Kinder gehen gerne zur Schule, Grundschüler jedenfalls. Aber nicht (nur) zum Lernen: Am liebsten treffen sie dort ihre Freunde

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BERLIN. Erst- bis Sechstklässler in Deutschland gehen in der Mehrheit gern zur Schule (80 Prozent). Am meisten freuen sie sich dabei allerdings nicht aufs Lernen, sondern auf ihre Schulfreunde (96 Prozent), auf Pausen (93 Prozent) und Ausflüge (86 Prozent) – der Unterricht folgt mit 75 Prozent erst ab Platz sechs im Ranking. Dabei am beliebtesten: die Sportstunden. Die unbeliebteste Pflichtübung überrascht nicht. Es sind die Hausaufgaben (29 Prozent). Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage von „iconkids & youth“ im Auftrag des Senders KiKA unter Sechs- bis Zwölfjährigen. Der VBE wünscht sich, dass möglichst alle Kinder gerne zu Schule gehen könnten.

Die meisten Kinder haben Spaß in der Schule – in der Grundschule jedenfalls. Foto: Shutterstock

Sosagen 80 Proznt der Erst- bis Sechstklässler, dass sie „gerne“ oder sogar. „sehr gerne“ zur Schule gehen. Besonders freuen sie sich auf Freunde (96 %) und den Unterricht (75 %). Mit steigender Klassenstufe sinken die Zufriedenheitswerte von rund 90 Prozent in der 1. und 2. Klasse auf durchschnittlich 73 Prozent in der 5. und 6. Klasse. 5 Prozent der Kinder gehen allerdings „nicht gerne“ oder „überhaupt nicht gerne“ zur Schule. Die höchste Zufriedenheit zeigt sich in Bremen, Thüringen und dem Saarland, die geringste in Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt.

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Kinder wünschen sich mehr Beteiligungsmöglichkeiten und Mitspracherechte in der Schule, zum Beispiel bei der Klassensprecher -Wahl (94 Prozent), der Gestaltung des Klassenraums (90 Prozent) oder wofür das Geld der Klassenkasse verwendet werden soll (86 Prozent). 65 Prozent der Kinder möchten bei der Gestaltung des Unterrichts mitreden dürfen.

Die Mehrheit der Grundschüler plädiert für einen späteren Unterrichtsbeginn

Die Kinder wurden auch gefragt, wann ihrer Meinung nach der Unterricht beginnen soll: 98 Prozent der Erst- bis Sechstklässler gaben eine konkrete Uhrzeit an. Ihre durchschnittliche Wunschuhrzeit für den Unterrichtsbeginn ist 8:40 Uhr.

Das Votum der Kinder deckt sich mit Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. Sie plädiert für einen späteren Schulstart. Bereits eine halbe Stunde weniger Schlaf könne die Leistungsfähigkeit in der Schule um 30 Prozent reduzieren. In Deutschland beginnt die Schule oft zwischen 7 und 8 Uhr. Das ist früher als in vielen Nachbarländern, die oft erst ab 8.30 Uhr starten. Eine Umfrage unter älteren Schülern, Neuntklässlern, hatte jedoch unlängst ergeben, dass diese – mit Blick auf einen möglichst frühen Schulschluss – mit Mehrheit  (52 Prozent eine Unterrichtszeit  von 8 bis 13 Uhr favorisieren würden (News4teachers berichtete).

Zwei Drittel der Schüler wünschen sich eine bessere Ausstattung ihrer Schule

Auf die Frage: „Was könnte man an deiner Schule besser machen?“ antworteten mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Kinder, sie wünschen sich eine „schönere“ Ausstattung ihrer Schule, einen attraktiveren Pausenhof mit Spielmöglichkeiten, „bessere“ Klassenräume und renovierte Toiletten.

„Eine zentrale und wichtige Erkenntnis ist, Kinder gehen gerne zur Schule! Sie begreifen Schule als einen Ort für soziale Begegnungen, sie freuen sich auf Freundinnen und Freunde, Schulkameradinnen und Schulkameraden und Lehrerinnen und Lehrer“, so erklärte Dr. Astrid Plenk, Programmgeschäftsführerin des Kinderkanals von ARD und ZDF „Das bedeutet aber auch, dass sie sich dort wohlfühlen möchten und einbringen wollen. Und das ist leider nicht immer der Fall. Ob Gebäude- oder Ausstattungsmängel, fehlende Mitwirkungsangebote oder zu früher Schulbeginn: Schule darf sich nach der Meinung der Kinder in diesen Bereichen verändern, um ein Ort zu bleiben, an dem man lange motiviert lernt und lebt.“

VBE: Wir brauchen mehr Möglichkeiten, Schüler individuell zu fördern

Der VBE nimmt den Ball auf. „Acht von zehn Kinder gehen sehr gern oder gern zur Schule. Das spiegelt auch das hohe Engagement der Pädagoginnen und Pädagogen wider, die trotz Personalnotstand und unzureichenden Ressourcen eine wertvolle Arbeit leisten. Um zehn von zehn Kinder zu begeistern, benötigen wir eine stärkere Bereitschaft der Politik, angemessen und perspektivisch in Bildung zu investieren. Um zehn von zehn Kinder zu begeistern, brauchen wir die Möglichkeit, individueller fördern zu können und, wie die Umfrage auch zeigt, eine höhere Investition in einen zeit- und kindgemäßen Schulbau“, sagt Stefan Belau, Vorsitzender des VBE  Nordrhein-Westfalen.

Dass laut Umfrage Schule für die Erst- bis Sechstklässler vor allem ein Ort der sozialen Begegnung ist, überrascht Behlau nicht. „Schulen vermitteln Wissen und verbinden Menschen. Sie sind für junge Menschen die Begegnungsorte Nummer eins. Hier entstehen Freundeskreise, die es sonst vielleicht nicht geben würde. Das Potential ist riesig. Von einer Stärkung der Schulen würden alle profitieren.“ Agentur für Bildungsjournalismus

Mit den Lehrern ihres Kindes sind die allermeisten Eltern zufrieden (obwohl ein Großteil zu Hause die individuelle Förderung übernimmt)

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1 KOMMENTAR

  1. Ja, das erlebe ich auch. Nach den Ferien sagen nicht wenige Kinder, ihnen war in den Ferien zu Hause langweilig und sie haben sich vor allem auf ihre Freunde/Mitschüler gefreut.

    Ansonsten finden sie jedoch trotz aller moderner Methodik und Didaktik Schule meisten langweilig und freuen sich am meisten über Ausfall, Wochenende und Ferien. Daran hat offensichtlich keine noch so tolle Unterrichtsmethodik und -didaktik etwas geändert.

    Es ist also alles wie immer, ich denke, die “Spaßschule” ist auch gescheitert. Sie führt nur zu noch schlechteren Lernergebnissen als früher!

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