Kein Deutsch, keine Einschulung? CDU-Politiker stößt Diskussion an – VBE: Bankrotterklärung

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BERLIN. Manche politische Vorschläge lösen schnell eine heiße Debatte aus. Das dürfte auch bei diesem Thema passieren: Kinder, die nicht richtig Deutsch verstehen, sollten auch nicht eingeschult werden. Diese Forderung kommt jetzt aus der CDU – mit Verweis darauf, dass sonst das Niveau zu stark belastet wird. Der VBE weist die Idee als diskriminierend zurück.

Gibt’s keinen Platz für Flüchtlingskinder an deutschen Grundschulen? Der Vorschlag, sie erst einmal auszusondern, sorgt für Widerspruch. Foto: Shutterstock

Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann fordert, dass Kinder ausrechend Deutsch sprechen müssen, bevor sie an der Grundschule aufgenommen werden. «Um es auf den Punkt zu bringen: Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen», sagte er der «Rheinischen Post». Der CDU-Politiker schlägt für betroffene Kinder eine Vorschulpflicht vor. Notfalls müsse eine Einschulung auch zurückgestellt werden, sagte er. Der Deutsche Lehrerverband gibt ihm teilweise recht.

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“Das Niveau an staatlichen Schulen sinkt”

Es müssten alle Alarmglocken schrillen, wenn bei Sprachtests wie in Duisburg mehr als 16 Prozent der künftigen Erstklässler gar kein Deutsch könnten, sagte Linnemann. «Bis tief hinein in die Mittelschicht erlebe ich Eltern, die ihre Kinder auf Privatschulen schicken, weil das Niveau an staatlichen Schulen sinkt.» Er warnte in dem Zusammenhang vor «neuen Parallelgesellschaften». «Die Vorfälle in Freibädern, die Tat auf dem Frankfurter Bahnsteig, die Schwertattacke in Stuttgart – das alles wühlt die Menschen auf und befeuert die Sorge, dass neue Parallelgesellschaften entstehen könnten. Dem müssen wir jetzt vorbeugen.»

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger sagte auf Anfrage am Montag, Linnemann habe natürlich Recht damit, dass die eigentliche sprachliche Förderung vor der Grundschule erfolgen müsste. Kinder sollten nach Meidingers Ansicht schon lange vor der Einschulung verpflichtende Sprachtests durchlaufen. «Ich bin ein absoluter Anhänger von bundesweiten, flächendeckenden Sprachstandstests bei Drei- und Vierjährigen.» Es gebe Ansätze dafür in einigen Ländern, aber leider passiere dann zu wenig, weil ausgebildetes Personal fehlten, und Grundschullehrer seien sowieso Mangelware.

VBE: Mehr Unterstützung für die Sprachförderung in den Kitas

Kritik am Vorstoß des Unionsfraktionsvizes kommt vom Verband Bildung und Erziehung (VBE). Die Forderung, Kinder, die kein Deutsch könnten, nicht einzuschulen, sei eine Bankrotterklärung der Politik, sagte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann im Gespräch. Zudem sei sie diskriminierend. «Denn es läuft doch darauf hinaus, dass vor allem Kinder mit Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung zurückgestellt werden würden.» Der VBE forderte mit Blick auf Sprachförderung von der Politik mehr Unterstützung für die Kitas. Fast alle Kinder gingen inzwischen vor der Einschulung dorthin. Aber trotz hohen Engagements der Erzieherinnen und Erzieher führten Gruppengrößen, unzureichende Personalschlüssel und fehlende Sprachexperten dazu, dass manche Kinder nicht angemessen gut Deutsch sprächen. dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Flüchtlingskinder: UNESCO-Bericht lobt Deutschland für gute Förderung – fordert aber mehr gemeinsamen Unterricht

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25 KOMMENTARE

  1. Und das Separieren von Kindern hilft gegen Parallelgesellschaften?

    Die Alarmglocken schrillen, wenn Bundesländer die Sprachförderung vor der Einschulung streichen, weil der Mangel an Grundschullehrkräften so groß ist, dass sie diese ca. 500 VZL-Stellen lieber dort einsetzen wollen (s. Niedersachsen). Dafür wurde die Sprachförderung vor der Einschulung durch Grundschullehrkräfte UND AUCH die Testung eingestampft!
    Dahinter steckt das Programm der CDU, jede Lehrerstunde müsse in den Unterricht gesteckt werden – und Sprachförderung vor der Einschulung zählt nicht dazu, obwohl dafür eine Schulpflicht eingerichtet wurde.

