Neues Schuljahr in NRW: Dienstlaptops für Lehrkräfte und Noten im Fernunterricht

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DÜSSELDORF. Mitten in den Sommerferien laufen im nordrhein-westfälischen Schulministerium die Planungen auf Hochtouren, wie es nach den Ferien weitergeht. Zur Debatte stehen systematische Corona-Tests. Darüber will die Landesregierung noch in dieser Woche beraten, wie Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) ankündigte. Klar ist schon jetzt: Lernen auf Distanz wird im neuen Schuljahr wie normaler Unterricht bewertet und Lehrkräfte können sich endlich einen Dienstlaptop zulegen.

Laptop Home-Office Digitalisierung (c) shutterstock/Pixel-Shot
NRW stellt 103 Millionen Euro zur Verfügung, um seine Lehrkräfte mit Dienstlaptops auszustatten. (c) shutterstock/Pixel-Shot

Gebauer lässt Bewegung in ihrer bisher eher ablehnenden Haltung zu „anlasslosen Massentests“ erkennen. Es gebe im In- und Ausland Entwicklungen bei den Corona-Infektionen, die Anlass zur Abwägung gäben, Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher „in noch zu definierenden Abständen testen zu lassen“. Zur Debatte stehen dabei in der Runde der Ministerinnen und Minister nach dpa-Informationen verschiedene Fragen:

  • Sollen sich Lehrkräfte, die Sorge vor einer Ansteckung haben, kostenlos testen lassen dürfen?
  • Wird die ganze Schule durchgetestet, wenn ein Kind oder eine Lehrkraft erkrankt?
  • Soll es an ausgewählten Schulen wissenschaftlich begleitete Tests geben?
  • Müssen Corona-Tests von Lehrenden und Lernenden verlangt werden, die aus Risikoländern zurückkehren und wie wäre die Finanzierung zu regeln?

Bereits geltende Corona-Schutzmaßnahmen bleiben bestehen

Klar ist bereits, dass die 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler sowie die fast 200.000 Lehrkräfte in den rund 6.000 Schulen in NRW auch nach den Sommerferien weiter mit den üblichen Corona-Schutzmaßnahmen leben müssen – etwa mit Abstandsregeln und Masken in größeren Menschenansammlungen. Die jüngst von der Kultusministerkonferenz beschlossenen bundesweit einheitlichen Hygieneregeln (news4teachers berichtete) seien in NRW aber schon Standard und brächten keine Veränderungen, versichert Gebauer.

Eine Neuerung steht hingegen bei der Bewertung von Leistungen an, die coronabedingt beim sogenannten Unterricht auf Distanz erbracht werden. Sie sollen künftig ebenso wie Präsenzunterricht benotet werden. Eine entsprechende Verordnung sei derzeit in Vorbereitung. Bis zu den Sommerferien waren negative Homeschooling-Leistungen nicht in Leistungsbewertungen eingeflossen. Lediglich positive Leistungen seien beim Sozialverhalten mitberücksichtigt worden, erläutert Gebauer.

Laptops und Tablets für Lehrer und Schüler

Alle Lehrkräfte sowie alle bedürftigen Schülerinnen und Schüler sollen Laptops oder Tablet-Computer aus einem öffentlichen Förderprogramm finanziert bekommen. Es könne jedoch nicht sichergestellt werden, dass sämtliche Geräte schon nach den Sommerferien bei allen vorhanden seien, räumt Gebauer ein. Sie geht daher davon aus, dass Lehrkräfte bei ihren Aufgabenstellungen auch weiterhin Rücksicht auf die jeweilige Ausstattung der Schülerinnen und Schüler nähmen.

Das Förderprogramm soll bis zum Jahresende laufen. Die Geräte könnten von den Schulen aber schon jetzt angeschafft und nachträglich abgerechnet werden. Das sei rückwirkend ab dem 16. März möglich. Das Ziel sei, die digitale Technik „so schnell als möglich“ zur Verfügung zu stellen. Daher sollten die Schulen alle benötigten digitalen Geräte schon jetzt bestellen und nicht auf die für kommende Woche geplante Veröffentlichung der Förderrichtlinie warten. Ein Ausstattungsstandard werde von der Landesregierung nicht vorgegeben, so Gebauer.

