Internationaler Vergleich: Deutschlands Lehrer verdienen mit am besten

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PARIS. Deutschlands Lehrerinnen und Lehrer stehen beim Einkommen mit an der Spitze. Bei einem OECD-Vergleich unter 39 Staaten, bei dem das Jahreseinkommen in Dollar umgerechnet wurde, verdienen nur Lehrkräfte in Luxemburg mehr als die in Deutschland, nämlich durchschnittlich 79.000 Dollar als Einstiegsgehalt und 113.000 Dollar nach 15 Jahren. In Deutschland liegt das Einstiegsgehalt bei 61.000 Dollar und das Gehalt nach 15 Jahren bei 74.000 Dollar im Schnitt. Das geht aus dem aktuellen Bericht „Ecucation at a Glance“ hervor.

Der besseren Vergleichbarkeit wegen wurden die Lehrergehälter in Dollar umgerechnet. Foto: w.r.wagner / pixelio.de

Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, verwies gegenüber der „Bild“-Zeitung (“Krass, wie viel unsere Lehrer verdienen!”) auf die hohen Unterrichtsverpflichtungen deutscher Lehrerinnen und Lehrer: „Dass die Gehälter von Lehrkräften sowohl im Primarbereich als auch im Sekundärbereich im internationalen Vergleich gut abschneiden, ist bekannt. Allerdings ist die Arbeitsbelastung im internationalen Vergleich ebenfalls deutlich überdurchschnittlich.“

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Auch OECD-Direktor Andreas Schleicher, Koordinator der PISA-Studie, sieht die Bedingungen für Pädagoginnen und Pädagogen in Deutschland kritisch – was auch den Lehrermangel hierzulande begründe. Lehrer würden zwar in Deutschland recht gut bezahlt. Trotzdem sei der Beruf vergleichsweise unattraktiv: Die Pädagogen hätten oft wenig Gestaltungsspielraum und ihnen bleibe kaum Zeit außerhalb des Unterrichts, sodass die Arbeit im Team allzu oft auf der Strecke bleibe. Darüber hinaus bietet der Beruf in Deutschland wenig Karriereperspektiven.

OECD-Durchschnitt: 32.000 bis 45.000 Dollar

Nach OECD-Angaben liegen Lehrerinnen und Lehrer in der Schweiz zwar auf dem gleichen Niveau beim Einstiegsgehalt wie ihre Kolleginnen und Kollegen in Deutschland, dann aber steigt es nicht mehr. Deutlich weniger verdienen Lehrkräfte in PISA-Sieger-Ländern wie Kanada (39.000 bis 66.000 Dollar), Finnland (36.000 bis 44.000 Dollar) und Korea (28.000 bis 50.000 Dollar). Der Durchschnitt der OECD-Staaten liegt bei 32.000 bis 45.000 Dollar. Der Durchschnitt innerhalb der Eurozone liegt sogar noch darunter: 31.000 bis 44.000 Dollar. Am wenigsten verdienen Lehrerinnen und Lehrer in Lettland – gerade mal 9.000 Dollar sowohl als Einstiegsgehalt wie nach 15 Jahren. In der Slowakei, Ungarn und Polen liegt das Niveau kaum höher – dort liegt das Jahresgehalt zwischen 13.000 und 25.000 Euro.

Hart trifft es aktuell auch die Lehrerinnen und Lehrer in der Türkei – nicht nur dass ihre Einkünfte mit 27.000 bis 30.000 Dollar im Vergleich unterdurchschnittlich ausfallen. Die türkische Lira, in der ihre Bezüge ausgezahlt werden, fällt gerade aufgrund der gigantischen Inflation in der Türkei ins Bodenlose – und mit ihr die Kaufkraft eines Lehrergehalts. bibo / Agentur für Bildungsjournalismus

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers heiß diskutiert.

PISA-Chef Schleicher fordert Entlastung für Lehrer – und warnt vor Seiteneinsteigern in Brennpunktschulen

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51 KOMMENTARE

  1. Zitat aus FB: “”Marille Sweetmank Und wenn man dann die eigenen Kollegen in der 5. Schulwoche sieht: Tiefe Augenringe, matte Haut, übermüdet und abgekämpft. Täglich von 8:00-15:00 Uhr in der Schule plus 3-4 h zusätzliche Vorbereitung an den Abenden, und das ist nur die Woche! Das Wochenende schafft kaum Erholung und derzeit stehen noch kaum Korrekturen an… Wir würden alle lieber weniger haben, wenn es dafür ein erträgliches Maß an Arbeit wäre.””

