WIESBADEN. Immer mehr Kinder beginnen ihre Schullaufbahn mit erheblichen Schwierigkeiten im Deutschen – darunter auch Jungen und Mädchen, die ausschließlich deutschsprachig aufwachsen. Hessen setzt deshalb seit Jahren auf verpflichtende Deutschvorlaufkurse vor der Einschulung; inzwischen übernehmen mehrere Bundesländer dieses Modell. Ein Heidelberger Sprachforscher hält den Ansatz für vielversprechend, obwohl belastbare Wirksamkeitsstudien bislang fehlen. Entscheidend für den Spracherwerb seien jedoch nicht allein die Kurse, sondern vor allem ausreichende sprachliche Anregungen im Alltag.

Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen müssen in Hessen vor der Einschulung einen Vorlaufkurs besuchen. Sie starten ihre Schullaufbahn erst, wenn sie die Sprache ausreichend gut beherrschen. Dieses Konzept der Deutschvorlaufkurse ist aus Sicht des hessischen Kultusministeriums ein Erfolgsmodell, mehrere Bundesländer folgten inzwischen dem Beispiel. Giulio Pagonis, Professor für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Heidelberg, lobt die Initiative.
Es sei mutmaßlich kein Zufall, dass das hessische Modell der Vorlaufkurse derzeit in weiteren Flächenbundesländern nachgeahmt werde, erklärt der Wissenschaftler. Valide Wirksamkeitsstudien, dass die Teilnahme am Vorlaufkurs positive Effekte für die Sprachentwicklung hervorruft, gebe es allerdings bislang noch keine. «Wir arbeiten in Heidelberg derzeit an einem entsprechenden Forschungsdesign – die bisherigen Hinweise des hessischen Kultusministeriums deuten aber in eine zuversichtliche Richtung», ergänzte Pagonis. Seit Einführung der Vorlaufkursstruktur seien die Zurückstellungen zum Schulstart aus rein sprachlichen Gründen deutlich zurückgegangen.
Vor Einschulung werden Sprachkenntnisse geprüft
Im hessischen Schulaufnahmeverfahren wird anderthalb Jahre vor der geplanten Einschulung untersucht, wie gut die Kinder Deutsch sprechen. Besteht Förderbedarf, dann müssen die angehenden Erstklässler einen Deutschvorlaufkurs besuchen. Die Kurse liegen in schulischer Verantwortung und finden in der Grundschule oder in der Kita statt. Sie starten mit dem Schuljahr und pausieren in den Schulferien. Zum Ende des vergangenen Schuljahres 2025/2026 lernten fast 17.500 Vorlaufkurskinder in Hessen, wie das Kultusministerium in Wiesbaden mitteilte.
Nach Erfahrungen des Kultusministeriums schaffen etwa 95 Prozent der Kinder nach dem Deutschvorlaufkurs den Sprung in die erste Klasse. Die anderen werden vom Unterricht zurückgestellt, lernen weiter Deutsch, können Vorklassen besuchen und im Verlauf des Schuljahres jederzeit nachrücken.
«Jedes Kind mit Schwierigkeiten in Deutsch erhält bei uns die Chance auf einen erfolgreichen Schulstart», meint Bildungsminister Armin Schwarz (CDU). «Nur wer Deutsch spricht, kann sich dann auch mit seinen Leistungen entfalten.» Seit Bestehen der speziellen Deutschkurse vor der Einschulung haben in Hessen bereits rund eine Viertelmillion Kinder daran teilgenommen.
Schlechtes Deutsch kann mehrere Ursachen haben
Woran liegt es, dass viele Kinder schlecht Deutsch sprechen? «Das kann mindestens zwei Gründe haben, beide haben mit dem Sprachangebot im Deutschen zu tun, das das Kind täglich erlebt», erklärt Pagonis.
Entweder das Angebot sei zu gering, etwa weil das Kind vornehmlich von seiner Erstsprache umgeben sei, etwa im Elternhaus. Oder das Kind habe zwar regelmäßigen Kontakt zum Deutschen, aber im Umfeld werde eine fehlerhafte Variante gesprochen.
