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Unterricht verbessern – nicht Lehrkräfte kontrollieren: dbb legt Leitlinien für datengestützte Schulentwicklung vor

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BERLIN. Die von den Kultusministern forcierte Debatte über eine stärker datengestützte Steuerung von Schule und Unterricht  gewinnt an Dynamik. Lernstandserhebungen, Vergleichsarbeiten und digitale Auswertungssysteme sollen Unterricht verbessern und Schülerinnen und Schüler gezielter fördern. Der dbb beamtenbund und tarifunion unterstützt diesen Ansatz grundsätzlich – zieht jedoch eine klare Grenze. In einem jetzt beschlossenen Positionspapier warnt der Beamtenbund davor, dass der Umgang mit Daten „in eine Kontrolllogik kippt“.

Big Brother? (Symbolbild.) Illustration: News4teachers

Der dbb richtet sich damit gegen eine Entwicklung, in der immer mehr Daten erhoben werden, ohne dass ihr pädagogischer Nutzen eindeutig belegt ist. Nach Auffassung des Beamtenbundes muss deshalb vor jeder Ausweitung datenbasierter Verfahren geklärt werden, welchem pädagogischen Ziel sie dienen, welche Daten dafür geeignet sind und unter welchen Bedingungen ihre Nutzung „wirksam, verantwortungsvoll und praxistauglich erfolgen kann“. Dabei bestehe „auf allen Ebenen erheblicher Orientierungs- und Präzisierungsbedarf“.

Neue oder ausgeweitete Datenerhebungen seien nur dann gerechtfertigt, wenn sie „pädagogisches Handeln der Lehrkräfte konkret und unmittelbar im Unterricht unterstützen, verständlich aufbereitet sind und im Schulalltag praktikabel genutzt werden können“. Zugleich müssten bestehende Förder-, Unterrichts- und Schulentwicklungsmaßnahmen daraufhin überprüft werden, welche durch neue Verfahren doppelt würden und deshalb entfallen könnten.

PhoneLocker, verschließbare Smartphone-Tasche

Im Zentrum des Positionspapiers steht die pädagogische Verantwortung der Lehrkräfte. Datengestützte Verfahren könnten ihre professionelle Urteilskraft unterstützen, sie aber „keineswegs ersetzen“. Deshalb müsse die Verantwortung für Unterricht, Diagnose und Förderung jederzeit bei den Lehrkräften verbleiben. Rückmeldungen aus datengestützten Verfahren müssten „verständlich, adressatengerecht und in handlungsleitenden, praxistauglichen Formaten aufbereitet sein“, damit sie unmittelbar für pädagogische Entscheidungen genutzt werden könnten. Zugleich dürfe „der Einsatz von Daten nicht zu standardisierten Vorgaben führen, die die pädagogische Freiheit der Lehrkräfte einschränken“.

„Für die Schul- und Unterrichtsentwicklung gilt, dass nicht die Menge der erhobenen Daten entscheidend ist, sondern ihr pädagogischer Nutzen“

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Steuerung datenbasierter Verfahren. Der dbb weist darauf hin, dass Lehrkräfte bereits heute mit einer Vielzahl an Rückmeldungen und Informationen aus dem Schulalltag arbeiteten. Deshalb komme es „nicht vorrangig auf immer neue Erhebungen an, sondern auf eine erleichterte, sinnvolle, qualitätsgesicherte und praxistaugliche Nutzung vorhandener Informationen“. Vor jeder Einführung neuer Verfahren müssten „die pädagogischen Ziele, der Nutzungszweck, der unmittelbare Mehrwert für Lehren und Lernen sowie die Praktikabilität im Schulalltag verbindlich geklärt“ werden.

Ebenso deutlich fordert der Beamtenbund bessere Rahmenbedingungen für die Umsetzung. Datengestützte Schulentwicklung dürfe „keine weitere zusätzliche bürokratische Belastung erzeugen“. Wer mehr datenbezogene Verfahren fordere, müsse zugleich „überflüssige Aufgaben abgebaut, Berichtspflichten reduziert und administrative Prozesse vereinfacht haben“. Darüber hinaus seien verlässliche personelle und zeitliche Ressourcen bereitzustellen – unter anderem für die kollegiale Zusammenarbeit, Lernentwicklungs- und Fördergespräche sowie die anschließende pädagogische Umsetzung. „Datenerhebung und Diagnose müssen in enger zeitlicher und fachlicher Verbindung mit konkreten Fördermaßnahmen stehen.“ Ohne eine anschlussfähige Förderperspektive entfalteten datengestützte Verfahren „keinen pädagogischen Mehrwert“.

