Kultusministerium schreibt Lehrern Förderung ihrer Schüler und Beratungsgespräche für Eltern vor – GEW: Wir sind keine Anfänger!

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HANNOVER. Angesichts der wachsenden Verunsicherung um immer mehr Corona-Fälle unter Schülern und Lehrern hat Niedersachsens Kultusminister Tonne die Lehrer des Landes in einem Brief daran erinnert, „dass der Umgang mit Infektionen in Schule auch ein Stück weit zum schulischen Alltag gehört“. Das Schreiben ist der Begleittext zu einem Konzeptpapier, das den Schulen dezidiert vorschreibt, wie sie in der Krise pädagogisch zu verfahren haben. Der Minister glaube offenbar, er habe bei den 80.000 Lehrern im Land mit Berufsanfängern zu tun, kritisiert die GEW.

Muss das Ministerium Lehrkräften und Schulleitungen ihren Job erklären? Foto: Shutterstock

Angriff ist die beste Verteidigung – mag sich Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) gedacht haben. Angesichts von Corona-Fällen an Schulen hat Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne die Umsetzung der Hygienepläne angemahnt. Die vorgelegten Hygienepläne sagten genau, wer für was Sorge zu tragen habe, erklärte der SPD-Politiker im Interview der «Braunschweiger Zeitung». «Wenn es nicht getan wird, müssen wir im zweiten Schritt sagen: nun, liebe Leute, macht ihr das.» Tonne betonte, er habe viele Rückmeldungen, wonach die Schulen gut mit den Vorgaben arbeiten könnten: «Wenn es nicht läuft, wird dem nachgegangen.» Er forderte: «Seife und Papierhandtücher und Desinfektionsmittel müssen sichergestellt sein.»

Schulleitungen vwerden verpflichtet, Projekttage durchzuführen

«Jeder muss seine Hausaufgaben machen», sagte Tonne der Zeitung. «Es gibt auch viele Schulträger, die das vorbildlich lösen. Den Rahmenhygieneplan haben wir gemeinsam mit Landesgesundheitsamt und Kommunalen Spitzenverbänden erarbeitet. Die wussten, was auf sie zukommt. Debatten helfen uns da nicht.»

Hintergrund der Offensive: Tonne hat in dieser Woche ein neues „Corona-Kompensationskonzept für allgemeinbildende Schulen“ verschickt – und das stößt auf Kritik. Darin werden die Schulleitungen unter anderem verpflichtet, Projekttage und Gespräche zur individuellen Aufarbeitung durchzuführen.

«Keine Schulleiterin, kein Lehrer hat sechs Wochen Sommerferien gemacht, sondern genau an den Dingen gearbeitet, die ihnen der Minister jetzt vorschlägt», sagte die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Laura Pooth, der «Nordwest-Zeitung». Den Schulleitungen würde misstraut, es entstünde der Eindruck, dass der Minister glaubt, er habe es mit 80.000 Berufsanfängern zu tun.

Lehrer sollen den Eltern „Rückmeldung über den Lernerfolg geben“

So heißt es in dem Papier: „Alle Schulen sind verpflichtet, in der ersten Zeit des Schuljahres zur wirkungsvollen individuellen Unterstützung der Schülerinnen und Schüler und zur Verstärkung der Erziehungspartnerschaft den Erziehungsberechtigten sowie den Schülerinnen und Schülern ein individuelles Beratungsangebot zu unterbreiten. Dieses Angebot umfasst ein Gespräch zwischen der Klassenlehrkraft oder einer Vertretung mit den Erziehungsberechtigten, in der Regel gemeinsam mit der jeweiligen Schülerin bzw. dem jeweiligen Schüler. Es soll zwischen Schuljahresbeginn und Herbstferien stattfinden und kann auch telefonisch oder digital erfolgen. Ein persönliches Gespräch ist jedoch vorzuziehen.“

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Als Inhalt eines Beratungsgesprächs eigne sich zum Beispiel eine „Rückmeldung über den Lernprozess und Lernerfolg der Schülerin bzw. des Schülers an die Erziehungsberechtigten“.