    Genau mein Reden! Ich danke unbekannterweise für den Zuspruch.

  2. Vergleiche mit Lettland oder Polen sind, da sie Lebenshaltungskosten nicht berücksichtigen, so dumm, dass man sich fragt, wer solche Zahlen eigentlich veröffentlicht und ob dieser Jemand tatsächlich selbst so bescheuert ist oder mit diesen offensichtlich manipulativen Zahlen andere Ziele erreichen will.

    Ich stelle immer nur die ganz einfache Frage: Wenn Lehrer so gut verdienen und so viel Ferien haben, warum haben dann wir akkuten Lehrermangel?

    • Diese Frage ist doch schon sehr oft beantwortet worden. Der aktuelle Lehrermangel hat nichts mit den Gehältern zu tun. Der aktuelle Lehrermangel hat am meisten mit der Fehlplanung der letzten Jahre zu tun (falsche Prognosen zur Schülerentwicklung und der nicht vorhersehbaren Flüchtlingswelle 2015) und damit einhergehenden Streichungen von Stellen in Ausbildung und an den Schulen.

      Dass man bei der Betrachtung von Gehältern und Löhnen die Lebenshaltungskosten berücksichtigen muss, ist richtig. (Vereinfachtes Beispiel:) Wenn man z.B. 2000,- Euro netto verdient und 1000,- Euro für Wohnung ausgeben muss, ist das was anderes, als wenn man 1500,- Euro netto bekommt und nur 100,- Euro für die Miete ausgeben muss. Da steht man ja potenziell besser da, obwohl man weniger verdient. Richtig!

      Sie unterstellen nun per se, dass das höhere Gehalt in Deutschland einhergeht mit höheren Lebenshaltungskosten. Ist das so? Sind die Lebenshaltungskosten z.B. in den skandinavischen Ländern, wo Lehrer weniger verdienen, geringer als in Deutschland? Da Sie das suggerieren, wäre es schön, wenn Sie mir das mal belegen könnten – und für die anderen Länder wenigstens beispielhaft auch.

      • Ich kenne zahlreiche Lehramtsstudenten und Junglehrer von der Uni her und muss bestätigen, dass das aus deren Sicht sehr gute Lehrergehalt und die Vereinbarkeit von Beruf und Kindern den Lehrerberuf für diese jungen Leute sehr attraktiv macht. Das Gehalt ist also für diejenigen, die Lehrer werden wollen, absolut in Ordnung.

        • Mein Reden.

          Ich meine auch, dass heutige Lehramtsstudenten nicht auf das schauen, was man vor etlichen Jahren im Vergleich zum damaligen Durchschnittsverdienst mehr bekommen hätte als heute, sondern dass sie bestenfalls auf das schauen, was sie jetzt bekommen (im Beispielfall unten 60.000 im Jahr).

          Noch ein Indiz, Küstenfuchs, dass Sie sich irren.

        • Ehrlich gesagt, als junge Frau nach dem Abi habe ich das mit dem Gehalt noch gar nicht so richtig überblickt. Natürlich kommt einem das in Ordnung vor, aber wenn man dann aber eine 5köpfige Familie davon ernähren soll, sieht man das anders.

        • Das war bei mir genauso. Das Internet gab es zwar schon, aber steckte noch in seinen Kinderschuhen (hmmm, wie alt bin ich also demzufolge etwa? 🙂 ). Ich hatte noch am Ende meiner Lehrerausbildung keine Ahnung, was ein Lehrer verdient und staunte ehrlich gesagt nicht schlecht.

          Eine 5-köpfige Familie (2 Erwachsene + 3 Kinder) von einem Gymnasiallehrergehalt nicht ernähren können (zumal wenn beide arbeiten), finde ich etwas ohne Bodenhaftung. Wie machen das all jene, die deutlich weniger verdienen? Ich meine, man muss ja nicht unbedingt eine Yacht und ein Haus haben und jedes Jahr zweimal Urlaub in Südafrika machen, oder?

    • @ Küstenfuchs, und noch eine Gegenfrage: Warum hatten wir vor etlichen Jahren einen Lehrerüberhang, wenn doch die Gehälter so schlecht sind (die damals ja noch niedriger waren)?

      • In Bayern verdient ein Lehrer mit meiner Gehalts- und Erfahrungsklasse 355 Euro im Monat mehr als ich in S-H. Bayern hat erheblich weniger Probleme, Lehrerstellen insbesondere in sogenannten Mangelfächern wie Mathematik und Physik zu besetzen. Ein Zufall?