    Die Kinder, die in 2 Wochen eingeschult werden, wurden zwar noch in den Schulen getestet, hatten diese Förderung jedoch nicht mehr, ein alternatives System ist nicht aufgebaut, weil zunächst Zuständigkeiten geregelt, Konzepte erstellt und Fachpersonal gefunden werden muss.

    In diesem Jahr fiel die Testung durch die Schulen ebenfalls weg: keine Zahlen – kein Bedarf.

    Aber bestimmt hilft die Umsetzung dieses Vorschlags gegen den Lehrermangel um so mehr, wenn man ihn auf “_Hoch_”deutsch ausweitet.

    • Das Problem ist nicht nur auf eine Partei oder allein die Schule bezogen. Es handelt sich um eine gesamtgesellschaftliche Krisensituation, die ein Symptom der “Parallelgesellschaften” darstellen, die sich bereits etabliert haben und jeweils nur undifferenziert betrachtet werden.
      Im Artikel wird das Beispiel Duisburg angesprochen. Hier können 16% der kommenden Erstklässler kein oder kaum Deutsch. Hierbei kann man aber nicht davon ausgehen, dass in jeder Klasse von 25 Kinderns also 4 der Landessprache nicht mächtig sind. Vielmehr muss man von einer Fokussierung des Phänomens auf einzelne Stadtteile ausgehen. (In anderen Städten wir Berlin [14%] ist es wahrscheinlich vergleichbar.)
      Im Artikel wird nicht gesagt, dass von den Eltern dieser Kinder über 50% der Mütter und über 70% der Väter ebenfalls kein oder kaum Deutsch sprechen können.
      Der Nutzen einer Sprachförderung ist dann nur mit geringem Erfolg möglich, wenn die Kinder in Familien aufwachsen, in der Deutsch nicht gesprochen wird.
      Dieses Phänomen betrifft dabei nicht nur die Asylsuchenden aus Krisengebieten; es betrifft auch Einwanderer aus EU-Staaten und Kinder in zweiter und dritter Generation.
      Leider liegen dazu keine genauen Zahlen vor, die zur Aufklärung beitragen könnten.
      Man müsste verpflichtende Kindergarten- und Vorschulbesuche fordern und Sprachkenntnisse bei Eltern und Kindern voraussetzen müssen. Schließelich bleibt Sprache die Grundfertigkeit, um Integration zu ermöglichen.
      Das kostet aber Geld und eine unangenehme Debatte, die differenziert auf Fragen eingeht, anstatt nach schwarz und weiß zu trennen und ein rechtes und ein linkes Lager zu schaffen.
      Sowohl finanzielle Mittel als auch eine öffentlich zielorientierte Debatte wird man aber nicht erwarten können, was einem die Erfahrung der letzten Jahrzehnte zeigt.

      • In den Tests zur Sprachfähigkeit fallen auch deutsche Kinder auf – ganz ohne Migrationshintergrund – und nehmen an der verpflichtenden Sprachförderung VOR der Einschulung teil. Aber die wurde ja gestrichen.

        Man möchte alles haben, aber nichts dafür geben oder einsetzen.
        Wenn Geld für Vorschulen da wäre, könnte man diese ja einrichten, wohlgemerkt für alle Kinder.
        Wenn Geld für Förderung da wäre, könnte man diese ja einrichten, wohlgemerkt für alle, die es dringend benötigen, an Schulen und KiTa angesiedelt oder integriert.
        Ebenso könnte man beide besser ausstatten, damit diese sich um die Aufgaben, die anstehen, auch gut kümmern können.

        Man kann doch nicht einerseits die Schulen mit Aufgaben überfrachten und ihnen die Mittel streichen und andererseits jammern, dass so viele Eltern Privatschulen (und KiTa) wählen würden, weil dort die Bedingungen besser seien.
        Wer diese Parallelgesellschaften und die daraus resultierenden Konsequenzen nicht möchte, wird sich dagegen einsetzen müssen, an allen Seiten.

  2. Heute wird in der Tagesschau gemeldet, Linnemann habe von einer Vorschulpflicht für solche Kinder gesprochen, die eben noch nicht richtig Deutsch können bzw. verstehen:
    https://www.tagesschau.de/faktenfinder/grundschulvebot-101.html
    Notfalls müssten Kinder auch mal zurückgestellt werden. Das haben nur einige Journalisten bewusst übertrieben, und einige Politiker haben die Gelegenheit wahrgenommen, sich zu profilieren und auf Linnemann zu schimpfen.

