich zudem im Bundesvorstand des Ganztagsschulverbands e.V.
Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats “Guter Ganztag”.










Ganztag verursacht mehr Rückenleiden, Kurzsichtigkeit und Erschöpfung. Keine gute Prägung.
Quellen zu dieser Behauptung?
Danke für diesen Beitrag!
„Es fehlen Mensen, Rückzugsorte und gemeinsame Planungszeiten der Professionen.“ und Klimaanlagen -___-
Und aus dem Grund ist der Ganztag kaum mehr als Betreuung. Allerdings haben viele Eltern in der aktuellen wirtschaftlichen Situation keine andere Wahl.
„Multiprofessionelle Zusammenarbeit entsteht nicht zufällig. Sie braucht Räume, Zeit und klare Strukturen. Politik, Träger und Leitungen tragen Verantwortung dafür, Ganztag nicht nur quantitativ auszubauen, sondern qualitativ zu gestalten. Gute Ganztagsqualität zeigt sich nicht allein an vorhandenen Plätzen oder Betreuungszeiten. Sie zeigt sich daran, ob Beziehung, Sicherheit, Beteiligung und Orientierung für Kinder tatsächlich erlebbar werden. Dafür braucht es Zeit, Strukturen und passende Rahmenbedingungen.„
Ganz genau.
Da es aber nicht mehr Zeit, die richtigen Strukturen und passende Rahmenbedingungen geben wird, könnte man den Beitrag auch als indirekte Forderung nach Abschaffung des Ganztages verstehen.
Inzwischen mag ich all diese durchaus nachvollziehbaren Forderungen nicht mehr lesen oder hören.
Vielleicht sollte man mal mehr auf flächendeckende Machbarkeit schauen, wenn anderes nicht möglich ist?
Leuchtturmprojekte helfen nicht weiter, denn (obwohl ihre Fans immer behaupten, die Bedingungen dort wären keine besonderen) die Bedingungen sind bei genauerem Hinsehen immer ganz besondere.
„Da es aber nicht mehr Zeit, die richtigen Strukturen und passende Rahmenbedingungen geben wird, könnte man den Beitrag auch als indirekte Forderung nach Abschaffung des Ganztages verstehen.“
Wenn man den restlichen Beitrag nicht gelesen hat…
„Inzwischen mag ich all diese durchaus nachvollziehbaren Forderungen nicht mehr lesen oder hören.“
Also Ganztag ohne Forderung nach dringend benötigten/ konkreten Verbesserungen, stattdessen von dessen Nichtexistenz träumen – woher kenne ich diese Haltung bereits schon (augenroll)
Wie kommt es eigentlich, dass Sie immer Dinge erlesen, die nicht geschrieben wurden.
Ich bin nicht per se gegen Ganztag, sondern denke, dass wir inzwischen an einem Punkt angekommen sind, an dem feststeht, dass die Politik (ja verallgemeinernd) offensichtlich nicht vorhat, die Bedingungen an Schulen zu verbessern.
Zu welchem Schluss soll man denn nach den letzten 25 Jahren auch sonst kommen?
Sich dann noch immer hinzustellen und Dinge zu fordern, die sowieso niemals kommen werden, wirkt vor diesem Hintergrund für mich deshalb mehr als sinnlos.
Also muss man doch mal dahinkommen zu schauen, was in Deutschland eigentlich umsetzbar ist. Ein Recht eines jeden Kindes auf guten Ganztag mit der Verpflichtung, dass auch alle Kinder im Ganztag beschult werden, ist es de facto nicht.
„Da es aber nicht mehr Zeit, die richtigen Strukturen und passende Rahmenbedingungen geben wird“
„Vielleicht sollte man mal mehr auf flächendeckende Machbarkeit schauen, wenn anderes nicht möglich ist?“
Das ist mitunter mein Kompromiss bezüglich „Bildungspflicht“ halt.
„Leuchtturmprojekte helfen nicht weiter“
Tatsächlich schon.
