DÜSSELDORF. Während internationale und nationale Schülervergleichsstudien Deutschland zuletzt vor allem schlechte Nachrichten bescherten – mit deutlichen Kompetenzrückschritten im Lesen und Rechnen –, gab es in einem anderen Bereich durchaus Anlass zur Zuversicht: bei den Fremdsprachen. Deutsche Schülerinnen und Schüler zeigten im Fach Englisch in den vergangenen Jahren stabile oder sogar bessere Leistungen. Doch ausgerechnet dieses Feld könnte nun unter Druck geraten.

Der IQB-Bildungstrend 2022 hatte auf den ersten Blick wenig Erfreuliches zu berichten: Gegenüber dem Vergleichsjahr 2015 war der Anteil der Jugendlichen deutlich gestiegen, die im Fach Deutsch die Mindeststandards für den Ersten und Mittleren Schulabschluss verfehlten. Ausgedrückt in Kompetenzpunkten hatten Neuntklässler*innen im Schnitt 25 Punkte im Bereich Lesen, 44 Punkte im Bereich Zuhören und 31 Punkte im Bereich Rechtschreibung verloren.
Lernrückschritte in Deutsch, Kompetenzzuwachs in Englisch
Trotz dieses initialen Schocks brachte die Erhebung aber auch positive Ergebnisse hervor: So hatten die Schülerinnen und Schüler in Englisch erheblich bessere Leistungen gezeigt. Sie konnten damit die positive Entwicklung fortsetzen, die sich bereits im Zeitraum zwischen 2009 und 2015 abgezeichnet hatte. Dabei hatten sich 2022 im Vergleich zu 2015 insbesondere die Ergebnisse im mittleren und oberen Leistungsbereich deutlich verbessert, während sie im unteren Leistungsbereich weitgehend unverändert geblieben waren. Zusammengefasst in Kompetenzmittelwerte hatten die Neuntklässler*innen bundesweit 22 Kompetenzpunkte im Leseverstehen und 23 Punkte im Hörverstehen dazugewonnen.
Ein Jahr zuvor waren die Ergebnisse der Vergleichsarbeiten VERA 8 erschienen – mit einem ähnlichen Resultat für Baden-Württemberg: Lernrückschritte in Deutsch, Kompetenzzuwachs in Englisch. Im Vergleich zur Erhebung 2020 entsprach der Lernrückstand der Achtklässlerinnen 2022 in Deutsch laut Kultusministerium einem Drittel Schuljahr. Gleichzeitig waren die Schülerinnen in Englisch mehr als ein halbes Schuljahr voraus.
Ein möglicher Grund: die Motivation
Einen möglichen Hinweis auf die Ursachen dieser Entwicklung liefert eine Zusatzbefragung der Schülerinnen und Schüler im Rahmen des IQB-Bildungstrends 2022. Dabei zeigte die Leistungserhebung zunächst: Soziale Unterschiede erklären die gegensätzliche Entwicklung in beiden Fächern nicht. Sowohl für Deutsch als auch für Englisch gilt, dass besonders Jugendliche aus sozioökonomisch weniger gut gestellten und bildungsferneren Familien in beiden sprachlichen Bereichen schlechter abschnitten als ihre Mitschüler*innen.
Auffällig waren stattdessen Unterschiede bei den sogenannten motivationalen Merkmalen. Bildungsexperte Werner Klein, früherer Leiter der Abteilung Qualitätssicherung, internationale und europäische Angelegenheiten und Statistik beim Sekretariat der Kultusministerkonferenz, erklärte dazu in einem Beitrag für das Deutsche Schulportal: „Da positiv ausgeprägte Selbstkonzepte und Interessen mit einer höheren Anstrengungsbereitschaft, höheren Bildungsaspirationen und folglich besseren schulischen Leistungen von Schülerinnen und Schülern zusammenhängen, lassen sich auf diese Weise Unterschiede in der Kompetenzentwicklung beider Fächer gut nachvollziehen.“
„Das große Interesse für Englisch korrespondiert mit weiteren Verbesserungen in der Kompetenzentwicklung“
Zwar fielen die Unterschiede beim Selbstkonzept demnach noch vergleichsweise gering aus, beim Interesse zeigten sich jedoch deutlich größere Differenzen zwischen den Fächern. Etwa 70 Prozent der Jugendlichen trauen sich im Fach Deutsch, aber auch im Fach Englisch hohe Leistungen zu. Dagegen gaben nur 18 Prozent an, sich auch stark für Deutsch zu interessieren, während 44 Prozent ihr Interesse als gering beschrieben. Im Fach Englisch war das Verhältnis nahezu umgekehrt: 45 Prozent der Schülerinnen und Schüler bewerteten ihr Interesse am Fach als hoch, lediglich 22 Prozent als niedrig.