Der Vorsitzende des Verbands Niedersächsischer Lehrkräfte, Torsten Neumann, kritisierte, dass das zehnseitige Papier erst diese Woche verschickt worden sei. Es hätte schon im Juni oder Juli den Schulen zur Verfügung stehen müssen, «bevor alle Planungen abgeschlossen sind und nicht erst, wenn das Schuljahr bereits in der dritten Woche läuft», hieß es in einer Mitteilung des Verbandes.

Sanktionen gegen Schulen, die das Papier nicht umsetzen?

In dem Papier steht zum Beispiel auch, dass alle Schulen im Falle eines Shutdown verpflichtet sind, einzelnen Schülern aller Schuljahrgänge über die Angebote der Notbetreuung hinaus beaufsichtigte Arbeitsplätze für das Distanzlernen zur Verfügung zu stellen – entsprechend ihrer sächlichen und personellen Ressourcen. Pooth forderte in der «Nordwest-Zeitung», das Arbeitspapier nicht zur Pflicht zu machen. «Keinesfalls dürfen jetzt noch Sanktionen durchgesetzt werden.» News4teachers / mit Material der dpa

Hier lässt sich das „Kompensationskonzept“ des Ministeriums vollständig herunterladen.

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

An immer mehr Schulen häufen sich die Corona-Infektionen – Zufall?

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33 KOMMENTARE

  1. Traumabewältigung ist ein wichtiges Thema und nach der Beendigung des Schulöffnungsthemas aktuell in aller Munde, aber in dem Moment, als sich alle wieder strahlend gemeinsam im Unterricht sitzen, da sollen Schulen rollenspiel-projektartig bis zu fünf Unterrichtstage in den nächsten vier Wochen verlieren, Klasssenarbeiten verschieben usw. ?

    Der „ruckelnde Regelbetrieb“ bekommt dadurch – meiner Meinung nach – gerade einen ganz festen Ruck!

  2. „Kompensation (Psychologie), der Ersatz oder Ausgleich von real vorhandenen oder vermeintlichen Mängeln durch andere Fähigkeiten.“
    Wikipedia
    Nach Lesen des Artikels frage ich mich, was der KM da an (eigenen) Mängeln kompensieren will, indem er den Lehrern gesteigerte Tätigkeiten vorschreibt. Elternsprechtage finden in der Regel im November statt, jetzt zusätzlich auch noch vor den Herbstferien? Die Planung des Schuljahres erfolgt nicht 3 Wochen nach Beginn desselben.
    Apropos Aufgaben:
    Der MNS müsste nach dem Arbeitsschutz vom Arbeitgeber bezahlt werden, in NRW sind angeblich 1 Mill. vom Land an die Lehrer verteilt worden, angekommen ist da bei uns nichts. Meine tägliche Maske zahle ich selber…soviel zu nicht gemachten Hausaufgaben seitens der Ministerien.

    • Da haben sie was falsch verstanden Die Masken waren ausdrücklich nicht für die Lehrer bestimmt. Wie käme denn auch das Land dazu, für den Arbeitsschutz der Lehrer zu sorgen? Die Masken durften nur an Schüler ausgegeben werden, die ihre „vergessen“ hatten.

  3. Wie man in den wald hinein ruft, so schallt es heraus.

    Ein Kultusminister, der mich wie einen Anfänger behandelt.. na dann kann ich auch ganz anders..

  4. Wir sind eine kleine Dorfschule. Unsere Schüler haben von Corona auch in ihrer Freizeit nicht viel mitbekommen. Traumabewältigung??? Die haben eher ein Trauma, weil sie jetzt wieder zur Schule müssen:-)) Warum überlässt man den Lehrern nicht die Entscheidung, welche Kinder Hilfe brauchen, anstatt alle zu verpflichten.

  5. Bei uns in NRW sind auch keine Masken angekommen….Hoffentlich kann ich die selbst gekauften Masken wenigstens von der Steuer absetzen…Das geht nämlich langsam ins Geld. Und müssten für uns angestellte Lehrer nicht der gleiche Arbeitsschutz gelten wir für andere Arbeitnehmer….?

  6. Wo sind denn die Kultusminister, die sich doch mal schützend vor ihre Lehrer stellen? Ich erwarte keinen Applaus wie beim Pflegepersonal, aber als Anfang wäre mal ganz schön, die Kultusminister würden uns Lehrer nicht wieder und wieder als Vollpfosten hinstellen. Wie sagte der Hase zum Igel? „Ich bin schon da!“ Wo du gerade bist, bin ich schon längst! Richtig, wir sind keine blutigen Anfänger!!!!!!!!!!!!!!