Über die Verteilung entscheidet die Schule, die die Geräte kostenlos ausleihen soll. Rein rechnerisch reiche der 178 Millionen Euro schwere Fördertopf für Schülerinnen und Schüler, um die 356.000 Kinder und Jugendlichen auszustatten, die in NRW in Mindestsicherung leben. Für die Lehrkräfte sind weitere 103 Millionen vorgesehen. Smartphones gehören nicht zum Förderprogramm. (dpa)

Gebauer stellt Schulschließungen nach Corona-Ausbrüchen infrage – Lehrerverbände ziehen wenig schmeichelhafte Schuljahresbilanz

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16 KOMMENTARE

  1. „ Die Geräte könnten von den Schulen aber schon jetzt angeschafft und nachträglich abgerechnet werden.“ Hier zeigt sich mal wieder die ziemliche Ahnungslosigkeit. Nicht die Schulen bestellen die Geräte, sondern die Kommunen. Und so lange dem Kämmerer keine klare Richtlinie über das zustehende Geld vorliegt, wird dort gar keine Bestellung genehmigt.
    Grundsätzlich jedoch eine gute Idee. Wenn jetzt noch sichergestellt wird, dass jedes Kind einen stabilen Internetzugang hat, kann man damit was anfangen.

    • Ja super Idee, jetzt wo der große Teil der Schulleitungen und viele Lehrer ihren einzigen Urlaub im Jahr verbringen. Erwarten die wirklich, dass da bis nach den Sommerferien irgendetwas umgesetzt werden könne? Selbst wenn man wollte, würde man keine beschlussfähige Schulkonferenz hinbekommen, vermutlich nicht mal den Eilausschuss.

      • Eilausschuss. Wieso soll der Eilausschuss das nicht hinbekommen. Die drei Vertreter müssen sich nicht einmal zeitgleich mit der SL treffen. Wozu gibt es das Umlaufverfahren?
        In Schule sehe ich nicht das Problem. Die Beschaffung erfolgt ja nicht über die Schule selbst, die kann ja nur ihren Bedarf beim Sachaufwandsträger anmelden. Die Kommune muss als solcher die IT-Ausstattung beschaffen. Wird sie bei der Beschaffung nämlich ausgeklammert, ist sie zukünftig auch nicht für Wartung, Administration und ersatzbeschaffungen zuständig. Hinzu kommt. Wie sollen Schulen etwas selbständig beschaffen, sie haben ja kein Geschäftskonto, über das sie den Zahlungsverkehr abwickeln können.

  2. Blanker Aktionismus
    Wie sollen Schulen jetzt irgendwelche Entscheidungen treffe.
    Da müssen zahlreiche Abstimmungen im Kollegium, der Lehrer o feten und Schulkonferenz erfolgen. Was sollen wir bestellen, wenn der Bedarf bei den Schülerinnen und Schülern nicht bekannt ist.
    Welche Programme müssen, dürfen auf den Endgeräten installiert werde.
    Welche Sinn machen die Endgeräte wenn die schulische und häusliche Infrastruktur unzureichend ist…….
    Fragen über Fragen

    Wenn jetzt alle ei Fach bestellen ist das Chaos vorprogrammiert.
    Die Schulen sind doch gar nicht vorbereitet.
    Ich tippe mal, wenn jetzt ca 500.000 Endgeräte planlos bestellt werden, dann werden dies zum Beginn des Schuljahres 2021 – 2022 hoffentlich einsatzfähig sein.

  3. „Daher sollten die Schulen alle benötigten digitalen Geräte schon jetzt bestellen und nicht auf die für kommende Woche geplante Veröffentlichung der Förderrichtlinie warten.“
    Völlig unrealistisch. Da kommen doch pro Schule schnell 100000€ zusammen. Dann werden bestensfalls nach den Sommerferien die 200 Geräte hingestellt. Also muss man davon ausgehen, dass jeder Nutzer sein Gerät selbst einrichten soll. Für Lehrer bedeutet das, dass sie mit diesen Geräten genau so unsicher bezüglich der Datenschutzvorgaben sind wie mit privat angeschafften Geräten. Die meisten Lehrer sind da keine Experten, um es mal nett zu formulieren.
    Was ist, wenn ein Gerät defekt ist? Bekommt der Schüler oder Lehrer dann ein neues? Wer bezahlt Wartung und Folgekosten?
    Sicher ist nur: Die Schulen haben jetzt den schwarzen Peter und müssen sich den Eltern gegenüber rechtfertigen, warum noch keine Geräte da sind.

