Einschulungskorridor: Gut für die Kinder, schwierig für Kitas – Plätze werden knapp

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MÜNCHEN. Bayern hat zum kommenden Schuljahr die Rückstellung von Schülern vor der Einschulung erheblich erleichtert. Verkündet hatte Kultusminister Piazolo das allerdings erst im Januar. In Kommunen bringt das neue Probleme. Vor allem Dreijährige und deren Eltern sind die Leidtragenden.

In mehreren bayerischen Kommunen sorgt der neue Einschulungskorridor für Grundschulkinder für Wirbel. Denn dort blockieren Kinder, die nun ein Jahr länger im Kindergarten bleiben, Plätze für nachrückende Dreijährige – die somit erstmal leer ausgehen.

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Kindergartenkinder - Wenn die „Großen“ länger bleiben, werden weniger Plätze für Dreijährige frei. Foto: Westfale / Pixabay (PL)
Wenn die „Großen“ länger bleiben, werden weniger Plätze für Dreijährige frei. Foto: Westfale / Pixabay (PL)

In diesem Jahr können erstmals die Eltern entscheiden, ob ihre Kinder, die zwischen dem 1. Juli und dem 30. September sechs Jahre alt werden, nach dem Sommer oder erst ein Jahr später eingeschult werden. Dadurch ist die Zahl der zurückgestellten Kinder nahezu überall gestiegen, in einigen Landkreisen sogar um ein Drittel.

Von den 32 216 Kindern, die in den Korridor fallen, werden heuer 44 Prozent nicht eingeschult. Das ist im Vergleich zum zurückliegenden Schuljahr ein Plus von neun Prozentpunkten. Insgesamt sind es rund 2800 Kinder, die wegen der neuen Wahlfreiheit der Eltern erst ein Jahr später eingeschult werden, wie das Kultusministerium bilanziert.

Bei mehr als 3000 Grundschulen und gut 7000 Kindergärten im Freistaat kein großes Problem, findet Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). «Es trifft statistisch nicht mal jede Grundschule und jeden Kindergarten mit einem Kind. Aber natürlich gibt es die ein oder andere Gruppe vor Ort, die genau deshalb einen zuviel hat oder zwei.»

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Die Situation ist je nach Kommune sehr unterschiedlich, wie der Dachverband Bayerischer Träger für Kindertageseinrichtungen oder der Evangelische KITA-Verband Bayern berichten. Auch sie wissen von Regionen, in denen der Einschulungskorridor kein Problem darstellt. Doch es gibt eben auch andere.

Rosenheim zum Beispiel. Mit einem Plus von neun Prozentpunkten liegt der Schulamtsbezirk genau im bayerischen Schnitt. «Wir haben errechnet, dass wir aufgrund des Korridors eine ganze Kindergartengruppe mehr brauchen werden», schildert die zuständige Sachgebietsleiterin der Stadt Rosenheim, Sabine Hilger. «Und das wird sich die nächsten Jahre durchziehen.»

Nach der zentralen Anmeldewoche für die Kindergärten blieben in Rosenheim 95 Kinder übrig, denen die Stadtverwaltung zunächst keinen Platz anbieten konnte – zusätzlich zu den vielen auf der Warteliste, deren Eltern gar nicht erst auf ihren Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz pochen. Für erstere wurden jetzt Übergangslösungen unter anderem in einem Mehrzweckraum und dem Souterrain bereits bestehender Kindergärten gefunden.

In Schwabach sind aktuell noch rund 90 Kinder ohne Platz – von anfangs 170. Mit einem Zuwachs von 32 Prozentpunkten wurden in der mittelfränkischen Kleinstadt so viele zusätzliche Kinder zurückgestellt wie nirgendwo sonst in Bayern. «Unser Jugendamt hat in den letzten Wochen gearbeitet, gearbeitet, gearbeitet», schildert Stadtpressesprecher Jürgen Ramspeck. Nichtsdestotrotz bräuchte es noch vier weitere Gruppen, um alle unterzubringen. «Sie brauchen die Räumlichkeiten und Sie brauchen das Personal. Das sind die beiden Faktoren, die momentan nirgendwo im Überfluss vorhanden sind», bilanziert Ramspeck.

In der Statistik folgen Bayreuth mit einem Plus von 29 Prozentpunkten und Hof mit plus 28 Punkten den Schwabachern dicht auf den Fersen. Auch dort mussten die Verantwortlichen erstmal schlucken, als sie die Zahlen auf dem Tisch hatten. Aber zumindest in Bayreuth habe man inzwischen Lösungen gefunden, hieß es von der Stadt.

Kritik in den Kommunen gibt es an dem kurzen Vorlauf – Piazolo hatte den Einschulungskorridor Ende Januar verkündet. Genug Zeit zur Vorbereitung, findet der Minister. Zuwenig für qualitativ hochwertige Angebote, finden die Kita-Experten. Schließlich könne es nicht die Lösung sein, einfach die Gruppen zu vergrößern oder den Personalschlüssel zu verringern.

Simone Fleischmann vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband stört zudem noch etwas ganz anderes: «Das Signal, das von dieser Entscheidung ausgeht, das ist schwierig, weil wir dadurch signalisieren: Die Kinder sollen lieber älter sein, lieber fitter sein, um diese schwierige Grundschulzeit durchzustehen und den Übergang zu schaffen.» Dabei sollten die Kinder doch motiviert und voller Vorfreude auf das Lernen zur Einschulung kommen – und nicht das Gefühl haben, vor der Schule beschützt werden zu müssen. (Elke Richter, dpa)

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