Digitalpakt: VBE sieht Chaos bei Schulen, Schulträgern und Ministerium heraufziehen

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SCHWERIN. Internetfähige Schultafeln, Tablets für Schüler, Lernen mit Apps – die Schulen  sollen digital werden. In Mecklenburg-Vorpommern werden sie dabei ziemlich allein gelassen, kritisiert der dortige Landesverband des VBE. Er schreitet zur Selbsthilfe.

Droht dem Digitalpakt bei der Umsetzung der GAU? Illustration: Shutterstock

Die digitale Revolution droht Schulen, Schulträger und Bildungsministerium nach Einschätzung der Lehrergewerkschaft VBE gleichermaßen zu überfordern – in Mecklenburg-Vorpommern jedenfalls. Die verschiedenen Anforderungen passten nicht zusammen, sagte der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Michael Blanck, im Gespräch vor dem Norddeutschen Lehrertag am Samstag in Schwerin. Dort steht das Thema Digitalisierung im Zentrum. Rund 160 Lehrer vor allem aus Mecklenburg-Vorpommern, aber auch aus anderen norddeutschen Bundesländern, haben sich dafür angemeldet, wie Blanck sagte.

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Schulen bekämen internetfähige Schultafeln, ohne über schnelles Internet oder Wlan im Schulgebäude zu verfügen, berichtete er. Sie könnten die teure Technik dann gar nicht richtig nutzen. Wenn das Land sage, bis 2025 sollen alle Schulen schnelles Internet haben, dann sei das zu spät. «Wir brauchen das jetzt», sagte Blanck. An manchen Schulen kauften Eltern ihren Kindern iPads für das digitale Arbeiten, aber das ziehe Datenschutz- und auch soziale Probleme nach sich. Nicht jeder könne sich ein solches Gerät leisten. Es müssten Klassensätze angeschafft werden, auch wegen der einheitlichen Wartung der Geräte.

Schulen sollen Medienkonzepte entwickeln – wissen aber nicht wie

Ein weiteres ungeklärtes Thema ist nach Blancks Worten die Forderung an die Schulen, Medienkonzepte zu entwerfen mit Ideen, was sie mit digitaler Technik im Unterricht machen wollen und was sie dafür benötigen. Dies sei Voraussetzung, um Geld aus dem Digitalpakt zu bekommen. «Doch wie sollen die Lehrer ein solches Konzept erstellen, wenn sie selber keine entsprechende Technik haben und sich nicht intensiv damit beschäftigen können?» Die meisten Schulen statteten ihre Lehrer ja noch nicht einmal mit Dienst-Laptops aus, die sie aus Datenschutzgründen benötigten, wenn sie zu Hause Zeugnisse tippten. Auch zur Vorbereitung von interaktivem Unterricht sei dienstliche Technik nötig.

Blanck vermisst eine klare Linie und einheitliche Vorgaben für die Medienkonzepte und die Anschaffung von Technik für den digitalen Unterricht. «Schön wäre es, wenn es eine Koordinierung gäbe, damit es nicht ein Sammelsurium unterschiedlicher Endgeräte und Lösungen gibt.» Land und Schulträger müssten sich zusammensetzen.

Nur jede fünfte Schule hat in Mecklenburg-Vorpommern schnelles Internet

Beim Norddeutschen Lehrertag schreitet der VBE zur Selbsthilfe. Experten zeigen den Teilnehmern in Workshops, was alles mit digitaler Technik im Unterricht machbar ist. Die Themen reichen vom Lehren und Lernen mit Apps bis zum Unterrichten mit interaktiver Tafel und Tablets. Teilweise haben die Workshops exotisch klingende Titel wie «Quizzen mit Plickers und Kahoot» oder «Flipped classroom – Videounterricht zu Hause, Hausaufgaben in der Schule».

Nach Angaben der Landesregierung hat nur knapp jede fünfte Schule schnelles Internet mit mehr als 50 Mbit pro Sekunde. Von 501 Schulen, die im Frühjahr befragt wurden, verfügen 91 über einen solch leistungsfähigen Anschluss, wie aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken hervorgeht. Weitere 116 Schulen haben demnach 16 bis 50 Mbit, 289 weniger als 16 Mbit. Bei der Ausstattung der Schulen mit IT-Technik stammen die jüngsten Erkenntnisse des Bildungsministeirums der Antwort zufolge aus dem Jahr 2015 – für die Fraktionsvorsitzende der Linken, Simone Oldenburg, ein Unding. «Das Ministerium verliert zunehmend den Anschluss», sagte sie. «Eine derartige Ahnungs- und Sorglosigkeit ist schlicht unverantwortlich.» dpa

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