Zum einen zeigen diese, wie gut (oder zumindest besser) „Schule“ sein/gemacht werden kann (könnte).
Zum anderen wird man nach einem Systemkollaps solche Leuchtturmprojekte brauchen, um eine neue Zielrichtung dann zu haben. Die Machbarkeit usw. wird halt „herangetastet“. Durchaus sinnvoll.
„denn (obwohl ihre Fans immer behaupten, die Bedingungen dort wären keine besonderen) die Bedingungen sind bei genauerem Hinsehen immer ganz besondere.“
Und es wird auch geschaut, wie diese agieren und funktionieren. Dementsprechend wird man ggf. regulieren. Manche Pilotprojekte wurden ja bereits – trotz (mehr oder weniger kurzfristigen] Gelingens – eingestampft.
Dazu braucht man eben nur „Förderungen reduzieren“ und schauen, ob sich das noch trägt.
Oder „Mehrbelastungen erzeugen“ [Mehr SuS pro Klasse usw.] und schauen, ob sich das noch trägt.
Ist durchaus wichtig, solche Erkenntnisse zu gewinnen. Man verliert zwar aktuelles Potential [weil man nciht investiert …]. Allerdings schaut man, ob nach einem Bildungskollaps ein „machbares, aber nicht zu kostenbeanspruchendes Konzept“ da ist. Immerhin, oder?
Ist ja besser, als komplett gegen die Wand zu fahren ohne jegliche Ausweichpotentiale [Strecken] und Konzepte für sicherere und besserere Züge danach.
Zwar verstehe ich Ihre Argumentation Leuchtturmprojekte betreffend, da sie logisch ist, allerdings frage ich mich, wie lang denn der Bildungskollaps noch andauern soll. Im Augenblick sieht es ja eher so aus, dass die Politik die Notlage immer noch nicht als solche sieht. Wäre es anders, hätte sie doch wohl inzwischen weitreichende Veränderungen angeschoben.
Denen ist das vollkommen klar.
Stellen Sie sich die Frage: Warum sollten sie?
Und die Folgefrage: Würden Sie das denn an deren Stelle ggf. machen?
Legislaturperioden sind für Bildungsthemen oft einfach zu kurz. Man denkt politisch primär in Legislaturperioden. Rest wird „als Zukunftsziele“ mal verschoben. Wer das dann jeweils macht und wie … Das weiß man dann auch oft gar nicht. Juckt?
Die Notlage ist ja noch gar nicht so wirklich da. Ja, es bröckelt. Ja man geht darauf zu. Aber noch erhofft man sich 10-15 Jahre, was durchaus aktuell realistisch erscheint. Rest ist „technologischer Wandel“ und „gesellschaftlicher Wandel“.
Was gewinnt man AKTUELL?
Man müsste [und sollte] massiv Gelder investieren.
Gelder, welche man ebenfalls anderswo bräuchte:
– Bauförderung ist aktuell ein schwieriges Thema
– Kommunen sind ebenfalls stellenweise pleite
– Renten und Pensionen können kaum abgedeckt werden
-> Die Erhöhung von Rentenbeiträgen ist mehr oder weniger schon „gesichert“. Da wird man kaum rum kommen. Die „Einstimmung“ darauf gibt es ja schon.
– Bürgergeld und co. wird ebenfalls diskutiert [was braucht man wirklich … So wirklich wirklich]
– Usw. usf.
Da steht Bildung (erstmal) hinten an.
Dazu: Welches Konzept? Wie begründet? Wie „kurzfristig“ handelnd? Durch wen die Gelder? [Bund zahlt ca. 10% zur Bildung/an Schulen. Erhöhung weigert man sich wehement]
Wie sieht es aus mit den „Machterhalt der Bildungsautonomie der Länder“? Auf diese will man ungern verzichten. Oder auch nur dem Bund etwas entgegen kommen. Nur ohne … Eben keine Gelder.
Es ist und bleibt ein sehr komplexes (Spannungs-)Feld.