    • Herr Linnemann hat – wie es auch im Bericht steht – wörtlich gesagt: «Um es auf den Punkt zu bringen: Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen.»

      Die Redaktion

      • Ich versuche mir gerade vorzustellen, welche Aufgabe vor einer Grundschullehrerin liegt, die in ihrer neuen 1. Klasse mehrere Kinder ohne deutsche Sprachkenntnisse hat. Ich weiß, das ist Realität, aber ist ein guter Anfang nicht mit deutschsprachigen schon anstrengend und anspruchsvoll genug? Ich finde Linnemanns Forderung nach vorausgehender Sprachförderung sehr verständlich.

        • “Ich versuche mir gerade vorzustellen, welche Aufgabe vor einer Grundschullehrerin liegt, die in ihrer neuen 1. Klasse mehrere Kinder ohne deutsche Sprachkenntnisse hat. ”
          Ja. Das sollten mal mehr Leute tun!

          Und wenn diese Leute gerade dabei sind, überlegen sie als nächstes,
          – welche Modelle und Möglichkeiten es in den einzelnen Bundesländern bereits gibt,
          – wie sie finanziert, ausgestattet und umgesetzt werden,
          – wann sie wirklich stattfinden oder wann oder weshalb sie dem Rotstift zum Opfer fallen.

          Und wenn sie richtig gut sind, erkundigen sich die Leute über diese Sachverhalte, BEVOR sie mit ihrer Meinung an die Öffentlichkeit gehen.

      • Eben – “… N O C H nicht …”

        Durch das Wörtchen “noch” wird die eigentliche Intention doch eingeleitet.

        Also wer zum Zeitpunkt der Einschulung “noch” nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügt, um dem Unterricht folgen zu können, soll zunächst eine Vorschule besuchen. Im Prinzip revidiert der CDU-Politiker Linnemann damit das, was bisher Standard ist. Alle Kinder eines Geburtsjahrganges werden zum Stichtag erfasst und gleichzeitig eingeschult, Sprachförderung hat in den Kindergärten zu erfolgen, eine Kindergartenpflicht gibt es nicht, die Vorschule – also das nullte Schuljahr – gibt es nicht mehr, Inklusion und Integration sind vorrangiges Ziel der allgemeinbildenden Schulen, eine Beschulung an FöS soll der Ausnahmefall bleiben etc.
        Bei den Überlegungen sind die zahlenmäßig zu verkraftenden Geflüchteten mit Sicherheit nicht ausschlaggebend, da es für sie – meist in vorgerücktem Alter – die Willkommens- oder internationalen Klassen gibt. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder, die infolge der Freizügigkeit innerhalb der EU aus Südosteuropa immigriert sind, dürften wie das Beispiel Duisburg zeigt, ausschlaggebend für die Forderung des Herrn Linemann gewesen sein. Sie sind also als deutlicher Fingerzeig an den NRW-Koalitionspartner – die FDP besetzt das Schulministerium – zu verstehen. Dazu muss man wissen, dass es in NRW keine festen Grundschulbezirke gibt. Die Eltern können ihr Kind an einer beliebigen Grundschule ihrer Wahl innerhalb des Gemeindegebietes anmelden. Das verschärft die Segregation. Das Ruhrgebiet zerfällt ohnehin in die Gebiete zwischen A40 und A42 und dem nördlichen und dem südlichen Rand. In der Kernregion will “keiner tot über’m Zaun hängen2, der nicht dort leben muss, was zur Konzentration von problematischen Voraussetzungen auch an den Schulen führt.

        Also Schaum vom Mund abwischen und den Vorschlag mit etwas Abstand einmal in Ruhe überdenken.

        • Man hebt also die Grundschulebezirke auf, sorgt auch nicht für eine gleichmäßige Verteilung und fördert damit indirekt die Segregation…

          … und weil man die Parallelgesellschaften nun (plötzlich) zur Kenntnis nimmt, fordert man nun, dass die Kinder nicht in die regulären Schulen kommen, sonderen separiert Sprachförderung erhalten?

          Danke für den Hinweis dazu, wie es in NRW verläuft und dass es für Flüchtlinge (weiterhin?) Willkommens- oder internationale Klassen gibt.