  4. Bei ca. 200.000 Lehrkräften ergibt das rund 500 Euro pro Lehrkraft und Dienstlaptop. Dazu zählen sicherlich auch Lizenzen für Betriebssystem und Software, sowie Versicherung und Wartung. Für das Geld bekommt man Mittelklasse iPads, die für den Unterricht ausreichend sind, jedoch für die Arbeit neben dem Unterricht völlig ungeeignet. Alternativ gäbe es Laptops in der Preisklasse, die jedoch oft geringe Lebensdauer haben. Ich nehme nämlich Mal stark an, dass diese Dienstgeräte dann am besten auch bis 2035 halten sollen, bis man wieder neu investiert? Dann beiß ich lieber in den sauren Apfel und bezahle meine Technik selbst. Dann weiß ich wenigstens, dass sie auch im Berufsalltag funktioniert.

  5. Bei den Mengen muss jeder Kämmerer erstmal eine Europaweite Auschreibung machen. Bis die durch ist, die Beschaffung eingeleitet und die Geräte in Betrieb genommen werden, dauert das eine Weile. Wir warten bei uns an der Schule dank dieser Vorgehensweise jetzt schon zwei Jahre auf die neuen Rechner.
    Die Lieferanten warten mit Ihrer Recnnung ja sicherlich auch gerne, bis die Fördergelde abgerufen werden können. Ich kenne keine Schule, die dass finanziell an der Komunne vorbei im Kreuz hat.
    Im nächsten Schritt heißt es dann, die Lehrer können ja in Vorleistung gehen, und müssen dann hoffen, das sie die Gelder zurück bekommen. Na dann, viel Spass beim Kampf mit den Abrechnungsstellen, wenn man erklären darf, warum dieses Gerät mit dieser Ausstattung gekauft wurde.
    Die System- und Netzwerkadminstratoren an den Schulen freuen sich sicherlich auch schon, wenn sie eine Vielzahl von unterschiedlichen Geräten ins Schulnetz einbinden dürfen, und für die Datensicherheit und die Netzsicherheit sorgen sollen. Das ist den Anrechnungsstunden, die sie dafür bekommem, sicherlich problemlos drin.
    Schlage vielleicht mal vor, dass sich die Damen und Herren sich mal in die reale Welt begeben. Die Vorgehensweise, ich stelle einen begrenzten Geldtopf hin und dann wird alles gut, funktioniert halt leider nicht so einfach.

    • Aber die sind doch in der eralen Welt. Wenn Yvonne ein neues Tablet oder Labtop für den dienstlichen Gebrauch haben will, dann sagt sie das ihrem persönlichen Referenten und der kümmert sich darum. Der geht ins Vorzimmer des Ministerinnenbüros und sagt der RB‘, dass sie den Labtop entweder über dei Hausverwaltung beschaffen soll oder diesen kauft und den Vorgang im Anschluss zwecks Kostenerstattung mit der Hausverwaltung abrechnet.

      Sie sehen, die politisch Verantwortlichen stehen mitten im Leben und kenen sich aus.

      Sollte der oben beschriebene Beschafungsweg zu monieren sein, so findet sich das vermutlich im Bericht des landesrechnungshofes wieder – vermutlich auf einer der letzten Seiten. Also wen juckt es?

  6. Ich kann mir nur vorstellen, dass Laschet seine Bikdungsministerin zu diesen Schritten „angeregt“ hat. Er führt ja den – aus den Augen einiger Beibachtdr bereits verlorenen – Kampf um die Kanzlerkanditatur und kann jede gute Presse momentan mehr als gebrauchen.