Was sicher ist … Man weiß es.
Man verschiebt, hält hin und hofft, dass es (erstmal) „irgendwie“ klappt. Und bestenfalls kann KI-Einsatz [und Robotik irgendwann] ja „helfen“.
Warum sollte man sich denn in das „Raubtiergehege“ sich freiwillig begeben? Wer möchte diese Rolle?
Dazu erhofft man sich „das Schulgefüge“ dann eben zum Kollaps rumzudrehen. Wer regiert dann? 10-15 Jahren? Das kann noch keiner gesichert vorhersagen.
Denkt man dann 10-15 Jahre zurück?
Die CDU/CSU regiert. Wer hatte 16 Jahre lang massive Einsparungen mit getragen?
Hm. Warum nicht einfach „weiter so“ und „wir schaffen das“?
Funktionierte doch politisch gesehen bisher sehr gut.
Ist wie bei Klima und Fluchtmigration usw.
Man wusste, dass „etwas“ kommt. Man weiß, dass es inzwischen „periodischen Zyklus“ diesbezüglich geben könnte.
Handelt man? Naja …
Wer glaubt, dass „die“ das nicht wüssten … Ist da etwas naiv meiner Meinung nach.
Berater haben sie. Die sind oftmals recht eindeutig.
Praxismenschen sind ebenfalls da.
Hier liest man es. Auch die Tendenz und der Richtwert ist doch recht eindeutig.
Man mag (und kann) es einfach nicht wirklich ändern. Solange es läuft – läuft es. Und bis es nicht mehr läuft … Läuft es ja. Dann? Mal schauen.
Glauben Sie ernsthaft, dass „Im Augenblick sieht es ja eher so aus, dass die Politik die Notlage immer noch nicht als solche sieht. Wäre es anders, hätte sie doch wohl inzwischen weitreichende Veränderungen angeschoben.“
Glauben Sie das? Haha. Guter Witz zumindest. Ne sorry – bekannt ist es. Es wird in Kauf genommen. Ganz einfach eigentlich.
Nirgendwo ist es so dunkel, wie am Fuße des Leuchtturms…
Ich sehe das ähnlich. Vieles was vom Ganztags erwartet wird könnten auch viele Familien selbst leisten, wenn die Kinder nur im Halbtag zur Schule gehen und ein Elternteil sich schwerpunktmäßig der Kindererziehung widmet (also maximal zu 50 Prozent arbeitet).
Nur passt dieser Entwurf nicht so gut zum Zeitgeist.
„Entscheidend ist, ob Erwachsene gemeinsam Verantwortung übernehmen. Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte, Schulsozialarbeit, Jugendhilfe, Vereine und Kooperationspartner prägen den Alltag von Kindern nicht nacheinander, sondern miteinander.“
Es sieht so, dass für einen „guten Ganztag“ für die Kinder die Eltern keine Rolle mehr spielen. Wie sich das wohl anfühlt?
Nach einer haltlosen Unterstellung?
Aber hey, fordern Sie doch ein Arbeitsverbot für Eltern, bis der Nachwuchs 18 ist (augenroll)
Sie meinen also, dass „guter Ganztag“ auch funktioniert, wenn Eltern nicht mitziehen?
Das würde ich stark bezweifeln.
Man glaubt es kaum, aber an meiner Schule gibt es nicht wenige Kids, deren Eltern Ganztag ganz allgemein auch doof finden. Raten Sie mal! Ja, genau, die lassen ihre Kids nachmittags dem Unterricht fernbleiben, wenn sie keine Lust haben und schreiben ihnen Entschuldigungen.
Was meinen Sie, wie sich das auf die Kids auswirkt?
Es wäre schön, wenn Sie Ihrerseits nicht ständig anderen Dinge unterstellten! Danke!
„Kooperationspartner“
Etwas schade, dass viele Lehrkräfte Eltern nicht auch als Kooperationspartner irgendwie sehen. Ist vergeudetes Potential.
