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Unbesetzte Lehrerstellen auch in Bayern? Spaenle: Unterricht ist sicher – Verbände: Es reicht nicht

MÜNCHEN. Die Schulen in Bayern sind gut ausgestattet mit Lehrern – sagt das bayerische Kultusministerium. Es wird wieder nicht reichen – sagen die Lehrer im Freistaat. Kurz vor Beginn des Schuljahres kocht der Streit um mehr Kräfte an Bayerns Schulen hoch.

Reicht's - oder reicht's nicht? Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle. Foto: © StMBW

Reicht’s – oder reicht’s nicht? Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle. Foto: © StMBW

Vom kommenden Schuljahr zeichnet das Kultusministerium in Bayern ein positives Bild – doch die Lehrer trauen dem nicht. «Zum ersten Schultag wird alles pronto sein. Dafür wird alles getan», sagte die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann, der Deutschen Presse-Agentur in München. «Aber wir werden trotzdem nach einigen Monaten wieder überrollt werden und wieder da stehen, wo wir schon so oft standen.» Dann würden erneut zahlreiche Lehrer fehlen. Für rund 1,7 Millionen Schüler und mehr als 100 000 Lehrer in Bayern beginnt am 12. September wieder der Unterricht.

Wenn Bayern bei der Digitalisierung in den Schulen Vollgas gebe, sagte die Verbandschefin, dann müssen Lehrer in Fortbildungen gehen – und fehlen im Unterricht. Hinzu kommen Lücken durch Kräfte, die während des Schuljahres in Pension gehen, Krankheitswellen und Schwangerschaften. «Bayern sollte eine Überversorgung vorhalten», forderte Fleischmann deshalb. Der Freistaat solle also die mobile Reserve deutlich aufstocken, damit die Schulen in Notsituationen mehr Lehrer zur Verfügung haben als in vergangenen Jahren.

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Die Vorurteile gegen mobile Kräfte will Fleischmann abbauen. «Ein Lehrer, der als Reserve an einer Schule ist, bohrt nicht in der Nase», sagte sie. Er könne im Notfall den Standard aufrechterhalten, und ansonsten da sein für kleinere Gruppen oder einzelne Schüler.

Das Kultusministerium dagegen zeigt sich überzeugt von einer ausreichenden Ausstattung mit Lehrern. «Der Unterricht ist zum neuen Schuljahr sichergestellt», heißt es aus dem Haus von Ludwig Spaenle (CSU). Ein Lehrer werde auf 13,8 Schüler kommen, wie bisher. Bayern hat zum neuen Schuljahr mehr als 4000 Lehrer neu eingestellt – in der Mehrzahl aber als Ersatz für ausscheidende Kollegen. Für die Inklusion, also die Einbindung behinderter Schüler in den Unterricht, stellt der Freistaat 100 weitere Lehrer zur Verfügung.

Den BLLV und auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) stellt das nicht ganz zufrieden. «Neue Stellen nützen erst einmal nichts», sagte BLLV-Chefin Fleischmann. Sowohl für die Bildung von Zugewanderten als auch bei der Inklusion gebe es nicht genug Kräfte, die diese Stellen annehmen können.

Das sagte vergangene Woche selbst Ministerpräsident Horst Seehofer. Kultusminister Spaenle habe ihm berichtet, «dass wir an der Anschlagkante sind mit der Integration von Migrationskindern». «Denn wir bekommen ja teilweise gar nicht mehr die Lehrer», sagte Seehofer bei einem Wahlkampfauftritt in München.

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Die GEW in Bayern, die ebenfalls für das kommende Schuljahr einen akuten Lehrermangel erwartet, bewertet die 100 zusätzlichen Lehrkräfte zum Ausbau der Inklusion als einen «Tropfen auf den heißen Stein». Um den Mangel an Lehrern – und deren gleichzeitige Arbeitslosigkeit – zu beheben, fordert die Gewerkschaft eine Reform der Ausbildung in Richtung von Stufenlehrkräften, die flexibel in mehreren Schularten einsetzbar wären. Das Studium soll sich dabei nicht nach Schularten richten, sondern nach dem Alter der Schüler.

SPD sagt Unterrichtsausfall voraus

In diesem Schuljahr wird das Problem hinter dieser Forderung nach Ansicht des Vorsitzenden des Kultusausschusses, Martin Güll (SPD), noch voll einschlagen. «Noch nie gab es so viele Lehrkräfte, die in ausbildungsfremden Schularten unterrichten werden», sagte er. «Und noch nie war gerade in den Pflichtschulen wie Grund-, Mittel- und Berufsschulen die Personaldecke so dünn, so dass wir schon im Spätherbst Unterrichtsausfälle in noch nie da gewesenen Dimensionen haben werden.» Die CSU-Bildungspolitik sei gescheitert.

Das Kultusministerium provoziere mit falschen Schülerprognosen sogar noch eine weitere Verschlechterung der Lehrer- und Unterrichtsversorgung im Freistaat, kritisierte Güll schon vor den Ferien. Anders als das Ministerium sage eine Studie der Bertelsmann-Stiftung einen Schüler-Boom voraus.

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2025 sollen dieser Schätzung nach bereits vier Prozent mehr Kinder und Jugendliche die Schulbank drücken als heute. Im Jahr 2030 seien es sogar acht Prozent. In der Folge seien Unterrichtsausfälle an der Tagesordnung. Seit Jahren blieben diese in allen Schulformen auf einem hohen Niveau. Generell verfolge Spaenle keine vorausschauende Personalplanung.

Das Ministerium hielt dem am Montag entgegen, jedes Jahr eine aktuelle Schülerprognose zu erstellen. Seit 2014 würden die Schulen vor allem wegen steigender Zahlen an der der Grundschule entsprechend mit Lehrkräften versorgt. Auch auf die massive Zuwanderung von jungen Menschen ab 2015 habe Bayern mit der Bereitstellung von zusätzlichen 1079 Planstellen und mehreren Hundert Beschäftigungsmöglichkeiten unmittelbar reagiert. Auch der im August erschienene «Bildungsmonitor 2017» habe dem Freistaat sowohl bundesweit die besten Ergebnisse in der Beruflichen Bildung und in der Inputeffizienz bescheinigt sowie beim Vermeiden von Bildungsarmut eine Topplatzierung gegeben. dpa

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