Start Politik Vom Lehrermangel direkt in den Lehrerüberschuss? Demografie schlägt schon durch

Vom Lehrermangel direkt in den Lehrerüberschuss? Demografie schlägt schon durch

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ERFURT. Thüringen verliert Schülerinnen und Schüler – besonders deutlich macht sich der demografische Wandel inzwischen an den Grundschulen bemerkbar. Gleichzeitig fehlen dem Land weiterhin Hunderte Lehrkräfte. Dass weniger Kinder automatisch das Ende des Lehrermangels bedeuten, davor warnt Bildungsminister Christian Tischner (CDU): Entscheidend sei, wann, wo und in welchen Fächern Personal gebraucht werde. Eine neue Langfristprognose soll nun verhindern, dass der Freistaat bei der Lehrerausbildung vom Mangel direkt in den Überschuss steuert. Modell für Deutschland?

Flaute (Symbolfoto). Foto: pxhere

Die Zeiten des akuten Lehrermangels sind noch nicht vorbei, doch auf Thüringen kommt nun parallel eine Phase sinkender Schülerzahlen zu. Zum Start des neuen Schuljahres werden nach Angaben des Thüringer Bildungsministeriums 255.863 Schülerinnen und Schüler ab Montag wieder im Unterricht sitzen. Das sind rund 2.700 Kinder und Jugendliche weniger als im vergangenen Schuljahr, als es in Thüringen noch 258.575 Schülerinnen und Schüler gab. Nach gut sechs Wochen Sommerferien geht in der kommenden Woche die Schule wieder los.

Rückgang in den Grundschulen

Vor allem im Grundschulbereich geht die Zahl der Kinder zurück: Während zum Start des Schuljahres 2025/2026 noch 67.579 Mädchen und Jungen eine Thüringer Grundschule besuchten, sind es ab Montag nur noch 64.531. Der demografische Wandel, den die Kindergärten in Thüringen schon länger spüren, kommt nun also auch zunehmend in den Schulen an. «Thüringen verändert sich demografisch», sagte Bildungsminister Christian Tischner (CDU).

Ist der Lehrermangel also bald Geschichte, weil immer weniger Kinder zu unterrichten sind? Bisher fehlen Lehrkräfte noch. Nach Angaben des Bildungsministeriums wurden mehr Lehrerinnen und Lehrer eingestellt, als im vergangenen Schuljahr den Schuldienst verließen. Vor den Klassen stehen damit zu Schuljahresbeginn 1.356 neue Lehrkräfte. Demgegenüber stehen 934 Abgänge – unter anderem in den Ruhestand. Trotzdem sind derzeit 451 Lehrerstellen noch unbesetzt, wie aus Daten des Lehrer-Stellenportals hervorgeht.

Bildungsminister will Bedarf an Lehrern besser errechnen

Doch eine Vorhersage, wie es weitergeht, ist komplex. «Ich warne aber vor der Annahme, dass wir aufgrund der sinkenden Schülerzahlen deutlich sinkende Klassen haben», sagte Tischner. Denkbar sei aber, dass die Klassen kleiner würden, was sich positiv auf die Unterrichtsqualität auswirken könne. Der Statistik zufolge geht aber bereits die Zahl der Schulen leicht zurück: von 958 im vergangenen Schuljahr auf 947 im nun neu startenden Schuljahr. Darin enthalten sind aber auch Zusammenlegungen und Filialmodelle.

Wegen der demografischen Entwicklung hat Tischner nach eigenen Angaben erstmals eine längerfristige Prognose für den Bedarf an Lehrerinnen und Lehrern beauftragt. Dies habe es in den vergangenen Jahrzehnten «leider» nicht gegeben.

Tischner erzählt selbst oft von der Zeit, als er als Lehrer ausgebildet wurde, Jobs an den Schulen aber Mangelware waren. «Diesen Fehler möchte ich nicht wiederholen.» Es reiche nicht mehr, die Frage zu stellen, wie viele Lehrkräfte benötigt würden. Es gehe vielmehr um die Fragen, in welchen Schulämtern sie gebraucht werden, in welchen Fächern, in welchen Schulformen und zu welchem Zeitpunkt die Lehrer im Schulsystem gebraucht würden. Tischner kündigte an, dass die Prognose in die Vereinbarungen mit den Hochschulen zur Lehrerausbildung einfließen soll. News4teachers / mit Material der dpa

„Schwerwiegender bildungspolitischer Fehler mit Ansage“: Geburtenknick – erstes Bundesland kündigt an, massiv Lehrerstellen abzubauen

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20 Kommentare
unfassbar
2 Tage zuvor

Und aus genau dem Grund werden nur in Mangelfächern frei werdende Planstellen ersetzt. Alles andere mit Bedarf wird mit Befristungen überbrückt. Bei den aktuellen Studenten wird es bei oft gewählten Fächern mit einer Stelle schwer.