Zeigt jedoch auch die staatlichen Schulstrukturen und Gedanken etwas auf.
Stimmt, Kinder nur „unterzustellen“, bietet keinen Halt. Aber wer redet denn davon?
„Es sieht so, dass für einen „guten Ganztag“ für die Kinder die Eltern keine Rolle mehr spielen.“
https://www.news4teachers.de/2026/06/ganztag-ist-mehr-als-betreuung-er-praegt-kindheit-jeden-tag-gastbeitrag/#comment-815333
Verbote sind Unsinn.
Aber man könnte ja wieder stärker das traditionelle Familienmodell unterstützen und die Kindererziehung wieder mehr in die Hände der Eltern legen. Diese können die im Artikel genannten Aspekte besser Leisten als „der Staat“. (Weniger feste Bezugsperson, Zeit für Gespräche, klare Strukturen, Stabilität, etc.)
„Aber man könnte ja wieder stärker das traditionelle Familienmodell unterstützen“
Warum nur „traditionelle“? Meinen Sie, andere Familienmodelle kümmern sich weniger?
Oh, wie bildungsferne Familien Sie da wo überraschen würden (augenroll)
Also Bürgergeld für alle!!
Viele im Bereich Mindestlohn wären dadurch nicht viel schlechter gestellt.
Ja, oder Canishine labert Müll, dass Schulen mit Ganztagsangebot weniger Kooperation mit den Familien suchen. You make the call! 😀
Ganztag als wesentlicher Teil der Kindheit, dies bedeutet, dass Kinder sich selbst als „organisiert werden müssen“ wahrnehmen. Sie dürfen nicht mehr nur „sein“ und „sich finden“. Es erinnert doch irgendwie an die grauen Herren und ihre Auswirkungen auf die Freunde von Momo. Da wünsche ich doch so manchem Kind eine Kassiopeia.
Als Tipp: Nicht nur Kinder brauchen das, Menschen allgemein brauchen das bis zu einem Gewissen Grad – je nach Persönlichkeit und „Anlage“ [Bspw. Neurologische Bedingungen].
Generell stimme ich dem Beitrag zu. So sollte es sein.
Die Richtung geht jedoch einen anderen Weg halt. Wie bei vielen Sachen.
Daher ist und wird die Realität auch hier eben die Rahmenbedingungen bestimmen.
Und die Realität wurde ja angesprochen: Rechtsanspruch abdecken – egal wie.
Wer glaubt denn wirklich, dass man aktuell einen qualitativen Ganztag [Schule und Hort/OGS usw.] flächendeckend gestalten kann und will? Im Moment stellt sich weiterhin die Frage, ob man überhaupt dies quantitativ überhaupt kann. Personell und räumlich – egal welche Räume.
„nehmen Kinder vor allem Atmosphäre, Sicherheit, Tempo und Beziehungen wahr“
Das machen Erwachsene auch. Oft weniger bewusst. Allerdings merkt man bspw. sehr schnell, ob man sich „wo wohl fühlt“ oder halt nicht.
„Gute Ganztagsqualität zeigt sich nicht allein an vorhandenen Plätzen oder Betreuungszeiten. “
Richtig, allerdings zeigt sich die Deckung des Rechtsanspruchs genau damit. Auch ohne Fokus auf qualitativen Ganztag.
Ganz im Gegenteil sogar: Je „notbehafteter“ man den Ganztag gestaltet, desto weniger nehmen ihn in Anspruch.
Der Fokus setzt sich primär auf:
– Ganztagabdeckung zur Grenze des Rechtsanspruchs
– Ganztagsabdeckung zur wirtschaftlichen Grenze hin -> D. H. der Ganztag sollte „so zumutbar“ gestaltet sein, dass die Eltern trotzdem nicht weniger arbeiten. Ist dann eben oft ein Kompromiss.
„Dafür braucht es Zeit, Strukturen und passende Rahmenbedingungen.“
Also alles, was „Mangelbereich Schule“ generell fehlt und man sogar mehr belastet, statt zu entlasten?