«Typischerweise ist es jedenfalls nicht ein defizitäres Sprachvermögen, das die Ursache für die Sprachschwierigkeiten darstellt», bekräftigt der Bildungsexperte. «Im Gegenteil: Kinder haben altersgemäß sehr gute Voraussetzungen, eine Zweitsprache zu erwerben, relativ schnell und auf einem Niveau, das von monolingual deutschsprachigen Kindern irgendwann nicht mehr zu unterscheiden ist.» Das könnten Kinder ganz ohne Lehrkraft oder spezifische Sprachdidaktik schaffen – der alltägliche Input genüge dafür. «Voraussetzung ist aber eben, dass dieser Input reichhaltig und in vorbildlicher Form vorliegt», erklärt der Professor.
Auch rein deutschsprachig aufwachsende Kinder haben Probleme – Smartphone und Co. verhindern wichtigen Blickkontakt
Unter den Kindern in den hessischen Deutschvorlaufkursen sind laut Ministerium auch Jungen und Mädchen mit Deutsch als einziger Muttersprache. «Erfahrene Elementar- und Primarpädagoginnen berichten regelmäßig davon, dass auch unter monolingual deutschsprachig aufwachsenden Kindern unerwartete Rückstände auftreten», erklärt Pagonis. Ausreichende Forschung zu diesem Thema gibt es seines Wissens nach nicht. Sollte es sich bewahrheiten, dann seien dafür mehrere Ursachen möglich.
Womöglich mangele es wegen exzessiver Nutzung von Handys oder Tablets an einem ausreichenden Sprachangebot, sagt der Wissenschaftler. «Dies könnte dazu führen, dass etwa der Blickkontakt und auch die übrige sprachlich getragene soziale Interaktion zwischen Eltern und Kleinkind verarmt.»
Damit hänge möglicherweise eine weitere Ursache zusammen: «Wenn Kindern seltener Geschichten vorgetragen werden, so verkümmert auch ihre Fähigkeit, Geschichten zu verstehen und selbst hervorzubringen.» Wie bei den zweisprachigen Kindern gelte aber auch hier: «Die Lernfähigkeit der Kinder ist in aller Regel intakt. Es sind die Lerngelegenheiten, die abnehmen.» News4teachers / Von Andrea Löbbecke, dpa










Super! Sofort abgucken und nachmachen.
Sie meinen die Deutschvorlaufkurse abgucken ? .
Ja, sofort sofort, die ‚Vorschäden‘
(vor der ersten Klasse anerzogen oder durch Laufenlassen/ fehlende Unterstützung wie Vorlesen, Unterhaltungen…..entstanden) ziehen sich sonst durch die gesamte Schulzeit und führen teils sogar ( zB bei besonders restringiertem Wortschatz und eingeschränkter Ausdrucksfähigkeit) zum Übergang in die Förderschule.
Das gab es in NDS auch, wurde aber eingestampft, weil man die Lehrkräftestunden so dringend in den Grundschulen brauchte. Leider hat man die vielen Vorteile damit auch eingestampft.
Allein wegen der Sprache wird hier niemand zurückgestellt, das ist in den Vorgaben nicht vorgesehen, sind die Kinder eingeschult, darf man auch keinen Förderbedarf Lernen oder GE feststellen, sondern muss über ein Jahr fördern. Gerne wird bei mangelndem Sprachverständnis auch darauf verwiesen, dass das Kind erst einmal Deutsch lernen müsse. Gelingt das nicht, verzögert sich alle weitere Hilfe mehr und mehr.
„weil man die Lehrkräftestunden so dringend in den Grundschulen brauchte„
Gehört NDS nicht auch zu den Bundesländern mit der niedrigsten Wochenstundenanzahl an Grundschulen? Aber immerhin ist die Unterrichtsversorgung an GS auf 98,2% gestiegen.
Ich Frage mich, ob ein reiches Land, das zudem an Geburtenrückgang leidet, es sich nicht leisten könnte, dass die Gemeinden bzw Stadtviertel Familienberaterinnen in jeden Haushalt schicken? So ähnlich machen es Dänemark und Japan, das Besondere ist, dass diese Berater jeden aufsuchen, selbst die königliche beziehungsweise kaiserliche Familie, so dass es keine Diskriminierung gibt. Sie informieren über Entwicklung, Psychologie, Erziehung, Ernährung und zwar bis zum dritten Lebensjahr.
Voll übergriffig.//
Tatsächlich würde ich diesen sozialen -Achtung! – Druck sehr begrüßen.