        Ihre (offensichtliche falsche) Behauptung, die Gehälter wären früher niedriger, hat mich einmal nachschauen lassen:
        Zumindest in meinem Bundesland mussten die Beamten in dem Zeitraum, in dem ich unterrichte (seit 2002), erhebliche reale Gehaltseinbußen im Vergleich zum Durchschnitt hinnehmen:
        Die Lohnzuwächse des “Durchschnittsverdieners” Schleswig-Holst.: +40,1%
        Lohnzuwachs A14 Schleswig-Holst.: +21,3%

          • Gut, Küstenfuchs, das nehme ich so hin, weil es nicht wesentlich ist. Unseriös ist hingegen, dass Sie beim Lohnzuwachs “der anderen” konkret sind, bei den Lohneinbußen der Lehrer aber nebulös bleiben. Insofern ist da nichts “offen sichtlich”. Was verdiente also z.B. ein Gymnasiallehrer 1998? Ich ging einfach davon aus, dass man vor 20 Jahren als Lehrer weniger verdiente als heute, da es ja immer Anpassungen gibt.

            Die wirklich wichtige Frage (Gegenfrage zu Ihrer immer gestellten Frage) haben Sie jedoch nicht beantwortet: Warum gab es früher einen Lehrerüberhang, wenn unsere Gehälter so schlecht sind?

          • Dann präsentieren Sie uns eine entsprechende Tabelle.

            Meine zeigt lediglich, dass Beamte 2010 weniger verdienten als 2017. Dass man grundsätzlich 2010 weniger verdiente als 2017 ist meine Grundthese, die bestritten wird.

            Bitte, zeigen Sie uns, dass Lehrer 2010 mehr verdienten als 2017.

          • Also bitte, wenn Sie mit absoluten Zahlen und nicht mit dem Reallohnzuwachs rechnen, bin ich raus, weil diese Diskussion dummes Zeug ist und für alle Berufe gilt.

            Ich habe – von der gleichen Seite wie Sie – meine persönlichen Zahlen aus S-H für mich als Beamten genommen, aus 2002 zu meinem Einstieg und 2017. Da Lehrer Landesbeamte sind, dürfen Sie mir hier nicht mit Tabellen der Bundesbeamten kommen, die sind deutlich besser gestellt.

            2002: Lehrerüberhang (A14, Stufe 10 verdient das 1,88-fache vom Durchschnittsverdiener ->50761 Euro/26932 Euro)
            2017: Lehrermangel (A14 verdient 1,63-fache vom Durchschnittsverdiener->61557/37739)
            Die Zahlen gelten für Schleswig-Holstein und meine persönliche Situation (d.h. seit 2002). Sie zeigen, dass ein Oberstudienrat heute (2017) genau ein Viertel des Durchschnittsjahresgehalts weniger verdient als 2002, das sind jährlich knapp 9500 Euro.

          • @ Küstenfuchs, ich habe mangels anderer Infos die Beamtentabelle aus dem Internet genommen. Ich habe das bereits erklärt. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt keine anderen Daten.

            Ich verstehe, was Sie mit Reallohnzuwachs meinen. Ich bin kein Statistiker. Ich weiß nicht, wie ich das errechnen sollte. Aber ich denke, das gilt für alle Berufsgruppen und nicht nur für Lehrer. Es meint, dass das Ansteigen der Gehälter geringer ist als das Ansteigen der Kosten/Ausgaben? Sodass man real nicht mehr, sondern weniger verdient? Ist das richtig so? Beträfe doch aber alle, also wohin sollten sich potenzielle Lehrer flüchten, um dem zu entgehen, sodass man sagen kann, DESHALB will nun keiner mehr Lehrer werden?

            Ihren zweiten Absatz verstehe ich nicht. Ich darf Ihnen nicht mit dieser Tabelle für Bundesbeamte kommen, aber Sie haben Ihre Daten von der gleichen Seite genommen? Ich kann nicht nachvollziehen, woher Ihre Daten eines Durchschnittverdienstes kommen, mit der Sie Ihr Beispiel vergleichen. Zu einem Beleg gehört immer dazu, dass man ihn nachvollziehbar / überprüfbar macht. Ich habe jetzt wieder nur Behauptungen und kann nicht prüfen, wie Sie dazu kommen. Gerade als Lehrer an weiterführenden Schulen (Ihre Fächer kenne ich bislang nicht) sollten Sie doch wissen, dass man so nicht seriös argumentieren kann.

