Auf Abstand – bis hin zur Videokonferenz: Corona verändert auch Elternabende

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BERLIN. Elternabende rangieren auf der Liste der beliebtesten Veranstaltungen nicht unbedingt ganz oben. In Corona-Zeiten freuen sich manche über ein Online-Treffen vom heimischen Sofa aus. Wo Elternabende analog stattfinden, sind kreative Lösungen gefragt.

So geht’s auch: Elternabend als Videokonferenz (Symbolbild). Foto: Shutterstock

Manch einer hatte vielleicht gehofft, dass Elternabende in Corona-Zeiten ausfallen. Doch es gibt sie trotzdem: Draußen auf dem Schulhof oder auf dem Sportplatz, in der Aula, teils mit Maske, immer mit Abstand. Einige Gruppen kommen auch digital zusammen. Die anderen Mütter und Väter nur auf dem Bildschirm – der ein oder andere kann dem viel abgewinnen, wie ein Blick ins Netz zeigt: «Nächste Woche dann mein erster Elternabend über Zoom», twittert etwa Nutzer PhyreWorX. «Das heißt, ich kann mich endlich mal vorher ordentlich besaufen und Leute selektiv stummschalten. Spätestens jetzt hat sich Corona doch gelohnt.»

GEW: Keinen Elternabend um jeden Preis

Ilka Hoffmann, GEW-Vorstandsmitglied für den Schulbereich, findet Online-Elternabende schwierig. «Manche Eltern kommen technisch gar nicht mit einer Videokonferenz klar. Auch unter Lehrern sind die Kompetenzen da sehr unterschiedlich. Das schließt dann auch wieder manche Menschen aus», sagt sie. Einen Elternabend um jeden Preis brauche es in Corona-Zeiten nicht. «Elternabende dienen vor allem der Information. Und auch sonst kommen nicht immer alle Eltern.» Da reiche vielleicht auch einfach ein gut formulierter und klar verständlicher Brief. «Und wenn jemand Fragen hat, ruft er an.»

Aus Sicht der Vorsitzenden des Deutschen Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing, sollten Elternabende auch in Corona-Zeiten nicht ausfallen. Gerade jetzt gebe es großen Abstimmungsbedarf, betont sie. Ob ein digitaler Elternabend eine gute Alternative sei, müsse immer abgewogen werden. «Da, wo Eltern sich noch nicht kennen, da, wo Elternvertreter gewählt werden, da ist ein digitaler Elternabend vermutlich kein guter Ersatz. Wo die digitalen Möglichkeiten vorhanden sind und Einverständnis hergestellt ist, sollten mit digitalen Elternabenden Erfahrungen gesammelt werden.»

Bundeselternrat: Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus ist wichtig – gerade jetzt

Bundeselternratsvorsitzender Stephan Wassmuth findet, Elternabende müssten einfach sein, auch jetzt. «Man kommt nicht drum herum. Ansonsten bricht die ganze Elternarbeit zusammen», sagt er. «In der jetzigen Phase ist Kommunikation extrem wichtig.» Wenn man sich vor Ort treffe, dann aus seiner Sicht besser mit Mund-Nasen-Schutz. «Das machen die Eltern doch aus eigenem Interesse. Aber klar, es gibt auch unvernünftige Eltern. Wenn man sich streiten will, kriegt man das hin.» Wichtig sei es, Listen zu führen, wer neben wem gesessen habe, um bei einem Corona-Fall zu wissen, wer in Quarantäne müsse.

Hoffmann von der GEW betont, Elternabende in der Schule müssten zeitlich versetzt geplant werden und die Eltern vorher über die Hygieneregeln Bescheid wissen. Dann seien auch Treffen vor Ort gut möglich. «Es ist natürlich so, dass ein analoges Treffen eine andere Qualität hat als ein digitales Treffen.»

Lin-Klitzing vom Philologenverband zufolge haben viele Länder in ihren Hygieneplänen Elternabende schon mitgedacht. Dann gelten die bekannten Regeln: Abstand halten, querlüften, am besten noch Mund-Nasen-Schutz. «Wenn der Abstand eingehalten werden soll, braucht man sehr große Räume, so dass in Aula, Musiksaal oder Mensa ausgewichen werden muss.» Die Situation spiegele ein altbekanntes Problem wider: «Wenn wir kleinere Klassen hätten, wäre es leichter, den Abstand einzuhalten, denn dann wären auch weniger Eltern da.»

Elternabende sind effizienter geworden – aber auch langweiliger

Corona macht Elternabende effizienter. «Die ersten Erfahrungen zeigen gerade, dass Elternabende noch mehr als sonst von einem hohen Informationsbedürfnis geprägt sind, trotzdem sind sie kürzer», erzählt Lin-Klitzing. «Locker zusammensitzen, hinterher noch länger sprechen, das geht eben gerade nicht. Positiv gesprochen: Es ist effizienter, aber: Das sehr kontrollierte Miteinander macht sich natürlich auch negativ bemerkbar, es fehlen das Informelle und die Spontaneität.» Nicht jedem missfällt das. Nutzer kurznach12 beispielsweise schreibt auf Twitter: «Beim Elternabend halte ich einfach so viel Abstand, dass ich mich mit niemandem unterhalten muss. Es ist nicht alles schlecht.»