Wie kommt man darauf, dass sich dies ändern wird? Die Richtung geht in eine andere.
Man kann natürlich einige Lehrkräfte in den Ganztag locken [Anrechnung als päd. Fachkraft gibt es ja inzwischen und die Gehälter sind gut gestiegen]. Jedoch macht man sich damit halt an anderen Stellen wieder ein Mehr an Belastung und Mangelerhöhung auf.
Und wenn – wie im Beitrag richtig benannt -qualitativer Ganztag ein Zusammenspiel aus Fachprofessionen sein soll, dann geht sich das halt zusätzlich nicht so ganz rechnerisch aus.
Wo entlastet man? Beispielsweise für die „gemeinsame Planung/Zeit“ und „Abstimmungen und Absprachen“?
Wie kommt man darauf, dass „Schule“ gemeinsam hier qualitativ ansteigt, bei Kostenreduzierung? Klar buttert man in Hort/OGS. Jedoch wäre qualitativer Ganztag halt auch „zusätzlich in generelle Rahmenbedingungen der Schule“ zu investieren. Also sowohl „Vormittag“, als auch „Nachmittag“.
Fehlt ja schon am Vormittag häufig die Grundrahmenbedingungen dazu.
Es bleibt weiterhin:
– Ganztagsandeckung wegen Ganztagsrecht [quantitativ als Fokus]
– Schulen mal schauen, bis 2030/2031 eben Ersteres [Ganztagsrecht] als quantitativer Fokus mit bisschen „Qualitätswillen/-zuspruch“ beim Hort/OGS
– Dann wieder schauen, ob man Gelder sparen kann und die Akzeptanz als Kompromiss bleibt
Frau Beierlein hat vollkommen Recht. Ändert das allerdings etwas an der Politik? An den Geldern? An den Fokuspunkten?
Viele beratende Instanzen haben tatsächlich Recht. Seit Jahrzehnten.
Und trotzdem ignorierte und ignoriert man diese „gekonnt“.
Wir haben kein Erkenntnisproblem.
Weder beim Ganztag, noch bei Schule.
Wir haben ein Willens- und Handelnsproblem.
Ohne Willen – auch kein Handeln.
Mit dem Ganztag haben wir uns nur eine weitere Mangelstellschraube gebastelt, welche jetzt schon geölt werden muss, bevor sie überhaupt so richtig montiert wurde.
Wie wäre ein sinnvoller Weg gewesen?
– Man hätte massiv in Schule generell investiert
– Der Grundsockel von „qualitativer Schule“ steht?
– Dann „baut“ man nach oben qualitativ aus
– Der Turm steht stabil
-> Teilchen für Teilchen halten
Wie wurde (und wird) es gemacht?
– Man investiert(e) viel zu wenig
– Der Grundsockel wackelt extrem schon bei Kita/Kiga
– Dann bei Grundschule [Macht ja inzwischen sogar, dass dieses Turmstückchen rausgezogen wird]
– Legt es oben einfach wieder drauf, ohne unten Pfeiler zu haben [wie bei dem Turmspielchen halt]
– Sagt: Das wird schon klappen. Jetzt noch fünf Stöcke dazu
– Nimmt dazu wiederum „untere Teile“ [hat man ja schon … Wer will schon neue stabilere Teile kaufen?]
– Wundert sich dann [2026? 2030? Spätestens 2035-2040], dass das Türmchen einbricht
– Gibt dem Spiel [Turm, Bauteile] die Schuld
Mal im Ernst: Erwartet jemand wirklich etwas anderes?
Meiner Meinung nach wird mit den Ganztagsschulen den Kindern ein Stück weit die Kindheit genommen.
Es gibt sicherlich Eltern, die auf die Betreuung angewiesen sind- insbesondere in der Grundschule. Aber ab der weiterführenden Schule sind die meisten Kinder schon selbstständig.
