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Philologen: Abordnungen könnten bundesweite Anerkennung des Abiturs gefährden

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DRESDEN. Der Deutsche Philologenverband (DPhV) erhebt schwere Vorwürfe gegen die aktuelle Steuerung von Lehrkräfteabordnungen in Sachsen. Nach Auffassung des Verbandes führt die Berechnung der Unterrichtsversorgung dazu, dass Gymnasien überproportional Lehrkräfte abgeben müssen. Dadurch könnten die von der Kultusministerkonferenz festgelegten Mindestvorgaben für den gymnasialen Bildungsgang unterschritten werden. Der Verband sieht deshalb die bundesweite Anerkennung des sächsischen Abiturs gefährdet – und fordert das Kultusministerium zum sofortigen Handeln auf.

Umgesetzt. Illustration: Shutterstock

Die bundesweite Anerkennung des Abiturs basiert auf den Beschlüssen der Kultusministerkonferenz (KMK) zur Gestaltung der gymnasialen Oberstufe. Nach den geltenden Vorgaben müssen Schülerinnen und Schüler bis zum Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife insgesamt mindestens 265 Jahreswochenstunden absolvieren, einschließlich fünf Stunden Wahl- beziehungsweise Flexibilisierungsunterricht. Nach Angaben des Deutschen Philologenverbandes handelt es sich dabei um eine verbindliche Mindestvorgabe, die die Vergleichbarkeit der Abschlüsse in allen Bundesländern sichern soll. Würde diese Stundenzahl unterschritten, wäre nach Auffassung des Verbandes die Gleichwertigkeit des Abschlusses und damit dessen bundesweite Anerkennung gefährdet.

Auslöser der Kritik ist eine neue Berechnungsgrundlage, mit der das Sächsische Staatsministerium für Kultus die Unterrichtsversorgung der Schulen ermittelt und daraus den Umfang von Lehrkräfteabordnungen ableitet. Nach Darstellung des Philologenverbandes werden beim Gymnasium sämtliche acht Jahrgangsstufen bis zum Abitur in die Berechnung einbezogen, während andere Schularten aufgrund ihrer geringeren Zahl an Jahrgängen entsprechend weniger Unterrichtsstunden in die Berechnungsgrundlage einfließen lassen. Dadurch müssten Gymnasien nach Auffassung des Verbandes überproportional Lehrkräfte an andere Schularten abgeben.

„Sachsen riskiert mit dieser unsachgemäßen Berechnung die Unterschreitung der von der KMK festgelegten Mindeststundenzahl für die bundesweite Anerkennung des Abiturs“

„Wer Gymnasien aufgrund einer falschen Berechnungsgrundlage dazu zwingt, überproportional mehr Lehrkräfte abzugeben, sorgt bewusst nicht für eine faire Verteilung der Lasten, zu der wir selbstverständlich bereit sind“, erklärt Thomas Langer, Vorsitzender des Sächsischen Philologenverbandes.

Langer sieht die aktuelle Regelung als Teil einer länger anhaltenden Entwicklung. Er verweist auf die nach seiner Darstellung bislang unzureichende Berücksichtigung der überdurchschnittlichen Arbeitsbelastung von Gymnasiallehrkräften, die aus der Sächsischen Arbeitszeitstudie hervorgehe. Hinzu komme die Reduzierung von Entlastungsstunden in der gymnasialen Oberstufe sowie nun die zusätzliche Belastung durch die neue Abordnungspraxis.

„Das Kultusministerium muss diesen Fehler umgehend korrigieren – im Interesse der Lehrkräfte und vor allem der Schülerinnen und Schüler, die Anspruch auf einen bundesweit anerkannten und qualitativ hochwertigen Abschluss haben“, fordert Langer.

Auch die Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, sieht erhebliche Risiken. „Sachsen riskiert mit dieser unsachgemäßen Berechnung die Unterschreitung der von der KMK festgelegten Mindeststundenzahl für die bundesweite Anerkennung des Abiturs“, erklärt sie. Weiter sagt sie: „Das ist keine bloß verwaltungstechnische Frage, sondern betrifft erstmals unmittelbar die Qualität und Anerkennung des Abiturs. Schülerinnen und Schüler müssen sich doch darauf verlassen können, dass ihr Abschluss bundesweit gültig ist. Bereits in anderen Bundesländern zeigt sich zwar, dass der Lehrkräftemangel die Einhaltung von Stundentafeln zunehmend gefährdet. In Sachsen droht dieses Problem jedoch nicht nur durch Mangel, sondern durch eine fehlerhafte Steuerungsmaßnahme selbst erzeugt zu werden.“

Der Sächsische und der Deutsche Philologenverband fordern nach eigenen Angaben eine sofortige Korrektur der Berechnungsgrundlage für Lehrkräfteabordnungen. Zugleich verlangen sie die verlässliche Einhaltung der KMK-Mindestvorgaben für den gymnasialen Bildungsgang sowie eine aus ihrer Sicht faire Verteilung der Abordnungslasten zwischen den verschiedenen Schularten.