            Dass ein Gym-Lehrer heutzutage nur noch das 1,63-fache des Durchschnittverdieners verdient und nicht mehr das 1, 88-fache muss nicht einmal bedeuten, dass er jetzt weniger verdient. Die Gehälter der anderen bzw. einiger anderer, die in diesen Durschnitt einflossen, können einfach mehr gestiegen sein als die Gehälter der Gym-Lehrer. Alleine dadurch verschöbe sich das schon.

          • Es ist für mich immer noch nicht einsehbar, dass es vor – bleiben wir nun bei Ihren Daten – rund 15 Jahren einen Lehrerüberhang gab und es nun einen Lehrermangel gibt und dass das an den Gehältern damals bzw. heute liegen soll. Es ist schlichtweg an den Haaren herbeigezogen.

            Ihr Argument bzgl. der heutigen Situation ist einfach “selbstgefällig”. Sie wollen das so sehen und so darstellen, um Ihre Meinung, dass die Gehälter erhöht werden müssen, zu untermauern.

            Bedenken Sie aber, dass entgegen Ihrer Aussage, dass Gym-Lehrer heute “ein Viertel des Durchschnittsgehaltes weniger” verdienen, wir ja – wie andere hier argumentieren – gar keinen Mangel an Gymnasiallehrer haben. Heutigen Lehramtsstudenten für das Gymnasium werden also von diesem “Viertel weniger” offensichtlich doch gar nicht abgeschreckt. Da stimmt also was in Ihrer Argumentation nicht.

          • @ Küstenfuchs, Sie dürfen mich für dumm halten, aber ich verstehe Ihre Rechnung nicht.

            Zitat: “Sie zeigen, dass ein Oberstudienrat heute (2017) genau ein Viertel des Durchschnittsjahresgehalts weniger verdient als 2002, das sind jährlich knapp 9500 Euro.”

            Der Jahresverdienst 2002 war rund 50.000 Euro. Der Jahresverdienst 2017 ist rund 60.000 Euro. Ein Gym-Lehrer Ihres Beispiels verdient doch heute also rund 10.000 Euro mehr! (?)

            Den verringerten Abstand zum Durchschnittsverdiener (???) wollen Sie uns doch jetzt nicht als Einkommensverlust des Gym-Lehrers verkaufen? Das hat man doch nicht weniger in der Tasche. Das ist doch nur ein verringerter Abstand?!?

            Woraus kann man ableiten, dass ein Gym-Lehrer immer das 1,88-fache eines Durchschnittsverdieners erhalten soll / muss?

            Ich bitte um Aufklärung.

          • Natürlich ist der deutlich geringere Abstand zum Normalverdiener ein Quasi-Einkommensverlust. Er ist aber auch real da:
            Wie ich oben schon gesagt habe, stieg von 2002 bis 2017 das A14-Gehalt um 21,8%. Die Inflation in dieser Zeit war aber 24,7%.
            Also kann sich ein A14er von 2017 weniger leisten als einer aus 2002, das ist also der Reallohnverlust.
            Der Normalverdiener hat in der Zeit einen Zuwachs um 40% gehabt, also einen kräftigen Reallohnzuwachs.

            Natürlich steht nirgendwo, dass man das 1,88-fache des Durchschnittsverdieners haben muss, aber meinen Sie nicht, dass auch das Gehalt ein Faktor bei der Berufswahl spielt?
            Auch am Gymnasium gibt es in bestimmten Fächern einen riesigen Lehrermangel (Physik, Chemie, Mathematik), also gerade in den Fächern/Fachbereichen, in denen man in der Wirtschaft deutlich besser verdient. Und in den letzten Jahren hat sich der Abstand in der Bezahlung noch vergrößert.

            Und diese Reallohneinbuße betrifft ja nicht nur den Oberstudienrat, sie betrifft alle verbeamteten Lehrer. Sollte es Zufall sein, dass dieser Reallohnverlust mit dem Lehrermangel einher geht?

          • @ Küstenfuchs, danke, ich verstehe Sie jetzt besser. Es geht also um einen Einkommensverlust auf Grundlage der Voraussetzung, dass der 1,88-fache Abstand zum Durchnittsverdienst hätte wenigstens bleiben sollen (wunschgemäß). Ok, das können wir ja so stehenlassen.

            Trotzdem ist es ja so, dass also mindestens für einen Teil der Gymnasiallehramtsstudenten dieser “fiktive Einkommensverlust” kein Grund war, nicht mehr Gymnasiallehrer werden zu wollen, wenn man glauben darf, was andere hier schrieben, nämlich, dass es einen Überhang an Gymnasiallehrern gibt (mindestens in bestimmten Fächern und ich glaube, es war NRW).

