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Lehrerverbände fordern nach OECD-Vergleich: A13 für alle, bessere Arbeitsbedingungen, kleinere Klassen

BERLIN. Lehrerverbände in Deutschland haben auf die internationale OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ reagiert – und attraktivere Bedingungen für den Lehrerberuf in Deutschland gefordert. Die GEW und der VBE hoben hervor, dass insbesondere Grundschullehrkräfte in den meisten Bundesländern noch immer schlechter bezahlt werden als Lehrer an anderen Schulformen. Die GEW rief die Bundesländer auf, dem Beispiel Berlins zu folgen, das unlängst beschlossen hat, Grundschullehrkräfte künftig nach A13/E13 zu bezahlen. Der Philologenverband sieht in dem heute erschienenen internationalen Bildungsvergleich ein „Kompliment für das deutsche Bildungswesen“. Deutschland weise einen der geringsten Anteile von arbeitslosen jungen Menschen auf, betonte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger.

Auch eine Lösung ... Bildungsdemonstration in Potsdam 2009. Foto: Freenerd / Flickr (CC-BY-2.0)

Auch eine Lösung … Bildungsdemonstration in Potsdam 2009. Foto: Freenerd / Flickr (CC-BY-2.0)

„Qualität in der Schule braucht gut bezahlte und gut ausgebildete Lehrkräfte sowie kleine Lerngruppen“, betonte Ilka Hoffmann, für Schule verantwortliches GEW-Vorstandsmitglied, mit Blick auf die Ergebnisse der OECD-Studie. „Deshalb verlangen wir, dass alle Lehrerinnen und Lehrer als Beamte nach A13 und als Angestellte nach E13 bezahlt werden. Gerade vor dem Hintergrund des enormen Fachkräftemangels an Grundschulen, ist diese Aufwertung ein wichtiger Beitrag, die Attraktivität des Berufs zu verbessern und so mehr junge Menschen für ein Grundschulstudium zu gewinnen“, unterstrich Hoffmann.

In die gleiche Kerbe schlug der VBE. „Die monetär ausgedrückte Wertschätzung für Grundschullehrkräfte lässt in Deutschland deutlich zu wünschen übrig“, erklärte Verbandschef Udo Beckmann. Gerade Kinder im Grundschulbereich benötigten intensive pädagogische Begleitung, die von dafür besonders gut qualifiziertem Personal geleistet werden müsse. Der OECD-Vergleich zeige deutlich eine Diskrepanz bei den Gehältern. Lehrkräfte im Primarbereich verdienten im Schnitt sechs Prozent weniger als andere Beschäftigte mit vergleichbaren Bildungsabschlüssen. Beckmann: „Der VBE fühlt sich durch diese Bewertung bestätigt, dass es nicht nur angesichts des besonders hohen Lehrermangels in der Grundschule überfällig ist, die Bezahlung mit den Lehrkräften in der Sekundarstufe II gleichzustellen. Bildungs- und Erziehungsarbeit mit kleinen Kindern muss endlich die gleiche Wertschätzung erfahren, wie die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern in der Sekundarstufe II.“

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Die GEW hob zudem auf die Unterrichtsbedingungen ab – und warnte vor übereilten Rückschlüssen aus Durchschnittswerten von Klassengrößen (die für Deutschland nicht so schlecht aussehen). „Was nützt einer Lehrerin im städtischen Ballungsraum eine durchschnittliche Klassengröße von 21 Kindern in Deutschland, wenn sie 29 Schülerinnen und Schüler vor sich sitzen hat? So kann Inklusion nicht gelingen. Die Lehrkräfte werden überfordert“, erklärte die GEW-Schulexpertin. Sie machte darauf aufmerksam, dass gerade dort, wo es eine größere Zahl sozial benachteiligter und psychosozial belasteter Schülerinnen und Schüler gibt, die Klassen in der Regel besonders groß seien.

„Dort, wo die Probleme am stärksten sind, brauchen die Schulen zusätzliche Unterstützung. Kleine Klassen und multiprofessionelle Teams mit Lehrkräften, Schulsozialarbeitern und -psychologen sowie Erzieherinnen ermöglichen eine individuelle Förderung aller Kinder und Jugendlichen“, unterstrich Hoffmann. Sie machte darauf aufmerksam, auch die OECD betone, dass die Klassengröße gerade für sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler eine wichtige Rolle spielt. „Bildungsbenachteiligung lässt sich nicht durch Tests und Lernprogramme, sondern durch eine gute Pädagogik und eine angemessene Schüler-Lehrerrelation verringern“, hob die Schulexpertin hervor.