Breiten Raum nimmt die Forderung nach einer transparenten Datenkultur ein. Für alle Beteiligten müsse nachvollziehbar sein, warum welche Daten erhoben werden, wofür sie genutzt werden und wer Zugriff darauf erhält. Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung seien dabei ebenso unverzichtbar wie klare Regeln für den Umgang mit personenbezogenen Daten. Vergleichs- und Rückmeldedaten dürften „nicht in verkürzte Vergleichs- oder Rankinglogiken überführt werden“.

Zur Diskussion über eine bundesweite Schüler-ID und ein Bildungsverlaufsregister äußert sich der dbb zurückhaltend. Beide Instrumente kämen nur unter strengen datenschutzrechtlichen Voraussetzungen infrage. Eine Verknüpfung mit der Bürger-ID schließt der Beamtenbund ausdrücklich aus. Individuelle Förderinformationen müssten unter der pädagogischen Verantwortung der Schulen verbleiben; Auswertungen dürften ausschließlich anonymisiert erfolgen.

Darüber hinaus fordert der dbb den systematischen Aufbau von Datenkompetenz bei Lehrkräften, Schulleitungen und multiprofessionellen Teams. Dafür brauche es Fortbildungsangebote, zeitliche Freiräume und unterstützende Strukturen. Multiprofessionelle Zusammenarbeit müsse mit klaren Zuständigkeiten und ausreichenden Kooperationszeiten verbunden werden. Zugleich fordert der Beamtenbund eine leistungsfähige technische Infrastruktur mit einheitlichen Daten- und Sicherheitsstandards, klar geregeltem Support und dem Ziel, Doppelarbeit und Mehrfachmeldungen zu vermeiden und die pädagogischen Fachkräfte zu entlasten.

„Daten müssen die pädagogische Arbeit der Lehrkräfte konkret unterstützen“

Prof. Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands und Vorsitzende der dbb-Fachkommission Schule, Bildung und Wissenschaft, sieht in der Stellungnahme den entscheidenden Maßstab für die weitere Entwicklung. „Für die Schul- und Unterrichtsentwicklung gilt, dass nicht die Menge der erhobenen Daten entscheidend ist, sondern ihr pädagogischer Nutzen.“ Voraussetzung seien eine kluge Steuerung und klare Entscheidungen darüber, welche pädagogischen Ziele verfolgt würden, welchen Mehrwert die Datennutzung im Unterricht habe und welche Aufgaben dafür an anderer Stelle entfallen könnten.

„Daten müssen die pädagogische Arbeit der Lehrkräfte konkret unterstützen“, betonte Lin-Klitzing. Lehrkräfte arbeiteten bereits heute mit vielen Rückmeldungen und Beobachtungen. Entscheidend sei, dass daraus rechtzeitig konkrete Unterstützung für Schülerinnen und Schüler entstehe. Datenbezogene Erkenntnisse müssten Förderung im Unterricht ermöglichen, statt lediglich nachträgliche Analysen zu liefern. „Zudem dürfen datenbezogene Erkenntnisse nicht in Kontroll-, Ranking- oder Rechtfertigungslogiken kippen.“ News4teachers

Hier lässt sich das vollständige Papier herunterladen. 

Datengestützte Schulentwicklung: Datenschützer warnt Kultusminister, zu weit zu gehen

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8 Kommentare
Sepp
16 Tage zuvor

Klassenarbeiten sollen doch immer mehr nach Belieben geschrieben oder gleich durch alternative Prüfungsformate wie Podcasts und Co ersetzt werden.
Wie passen da Daten, wie sie in Vergleichsarbeiten ermittelt werden, ins Bild?

Lampion
16 Tage zuvor

Einerseits – andererseits. Einerseits wäre es schon mal gut, nachzuhaken und nachzufragen, warum manche Lehrkräfte Lernziele nicht erreichen. Das bedeutet ja nicht automatisch, sie haben selber schuld. Andererseits, ja, alles bis ins letzte Details zu kontrollieren, zu messen, zu optimieren, ist neuzeitlicher Optimierungswahnsinn, da fallen mir nur gläserner Patient und Stasi ein.

Allerdings kenne ich Kollegen und das muss aufhören, die haben so chaotische Zustände in ihrem Unterricht, dass da niemand etwas lernen kann, aber die schieben es immer auf die Schüler, die faul sind und die Eltern, die nicht mitmachen. Schluss damit! Kehre vor deiner eigenen Tür zuerst!

Sepp
15 Tage zuvor
Antwortet  Lampion

„warum manche Lehrkräfte Lernziele nicht erreichen“

Welche Lernziele sollen die Lehrer denn erreichen?