            Daraus finde ich gerechtfertig zu schlussfolgern, was ich schon schrieb, dass das Gehalt nicht am derzeitigen Lehrermangel schuld ist. Was denn dann? Siehe meine ersten Äußerungen dazu und meine vielen anderen in anderen Diskussionen. 🙂

          • Zur Seite oeffentlicher-dienst.info: Dort gibt es so ziemlich alle Besoldungstabellen seit 1971. Bei Lehrern muss man natürlich in den einzelnen Ländern schauen, die Tabellen der Bundesbeamten sind seit 2004 irrelevant. Beachten muss man, dass bis 2004 alle Beamten (egal ob Bund oder Land) gleich besoldet wurden. Damit man nicht so viel rechnen muss, gibt es auf der Seite sogar Vergleichstabellen. Hier für mein Bundesland:
            http://oeffentlicher-dienst.info/beamte/sh/a/2017/a/vergleich.beamte-bund-2002.html
            Da sieht man, dass fast alle verbeamteten Lehrer von A12 bis A16 einen Wert zwischen 21,0 und 22,5% Lohnzuwachs haben (die meisten so um 21,2-21,5%).

            Einen Inflationsrechner finden sie hier (wobei ich mich für den falschen Wert oben entschuldige, die Inflation betrug nicht 24,7%, sondern nur 22,88%, was trotzdem ein Reallohnverlust ist):
            https://www.finanzen-rechner.net/inflationsrechner.php

            Leider finde ich die Seite nicht mehr, wo die oben erwähnten 40,1% für Normalverdiener in S-H her habe, sie weicht aber kaum vom Bundesgebiet ab, wo es 39,6% sind. Den Wert findet man hier (wenn man den Taschenrechner zur Berechnung der prozentualen Steigerung bemüht):
            https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/VerdiensteArbeitskosten/VerdiensteVerdienstunterschiede/Tabellen/Bruttomonatsverdienste.html

          • Was sie aber nicht berücksichtigen, ist die katastrophale Entwicklung für den Bildungs- und Industriestandort Deutschland, auf die wir hinsteuern:

            Immer weniger Lehramtsstudenten studieren Mathematik, Physik und Chemie. Das führt dazu, dass an immer mehr Schulen der Unterricht in diesen Fächern entweder fachfremd erteilt wird oder aber (gerade in Physik und Chemie) von Lehrern, die ihre Berufswahl besser überdacht hätten. Gerade an eher unattraktiven Schulstandorten tummeln sich unfassbar viele Nerds herum, die überall besser aufgehoben sind als vor einer Klasse. Die haben oft ein Examen mit 4,1 bestanden und die Entwicklung dieser Menschen als Lehrer ist abzusehen, sie werden aber eingestellt, weil sonst der Unterricht gar nicht stattfinden würde. Konsequenz daraus ist, dass bei diesem Unterricht noch weniger Schüler für ein Physik- oder Chemiestudium begeistert werden, worauf es in der kommenden Lehrergeneration noch weniger Lehrer für diese Fächer gibt, dazu weniger Ingenieure, Chemiker usw.

            Der Mangel an Ingenieuren vergrößert dann wieder ebenso den Gehaltsunterschied zwischen einem Lehrer und dem Ingenieur, wie es auf der anderen Seite der geschilderte Reallohnverlust der Lehrer tut. Konsequenz: Noch weniger Physiklehrer!

  3. Wir haben eine Partnerschule in Frankreich. Die dortigen Kollegen verdienen definitiv weniger als wir, sie müssen aber auch weniger Unterricht erteilen und gehen mit Mitte 50 (!) in Pension. Insofern ist der reine Gehaltsvergleich schon Unsinn, im Hinblick auf Lebenshaltungskosten – wie oben von einigen schon angeführt- ebenso.

    • Dazu sollte berücksichtigt werden, dass die üppigen Regeln zum Pensionsalter als eines der großen ökonomischen Probleme Frankreichs angesehen werden.

  4. Müsste man nicht, um das wirklich vergleichen zu können die Kaufkraft, die man mit dem entsprechenden Geld in dem entsprechenden Land hat mit einbeziehen? Was soll ich mit einer Angabe anfange, wie viel jemand in Korea verdient, wenn man nicht weiß, wie dort die Lebenshaltungskosten sind?

    Neben dem Vergleich von Gehalt und Stundenverpflichtung sollte man auch andere Unterrichtsbedingungen mit einbeziehen. Die Klassenstärke, eine Doppelbesetzung oder die Ausstattung der Schulen, machen auch einen Großteil der Arbeitsbedingungen aus. Es nützt ja nichts, immer zu den Besten gehören zu wollen, aber deutlich unterdurchschnittlich für die Bildung auszugeben.

