STUTTGART. Hitzewellen sind längst nicht mehr nur ein Problem für ältere oder kranke Menschen. Nach einer neuen repräsentativen Umfrage berichtet inzwischen rund jede dritte Person in Deutschland von gesundheitlichen Beschwerden durch hohe Temperaturen – so viele wie noch nie seit Beginn der Erhebung. Gleichzeitig wächst die Kritik daran, dass die bisherigen Schutzmaßnahmen nicht ausreichen. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg warnt deshalb: Gerade Kindertageseinrichtungen geraten in der Debatte um Hitzeschutz zu oft aus dem Blick.

Rund jede dritte Person in Deutschland hat nach eigenen Angaben bereits gesundheitliche Probleme durch Hitze erlebt. Das zeigt der aktuelle Hitzereport der DAK-Gesundheit, für den das Forsa-Institut 1.519 Erwachsene befragt hat. Damit liegt die Betroffenheit höher als in den Vorjahren. Besonders häufig klagen die Betroffenen über Müdigkeit und Abgeschlagenheit (71 Prozent), Schlafprobleme (68 Prozent), Kreislaufbeschwerden (64 Prozent) sowie Kopfschmerzen (52 Prozent). Frauen berichten mit 40 Prozent deutlich häufiger von hitzebedingten Beschwerden als Männer (21 Prozent).
Vor diesem Hintergrund fordert der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, den Hitzeschutz in Kindertageseinrichtungen deutlich stärker in den Mittelpunkt der politischen Maßnahmen zu rücken. Während derzeit vielfach über Schutzkonzepte für Beschäftigte diskutiert werde, dürften die jüngsten Kinder nicht übersehen werden.
„Immer häufiger müssen Kinder und pädagogische Fachkräfte bei Temperaturen spielen, lernen und arbeiten, die eine erhebliche gesundheitliche Belastung darstellen. Der Klimawandel ist längst im Alltag der Kindertageseinrichtungen angekommen“, erklärt VBE-Landesvorsitzender Gerhard Brand.
Nach Auffassung des Verbandes reagieren insbesondere Kinder unter sechs Jahren empfindlich auf hohe Temperaturen. Gleichzeitig arbeiteten pädagogische Fachkräfte vielerorts unter Bedingungen, die durch überhitzte Gruppenräume, fehlende Verschattung und unzureichend ausgestattete Außenbereiche zusätzlich erschwert würden. „Während in vielen Bereichen bereits über verbindliche Hitzeschutzmaßnahmen gesprochen wird, kämpfen zahlreiche Kitas noch immer mit überhitzten Gruppenräumen, fehlender Verschattung und unzureichend ausgestatteten Außenbereichen“, betont Susanne Sargk, Leiterin des VBE-Landesreferats Kita.
Der Verband fordert deshalb ein landesweites Förderprogramm für klimafeste Kindertageseinrichtungen. Dazu gehören unter anderem außenliegender Sonnenschutz, beschattete Spiel- und Aufenthaltsflächen, mehr Grünanlagen als natürliche Schattenspender sowie moderne Lüftungs- und – wo erforderlich – Kühlungskonzepte. Hitzeschutz müsse zudem bei Neubauten und Sanierungen verbindlich berücksichtigt werden.