Realist
1 Tag zuvor
Antwortet  unfassbar

Das haben wir alles schon einmal erlebt, damals hieß es:

„Den Schülerberg untertunneln!“

Und dann kamen Inklusion, Ganztag, Migration, Geflüchtete…

„Hat ja keiner ahnen können!“

unfassbar
1 Tag zuvor
Antwortet  Realist

Spielt keine Rolle, weil die Politiker höchstens bis zum Ende der Legislaturperiode denken.

Fözi
2 Tage zuvor

Es gibt keinen Lehrerüberschuss. Es ist wie bei den Erziehern – anstatt endlich mal genug Fachkräfte ins System zu bringen und kleinere Lern- und Betreuungsgruppen zu bilden, schwafeln Ministerien von sinkenden Schülerzahlen und LuL, die angeblich bald nicht mehr benötigt werden.

unfassbar
1 Tag zuvor
Antwortet  Fözi

Aktuell gibt es keinen Lehrerüberschuss, sondern Mangel. Allerdings muss man als solide wirtschaftender Finanzminister wirtschaftlich denken und auf die Geburtenzahlen schauen. Die sagen einen deutlichen Rückgang der Kinderzahl vorher und damit einen sinkenden Bedarf, weil Sie ja nicht ernsthaft davon ausgehen können, dass der Stellenschlüssel verbessert wird.

Susanne M.
1 Tag zuvor
Antwortet  unfassbar

Er muss aber verbessert werden, weil die Schülerschaft deutlich diverser ist als vor 20 Jahren. Wirtschaftlich denken heißt auch in die Zukunft planen. Jeder erfolgreicher Schüler wird mehr einbringen, als er gekostet hat plus Lebenszufriedenheit plus Demokratieverständnis plus Bürgersinn.

DerechteNorden
1 Tag zuvor
Antwortet  Fözi

So verkauft man der Bevölkerung Sparmaßnahmen.

Küstenfuchs
1 Tag zuvor
Antwortet  Fözi

Doch, den gibt es schon in einzelnen Fächern und am Gymnasium. Von den vier fertig gewordenen Referendaren an meiner Schule hat nur einer eine Planstelle bekommen. Und zwar der mit der besten Note und dem Fach Chemie.
Wer in Schleswig-Holstein gerade als Referendar fertig geworden ist und „nur“ ein gutes Examen ohne Mangelfach hat, hat kaum eine Chance auf eine Planstelle (es sei denn, seine Schule kann und will sie/ihn übernehmen). Und das ist die breite Masse.

Hansjoachim
1 Tag zuvor

Da ist was nicht plausibel: Wenn die Schülerzahl um 1 % sinkt, dann soll man sich Sorgen machen. Aber wie viel Unterrichtsausfall hatten wir denn vorher? Auch nur 1 % ? Ich dachte, das wäre wesentlich mehr.

Jerunda
1 Tag zuvor
Antwortet  Hansjoachim

… wurde eigentlich auch berücksichtigt, wie viele Lehrer und Erzieher in den nächsten Jahren in Rente/ Pension gehen?

dickebank
1 Tag zuvor
Antwortet  Jerunda

Das muss doch erst berücksichtigt werden, wenn sie gegangen sind. Und wer weiß, vielleicht lassen sie sich überreden noch ein bis zwei Jahre dranhängen. Dann kann man ja immer noch …

Küstenfuchs
1 Tag zuvor

In Schleswig-Holstein hat sich der Lehrermangel in vielen Teilen erledigt, nur Förderzentren sind weiterhin ein Riesenproblem. Aus der Presse heute:

„Für das beginnende Schuljahr sichert (Bildungsministerin) Stenke eine Unterrichtsversorgung von 103 Prozent zu, allerdings im landesweiten Durchschnitt. Denn die Personalgewinnung ist je nach Schulart verschieden erfolgreich: An den Grundschulen, Gymnasien und Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe konnten alle Stellen besetzt werden. Hingegen sind an Förderzentren 77 Stellen und an Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe noch 44 Stellen offen.“

Die Gemeinschaftsschule ohne Oberstufe stopfen ihre Löcher in den nächsten Tagen mit Zeitverträgen für Gymnasiallehrer, die am Gymnasium keine Stelle bekommen.