Besonders auffällig im Vergleich der Erhebungszeiträume: Das Interesse am Fach Englisch war zwischen 2015 und 2022 stabil geblieben, im Fach Deutsch dagegen deutlich zurückgegangen. Für Klein spiegelte sich darin ein enger Zusammenhang zwischen Motivation und Leistung wider: „Das große Interesse für Englisch korrespondiert mit weiteren Verbesserungen in der Kompetenzentwicklung, demgegenüber entspricht das zunehmend geringere Interesse für Deutsch deutlichen Kompetenzverschlechterungen.“
„Englisch ist offensichtlich ‚cool‘“
Offensichtlich werde Englisch von den Jugendlichen als interessantes, attraktives Fach mit einem hohen Anwendungsbezug für das alltägliche Leben wahrgenommen, so die Schlussfolgerung des Experten. Einen Grund dafür sieht er im Lebensalltag der Jugendlichen, denn für viele sei die Sprache Englisch längst Teil ihres Alltags: „Englischsprachige Filme, Serien und Social Media, die tagtäglich gesehen bzw. genutzt werden, erfordern vertiefte Kompetenzen in der englischen Sprache und lösen intrinsische Lernprozesse aus. Englisch ist offensichtlich ‚cool‘, weil das Fach unmittelbar Anwendung findet und verbesserte Kompetenzen direkt im Prozess der medialen Nutzung belohnt werden.“
Der Deutschunterricht wirke dagegen aus Sicht vieler Schülerinnen und Schüler weniger alltagsnah. Hinzu komme laut IQB-Bericht, dass dort häufiger traditionelle Lernformen wie Frontalunterricht, Still- oder Einzelarbeit dominieren. Englischunterricht mit größerer methodischer Vielfalt werde dagegen oft als abwechslungsreicher und motivierender wahrgenommen.
Dass das Interesse am Fremdsprachenunterricht bereits früh besteht, darauf verweist eine Studie von Englischdidaktikerin Jutta Rymarczyk, Professorin an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg (News4teachers berichtete). Demnach erfreut sich das Fach Englisch oder auch Französisch bei Kindern der Klassen 3 und 4 an Grundschulen in Baden-Württemberg großer Beliebtheit. Mehr als 40 Prozent der Befragten wünschten sich sogar einen früheren Start des Fremdsprachenunterrichts, nämlich schon ab der 1. statt erst ab der 3. Klasse.
Politische Kehrtwende beim frühen Fremdsprachenunterricht
Allerdings hat der Englischunterricht in der Grundschule aktuell einen schweren Stand. Seit den jüngsten alarmierenden Ergebnissen von Schulvergleichsstudien im Lesen, Schreiben und Rechnen haben mehrere Bundesländer wie Bayern, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern ihr Engagement im frühen Fremdsprachenunterricht reduziert. Das Ziel: mehr Unterrichtszeit für Deutsch und Mathematik zu schaffen, um die Basiskompetenzen zu stärken.
Dieses Vorgehen könnte jedoch zu neuen Kompetenzlücken führen. So verweist Bildungsexperte Werner Klein in seiner IQB-Analyse für das Deutsche Schulportal auf die Bedeutung des frühen Englischunterrichts. Als Beispiel führt er das Saarland an, wo mit rund 40 Prozent deutlich mehr Neuntklässler*innen die Mindeststandards für den mittleren Schulabschluss im Fach Englisch nicht erreicht hatten als im bundesdeutschen Durchschnitt (24 Prozent). „Dieses Ergebnis ist offenbar mit darauf zurückzuführen, dass im Saarland alle Kinder in der Grundschule Französisch lernen, während in allen anderen Ländern der Englischunterricht bereits in der Grundschule einsetzt.“
Inwieweit diese Sorgen berechtigt sind, wird sich erst in ein paar Jahren zeigen, wenn die ersten von den Einschränkungen betroffenen Schülerinnen und Schüler ihr Fremdsprachenkönnen in einer der Vergleichsstudien unter Beweis stellen müssen. Fest steht: Fremdsprachenkompetenz ist in einer global vernetzten Welt von entscheidender Bedeutung. Das sollte die Politik nicht unterschätzen. News4teachers
Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats “Sprache bilden”.