  5. Der Küstenfuchs hat Recht. Wer Physik, Mathe, Chemie studiert, kommt in der Freien Wirtschaft mit besseren Gehältern schneller unter, als jemand, der Germanistik oder Anglistik studiert. Den “Geisteswissenschaftlern bleibt nicht viel anderes, als Gymnasiallehrer zu werden. Oder sehe ich das falsch?

    • Ja, natürlich sehen Sie das falsch. 🙂

      Gewöhnlicherweise studiert man doch nicht zuerst Chemie und überlegt dann, was man damit macht. Lehrer oder Wissenschaftler? Sondern man entscheidet zuerst, ob man auf Lehramt studiert oder ob man eher in die Wissenschaft gehen will.

      Natürlich gibt es auch “Umdenker” in beide Richtungen. Lehramtsstudenten, die dann doch keine Lehrer werden (nicht immer mit finanziellem Vorteil) und “Wissenschaftler”, die dann doch Lehrer werden wollen. Wir kennen sie auch als Seiteneinsteiger. Viele deshalb, weil sie als Lehrer besser verdienen. Auch in der freien Wirtschaft, gerade dort, kommt es ja darauf an, wo und als was man sich verdingt und Ferien haben die nicht.

      Das mit den Geisteswissenschaftlern finde ich auch falsch. Ich kenne etliche, die mit mir anfingen und doch nicht Lehrer wurden. Sie wurden wiss. Mitarbeiter, Verlagsmitarbeiter, Bibliothekarin, DaF-Dozenten in Integrationskursen … Meist haben sie an irgendeiner Stelle aus irgendeinem Grund die Lehramtsausbildung nicht fortgesetzt, ihr Studium aber durchaus beendet (1. Staatsexamen).

      • Ernsthaft, glauben Sie wirklich, Gehalt und Berufswahl stünden in keiner Korrelation?

        Wir brauchen zudem nicht diejenigen als Seiteneinsteiger vor der Klasse, die im Beruf als Ingenieur so versagt haben, dass sie weniger als ein Studienrat verdienen und daher in den Lehrerberuf wechseln. Ich kenne davon 4 und nicht ein einziger genügt den Ansprüchen, die an einen durchschnittlichen Lehrer gestellt werden. Nicht einmal im Entferntesten!

        • Zumindest bestätigen Sie damit, dass nicht jeder in der freien Wirtschaft mehr verdient als ein Lehrer, wie ja hier gerne wiederholt behauptet wird. Danke.

          Sicher spielt das Gehalt (für viele) eine Rolle. Die Frage ist, wie sehr. Ich hatte mich noch in der DDR für den Lehrerberuf entschieden und da hatte man keine Aussicht auf ein üppiges Gehalt im Vergleich zu den anderen. Das war mir aber egal. Ich wollte Lehrer werden.

          Dass man nur nach dem Geld schielt, ist mir fremd. Es fällt mir schwer, mich da hineinzudenken. Ist das vielleicht “typisch westdeutsch” oder besser “typisch kapitalistisch” gedacht?

  6. Und, sofawolf, wie wollen Sie die Welt retten? Sie sind doch immer für Entlastung. Wie viele Stunden weniger soll ein Lehrer/ eine Lehrerin in Ihren Augen arbeiten dürfen, damit der Beruf attraktiver wird? Glauben Sie ernsthaft, dass sich mehr Leute finden, wenn Sie irgendwo verkünden: “Also, das Lehrergehalt bleibt gleich, Ihr verdient genug, aber Ihr müsst weniger arbeiten!” Was heißt das in Ihren Augen konkret? Jeder LoL unterrichtet ab jetzt 20 Unterrichtsstunden pro Woche und dann gibt es plötzlich mehr junge Leute, die Lehrer werden wollen?

    • Ich denke, dass ein Bündel von Maßnahmen helfen würde, den Lehrerberuf wieder attraktiver zu machen. Es macht wirklich keinen Sinn, die jetzt alle wieder neu aufzuzählen. Sie kennen meine Argumente doch seit Jahren und haben doch immer dagegen argumentiert. Sie kennen sie also und werden doch jetzt auch wieder nur dagegen argumentieren.