Die Kinder müssen ihre Welt und ihre Umgebung entdecken, ihre eigenen Vorlieben entdecken und ihre Freizeit selbst gestalten, wie sie es wollen.
Ständig umgeben von Erwachsen, von Regeln und mit vorgesetzten Beschäftigungsmöglichkeiten, im schlimmsten Fall verpflichtend, im allerschlimmsten Falm ist es Nachmittagaunterricht… Wann kann sich ein Kind dann noch frei entfalten? Es ist schließlich bis 16/17 Uhr unterwegs und sieht nur Schule, sonst nichts- das Leben ist bestimmt von Erwachsenen. Danach geht es nach Hause, es wird im besten Fall zu Abend gegessen und hat noch 1-2 Stunden für sich selbst. Das ist wie ein Vollzeitjob im Kindesalter.
Ich bin froh, dass ich ab spätestens 13:00 Uhr keine Schule mehr hatte und ich meine Welt selbst entdecken konnte.
? Die Kids an meiner Schule können sich trotz Ganztag frei entfalten.
Was machen die bloß falsch?//
Genauso sehe ich es auch. Der Ganztag nimmt nicht nur ein Stück Kindheit sondern auch ein Stück Freiheit.
Zudem gewöhnt es die Kinder daran, dass es immer ein „Programm“ gibt. Dadurch lernen diese weniger, selbst nach Beschäftigung zu suchen und ihr Leben selbst zu gestalten.
Vielleicht ist auch der Ganztag ein Grund dafür, dass Schulabgänger immer weniger Selbständig sind.
Es geht beim Ganztag nicht um Kinder. Es geht um die Arbeitskraft der Eltern, niedrig halten der Löhne und vielleicht sogar die Ganztags“Industrie“, die die Geldtöpfe für die Kinderbetreuung voll halten möchte.
Das sehe ich auch so, ich war sowas von glücklich als Kind, dass ich spätestens 13.40 Uhr Schulschluss hatte, ich wollte nämlich auch gern mal zu Hause sein und Zeit für meine eigenen Sachen und Hobbys haben. Unser Sohn brauchte auch seine Freiheit, er hätte es niemals bis 16 oder 17 Uhr in der Schule ausgehalten. Ich hätte mein Kind auch nie in eine verpflichtende Ganztagsschule geschickt, weil ich das schrecklich finde.
Da kann ich nur zustimmen und noch ein bisschen in dieser Vision des aus Kindersicht gelungenen schwelgen…
Und nun zurück zur Realität!
…. gelungenen Ganztags schwelgen…
Wurden Kinder überhaupt mal gefragt? Ich habe Zweifel.
Ich bin genau aus diesem Grund nicht für den Ganztag. Sehr viele Kinder würden ihn in der verpflichtenden Form ablehnen, wenn sie eine Wahl hätten.
Da sie aber nicht gefragt werden und keine Wahl haben, wäre für mich das oben gezeichnete Bild das Idealbild des Ganztags, wenn sie denn schon gezwungenermaßen hin müssen.
In der Realität ist es noch viel weniger kindgerecht.
Das könnte ich fast unter jeden Artikel des Themenmonats schreiben:
In HH gibt es seit 13 Jahren einen Rechtsanspruch auf kostenlose Ganztagsbetreuung, der von 85% der Kinder/Eltern in Anspruch genommen wird.
In anderen Bundesländern gibt es das in verschiedenen Formen auch schon länger.
Man muss also nicht immer so tun, als sei das uncharted territory.
Es gibt verschiedene Modelle und Konzepte und wie immer kommt es auf die Umsetzung vor Ort an.
Die (üblichen) Probleme sind bekannt und in dem Artikel gut adressiert.
Jedenfalls was Hamburg betrifft, gibt es verlässliche Grundschule bis 13 Uhr. Wesentlich mehr Betreuungszeit kommt bei der Mehrzahl der Kinder nicht oben drauf. Da ist dann mit ein bisschen spielen, essen und Hausaufgaben auch Schluss.