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“Zu viele ungeeignete Schüler am Gymnasium”: Philologen fordern Rückkehr zur Schullaufbahn -Empfehlung

GOSLAR. Grundschulen in Niedersachsen dürfen Viertklässlern keine Empfehlung für die weitere Schullaufbahn geben. Die Regelung soll weg , fordert der Philologenverband. Sonst landeten auch künftig viele Kinder auf der falschen Schule.

Links oder rechts? Für immer mehr Eltern scheint es nur eine Richtung zu geben. Illustration: pixabay.de / (CC0 1.0)

Verbindliche Vorgaben in Sachen Schulwahl sind in Deutschland selten geworden – der Elternwille ist fast überall frei. Illustration: pixabay.de / (CC0 1.0)

Grundschulen sollen Viertklässlern künftig wieder eine Empfehlung für die weitere Schullaufbahn geben. Das verlangt der Philologenverband Niedersachsen. «Wir fordern, dass die künftige Landesregierung die Laufbahnempfehlung wieder einführt», sagte der Vorsitzende Horst Audritz im Vorfeld des Philologentags 2017, der am Dienstag in Goslar beginnt. Die derzeitigen Beratungsgespräche seien «reine Augenwischerei» und ohne konkrete Schullaufbahn-Empfehlung überflüssig.

Ohne Empfehlung landeten mittlerweile viele Kinder an einer falschen Schule, für die sich nicht geeignet seien, sagte Audritz. «Es ist Realität, dass Kinder das Gymnasium besuchen, die eher für eine Realschule oder eine Hauptschule geeignet sind.» Das Problem: Selbst wenn zweifelsfrei feststehe, dass ein Kind überfordert ist, dürfe das Gymnasium keine Entscheidung zum Wohl dieses Kindes treffen. Es bleibe nur die Möglichkeit, den Eltern zur raten, für dieses Kind eine andere Schullaufbahn zu wählen. Im übrigen zeigten die Gespräche mit den meisten Eltern, dass diese eine Empfehlung für ihre Kinder wünschten. «Und da müssen Lehrkräfte Farbe bekennen. Man darf diese Verantwortung nicht einfach auf die Eltern abschieben», sagte Audritz.

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Die CDU, die möglicherweise künftig mit der SPD eine Große Koalition bilden wird, hatte im Wahlkampf propagiert, die Schullaufbahn-Empfehlung beim Übergang von der Grundschule auf die weiterführenden Schulen wieder einführen. Die SPD hatte sie gemeinsam mit den Grünen abgeschafft.

Neben der Wiedereinführung der Empfehlung forderte der Philologen­ Vorsitzende eine grundsätzliche Kurskorrektur in der Ausrichtung der Schulen. «Wir brauchen wieder ein Bekenntnis zu Leistung, zu Noten und zur Versetzung», sagte Audritz. Er plädierte zudem erneut für den Erhalt der Förderschulen. Sein Verband sei zwar nicht grundsätzlich gegen Inklusion. Die Auflösung der Förderschulen solle aber gestoppt werden, weil die für das Kindeswohl bestmögliche Förderung dort oft besser möglich sei als an allgemeinbildenden Schulen.

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Der Philologen-Vorsitzende verlangte zudem eine Anhebung der Gehälter für alle Lehrkräfte in Niedersachsen. Allerdings müsse es bei einer Differenzierung bleiben. «Wenn Lehrkräfte an Grund- und Hauptschulen nach Besoldungsstufe A 13 (bisher A l2) bezahlt werden, wie es zuletzt der Schulleiterverband forderte, sollten alle Gymnasiallehrer mindestens A 14 bekommen.

Beim Philologentag in Goslar werden sich die mehr als 350 Delegierten bis zum Mittwoch mit rund 700 Anträgen befassen. Dem vor 70 Jahren gegründeten Verband gehören mehr als 8000 Lehrkräfte an, die vorwiegend an den etwa 260 staatlichen und privaten Gymnasien in Niedersachsen unterrichten, aber auch an Gesamtschulen, Oberschulen und Studienseminaren tätig sind. dpa

5 Kommentare

  1. Die Schullaufbahnempfehlung war viele Jahre ein Trend und eine Empfehlung, mehr nicht.
    Eltern konnten zu dieser Zeit immer ihr Kind anmelden, wo sie wollten.
    Geändert hat sich im letzten Jahr, dass es nun keinen Brief als “Bescheinigung” mehr gibt, der für nichts verbindlich war, sondern verpflichtende, protokollierte Elterngespräche mit vorgegebenem Protokollbogen, die 2x im 4. Schuljahr stattfinden müssen.