      Niemand würde einen Beruf so bewerben, wie Sie es unterstellt haben. Das ist einfach nur lächerlich. Es wäre das Gleiche, als würde ich Sie fragen, wie Sie den Beruf attraktiver machen wollen, indem Sie etwa sagen: “Also, das Lehrergehalt wird erhöt, ihr werdet noch mehr verdienen, aber ihr müsst auch noch mehr arbeiten! Das Stundensoll werden wir auf 35 Stunden erhöhen; die Klassenstärken werden wir auf 40 Kinder erhöhen; mit den Disziplinproblemen werden wir euch leider alleine lassen müssen, mit schwierigen Eltern und ausufernder Bürokratie auch; Teilzeit oder Frühpensionierung könnt ihr vergessen und wenn ihr dauerkrank werdet, schmeißen wir euch schnellstmöglich raus …” und dann gibt es plötzlich mehr junge Leute, die Lehrer werden wollen?

      Vor allem und in erster Linie ging es hier darum, dass der Lehrermangel nicht mit einem angeblich schlechten Gehalt begründet werden kann (siehe oben).

    • Ich denke, dass Sie Recht haben. Die späteren Verdienstmöglichkeiten spielen bei der Berufswahl sicher eine erhebliche Rolle. Erst im Beruf merkt man, wie wichtig das ist, was sofawolf immer wieder zu Recht fordert: mehr Entlastung und bessere Arbeitsbedingungen. Mir ist das inzwischen auch wichtiger als der Verdienst (das Gehalt). Ob ich unter den jetzigen Umständen bis zur Altersgrenze durchhalte, bezweifle ich. Vorstellen kann ich mir das jedenfalls nicht.

      • Dass bessere Arbeitsbedingungen und ganz besonders eine Reduzierung der Deputatsstunden unbedingt nötig sind, darin sind sich sofawolf und ich sicherlich vollkommen einig. Nahezu jeder Lehrer arbeitet mehr als die 1760/1804 Stunden im Jahr (von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich), die ein Beamter abzuleisten hat. Natürlich ist auch dieser Aspekt ein wichtiger Grund für den Lehrermangel.

        Ich sehe nur zusätzlich auch den finanzielle Aspekt mit der oben schon dargelegten Reallohnsenkung seit Euroeinführung sowohl als ungerecht den Lehrern gegenüber an als auch als einen weiteren Aspekt für den Lehrermangel.

        • Schön, dass wir teilweise einer Meinung sind. 🙂 Dann können wir ja mal ein Bierchen zusammen trinken gehen – oder einen Kaffee. Je nachdem …

          Auch aus diesem Grund können die Gehälter kein Grund für den derzeitigen Lehrermangel sein. Gegenwärtige Lehrer, die den Reallohnverlust “am eigenen Leib” erlebt haben, sind ja bereits Lehrer und werden jetzt kaum kündigen und was anderes machen (insbesondere als Beamte).

          Die künftigen Lehrer hingegen haben ja diesen Reallohnverlust nicht. Sie sind ja erst Lehrer geworden bzw. werden es noch. Insofern sehen sie nur das Gehalt von jetzt (2017 z.B. 60.000,-). Für sie gibt es kein im Vergleich zu früher “weniger gewordenes Gehalt”, sondern nur das aktuelle (60.000,- statt 50.000,- im Beispielfalle).

    • Das habe ich vorhin auf der Facebookseite von n4t gefunden.

      Zitat:

      Heike: Ich finde diese Diskussion absolut nervig. Sicher fände ich mehr Geld nicht schlecht, aber wenn ich die Wahl hätte zwischen mehr Geld oder besseren Arbeitsbedingungen ( heißt: auch kleine Klassen zulassen; weniger Bürokram wie z.B. Förderpläne und sonstige Berichte schreiben; Entlastung an anderen Stellen, wenn man Zusätzliches leistet wie z.B. Klassenfahrten u.ä.; Stundenreduzierung ….bei 29 Wochenstunden geht man, auch wenn es “nur” Grundschule ist, mittlerweile “auf dem Zahnfleisch”…; mehr Unterstützung bei schwierigen Kindern, die immer mehr werden…; bessere Ausstattung mit Lehr- und Lernmaterialien….wenn ich mein Material, welches ich auf meine Kosten angeschafft habe, aus dem Klassensaal räume, ist der praktisch leer….usw. usw. Ich möchte wieder Zeit für meine mir anvertrauten Schüler und deren Unterricht haben, anstatt mich damit rumschlagen zu müssen, welches zum x-ten Mal geänderte Formular ich für welchen Förderplan nehme…ständig wird eine “neue Sau ” durchs Dorf getrieben..ständig wird irgendwas geändert…..die Dekoration der sterilen Schulflure scheitert am Brandschutz…..man darf dies nicht und das nicht und wird in seinem Handlungsspielraum immer weiter eingeschränkt), würde ich definitv die besseren Arbeitsbedingungen wählen…..wenn sie denn dann auch nachhaltig verbessert würden !!!

