Lehrer ausgesperrt und Schüler belästigt: Pornografie im Distanzunterricht

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WIESBADEN. Die Lehrerinnen waren anscheinend machtlos: Unbekannte verschafften sich Zutritt zu Lernplattformen und zeigten ausgerechnet Grundschülern pornografische Darstellungen oder Nacktbilder. Jetzt ermittelt die Polizei.

Unbekannte haben sich in Videokonferenzen eingehackt, um Schüler zu belästigen – kein Scherz. Foto: Shutterstock

Nachdem Nacktbilder beziehungsweise pornografische Darstellungen in Lernplattformen von Grundschülern aufgetaucht sind, ermitteln Behörden in Hessen und Bayern. In einem Fall im mittelhessischen Florstadt geht die Polizei dem Verdacht des Verbreitens pornografischer Schriften nach, wie ein Sprecher am Donnerstag in Friedberg sagte. Es könne sein, dass sich im Laufe der Ermittlungen noch weitere mögliche Straftatbestände ergeben. Im niederbayerischen Landshut ermittelt die Kripo wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern.

Im Fall Florstadt hätten Lehrerinnen mit den Schülerinnen und Schülern der zweiten Klasse eine Videokonferenz über eine externe Software organisiert, erklärte ein Sprecher des Kultusministeriums in Wiesbaden. Dabei habe sich ein Teilnehmer mit einem angeblichen Mädchennamen eingewählt, die Lehrerinnen von der Konferenz ausgeschlossen und Pornografie gezeigt. Ein Elternteil habe den Vorfall bemerkt und gemeldet.

Möglicherweise hätten die Unbekannten aber einfach die Zugangsdaten zum Chat gekannt, mutmaßt die Polizei

Auch in Niederbayern wurde am Donnerstag ein Fall bekannt, bei dem sich ein Unbekannter Zugang zur Lernplattform einer Grundschule verschafft hat. Eine Achtjährige in Mainburg habe während des Online-Unterrichts Bilder eines nackten Mannes angezeigt bekommen, teilte die Polizei mit. Auch in diesem Fall, der sich bereits am Dienstag ereignet habe, sei die Lehrerin von dem Unbekannten aus dem Chatraum entfernt worden. Einen ähnlichen Fall gab es ebenfalls am Dienstag an einer anderen Grundschule in Niederbayern. Auf der Online-Lernplattform einer Schule in Abensberg waren beleidigende Videos abgespielt worden. Zum Teil soll es nach Polizeiangaben zu verbalen Beleidigungen gegenüber Schülern und deren Eltern gekommen sein.

Die Schule installierte nach dem Vorfall laut Polizei ein Sicherheitsupdate für den Heimunterricht während der Corona-Pandemie. Möglicherweise hätten die Unbekannten aber einfach die Zugangsdaten zum Chat gekannt, sagte ein Sprecher der Polizei. Nach den Worten des Ministeriumssprechers in Wiesbaden gibt es in Hessen vereinzelt Informationen darüber, dass Videokonferenzen zwischen Lehrern und Schülern gestört werden. In ganz wenigen Einzelfällen spiele Pornografie eine Rolle. dpa

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11 KOMMENTARE

  1. Wie immer: Das HKM schiebt alle Verantwortung weit von sich. Gerade typisch das Schreiben an die Schulen: jede einzelne Schule darf zwar jetzt auch ausnahmsweise Videokonferenzen im pädagogischen Bereich einsetzen, muss aber selber den Nachweis führen, dass das System datenschutzkonform ist. Sind die Idee in Wiesbaden???? Was machen die da die ganze Zeit? Wo ist die Liste der zulässigen Anbieter? Wie soll eine Einzelschule etwas leisten, was der Datenschutzbeauftragte nicht auf die Pfanne bekommt? Das ist eine Arbeitsverweigerung unerhörten Ausmaßes.