    P.S.: Will ich mich schützen und mir die guten FFP2 Masken kaufen, weil mein Arbeitgeber sie nicht stellt, dann geht das im Monat schon ins Geld. Ist das eine Form der Kürzung der Bezüge?!?

    • Vielleicht sollten sie mal an die Wochen vor den Sommerferien denken !!! Haben sie, wie zig-tausend andere während ihrer „zusätzlichen Freizeit“ Kurzarbeitergeld erhalten ??? Sich jetzt über den Kauf von Masken aufzuregen ist ja wohl das Letzte !!! Sie arbeiten nicht in einer Risikogruppe wie Pfleger und Ärzte !!!
      Jammern auf hohem Niveau !!!

      • Ja, denken wir mal an die Zeit vor den Sommerferien zurück.

        Da gab es Menschen, die regulär gearbeitet haben.
        Da gab es anscheinend Menschen, die ohne Arbeit zu verrichten zu Hause bleiben mussten und Kurzarbeitergeld erhielten.

        Dann gab es andere, die im Homeoffice waren und von dort aus ihre Arbeit erledigten und regulär entlohnt wurden.

        Lehrkräfte waren zunächst im Homeoffice, später wieder im Unterricht, das Homeoffice gehört tatsächlich immer mit zum Aufgabenbereich, weil der Arbeitgeber in den Schulen keine Plätze stellt.
        In den Osterferien, als sehr viele Menschen im Homeoffice oder in Kurzarbeit waren, mussten die Lehrkräfte in den Schulen die Notbetreuung übernehmen, einschließlich WE und Feiertage, ohne Ausgleich von Arbeitszeit oder Lohn oder Zulagen. Ist das sonst auch üblich? Ist es Jammern auf hohem Niveau, wenn man darauf verweist, oder wünschen Sie sich tatsächlich, dass Zulagen und Mehrarbeitsvergütungen in allen anderen Branchen auch gestrichen werden?

        Tatsächlich haben sehr viele andere Lehrkräfte über Ostern im Homeoffice das Distanzlernen vorbereitet, digitale Wege gesucht und administriert etc.
        In den Sommerferien war es nicht sonderlich besser, da auch da immer neue Bestimmungen kamen, die umzusetzen waren.

        Es ist schön, wenn Sie vor den Sommerferien schon viel zusätzliche Freizeit hatten, womöglich bezahlt, die Freizeit von Lehrkräften ist in diesem Jahr verpufft, Mehrarbeit wird weder gezählt noch vergütet, Urlaubsgeld kennt man ohnehin nicht. Aber vielleicht tauschen wir da mal mit anderen Berufsbildern, bauen die Arbeitszeiterfassung dort ab, um sie in Schulen zu installieren, und ziehen Zulagen dort ab, um sie hier zu gewähren.
        Alternativ könnten ja die, die so viel Freizeit haben, in den Schulen eingesetzt werden, um dort die Betreuung zu übernehmen oder andere der vielfältigen zusätzlichen Aufgaben. Da fällt den Kultusministern sicher in Zukunft noch mehr ein.

        Ebenso wie die Vorgaben zur Arbeitszeit in den Schulen nicht umgesetzt werden, steht es auch mit anderen arbeitsschutzrechtlichen Bestimmungen.

        Vermutlich kann man so viel Wut und Hass nur projizieren, wenn man sich mit der Realität nicht auseinandersetzen kann oder will.

        • Vielen Dank, palim, für die sachliche Richtigstellung! Auch wenn es wie in jedem Beruf ein paar schwarze Schafe geben mag, dem Großteil meines Kollegiums erging es genau so.