          “Also Schaum vom Mund abwischen und den Vorschlag mit etwas Abstand einmal in Ruhe überdenken.”
          Ich hätte zig Fragen, wie denn die Umsetzung aussehen sollte:
          – Wo soll die Beschulung stattfinden, wenn nicht in der Schule?
          – Wer soll die Beschulung vornehmen? Woher kommen die Personen? Wie sind sie qualifiziert?
          – Welchen zeitlichen Rahmen sollte eine solche Beschulung haben?
          – Welche Konsequenz ergibt sich, wenn die Beschulung innerhalb dieses zeitlichen Rahmens nicht erfolgreich war?
          – Wer trifft die Entscheidung über die Form der Beschulung in diesen Klassen?
          – Wer trifft die Entscheidung hinsichtlich der einzelnen Kinder? Zu welchem Zeitpunkt? Auf welcher Grundlage?
          – Wie soll eine Rückbeschulung/ Einschulung erfolgen?
          – Wie will man mit dem Altersunterschied umgehen?
          – In welcher Weise werden andere Fächer als Deutsch berücksichtigt?
          – Welche in Schule üblichen Verfahren und Erlasse gelten für die Maßnahme, wenn sie nicht in der Schule angesiedelt wird?

    • Aber in dem fettgedruckten Text am Anfang fehlt das Wort “noch”. Stattdessen ist von “diskriminierend” die Rede und in der Überschrift sogar von “Bankrotterklärung”. Und laut der Tagesschau haben Politiker von “populistischem Unfug” (Prien) sowie von “rechtem Sumpf” (Kipping) in diesem Zusammenhang gesprochen (das steht oben nicht). Sogar die dpa sah sich angeblich genötigt, das Wort “Grundschulverbot” in der Überschrift zu streichen, das offenbar erst dastand. So ganz fair scheint diese Diskussion jedenfalls nicht verlaufen zu sein. Fazit: Nicht nur die AfD übertreibt gerne mal bei der Wortwahl, sondern auch Frau Kipping.
      Und wenn mancherorts so hohe Prozentsätze von Erstklässlern tatsächlich kein Deutsch können, dann kann das kaum an den aktuellen Flüchtlingen liegen, denn so viele gibt es gar nicht. Es muss wohl an Gewohnheiten von manchen Familien liegen, die schon länger im Lande sind.

  3. Ich denke in dieser Diskussion sollte sich auf die Kernaussage konzentriert werden. Eine pathetische Unterstellung, auf Stimmenfang in der rechten Szene zu gehen, ist hier nicht angebracht.

    1.) Das Sprachniveau sinkt-unabhängig von Herkunft und Ethnien. Dies wird von mehreren öffentlichen Stellen bestätigt. Es wurde nicht publiziert, dass es sich hierbei ausschließlich um Kinder aus eingebürgerten Familien handelt. Es wird auch nicht über den generellen Ausschluss nachgedacht, sondern über die Errichtung einer Zwischeninstanz.

    2.) Der Fachkräftemangel war seit Jahren absehbar und ist existent.

    Wie auch immer unsere Regierung es sich nun dreht, das Problem wird auch durch Verlagerung des Fokus nicht beseitigt. Da bringt es nichts, den Initiator mit braunen Bällen zu bewerfen. Entweder mehr Lehrkräfte um dieser Entwicklung gerecht zu werden oder Eingangstest mit möglicher Zurückstellung, spezielle Schulung (wofür jedoch ebenso geschultes Personal notwendig ist) und Einschulung bei dem Erreichen der Mindestkompetenz.

    B.FERNENGEL

    • Der Vorwurf, Linnemann habe am rechten Rand fischen wollen, ist sehr wohl berechtigt – warum sonst hätte er das Thema Sprachförderung mit zwei Morden, die derzeit von AfD und Konsorten instrumentalisiert werden, in Verbindung bringen sollen? Wenn es ihm wirklich um das Thema Sprachförderung gegangen wäre, hätte er sich ja für eine entsprechende Ressourcenausstattung der Kitas und Grundschulen einsetzen können. Aber dazu gab’s von ihm kein Wort.

      Den Flüchtlingskindern und den Schulen hat er jedenfalls keinen Gefallen getan.

      • Bernd, Linnemann verlangte nicht mehr, als jetzt schon im Schulgesetz steht. Danach benötigen Kinder im schulpflichtigen Alter eine hinreichende Schulreife, worunter auch die Beherrschung der deutschen Sprache gehört. Wenn die Schulreife noch nicht vorliegt, kann die Einschulung ausgesetzt werden. Das gilt allerdings für _alle_ Kinder, nicht nur Flüchtlingskindern.