„Allerdings kenne ich Kollegen und das muss aufhören, die haben so chaotische Zustände in ihrem Unterricht, dass da niemand etwas lernen kann, aber die schieben es immer auf die Schüler, die faul sind und die Eltern, die nicht mitmachen.“

Ich war im letzten Schuljahr in einer neuen fünften Klasse, die total chaotisch war. Es hat mich wirklich Kraft gekostet, dort zu unterrichten. Habe mir die Klasse dann mal in anderen Kontexten angeschaut – beliebige Sitzplatzwahl, alle möglichen Dinge auf den Tischen, Unruhe, fehlende Gesprächsregeln, Lärm etc. Bei mir ging es im Vergleich dazu noch.
Chaotische Zustände in Klassen haben eben nicht (nur) mit den Fachlehrern zu tun, sondern auch eine Menge mit der Klassenleitung und de manchmal un-pädagogischen Konzepten.

ed840
15 Tage zuvor
Antwortet  Lampion

So wie ich das verstanden habe, soll die datengestützte Schulentwicklung vor allem helfen, dass Lerndefizite bei SuS frühzeitig erkannt und entsprechende Fördermaßnahmen eingeleitet werden, damit diese SuS nicht als „low-performer“ enden.

vhh
15 Tage zuvor
Antwortet  Lampion

Kann man von Lehrkräften Psychotherapie und Unterricht gleichzeitig verlangen? Wenn VERA8 mehr als 50% gruselige Ergebnisse in Deutsch liefert, im Grundkursbereich noch mehr, konstant über alle Kurse des Jahrgangs, herrschen dann überall chaotische Zustände? Die gibt es ab und zu, sicher, aber weder sind eine Mehrzahl der Lehrkräfte faul und desinteressiert, noch sind Lernbereitschaft und Konzentrationsfähigkeit der SchülerInnen seit Digitalisierung in den Schulen und KI unverändert geblieben. Lernerfolge gibt es trotzdem, zur Not wird ein kaum überprüfbarer Kompetenzerwerb reklamiert.
Es gibt sie, die Stunden mit den chaotischen Zuständen, aber warum erwähnen dann sehr viele in Gesprächen das als neue Erfahrung, haben den Eindruck, jedes Jahr werde brauchbarer Unterricht unmöglicher?
Lehrkräfte können Lernziele nicht einfach so erreichen, lehren und lernen, das ist ein zweiseitiger Prozess! ‚Schon mal nachfragen‘, das ist wirklich originell. Es gibt kein Thema, das im Lehrerzimmer intensiver diskutiert wird. Man tauscht sich nicht über ’schlimme Schüler‘ aus, man spricht darüber, wie man was verändern, verbessern könnte.Wir gehen doch nicht in die Schule, ertragen die (eigenen!) Stunden und nennen das statt Misserfolg einfach Job. Jedenfalls sicherlich nicht in nennenswertem Umfang, auch wenn sich das als Erzählung gut verkaufen lässt.

Realist
15 Tage zuvor

Ich sehe hier schon den nächsten schulischen Daten-Super-Gau auf uns zukommen, für den dann keiner der „Leistungsträger“ in den Ministerien oder den IT-Dienstleistern aus der „freien“ Wirtschaft verantwortlich sein will, Motto: „Kann ja mal passieren.“

Die Schuld zuschieben wird man dann wieder irgendeiner Lehrkraft, die einen Zettel mit einem Passwort irgendwo offen rumliegen lassen hat.*

*Nein, in keinem vernünftig konzipierten IT-System sollte der Verlust eines Passworts zu einem Datendiebsstahl jenseits der sehr eingeschränkten Rechte eines einzelnen Nutzers führen dürfen…

Rainer Zufall
14 Tage zuvor

Buh! Zu wenig!
Macht DATENGESTÜTZTE POLITIK! 🙁

Aber ne, garantiert gibt es 16 ganz verschiedene Ansätze, die alle so erfolgreich sind, UND die sich zusätzlich nach gefühlt jeder Landtagswahl ändern können, ohne dass niemals niemand etwas dazulernen muss -___-

447
14 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Mark my words:

Bis das mit der Ordnungsamt-Gartenzwerg-Faxgerät-Datenschutz-Logik funktioniert…
… wird es privatwirtschaftlich angebotene Apps für leistungsfähige Mobilgeräte und kurz danach voll clients mit transformer-Modellen wie „Privatlehrer Englisch/Mathe Deutsch“ geben, die voll sprech- und hörfähig sind. (Sind sie jetzt schon fast)

Die guten gegen Penunzen, die gratis gegen volle Datenabsaugung plus Werbespam, die unseriösen mit beidem.