      • Wir haben kein Kurzarbeitergeld erhalten, weil wir keine Kurzarbeit hatten, sondern die Schüler per Fernunterricht beschult haben. Dies wurde auch mit ziemlich hohem Arbeits- und Materialaufwand erledigt, oft mit wie üblich unbezahlten Überstunden.
        Doch wir arbeiten in einer Risikogruppe, da jederzeit Kontakt zu positiven Personen über einen längeren Zeitraum ohne jeglichen Schutz (kein Abstand, keine ausreichende Belüftung, keine Maske – also jede Regel der Virologen missachtet) stattfindet. In meiner Klasse so geschehen. Alle unter Quarantäne. Nicht die LehrerInnen, sondern ein Schüler war positiv und hat das Virus in die Klasse getragen.
        Ja, da braucht man als LehrerIn eine Maske, die im übrigen außerhalb des Unterrichts in meinem Bundesland getragen werden muss. Die sollte dann auch der Arbeitgeber stellen, wie bei jedem anderen Arbeitnehmer. Aber die viel zitierte besondere Fürsorgepflicht meines Arbeitgebers heißt: Sorge für dich selbst, weil ich mich nicht an die Gesetze halte und du mir egal bist.

      • Welche zusätzlich Freizeit meinen Sie? Ich habe kaum jeh mehr gearbeitet (und das ist sowieso schon mehr als 42 Stunden/Woche) als seit Corona – bin immernoch im Homeoffice (Videounterricht nach Stundentafel, es fällt nichts aus!!!) und schlafe Nachts nicht mehr …
        Wir sind Profis! Ich bin die Beleidigungen unseres Berufsstands sooo leid – ich erkläre auch niemand anderem, was er im Job machen soll, und unterstelle ihm grundsätzlich Inkompetenz oder Faulheit. Das ist übergriffig!

  7. Herr Tonne, die Schülerinnen und Schüler sollen ihr Homeoffice reflektieren? Haben Sie schon einmal eine Förderschule Schwerpunkt GE besucht? Wie sollen wir diese Gespräche führen, wie das Homeschooling gestalten, was sagen Sie zu Kohorten und Inklusion, Lehrer arbeiten hier schulübergreifend. Es wird Zeit den Thron zu verlassen!

    • Es wird viel Wahres gesagt. So auch hier. Aber wer von den Verantwortlichen, für die das gilt, ziehen sich den Schuh an? und ändern was??z.B. in Richtung Machbarkeit und gegen Überbelastung. Hat nicht schon 1 Ministerium die neue Zeit verkündet: Die Arbeitstage haben ab gestern 30 Stunden- statt 24- bis zur nächsten Zwangsverordnung?!

    • PAPIER IST GEDULDIG!
      In der Ablage erledigt oder überholt sich das Geforderte oft schon von alleine! Bei der Menge an anderen Forderungen kann das schon schnell mal passieren, schließlich soll ja hauptsächlich Unterricht erteilt werden! Es gibt auch noch den Papierkorb,wenn man es mit uns zu bunt treibt!

  8. Unsere Lehrkräfte sind ständig mit den Eltern in Kontakt gewesen. Was wir und vor allem die Schüler/innen jetzt brauchen, ist wieder ein wenig Regelbetrieb. Verlässlicher Unterricht. Kontinuität.

  9. Die Aufforderungen und Anforderungen aus dem Papier sind eine Zumutung und eine neue kurzfristige Änderung, die uns ständig erreichen. Immerhin hat man bei der Veröffentlichung dieses Mal von Freitagnachmittag abgesehen und einen anderen Wochentag gewählt.

    Nun müssen wieder viele Umsetzungen überlegt und dieses Mal auch mit der Elternvertretung abgestimmt werden.
    In den verbleibenden 4 Wochen bis zu den Herbstferien braucht die Schule zu den gestellten Aufgaben eine Vorgehensweise, muss dann aber auch noch einen Elternsprechtag unter Hygienebedingungen durchführen,
    während gleichzeitig die normalen Anforderungen zu erbringen sind, Klassenarbeiten darf man erst streichen, wenn es zur Verminderung von Präsenzzeiten kommt.
    Die Aufgaben sind also direkte Mehrarbeit!