        Ihr mögliches Argument, nach einem Jahr in der Grundschule sprechen diese Kinder so gut Deutsch, dass es von den muttersprachlichen Mitschülern nicht mehr unterschieden werden kann, kann ich nicht gelten lassen. Zwar lernen Kinder in dem Alter eine Sprache noch sehr schnell, wenn sie von dieser Sprache ununterbrochen umgeben sind, was sie aber aufgrund der Vielzahl arabischsprachiger Mitschüler während und außerhalb der Schule nicht sind.

      • “warum sonst hätte er das Thema Sprachförderung mit zwei Morden, die derzeit von AfD und Konsorten instrumentalisiert werden, in Verbindung bringen sollen”

        Hat er nicht, zumindest nicht direkt. Er sprach in dem Kontext auch über Parallelgesellschaften und brachte dort dieses Beispiel an.

        Die dpa sah sich genötigt ihre Aussage zu korrigieren. Andere Medien, wie z.B. Tagesschau, sind nachgezogen. Ich denke, dass das ein gutes Beispiel dafür ist, was aktuell in unserer Gesellschaft falsch läuft. Es werden Scheindebatten geführt und hinter jeder Aussage entweder rassistische, antifaschistische, o.ä. Aussagen gesucht. Man hätte diese Aussage doch eben als guten Aufhänger zur einer Diskussion nehmen können, die es eben wirklich braucht:

        Sollen Kinder mit unzureichenden Sprachkenntnissen eingeschult werden? In welchem prozentualen Umfang kann eine Klasse solche Schüler “verkraften”? In welchen sozialen Milieus trifft man diese Kinder besonders an? Welche Gründe gibt es dafür? Welche Rolle spielen Kindergärten? usw.

        Sie merken, dass man dort ein großes Problem hat, bei dem es ganz viele offene Fragen gibt. Statt also sich diesem Problem zu stellen, versucht man daraus wieder Wahlkampf und Spalterei zu betreiben, sowie “Mediengeilheit” auf BILD-Niveau zu erzeugen. Zudem wird offensichtlich, dass Medien ungeprüft verbreitet werden. Ansonsten lässt sich nicht erklären, warum ein Fehler der dpa in der gesamten Medienlandschaft zunächst ungeprüft übernommen und verbreitet wurde.

        “Den Flüchtlingskindern und den Schulen hat er jedenfalls keinen Gefallen getan.”

        Die gesamte Diskussion, die nichts mit dem Inhalt dieser Aussage zu tun hat, hat geschadet.

        • Da scheint mir auch so, Was immer jemand sagt, es wird nie inhaltlich und sachlich diskutiert, sondern sofort dem Lagerdenken oder dem Freund-Feind-Denken unterworfen (instrumentalisieren ist auch immer das, was die anderen machen).
          Wenn man das nicht gerade auf Verbrechen bezieht, dann ist “Parallelgesellschaft” eigentlich ein nahezu neutraler Begriff und eigentlich kein Schimpfwort. Er könnte etwa folgendes beschreiben (ich beziehe das auf Deutsch-Türken, weil sie nun mal die größe Gruppe von Zuwanderern sind):
          Da gibt es Mütter und Hausfrauen, die nur ein paar Brocken Deutsch sprechen (guten Tag, danke, …) und mit ihren Kindern nur Türkisch reden. Der Ehemann hat eine Arbeit in einer Fabrik, spricht mit seinen Kollegen etwas Deutsch, zu Hause und im privaten Umfeld aber auch nur Türkisch. Oder er arbeitet in einem türkischen Unternehmen. Man kauft in türkischen Geschäften ein, geht zum türkischen Friseur und zum türkischen Arzt, ab und zu zum Döner-Imbiss. Den Heimat-Urlaub bucht man im türkischen Reisebüro, für Autoreparaturen gibt es eine türkische Werkstatt und für das Handy einen türkischen Telefon-Shop. Das Fernsehprogramm ist auf Türkisch, und falls es Kinderbücher gibt, dann solche auf Türkisch. Falls man in die Moschee geht, so wird dort vom Ditib-Imam auf Türkisch gepredigt. Der Imam spricht selber auch kaum Deutsch. Falls einige der Kinder Fußball spielen, dann im türkischen Verein. Sie träumen vielleicht davon Özil nachzueifern. Bei türkischen Festen (auch Straßenfesten) ist man weitgehend unter sich. Es gibt einfach keine Notwendigkeit, mit der deutschen Mehrheitsgesellschaft in näheren Kontakt zu treten, insbesondere keine Notwendigkeit, Deutsch zu sprechen über das Allerelementarste hinaus. Man lebt nebeneinander her. Im deutschen Supermarkt legt man seine Waren in den Korb und zahlt wortlos an der Kasse. Für Kontakt zu Behörden sucht man Hilfe bei Bekannten oder auch bei Mitarbeitern solcher Behörden, die selber türkischer Herkunft sind. Das alles ist inzwischen in etlichen Städten möglich (nicht überall).
          Ich stelle mir vor, dass Linnemann Kinder aus solchen Familien gemeint hat und nicht die aktuellen Flüchtlinge. Diese Kinder wachsen – selbst in dritter Generation – quasi in einer ausländischen Gesellschaft auf und sollen dann auf Deutsch lesen und schreiben lernen, was für sie sehr schwierig sein muss. Das Problem ist doch nicht einfach erfunden. Welche Lösungsvorschläge gibt’s denn sonst?