      Doren: Heike H. ich stimme Ihnen absolut zu. Diese permanenten Debatten um Anhebung der Gehälter, Verbeamtung ja oder nein, werden der Problematik nicht ausreichend gerecht. Kleinere Klassen, weniger Bürokratie, Ausbau von sozialpsychologischen Angeboten, Lehrpläne vereinheitlichen und an die Erfordernisse der heutigen Zeit anpassen, Infrastruktur modernisieren. Ich möchte ein gesundes Arbeitsumfeld und ein Pensum, bei dem ich mich nicht jeden Tag fragen muss, wann soll ich das alles so schaffen, dass es sich auch gut und richtig anfühlt. Mehr Geld, klar wäre toll, löst aber meine Probleme im Berufsalltag nicht.

      Irene: wie Recht ihr beiden habt.
      ———————————————————————

      Ich fühle mich bestärkt. Viele sehen es so wie ich. Es werden immer mehr, die sagen, wir brauchen keine “finanziellen Almosen”; wir wollen wirkliche Veränderungen im Berufsalltag!

        • Es ist zu fürchten, dass “die ganzen Lehrer” uns in D fehlen ebenso wie die Erzieher, die Krankenschwestern, die Dachdecker und die Monteurinnen. Es wurden zu wenige Kinder geboren.

          • Nein, es gibt immer noch zuviele Kinder, sonst würden Facharbeiter nicht mitunter mit 1.200 netto pro Monat nach Hause gehen, BWLer als Taxifahrer arbeiten, zigtausende von Ingenieure in der Zeitarbeit verharren und angehende Lehrer ihre Fahrtkosten zu Bewerbungsgesprächen und für die Gesundheitsuntersuchung inkl. Führungszeugnis nicht selbst tragen müssen und in den Sommerferien entlassen.

        • @ missis. das ist auch schon etliche Male gefragt und beantwortet worden. Sie lesen doch hier (und anderswo) fleißig mit.

          Hinzufügen möchte ich leicht ironisch, dass man es doch auch noch ZUSÄTZLICH wie in der Altenpflege machen könnte: Anwerben aus dem Ausland. Klar, auch in diesem Falle sind Sprachkenntnisse wichtig. Die müssen ja aber ansonsten nicht gerade Deutschlehrer werden (und an denen soll es ja auch nicht gerade mangeln).

          Alles andere ist ja schon x-mal genannt worden. Sie wollen doch mit Ihrer Frage nur implizieren, es gäbe keine Möglichkeiten. Doch, gibt es. Benutzen Sie ggf. die Suchfunktion bei n4t (Lupe).

  7. Auch sehe guter Kommentar auf der n4t-Facebookseite. (Einer von den aktuell 8099 Abonnenten bin ich. 🙂 )

    Zitat:

    Stefan: “Gerade bei den LKW-Fahrern haben wir genau das Gegenteil als Beispiel. Da fehlen aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen an allen Ecken und Enden Leute. Wir haben hier bei uns Unternehmer, die bereit sind, ihren LKW-Fahrern den Führerschein komplett zu bezahlen und Brutto über 3000€ für einen im Prinzip ungelernten Arbeiter zu zahlen. Laut Unternehmeraussagen ist der deutschsprachige Markt aber in der Hinsicht komplett abgegrast.
    Auch Alten- und Krankenpfleger beschweren sich nicht primär über ihr Gehalt, sondern über die Arbeitsbedingungen, die in dem Bereich oft unverantwortlich sind. Selbstverständlich hätten die gern mehr Gehalt, wie eigentlich jede Arbeitnehmergruppe, aber wenn die Gehaltserhöhung eher einem Schmerzensgeld gleich kommt, weil die Arbeit an sich unerträglich ist, dann muss man schon enorme Summen erhöhen, um mehr Menschen in den beruf zu bringen.

    Natürlich kann man ganz grundsätzlich mit mehr Gehalt auch mehr Leute in einen Beruf locken – allerdings mit Grenzen oder eben mit unbezahlbaren Gehältern. Der wirklich hilfreiche Hebel, der anzusetzen wäre, ist die Arbeitsbelastung.”

  8. Der Lehrermangel bedingt sich an den GS und der Sek1 durch die Kombination aus zu langer Ausbildung und zu geringem Gehalt. Nehmen wir mal die Polizisten als Gegenbeispiel, da stimmt die Relation aus Ausbildungsdauer und Gehalt, sodass das Land hier immer mehr Bewerber als Stellen hat und niemand kann behaupten, dass der Polizeidienst weniger stressig wäre.

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