    Jede Lehrkraft hat im Blick, dass die Quarantäne täglich kommen könnte. Also beginnt man zügig, Notfallregelungen mit Schülern und Eltern zu besprechen, Elternabende sind gelaufen, man erfasst den Lernstand -wie immer zu Beginn des Schuljahres, bereitet die erste Klassenarbeit vor, tatsächlich sind Eltern und Kinder angesichts dieser Normalität beruhigt oder erleichtert. Dass das Ministerium nun eine Lernstandserhebung fordert, zeigt, wie weit entfernt die dort Arbeitenden vom Schulalltag sind. Ein einwöchiges Praktikum könnte helfen! Tatsächlich gab es bereits am 14.8. ein Konzept zum Umgang mit Lernrückständen. Nun braucht es knapp 4 Wochen später ein neues, ergänzendes Papier. Warum konnte der Inhalt nicht vor einem Monat verschickt werden, sodass man die Jahresplanung vor Unterrichtsbeginn hätte anpassen können? Die andere Möglichkeit ist, dass das Land vermitteln möchte, dass Lehrkräfte nicht vorausschauend das Schuljahr planen. Man lässt es besser, nächste Woche kann schon wieder alles anders sein.

    Nun soll ich den Schulalltag unterbrechen bzw. raffen und überplanen, denn zusätzliche Projekttage müssen veranstaltet werden, die den Zeitraum von Ostern bis Himmelfahrt in den Blick nehmen. Das ist für Grundschulkinder lange her, die Erhebung zum Umgang mit Aufgaben ist nach Pfingsten längst gelaufen, die Schlüsse daraus konnte man über die Sommerferien ziehen auf Grundlage der vorliegenden Konzepte. Zählt alles nicht, es muss nun neu erhoben werden.

    Zwar interessiert mich durchaus die psychosoziale Verfassung meiner Schülerschaft, tatsächlich ist da aber durchaus auch eine Grenze zu ziehen: Solche Schwierigkeiten sollten Fachkräfte übernehmen! Müssen die Mitarbeitenden in den Jugendämtern nun unbezahlte Mehrarbeit übernehmen und alle Psychotherapeuten in der Woche 10 Stunden mehr anbieten, mit oder ohne Abrechnung?

    Tatsächlich bräuchte ich kleine 5-Personen-Elternabende, nur so könnte der Abstand im Klassenraum eingehalten werden, an denen ich den Umgang mit dem Internet und den seit Ostern neuen digitalen Möglichkeiten erkläre und beibringe. Das müsste in den kommenden Wochen erfolgen, damit man bei angeordneter Quarantäne oder den nächsten Schulschließungen weit mehr als beim letzten Mal digital erreichen kann.
    Wann diese kommt, kann man nicht wissen, aber die Schließung kompletter Oberstufen zeigt, dass es schon morgen so weit sein könnte. Tatsächlich sind etliche Kinder krank zu Hause, dank neuem Schnupfenplan, der eine Testung nicht vorschreibt, aber bald wieder im Unterricht. Keine Testung bei Kindern – kein Corona bei Kindern. Ich frage mich, ob dies ein Ausdruck mangelnden Interesses bei den Forschenden ist oder mangelnder Verantwortung derer, die für den Schutz aller an Schule Beteiligter verantwortlich sein sollten.

    Die Zeit ist knapp, das ist sie sonst auch, aber bei aller vorausschauender Planung verliert man nun zusätzlich Unterrichtszeit, es braucht Zeit zum Händewaschen, zum Lüften und für das Besprechen, Erinnern und Ermahnen von immer neuen Regelungen. Es ist eben ein EINGESCHRÄNKTER Regelunterricht, die Einschränkung bezieht sich auf Tätigkeiten, aber auch auf die zur Verfügung stehende Zeit für die tatsächliche Auseinandersetzung mit Inhalten. Eine Erinnerung an das Abstandsgebot ist prima, hilft aber wenig, obwohl es der einzige Schutz ist, der in Schulen bleibt. Erster Protest regt sich schon wegen des Lüftens, denn es ist kalt in den Klassen und die Wespen kommen zu Besuch. Diese Bedrohung ist viel offensichtlicher als ein unsichtbares Virus.

    Der Rahmenhygieneplan vom 7.8. war am 26.8. (Schulanfang) schon wieder veraltet und brauchte Änderungen, die in der Schule ebensolche nach sich ziehen müssen. So konnte man nicht einmal die erste volle Woche wie geplant ablaufen lassen. Die knappen Halbwertszeiten der Planungen und Umsetzungen verursachen Schwindel und Ungewissheiten und erzeugt bei manchen das Gefühl der Beliebigkeit.