  4. Er hat wörtlich gesagt: „Die Vorfälle in Freibädern, die Tat auf dem Frankfurt Bahnsteig, die Schwertattacke in Stuttgart – das alles wühlt die Menschen auf und befeuert die Sorge, dass neue Parallelgesellschaften entstehen könnten. Dem müssen wir jetzt vorbeugen.“

    Zuvor hatte er gesagt: «Um es auf den Punkt zu bringen: Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen»

    Dementiert und korrigiert wurde von ihm lediglich der Begriff “Grundschulverbot” (obwohl es sich ja wohl faktisch um ein Grundschulverbot handeln würde, wenn laut Linnemann Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse “noch nichts an einer Grundschule zu suchen haben” – was das “noch” bedeuten soll, erläutert er ja zunächst nicht).

    Mal von der Sprache abgesehen (“nichts zu suchen”): Was soll dieser Zusammenhang mit den Morden – wenn es nicht um plumpe Stimmungsmache geht? Offenbar hat hier ein CDU-Politiker vor den Landtagswahlen im Osten versucht, in Sachen Ausländerfeindlichkeit zu punkten. An den Reaktionen merkt er allerdings, dass das in die Hose gegangen ist – und rudert ein Stück weit zurück. Ganz ähnlich hat die sächsische CDU versucht, ein angebliches (tatsächlich aber nicht existentes) Schweinefleisch-Verbot in einer Leipziger-Kita zu instrumentalisieren. Im Angesicht von möglichen Wahlniederlagen scheinen einige aus Reihen der CDU zu glauben, es würde ihnen helfen, bei der AfD abzukupfern. Damit ist schon die CSU gescheitert.

    • Es steht mir bis oben hin, dass es bei anderer Meinung immer sofort “rechtspopulistisch” heißt oder “am rechten Rand fischen”.
      Ich kann Herrn Linnemanns Ausagen gut nachvollziehen. Vor der Einschulung muss schon dafür gesorgt werden, dass die Kinder die deutsche Sprache halbwegs verstehen und nicht wertvolle Zeit vertan wird.

      • Zum PISA-Sieger Finnland heißt es hier in
        http://www.finland.de/dfgnrw/dfg043a-pisa05.htm
        “1- Die phonetische Struktur der finnischen Sprache erlaubt eine praktisch lautsprachliche Orthographie. Die Decodierleistung, die man beim Lesen von Sprachen wie Deutsch oder Englisch aufbringen muss, entfällt.
        2. Filme und Fernsehbeiträge aus dem Ausland werden nicht synchronisiert, sondern untertitelt. Jedes Kind, das vor der Glotze sitzt, trainiert automatisch schnelles und sinnerfassendes Lesen.
        3. Jedes Kind ausländischer Muttersprache bekommt eine der beiden Landessprachen beigebracht, ehe (!) es in einer normalen (!) Klasse sitzen darf. Es gibt nirgends Schüler, denen die Lehrkaft ein Übermaß (!) an Zeit und Kraft (!) widmen muss, weil sie dem Unterricht aus sprachlichen Gründen nicht folgen können.” (Und dennoch hat man für je drei Klassen eine “Speziallehrkraft” zusätzlich, die sich um die Schwachen kümmert mit Einzel- oder Kleingruppenunterricht.)
        Fazit: was in Finnland gut und richtig ist (Punkt 3 oben), ist ganz schlecht, wenn jemand wie Linnemann es vorschlägt, denn dann wird daraus sofort Ausländerfeindlichkeit, ein Grundschulverbot und damit ein Verstoß gegen die Menschenrechte. Sofort müssen politische Duftmarken gesetzt werden. Pragmatisch vorzugehen, das ist in Deutschland mit dem politischen und ideologischen Lagerdenken nicht mehr möglich.

