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Schon wieder: NRW ignoriert Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts – Schüler kehren ab 31. Mai in voller Klassenstärke zurück

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DÜSSELDORF. Nach viel Hin und Her für die Schulen auch in NRW soll es bald wieder mehr Normalität geben. Also wieder tägliches Lernen im Klassenzimmer. Sinkende Corona-Zahlen machen es möglich – sagt die Landesregierung. Den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts entspricht das Vorhaben (schon wieder) nicht.

Alles im Griff? Eher nicht: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) auf einer gemeinsamen Pressekonferenz im Februar. Foto: Land NRW

Schüler in Nordrhein-Westfalen sollen ab dem 31. Mai bei stabilen Inzidenzen unter 100 wieder täglich in den Präsenzunterricht zurückkehren. Das kündigten Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Schulministerin Yvonne Gebauer am Mittwoch in Düsseldorfer Landtag an. Voraussetzung sei für die jeweiligen Kreise und kreisfreien Städte eine stabile Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Diese sei schon aktuell in mehr als der Hälfte der 53 Kreise und kreisfreien Städten erreicht. Es sei davon auszugehen, dass sich diese Zahl bis Ende Mai noch deutlich erhöhen werde.

Den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts für den Schulbetrieb entspricht das nicht: Das sieht vor, oberhalb einer Inzidenz von 50 Wechselunterricht vorzusehen, um die Abstandsregel in den Klassenräumen einhalten zu können.

Gebauer zeigt sich zuversichtlich, «dass wir Kindern und Jugendlichen ein Stück Normalität zurückgeben können»

Nordrhein-Westfalen will Schülern aller Schulformen mit dem Schritt zum Monatsende wieder etwas Normalität zurückgeben, betonte Gebauer (FDP). Derzeit befinden sich die Schulen in der überwiegenden Zahl der Kreise und Städte noch in einem abwechselnden Betrieb aus Online- und Präsenzunterricht. Die Inzidenzwerte sinken aber seit einiger Zeit. Bleiben Kreise und Städte unter 100, so könnten die Schüler dort für die verbleibenden fünf Schulwochen bis zu den Sommerferien am 2. Juli wieder in den Klassenräumen unterrichtet werden.

Die Inzidenz für NRW war am Mittwoch landesweit laut Robert Koch-Institut auf 79,9 Neuinfektionen weiter gesunken. Parallel dazu schreitet das Impfen laut Ministerin gut voran. Hygienevorschriften, Masken- und Testpflicht sollten auch weiterhin in den Schulen gelten. Seit Frühjahr werden Schüler und Lehrkräfte im Präsenzmodus zweimal pro Woche getestet.

Nach mehreren Monaten mit weitgehenden Schulschließungen sei sie zuversichtlich, «dass wir Kindern und Jugendlichen ein Stück Normalität zurückgeben können». Das Leid vieler Kinder und Jugendlichen – emotionale, psychische oder soziale Beeinträchtigungen infolge geschlossener Schulen und fehlender Begegnungen – bleibe oft verborgen. «Man kann es nicht messen, nicht grafisch abbilden, aber es ist da.» Schulen, Lehrkräften und Eltern hätten ausreichend Zeit, sich auf die Änderungen im Schulbetrieb einzustellen. Die Möglichkeiten der Bundesnotbremse würden damit im Land voll umgesetzt.

«Soziale Kontakte kann kein Bildschirm ersetzen, und deshalb ist der Präsenzunterricht so wichtig»

Laschet betonte, Corona sei besonders für die Jüngeren eine langfristige Gefahr, auch in psychosozialer Hinsicht. Nach gut einem Jahr mit stark eingeschränkten sozialen Kontakten brauche es unbedingt wieder eine sichere Rückkehr in die Klassenzimmer. «Soziale Kontakte kann kein Bildschirm ersetzen, und deshalb ist der Präsenzunterricht so wichtig.»