Zum Abschluss verbinden beide Verbände ihre Forderungen mit einer grundsätzlichen Mahnung an die Bildungspolitik. „Wer heute Einser-Abiturienten in der Frauenkirche auszeichnen will, muss morgen auch garantieren, dass ihre Nachfolger in der gesamten Bundesrepublik studieren dürfen“, erklären Thomas Langer und Susanne Lin-Klitzing. News4teachers 

Lehrermangel jetzt so groß, dass die Anerkennung von Abschlüssen bedroht ist

 

 

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8 Kommentare
Ani
18 Tage zuvor

Gymnasien werden immer mehr Lehrkräfte abgeben müssen, sie sind aufgrund der einfachsten Schülerschaft einfach die beliebteste Schulform. Die meisten wollen sich halt die schwierigeren Schulen nicht geben, daher gibts davon nun mal am meisten. Damit muss man sich abfinden oder die anderen Schulformen attraktiver machen…

unfassbar
18 Tage zuvor
Antwortet  Ani

Die meisten Lehrer wollten doch wohl Lehrer werden, weil sie lehren wollten. Sozialarbeiter, Psychologe, Suchtberater, Familientherapeut, Sicherheitsdienstler usw. sind völlig andere Berufe und Ausbildungen. Insofern ist es kein Wunder, dass die Schulform bevorzugt gewählt wird, in der die Ausübung des Kerngeschäfts zumindest noch den größten Teil der Berufsausübung ausmacht, wenngleich es auch am Gymnasium stetig schwieriger wird.

Lampion
16 Tage zuvor
Antwortet  unfassbar

Das ist aber auch Unsinn. Lehrer sein bedeutet und bedeutete immer mehr, als nur Unterricht zu erteilen! Das ist NICHT neu.

Realist
18 Tage zuvor
Antwortet  Ani

Das „personelle Aushungern“ der Gymnasien wird kein einziges Bildungsproblem in Deutschland lösen, im Gegenteil, wenn sich auch dort die Bedingungen so entwickeln, wie sie an den anderen Schulformen schon größtenteils sind, wird das zu einem Boom der Privatschulen führen und die „Bildungsungerechtigkeit“ noch weiter befeuern.

Am Ende wird es dann so aussehen: Ein System aus Privatschulen, für alle, die es sich leisten können, auf der einen Seite, und ein öffentliches Restschulsystem auf der anderen Seite für alle, die es sich nicht leisten können, also die Mehrheit der Bevölkerung.

Wer glaubt, Privatschulen abschaffen zu können und den Traum der „Einheitschule“ zu verwirklichen, übersicht, dass Art. 7 des GG wie die anderen 19 ersten Artikel einen besonderen Schutz genießt: „In keinem Falle darf ein Grundrecht in seinem Wesensgehalt angetastet werden.“ (Art. 19 Abs. 2 GG).

„Gut gemeint“ wird wie immer auch hier zur politischen Vollkatastrophe führen… aber dann bin ich glücklicherweise schon raus aus diesem Wahnsinn.

Die Balkon
17 Tage zuvor

Doitschland. Statt den Schlusslichtern zu drohen kritisiert man die Länder, die im System noch vorne mitspielen, mit Hilfe von formalen Kriterien, die nichts, aber auch gar nichts mit dem Stand der Bildung zu tun haben. Die Diskussion um Anerkennung der Abschlüsse wird aber nach der Wahl im Ernst geführt werden müssen, wenn im Osten die ersten Länder nach den Wahlen hoffentlich die unselige KMK verlassen.

Hysterican
16 Tage zuvor
Antwortet  Die Balkon

Hmmm … wer einen Kommentar mit dem unseligen „DOi-tschland“, das üblicherweise in bekennend rechtsradikalen Kreisen beliebt und gebräuchlich ist, beginnt, den kann, will und werde ich auf Debattenebene nicht ernstnehmen … wer dann auch noch seine Freude an den erwartbaren AfD-Siegen und den daraus resultierenden politischen Entscheidungen so unverhohlen rauströtet – mit den klar erwartbaren Konsequenzen für die Bürger* in Sachsen, Thüringen und Sachsen Anhalt, wie z.B. „nicht-Anerkennung von Schulabschlüssen außerhalb der föderalen KMK“, der kann nicht mehr alle Latten auf dem Zaun haben.

Mein Vorschlag: siedel doch nach Putinstan über!

Palim
17 Tage zuvor

Wie wird denn in Sachsen gezählt und warum soll das unfair sein?
In NDS wird die Versorgung in Prozent angegeben
und es gibt Statistiken, die nur den Prozentsatz für die Pflichtstundentafel ausgeben, und andere, in denen alle Stunden (auch Zusatzbedarfe) gezeigt werden.

Kann die Schule nicht einmal die Pflichtstundentafel besetzen, benötigt sie besonders dringend Personal.
Hat die Schule darüber hinaus Personal, muss sie abordnen.

Sollte das in Sachsen anders sein?

Lampion
16 Tage zuvor

Das ist doch Unsinn! Bitte lassen Sie, lieber Philologenverband, die Verbreitung solcher Gerüchte.