Die nächste Hitzewelle rollt. News4teachers und die Heinz Trox-Stiftung möchten nachhaltig dokumentieren, welchen Temperaturen Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler und Kita-Fachkräfte sowie die Kinder in den Einrichtungen während des Unterrichts bzw. der Betreuungszeiten tatsächlich ausgesetzt sind. Ein erster Aufruf dieser Art im Juni auf News4teachers (Ergebnisse im Foto-Karussell oben) brachte bereits über 200 Einsendungen.
Schicken Sie uns deshalb ein Foto eines Thermometers aus Ihrem Klassen- bzw. Gruppenraum, in dem Sie sich aufhalten sollen.
Betreff: Hitze
Bitte nennen Sie außerdem:
– Schulform (bzw. Kita)
– Bundesland
Stadt und Schulname bzw. Kita-Namen benötigen wir nicht.
E-Mail: redaktion@news4teachers.de
Die Einsenderinnen und Einsender bleiben anonym. Personen sollten auf den Fotos nicht erkennbar sein. Die Angaben werden ausschließlich für die Dokumentation von News4teachers und der Heinz Trox-Stiftung verwendet. Alle Einsendungen gehen in die Dokumentation ein.
Die Heinz Trox-Stiftung setzt sich für gesunde, lernförderliche Schulräume ein. Weitere Informationen: www.zukunftsraum-schule.de
Dass Handlungsbedarf gesehen wird, zeigt auch die DAK-Umfrage. Knapp zwei Drittel der Befragten machen sich große oder sehr große Sorgen wegen zunehmender Hitze. Drei Viertel halten die bisherigen Hitzeschutzmaßnahmen für unzureichend. 58 Prozent sind der Ansicht, dass Schulen und Kindergärten durch hohe Temperaturen stark eingeschränkt werden.
Besonders betroffen sehen die Befragten zwar Beschäftigte mit schwerer körperlicher Arbeit sowie Pflegekräfte. Zugleich verdeutlichen die Ergebnisse, dass auch Bildungseinrichtungen zunehmend als besonders hitzeanfällig wahrgenommen werden. Mehr als die Hälfte der Befragten (58 Prozent) ist der Ansicht, dass hohe Temperaturen den Betrieb von Schulen und Kindergärten erheblich einschränken – etwa weil Unterricht, Betreuung und Aktivitäten im Freien nur noch eingeschränkt möglich sind.
Welche Folgen hohe Temperaturen darüber hinaus für die Gesundheit haben können, untersucht inzwischen auch die Forschung. Eine internationale Meta-Studie, die im Fachjournal Nature Mental Health veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass nach Hitzewellen in mehreren Ländern mehr Menschen wegen psychischer und Verhaltensstörungen in Krankenhäuser eingewiesen wurden.
Für Deutschland liegen entsprechende belastbare Daten bislang zwar nicht vor. Die Psychosomatikerin Hannah Wallis von der Universitätsklinik Magdeburg hält vergleichbare Auswirkungen jedoch für plausibel. Sie leitet eine Studie, bei der Teilnehmende mehrmals täglich per Smartphone Auskunft über ihr Befinden geben. „Ab 25 Grad berichten die Menschen etwas häufiger über depressive und ängstliche Symptome sowie körperliche Symptome wie Schwindel und Kopfschmerzen – je wärmer es ist, desto mehr“, sagt Wallis. Besonders ausgeprägt sei dieser Zusammenhang bei Menschen mit entsprechenden Vorerkrankungen.
„Die Mittel aus der Klima-Milliarde sollten gerade dort eingesetzt werden, wo sie Kinder und Beschäftigte unmittelbar schützen“
Auch die DAK-Befragung deutet darauf hin, dass gesundheitliche Folgen häufig unterschätzt werden. Zwar suchten lediglich fünf Prozent der Befragten wegen hitzebedingter Beschwerden eine Arztpraxis auf. 13 Prozent gaben jedoch an, ein Arztbesuch wäre eigentlich sinnvoll gewesen.
Der VBE verweist darauf, dass Baden-Württemberg bereits über Finanzierungsmöglichkeiten verfüge. Mittel aus der sogenannten Klima-Milliarde sowie aus dem Sondervermögen für Infrastruktur könnten gezielt für klimafeste Schulen und Kindertageseinrichtungen eingesetzt werden. „Die Mittel aus der Klima-Milliarde sollten gerade dort eingesetzt werden, wo sie Kinder und Beschäftigte unmittelbar schützen“, fordert Brand.
Neben baulichen Verbesserungen sieht der Verband auch einen Bildungsauftrag der Kitas. Kinder sollten die Folgen des Klimawandels altersgerecht verstehen lernen, ohne dadurch verunsichert zu werden. „Kinder brauchen keine Katastrophenszenarien. Sie brauchen Erwachsene, die Sicherheit vermitteln und ihnen zeigen, dass gemeinsames Handeln etwas bewirken kann. Genau dafür sind Kitas wichtige Bildungsorte“, sagt Sargk.
Die DAK-Gesundheit erhebt ihren Hitzereport seit 2022. Die aktuelle Befragung wurde vom 22. Juni bis zum 1. Juli 2026 durchgeführt. News4teachers / mit Material der dpa










„Dazu gehören unter anderem außenliegender Sonnenschutz, beschattete Spiel- und Aufenthaltsflächen, mehr Grünanlagen als natürliche Schattenspender […]“
Was bei Erzieher*innen und Kindern an Grenzen stößt, wenn wir mehrmals im Jahr zunehmend längere Hitzewellen erleben.
Schätze die dürfen dann 20 Stunden in der Woche mit Wasser spielen oder so.
Es braucht Rückzugsräume!
Technisch schwierig, da die Garzeiten von Kindern und Erzieherinnen stark unterschiedlich sind.
Ich unterstütze den Vorstoß des VBE Baden-Württemberg ausdrücklich. Es wird klar benannt: Auch unsere Kitas sind auf die zunehmenden Hitzewellen vielerorts überhaupt nicht vorbereitet. Es macht mich traurig und wütend, dass Kinder und pädagogische Fachkräfte bei Temperaturen ausharren müssen, die ihre Gesundheit gefährden. Unsere Kleinsten können sich nicht selbst schützen – sie sind auf uns Erwachsene angewiesen. Hitzeschutz ist kein Luxus, sondern eine Frage der Fürsorge, der Gesundheit und der Wertschätzung. Wer Bildung wirklich ernst nimmt, muss endlich dafür sorgen, dass Kinder und Beschäftigte unter sicheren und gesunden Bedingungen lernen, spielen und arbeiten können.
Ich gebe Ihnen völlig recht. Besonders die Kleinen müssen geschützt werden. Aber haben Sie Hoffnung, dass da was passiert? Während Corona konnte jeder feststellen, wie viel Wert wir unseren Dienstherren sind. Nämlich gar nichts. Mit einer sich ständig wiederholenden Märchenstunde wurde erklärt, dass Schulen doch sicher sind und dort keine Infektionen stattfinden. Kaum wurde es wärmer, wurden alle Schutzmaßnahmen abgeschafft. Das wird jetzt genauso wieder laufen. Bei uns wurde eine neue Grundschule mit Kita gebaut. Hitzeschutz. Völlige Fehlanzeige. Man schafft es Deutschland doch nirgendwo, einen Hitzeschutz zu etablieren, nicht in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen, obwohl die Zahl der Hitzetoten zunimmt. Ich habe da wenig Hoffnung, zumal für die Bildung nie Geld da ist.