  5. Es kommt doch dadrauf an, die Kinder, die noch kein Deutsch können, möglichst früh zu identifizieren und dann in einen permanenten Kontakt mit der Sprache zu bringen und damit meine ich keinen Deutschkurs zweimal die Woche von 10 bis 11, sondern einen täglichen Kontakt über zwei bis drei Stunden und wenn es auch nur deutschsprachiges Kinderfernsehen ist, wichtig ist erstmal nur, dass eine Auseinandersetzung mit der Sprache stattfindet.
    Einer meiner ehemaligen Schüler hatte mir mal gesagt, dass er weinend mit fünf Jahren im Kindergarten stand, weil er kein Wort der anderen Kinder verstand und nicht mitspielen konnte, da er bis dahin nie in Kontakt mir der deutschen Sprache gekommen ist und dabei sei angemerkt, dass er hier geboren ist. Nun ist besagter Schüler sehr intelligent und hat bei mir im Deutsch-LK ein Einser-Abi gemacht, viele werden dies aber nicht schaffen und den Anschluss bereits verloren haben, bevor das Rennen überhaupt losgeht.
    Herr Linnemann hat doch recht, wenn er sagt, dass dieser Zustand unhaltbar ist. Seine Wortwahl mag wohl nicht astrein gewesen sein, aber sich jetzt deswegen gar nicht mehr mit der Sache auseinandersetzen zu wollen, wird dem Thema nicht gerecht. Und auch wenn dann separiert wird – geht ja auch nicht anders – sollte man es den Eltern, die selbst kein Deutsch können, doch als Gewinn verkaufen, dass der Staat für ausreichende Kenntnisse ihrer Kinder sorgen möchte und nicht gleich von Zwang oder Diskriminierung faseln.

    • “Es kommt doch dadrauf an, die Kinder, die noch kein Deutsch können, möglichst früh zu identifizieren ”
      Ja, so kann man das auch schreiben.

      “und dann in einen permanenten Kontakt mit der Sprache zu bringen ”
      Ja, genau darum sollen sie in den Kindergarten gehen, er ist aber nicht verpflichtend.
      Sind sie älter, gehen sie verpflichtend in die Schule, wo andere Kinder Deutsch sprechen und sie dies hören.

      “sondern einen täglichen Kontakt über zwei bis drei Stunden und wenn es auch nur deutschsprachiges Kinderfernsehen ist, wichtig ist erstmal nur, dass eine Auseinandersetzung mit der Sprache stattfindet.”
      Wie man 2 Stunden Kinderfernsehen für eine gelungene Auseinandersetzung mit der Sprache halten kann, ist mir nicht klar. Man kann aber auch andere SuS 2 Stunden in der Woche vor das Bildungsfernsehen “Physik” setzen. Ob das hilft?

      “und damit meine ich keinen Deutschkurs zweimal die Woche von 10 bis 11”
      Der Kurs, den es in vielen Bundesländern gibt, ist verpflichtend mehrmals die Woche zusätzlich zum Kindergarten, später dann während oder nach dem Schulunterricht der Klasse.
      Wie häufig Stunden stattfinden, hängt von den Erlassen und von der Versorgung der Schule ab… in Niedersachsen jetzt von der Ausstattung des Kindergartens.
      In diesem Unterricht findet nach der Sprachstandsfeststellung eine genauere Diagnose statt und dann darauf abgestimmt Unterricht überwiegend zu Wortschatz und Grammatik.

      “Einer meiner ehemaligen Schüler…”
      Ja, ich hatte so einige im Kindergarten in besagter Sprachförderung vor der Einschulung, zu Beginn waren alle hier aufgewachsen, Kinder aus deutschen Familien und Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund (tatsächlich etwa jeweils die Hälfte der Kinder). Sie alle konnten ganz Grundlegendes nicht, deshalb waren sie ja in der Sprachförderung.

      Dass sich die mangelnde Sprache auch auf die Kommunikation mit anderen Kindern sowie den Alltag auswirkt, ist auch ein Problem, dass sich auf unterschiedliche Weise äußern und fortsetzen kann.
      Gerade deshalb ist es wichtig, dass man diese Kinder nicht vor dem Fernseher parkt, sondern ihnen hilft, die Sprache zu erlernen und auch mit anderen Kindern zu agieren.

      “aber sich jetzt deswegen gar nicht mehr mit der Sache auseinandersetzen zu wollen, wird dem Thema nicht gerecht.”
      Das wird man machen müssen, wenn man sich mit Sprache und Sprachenlernen als Erstsprache und als Zweitsprache auskennen möchte und überlegen will, auf welche Weise man diesen Kindern hilft.