Die Überlegungen zu Elternabenden in Corona-Zeiten weisen schon in die Zukunft. Lin-Klitzing vom Philologenverband resümiert: «Ich glaube, auf Dauer kann es auch nach Corona eine sinnvolle Kombination von beidem geben: Präsenzelternabende und digitale Elternabende sowie individuelle digitale Sprechstunden. Wir lernen ja aus den Corona-Erfahrungen.» Von Christine Cornelius, dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Wassmuth: „Die Verantwortlichen tun so, als wäre nichts gewesen“ – Bundeselternrat fordert kleinere Lerngruppen (nicht nur wegen Corona)

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11 KOMMENTARE

  1. ??? «Elternabende dienen vor allem der Information. Und auch sonst kommen nicht immer alle Eltern.» Da reiche vielleicht auch einfach ein gut formulierter und klar verständlicher Brief. «Und wenn jemand Fragen hat, ruft er an.»
    Da lege ich gleich das gefühlte Zeugnis zwei Wochen vorher mit rein und fahre in die Ferien…
    Ich dachte, ich bin Pädagoge und nicht Rezensent oder Autor…

    • „Geht rechtlich nicht“ ist in den meisten Fällen eine Ausrede. Da sollte man lieber überlegen, ob man das entsprechende Recht nicht aus dem 19. ins 21. Jahrhundert holt.

      • Nein, es ist keine Ausrede. Die Durchführung der Wahlen ist klar geregelt. Im Falle von Klassen- und Schulpflegschaftswahlen ist ja nicht das passive Wahlrecht das größte Problem. Wie wollen sie das aktive Wahlrecht umsetzen, wenn die Wählenden die Kandidaten nicht kennen?

        • Wo ist der Unterschied, ob man jemanden auf x Meter Abstand mit Maske kurz persönlich kennenlernt oder ob man das in einer Videokonferenz macht? Ich sehe da keinen Unterschied zwischen dem Kennenlernen in einem Raum mit 1,5m Mindestabstand und Masken und dem Kennenlernen in einer Videokonferenz (natürlich mit aktiver Kamera).

  2. Bei uns hat ein digitaler Elternabend wunderbar funktioniert und es gab auch niemanden, der aus technischen Gründen nicht teilnehmen konnte. Solange letzteres gewährleistet ist, sehe ich keinen Grund, irgendein Risiko einzugehen und/oder großen Aufwand zu treiben, um derlei um jeden Preis in Präsenz abzuhalten.

  3. Es gibt keinen Passus im Schulgesetz, der hier etwas regelt (BB), insofern ist das eine Frage der Geschäftsordnung und die gibt sich die Elternschaft selbst.

  4. Elternabend immer mit Abstand? Nicht bei uns. Ganz normal wie immer in der kleinen Klasse (während man ansonsten die Schule noch nicht einmal betreten darf), lediglich eine Maske solle man mitbringen.

    Wir versuchen sonst immer, dass einer von uns hingeht. Dieses Mal haben wir den Wahnsinn nicht mitgemacht.

    Auf der Rückantwort zur Einladung habe ich stattdessen vermerkt, dass ich dagegen bin, die Klassenfahrt (der nächste Wahnsinn) stattfinden zu lassen falls darüber abgestimmt werden würde.

    • Bei uns wurde leider über eine anstehende Klassenfahrt gar nicht abgestimmt, sie wurde einfach terminiert. Ein Unding… meiner Meinung nach sollten Klassenfahrten momentan gar nicht abgehalten werden, und ich verstehe auch nicht, dass Lehrer sich darauf einlassen, diese Verantwortung zu tragen. Ich würde hierfür meinen Kopf nicht hinhalten wollen.

  5. Wir waren in der Turnhalle, das Informationsbedürfnis war offenbar groß, da mehr Eltern als beim letzten Mal vertreten waren.

    Per digitalem Medium konnte ich vor den Ferien ca. 2-3 Eltern erreichen. Da wäre ich mit einem Elternabend per Videokonferenz nicht weit gekommen.

    Das Lesen von Briefen ist offenbar eine Herausforderung, (das Zuhören am Elternabend auch),
    alles was digital ist, wird von vielen offenbar nicht wahrgenommen.
    Die Eltern rufen auch nicht an.

    Sie gehen mit dem fiebernden Kind nicht zum Arzt, sondern schicken es wieder zur Schule,
    dass Maskenpflicht herrscht, scheint man über Wochen ignorieren zu können.

    Die Eltern filtern: „Die Schule ist offen.“ und „Regelbetrieb“.
    Damit gehen sie von normalem Schulalltag aus und wundern sich, wenn Fenster offen stehen, Kinder zum Händewaschen angehalten werden oder die Lehrkraft keine Einzelbetreuung am Schülertisch vornimmt.

  6. Wenn Schule auf Unterricht (am besten noch ausschließlich D, Ma, Eng) reduziert wird, kommt Pädagogik zu kurz. Mein Gott – Inlandsfahrten unter Berücksichtigung der Kohortentrennung ist nicht gefährlicher als „Regelbetrieb“, haben aber eine unersetzliche pädagogische Potenz. Ich bin jedenfalls in Absprache mit meinen Eltern dazu bereit.

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