Ohne Deutsch ins Klassenzimmer: Sprachdefizite belasten (nicht nur) Brennpunkt-Schulen massiv









Ich habe ausnahmslos Schüler, denen irgendeine Vorgängerschule die mittlere Reife attestiert hat und kaum einer kann Englisch. Das Niveau ist seit Jahren unterirdisch. Ich würde mal sagen so A1 ungefähr.
Also ist mit der Studie oder mit meinen Schülern irgendwas falsch.
So wird es wohl sein…
Würde es nicht an den Schüler*innen liegen und nicht der Studienaufbau schule ist, müssten wohl Sie… mal ein Wörtchen mit den Eltern führen, garantiert sind die an allem schuld! 😉
Sie bringen da eine echt interessante Idee ins Spiel:
Schüler sind also rein passive slave-Drohnen, deren Lernerfolg bzw. Misserfolg AUSSCHLIESSLICH an Schule, Lehrern usw. liegt…kurz: Am Server.
Das bedeutet im Umkehrschluss:
Halten echte Topp-Pädagogen Topp-Unterricht – wissen alle Schüler alles, niemand bleibt zurück!
Das Rezept ist daher ganz einfach.
Wir nehmen meine 7er-GKler, von denen:
– einer noch NIE aufgetaucht ist
– zwei bereits zwei mal von der Polizei aus dem Unterricht geholt wurden (an dieser Stelle darauf ein entrüstet-deftiges “A*AB” nicht vergessen auszurufen)
– zwei LE sind, drei LRS
– einer LE, aber Eltern haben das “weggeklagt” und ich streiche in der Klassenarbeit die leeren Blätter rot durch
– der Rest halt so, wie 7 GK halt ist (=null Bock auf Schule, logisch; aber nette Leute sind sie, kann man nicht anders sagen, die Stunden sind witzig)
Jetzt setzen wir da eben richtigen Topp-Englischlehrer rein – zack und “bäm!”
Schon können die alles, sagen wir: Ein halbes Jahr später.
Denn wir dürfen die wichtigste Devise nicht vergessen:
Schüler sind NIE, NIEMALS für ihren Lernmisserfolg verantwortlich – nach der Devise:
“Gute Leistungen = Schüler haben gut gelernt, schlechte Leistungen = Lehrer haben Mist gebaut.”
Glücklicherweise gibt es auch für mich noch Hoffnung: Als Quantendrohne fluktuiere ich in normalen Kursen gleich zum Topp-Lehrer, da die SuS gute Noten erreichen. OH WAIT, so herum geht das ja nicht, siehe oben.
Kompetenzen und Fertigkeiten sind nicht dasselbe. Außerdem sind die Dauerbeschallung mit (D)Englisch, der Konsum englischsprachiger Medien auf TikTok & co meiner Meinung nach relevanter als der Englischunterricht an sich.
Und die Fähigkeit fehlt den Schülern. Können sie dann die Kompetenz haben, wenn ihnen die Fähigkeit fehlt English zu sprechen, zu schreiben und zu verstehen?
Ich glaube, wir beide haben einen unterschiedlichen Begriff von Fähigkeiten, Fertigkeiten, Fachwissen und Kompetenzen. Ich trenne die Kompetenzen sauber von den drei anderen Dingen, bin aber auch altmodisch unterwegs.
Nur so als Beispiel: Man ist kompetent, wenn man eine Übersetzungsapp bedienen und eine gestellte Aufgabe mit KI “lösen” kann im Sinne von der Generierung und Übernahme eines Ergebnisses. Man hat Fachwissen und Fertigkeiten, wenn man dieselbe Aufgabe auch ohne Hilfsmittel bearbeiten kann. Das setzt natürlich andere Fähigkeiten voraus, wie zum Beispiel die generelle kognitive Leistungsfähigkeit, Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz, Leistungswillen usw..