Wenn man dann auch noch das Kindergeld auf die viel niedrigeren Beträge in der Höhe von Dänemark und Japan kürzen würde, dann käme sogar noch ein finanziell deutlicher Gewinn dabei heraus.
Und warum nehmen die Lerngelegenheiten ab? Weil sich viele Eltern inzwischen auch mehr für ihr Smartphone als für ihre Kinder interessieren. Wird im Artikel ja auch angesprochen. Abends vorlesen? Mit den Kids spielen? Gemeinsam ein Lied singen oder ein Hörspiel hören? Alles rückläufig. In vielen uns bekannten Familien gibt es, selbst für Kinder, nicht ein einziges, altersgerechtes Buch. Stattdessen IPads mit Apps für Kinder, die dann davor geparkt werden. Immerhin geben sie so Ruhe. Und schaut man sich die heutigen Zeichentrickserien für Kinder an, sind diese ein einziger Fiebertraum aus schnellen Schnitten, bunten Farben und einer sehr einfachen Sprache.
Die großen Defizite haben sich vermehrt die Eltern zuzuschreiben. Ob und wie das von staatlicher Seite aus kompensiert werden kann, bleibt trotz teils toller Programme abzuwarten.
Ich bin übrigens mit Dialekt aufgewachsen, kenne folglich auch das „fehlerhafte“ Deutsch. Nichtsdestotrotz war Deutsch später eines meiner besten Fächer in der Schule.
So ist es. Eltern verantworten wesentlich die Sprach- und Persönlichkeitsentwicklung ihrer Kinder. Das macht Mühe und man muss das Handy weglegen. Mit Geld oder Bildungsstand hat das nichts zu tun.
Ich habe mal die neuen Versionen von den Turtles und der Biene Maja gesehen. Meine Güte, das ist ja so ein Müll, ich musste mich vor Ekel fast bespeien.
Halt stoppppp!!!
Keinesfalls können oder sollen Eltern irgendwas machen, das wäre die viel geschmähte „Forderung nach Eigenverantwortung“.
Das muss alles „die Schule“/“der Staat“ machen.
Denn wer das selber hinbekommt ist „privilegiert“ (sic!) und sollte mal richtig be-sondervermögt werden.
Und je weniger zu Hause hinbekommen wird, um so mehr, niedrigschwellige und unterwürfige Angebote muss „die Schule“/“der Staat“ machen.
Man muss also schlechtes Verhalten immer mehr belohnen und ausgleichen und sich daran nach unten anpassen als Gesellschaft, damit es noch mehr wird.
Nur so kann „Schland-2035“ sicher erreicht werden.
Es ist ein bisschen ermüdend, das immer wieder festzustellen: Das Prinzip „Eigenverantwortung“ greift in der Bildung nicht, weil es nicht um „Eigen“ geht – sondern um Kinder. Die sind die Leidtragenden, wenn die Erziehungsberechtigten nicht können/wollen. Das zweite Opfer ist die Gesellschaft – denn die muss mit den Folgen umgehen, wenn sich niemand (auch der Staat nicht) um die Kinder kümmert. Andersherum profitiert sie, wenn aus den betroffenen Kindern einmal solide Steuer- und Sozialversicherungszahler werden.
Sie werden auch niemanden zwingen können, „gute“ Eltern zu sein – wie denn? Deshalb ist diese Prinzipienreiterei in diesem Kontext sinnbefreit.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Böse ausgedrückt, aber leider wahr.
Nach inzwischen Jahrzehnten im Schuldienst mit vielen Erfahrungen mit Kids aus sozial benachteiligten Familien verstehe ich nicht, weshalb es noch Leute gibt, die meinen, dass es einfach nur der Angebote bedürfe und alles wird gut. Diejenigen Eltern, die hilfreiche Angebote ernsthaft annehmen, sind leider rar gesät.
Es muss viel mehr Druck geben! Warum nicht von DK und Japan lernen?