Nach der Bundesnotbremse ist reiner Distanzunterricht vorgeschrieben, wenn in Kreisen und kreisfreien Städten eine Sieben-Tage-Inzidenz von 165 registriert wird. Am Mittwoch lag in NRW nur noch Hagen über dieser Schwelle. Unter einem Wert von 165 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner darf es einen Wechselmodus aus Distanz- und Präsenzlernen geben. Ausnahmen galten immer für die Abschlussklassen sowie für die Förderschulen, die im Präsenzbetrieb bleiben konnten.

Die Pandemie drohe auch zu einer Bildungskatastrophe zu werden – mit langfristigen Schäden für viele Schüler, sagte SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty. Man habe viel zu lange über Themen wie die Öffnung der Außengastronomie gesprochen statt vorrangig über Kitas und Schulen.

Die Lehrergewerkschaft GEW mahnte, den Erfolg der bisherigen Maßnahmen dürfe man mit einem Unterricht in voller Klassenstärke nicht aufs Spiel setzten. In Schulen würden damit bald andere Regeln gelten als überall sonst im Land – etwa bei Abstandsgebot oder einem Aufenthalt vieler Menschen in einem Raum über einen längeren Zeitraum hinweg. Man hätte die Entwicklung der Lage noch weiter beobachten sollen, meinte die GEW. Der Verband Bildung und Erziehung betonte: «Vorfreude darf Vorsicht nicht ersetzen.» Nach der Devise «Sicherheit vor Schnelligkeit» solle es vollen Präsenzunterricht erst bei Inzidenzen stabil unter 50 geben, forderte der Verband lehrer nrw – wie es den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts entspricht. News4teachers / mit Material der dpa

Berlin bleibt bis zu den Sommerferien beim Wechselunterricht

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150 Kommentare
Eine Mama von 3 Kindern
5 Jahre zuvor

Man merkt, dass hier viele Lehrer schreiben. Als Mutter von 3 Kindern freue ich mich über die Schulöffnungen. Wir sind beide berufstätig und müssen arbeiten, damit die laufenden Kosten und Kredite bezahlt werden. Diese Belastung, die wir seit Monaten tragen ist bei den Inzidenzwerten einfach nicht mehr verhältnismäßig. Die Kita ist weiterhin um 10 Stunden reduziert und die Schule nur alle 2 Tage für ein paar Stunden offen. Das ist schon ein übler Tagesablauf, den wir als Eltern meistern müssen. Um 5 fängt der Erste an zu arbeiten und um 21 Uhr endet der Tag. Das machen wir schon fast seit 1 1/2 Jahren so. Die Kinder machen das auch sehr gut mit und keiner hängt hinterher.

Wir freuen uns auf jeden Fall über die Schulöffnung und wenn wir mal ehrlich sind, dann sind die Kleinsten die Letzen, die geimpft werden. Wie lange soll das denn so noch weitergehen? Die Kinder brauchen einfach diese fachliche Begleitung der Lehrer. Das können wir Eltern ja gar nicht stemmen. Und da mache ich mir natürlich schon auch Sorgen um die Bildung der Kinder.

Alle Lehrer hatten bisher die Möglichkeit einer 1. Impfung und tragen im Raum eine Maske. Ich denke das Risiko dort schwer krank zu werden ist dadurch auf jeden Fall sehr gering. Zudem werden die Kinder ja auch wirklich ständig getestet.

Ich bin auf jeden Fall zuversichtlich, dass die Schulöffnungen die Zahlen nicht wieder enorm in die Höhe springen lassen. Und wenn das so sein wird, dann wird ja sicherlich wieder alles geschlossen.

Bernd
5 Jahre zuvor

… und die Toten werden umgehend wiederbelebt. Also wo ist das Problem?

Marie
5 Jahre zuvor

„Alle Lehrer hatten bisher die Möglichkeit einer 1. Impfung“. Auch durch permanentes Wiederholen wird diese Aussage nicht wahr. Lediglich die meisten Grundschulkollegen hatten diese Möglichkeit. Erstimpfung heißt im übrigen noch lange nicht Vollschutz, den hat man erst 2 Wochen nach der Zweitimpfung, die so in etwa mit dem Sommerferienbeginn fällig wird.
Auch gern nochmal: Testen verhindert keine Infektionen, das schlägt erst an, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.