Wenn im Artikel unter einem Foto der königlichen Familie im Wachsfigurenkabinett ernsthaft „Motivatoren“ steht, dann weiß man sofort, auf welchem Niveau wir uns bewegen: Bildungspolitik nach dem Motto Hauptsache, es glänzt – denken muss es nicht. Und genau in dieser Atmosphäre servieren uns die nächsten „Experten“ bahnbrechenden Erkenntnisse.
Natürlich wurde früher mehr gelernt. Das sieht man schon daran, dass heute ein Arbeitsblatt als „zu viel Input“ gilt. Und dann formuliert man ernsthaft, Englisch sei der große Lichtblick, während Lesen und Rechnen im Sturzflug sind. Woran das wohl liegen mag???? Generation Daddelmeier, die Englisch nicht lernt, sondern durch 24/7‑Beschallung aus YouTube, Twitch und „Bro, no way“-TikTok einfach aufsaugt. Früher waren die Inhalte besser – ganze Sätze, Handlung, Sprache. Heute reicht ein Clip, in dem jemand „literally“ sagt, um als Lernmaterial zu gelten.
Dann kommt die pädagogische Sensation des Jahres: „Englisch ist offensichtlich ‚cool‘“. Wirklich bahnbrechend. „Offensichtlich werde Englisch von den Jugendlichen als interessantes, attraktives Fach mit einem hohen Anwendungsbezug für das alltägliche Leben wahrgenommen.“ Häää? Welche Erkenntnis! Ich kann nicht mehr. Wer hätte gedacht, dass eine Sprache, die in jedem zweiten Meme vorkommt, irgendwie relevanter wirkt als ein deutscher Konjunktiv II.
„Das große Interesse für Englisch korrespondiert mit weiteren Verbesserungen in der Kompetenzentwicklung.“ Natürlich tut es das, wenn man täglich mehr englische Füllwörter hört als deutsche Texte liest, steigt die Kompetenz eben dort, wo der Algorithmus füttert. Deutsch dagegen verlangt Lesen, Schreiben, Denken – alles Fähigkeiten, die gerade im freien Fall sind. Kein Wunder, dass selbst Gymnasien inzwischen deutsche Klassiker nur noch in vereinfachter Sprache durchnudeln, weil die Originale angeblich „zu anspruchsvoll“ sind.
Und Latein? Ein Totalschaden. Strukturen, Grammatik, Fleiß, Ausdauer – alles Fremdwörter für eine Generation, die „idk“ für einen vollständigen Satz hält. Während Englisch nebenbei ins Gehirn tropft, verlangt Latein Konzentration. Kein Wunder, dass die Kolleginnen und Kollegen verzweifeln.
Aber gut, Hauptsache, Englisch glänzt – oder das, was man heute dafür hält: „bro“, „I’m dead“, „no cap“. Wenn das die neue „Kompetenzentwicklung“ ist, dann winkt der Niedergang schon freundlich aus der ersten Reihe und fragt, ob er noch jemanden mit nach unten nehmen soll.
Witzig wird es dann, wenn die Selbst- und Bildungswissenschaftlereinschätzung als l33t 4ng1ShM4s74 mit “gogogo burst dmg lol”-Kompetenz auf IRGENDEINEN relevanten englischsprachigen Kontext trifft.
Also…relevant im Sinne von “Geld verdienen”, “was erschaffen”, “Sachinhalte kommunizieren”, nicht Internet- und meme-Gaudi.
Aber hey, da meine “anekdotische Evidenz” den Studien nicht das Wasser reichen kann, stelle ich beruhigt fest:
Mein Falschdenk ist falsch, die Englischkompetenz kracht massiv durch die Decke.
Insofern: Alles knorke, machen wir Englischlehrer wohl alles richtig. Läuft mit Englisch.
Danke für diese klare Analyse, ich wollte auch schon etwas dazu schreiben, aber Ihre Ausführungen sind wesentlich besser.
Ich habe so das Gefühl, es tummeln sich tausende von Experten im Bildungsbereich und einer ist schlauer als der andere, allerdings kommen kaum konkrete und sinnvolle Vorschläge, alles theoretische Ausarbeitungen ohne Bezug zur Realität. Man hat es so satt, und ich frage mich ernsthaft, ob wir unser Geld so verschwenden sollen, Geld, das in zielführenderen pädagogischen Maßnahmen besser aufgehoben wäre.
Und frühkindliches Sprachenlernen erfordert auch kompetente Lehrer in diesem Bereich, und die haben wir selten. Falsche Muster können sich verfestigen und schaden dann beim Spracherwerb nur.