„Es muss viel mehr Druck geben!“ Druck, Förderung anzunehmen – die es nicht gibt? Die Bundesbildungsministerin hat gerade ein Gute-Kita-Gesetz vorgestellt, mit dem Sprachförderung obligatorisch werden soll. Im Umkehrschluss: Sie ist es nicht. Gerne hier nachlesen: https://www.faz.net/agenturmeldungen/dpa/prien-kita-gesetz-ist-chance-zur-bildungswende-201033790.html
Ist ja auch hinlänglich bekannt, dass Sprachförderung in Deutschland für Migrantenkinder allenfalls sporadisch und nach Kassenlage stattfindet. Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2024/05/iglu-sonderauswertung-viele-kinder-die-zu-hause-kein-deutsch-sprechen-erhalten-keine-besondere-lesefoerderung/
Hauptsache, mal wieder Sündenböcke (nämlich die Leidtragenden dieser Vernachlässigung) gefunden. Hauptsache billig.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
An meiner Schule gibt es Förderung und wir helfen denjenigen, die Angebote nutzen wollen. Ich berichte nur aus jahrzehntelanger Erfahrung.
Was ist jetzt Ihr Problem?
Dass Sie die Realitäten in Deutschland nicht wahrnehmen – und sich die Schwächsten als Sündenböcke hernehmen. Wird gerne hierzulande gemacht. Und das finden wir ziemlich übel.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Sie verkennen meine Motive leider komplett und unterstellen mir Dinge, die nicht zutreffen. Mir geht es darum, benachteiligten Kindern tatsächlich zu helfen. Wenn ich davon berichte, was meine Kolleg*innen und ich seit längerer Zeit erleben, dann sollten Sie das nicht so auslegen, wie Sie das tun.
Das ist ja schon fast bösartig.
Wir reagieren auf Ihren Post. Eine Forderung nach mehr Ressourcen zur Förderung haben wir von Ihnen nicht gelesen – stattdessen: mehr Druck (wörtlich).
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Nicht stattdessen, sondern zusätzlich.
Sie haben es schon wieder getan.
Ich habe nur aufgezeigt, dass es nicht wenige Eltern gibt, die dort, wo es Angebote/Hilfen (z.B. an meiner Schule) gibt, diese nicht annehmen. Deshalb fordere ich mehr Druck (wie @Susanne M. es beschreibt).
Nirgends schrieb ich, dass dieser Druck mehr Ressourcen ersetzen sollte.
Sie schrieben überhaupt nichts von Ressourcen.
Was ist so schwer daran zu verstehen, dass solche einseitigen Posts die migrantenfeindliche Stimmung in Deutschland (siehe AfD-Umfragewerte) weiter anheizen?
Zumal es beim „Fördern und Fordern“ eindeutig auf die Reihenfolge ankommt.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Warum muss man denn immer auch von Ressourcen schreiben, wenn das allen völlig klar ist.
Ich gehe in diesem Forum jedenfalls davon aus, dass das selbstverständlich ist. Warum sollte hier jemand anbehmen, dass ich nur Druck und weniger Ressourcen wollen würde?
Wir sind hier ja nicht bei Bild.de oder ähnlichen Plattformen.
„Warum muss man denn immer auch von Ressourcen schreiben, wenn das allen völlig klar ist.“
Das ist nicht allen völlig klar – fragen Sie mal AfD-Wähler. Woher auch? Sie stehen hier als Lehrerin einer staatlichen Schule auf einer Bühne in einem Fußballstadion voller Menschen, so viele lesen News4teachers täglich, und fordern nur mehr Druck auf Migranten. Wie wird das wohl wahrgenommen?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Hier ist das wohl allen klar.
Bei Bild.de oder Focus.de würde ich anders schreiben.
Da würden Sie gar nicht schreiben – weil diese Medien kein Leserforum anbieten (warum wohl?).
Und auch hier ist das nicht allen klar. Wie oft müssen wir gegen migranten- und kinderfeindliche Posts Stellung beziehen? (Um von denen, die wir nicht veröffentlichen, gar nicht erst zu sprechen.)
Gerade eben: „In die Bildung zu investieren ist nicht verkehrt. Damit sollten dann aber nicht die Schwächsten gefördert werden, sondern diejenigen, die eine realistische Chance haben, unser Land voran zu bringen.“ Hier nachzulesen: https://www.news4teachers.de/2026/07/mit-sprachtests-und-milliardenhilfen-prien-will-die-kitas-befaehigen-die-bildungschancen-der-kinder-vom-start-weg-zu-verbessern/#comment-822710
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Natürlich bieten jene genannten Medien Foren an.
Bei Focus war ich sogar eine Weile aktiv. Allerdings wurde ich dort als links-grün versiffte Schreiberin von der Mehrheit gedisst, so dass ich es aufgegeben habe.