„Enormes Engagement“

Der VBE sieht in den OECD-Daten einen Beleg für das besondere Engagement der deutschen Lehrkräfte. Die Stunden, die von Lehrkräften an der Schule verbracht werden, lägen bei allen Schularten oberhalb des OECD-Durchschnitts. Beckmann meinte dazu: „Das enorme Engagement der Lehrkräfte muss wertgeschätzt werden. Sie sind es, welche die Bildungserfolge sichern. Hohe Beschäftigungsquoten, hohe Quoten an Studienabschlüssen, gelingende Integration: Das sind keine Zufallsprodukte, sondern Ergebnisse der Arbeit der Lehrkräfte in Deutschland.“

Der Philologenverband sieht Deutschland bei der Bildung weitgehend auf Erfolgskurs. Erfreulich sei der hohe Studierendenanteil im OECD-Vergleich in den naturwissenschaftlichen und technischen Studiengängen und die äußerst positive Rolle des deutschen Berufsbildungssystems für die hohe Beschäftigungsquote, sagte Meidinger – schränkte aber ein: Große Sorge bereite ihm der dramatische Anstieg der Zahl der Studienanfänger, deren Anteil zwischen 2005 und 2015 von 43 auf 63 Prozent gestiegen sei. „Das ist der höchste Anstieg im Vergleich aller OECD-Länder. Wir befürchten, dass dieser unkontrollierte starke Anstieg, bei dem hinter vielen Studienberechtigungen keine Studienbefähigung mehr steht, den jetzt schon schmerzhaft spürbaren Mangel an Lehrstellenbewerbungen und Facharbeitern in Deutschland noch verstärken wird!“, erklärte der Verbandsvorsitzende.

Dass das deutsche Bildungssystem alles in allem immer noch dramatisch unterfinanziert ist, darauf hob die GEW ab. Hoffmann rechnete vor: „Die öffentlichen Ausgaben für Bildung verharren bei 4,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der OECD-Schnitt liegt bei 5,2 Prozent. Das ist ein Armutszeugnis für ein so reiches Land wie die Bundesrepublik und eine Riesenhypothek, die den nachwachsenden Generationen aufgebürdet wird.“ Würde Deutschland so viel Geld in Bildung investieren wie die Staaten im OECD-Durchschnitt, stünden jährlich gut 26 Milliarden Euro mehr zur Verfügung, gemessen an Spitzenreitern wie Norwegen (6,2 Prozent des BIP) sogar fast 56 Milliarden Euro. bibo / Agentur für Bildungsjournalismus

 

4 Kommentare

  1. ZITAT: „Die GEW rief die Bundesländer auf, dem Beispiel Berlins zu folgen, das unlängst beschlossen hat, Grundschullehrkräfte künftig nach A13/E13 zu bezahlen.“

    Naja, naja, naja ………. wie bekannt, hätte dies im letzten Jahr 18% der neueingestellten Grundschullehrer betroffen und auch in diesem Jahr sollen 41% Quereinsteiger sein, die das nicht bekommen, oder andere Lehrämter, die das ohnehin bekommen und DDR-Unterstufenlehrer, die das auch nicht bekommen.

    Es kostet Berlin also nicht sehr viel. Womöglich „Peanuts“? 😉

    Gleicher Lohn für gleiche Arbeit sieht anders aus. Doch dafür wirbt die GEW?

  2. ZITAT: „„Die monetär ausgedrückte Wertschätzung für Grundschullehrkräfte lässt in Deutschland deutlich zu wünschen übrig“, erklärte Verbandschef Udo Beckmann.“

    Mal wieder Jammern auf hohem Niveau: Die Lehrergehälter in Deutschland gehören zu den besten. Im viel gerühmten Finnland sollen sie deutlich niedriger sein (und keiner dort jammert).

    AUSZUG:
    „Im internationalen Vergleich verdienen Lehrpersonen in Deutschland sehr gut

    Die BRD liegt auf Platz 3 (Einstiegsgehalt) bzw. Platz 4 (Gehalt nach 15 Jahren) der OECD-Liste und damit knapp 40 bzw. 30% über dem OECD- Durchschnitt. Betrachtet man nur die EU-Staaten, belegt Deutschland nach Luxemburg den zweiten Platz. Besonders interessant wird dieser Punkt, wenn man die Unterschiede bei den Lebenshaltungskosten (pdf, Stand 2006) berücksichtigt: In Dänemark, Großbritannien, Schweden, Frankreich oder Italien sind die Lebenshaltungskosten 10-20% höher als in der BRD, die Lehrergehälter sind jedoch um bis zu 40% niedriger.“

    Siehe: https://www.lehrerfreund.de/schule/1s/lehrergehaelter-vergleich/3221

  3. ZITAT:

    „Große Sorge bereite ihm der dramatische Anstieg der Zahl der Studienanfänger, deren Anteil zwischen 2005 und 2015 von 43 auf 63 Prozent gestiegen sei. „Das ist der höchste Anstieg im Vergleich aller OECD-Länder. Wir befürchten, dass dieser unkontrollierte starke Anstieg, bei dem hinter vielen Studienberechtigungen keine Studienbefähigung mehr steht, den jetzt schon schmerzhaft spürbaren Mangel an Lehrstellenbewerbungen und Facharbeitern in Deutschland noch verstärken wird!“, erklärte der Verbandsvorsitzende.“

    Genau! Hätten intelligente Leute doch aber vorhersehen können!

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