Liebe Katze,
kotzen Sie sich doch mal woanders aus mit Ihrer Polemik und Selbstunzufriedenheit. Ist auf Dauer wie Petra aus OWL, nur in miesepetrig, also noch schlimmer.
Oder Sie unterrichten am besten alle(s) selbst, dann wird das schon wieder mit den Leistungen in Deutschland. Offenbar machen ja 99,9% Ihrer KuK nur noch Daddelpädagogik mit “literally”-Clips und kein einziges Arbeitsblatt mehr (weil “‘zu viel Input'”), sonst hätten Sie ja nicht genügend empirische Beobachtungsdaten vorzuliegen, um Ihre messerscharf-analytischen “Real”-Dystopien faktenbasiert zu veröffentlichen.
Reicht auch mal. Jobwechsel hilft gegen Frustration, da gibt’s auch für Ex-Lehrer:innen viele schöne Sachen.
Gruß.
EMu, Ihre Diagnose meiner ‚Selbstunzufriedenheit‘ ist wirklich rührend. Wenn Kritik für Sie als ‚Auskotzen‘ gilt, erklärt das einiges über Ihre eigene Toleranzschwelle.
Und keine Sorge: Ich kotze weiterhin mit meinen KuK, nicht über sie. Dass Sie das verwechseln, passt allerdings zu Ihrem Vorschlag, ich solle ‚am besten alles selbst unterrichten‘. Hübsche Idee – aber so viel Realitätssinn kann ich Ihnen leider nicht zurückgeben.
Falls Sie also jemanden suchen, der sich über Kolleginnen und Kollegen erhebt: Bei mir sind Sie definitiv falsch.
Gruß.
“… deutsche Klassiker nur noch in vereinfachter Sprache durchnudeln, weil die Originale angeblich „zu anspruchsvoll“ sind. …Während Englisch nebenbei ins Gehirn tropft, …”
Ich habe da eine geniale Idee: Vielleicht sollte man die deutschen Klassiker in der englischen Übersetzung lesen?
Und … wenn die Englisch-Kompetenzen der Schüler sich so verbessert haben, könnte man auch im En-Unterricht verstärkt englischsprachige Klassiker im Original lesen.
Spricht da irgendwas dagegen? 🙂
“Schüttelspeer” im Original, dann kann man auch das Niebelungenlied in Mittelhochdeutsch darbieten.
Ja die Fähigkeiten der Kinder bzw. Jugendlichen
Apropos “Sprechen”: Sprechen Sie mit SuS ausserhalb der Gym-Qualifikation oder der gym. OS mal ***durchgehend**”. Also, Enlisch. Natürlich stufenangepasst, ist ja klar. Nur eben nicht über (zugegeben: lustigen/unterhaltsamen) gaming- und clip-Quatsch.
Den Ruf als Killer-Lehrer haben sie sofort weg – und Drohnen dürfen über Menschenleben aus ethischen Gründen ja nicht alleine entscheiden. 😉
Haben einzelne SuS beim Sprechen mehr Kompetenz als früher?
Ja, ganz bestimmt.
Ist das gut?
Klar! Natürlich! Wer wäre schon dagegen?
In der Masse? Quatsch mit Soße. Bildungsstatistik-Phantom – denn dafür kann die große Masse (ausser “shhhiiiiish”, “literally” & co.) auch nicht besser sprechen und Schreiben geht allgemein runter.
Ich beobachte, dass es nicht wenige SuS gibt, die englische Texte fehlerfreier schreiben als deutsche.
Meine Kinder hatten noch das Pech, anfangs nach Hören schreiben zu dürfen. In der weiterführenden Schule hatte waren auf der deutschen Seite des Vokabeltests reichlich Fehler, während die englische Seite häufig korrekt war. Bei diesem Problem habe ich beim 1. Kind leider zu spät gegengesteuert.
Das Komische oder besser Interessante ist, die Kinder lernen keine englischen Rechtschreibregeln wie sie die deutschen pauken sollen. Sie lernen die Schreibweisen Wort für Wort. Das spricht doch genau dafür, dass wir uns eher Wortbilder als Ganzes einprägen und dass die Lückenübungen, wo nur Buchstaben einzusetzen sind gemäß der gerade geübten Rechtschreibregel, der größte Fehler sind, den wir aktuell im Deutschunterricht machen!