Zu dem von Ihnen zitierten Beitrag: So etwas kriegt hier ja nicht nur von Ihnen Gegenwind, sondern von der Mehrheit der hier Aktiven.
Woanders ist das genau umgekehrt.
„Zu dem von Ihnen zitierten Beitrag: So etwas kriegt hier ja nicht nur von Ihnen Gegenwind, sondern von der Mehrheit der hier Aktiven.“
Da ist unsere Erfahrung deutlich anders, insbesondere wenn es Migranten betrifft – deshalb schalten wir uns ja ein.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Sorry, das empfinde ich anders. Viele Beiträge legen Sie – mit Verlaub – mMn falsch aus.
Mich haben Sie ja auch auf der Liste „rechts; migrant*innenfeindlich“.
Der zitierte Beitrag ist allerdings eindeutig höchst fragwürdig.
Wir haben Sie auf gar keiner Liste – wir führen keine Leser-Listen. Wir reagieren auf Posts.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ich habe oben geschrieben, dass es in diesen Ländern eben nicht nur Druck gibt. Man bekommt auch etwas für sein Geld.
Nicht nur Kürzen ohne Gegenleistung.
? Ja. Wer fordert denn Kürzungen? Ich nicht. Mir wird das lediglich unterstellt.
In NDS unterlag die Sprachförderung vor der Einschulung, an der alle Kinder, die beim Test auffällig waren, teilnehmen mussten, der Schulpflicht.
Aber diese Stunden wurden gestrichen
und weitere Stunden für die DaZ-Förderung müssen jährlich beantragt und genehmigt werden und fallen ersatzlos aus, wenn in der Schule ein Mangel in der Lehrkräfte-Versorgung entsteht.
Womit ja quasi der Druck* auch automatisch wegfällt.
*Druck: verpflichtende Massnahmen
Vor allem fällt die Förderung weg, weil es sie nur auf dem Papier gibt.
In den KiTa gibt es Sprachförderkräfte, aber auch Notbetrieb,
in den Schulen gibt es DaZ-Erlasse, aber eben auch Lehrkräftemangel.
Im Brennpunkt ist der Bedarf höher, aber der Mangel auch größer und häufiger.
Schöne Idee. Bin ich voll dafür. Aber die Frage ist wo sollen die Kinder es lernen?
Ich spreche aus dem Großraum Hamburg. Hier gibt es Kitas , die wir uns vor Jahren angeguckt haben für unser erstes Kind in denen die ErzierInnen nicht richtig Deutsch sprechen konnten.
Das fanden wir sehr schwierig, zumal es nicht nur eine war sondern alle in der Kita sehr osteuropäsch gebrochenes Deutsch sprachen. Da kann das Kind also kein Deutsch lernen.
In vielen Familien sprechen sie auch kein Deutsch. ich habe viele Kinder in der Klass ebei denen die Eltern seit mehr als 10 Jahren hier sind und kein Deutsch sprechen.
Da lernen sie es also auch nicht.
Dann kann man die Kinder zu Aufbaukursen schicken, aber wie lange soll das dauern?
Ein Kind in meiner Klasse ist offentsichtlich wirklich klug, spricht fließend Englisch, Ukrainisch und Russisch aber obwohl er seit 5 jahren hier ist nur gebrochenes Deutsch und das trotz Sprachförderung und Daz.
Es kommt einem in letzter Zeit oftmals vor als würde man gegen Windmühlen kämpfen. Egal wo man hinsieht nur Probleme und Defizite.
Damit Sprache sich gut entwickelt, bedarf es eines guten Sprachmilieus, wo alle oder die meisten drumherum die Sprache richtig und gut im Alltag verwenden. Das gibt es kaum noch für die deutschen Dialekte und deshalb sterben sie auch aus. Hochdeutsch ist noch nicht so weit, aber erste Tendenzen sind ja da. Immer mehr Deutsch wird durch Englisch ersetzt. Gerade die Jugendsprache hat einen immer höheren Anteil. Oft wissen die Kinder gar nicht mehr, wie man das auf Deutsch sagen kann. Die Rechtschreibregeln, die die Schule vermittelt, passen immer öfter nicht. Ein A kann auch als Ä gesprochen werden (Handy), ein SCH kann auch als SH geschrieben werden (Shampoo), ein U kann auch als OO geschrieben werden (Shampoo, cool), ein AU auch als OW (Clown) usw. Müssen wir uns da wirklich wundern?