    Die Gespräche hat es zuvor auch gegeben, das Protokoll nicht.
    Meine Erfahrung ist, dass man mit vielen Eltern offen reden kann und sie gemeinsam mit der Lehrkraft überlegen, welche Schule geeignet sein könnte.
    In allen Jahren, und nicht erst seit den Protokollen, gab es auch Eltern, die gegen die Empfehlung der Lehrkraft ihr Kind in einer anderen Schule angemeldet haben: am Gymnasium, obwohl Lehrkräfte das Kind eher an einer Realschule gesehen hätten, an der Realschule, obwohl Lehrkräfte das Kind eher am Gymnasium gesehen hätten. Ich habe beides erlebt, aber für mich sind es Einzelfälle.

    Ganz ehrlich frage ich mich, warum die Arbeit oder die Anspruchshaltung wieder bei den Grundschulen abgeladen wird. Grundschullehrkräfte beraten nach bestem Wissen und Gewissen.

    Wie wäre es, wenn Lehrkräfte an Gymnasien ihren Unterricht und ihre Beratung entsprechend leisten?
    Vielleicht müssten auch LuL am Gymnasium mit allen 5.Klässlern halbstündige protokollierte Beratungsgespräche führen, damit die Eltern genauer verstehen, wo Probleme bestehen oder warum das Kind Schwierigkeiten an dieser Schulform hat? Dann können sie Eltern selbst davon überzeugen, dass die gewählte Schulform nicht die richtige ist.

    • Gymnasiallehrer könnten mit den Eltern nur dann sinnvolle Gespräche führen, wenn sie die Kinder kennen. Das würde diverse Zeugnisse (nicht nur das Halbjahreszeugnis Klasse 4) oder ähnliche Gesprächsgrundlagen erfordern, die die Eltern, die ihre Kinder entgegen der Empfehlung der Grundschule doch am Gymnasium anmelden wollen, im Zweifel “vergessen”.

  2. “«Wenn Lehrkräfte an Grund- und Hauptschulen nach Besoldungsstufe A 13 (bisher A l2) bezahlt werden, wie es zuletzt der Schulleiterverband forderte, sollten alle Gymnasiallehrer mindestens A 14 bekommen.”
    Das ist nicht das Anliegen, dass wieder ein Unterschied gemacht werden soll. Da bleibt im Prinzip alles beim alten; die Philosophie der höheren Gehaltsforderungen der niedriger besoldeten Lehrämter ist eine andere. Es soll keinen Unterschied mehr in der Besoldung geben. Über die “Aufstiegschancen” in eine höhere Gehaltsklasse kann man dann neu nachdenken.

  3. Die “Empfehlung” macht nur Sinn, wenn sie verbindlich ist.

    Bei einer “verbindlichen Empfehlung” (wie in Bayern?) sehe ich die Lehrer jedoch mit einer enormen Klagewelle konfrontiert. Dann sollen doch die Eltern entscheiden und die Gymnasien müssen in Klasse 5 stärker “aussieben”.

    Aber dann haben vermutlich die die Klagewelle am Hals ……. Hmmmm …….

    Wir brauchen also rechtssichere Bestimmungen, die auch Klagen weitestgehend unmöglich machen.

  4. @ ysnp (ZITAT):

    “„«Wenn Lehrkräfte an Grund- und Hauptschulen nach Besoldungsstufe A 13 (bisher A l2) bezahlt werden, wie es zuletzt der Schulleiterverband forderte, sollten alle Gymnasiallehrer mindestens A 14 bekommen.“”

    Habe ich nicht immer gesagt, dass das so kommen wird?

    Wenn dann in ein paar Jahren die Gym-Lehrer fehlen, weil alle nur noch an die Grundschulen wollen, spätestens dann kommt wieder die gleiche Antwort auf unsere Probleme: mehr Gehalt. Und dann wird man sagen, die Gym-Lehrer müssen besser wieder verdienen, sonst will das keiner mehr machen.

    Denken Sie an den “Schweinezyklus” ?!?

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