  2. Das Problem mit den Störungen ist weiter verbreitet und geht nicht nur von Erwachsenen aus. Bei TikTok und Instagram können sich Schüler*innen Unterrichtsstörungen bestellen. Die Anzahl der anbietenden Accounts stieg in den letzten Tagen an. Hier werden die Zugangsdaten zu Meetings weitergegeben. Da machen sich einige einen Spaß daraus, Lehrkräfte in den Videokonferenzen vorzuführen und den Unterricht mal mehr, mal weniger zu beeinträchtigen bzw. einen Abbruch zu erzwingen. Zum Teil werden die Meetings gefilmt und die Mitschnitte veröffentlicht. Ich bin auf die Konsequenzen gespannt. Ich kann mich noch an die Datenschutzdiskussionen und Androhungen von Anzeigen im ersten Lockdown erinnern, als Lehrkräfte nicht abgesegnete Software benutzten. Was wird jetzt passieren, wenn Schüler*innen vertrauliche Zugangsdaten im vollem Bewusstsein, dass dies nicht erlaubt ist, an Dritte geben? Wird auch konsequent reagiert werden, wenn keine Pornographie im Spiel ist? Ich bin zutiefst erschüttert von diesen Vorfällen. Mir tun die Lehrkräfte in den oben geschilderten Fällen leid.

  3. Aus genau solchen Gründen verweigere ich mich auch der Nutzung von Konferenztools die außerhalb von Lernsax (Lernplatform in Sachsen) stattfinden. Da können nur die SuS teilnehmen welche meiner Klassevon mir hinzugefügt wurden und wenn ich einen Störer habe kann ich diesen unmittelbar identifizieren. Ja, BBB läuft zuverlässiger. Ja, Zoom bietet deutlich mehr funktionen. Aber wenigstens kann ich so sicher gehen, dass nur meine Schüler und schlimmstenfalls deren Eltern und Geschwister das Unterrichtsgeschehen miterleben und gestalten.

  4. Ich schalte die Cam bei den Videokonferenzen mit SchülerInnen nicht mehr ein und nutze nur noch die vom Dienstherrn angebotenen Systeme. Datenschutz, Persönlichkeitsrechte, Rechtssicherheit- da bin ich mir jetzt selbst am nächsten.

  5. Hier in Mecklenburg gibt es keine zugelassenen Videokonferenzsysteme. Unsere Lernplattform Its learning hat keine Videochatfunktion.
    Damit fällt eine ganz wichtige Kontaktmöglichkeit zwischen dem Lehrer und einer Schülergruppe weg. Seit heute dürfen wir kein Jitsi mehr benutzen.

  6. Nicht nur Schülerstreiche und gehackte Zugänge zeugen von der Unfähigkeit der Länder, sichere Zugänge und Plattformen für die Schulen zu schaffen. Auch ganze Verteilerlisten und Email-Adresslisten der Schüler ganzer Schulen geraten in falsche Hände und verschiedene Coronaverweigerer, Aluhutträger, aber auch politische Fanatiker mit Aufrufen zum Umsturz bis hin zu Empfehlungen, welche Medikamente und Nahrungszusätze zu besseren Prüfungen führen werden verbreitet. Nicht extrem odt, aber immer wieder. All das landet in den schulischen Postfächern von Schülern, was ich durch eigene Anschauung feststellen konnte: im IServ Schulsystem meiner Tochter. Inwieweit andere Systeme betroffen sind, weiß ich nicht

    • @besorgter Vater: Sehr geehrter besogter Vater,

      das ist selbstverständlich inakzeptabel. Sicher haben Sie die Schule darüber informiert. Mein technisches Verständnis ist nicht übermäßig ausgeprägt.
      Dennoch ist davon auszugehen oder zumindest zu vermuten, dass unter IServ eingehende Emails externer Emailadressen geblockt werden können. Schließlich ist IServ im Wesentlichen als interne Plattform für Kommunikation und Austausch der Schulgemeinschaft unereinander konzipiert.
      Mein Vorschlag wäre es, diesbezüglich nachzuhaken, insofern das Problem nicht inzwischen beseitigt ist.

      Mit freundlichen Grüßen
      Ich_bin_neu_hier

  7. Da wurde Jitsy benutzt obwohl z.B. MS Teams zur Verfügung stand…
    Auch bei BBB und Moodle berichten Kollegen ständig von Störern, die sich unter falschem Namen anmelden. Zugang kann nämlich mehrmals und unter anderem Namen möglich, gelernt wird das bei den vielen Abbrüchen und „Rauswürfen“ infolge Überlastung und erneuter Einwahl. Hier kann auch der große Bruder übernommen haben, das müssen keine Schulfremden sein!
    https://www.google.de/amp/s/www.kreis-anzeiger.de/amp/lokales/wetteraukreis/florstadt/zwischenfall-beim-distanzunterricht-polizei-ermittelt_23001301

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