Lera
1 Tag zuvor
Antwortet  Küstenfuchs

„Hingegen sind an Förderzentren 77 Stellen und an Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe noch 44 Stellen offen.“

Demnach geht das KM davon aus, dass mit landesweit 77 zusätzlichen Sonderpädagogen die Inklusion in der Fläche perfekt umgesetzt wird.

Finde den Fehler.

Lera
1 Tag zuvor
Antwortet  Küstenfuchs

„Unterrichtsversorgung von 103 Prozent“

basierend auf einer durchschnittlichen Klassengröße von X <– dieses x ist an GS in SH seit Jahrzehnten aberwitzig groß, informelle Zielgröße ist dem Vernehmen nach mindestens 22.

Ginge man von einer der Unterrichtsqualität zuträglichen Größe von maximal 20 aus, wäre die Unterrichtsversorgung eher bei 90%.

Ein paar Prozent Rückgang bei den Schülerzahlen kann allenfalls die künftigen Klassengrößen normalisieren. Wer davon träumt, dass man da künftig irgendwas einsparen könnte, ist einfach ein zynischer Hater.

DerechteNorden
4 Stunden zuvor
Antwortet  Lera

Und die Nulltsemester bzw. Studierenden, die überall arbeiten darf man nicht vergessen. Die müsste man eigentlich auch abziehen.

Am liebste möchte man die Verantwortlichen auf ihren Pressekonferenzen fragen: „Soll man denn lügen?“

ed840
1 Tag zuvor
Antwortet  Küstenfuchs

Die SPD hat angemerkt, dass an GEM 6h gekürzt wurden, an Gymnasien 4 h.
Wenn das zutrifft, wirkt sich das vermutlich auf die Kennzahl Unterrichtsversorgung aus.

DerechteNorden
4 Stunden zuvor
Antwortet  ed840

Ab dem nächsten Schuljahr kriegen wir für die Sek I wieder zwei Stunden dazu. WiPo – wegen der Demokratiebildung. Jetzt sollen wir irgendwelche Projekte machen, die dann als eine weitere Unterrichtsstunde gewertet wird.
Das hört sich ja schön an … Für Außenstehende.

Außerdem haben die mal wieder all die Studierenden und Nulltsemester, die an den GemS arbeiten nicht abgezogen.
Demnächst setzen wir einfach irgendwelche Leute von der Straße, die Lust haben und sich ein bisschen Geld dazu verdienen wollen, in die Klassenräume. Damit kämen wir dann auf eine Versorgung von 110%, wie sie ja eigentlich sein müsste, um ordentlich arbeiten zu können.
103% ist nicht so dolle. Aber die Bevölkerung denkt, dass das ja eine Überversorgung ist.

Ulla
1 Tag zuvor

Nichts ist für das Schulsystem schlimmer, als mit heißer Nadel zu nähen: „Die Geburtenzahlen sinken, also brauchen wir langfristig weniger Lehrer. Kurzfristig können wir mit Quereinsteigern und Zusammenlegung von Klassen überbrücken.“
Was ist mit Zuwanderung und Kindern, die eine Klasse wiederholen? Das wird gar nicht berücksichtigt.

mama51
1 Tag zuvor

Die Ministerien sind einfach nur beratungsresistent! Freundlich formuliert!
Mit einem LK – Überschuss wären die Arbeitsbedingungen so einfach (tw) zu verbessern … Aber NEIN!
Sie lernen seit 40 Jahren nichts hinzu und denken/planen weiterhin von der Wand bis zur Tapete!
Man könnte fast bösen Willen hinter den „Sparmaßnahmen“ vermuten! Sie wollen (???) die Schulen nicht entlasten
Ein Schelm, …

447
4 Stunden zuvor
Antwortet  mama51

Leider bleibt keine andere Schlussfolgerung übrig.
Sie WOLLEN es so.