  7. Ich habe Kinder und bin entsetzt über die Entwicklung. Ein Grund keine Kinder mehr zu gebären. Wenn Homescooling so easy wäre, dann brauchen wir keine Lehrkräfte mehr. Es wird alles auf den Rücken der Schüler und Eltern ausgetragen. Und die die wollen das das Kind Abi schafft, müssen Privatlehrer bezahlen. Ein neuer Markt der teuer boomen wird und wieder sich nur die Reichen leisten können.Was geht hier eigentlich ab!?? Ich bin nur noch wütend und traurig das meine Kinder noch in der 9. und 10. Klasse hängen. Wir Eltern haben doppelte Belastung. Eigener Job und Schule spielen. Zeigt mir die Vorbildkinder, die sich so gut alleine strukturieren können und sich alles selber beibringen. Es sind die wenigsten. Und Lehrer und bedürftige Kinder bekommen Laptops. Und die Mittelschicht, die auch viel Schultern muss hat mal wieder Pech gehabt und muss einen Kredit aufnehmen in der Höhe der Schulkinderanzahl. Das ist doch alles so verrückt und krank das System. Man ist nur noch ohnmächtig in diesen Land. Es sitzt kein normaler anscheinend an dieser Quelle der den Stress mit Kinder zu Hause lernen kennt. Da wird für sehr viel Familienkrieg zusätzlich gesorgt. Aber wenn interessieren denn die Kinder? Corona ist das grosse Thema. Da kann man die Bildung der Kinder unter den Teppich fallen lassen. Schaffen sie Homescooling nicht, dann werden sie halt schlecht bewertet. Das wird ja jetzt so durchgesetzt. Ahhhjaaaa….so mies! So unglaublich mies.

    • Wenn denn die meisten Erziehungsberechtigten und Schüler*innen an Bildung interessiert wären und nicht an einem höherwertigen Schulabschluss, würde die Aussetzung der Schulpflicht funktionieren können.
      Wenn „home-schooling“ anstelle der allgemeinen Schulpflich treten würde, gäbe es wieder „Privatlehrer“. Und das bestimmt nicht in der Mittelschicht. Der belibt nur die Möglichkeit, die sie derzeit auch schon über die amßen nutzt, die private Nachhilfe. Warum nur boomt dieser Markt in Deutschland so stark?
      Die vordergründige Argumentationsweise ist, der Unterricht ist „so schlecht, dass die Kinder nichts lernen. Wer sich näher damit auseinander setzt, wird feststellen, dass viele der SuS im Unterricht sich zurück lehnen, da sie ja den Unterrichtsstoff mit Hilfe der Nachhilfe auf sich persönlich zugeschnitten in kleinen Häppchen eingebleut bekommen. Die dahinterstehende Devise ist:
      „Was nix kostet, ist auch nix.“

  8. Da drängen sich, neben allen oben genannten Punkten noch weitere Fragen auf.
    Wer soll den technischen Support übernehmen, wer richtet die Geräte ein? Was passiert mit defekten Geräten?
    Unglaublich, dass das jetzt Schulen bzw das Lehrpersonal selber übernehmen soll.
    Völlig aussichtslos, dass das erfolgreich wird

  9. Hoffentlich wird Homeschooling dann endlich Mal normal erlaubt und bewertet. Fanden wir viel besser als Schule .kann viel mehr Rücksicht auf Tempo einzelner nehmen. Insbesondere bei Schwächen und die Überflieger profitieren garantiert auch

    • @dickebank
      Meinen Sie „Umzug“ oder „Auswanderung“?

      @Karin Göttler
      Das hoffe ich auch. In unserer Gesellschaft, die Neid für eine Tugend der Gerechtigkeit hält, sehe ich für das Homeschooling jedoch ein großes Hindernis. Es darf nicht sein, dass Kinder durch bildungsbewusste und -interessierte Elternhäuser Vorteile haben.

      Ich erinnere mich noch an die Diskussionen um Hausaufgaben und die Forderung ihrer Abschaffung, weil es ja auch hier Unterschiede in der häuslichen Hilfe gibt, die es wegen „Benachteiligung“ nicht geben darf. Lieber sollen alle gleich benachteiligt sein, als dass manche Kinder Vorteile durch ihre Elternhäuser haben.

      Zitat: „Dem Kapitalismus wohnt ein Laster inne: Die Verteilung der Güter. Dem Sozialismus hingegen wohnt eine Tugend inne: Die gleichmäßige Verteilung des Elends.“ (Winston Churchill)

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