Da sagen Sie was! (Nur hören will’s keiner.)
Die Wörter Handy, Shampoo und Clown sind total Neologismen, da ist es kein Wunder, wenn die Kinder nun plötzlich Defizite in der Sprachentwicklung aufweisen. /s
https://www.dwds.de/wb/etymwb/Clown
Wieso hängen Sie sich an zwei Wörtern hoch, die jemand als Beispiel brachte? Wenn ein Kind gerade erst lernt, dass „u“ als „u“ verschriftlicht wird, dann sind „cool“ und „Shampoo“ verwirrend. Da stimme ich zu. Letztlich gilt die Regel doch wieder nicht. Ein Kind überblickt nicht, welches Wort aus einer anderen Sprache kommt und deshalb doch wieder anders geschrieben wird.
Und?
Was schlagen sie für den Erstunterricht in der 1. Klasse oder im 1. Jahr der Alphabetisierung vor?
Mehr Diktate, in denen Clowns in Ägypten Hieroglyphen dechiffrieren und Souffleusen Rettichröllchen mit Kabeljaufarce und Mayonnaise servieren?
Ich verstehe Ihren Zynismus nicht. Es ging darum, dass im Alltagsdeutsch immer mehr Englisch verwendet wird (von der Jugendsprache ganz zu schweigen) und deshalb viele Rechtschreibregeln, die die Schüler büffeln müssen, nicht mehr passen. Es gibt so viele Wörter, bei denen die Regel doch nicht gilt, dass es kaum noch Sinn macht, sie zu vermitteln. Und Ihre zynische Reaktion ist, dass es ja auch andere schwierige Wörter gibt? Was soll das? Ist Ihre Logik, weil es schon so manche schwierige Wörter gibt, soll es ruhig noch viel mehr davon geben? Ist eh schon egal?
Früher hat man Fremdwörter oft eingedeutscht (Streik, Keks, Schal, Kusine…) oder neue erfunden (Briefumschlag, Bürgersteig, Bahnsteig…). Aus unerfindlichen Gründen will man das heutzutage nicht mehr. Und kommen Sie mir bitte nicht mit dem Gesichtserker. Dann zeigen Sie nur, dass Sie wirklich gar nicht verstehen, wie Sprache funktioniert.
Das dürfte kein Grund sein. Ich lebe in Spanien, hier werden Kinder gleichzeitig in Spanisch und derjenigen Regionalsprache – Baskisch, Catalán etc, alphabetisiert, und das ist auch möglich. Und deutsche Kinder haben Schwierigkeiten wegen ein paar Lehnwörtern und Denglish?
Eigentlich haben sie keine „Schwierigkeiten“, also je nachdem, was man darunter versteht, sie lernen halt „Denglisch“, wie Sie es nennen. DAS lernen sie gut. Aber, wie jemand zuvor schrieb, wie man das „früher auf Deutsch“ sagte, das wissen sie nicht, aber sie brauchen es ja auch nicht, es sprechen ja nahezu alle und immer mehr „Denglisch“. 🙂
Es ging auch eigentlich um Rechtschreibung und Rechtschreibregeln, die nicht mehr passen, weil alle diesen englischen Wörter im Deutschen ihre englische Schreibweise behalten und die französischen natürlich auch. Die russischen und chinesischen aber nicht und keiner stört sich dran. Geht ja auch nicht wegen der anderen Schriften.
Zum Baskischen und Katalanischen habe ich mal schnell einen Faktencheck gemacht. Behaupten lässt sich ja immer viel. Ich lese, dass Baskisch in Spanien sehr lebendig ist aufgrund einer aktiven Sprachenpolitik; in Frankreich allerdings stark zurückgeht. Wegen der „miesen“ französischen Sprachenpolitik? Die ja alle Minderheitensprachen behindert und Deutsch in Lothringen und im Elsass fast schon „beseitigt“ hat? Zum Katalanischen lese ich, dass die Zahl der Sprecher (Lerner?) steigt, aber die Benutzung im Alltag sinkt. Was nützt es, zwei Sprachen zu lernen, aber die eine davon dann im Alltag doch nicht zu benutzen?
Auf Dauer bleiben eigentlich zwei Sprachen nebeneinander kaum bestehen, aber das ist ein Prozess von Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten und es hängt eben sehr viel von der Sprachenpolitik ab und dem Selbstverständnis der Sprachträger. (Gruppen, die sich von anderen abkapseln, behalten ihre Sprache oft länger.)