An Rechtschreibregeln denkt man doch erst, wenn man zweifelt. Dazu muss man aber erstmal zweifeln! Meistens zweifeln die Kinder ja gar nicht an ihren Schreibweisen!
Schön…
Wenn ich mich aber frage, ob das Englisch alltagstauglich ist (ab Level C1 mindestens) dann sieht es anders aus.
Kaum ein Schüler kann Englisch fließend sprechen oder anspruchsvolle Texte, die im Alltag vorkommen, verstehen. In der Schule werden nur gängige Floskeln gelernt – How are you? Where is [beliebiger Ort inserieren]? I’m okay. Hello, my name is [beliebigen Namen inserieren] and I’m [das Alter der Person].
Anspruchsvollere Wörter – Bsp. apologize, consciousness, sacrifice – kommen gar nicht oder nur kaum vor.
Englisch lernen die Kinder überall im Alltag, nicht in der Schule!
Ist das dann auch “elaboriertes Englisch”? Für den D-Unterricht wird ja immer wieder betont, dass die Schulen “elaboriertes Deutsch” vermitteln sollen.
Deutsch wird immer englischer. Das ist doch keine Neuigkeit (das sind keine “News”). Bei uns singen sogar die Musiklehrer fast nur noch englische Lieder (songs) mit den Kindern (kids). Privat hören die doch auch kaum noch etwas anderes. Wer weiß noch, wie “happy birthday” auf Deutsch geht? Die Erwachsenen machen es vor, machen es nach, hecheln hinterher, um auf dem neuesten Stand (up to date) zu sein. Man kann es selbst hier beobachten. Oldscool is out. Wie nannte man “cool” noch auf Deutsch? Wer weiß es?
Ich wette, die Englischkenntnisse der Jugendlichen (teenager) wären ohne den aktuellen Englischunterricht auch nicht schlechter. (Sind das nun eigentlich bad news oder good news?)
“Allerdings hat der Englischunterricht in der Grundschule aktuell einen schweren Stand. Seit den jüngsten alarmierenden Ergebnissen von Schulvergleichsstudien im Lesen, Schreiben und Rechnen haben mehrere Bundesländer wie Bayern, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern ihr Engagement im frühen Fremdsprachenunterricht reduziert. Das Ziel: mehr Unterrichtszeit für Deutsch und Mathematik zu schaffen, um die Basiskompetenzen zu stärken.”
Das ist ja auch richtig so. Da die Kinder Englisch sowieso lernen durch Musik, Werbung, Technik, Jugendgruppen, muss bis auf Weiteres wenigstens irgendwo auch noch ein Ort sein, wo sie die Sprache dieses Landes lernen. Auch wenn es bereits Vorschläge gibt (schon vor Jahren), Englisch zur zweiten Amtssprache hierzulande zu machen, z.B. von der FDP. Verschwindet sie deshalb gerade in der Versenkung? (Spaß) Noch ist es jedenfalls so, dass man als Bewohner dieses Landes Deutsch beherrschen sollte. (Ja, ja, ich weiß, in manchen Gegenden Berlins wirst du in den Gaststätten oder anderen Geschäften lieber auf Englisch bedient und verständnislos angeschaut, wenn du es nicht kannst.)
„Englischsprachige Filme, Serien und Social Media, die tagtäglich gesehen bzw. genutzt werden, erfordern vertiefte Kompetenzen in der englischen Sprache und lösen intrinsische Lernprozesse aus. Englisch ist offensichtlich ‚cool‘, weil das Fach unmittelbar Anwendung findet und verbesserte Kompetenzen direkt im Prozess der medialen Nutzung belohnt werden.“
Aha, und die Motivation zum Lernen der eigenen Landessprache scheint also nicht auszureichen. Zu uncool.
Deutsch wurde für meinen Sohn erst am Berufskolleg interessant. Da ging es mehr um praktische Anwendungen wie z.B. Kommunikationsebenen (am Beispiel Loriot) und nicht um blumige Gedichte. Man kann nicht jeden für höhere Literatur begeistern. Der Fremdsprachenunterricht ist zumindest in den ersten Jahren ehr praktisch orientiert.
Und hinzufügen möchte ich zu Ihrer Kritik, hat Deutsch denn keine Anwendung im Alltag der Kinder und Jugendlichen?