    Die Veröffentlichungen der ersten 9 Schultage:
    Rundverfügung zum Schulstart, Brief an Lehrkräfte, Brief an SchülerInnen, Rundverfügung zu Meldepflichten, neue Ferienordnung, Änderung zum Umgang mit Infekten, Änderung zum Umgang mit vulnerablen Angehörige (von SchülerInnen), geänderte Anträge auf Befreiung vom Präsenzunterricht, Brief an die Lehrkräfte und besagtes Corona-Kompensations-Konzept.

    Auch das braucht letztlich Zeit im Unterricht, vor allem aber auch viel außerunterrichtlichen Zeit.
    Und das in einem Bundesland, in dem es Lehrkräftemangel gibt, an allen Schulformen seit Jahren nicht einmal die ausgeschriebenen Stellen besetzt werden konnten, eine Arbeitszeiterhebung 2016 (bald das 5jährige!) signifikante Mehrarbeit aufgezeigt hat, eine Arbeitszeitkommission dringend Entlastung auf vielerlei Weise zeitnah empfohlen hat, die Überstundenuhr fortwährend läuft.

    Nach der Erhebung „Mehr Zeit für gute Schule“ hat das Land das Ergebnis, dass sich die Schulen von der Schulbehörde nicht unterstützt fühlen, offenbar zum Anlass genommen, sich besser zu kümmern. Das ist gut, denn die Botschaft ist angekommen. Allerdings braucht es hier ein Qualitätsmanagement, das das Übersteuern eindämmt: Kümmern bedeutet nicht, die Schulen mit Briefen zu überschütten, in denen weitere Aufgaben und Ausarbeitungen nach unten delegiert werden, für die ebenso die Anrechnungszeit fehlt!

    Ein Verweis am Rande: Die immer wieder genannte Niedersächsische Bildungscloud hat uns noch nicht erreicht. Schulen, die darauf warten, können bisher kaum digitale Angebote machen, weil sie ihnen nicht zur Verfügung stehen.

    Nicht geklärt ist auch, wer im Fall einer Quarantäne die trotzdem anzubietende Notbetreuung und jetzt das Beaufsichtigen der SchülerInnen an den bereitgestellten Arbeitsplätzen übernehmen wird. Bisher sind die Lehrkräfte von der Quarantäne ebenso betroffen, wie die Schülerschaft.

    Das Land geht womöglich davon aus, dass Lehrkräfte rund um die Uhr arbeiten und deshalb auch in der Schule wohnen und dann dort die Quarantäne einhalten. So sind auch die Angehörigen der Lehrkräfte hervorragend geschützt.
    Die Rund-um-die-Uhr-Schul-Quarantäne wird anschließend sicher großzügig wie eine Klassenfahrt entlohnt: 1 Stunde pro Tag, deren Einlösung zusätzliche Arbeit erfordert, da man den Unterricht ausgearbeitet für Mitarbeitende auf den Tisch legen muss.

  10. Ich bin einfach nur sprachlos, mit wieviel Inkompetenz die Politik hier mit den Schulen umgeht. Kein Geld in die Hand nehmen um unsere Kinder ausreichend zu schützen, z.B. Einbau von Luftschutzfiltern. Jetzt wird die ganze Last der Versäumnisse einfach noch zusätzlich den Lehrern aufgefordert. Wir Eltern und unsere Kinder sind dieser Willkür schutzlos ausgeliefert. Schulen mit bis zu 1000 Schülern, ich würde jedem Verantwortlichen Politiker einmal empfehlen eine Woche vor Ort zu testen, wie es sich anfühlt wenn man unzureichend geschützt wird, immer in der Hoffnung hoffentlich stecke ich mich nicht im Klassenzimmer an und damit dann auch meine Eltern. Lehrer werden von Ihrerm Dienstherrn im Stich gelassen und bekommen zudem immer noch mehr an Forderungen. Einfach nur unglaublich dieses politische Versagen.
    Es bedarf einer dringenden Korrektur!

    • Die Korrektur wird nicht kommen. Man kann andere nicht ändern, nur sich selbst… also, Briefe schreiben, Verantwortung abgeben, von den richtigen die Verantwortung verlangen und wenn sie nicht kommt, Konsequenzen für sich ziehen.

  11. @Palim

    Die Kollegin waren aber zunächst nicht geschockt, viele hatten nämlich bereits seit geraumer Zeit das Lesen der Mitteilungen eingestellt.