So einfach, wie Sie es darstellen, ist es nicht!
Nicht „eingedeutscht“, das klingt heutzutage fast schon „rassistisch“, besser „integriert“, und zwar an die Regeln der deutschen Rechtschreibung angepasst. So wurde Ihr Beispiel „strike“ zum heimischen „Streik“. Und wo ist das Problem dabei, Palim?
Im Artikel geht es Sprachkurse vor der Einschulung, um Sprechen und Zuhören,
in Ihren Beiträgen geht es um Anglizismen und Lehnwörter, um die Veränderung von Sprache, um Erstunterricht, Alphabetisierung und um Rechtschreibung.
Ja, die Themen haben Berührungspunkte, aber vorrangig ging es darum, Kindern mit Sprachentwicklungsverzögerungen noch vor der Einschulung Förderung zu geben, damit ihr Einstieg in die Schule leichter wird.
Anderes Beispiel:
Wollen Sie den Kindern eintrichtern „Sauce“ oder „Soße“? Was glauben Sie wohl, wozu Kinder neigen? Aber warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?!
Es ist doch beides richtig und Kinder, die eine angemessene Sprachentwicklung durchlaufen, alphabetisiert sind, Texte verfassen können, selbstständig Fehler entdecken und berichtigen, können auch lernen, dass es unterschiedliche Schreibweisen gibt, warum das so ist und wie man damit umgeht.
Es gibt Kinder, die das schnell verstehen und lernen, und Kinder, die Jahre üben müssen, bis sie einfache Silben erlesen können, vielleicht auch schreiben, und dazwischen noch viele andere, die alle diese Fähigkeiten leichter oder mit mehr Übung erlernen.
Allen hilft nicht Gleichmacherei, sondern Differenzierung.
Welches Kind soll denn vor der Einschulung die Rechtschreibung beherrschen?
Es spielt keine Rolle, ob Sie „Soße“ und aber ich „Sauce“ schreibe. Elif und Fritzi sollen wissen, was man im Allgemeinen mit dem Wort meint und es richt anwenden sowie ausspricht.
Majonäse durfte man 30 Jahre lang Majonäse schreiben. Warum nun wieder nicht? Ein großer Majonäse-Hersteller sagte nach der Rücknahme, sie bleiben dabei. Kola gibt es Produktname ja auch (Fritz-Kola). So wird das Chaos perfekt.
Rechtschreiberwerb läuft kaum über Regeln, sondern viel mehr über das Einprägen von Wortbildern. Dazu müssen Kinder viel lesen, viel schreiben und Falschschreibungen müssen korrigiert werden! Das alles fehlt heutzutage oft.
Sie sprechen von ersten Tendenzen? Hier haben Sie eine: Fordere die FDP nicht die Zulassung von Englisch als zweiter Amtssprache in Deutschland? Erst ist es die zweite, dann ist es die erste und dann ist es die alleinige. So läuft das immer ab (wenn niemand gegensteuert).
Heute im Zug war eine Frau am stillen – null Problem.
Das Kind schon etwa 2 Jahre alt – auch kein Problem, finde ich toll, habe selber bis 3 gestillt.
Die Frau trug ein Sommerkleid mit Spaghettiträger, da gab es beim stillen nichts zum verhüllen – für mich auch kein Problem.
Aber jetzt kommts:
Das Kind daddelte beim stillen auf dem Handy!
Ahhhh…. Jetzt reichts!
Was hatte ich immer mit erhobenen Zeigefinger selbstbewusst in der Gegend herum getrötet?
„Beim stillen kann man nichts falsch machen!“
Tjoa, jetzt ist mein Tag gelaufen.
Jaaa, wunderbares ‚Bonding‘ – mit dem Handy…
Da bekommt der Satz: „Digitale Kompetenzen haben junge Generationen bereits mit der Muttermilch eingesogen!“, eine ganz neue Bedeutung!
Digital native im Wortsinn halt.
Die echten digital natives waren die, die vor 40 Jahren die ganze Technik aufgebaut und entwickelt hatten, also zu den Zeiten, als die so genannten Informatikprofessoren selbst nicht Informatik studiert hatten.
OMG…☹️☹️☹️☹️☹️
Das ist echt der nächste Level.