Lin-Klitzing begrüßt mehr Geld für Bildung – pocht aber auf Länderhoheit beim Ausgeben

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BERLIN. Die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Susanne Lin-Klitzing, hat die Einigung zwischen CDU, CSU und SPD, im Fall einer Neuauflage der Großen Koalition deutlich mehr Geld als in den Sondierungsgesprächen festgelegt in die Bildung zu stecken, begrüßt – aber vor einem Ende des Kooperationsverbots gewarnt. Der Verband der Realschullehrer (VDR) stößt ins gleiche Horn.

Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes. Foto: Deutscher Lehrerpreis

„Am Bildungsföderalismus darf in  diesem Zusammenhang nicht gerüttelt werden“, so erklärte Philologen-Chefin Lin-Klitzing. „Eine finanzielle Beteiligung des Bundes an der Digitalisierung der Schulen und einem Sanierungsprogramm ist auch bereits auf der Grundlage der jetzigen verfassungsrechtlichen Lage möglich, wenn bei allen Beteiligten der politische Wille dafür da ist.“

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Bund, Länder und Gemeinden müssten zügig ein umfassendes Schulsanierungsprogramm umsetzen, so Lin-Klitzing weiter. Es könne nicht sein, dass immer noch so viele Schulen in einem miserablen baulichen Zustand seien. „Bei dem Ziel, 40.000 Schulen in Deutschland mit schnellem Internet und einer zeitgemäßen IT-Ausstattung auszustatten, muss dringend auch an ein professionelles Management gedacht werden, an der Frage der Zuständigkeit darf es nicht scheitern, ansonsten werden Milliarden unnütz in den Sand gesetzt“, ergänzt Lin-Klitzing.

“Föderalismus zwingend erhalten”

Mit Blick auf den Koalitionsvertrag äußert sich Jürgen Böhm, Vorsitzender des Verbands Deutscher Realschullehrer (VDR), nach eigenen Angaben „verhalten optimistisch“. Er sagt: „Dass sich CDU, CSU und SPD darauf geeinigt haben, dass die Kultushoheit in der Kompetenz der Länder bleibt, ist absolut richtig. Denn: Bildung ist das Zukunftsthema in Deutschland. Der Bildungsföderalismus in Deutschland und damit der Wettbewerb der Bundesländer untereinander müssen zwingend erhalten bleiben. Für Deutschlands Stärke spielt der mittlere Bildungsabschluss auf Realschulniveau eine nicht zu unterschätzende Rolle.“

Dass der Bund eine Investitionsoffensive auf den Weg bringen möchte, die die Länder bei ihren Investitionen in die Bildungsinfrastruktur unterstützen soll, sei mit Blick auf die zu verbessernde Ausstattung der Schulen mit digitalen Medien grundsätzlich zu begrüßen. „Der Digitalpakt Bildung muss nun endlich auf die Schiene gesetzt werden, ich warne aber davor, dass versucht wird, auf diesem Weg in die Schulstrukturen der Länder einzugreifen“, so Böhm. Die föderalen Strukturen der Bundesrepublik samt der Vielfalt der Bildungswege müssten in jedem Fall gewahrt werden. Auch der Umweg, über wissenschaftliche Studien zu ausgewählten Schwerpunkten vermeintliche bildungspolitische Lösungen für alle Länder durchzusetzen, müsse unterbunden werden. „Finanzielle Unterstützung des Bundes soll aus Sicht des VDR nur in den engen Grenzen des Grundgesetzes für Zukunftsaufgaben wie beispielsweise beim Thema der Digitalisierung projektbezogen und zeitlich befristet möglich sein, um die Sachaufwandsträger zu entlasten“, erläutert Böhm.

Ein gesunder Wettbewerb fördere die Leistungsfähigkeit sowohl der Schüler als auch der einzelnen Länder untereinander und trage außerdem der Tatsache Rechnung, dass die Menschen in Deutschland nach realistischen statt ideologisch motivierten Antworten verlangten. Nur mit Vielfalt und Differenzierung könnten junge Menschen bestmöglich auf eine erfolgversprechende berufliche wie auch private Zukunft vorbereitet werden, so Böhm weiter. News4teachers

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1 KOMMENTAR

  1. Die sprudelnden Steuermillionen scheinen nun ja doch schon anderweitig versprochen und verbraucht zu sein, aber wenn Grundschullehrer A 13 bekommen sollen, dann müssen Gymnasiallehrer A 14 erhalten (wegen des “Abstandsgebots”). Daran will ich mal erinnern, obwohl mir Investitionen in massive Entlastungen wesentlich wichtiger wären. Doch dafür ist ja nun auch nichts mehr da.

    Statt dessen bekommen wir anstelle von Kreidetafeln Digitaltafeln. Dann ist man ja den ganzen Stress sofort los (oder so). 😉

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