      “Und auch wenn dann separiert wird – geht ja auch nicht anders – ”
      Doch, es geht anders. Aber das kostet Geld. Und man sollte es nicht irgendwie “verkaufen”, sondern mit gutem Konzept gute Arbeit leisten.

      Das Gespräch mit den Eltern muss man ohnehin führen. Es ist sinnvoll, wenn das Ministerium die erdachte Maßnahme schriftlich in einfacher Sprache erläutert und im Anschluss in diverse Sprachen übersetzen lässt, sodass man diese Informationen an Eltern geben kann und sich nicht jede Schule selbst auf die Suche nach einem Übersetzer/ Sprachmittler machen muss, was ein Vielfaches kostet.

  6. “Ja, so kann man das auch schreiben”
    Inwiefern trifft es die Formulierung denn nicht?

    “Wie man 2 Stunden Kinderfernsehen für eine gelungene Auseinandersetzung mit der Sprache halten kann, ist mir nicht klar.”
    Sie sagen ja, dass es keine Kindergartenpflicht gibt. Mein Vorschlag soll lediglich ein absolutes Minimum darstellen, das jedes Elternhaus gewährleisten kann. Natürlich halte ich das nicht für das Nonplusultra, habe ich auch nie behauptet. Was Sie vorschlagen, sind Maßnahmen, die unter Garantie nie befriedigend umgesetzt werden.

    “Man kann aber auch andere SuS 2 Stunden in der Woche vor das Bildungsfernsehen “Physik” setzen. Ob das hilft?”
    Der Vergleich ist nicht zielführend, hier werden Äpfel mit Birnen verglichen und das wissen Sie auch. Und wenn, dann müsste man gucken, was drei Stunden tägliches “Physik-TV” bringen würden.

    “Sie alle konnten ganz Grundlegendes nicht, deshalb waren sie ja in der Sprachförderung.
    Dass sich die mangelnde Sprache auch auf die Kommunikation mit anderen Kindern sowie den Alltag auswirkt, ist auch ein Problem, dass sich auf unterschiedliche Weise äußern und fortsetzen kann.
    Gerade deshalb ist es wichtig, dass man diese Kinder nicht vor dem Fernseher parkt, sondern ihnen hilft, die Sprache zu erlernen und auch mit anderen Kindern zu agieren.”
    Ich habe das unter der Annahme geschrieben, dass es derzeit schlicht nicht genug professionelles Personal dafür gibt.

    “Doch, es geht anders.”
    Wie denn? Es gibt keine Kindergartenpflicht und wir sprechen über die Zeit vor der Grundschule.

    “Das Gespräch mit den Eltern muss man ohnehin führen. Es ist sinnvoll, wenn das Ministerium die erdachte Maßnahme schriftlich in einfacher Sprache erläutert und im Anschluss in diverse Sprachen übersetzen lässt, sodass man diese Informationen an Eltern geben kann und sich nicht jede Schule selbst auf die Suche nach einem Übersetzer/ Sprachmittler machen muss, was ein Vielfaches kostet.”
    Die Maßnahmen sollten doch weit vor der Einschulung stattfinden, wie soll da die Schule beratend zur Seite stehen?

    • Sie haben sich offenbar mit bestehenden Konzepten zur Sprachförderung vor der Einschulung nicht auseinander gesetzt.
      Wenn die Schule die Kinder testet und festlegt, dass sie Sprachförderung benötigen, bekommen sie einen Bescheid und müssen zu besagtem Unterricht entscheiden,
      der als Schulpflicht gilt.
      So ist das in Nds. mehr als 10 Jahre erfolgt, die Schulpflicht dazu wurde zwar nachträglich, aber auch vor längerer Zeit erlassen.

  7. in der tat finden die erforderlichen maßnahmen zumindest in hh längst vor der einschulung mit einer sog. 4,5 jährigen pflichtprüfung, d.h. an einem samstagvormittag pro jahr checken wir alle kinder des jeweiligen einzugsbereiches auf sämtl. kompetenzen, um den förderbedarf zum einschulungstermin sinnvoll abzeichnen zu können.

    wie dieser theoretisch, strategisch gut geplante, höchst erforderliche förderunterricht schließlich praktisch umgesetzt wird – angesichts ermangelung von lehrkräften, die zu oft für den vertretungsunterricht abgezogen werden – mag die geneigte leserschaft sich selbst ausmalen.

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