    Schätze, einige Schulen bekommen das gar nicht mit.

  12. Man mag über die Alleingänge von Bayern spotten wie man will. Bei uns werden wenigstens die Lehrerverbände gehört und es kommen dann nicht solche realtitätsfremden Maßnahmen heraus wie man es hier liest.

    • Ich persönlich finde sowieso, dass Bayern sich bildungspolitisch wieder einmal gut schlägt. Auch als neulich die vorübergehende Verpflichtung zur Mehrarbeit beschlossen wurde, um Unterrichtsausfall zu vermeiden, die dann, wenn wieder ausreichend Lehrer zur Verfügugn stehen, wieder ausgeglichen werden soll, fand ich das gut. Zumindest besser als wie andere Bundesländer im Abordnungschaos zu enden (Paradebeispiel NDS) oder lauter überforderten Quereinsteigern (Berlin).

      • Das Paradebeispiel hat die Anordnung von Mehrarbeit längst hinter sich.
        Tatsächlich war die Rückgabe der Stunden gar nicht so, wie vorgesehen, stattdessen sollte die Rückgabe der Stunden auf die Jahre vor der regulären Pensionierung verschoben werden.
        Bei der nächsten Aktion wurde dann einfach das Deputat der Schulformen erhöht. Daraufhin gab es Klagen und die bekannte Erhebung der Arbeitszeit über ein Kalenderjahr quer durch alle Schulformen.

        Bildungspolitisch ist deutlich, dass BY die Umsetzung der in der KMK beschlossenen Sachen um Jahre verschleppt oder verschiebt und später aus den Fehlern der anderen Schlüsse zieht. Sich dann dafür selbst zu rühmen und den anderen die Fehler vorzuwerfen, ist schon putzig.
        Bei Corona zeigt sich einmal mehr die Gnade der immer späten Ferien.

        Tatsächlich war BY bei der Verbreitung von Corona sehr früh betroffen, warum die Zahlen nun immer noch hoch sind, trotz Alleingängen und stärkeren Einschränkungen, erschließt sich mir nicht.

  13. Liebe Lehrerschaft, einfach mal eine Woche gemeinsam streiken und schauen, wie brav die Leute aus der laienhaften Politik werden… Druck erzeugt Gegendruck, ist doch alles ganz einfach, wenn man etwas Mum in den Knochen hat

    • Und warum soll ich – Tarifbeschäftigt – für die mehrheit der Beamten den Kopf hin halten?
      Ist schon Komisch, wenn die verbeamteten lehrkräfte in der jetzigen Situation Solidarität einfordern, die sie ansonsten in großen Teilen vermissen lassen.

    • Bist du Beamter, hast du dein Streikrecht verkauft.
      Mal schauen, wie viele Jahre meines Lebens ich mir das antue. Solange die tolle und gewinnbringende Arbeit mit den Kindern überwiegt ist es ok. Ich hoffe, dass das lange so bleibt und ich die Steine des Systemgefängnisses elegant umlaufen kann.
      2. Jahr nach dem Ref.

    • Genau genommen werden Klassenfahrten nicht bestreikt. Sie werden einfach nicht durchgeführt. Und dies ist tatsächlich die einzige Massnahme, die jemals zum Erfolg geführt hat. In NDS wurde die zusätzliche Unterrichtsstunde an Gymnasien zurückgenommen. Bringt natürlich momentan nicht viel, aber man könnte langfristig davon lernen.

  14. Ärztepräsidenten sind keine Virologen, und können somit keine qualifizierten Aussagen zur Corona-Thematik machen. Ich bin keine Psychologin und kann Traumata nicht qualifiziert aufarbeiten. Schlimmer noch: Ich sehe keine traumatisierten Kinder in meiner Klasse, und noch schlimmer: Ich kann nicht mal verstehen, warum ein paar Wochen Schulschliessung Kinder traumatisieren sollten.

    • @Rabe Danke für diesen Hinweis!! Es besagt auch: Die Arbeit wird von den Mitarbeitern gemacht, die ihre Inkompetenzstufe (noch) nicht erreicht haben, aha!
      So schließt sich der Kreis zum „Kompensationskonzept“, vom KM gereicht an seine Lehrer.

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